Wie baut man einen National Champion, Herr Nominacher?
Dauer: 20:20

Wie baut man einen National Champion, Herr Nominacher?

Alex Hofmann spricht mit dem Celonis-Mitgründer und Co-CEO Bastian Nominacher über den Aufstieg zum globalen Tech-Unternehmen. „Mich hat Technologie immer fasziniert, weil sich so viel so schnell bewegt“, sagt Nominacher im Gespräch. Das Münchner Unternehmen gilt heute als Weltmarktführer für Process Mining. Der Erfolg basiert laut Nominacher auf der Fähigkeit, Ineffizienzen in komplexen Unternehmensabläufen sichtbar zu machen. Das Unternehmen zeigt, wie aus einer universitären Idee ein globaler Standard erwächst.

Europäische Unternehmen stehen bei der Digitalisierung vor großen bürokratischen Hürden. Bastian Nominacher fordert deshalb mehr Augenmaß bei der Regulierung durch die Politik. „Man muss immer unterscheiden, wenn man reguliert, was sind die Zielsetzungen des Ganzen?“, gibt der Unternehmer zu bedenken. Zu strenge Regeln könnten die Innovationskraft am Standort Deutschland massiv einschränken. Er plädiert für Rahmenbedingungen, die Wachstum ermöglichen, statt es durch starre Vorgaben zu bremsen.

Ein strukturelles Problem bleibt die enorme Finanzierungslücke zwischen Europa und den USA im Startup-Sektor. US-amerikanische Investoren stellen oft deutlich mehr Risikokapital für späte Wachstumsphasen bereit. Nominacher sieht hier dringenden Handlungsbedarf, damit europäische Champions nicht frühzeitig abwandern oder verkauft werden.


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Transkript

Sprecher 1: Herzlich willkommen zu Table Today an diesem 29. Dezember. Wir befinden uns zwischen den Jahren, wie es so schön heißt. Und ich hoffe, Sie hatten ein erholsames und ruhiges Weihnachtsfest. Wir gehen jetzt schnurstracks in das Ende dieses Jahres und wollten mal mit einem Menschen sprechen, der in der Öffentlichkeit nicht so bekannt ist, allerdings ein Unternehmen führt, das zu den erfolgreichsten Tech-Unternehmen Europas gehört, führend übrigens im Bereich Process Mining. Von Celonis ist natürlich die Rede. Ein Unternehmen, das anderen Unternehmen dabei hilft, ihre Geschäftsprozesse datenbasiert sichtbar zu machen, Ineffizienzen aufzudecken, also eine echte Data Company. Der Chef Bastian Nominacher ist heute bei uns. Er ist einer der Köpfe hinter diesem Erfolg. Und unser Kollege aus dem CEO-Table, Alex Hofmann, hat mit ihm gesprochen.

Sprecher 2: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 3: Bei mir heute im Podcast ist Bastian Nominacher, einer der beiden CEOs von Celones. Hi!

Sprecher 4: Hallo Alex, schön, dass ich heute bei dir sein darf.

Sprecher 3: Bastian, deine beiden Mitgründer und du seid gestartet als Startup, das die Prozesse anderer Unternehmen analysiert und da Schwachstellen findet. Heute fordert ihr mit einem deutlich breiteren Angebot selbst große Tech-Konzerne heraus. Wie fühlt man sich so im Windschatten von Namen wie SAP oder Microsoft?

Sprecher 4: Mich hat Technologie immer fasziniert, weil sich so viel so schnell bewegt. Und das ist eigentlich das Tolle als Gründer in dem Bereich. Wir haben angefangen mit Process Mining von einzelnen Geschäftsprozessen. Mittlerweile haben wir eine ganze Plattform, die Prozesseintelligenz erfasst, die die Daten nutzbar macht und da wirklich jetzt auch für AI zur Verfügung stellt. Ich finde es vor allem spannend. Das treibt mich an, wenn ich sehe, wie die Kunden da glücklich sind, was die damit umsetzen können und vor allem, welche Werte die in ihrem Geschäft umsetzen. Und dann schauen wir mal, wenn wir das bei vielen Kunden machen. Und gut, dann können wir einen guten Impact erzielen.

Sprecher 3: Spotify für Musik, Black Forest Lab für KI-Bilder, ASML für die Chip-Herstellung. Es gibt nicht so wahnsinnig viele europäische Tech-Unternehmen, die den globalen Durchbruch schaffen. Also auch Celonis ist da eine echte Ausnahme. Was war denn aus deiner Sicht so der entscheidende Faktor?

Sprecher 4: Das, was wir machen, Process Intelligence, da sind wir in dem Bereich erfolgreich, weil wir aus dem akademischen Bereich die führenden Technologien überführt haben und die enger zusammenarbeiten mit unseren Ankerkunden, Unternehmen wie Siemens, Bayer, BMW, die auf einem Level entwickelt haben, dass die wirklich weltweit entsprechend nutzbar sind. Und dann, glaube ich, geht es einfach daran, die Ambitionen, die man vorantreibt, wie man das auch weltweit ausrollt, umsetzt. Wir bei Celonis haben als Kernwert, we live for customer value und das treibt uns voran, wenn wir wirklich mit diesem extremen Wertfokus, was ist der ROI, wir können unsere Kunden das umsetzen, das Unternehmen aufgebaut. Und ich glaube, am Ende ist es das, plus natürlich ein sehr, sehr starkes Team. Also wir haben über 3000 Zellernauten, die uns helfen, jeden Tag die Technologie zu bauen, zu den Kunden zu bringen. Nach deren Einsatz wird es wirklich möglich.

Sprecher 3: Gehört aber auch so ein kleines Quäntchen Glück dazu. Ihr seid ja in einem sehr, sehr spezialisierten Markt unterwegs gewesen, früh dabei und auch was man so ein bisschen schon auch als deutsche Spezialität bezeichnen kann, oder?

Sprecher 4: Glück braucht man da auf jeden Fall. Also das gerade, wenn man natürlich Unternehmen aufbaut, gibt viele Herausforderungen, Themen und Ich glaube aber auch an das Glück des Tüchtigen, wenn man sich wirklich ein Ziel setzt und da mit der richtigen Vision und mit dem richtigen Teamdraum arbeitet. Aber auf jeden Fall, ich glaube nicht, dass es nur eine deutsche Spezialität ist. Also sicherlich profitieren wir davon, dass wir natürlich Deutschland einen sehr starken, ich nenne es jetzt mal Prozess-Exekutionsfokus hat und eine sehr starke industrielle Basis. Und das hat, denke ich, auch geholfen, in der initialen Phase das umzusetzen. Das, was wir aber machen, ist weltweit relevant. Wir haben über 1300 Anwender aus den... führenden Unternehmen in über 20 verschiedenen Branchen. Deshalb glaube ich, ein ganz klassisches, kann man fast so sagen, Exportprodukt. Erstmal hier im Heimatmarkt entwickelt und dann weltweit, und das machen wir ja über 90 verschiedene Länder, unseren Kunden zur Verfügung gestellt.

Sprecher 3: Die Markenbekanntheit von Celonis dürfte wahrscheinlich auch stark gestiegen sein, seitdem ihr SAP verklagt. Aus eurer Sicht hat SAP der eigenen Tochter Signavio Vorteile verschafft oder vielmehr Celonis beim Zugriff auf die notwendigen Daten behindert. Nun gibt es in der EU Kartellgesetze und Regulierungen wie den Data Act, um genau sowas zu verhindern. Da wird immer über viele Vorgaben geschimpft. Jetzt beruft ihr euch auf sie. Wie viel Regulierung braucht es denn? Ein bisschen ja wohl doch.

Sprecher 4: Zum Ersten hoffe ich, dass man natürlich nicht durch solche Themen zu stark in die Bekanntheit bekommt, sondern natürlich vor allem durch den Wert, was unsere Technologie mit umsetzt. Wir bei Celonis glauben daran, dass es einfach ein offenes Ecosystem geben soll, die Kunden. Und das ist gerade, was sich jetzt natürlich das Thema KI sehr stark breit macht, entwickelt, eine absolute Grundlage. Und man kann darüber reden, was sind die verschiedenen Level der Regulierung. Und selbst bevor der Regulierung, die jetzt geschaffen wurde, sind diese Dinge schon problematisch. Und deshalb ist das ein Thema, das wir angestoßen haben mit Freedom Process, um hier sicherzustellen, dass zukünftig die Kunden ihre Daten, die ja die Grundlage sind für KI-Anwendungen, auch entsprechend nutzen zu können. Nicht nur für Celonis, sondern eigentlich für den breiten Markt.

Sprecher 3: Der AI-Act der EU steht ja stark in der Kritik. Siemens-Chef Busch hat ihn sogar als toxisch bezeichnet. Du hast einen offenen Brief unterzeichnet, der eine zweijährige Aussetzung des AI-Act fordert. Gleichzeitig betont Celonis aber auch so die volle Unterstützung der Prinzipien des AI-Act. Wie passt das zusammen? Warum die vorsichtige Kommunikation?

Sprecher 4: Also ich glaube, man muss immer unterscheiden, wenn man reguliert, was sind die Zielsetzungen des Ganzen. Und da gibt es, der Ergt hat sehr wichtige Ziele dahinter, das ist gerade die Zugänglichkeit, den Schutz der Daten, aber das auch in einem Weg umzusetzen, dass es einerseits nutzbar ist und auch die Anwender da entsprechend auch nicht zu stark einschränkt.

Sprecher 3: Habt ihr Kunden, von denen ihr wisst, dass sie wegen des AI-Acts Projekte pausiert haben? Oder ist das so ein Phantom der Lobbyarbeit?

Sprecher 4: Mir wird kein Fall bekannt, wo das passiert wurde. Ich glaube eher, es ist eine Frage, dass es zukünftige Innovationen hemmt oder ähnliches. Man muss natürlich auch einfach mit den Kunden zusammenarbeiten, Wege zu finden, in den Rahmenbedingungen das umzusetzen.

Sprecher 3: Ihr setzt ja selber auch sehr stark auf künstliche Intelligenz. Sie erstellt damit einen sogenannten digitalen Zwilling eines Unternehmens. Erklär doch mal ganz kurz, wie das funktioniert.

Sprecher 4: Ja, also das, was wir bei Celonis geschaffen haben, ist wirklich ein Rundengerät für Geschäftsprozesse. Aber mittlerweile ein kompletter digitaler Zwilling. Was bedeutet das? Wir nehmen die gesamten Abläufe in einem Unternehmen, die beispielsweise in Systemen wie dem CRM-System, in ERP-Systemen ablaufen, laden die in unsere Cloud-Plattform und mit unseren Algorithmen, analysieren wir erstmal, wie die ablaufen, bringen in eine strukturierte, semantische Form und dann kann man damit wirklich auch verschiedenste Arten von Anwendungen aufsetzen. Das ist natürlich ganz klar das ganze Thema der Bottomline, also Kosten effizienter das zu machen, resilienter Lieferketten umzusetzen, die Kundenzufriedenheit auszuwerten und Und das ist aktuell ein sehr, sehr starkes Thema, diese Prozessintelligenz, die in dem digitalen Zwilling ist, auch als Enabler zu nutzen, wirklich Enterprise-KI-Anwendungen aufzusetzen, weil LLM kann nur arbeiten, wenn es im richtigen Kontext arbeitet. Und das ist eigentlich wirklich, wir sind so ein Übersetzer, aus was in den Systemen passiert, in den Prozessen, wir nennen das ein Data Asset, im Endeffekt ein Verständnis, was passiert im Unternehmen, um dann damit in die Optimierung zu gehen.

Sprecher 3: Mit der generellen Technologie ist Celonis mehrere Jahre lang das wertvollste deutsche Startup gewesen. 2021 zum ersten deutschen Decacorn geworden, also nicht nur Unicorn, sondern ein Decacorn mit einer Bewertung von über 10 Milliarden US-Dollar. Die Position habt ihr aber jetzt nicht halten können. Im Sekundärmarkt wird Celonis mit einem Abschlag von bis zu 40 Prozent gehandelt, sagen mehrere Analysen. Währenddessen sind Firmen wie Helsing oder jetzt auch Trade Republic an euch vorbeigezogen. Was macht das mit einem Unternehmen, das ja längst auch absolut, wie du ja auch schon gesagt hast, internationale Relevanz hat? Und wie geht ihr da mit den Erwartungen der Investoren um?

Sprecher 4: Ich glaube, unser Fokus ist immer, wie erzeugen wir Wert für unsere Kunden, wie treiben wir das Ganze mit voran. Und da ist weniger Bereich auf Sekundärmarkt oder ähnliche Aspekte, weil woraus bestimmt sind natürlich eigentlich der Wert in einer Transaktion oder Runde, die stattfindet, ist, was hat man denn für ein Potenzial, was treiben unsere Kunden, was setzen das Ganze mit um. Und deshalb hat das eigentlich wenig Auswirkungen auf unser Kerngeschäft oder wie wir da arbeiten.

Sprecher 3: Legen wir denn in Deutschland genug Wert auf nationale Champions? Also bekommen die genug Aufmerksamkeit? Oder anders gefragt, hättest du dir gewünscht, dass Markus Söder sich auch mit Lederjacke in eurem Büro hätte ablichten lassen, wie er es bei der letzten Präsentation von Helsing gemacht hat?

Sprecher 4: Ja, zum Ersten zu sagen, ich glaube, es ist toll, dass wir mehr und mehr wirklich Startups, Scale-Ups haben, die da sehr, sehr erfolgreich sind, wie Helsing, Trade Republic. Und der Staat kann da wirklich eine starke Rolle spielen als Ankerkunde. Ich habe das ja schon sehr oft angesprochen und das sollte man breitmöglichst nutzen. Und da haben wir relevante Produkte, Helsing und andere. Und ich hoffe, dass das natürlich von der Politik breit entsprechend unterstützt wird.

Sprecher 3: Gab es da mal Bemühungen, dass der Staat auch wirklich Ankerkunde von Celonis wird?

Sprecher 4: Also das Thema der öffentliche Sektor ist ein sehr, sehr spannender Markt für uns. Also weltweit haben wir eine sehr, sehr gute Kundenbasis. Wir haben vor kurzem eine Pressemitteilung gemacht, dass wir in Deutschland da jetzt auch stärker tätig sind. Da haben wir einen wirklich tollen Experten, den Julius Ibel, geholt, um das umzusetzen, weil wir sehen, dass gerade... im Moment die Verwaltung sehr starken Bedarf hat, nach Steigerung der Prozesseffizienz, nach souveränen Alternativen. Und deshalb investieren wir da stärker auch gerade für den deutschen Markt aktuell da rein, weil wir einfach eine sehr starke Nachfrage sehen.

Sprecher 3: Es gibt ja nicht ganz unwesentlichen Teil von erfolgreichen europäischen Tech-Unternehmen, die in die USA abwandern. Ihr seid geblieben, beziehungsweise seid ihr das eigentlich? Ihr habt ja auch einen Sitz in New York.

Sprecher 4: Also wir bei Celonis betrachten uns als ein globales Unternehmen. Wir haben weltweit Kunden und wir haben natürlich auch weltweites Talent, das wir benutzen. Wir haben eine sehr, sehr starke DNA. Wir haben unseren Hauptsitz hier in München, weil wir einen Großteil der Entwicklung haben. Und ich glaube, das muss man auch. Wir hatten es vorher kurz in der Diskussion, das Thema Export. Nur dann kann man eigentlich wirklich erfolgreich sein. Und das ist, wie ich das Ganze sehe. Ich denke da wenig drüber nach. Sind wir ein deutsches Unternehmen? Sind wir ein indisches Unternehmen? Sind wir ein amerikanisches Unternehmen? Wir müssen die beste Technologie für unsere Kunden bieten und da wirklich die Ergebnisse liefern.

Sprecher 3: Der Dreigang-Report hat gezeigt, dass es zwischen Deutschland und den USA eine Finanzierungslücke von fast 400 Milliarden Dollar gibt. Ihr habt Celonis damals mit 12.500 Euro gegründet und wurdet innerhalb eines Jahres profitabel. Widerspricht die Erfolgsgeschichte von Celonis nicht der These, dass Europa mehr Kapital braucht?

Sprecher 4: Nein, absolut nicht. Ich glaube, also warum haben wir damals den Weg des Bootstrappings gewählt? Einfach, weil wir da keine Business-Ingressions- die einerseits in das technologische Risiko und auch das Vermarktungsrisiko investieren wollten und dann sehr schnell eigentlich genau diese Anker-Kunden hatten, die mit uns das entwickelt haben. Aber natürlich kann man das Ganze beschleunigen. Es gibt ja viele Technologien, die vielleicht gar nicht umsetzen können. Also wenn ich jetzt, was habt ihr so viel? Initialaufwand davor, zu viel Initialinvestment, dass ich das vielleicht gar nicht über Bootstrapping aufbauen kann. Ich glaube absolut, wir haben ja sehr große finanzielle Ressourcen. Auch in dem Bereich leiten können wird, dass mehr Wohlstand, mehr Innovation bringen und hilft auch, unsere Altersvorsorge abzusichern. Also ich denke, das ist gar nicht ein Widerspruch. Man sagt ja, die Ausnahme muss ja nicht unbedingt die Regel bestätigen in diesem Fall.

Sprecher 3: Du investierst als Business Angel ja auch selbst in junge Startups. Im Koalitionsvertrag sind ganz viele große Versprechen für junge Unternehmen drin. Mehr Wachstumskapital, weniger Bürokratie, schnellere Gründung. Wenn du heute mal eine Zwischenbilanz ziehen müsstest, was von all dem ist denn bislang bei Gründerinnen und Gründern angekommen?

Sprecher 4: Mit der neuen Regierung haben wir da wirklich einen sehr, sehr starken Fokus darauf. Da gibt es einige Initiativen, die sind sehr, sehr vielversprechend. Also beispielsweise mit dem ganzen Thema, was sich jetzt um Made for Germany, auch mit dem ganzen Thema, wie ich die Technologie, wir haben es vorher gesprochen, mit dem Ankerkunden, da sehe ich eine sehr, sehr starke Bewegung. Aber natürlich müssen wir jetzt dann auch das fortsetzen, müssen wir wirklich massive Investitionen, den Bürokratieabbau und das umzusetzen. Ich bin aber eher der, der das Glas halb leer.

Sprecher 3: Thema Indien hattest du vorhin schon angesprochen. Ihr investiert 100 Millionen in Indien und wollt dort auch einen nennenswerten Teil der Belegschaft beschäftigen. Wird Bangalore zum weiteren Hauptquartier?

Sprecher 4: Wie ich es vorher schon angesprochen habe, wir sind ein internationales Unternehmen und gerade Indien ist ein extrem relevanter Markt für uns aus verschiedenen Aspekten. Zum einen gibt es da sehr, sehr gutes Talent. Zum anderen der unglaubliche Wachstum. Da gibt es einfach sehr viele Prozesse in Unternehmen und die brauchen natürlich auch Unterstützung. Und zum dritten, viele Unternehmen haben dann natürlich auch ihre Prozessausführung, die Shared Service Center. Also wird es weiteres Headquarter? Nein, sind wir da sehr, sehr stark präsent. Ja, weil wir da einfach daran glauben, dass das notwendig ist, um einerseits die lokalen Kunden, aber auch unsere globale Kundenbasis aufzubauen. Und das ist super spannend und deshalb investieren wir da sehr, sehr stark rein und freue mich auch, dass wir jetzt mit dem Dilip Kandewal einen sehr, sehr guten Leader haben, der uns hilft, da mit dem lokalen Netzwerk das umzusetzen. Das ist super spannend und ich denke, das verschafft dem Ganzen nochmal einen zusätzlichen Schub.

Sprecher 3: SRP hat ja bald wahrscheinlich sogar mehr Mitarbeiter in Indien als in Deutschland. Folgt ihr diesem Pfad oder ist eure Indien-Strategie fundamental anders?

Sprecher 4: Deutschland ist weiterhin unser Headquarter, wo wir aktiv sind. Das ist unser innovativster Markt mit den Anker-Kunden plus den Engineers, das mitzuentwickeln. Aber auch hier wieder, wir sind ein internationales Unternehmen. Wir gehen wirklich dahin, wo einerseits nicht die Kundennachfrage ist und auch die Talente, das damit umzusetzen. Das wird sich ja, glaube ich, in der Zukunft so entwickeln. Kommt natürlich auf eine Balance, auch wie der indische Markt sich entwickelt. Glaube ich aber jetzt nicht, dass dieser Trend eintreten wird.

Sprecher 3: Der Standort München hat Celones geholfen, groß zu werden. Dann gibt es ja auch die große Initiative Unternehmertum von der BMW. Er hat mit Susanne Klatten mitgegründet. Braucht erfolgreiche Gründerförderung immer privates Mäzenatentum oder kann das der Staat auch?

Sprecher 4: Ich glaube, das kann sowohl der Staat als auch privat. Ich glaube, das Wichtigste ist eher nur, dass man das angeht. Das ist ja ein tolles Beispiel mit dem Münchner Ecosystem, wo verschiedene Zutaten zusammenkommen. Einerseits natürlich die akademische Basis mit den Universitäten. Ich glaube, auch das Umfeld der Anker-Kunden. Und wenn es dann natürlich so einen Impuls gibt. Was die Frau Gratten macht, ist wirklich bewundernswert, das umzusetzen mit dem Unternehmertum, diesem Bereich. Ich glaube, das hat diesen Impuls gegeben, das nochmal zu beschleunigen. Da kann es aber natürlich auch öffentliche Programme geben. Wir haben ja zum Beispiel von dem Exis Gründerstipendium profitiert oder auch andere Maßnahmen. Würde ich gar nicht mehr ausschließen. Ich glaube, wir müssen jeden Hebel und Ansatzpunkt nutzen. Und da gibt es ja auch Ansatzpunkte, das über Deutschland weit auszurollen, auch wenn man andere starke Universitätsstädte da die Kernaspekte zu replizieren, aber nicht unbedingt immer zu kopieren.

Sprecher 3: Glaubst du, das kann funktionieren, weil in München ja doch auch wahnsinnig viel zusammenkommt? Zwei starke Universitäten, ganz viele starke, große Industriekonzerne. Das gibt es an anderen Stellen in dieser... Konstellationen in der Stärke nicht, glaubst du, das kann trotzdem erfolgreich sein?

Sprecher 4: Absolut. Man muss natürlich immer die jeweiligen Ecosysteme zugeschnitten haben. Aber es gibt auch in anderen Städten starke Industriecluster. Es gibt, glaube ich, deutschlandweit sehr starke Ausbildung und Universitäten. Ist das immer auch zu dem Level? Muss man natürlich auch schauen von dem Volumen. Das ist beeindruckend, wie viele Startups da jetzt entstehen in München. Aber denke ich auf jeden Fall, dass es da vielleicht fünf, sechs, sieben solcher Zentren in Deutschland geben kann. Aber wenn man sich überlegt, was es für die Wertschöpfung bedeuten kann, Arbeitsplätze, Innovation. Also ich bin da optimistisch. Aber als Unternehmer ist man eher jemand, der die Chancen als die Probleme sieht.

Sprecher 3: Europa hat pro Jahr ja immer nur eine ganz geringe Zahl an Milliarden-Exits. In den USA sind es deutlich mehr. Glaubst du, der europäische Markt ist überhaupt reif für so große Tech-Konzerne?

Sprecher 4: Ich glaube, der Markt bestimmt sich immer vor allem dadurch, wie viel erstmal die Kundenbasis da ist. Und die Kundenbasis ist natürlich einerseits die Anzahl der Unternehmen. Ich glaube, da haben wir eine starke Industrie im B2B-Bereich von den Anwendern, aber auch auf der B2C-Bereich haben wir mehr Konsumenten in Europa als in den USA. Deshalb glaube ich auf jeden Fall. Bewertungen oder was danach ist immer eine Folge eigentlich, was bedient man für den Markt, wo setzt man das mit um. Heute haben wir eine Themenstellung, dass viel im Consumer-Bereich und auch im B2B-Bereich von großen amerikanischen Playern bedient wird und wenn das europäische Unternehmen machen, ASML als Beispiel, können die das genauso gut erreichen. Also da kann ich mir auf jeden Fall vorstellen.

Sprecher 3: Wenn ich dich jetzt frage, wann der Celonis IPO kommt, bekomme ich dann eine konkrete Antwort?

Sprecher 4: Nein, ich habe keine konkrete Antwort, weil das momentan auch kein Fokus für uns ist. Die Leute fragen immer wieder danach, aber wir sind sehr stark auf unsere Kunden fokussiert. Wir können uns sehr gut vorstellen, langfristig ein börsennotiertes Unternehmen zu sein, aber da gibt es aktuell kein konkretes Datum und deshalb kann ich da auch nichts sagen.

Sprecher 3: Dann so, wenn es denn zum IPO kommt, New York oder Frankfurt? Du sagtest mal, es würden alle Möglichkeiten geprüft.

Sprecher 4: Genau, und das ist auch weiter in der Falle. Ich glaube, als Unternehmer muss man immer, wenn man so einen sehr wichtigen Schritt macht, einfach überlegen, da gibt es viele gute Experten, das haben wir das auch gemacht in unseren Finanzierungsrunden, wir haben wirklich wichtige Dinge gemacht, da mit dem Setup und dann alle Aspekte mit einbeziehen. Und die, glaube ich, es wäre hybrisch, wenn man das von vornherein einfach festlegt, ohne dann sich mit allen Fakten zu beschäftigen.

Sprecher 3: Was spricht denn konkret für Frankfurt oder ist das eher nur diplomatische Rhetorik, dass Frankfurt immer noch aufgezählt wird?

Sprecher 4: Also wie ich gesagt habe, es ist momentan nicht unser Fokus. Das heißt, ich habe jetzt nicht hier eine Liste liegen, da steht New York, Frankfurt, sondern wenn du mir sagst, was liegt hier, hier liegt eher, mit welchen Kunden ich heute noch telefoniere und wie die ihre Prozesse am besten nutzen können. Gerade das Thema KI im Enterprise-Kontext. Deshalb kann ich da jetzt wirklich keine fachkundige Antwort momentan darauf geben.

Sprecher 3: Bastian, wir spielen jeden Tag einen verlängerten Adventskalender. Was ist denn ein Musikwunsch, den du dir wünschen würdest?

Sprecher 4: Ich finde eigentlich Rudolph the Red-Nosed Reindeer ein sehr schönes Weihnachtslied.

Sprecher 3: Bassian Nomi nachher ganz herzlichen Dank.

Sprecher 4: Ja, vielen Dank, Alex, dass ich heute hier sein durfte und den guten Austausch.

Sprecher 2: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.