Was bleibt vom Friedensgipfel?
Europa und die USA haben beim Berliner Friedensgipfel Einigkeit demonstriert, aber Wladimir Putin – der entscheidende Akteur – lässt keine Zustimmung erkennen. Echte Bewegung in den festgefahrenen Konflikt könnte vermutlich nur Donald Trump bringen, wenn er denn weitreichende Sanktionen verhängt.
[01:36]
In der Konrad-Adenauer-Stiftung kommt es zu einer historischen Kampfkandidatur um den Vorsitz. Die ehemalige CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer tritt überraschend gegen den von Kanzler Merz favorisierten Günter Krings an. Krings sollte das Amt eigentlich als Ausgleich für entgangene Regierungsposten erhalten. Kramp-Karrenbauer wird jedoch unter anderem vom scheidenden Stiftungspräsidenten Norbert Lammert unterstützt.
[08:08]
Die Bundesregierung plant zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge Milliarden-Kürzungen bei den Kliniken. Thomas Lemke, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG, kritisiert diesen Schritt als „Tiefschlag“. Er sieht die Ursachen der Kostenexplosion nicht bei den Krankenhäusern, sondern im gesetzlich verordneten Pflegebudget und Tarifsteigerungen.
[13:07]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die Welt schaut gespannt nach Washington und nach Moskau und wartet auf den nächsten Zug. Denn trotz des großen Gipfels in Berlin, des sogenannten Friedensgipfels, herrscht weiter Unsicherheit. Wie erfolgreich war dieses Treffen wirklich und wie geht es jetzt weiter? Wir fassen die Lage für Sie zusammen.
Sprecher 3: Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist so etwas wie der außenpolitische Think Tank der CDU mit Büros in fast 100 Ländern. Und dort kommt es jetzt an der Spitze zu einer Kampfkandidatur von Annegret Kramp-Karrenbauer, die ehemalige CDU-Chefin, gegen den Favoriten von Bundeskanzler Merz, nämlich Günther Krings, den einflussreichen Chef der NRW-Landesgruppe. Das ist ein Novum. In der Adenauer Stiftung 52 Mitglieder entscheiden und wir sagen Ihnen mal, wo die Mehrheiten liegen.
Sprecher 2: Schwarz-Rot hat versprochen, dass die Krankenkassenbeiträge nächstes Jahr nicht steigen. Aber das kann nur funktionieren, wenn Milliarden gespart werden, denn den gesetzlichen Kassen fehlt es einfach an Geld. Ein Schritt dafür könnte das Sparpaket sein, das heute im Vermittlungsausschuss diskutiert wird. Magdalena Latz, unsere Kollegin vom Berlin Table, hat mit Thomas Lemke, dem Chef der Sana-Kliniken, über mögliche Sparmaßnahmen gesprochen.
Sprecher 3: Und zum Schluss öffnen wir wieder ein musikalisches Adventskalendertürchen. Dahinter diesmal der Song von unserer Hörerin Sandra Janowski. Es ist Mittwoch, der 7. 10. Dezember, los geht's.
Sprecher 2: Michael, man kann in Berlin wieder Auto fahren und auch durch den Tiergarten Fahrrad fahren. Der Gipfel ist vorbei. Was bleibt davon?
Sprecher 3: Ja, vor allen Dingen erstmal muss ich sagen, die Tatsache, dass zwar Europa und USA wieder an einem Tisch sitzt und sich sogar weitgehend einig ist, aber am Ende immer wieder der entscheidende Mensch nicht mit am Tisch sitzt, nämlich Wladimir Putin. Und wie die Reaktion vom Kreml gestern aussah, Helene, das hatten wir ja noch gar nicht besprochen, die ist schon unverfroren. Man wolle ja dauerhaften Frieden und jetzt keinen Waffenstillstand, wo sich die Ukraine resetteln könne. Also da ist wirklich wenig Verhandlungsbereitschaft. All diese Linken und BSWler und wer auch immer in den letzten Monaten gesagt hat, wir müssten doch endlich mal Initiativen zeigen zu mehr Diplomatie. Ja, von wegen, ohne Putin ist alles nix.
Sprecher 2: Ja, und gleichzeitig natürlich unfassbar zynisch zu sagen, wir wollen Frieden und deshalb keine Waffenruhe. Wenn man da zumindest mal die Bitte denkt, dass über Weihnachten nicht geschossen wird, dass man diese Bitte abschlägt. Und das ist ja nicht die Bitte nur der Ukraine, sondern der ganzen westlichen Welt. Das zeigt ja auch, wie die Russen in dieser Frage ticken. Das zeigt noch einmal mehr, kann man sagen, wie die Russen in dieser Frage ticken, denn eigentlich wissen wir das ja schon.
Sprecher 3: Immerhin gab es einen Austausch von Zivilisten an der belarussischen Grenze. Also es gibt auch mal ab und zu Signale, dass man doch wenigstens über Weihnachten vielleicht mal die Waffen schweigen lassen könnte. Das war auch... Auch eine Forderung von Bundeskanzler Friedrich Merz, der sagte, wollen wir nicht wenigstens über Weihnachten mal Ruhe einkehren lassen, aber auch das wurde brüst zurückgewiesen. Also am Ende bleibt es immer wieder dabei, Helene, so oft wir es hier schon analysiert haben, Trump muss dauerhaft klar, nachvollziehbar und wirklich mit ein paar Waffen auf dem Tisch gegenüber Putin auftreten, sonst wird es einfach nichts geben. Es braucht mir keiner mehr erzählen jetzt, wir müssten einfach nur noch mehr diplomatische Initiativen starten. Also was mehr als diese Papiere soll man jetzt ins Kreml schicken?
Sprecher 2: Ja, und ob der amerikanische Präsident Druck auf Russland macht oder ob er nicht viel mehr Druck auf die Europäer und vor allem die Ukrainer macht, das ist ja eine Frage, die mal so und mal so beantwortet wird. Da haben wir es eben mit einem ziemlich unberechenbaren Player zu tun. Aber wie du sagst, natürlich mit dem stärksten, jedenfalls der westlichen Welt, der sogenannten westlichen Welt, muss man ja sagen. Denn ob die zusammensteht oder nicht, das ist eben auch eine Frage. Immerhin in Berlin, das kann man sagen. Ist es gelungen, den Sondergesandten Witkow und Jared Kushner, den Schwiegersohn, einzuordnen ein bisschen und ihn auf, sagen wir mal, unsere Seite zu stellen, dass man sich ein wenig unterhakt? Aber nun ist es mit Russland eben, wie gesagt, schwierig. Die Frage ist, was machen eigentlich die Deutschen, die ja nun auch angekündigt haben, dass man bei einer multinationalen Friedenstruppe bereit ist mitzumachen?
Sprecher 3: Ja, multinational muss ja noch nicht deutsch heißen, aber ich finde die Debatte ist... Ist eine zu, zu weit weg. Pistorius, der Verteidigungsminister, war natürlich not amused, dass Merz offenbar, was ja auch nicht wirklich seine Art ist, mal zwischendurch aus Verhandlungen relevante Minister, die eventuell betroffen sein könnten, auch mal zu informieren oder reinzuholen in diese Diskussion. Das ist offenbar nicht passiert, sodass Pistorius sich dazu genötigt, zu sagen, naja, da gibt es immer noch einen Bundestag und ein Mandat, aber das ist doch auch alles noch weit weg, ob es da wirklich eine Truppe gibt und wenn ja, welche. Man muss doch jetzt erstmal dazu überhaupt kommen, Putin zu einem Waffenstillstand überhaupt zu zwingen. Und darüber müsste man reden. Wie geht das? Wie machen wir das, wenn gleichzeitig Ungarn und Serbien weiter russisches Öl und Gas kaufen?
Sprecher 2: Michael, das Interessante ist ja, dass Boris Pistorius sich auch in dieser Frage etwas bedeckt hält. Schon mal vorher, wo es um Sicherheitsgarantien ging, hat ja Boris Pistorius auch gesagt, man müsse erstmal gucken, was da eigentlich dann konkret auf dem Tisch liegt. Und da könne er jetzt sich noch gar nicht festlegen. Verfrühte Debatte.
Sprecher 4: Hier geht es erstmal darum, dass die Europäer sich, was selbstverständlich ist, dazu bekannt haben, mit Verantwortung zu übernehmen, in der weiteren Entwicklung am Verhandlungstisch zu sein. Aber das bedeutet eben auch, Verantwortung mit zu übernehmen. Aber in welcher Form und wie konkret, das kann heute keiner sagen.
Sprecher 2: Anders, und das finde ich wirklich interessant, Matthias Miersch, der Fraktionsvorsitzende der SPD, der sich mal sehr klar an die Seite des Kanzlers gestellt hat und das gesagt hat.
Sprecher 5: Lassen Sie mich zunächst sagen, dass wir außerordentlich begrüßen, das, was Friedrich Merz als Bundeskanzler in den letzten Stunden geschafft hat. nämlich einen diplomatischen Diskurs, gerade auch unter Beteiligung der Amerikaner, aber auch mit den maßgeblichen Kräften Europas. Und das, was als Erklärung jetzt vorliegt, ist zumindest eine Vorlage für einen möglichen weiteren Prozess, der sich daran anschließt. Wir schließen nichts aus. Aber der Einsatz von Truppen kommt sehr darauf an, in welchem Setting er stattfindet, in welchem Umfeld, in welchen Aufgabenbereichen. Und insofern ist diese Formulierung, die dort die Staatschefs augenblicklich gewählt haben, ja eine sehr breite. Wir werden jetzt sehen, was sich in den nächsten Tagen, Wochen im Zweifel ergibt. Und dann werden wir das sehr sorgfältig mit dem Koalitionspartner zusammen besprechen. Aber nochmal, Friedrich Merz hat unsere volle Unterstützung in dem, was er jetzt augenblicklich als Initiative hervorgebracht hat. Und insofern schließen wir an dieser Stelle nichts aus.
Sprecher 3: Also wenn sich diese schwarz-rote Koalition auf eines einigen kann, dann die Solidarität mit der Ukraine, da lassen sie März übrigens, muss man auch sagen, die klare Führung innerhalb der Koalition. Da taucht ein Lars Klingbeil gar nicht erst wirklich auf in diesen Debatten. Und das ist auch richtig so, weil das ist natürlich Chefsache im Europäischen Rat. Eine Sache noch zu diesen Truppen, Helene. Am Ende sagte mir einer aus der Regierung gestern, sei das einfach nur ein Signal an die Amerikaner, dass man bereit wäre, nicht nur Geld, sondern tatsächlich auch Manpower zu stellen, weil es die Amerikaner ja seit 40, 50, 60, 70 Jahren für uns auch tun an anderer Stelle. Es sei mehr Signal an die Amerikaner als wirklich an die Ukraine, die im Zweifel gar keine, ich sag's mal unter uns, hier deutsche Soldaten jetzt an der Front irgendwo brauchen und die beste, erfahrenste und kampferprobteste Armee ist jetzt gerade die in der Ukraine. Aber das Signal, dass die Europäer all in wären, egal ob mit Geld, mit technischer Unterstützung oder eben mit Soldaten, das ist, glaube ich, das Entscheidende dieses Halbsatzes in der Erklärung gewesen.
Sprecher 2: Naja, Michael, und was dann so eine internationale Friedenstruppe wert ist, das wird man dann erst noch einmal sehen. Ich würde sagen, solange die Ukraine nicht in der NATO ist, ist sie nicht sicher vor den revanchistischen Plänen des Kremls.
Sprecher 3: Ja, nach der Machtprobe in der Fraktion um das Rentenpaket steht Friedrich Merz wieder vor einer Machtprobe. Diesmal am Freitag die Mitgliederversammlung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Dort tritt an Günther Krings, der Favorit von Merz, allerdings gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, die Frau, die schon mal Friedrich Merz besiegt hat. Und das ist in seltenes Novum in der Adenauer Stiftung eine Kampfkandidatur.
Sprecher 2: Ja, es geht um die Nachfolge von Norbert Lammert, dem scheidenden Präsidenten. Und ja, es ist in der Tat eine Einmaligkeit, dass in der CDU ein Machtkampf ist um dieses Amt, das ohne Zweifel ein wichtiges ist. Die Adenauer Stiftung hat internationale Büros und hat natürlich auch innenpolitisch etwas zu sagen, also ein Think Tank, wo es übrigens auch den Wunsch gibt, dass er innenpolitisch auch mehr programmatisch vorarbeitet und mitarbeitet für die CDU. Es ist jedenfalls so, dass man da sagen muss, dass diese Machtfrage offen ist und nicht vorab geklärt ist. Das für sich ist schon ziemlich spektakulär. Und man fragt sich, wie konnte das passieren?
Sprecher 3: Die Exegese dieser Frage ist eigentlich leicht erklärt. Friedrich Merz hat kurz nach den Koalitionsverhandlungen Günther Krings dies angeboten, wissen, dass er nicht Staatsminister im Kanzleramt werden konnte, weil es der Hesse Michael Meister machen sollte. Und alle anderen Angebote aus der Regierung hat Günther Krings abgelehnt. Aber für das Bundestagspräsidentenamt, da hätte Krings wirklich Interesse daran gehabt. Hatte Merz auch schon Julia Klöckner vorgesehen. Und so blieb nichts mehr übrig für den einflussreichen NRW-Landesgruppenchef, der fast auch schon mal Bundesverfassungsrichter geworden wäre. Und dann hat er ihm eben angeboten, Mensch, Ende des Jahres geht doch Lammert raus als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, das wäre doch was für dich. Nur dann hat sich Merz danach nie wieder drum gekümmert, bis ihn einer darauf hingewiesen hat, Mensch, du musst mal langsam was machen und erst im September exklusiv bei Table zu lesen, der Brief an die Mitglieder, er wolle Günther Krings gerne nominieren. Und dann hat er Günther Krings auch noch falsch geschrieben.
Sprecher 2: Sehr unangenehm, da hat er Günther Krings mit H geschrieben, dabei schreibt sich der Günther ohne H. Günther Krings, der mehrfach verhinderte, so kann man es sagen, er war mal parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, viele in der CDU finden, er hätte das Zeug zu mehr und jetzt zumindest ist das ein gewisser Trostpreis. Aber da hat eben Friedrich Merz die Rechnung ohne AKK gemacht, beziehungsweise er hat offensichtlich eben einfach keine Rechnung gemacht. Denn plötzlich war AKK auf der Bildfläche und sie wird favorisiert von Norbert Lammert und hat mittlerweile auch einen ziemlich großen Unterstützerkreis. Friedrich Merz soll davon überrascht gewesen sein, denn sie hatte das Angebot wohl schon einmal abgelehnt. Und man dachte, diese Frau ist jetzt im Ruhestand, kümmert sich um dies und jenes, aber will gar nicht mehr. Aber falsch gewettet, sie will doch.
Sprecher 3: Ja, und es gibt einige prominente Leute, die sie nominiert haben oder für sie werben zum Beispiel. Also so hören wir erstmal die Präsidentin. Das Caritasverband hat sie offiziell nominiert. Eva Welskop-Defer heißt die Dame. Elisabeth Winkelmeier-Becker, eine parlamentarische Staatssekretärin, ehemalige, ist durchaus auch geneigt, für sie zu stimmen. So heißt es. Dann gibt es ja den einen oder anderen Merzkritiker in dieser Mitgliederversammlung, zum Beispiel Hermann Gröhe, der nicht ein Riesenfan von Friedrich Merz war. Auch Norbert Röttgen ist jetzt kein enger Intimus von Friedrich Merz. Und das sind natürlich alles Leute, die tendenziell bereit wären, für Annegret Kramp-Karrenbauer zu stimmen, die ein gutes Konzept vorgelegt hat, die die Stiftung international machen möchte, die sich gekümmert hat um die Annerstiftung, die immer wieder dort auch schon zugegen war auf Veranstaltungen. Und dann gibt es eben auch noch einen Norbert Lammert, der ehemalige Noch-Vorsitzende, der intern auch für sie wirbt. So ganz einfach ist das für Günther Krings da nicht.
Sprecher 2: Und man fragt sich, warum Friedrich Merz sich eben da nicht gekümmert hat, sondern auch in diesem Fall die Dinge hat laufen lassen. Aber auch andere in der CDU haben das nicht rechtzeitig gemerkt. Und jetzt guckt diese Partei dabei zu, wie dieser Machtkampf sich aufbaut. Und das, obwohl... AKK und Krings jetzt nicht irgendwie ideologische Welten trennen, sondern beide sind katholische CDU-Mitglieder aus Westdeutschland. In vielen Punkten stimmen sie überein. Also es geht hier gar nicht um eine unterschiedliche Programmatik, sondern es geht einfach um zwei Menschen, die gerne nochmal einen interessanten Job hätten. So verständlich das ist, dass sie das beide wollen, so vermeiden. Heidbar wäre diese Situation auch gewesen, weil man rechtzeitig zum Hörer gegriffen hätte und der einen Seite zumindest erklärt hätte, tut mir leid, es wird nichts. Aber das ist nicht passiert.
Sprecher 3: So kommt es wohl jetzt zu dieser Kampfkalender. Es wird viel telefoniert und der Disclaimer von uns muss hier auch sein. Sebastian Thoner, unser Herausgeber von Table Briefings, ist übrigens auch Mitglied. Wir wissen aber nicht, für wen er stimmt, haben ihn auch nicht gefragt. Wir sind gespannt, was bei rumkommt und informieren Sie selbstverständlich hier bei Table Today.
Sprecher 2: Über 100 Milliarden Euro haben die gesetzlichen Kassen im vergangenen Jahr für die Krankenhäuser ausgegeben. Und im nächsten Jahr werden es wahrscheinlich sogar 120 Milliarden sein. Das Ganze macht ein Drittel der gesamten Kosten der GKV aus. Und deshalb soll hier eingespart werden. Allerdings wird über das Wie diskutiert. Die Bundesregierung hat jetzt eine Protokollerklärung vorgelegt, auf die sich der Vermittlungsausschuss heute Abend wahrscheinlich einlassen wird. Dann könnte das Ganze am Freitag noch durch den Bundesrat gehen, rechtzeitig vor Weihnachten. Magdalena Latz, unsere Kollegin vom Berlin Table, hat vergangene Woche, bevor der Vorschlag bekannt wurde, mit Thomas Lenke gesprochen, dem Chef der Sana-Klinik.
Sprecher 6: Was war denn Ihr erster Gedanke oder Ihr Gefühl, als Sie erfahren haben, dass das Pläge-Kompetenzgesetz vor einigen Wochen vom Bundesrat in den Vermittlungsausschuss überwiesen wurde? Also immerhin sieht das Gesetz ja vor, dass die Krankenhäuser diese... Summe einsparen sollen, um die Krankenkassen zu entlasten. Also was war Ihr erster Gedanke, als Sie das erfahren haben?
Sprecher 7: Also wenn man das mal abschichtet, mein erster Gedanke, als ich gehört habe, dass 1,8 Milliarden eingespart werden sollten und dass eine Woche nachdem der Bundestag das Haushaltsbegleitgesetz verabschiedet hat, wo die Krankenhäuser ihre inflationsbedingten Ausgleich bekommen haben von den letzten Jahren in Höhe von knapp 4 Milliarden, habe ich gedacht, das kann doch jetzt alles nicht wahr sein. Also 4 Milliarden rein und dann eine Woche später 1,8 Milliarden raus. Das war ein Tiefschlag der letzten zehn Jahre, weil sowas habe ich mir nicht vorstellen können. Mittlerweile ist man aber an sowas gewohnt. Wenn Sie mich fragen, ob ich damit gerechnet hätte, dass das Gesetz in den Vermittlungsausschuss geht, Nein, habe ich nicht, weil als es wirklich um die Inhalte dieses Gesetzes zur Krankenhausreform ging, noch unter Lauterbach, ist es ja ganz knapp an der Anhörung vom Lippungsausschuss gescheitert aufgrund der damaligen Machtverhältnisse. Das hat uns jetzt alle in der Branche überrascht, dass der Vermittlungsausschuss angerufen worden ist an der Stelle. Die Erwartungshaltung an diesen Vermittlungsausschuss in dieser hochkomplexen Gemengelage, die ist aus meiner Sicht, aber auch vieler bei uns in der Branche eher gering.
Sprecher 6: Und Sie sagen jetzt, 4 Milliarden Euro wurden Ihnen als Inflationsausgleich gegeben, 1,8 Milliarden sollen wieder rausgenommen werden. Andere, wie die gesetzlichen Krankenkassen, Es wurde noch nie so viel Geld für Krankenhäuser ausgegeben, jetzt gerade. Also nächstes Jahr liegen wir wahrscheinlich bei 120 Milliarden Euro. Also plus diese 4 Milliarden, die wir schon angesprochen haben. Warum dann das Gezerre um 1,8 Milliarden Euro? Was erwidern Sie den Krankenkassen?
Sprecher 7: Also man muss halt nochmal abschichten. Wir haben ein politisches Versprechen im Raum, was heißt, dass die Beiträge im Jahr 2026 stabil bleiben. Und dieses Versprechen einzuhalten, hat man hektisch nach einer kurzfristigen Lösung gesucht, die in dem Fall jetzt die Krankenhäuser betreffend von 1,8 Milliarden Euro. Ich kann das politisch nachvollziehen, aber das ist nicht unser Hauptproblem. Jetzt komme ich mal zu diesen zwei, drei Narrativen, die da immer wieder geschätzt werden. In der nominellen Ausgabenhöhe sind die deutschen Krankenhäuser, das ist der größte Ausgabenblock. Relativ gesehen nehmen die Ausgaben in der GKV und Krankenhauswesen ab. Und jetzt kommt aber die Frage, wo kommt denn eigentlich diese gigantischen Steigerungen her, die auch von den Kassen immer wieder angemahnt und auch auf hingewiesen wird. Und jetzt komme ich zu meiner Ausgangsfehle. Wir müssen uns ehrlich machen. Die größten Steigerungen kommen aus der vor fünf Jahren eingeführten Legebudget, also eine Art Selbstkostendeckung, seinerzeit der politische Wille, Pflegekräfte deutlich besser zu bezahlen und alles, was Pflege im Krankenhaus am Bett ist, muss zu 100 Prozent finanziert werden. Da haben wir einen zweistelligen Milliardenaufwuchs in den letzten Jahren generiert. Das hat gar nichts mit den Krankenhäusern zu tun. Das hat der Gesetzgeber selber so gewollt und bestellt. Und der zweite große Kostenaufwuchs in den deutschen Kliniken sind die Tarifsteigerungen in den letzten Jahren, die weit überdurchschnittlich umgesetzt worden sind durch die Tarifparteien. Und der dritte Punkt ist, Auch hier ist der Gesetzgeber der Verursacher für diesen Kostenaufwuchs. Er hat in den letzten Jahren extreme Vorgaben gemacht zu Strukturen, Personalvorgaben, Ausstattung etc. In deutschen Kliniken, die ihresgleichen im internationalen Maßstab suchen. Das heißt also, im Endeffekt, dieser gigantische Kostenaufwuchs ist durch den Gesetzgeber, durch die Politik selbst verursacht und die Krankenhäuser sind nur diejenigen, die am Ende dieser Kette sind. Heißt im Umkehrschluss, wenn wir jetzt alle sparen wollen und müssen, dann muss der Gesetzgeber den Krankenhäusern wieder die Flexibilität in den Alltag in die Hand geben und nicht nur das Geld aus dem System ziehen, weil dann haben wir ein Extrem. eine Schieflage und das fliegt uns das System außen an. Das bedeutet aber auch, letzter Punkt, der ist mir ganz wichtig, die Politik muss dann auch der Bevölkerung sagen, was ihnen wichtig ist. Und wenn wir diese Milliardensteigerung in der Pflege nicht mehr uns leisten können und wollen, dann muss man das auch so adressieren. Und wenn wir es uns leisten wollen als Gesellschaft, dann sind es nicht die bösen Kackbehälter, die diese Kostitution haben, Und dann ist es das, was die Politik für dieses Land möchte.
Sprecher 6: Jetzt machen wir es aber mal konkret. Sie haben gesagt, Entbürokratisierung würde schon viel bringen. Was wären aus Ihrer Sicht denn sinnvolle Reformen oder wenn Sie eine Reform machen könnten, was... Würde da drin stehen.
Sprecher 7: Also der Analyse der Instrumente, die im BKV-Papier stehen für die Krankenhäuser, sind wir ja in Teilen sogar benannt. Also wenn ihr für die Gesellschaft und für den Weitkartszahler signifikanten Kosteneinsparungen erzielen wollen, dann müssen wir an das Pflegebudget heran. Das ist das, was ich gesagt habe. Da liegen wir zurzeit bei 25,6 Milliarden Ausgaben in Deutschland. Wir müssen ran an die Strukturvorgaben, die der Gesetzgeber ist, warum da auch unter lauter Praktik die Kliniken an die Hand gelegt haben. Wir müssen ran an die Frage der gesamten Dokumentation im Geografie-Thema. Und wir müssen die... Zusammenlegung, die Spezialisierung und damit auch einen wesentlichen Element aus der Krankenhausreform deutlich beschleunigen. Und wenn ich einen ganz Schritt weiter gehen muss, das finden Sie jetzt nicht im GKV-Papier, dann müssen wir uns überlegen, bringen wir in Deutschland, und das taucht ja immer nur so unter dem Stichwort sektorenübergreifende Versorgung auf, ob wir mittel- und langfristig die duale Versorgung in Deutschland uns auch leisten können. Das heißt, wir haben zwei völlige voneinander unabhängige Sektoren im ambulanten Bereich und im stationären Bereich. Dieser wiederum erzeugt Doppelt und dreifach Kosten für Untersuchungen, für Patientenkontakt etc. Das gibt es weltweit mit dieser Form nicht.
Sprecher 6: Vielen, vielen Dank für das Gespräch.
Sprecher 7: Herzlichen Dank, Frau Latz.
Sprecher 2: 17. Dezember, es sind noch sieben Tage bis zum Heiligen Abend und wir haben wieder ein Türchen und diesmal darf Sandra Janowski es aufmachen.
Sprecher 3: Eine echte Mutmacherin, denn sie will mit diesem Song denjenigen Rückenwind geben, die Mut haben und manchmal, obwohl sie wegrennen wollen von Situationen oder gar nicht mehr können, trotzdem doch nochmal alle Kraft beisammen nehmen und genau weitermachen. Und dieser Song, der kommt von ihr. Er heißt Brave von Josh Groban und ist sicherlich auch eine Ermunterung, nicht nur für uns hier weiterzumachen bei Table Today, Helene, dafür braucht es gar keinen Mut, sondern auch für die Mutigen da draußen, die sich den Irrungen und Wirrungen entgegenstellen. Wir sind jedenfalls wieder da für Sie am Donnerstag, den 18. Dezember. Wir freuen uns.
Sprecher 2: Bis dahin. Tschüss.
Sprecher 8: And it can't be so. Look away, look away, but you stay cause it's all so close. When you stand up and hold out your hand. And the face of what I don't understand Is my reason to be afraid Run away, run away, and you say that it can't be so. You wanna look away, look away, but you stay cause it's awesome. When you stand up and hold out your hand. In the face of what? A reason to be brave.