Welche Kompromisse macht Selenskyj?
Dauer: 25:45

Welche Kompromisse macht Selenskyj?

In Berlin laufen die möglicherweise entscheidenden Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine und territoriale Zugeständnisse. Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sind ebenfalls nach Berlin gereist. Ist das ein erstes Anzeichen dafür, dass ein konkreter Kompromissvorschlag erreichbar ist?

[01:29]

Markus Söder hat auf dem CSU-Parteitag ein historisch schwaches Ergebnis bekommen. Table.Media-Korrespondentin Magdalena Latz analysiert die Unzufriedenheit an der Basis.

[4:24]

Vonovia-CEO Rolf Buch verlässt zum Jahresende den Immobilienriesen. Im Gespräch mit Table.Briefings-Redakteur Alexander Wiedmann zieht er Bilanz zur Lage auf dem Wohnungsmarkt. Buch fordert Reformen bei der Mietpreisbremse und setzt Hoffnung auf den Gebäudetyp E zur Senkung der Baukosten. Buch hat Verständnis dafür, dass Reformen mitunter nur langsam umgesetzt werden können: „Politik ist etwas anderes, als ein Unternehmen zu führen.“

[11:41]



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Kommt jetzt der Frieden in der Ukraine? Gestern haben sich Selenskyj und der Sondergesandte Steve Witkow sowie Jared Kushner im Bundeskanzleramt getroffen. Es soll nun auch um mögliche Gebietsabtretungen gegangen sein. Wir bringen Sie auf den aktuellsten Stand.

Sprecher 3: Überraschung in München, denn es war Friedrich Merz, der die CSU bei ihrem Parteitag begeisterte und der eigentliche Chef Markus Söder musste eine kleine Schlappe hinnehmen. 83 Prozent votierten für ihn als neuen und alten Vorsitzenden. Wie das da war vor Ort, das besprechen wir mit unserer neuen CSU-Korrespondentin Magdalena Latz.

Sprecher 2: Über zehn Jahre hat Rolf Buch das Immobilienunternehmen Vonovia geführt und Ende des Jahres ist für ihn Schluss. Alex Wiedmann von unserem CEO-Table hat mit ihm über die Entwicklung des Wohnungsmarktes und mögliche Reformen bei den Mietpreisen gesprochen.

Sprecher 3: Und wir müssen in dieser Woche, wo Chanukka beginnt, wieder einmal dramatischerweise über die Sorgen des jüdischen Lebens, nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der Welt reden. In Australien gab es einen schrecklichen Angriff auf eine jüdische Feier. Und der Boykott gegen die Teilnahme Israels beim ESC ist auch immer noch Thema. Und deswegen bei uns im Audio-Adventskalender an diesem Montag, den 15. Dezember, die israelische ESC-Kandidatin.

Sprecher 2: Wenn Sie heute in Berlin mit dem Auto zur Arbeit wollen oder auch mit dem Fahrrad, könnte das Ganze länger dauern und umständlich werden, denn der ganze Innenstadtbereich ist abgeriegelt, Hochsicherheitslage. Volodymyr Zelensky ist da, außerdem Jared Kushner, Steve Witkoff, Keir Starmer, Emmanuel Macron. Alle treffen sich mit Friedrich Merz, um über den Frieden in der Ukraine zu verhandeln.

Sprecher 3: Und es ist ja ein gutes Zeichen, dass gerade Steve Witkoff, der übrigens monatelang nicht in Berlin oder in Deutschland war und auch Trumps Schwiegersohn wirklich physisch anwesend sind und nicht wie ursprünglich geplant sich zuschalten lassen, dass da doch im Hintergrund schon mehr passiert sein könnte. Das mag alles nicht schön sein für den ukrainischen Präsidenten, was er am Ende unterzeichnen muss, aber offenbar meinen die Amerikaner es ernst. Und Friedrich Merz hat es immerhin hinbekommen, Helene, so viel müssen wir doch sagen, dass da doch noch relevante Verhandlungen jetzt auch mal in Berlin stattfinden und er nicht nur am Katzentisch sitzt.

Sprecher 2: In der Tat, es deutet einiges darauf hin, wenn es nicht nur eine Show ist, wie es die USA natürlich zuletzt auch manchmal aufgeführt haben, dass es nun ums Eingemachte geht. Und eingemacht bedeutet natürlich vor allem das Thema Gebietsabtretungen, besonders schmerzhaft für die Ukraine.

Sprecher 3: Ja, interessant, dass Merzi begrüßt hat im Kanzleramt, also die ukrainische Delegation und die amerikanische, aber sich dann wieder zurückgezogen hat. Also er ist der Gastgeber formal in Berlin im Kanzleramt, aber hat die beiden Delegationen auch separat und auch vor allem alleine miteinander verhandeln lassen. Es geht um die territorialen Fragen. Und am Ende, wie kann es aussehen? Selenskyj hat in den letzten Tagen in Videostatements 1 gesagt, er könne alleine aus völkerrechtlichen Gründen und auch aufgrund der ukrainischen Verfassung ja nicht einfach sagen, ja klar, wir treten Gebiete ab. Aber er kann natürlich einem Waffenstillstand mit einer eingefrorenen Zone, die dann von den Russen besetzt ist, zustimmen. Das wird immer wieder im Hintergrund diskutiert. Also de facto ist es keine rechtliche Anerkennung. Aber es ist einfach eine.

Sprecher 2: Ja genau, tatsächlich wird es dann natürlich so sein, wie jetzt schon auf der Krim, dass das dann unter russischer Herrschaft steht, dass dort nicht nur russisch gesprochen wird, sondern russische Pässe verteilt werden und so weiter. Also eine echte, faktische jedenfalls Annexion. Und das ist natürlich insofern dann doch auch, wenn es rechtlich nicht ganz stimmt, eine faktische Legalisierung des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs. Also das Völkerrecht, das hat es in diesen Tagen und Stunden, in denen verhandelt wird, wirklich schwer. Es ist einfach kein echtes, wichtiges Argument mehr am Verhandlungstisch.

Sprecher 3: Ja, und Selenskyj sagt selber, es sind bedeutende Tage jetzt für die Ukraine. Also er erhöht den Druck auch. Morgen sollen dann beim Brüsseler EU-Gipfel die Frozen Assets nochmal Thema werden. Also die Milliarden, die russische Oligarchen auf europäischen Konten haben und die als Sicherheit dienen sollen für neue Gelder für die Ukraine.

Sprecher 4: Wir werden eines Tages nicht danach gefragt, ob wir die Haltelinie in der deutschen Rentenversicherung für ein Jahr weniger oder ein Jahr länger gehalten haben. Wir werden danach gefragt, ob wir unseren Beitrag geleistet haben, und zwar den maximalen Beitrag, den wir leisten konnten. Zum Erhalt von Freiheit und Frieden, einer offenen Gesellschaft, einer marktwirtschaftlichen Ordnung mitten in Europa. Und dafür müssen wir kämpfen, liebe Freundinnen und Freunde. Und das ist unser Auftrag.

Sprecher 3: Ja, Friedrich Merz auf dem CSU-Parteitag und viele, viele sagten im Nachhinein, das war eine seiner besten Reden der vergangenen Wochen, denn er hat eigentlich die ganzen innenpolitischen Streitereien vor diesem ganz großen Thema Frieden und Freiheit in Deutschland, auch angesichts der amerikanischen Sicherheitsstrategien, als sein Hauptleitmotiv für seine Politik in diesen Wochen dargestellt. Dafür gab es erstaunlich viel Applaus in München auf dem CSU-Parteitag. Und Markus Söder sah dagegen ein bisschen blasser aus mit seiner Rede am Tag zuvor und vor allem mit seinem Ergebnis.

Sprecher 2: Ja, es war wirklich interessant, dass Merz bei diesen außenpolitischen, europapolitischen Reden wirklich immer gut dasteht. Wir erinnern uns an die Rede im Januar 2025, also vor einem knappen Jahr vor der Wahl in der K. Körperstiftung, wo er auch seine Prioritäten klar gemacht hat und wirklich sehr stark wirkte und ist interessanterweise gerade in München, gerade neben diesem Koloss, Machtkoloss Markus Söder, der starke Mann interessant.

Sprecher 3: Ja, barock ist er wirklich, dieser Machtpolitiker Söder, aber seine Ergebnisse sind es gar nicht mehr. Am Ende waren es diesmal nur 83,6 Prozent der Stimmen und das ist für CSU-Verhältnisse eben ziemlich mau. Das hat selbst Franz Josef Strauß, glaube ich, nur ein einziges Mal erlebt. Und woran liegt es? Ja, sicherlich auch an seiner Selbstinszenierung in den sozialen Medien. Vielleicht wünscht sich manch einer mehr Inhalt. Auf der anderen Seite, Helene, kaum einer hat für die CSU in der Bundesregierung so viel durchgesetzt.

Sprecher 2: Und trotzdem, Michael, muss man sich bei Markus Söder die Frage stellen, ist das so etwas wie ein populistischer Demokrat, ein demokratischer Populist, was vielleicht sogar das richtige Mittel ist in diesen Zeiten, wo man mit Ernsthaftigkeit, ich erkläre es euch noch einmal, vielleicht auch wirklich viele Menschen nicht mehr erreicht? Oder hat er... Den Grad des Seriösen mittlerweile wirklich überschritten. Offenbar ist diese Frage in der CSU nun auch aufgekommen. Der Mann ist nicht mehr so unumstritten, wie er einst war. Aber jetzt ist die Frage, bedeutet das, dass er dann erst recht nach Berlin will und ganz an die Spitze? Oder bleibt er jetzt erst recht in Bayern und kümmert sich um sein Land? Das ist eine der vielen offenen Fragen rund um diesen Mann.

Sprecher 3: Es gibt ja Leute um ihn herum, die wirklich deutlich gewonnen haben. Ilse Aigner 95 Prozent, Manfred Weber 95 Prozent. Ein wirklicher Machtmensch mit Starallüren oder Starappeal, müsste man sagen, der ist da nicht zu sehen. Also kein Putschist jedenfalls, der Söder wirklich von der Bühne bringen kann. Und ich muss sagen, selbst Kevin Kühnert hat ja neulich bei Markus Lanz diese rhetorische Kommunikation, auch die Social-Media-Strategie von Markus Söder ausdrücklich gelobt. Du musst dahin gehen, wo die Menschen sind. Also Söder polarisiert eben auch und holt aber immerhin die Leute auch vielleicht von ganz rechts wieder zurück in das demokratische, populistische Lager, wie du es schön formuliert hast.

Sprecher 2: Unsere Kollegin Magdalena Latz, die wird vielleicht einige dieser Fragen, Michael, die wir uns hier stellen, besser beantworten können, denn sie verfolgt diesen Mann die ganze Zeit für uns, für den Berlin Table und war am Wochenende auch dabei auf dem Parteitag und du hast mit ihr gesprochen.

Sprecher 3: Einen schönen guten Tag. Hallo Magdalena.

Sprecher 5: Hi, Michael.

Sprecher 3: Keine 85 Prozent für den Parteichef ein schlechtes Ergebnis oder ist es eigentlich ein akzeptables Ergebnis, wenn man so lange schon Parteivorsitzender ist? Wie ist deine Analyse?

Sprecher 5: Also ich finde, das ist schon ein ziemlicher Dämpfer. Also nicht nur ein Dämpfer, sondern für CSU-Verhältnisse schon ein Misstrauensvotum, ehrlich gesagt. Das ist sein bisher schlechtestes Ergebnis. Also er hat ja 83,6 Prozent bekommen, dass die weiteren Prozentzahlen, also der anderen Wahlergebnisse, also der Stellvertreter und so weiter, dann gar nicht mehr nach Söders Wahl genannt wurden. Es wurde nur die Stimmanzahl noch durchgegeben von den jeweiligen Kandidaten und die Prozentzahl musste man sich dann selber ausrechnen. Das heißt, es sollte auch... auch einfach gar keine Vergleichsgrundlage zu Söders Ergebnis geben.

Sprecher 3: Also worauf führst du das zurück? Ist das Unmut über seine Inszenierungstaktik bei Social Media oder ist das, weil er im Moment zu sehr Friedrich Merz unterstützt? Also was steckt dahinter?

Sprecher 5: Es gibt nicht den einen Grund, warum das Ergebnis so ausgefallen ist. Das scheint mir mehr eine Mischung aus mehreren Ursachen zu sein. Da spielt zum einen der Vorwurf natürlich der One-Man-Show mit rein. Und da geht es jetzt nicht nur so um das Offensichtliche, also Söders Bratwurst- und Nudelsuppenfotos und Videos, sondern auch darum, dass ihm einige vorwerfen, sie zu wenig einzubinden. Eine Person hat zu mir gesagt, wissen Sie, manche Sachen erfahren wir erst aus der Presse, bevor die Fraktion informiert ist. Und er verkauft auch gerne Erfolge anderer als seine eigenen, was ebenfalls einige ärgert. Dazu kommen dann seine Beleidigungen, seine Sticheleien. Und zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Stimmung an der Basis gerade nicht gut ist. Das haben auch viele auf dem Parteitag bestätigt. Die wirtschaftliche Lage ist schlecht. Die Leute nehmen wahr, dass Deutschland mit vielen Krisen konfrontiert ist. Und viele sind unzufrieden mit der Arbeit von Schwarz-Rot im Bund und sind genervt, dass auch immer nur Einzelmaßnahmen gegen diese ganzen Brandherde unternommen werden, obwohl sich viele ein Gesamtkonzept wünschen. Diese allgemeine Unzufriedenheit in der Bevölkerung kommt halt auch irgendwann in der CSU an. Und die Leute lassen dann auch den Vorsitzenden dann eher dafür büßen oder quittieren das auf dem Stimmzettel, als es früher der Fall war. Ein Politiker meint in dem Zusammenhang, alle haben heute eben eine kürzere Zündschnur. Das heißt, die Bevölkerung verändert sich und damit... Und auch die CSU.

Sprecher 3: Gibt es denn jemanden, der eigentlich die Frage beantworten kann, wer nach Söder folgt oder wurde das noch nicht thematisiert?

Sprecher 5: Nee, das wurde nicht thematisiert. Das habe ich auch versucht rauszuhören. Aber ich weiß nicht, ob es irgendjemanden gerade gibt, der das beantworten kann. Es wird einfach niemand sichtbar. Und selbst Ben würde ihn wahrscheinlich Stand jetzt niemand offen herausfordern. Und Söder lässt auch schlicht keinen Raum neben ihm, wo sich jemand als Nachwuchshoffnung etablieren könnte. Also wenn wir uns mal ein paar Kandidaten und Kandidatinnen anschauen. Alexander Dobrindt bekommt super viel Anerkennung in der Regierung. Nicht nur aus der Union, auch aus der SPD. Aber der ist halt niemand, der Leute mitreißen kann. Für Manfred Weber gilt dasselbe. Der ist auch sehr beliebt in der Partei, wie man ja an seinem Wahlergebnis gesehen hat. Aber der ist auch niemand, der die Massen mitreißt. Ilse Aigner ist ebenfalls sehr beliebt, aber schielt wohl mit einem Auge schon auf die Bundespräsidentschaft. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass Markus Söder eine CSUlerin an der Spitze des Staates gefallen dürfte. Außerdem heißt es...

Sprecher 3: Wenn er es selbst nicht ist.

Sprecher 5: Richtig. Also er möchte ja möglicherweise auch noch irgendwann zum Zug kommen. Ich würde es nicht komplett ausschließen. Und deswegen wird er tunlichst alles vermeiden, um einer CSUlerin auf Platz 1 der Bundesrepublik zu verhelfen. Wäre jetzt meine Interpretation.

Sprecher 3: Vielen Dank, Magdalena, für diese Einschätzung vom Parteitag und schöne Rückreise nach Berlin. Vielen Dank.

Sprecher 5: Dankeschön.

Sprecher 2: Allein in Deutschland verwaltet Vonovia rund 485.000 Wohnungen und Tendenz steigt. Das Unternehmen ist das größte Wohnungsunternehmen des Landes, vielleicht sogar das größte Europas. Und seit 2013 hat Rolf Buch die Fäden in der Hand und hat Vonovia in dieser Zeit sogar an die Börse gebracht. Das Handelsblatt hat ihn mal zum Dealmaker des Jahres gekürt. Aber zum Jahresende hört er auf, sein Vertrag wird nicht mehr verlängert. Alex Wiedmann, unser Kollege vom CEO-Table, wollte nochmal wissen, was Rolf Buch über den Standort Deutschland denkt und welche Reformen eigentlich nötig sind.

Sprecher 6: Herzlich willkommen im Podcast Table Today Rolf Buch.

Sprecher 7: Herzlichen Dank, dass ich hier sein darf.

Sprecher 6: Herr Buch, das ist eines Ihrer letzten Interviews. Sie haben die Immobilienbranche geprägt wie kaum ein anderer. Was überwiegt gerade? Erleichterung, Stolz oder auch ein bisschen Wehmut? Am Ende des Jahres ist ja Schluss.

Sprecher 7: Also ich hoffe, dass es nur mein letztes Interview als CEO von Vonovia ist. Vielleicht gibt es ja noch ein Leben danach. Aber natürlich ist es eine lange und intensive Zeit gewesen mit vielen schönen Elementen und auch Weggefährten, mit denen man gut zusammengearbeitet hat. Und natürlich ist deswegen auch Wehmut da. Vonovia wird mir fehlen.

Sprecher 6: Sie können ja jetzt noch mehr Klartext sprechen als davor, wenn jetzt kurz vor Ende des Jahres stehen, ist Frit. Richard Merz immer noch der Kanzler der Wirtschaft. Wie schätzen Sie seine Arbeit bisher ein?

Sprecher 7: Ich glaube, wir müssen feststellen, dass es offensichtlich in der Art und Weise, wie wir im Moment Politik organisiert haben, die Notwendigkeit zu großen Kompromissen immer gibt. Und insofern ist es immer leicht zu sagen, es muss jetzt alles schnell sich ändern. Ich glaube, die Realität des Politikbetriebes scheint offensichtlich komplizierter zu sein, als man das aus der Unternehmenswirtschaft heraus, wie ich das dann auch von meinem übertragen. Ich glaube, Politik ist was anderes, als ein Unternehmen zu führen.

Sprecher 6: Glauben Sie noch, dass es in dieser Legislaturperiode zu einer großen Reform kommt?

Sprecher 7: Ich hoffe das, weil das ist dringend notwendig.

Sprecher 6: Wie steht es um den Wirtschaftsstandort Deutschland? Sehen Sie schon eine leichte Erholung?

Sprecher 7: Wenn ich mit meinen Kollegen rede, ist es schon sehr viel Skepsis im Moment. Wir in der Wohnungswirtschaft, glaube ich, haben jetzt gerade ein bisschen Aufbruch durch den Bauturbo. Und auch durch den, wenn er dann hoffentlich kommt, aber die Ministerin hat mir es versprochen, den Gebäudetyp E. Und wenn die beiden Sachen kommen, gibt es, glaube ich, wirklich eine Chance, dass es nach vorne geht. Dass wir dieses Thema Wohnungsnot tatsächlich in den Griff kriegen. Wobei man muss sagen, es muss dann auch in den Kommunen noch umgesetzt werden. Es gibt also noch ein paar Bretter zu bohren. Aber wir sind jetzt mal in die richtige Richtung gegangen und das ist auch wichtig.

Sprecher 6: Es gibt noch ein paar Bretter zu bohren. Was ist das dickste Brett, was es zu bohren gilt?

Sprecher 7: Ja, im Endeffekt ist ja der Bauturbo und auch der Gebäudetyp E, aber insbesondere der Bauturbo, eine Ermächtigung für die Kommunen jetzt leichter. Baugenehmigungen zu erteilen und das müssen die auch nutzen.

Sprecher 6: Die alte Bundesregierung hat ja angekündigt, 400.000 Wohnungen zu bauen. Wir wissen es alle, es ist krachend gescheitert. War das allein politisches oder auch marktwirtschaftliches Versagen?

Sprecher 7: Ich glaube, man muss analysieren. Wir hatten jahrelang die Phase, dass wir bauen verhindern wollten. Wir haben irgendwann nach 2000 entschieden, dieses Land ist fertig gemacht, basierend auf einer Studie, die sagte, dass Berlin irgendwann mal die Größe von Hamburg erreicht. Und in den Themen haben wir, glaube ich, einfach eine Fehlinterpretation zu lange aufrechterhalten. Und deswegen haben wir diesen Bauturbo, der kommt zehn Jahre zu spät, der hätte vor zehn Jahren kommen müssen, haben wir halt eben zehn Jahre nicht gemacht. Und diese zehn Jahre waren eigentlich tolle Jahre, weil die Zinsen niedrig waren und deswegen hätte Bau gut funktioniert. Diese Zeit haben wir verschenkt. Jetzt sind wir in einer Situation, wo die Zinsen wieder schwierig sind, deswegen zu Ihrer Frage zurück. Die regulatorischen Hindernisse sind jetzt wenigstens mal auf Bundesebene aufgelöst worden. Wie gesagt, es müssen in den Kommunen auch noch umgesetzt werden. Und jetzt haben wir eben die Herausforderung, dass wir mit anderen Zinssätzen zu rechnen haben. Die Lösung wird sein, wir müssen Gebäude Typ E die Baukosten runterbringen. Das ist sowohl eine Frage der Politik, aber insbesondere auch von uns als Unternehmen. Und wir als Vonovia arbeiten ja gerade dran an dem Thema seriellen Bauen, serielle Fertigung. Wir haben jetzt gerade in der Schlichtener Allee das zweite Gropius-Haus eingeweiht, wo wir doch die Baukosten massiv nach unten kriegen. Insofern bin ich ganz optimistisch. dass wir auch diese ökonomischen Probleme, die wir haben, jetzt lösen, indem wir die Baukosten senken.

Sprecher 6: Aber glauben Sie, dass die Zinssätze auf diesem Niveau ungefähr bleiben werden jetzt?

Sprecher 7: Also wir reden jetzt hier nicht über ein bisschen Basispunkte hoch und runter. Ich bin der Meinung, dass wir jetzt nicht 10 Zinserhöhungen wie damals in 22 innerhalb von einem Jahr sehen werden.

Sprecher 6: Die Immobilienpreise ziehen vielerorts wieder an. Im dritten Quartal verteuerten sich ein- und zweifamilienäuser gegenüber dem Vorquartal um 0,9 Prozent. Ist das jetzt schon eine echte Trendwende bei den Immobilienpreisen allgemein oder nur eine kurzfristige technische Erholung? Was glauben Sie?

Sprecher 7: Nee, sondern wir werden, also Immobilienpreise folgen ja immer langfristigen Trends. Also es gibt ja nicht so ein Flackern mal hoch, mal runter. Und wir sehen, glaube ich, seit... Seit Mitte letzten Jahres, dass die Preise jetzt wieder die Richtung geändert haben. Sie gehen wieder nach oben. Das ist ja jetzt auch nicht so verwunderlich. Wenn mehr Nachfrage als Angebot da ist, dann ist allgemein steigen dann Preise. Insofern ist das jetzt keine Besonderheit. Und wenn Sie die Situation in den großen Städten anschauen, gibt es ja einen riesen Nachfrageüberhang. Insofern, dass die Preise jetzt wieder nach oben gehen, ist nicht erstaunlich.

Sprecher 6: Aber Sie würden sagen, eher, dass der weiteren das geringere Angebot eher die Preise treibt, als jetzt der Rückgang der Zinsen. Das hat den größeren Einfluss?

Sprecher 7: Ja, im Endeffekt ist es so, dass natürlich die Mietsteigerung, die ganz normal über die Mietspiegel jedes Jahr kommt, die de facto die Preise erhöht. erhöht, weil Immobilien werden nun mal mit einem Multiple der Miete berechnet. Und die Multiples sind halt eben technisch runtergekommen wegen der Zinsen. Aber dadurch, dass wir ja jetzt eine relativ stabile Zinslandschaft haben, wie gesagt, es geht hier nicht um ein paar Basispunkte, werden die Miete gleich sein und damit steigen die Werte, weil die Mieten steigen.

Sprecher 6: Was erwarten Sie, wie geht es bei den Preisen weiter in den nächsten zwei, drei Jahren?

Sprecher 7: Das ist jetzt dann klar, die werden weiter steigen, weil die Mieten weiter steigen werden, ganz normal, wie alle anderen Kosten auch steigen.

Sprecher 6: Die Mieten werden weiter steigen. Die aktuelle Bundesregierung will noch dieses Jahr ein Paket zum Mietrecht vorlegen. Im nächsten Jahr soll zudem eine Kommission Vorschläge zu Mietwucher und Mietpreisbremse vorlegen. Womit könnten sie leben und womit lieber nicht?

Sprecher 7: Also das Thema Mietbucher ist für Vonovia ja gar kein Thema, weil... Wir sind ja jetzt auch schon heute sehr genau, bei uns ist es per System ausgeschlossen. Insofern ist das für uns kein Thema. Auch die Themen mobiliertes Wohnen und Zeitverträge sind für uns kein Thema. Das ist alles das, wo die Politik versucht, im Endeffekt eher schwarze Schafe an die Leine zu bekommen. Meine Meinung zur Mietpreisbremse ist ja öffentlich bekannt. Ich halte die Mietpreisbremse für, gelinde gesagt, sozial unausgewogen. Sie fördert diejenigen, die es am wenigsten nötig haben. Es macht keinen Sinn, dass Rolf Buch eine subventionierte Miete bekommt. Rolf Buch kann auch eine volle Miete, die sich im Markt... Mittelt zahlen. Es wäre sehr hilfreich, wenn die alleinerziehende Mutter, die bei Edeka in Berlin-Mitte arbeitet, eine Chance hätte, eine Wohnung bezahlbar mit Mietpreisbremse-Niveau zu bekommen in Berlin. Aber das kriegt sie heute nicht, weil die Wohnungen werden heute an die Starkverdienenden abgegeben. Wenn wir 800 Bewerbungen haben, dann... Suchen wir halt eben die ersten 30 raus, da wird die alleinerziehende Mutter gar nicht drin sein. Die Mietpreisbremse war eine vernünftige Maßnahme am Anfang, aber es über die lange Zeit verfehlt sie ihre Zielsetzung, nämlich eigentlich Leuten, die dringend niedrige Mietpreise brauchen, weil sie sich andere nicht leisten können, denen auch eine Chance zu geben. Und deswegen bedarf es einer Reform der Mietpreisbremse. Unabhängig davon, dass es ja auch noch Fragestellungen gibt, ob die Mietpreisbremse überhaupt verfassungsgemäß noch ist in ihrer dritten Verlängerung.

Sprecher 6: Ja, Wohnung ist die große soziale Frage. Wie sollte die Mietpreisbremse in Ihrem Sinne reformiert werden?

Sprecher 7: Wir müssen vom Ziel kommen. Das Ziel ist, dass jede Bevölkerungsgruppe eine Chance haben muss, auch in der Innenstadt oder in den innenstadtnäheren Bereichen einer Stadt zu leben. Das setzt voraus, dass wir de facto den Markt neben dem sozialen Wohnungsbau, der glaube ich unbestritten ist, weiter separieren. Und deswegen ist ja unser Vorschlag zum Beispiel zu sagen, ein Drittel der Wohnungen, die große Wohnungsunternehmen neu vermieten, wird bezogen auf eine bestimmte Zielgruppe vermietet. Auch zu gedeckelten Mieten. Und dafür ist... als Gegenleistung die anderen Mieten dann frei. Aber wir müssen natürlich auch sehen, wenn wir alles deckeln, wird der Immobilienwirtschaft zu viel Geld entzogen, damit werden die Investitionen nicht mehr tätigbar sein, die in diesem Bestand sein müssen. Deshalb müssen wir uns die Frage stellen, irgendeiner muss auch für diese Investitionen bezahlen. Und mein Plädoyer ist, lass diejenigen bezahlen, die sich das auch leisten können. Und dafür diejenigen schützen, die es sich nicht leisten können.

Sprecher 6: Ja, für mich gibt es noch ein anderes Problem. Und zwar, ich weiß nicht, wie Sie das sehen, und zwar, dass Familien, insbesondere Rentner wahrscheinlich, in einer überdimensionierten Wohnung leben. Wohnen und so quasi den Platz, die könnten eigentlich in eine kleinere gehen, wollen aber nicht aus ihrer Wohnung raus, verständlicherweise. Und so ein bisschen Familien die Wohnung quasi wegnehmen. Könnte man da nicht irgendwelche Anreize machen, dass man sagt, in diese Richtung zu denken? Haben Sie da eine Idee?

Sprecher 7: Also erstmal, davon ist das Problem, ist heute so, dass die größere Wohnung billiger ist als die neue Wohnung, die viel kleiner ist. Das liegt halt eben daran, dass ich auch das eine Konsequenz der Mietpreisbremse zu lange in Märkte eingegriffen habe und deswegen die Märkte halt eben nicht mehr funktionieren. So, das ist die eine Erklärung. Die zweite Erklärung ist aber auch, dass ich Menschen nicht aus ihrem gewohnten Umfeld entnehmen kann. Oft sind es ja ältere Damen oder auch ältere Herren, die im Endeffekt in einer Siedlung mit vielen Familien zusammen amgewachsen sind in den letzten 30 Jahren. Wir haben gute Erfahrungen gemacht in Berlin, in Quartieren, wo wir sozusagen Neubau gebaut haben mit kleineren Wohnungen und dann den älteren Menschen angeboten haben in eine kleinere Wohnung, die deutlich besser geeignet ist, sprich zum Beispiel ein Aufzug. Ich muss nicht drei Etagen zu Fuß hochgehen, sondern ich habe einen Aufzug. Ich habe vielleicht sogar idealerweise noch einen Johanniter in dem Gebäude sitzen, der mir dann auch, falls es mir mal schlecht geht, mir anrufbar ist und hilft. All das sind Argumente, wie ich ältere Menschen überzeugen kann. Im Quartier zu bleiben, aber in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Ein Gesetz zu sagen, jetzt müssen die die größeren Wohnungen abgeben, entspricht nicht meinem Verständnis und ist, glaube ich, auch nicht die richtige Möglichkeit.

Sprecher 8: Vielen Dank für das Gespräch, Rolf Buch.

Sprecher 7: Dankeschön.

Sprecher 3: Helene, keine fröhliche Stimmung in unserem Audio-Adventskalender. Wir richten heute mal musikalische Grüße an die Juden und Jüdinnen, nicht nur in Deutschland, sondern in die ganze Welt, nach dem, was da am Wochenende passiert ist.

Sprecher 2: Ja, furchtbarer antisemitischer Anschlag in Bondi Beach bei Sydney, wo ja jetzt gerade Sommer ist, die Leute vergnügt am Strand sind. Ein antisemitischer Anschlag, furchtbar in einer Zeit, in der wir jetzt sehen, dass überall die Chanukka-Kerzenständer aufgebaut werden, auch wieder vor dem Brandenburger Tor. Ich habe heute eins im Süden von Berlin gesehen. Also wo man auch dann jüdisches Leben in Deutschland sichtbar macht, finde ich, müssen wir uns solidarisch erklären mit den vielen Jüdinnen und Juden, die in diesem Land, aber weltweit auch jeden Tag Angst um ihr Leben haben.

Sprecher 3: Die einen müssen um ihr Leben fürchten, die anderen werden hart diskriminiert. Zum Beispiel die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Israel beim ESC. Die Länder wie Slowenien, Spanien, Niederlande, Island haben ihre Teilnahme abgesagt. Ein Boykott gegen ein Musikfestival, weil dort israelische Sänger teilnehmen. Eine absolute Unverständlichkeit. Juval Raphael kommt deswegen heute bei uns musikalisch zum letzten Wort. Sie trat für Israel beim ESC dieses Jahr 2025 an. Und sie überlebte übrigens den Angriff, den brutalen Angriff der Hamas auf dem Musikfestival. Wir sollten mit ihr das Ding hier beenden. Bis Dienstag. Tschüss.

Sprecher 2: Machen Sie es gut. Bis morgen. Tschüss.

Sprecher 9: Everyone cries, don't cry alone Darkness will fade, all the pain will go by But we will stay, even if you say goodbye Even if you say goodbye.

Sprecher 10: A new day will rise. You take the rise.