Das Ende des Rentenstreits
Dauer: 24:49

Das Ende des Rentenstreits

Bundeskanzler Friedrich Merz sichert sich die Kanzlermehrheit für das umstrittene Rentenpaket. Helene Bubrowski und Michael Bröcker diskutieren, was auf die Debatten der vergangenen Wochen folgt, denn die großen Reformen stehen erst noch bevor. Die Koalition besteht diese Belastungsprobe, doch die inhaltlichen Differenzen zwischen Union und SPD sind noch einmal deutlich geworden.


Tim Meyerjürgens, CEO von TenneT Deutschland, analysiert die politischen Hürden beim Stromnetzausbau. Er erklärt, dass sich der Ausbau der SuedLink-Trasse allein aus politischen Gründen verzögert hat. Zudem kritisiert Meyerjürgens ist zu Gast bei Alex Hofmann vom CEO.Table. 


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Friedrich Merz hat sein Rentenpaket durchgesetzt, das er selbst doch eigentlich inhaltlich für wenig überzeugend findet. Naja, sieben Mitglieder der jungen Gruppe sagen nein, aber es waren eben nur diese hartnäckigen sieben. Die Mehrheit steht, auch die Kanzlermehrheit. Welche Folgen das allerdings trotzdem haben könnte für diese Koalition, das besprechen wir hier heute in unserem Samstagspodcast.

Sprecher 3: Sie bauen die Leitungen für den Strom, den die KI-Industrie und die Wärmepumpen und die E-Auto-Besitzer immer mehr benötigen. Wir sprechen mit dem CEO von Tenet.

Sprecher 2: Und im einzigen musikalischen Adventskalender dieser Republik ist heute der CEO von einem der größten Klinikbetreiber Deutschlands mit einem Liebeslied zu Gast.

Sprecher 3: Und vielleicht wird ja doch noch alles gut für Deutschland, jedenfalls in Sachen Glück. Denn das Losglück hat für unsere Nationalmannschaft wieder folgende Gegner ausgewählt. Ecuador, Elfenbeinküste und Curaçao. So ist es in der Vorrunde der WM. Na dann.

Sprecher 2: Herzlich willkommen zu unserer Podcast-Folge an diesem Nikolaustag, den 6. Dezember.

Sprecher 4: Abgegebene Stimmkarten 597. Mit Ja haben gestimmt 319. Mit Nein haben gestimmt 225. Enthaltungen gab es 53. Damit ist der Gesetzentwurf angenommen. Ich denke, Sie haben die Steine, die von manchen Herzen geplumpst sind, gehört.

Sprecher 3: Das war Bodo Ramelow, der Vizepräsident des Bundestages, der das Ergebnis verlesen hat. Ja, in der Tat aufatmen bei Friedrich Merz, bei Jens Spahn, natürlich auch bei der SPD und bei allen denen, denen das Fortbestehen der Koalition am Herzen lag.

Sprecher 2: Ja, Jens Spahn hat seinen Platz an der Fraktionsspitze damit auch sicher. Die Kanzlermehrheit steht. Nur Janik Buri, Pascal Redig, Marvin Schulz, Johannes Volkmann, Johannes Wiegelmann, Johannes Winkel und Nikolaus Zippelius haben mit Nein gestimmt. Die hartnäckigen sieben von der jungen Gruppe, drei Johannese, das sagt uns doch wahrscheinlich auch irgendwas. Naja, und Roderich Kiesewetter hat nicht teilgenommen an der Abstimmung und damit natürlich auch ein Zeichen gesetzt. Aber das reicht eben nicht, um Merz seine Mehrheit zu klauen.

Sprecher 3: Zwischenzeitlich war noch die Rede davon, dass einige Linke dem Gesetz doch zugestimmt hätten und dass es also doch deutlich mehr Abweichler gäbe, dass also die Kanzlermehrheit... von 316 Stimmen. Nur zustande kam dank der Linken, das war ein Gerücht, das aus grünen Kreisen gestreut wurde, es stimmt nicht. Am Ende hatten Union und SPD eine eigene Mehrheit. Ja, Michael, und es sind nicht nur drei Johannese, sondern alles Männer, die da Abweichler waren. Was sagt dir das?

Sprecher 2: Ja, die junge Gruppe und die junge Union, die ist noch, würde ich sagen, männlicher durchsetzt, als es die Union ja ohnehin ist. Aber es gab ja auch eine, Katharina dos Santos, die aber dann genau wie Philipp Amthor zwar auch aus der jungen Gruppe erst gegen diese Rente agiert hat, aber dann eben doch dafür gestimmt hat. Trotzdem, man muss sagen, jetzt wenn wir das mal analysieren, Helene, die junge Gruppe hat hier sich, man muss fast sagen, in die Geschichtsbücher eingeschrieben, mit einer sehr seriösen, langfristigen, strategisch guten Kampagne. Nie wurde über die Rentengarantie, über die Kopplung an die Lebenserwartung so intensiv in diesem Land diskutiert wie in den letzten Monaten. Und jetzt kommt keiner mehr an einer echten umfassenden Reform vorbei. Das ist auch ihr Verdienst, meine Meinung.

Sprecher 3: Ja, Michael, sehe ich auch so. Sie haben wirklich ohne jede Polemik, sondern immer in der Sache argumentierend, völlig anständig im Auftritt. Auch Pascal Reddich, der ja im Bundestag gesprochen hat, der hat sich auch nochmal bedankt dafür, dass er reden darf, dass also abweichende Meinungen auch in der CDU toleriert werden.

Sprecher 5: Diese Abwägungsfrage, die ich mir gestellt habe, kann man auch anders beantworten und dafür habe ich allergrößten Respekt. Und ich danke an dieser Stelle. Meiner Fraktion, dass ich trotz meines Abstimmungsverhaltens heute in der Debatte das Wort ergebe. greifen darf. Das ist Ausdruck einer Demokratie und der Debattenfähigkeit. Das ist Ausdruck des Parlamentarismus und das ist auch Ausdruck von uns als Volkspartei, als Union.

Sprecher 3: Ja, das war der Chef der jungen Gruppe, die wirklich, würde ich auch sagen, jetzt einen respektablen Platz haben. Und sie sind vielleicht sogar insgeheim ein bisschen froh, weil sie nicht die Koalition gecrashed haben und trotzdem ihre Punkte gemacht haben. Die sehr geschätzte Kollegin Mariam Lau hat ja neulich getwittert, Johannes Winkel habe sich empfohlen für den Fraktionsvorsitz irgendwann. Das ist schon ein ziemlicher Ritterschlag und wird Friedrich Merz wahrscheinlich nicht gefreut haben, aber gut.

Sprecher 2: Und Mariam Lau liegt ja generell sehr oft sehr richtig. Insofern dürfte sich Johannes Winkel gefreut haben. Aber im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger an der JU-Spitze ist er auch eben nicht dieser Raufbold, dem man diese Karrieregeilheit sofort ansieht, wie manch einem seiner Vorgänger. Insofern hat er das wirklich klug gemacht. Und ich finde, Jens Spahn hat sich am Ende jetzt auch gut aus der Affäre gezogen, Helene. Denn er hat nicht nur Reddich reden lassen, sondern er hat auch deutlich gemacht, dass er eigentlich... Ja, die junge Gruppe inhaltlich versteht, immer wieder Verständnis für sie geäußert, während der Kanzler plötzlich auf die Kanzlermehrheit drängt, während er einen harten Auftritt beim Deutschlandtag hatte. Ich habe das Gefühl, dass Jens Spahn weniger beschädigt ist jetzt als Friedrich Merz innerhalb der eigenen jungen Gruppe.

Sprecher 3: Ja, Michael, es fiel ja auch auf, dass der Kanzler am Anfang der Debatte nicht dabei war. Politik des leeren Stuhls. So könnte man sagen. Jedenfalls fanden das auch nicht alle in der Union toll. Und man dachte, was gibt es denn an so einem Tag bitte Wichtigeres? Während Jens Spahn die Sache, die ja wirklich vertrackt war, dann doch einigermaßen gelöst hat. Klar, er hat Druck ausgeübt auf die Abweichler. Das ist aber auch sein Job. Und er hat es aber auch wirklich schwer, weil Friedrich Merz ihm im Wesentlichen gesagt hat, organisiere die Mehrheit. Du hast aber null Prokura, was irgendwelche inhaltlichen Änderungen angeht. Also Jens Spahn war schon in einer schwierigen Position, zumal er ja inhaltlich das Ganze doch auch wahrscheinlich ähnlich sieht, wie die junge Gruppe, jedenfalls deutliche Sympathien dafür hat.

Sprecher 2: Trotzdem ist natürlich klar, diese Mehrheit, diese schwarz-rote Mehrheit, sie steht wirklich auf tönernen Füßen. Das ist immer wieder riskant. Die junge Gruppe weiß jetzt, wozu sie in der Lage ist. Aber auch andere in der Fraktion werden sich das von der SPD, was dort eben jetzt ins Gesetz geschrieben wurde und eigentlich keiner will in der Union, das werden die nicht nochmal durchgehen lassen. Genau wie die SPD sich ja schon damals geschworen hatte, nach dem Flüchtlingsnachzugsgesetz, das werde man jetzt nicht mehr so durchgehen lassen. Also da prallen weiterhin zwei Welten aufeinander. Und wenn ich an die schmerzhaften vielleicht Gesetze zu Kürzungen im Gesundheitssystem denke, die dann nächstes Jahr auf uns zukommen oder eine echte Rentenreform, dann wird diese Koalition noch öfteren auf die Probe gestellt. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Sprecher 3: Ja, nach der Reform ist vor der Reform. Also die weiteren schwierigen Abstimmungen kommen ja erst noch, wenn es dann im nächsten Jahr ums Bürgergeld geht, um die GKV und dann. natürlich irgendwann um eine echte Rentenreform. Friedrich Merz hat versprochen, dass das in einem Jahr ungefähr schon im Bundestag liegen soll. Also das Entgegenkommen ist jetzt, wir machen Tempo bei der Rentenreform und dann... Große Strukturreform, das hat auch Lars Klingbeil gestern nochmal gesagt. Aber was dann damit gemeint ist und ob SPD und CDU sich darüber einig werden, das steht natürlich in den Sternen.

Sprecher 2: Ja, was die Union vor allem intern sehr aufregt gerade, ist, dass führende SPD-Politiker wohl die Ergebnisse der Rentenreformkommission an die Ergebnisse der Schuldenbremsenreformkommission knüpfen wollen. Nach dem Motto, wenn wir das eine machen, müssen wir das andere auch machen. Die wiederum. Müsste man ja mit den Linken im Bundestag machen. Da geht es dann eben um eine dauerhafte Änderung der Schuldenbremse. Zwei Drittel Mehrheit im Bundestag. Also da sind schon die nächsten Konflikte vorprogrammiert. Und Friedrich Merz ist und bleibt einfach nicht fest im Sattel.

Sprecher 3: Ja, der schwache Friedrich Merz, der Friedrich Merz, der Dinge oft laufen lässt, die Dramatik zu spät erkennt und nicht genügend Leute hat, die dann für ihn die Kohlen aus dem Feuer holen. Ja, jetzt ist es gerade nochmal gut gegangen, aber Andreas Audrich, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von den Grünen, hat Friedrich Merz in seiner Rede an seiner verwundbaren Stelle getroffen. Hören wir doch mal rein.

Sprecher 6: Wir müssen heute feststellen, die Union steht für Chaos, für nichts mehr anderes. Zum dritten Mal wankt ihre Mehrheit. Verpatzte Kanzlerwahl bei der Nichtwahl von Frauke Brosius-Gersthoff, eine Implosion der Union. Und heute laufen sie Gefahr, dass sie ein Gesetz hier nicht mehr mit eigener Mehrheit, sondern nur noch mit der Unterstützung der Linken durchbringen können. Man muss es so sagen, sie sind gescheitert, so funktioniert das nicht.

Sprecher 2: Ja, und Heidi Reicheneck lief auch zu Hochtouren auf, muss man sagen, im Bundestag. Sie konnte sich vor allem natürlich über die Grünen echauffieren, die ja die Stabilisierung der Rentengarantie auch im Programm haben und jetzt eben mit Nein gestimmt haben. Und Reicheneck sich als Anwalt der 20 Millionen Rentner darstellen konnte und auch richtige Attacken gegen die Grünen vor allem gefahren ist. Da gibt es auch einen neuen Machtkampf, muss man sagen, um die Vorherrschaft im linken Lager.

Sprecher 7: Ich hätte es hier so hinzustellen, Herr Autrich, und sich zum Retter der Rentner aufzuschwingen. Nachdem Sie schuld daran sind, dass die Situation so ist, wie sie ist, das ist peinlich, das ist scheinheilig und das ist eine absolute Schande. Überlegen Sie mal, wo der Feind wirklich steht. Sie sind vielleicht eine gut verdienende Partei, wir nicht. Wir sind für die Mehrheit im Land da. Verdammt nochmal, Deutschland ist die drittfreundlichste Volkswirtschaft auf dieser Welt. Und ich finde es wirklich beachtlich, dass die Partei, die Fraktion, die als alte Mehrheiten hier zusammengerufen wurden, um massenlos Aufrüstung zu beschließen, grenzenlose Militarisierung, da konnten sie gar nicht schnell genug Ja schreien, anstatt mit uns die Schuldenbremse zu reformieren, haben sie das durchgerufen. Aber jetzt, wenn es um die Rente von über 21 Millionen Menschen geht, da ist bei Ihnen auf einmal eine rote Haltelinie. Ich glaube, das sagt alles, was man über die Grünen wissen muss. Vielen Dank.

Sprecher 3: Ja, Heidi Reicheneck, eine wirklich begabte Populistin, so muss man das sagen. Hätte die AfD so eine Politikerin, ja, dann Gnade uns Gott. Aber sie hat natürlich in der Sache auch einen Punkt. Die Grünen, die immer gesagt haben, wir sind kritisch konstruktiv, dass die bei so einem... am Gesetz dann dagegen stimmen, während die Linke, die einfach nur Fundamentalopposition macht, sich enthält. Das sind natürlich auch verkehrte Welten. Und zum Ende noch ein O-Ton von einem SPD-Genossen, den man bezeichnen könnte als die Rente ist sicher 2.0.

Sprecher 2: Ja, absoluter Norbert Blüm im neuen Gewand. Bernd Rützel heißt der Mann, kaum einer kennt ihn, aber er ist Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales. Er kommt aus Unterfranken, wahrlich kein Abgeordneter, der oft im Rampenlicht steht, aber gestern hat er die Rente, die gesetzliche Rente verteidigt, wie man es wirklich lange nicht mehr gehört hat. Hören wir doch mal kurz rein.

Sprecher 8: Viele Experten und solche, die sich dafür halten, haben seit vielen Jahren schlecht über die Rente gesprochen. Und jetzt will ich aber nicht... Diese Prognosen verspotten, aber ich will mich wehren dagegen, dass immer noch das Gleiche erzählt wird und man festgestellt hat, wie falsch das man lag und das Gleiche wieder weitererzählt. Denn die Rente, die ist unschlagbar. Die Rente ist unschlagbar sicher, die Rente ist unschlagbar günstig und die Rente ist unschlagbar zuverlässig.

Sprecher 2: Ohne sie geht bei der Energiewende gar nichts. Tenet Deutschland oder die Deutschland-Tochter des niederländischen Konzerns Tenet ist mit einem Leitungsnetz von über 14.000 Kilometern einer der größten Übertragungsnetzbetreiber hier im Land. Das Unternehmen beschäftigt rund 5.000 Mitarbeiter und muss vor allem in den letzten Monaten dafür sorgen, dass durch große Leitungsstrukturen der Strom von den Windkraftanlagen im Norden in den industriereichen und stromintensiven Süden fließen kann. Dafür ist Tenet unter anderem zuständig und auch der deutsche Staat. Die Bundesregierung interessiert sich allmählich für den Einstieg in einen systemimmanenten Betrieb, muss man sagen, für das Gelingen der Energiewende. Kein besonders bekanntes Unternehmen, aber umso bedeutender eben doch für die Energiewende. Das wollten wir uns näher anhören. Alex Hofmann, unser CEO, Table-Chef, hat mit dem Deutschland-Chef von Tenet, Tim Mayer-Jürgens, über den Stand der Energiewende und den Zustand des deutschen Stromnetzes gesprochen.

Sprecher 9: Herzlich willkommen, Herr Mayer-Jürgens, CEO von Tenet Germany im Table Podcast Studio.

Sprecher 10: Ja, schönen guten Morgen. Vielen Dank, dass ich hier sein darf.

Sprecher 9: Herr Mayer-Jürgen, Sie betreiben kritische Infrastruktur für über 40 Millionen Menschen, aber kaum jemand kennt die Marke, kennt den Firmennamen. Ist das ein Problem oder ist das genau richtig?

Sprecher 10: Naja, wir sind ein Übertragungsnetz. Und deswegen haben wir natürlich keine Kunden direkt bei uns angeschlossen oder nur sehr wenige Kunden, große Industriekunden und Verteilnetzbetreiber. Deswegen ist der Name in der Allgemeinheit nicht so bekannt. In der Region durchaus, denn wir bauen sehr viel, wir bauen viel Infrastruktur und dort, wo Leute betroffen sind, kennt man uns durchaus.

Sprecher 9: Übertragungsnetz, das klingt jetzt so ein bisschen nach Kabel, aber wir haben im Vorgespräch auch schon kurz drüber gesprochen. Da steckt auch sehr, sehr viel Elektronik, Intelligenz auch mit drin.

Sprecher 10: Ja, in der Tat. Also natürlich bauen wir Hardware, wir bauen also Freileitungen und Kabel. Aber der Betrieb dieser Anlagen ist unheimlich anspruchsvoll und deswegen haben wir auch einen sehr hohen Digitalisierungsgrad, den wir auch immer weiter treiben, um eben diese Infrastruktur, die wir bauen, möglichst effizient auch nutzen zu können.

Sprecher 9: Sie haben zur Energiewende einmal gesagt, Deutschland könne sich keinen Richtungswechsel alle vier Jahre leisten. Welche konkreten politischen Entscheidungen der letzten Jahre haben Sie denn am meisten zurückgeworfen und was hätten Sie anders gemacht?

Sprecher 10: In der Tat betreiben wir ein sehr langfristiges Geschäft. Also wir denken eher in Dekaden und nicht in Legislaturperioden. Und das ist eben der Unterschied zur Politik. Und was uns zum Beispiel ganz konkret zurückgeschmissen hat, ist diese Diskussion, die wir immer wieder haben, ob wir überirdisch bauen, also als Freileitung oder unter der Erde. Ganz prominentes Beispiel ist Südlink, eine der großen Gleichstromverbindungen von Nord nach Süd. Die haben wir mal als Freileitung konzipiert. Im Jahre 2012 mit dem Ziel, sie 2022 in Betrieb zu nehmen. Und dann kam eine politische Diskussion über die Akzeptanz. Und in 2015 hat dann die Politik entschieden, diese Leitung unter die Erde zu bringen. Damit waren für uns drei Jahre Planung dahin. Wir mussten komplett bei Null starten, denn die Anforderungen für eine Kabeltrasse sind völlig anders als für eine Freileitung. Und insofern hat uns alleine das am Anfang drei Jahre gekostet. Es ist dann aber auch nicht schneller gegangen, weil ich verlagere den Konflikt einfach nur von eher der Allgemeinheit, die sich am Landschaftsbild stört, zu den Eigentümern und Landwirten, die die Flächen bewirtschaften. Und wir sehen jetzt, Südlink wird 2028 in Betrieb gehen, also sechs Jahre später. Und das nur aufgrund dieser politischen Diskussion.

Sprecher 9: Zusätzlich sind die Kosten von drei auf über zehn Milliarden Euro gestiegen. Wer trägt denn da letztendlich die Verantwortung? War das eine richtige Fehlentscheidung? Liegt es auch daran, dass die, es gibt ja über 60 Bürgerinitiativen, die gegen die Verlegung unterirdisch protestieren. Woran liegt es am Ende, dass dieses Projekt so unfassbar komplex geworden ist?

Sprecher 10: Ja, am Ende war es tatsächlich die politische Entscheidung. Man hat gesagt, aufgrund des Widerstandes in der Allgemeinheit, aufgrund dieser Bürgerinitiativen wollte die Politik was tun und hat gesagt, bringt das Kabel unter die Erde. Damit war direkt der Zeiteinfluss dort, dadurch haben wir die Zeit verloren und auch die Kostensteigerung kam über Nacht, also von 3 Milliarden auf 10 Milliarden. Das ist jetzt nicht, weil das Projekt sich danach irgendwie verzögert hat, sondern das ist der direkte... Der Einfluss dieser Entscheidung, weil der Aufwand, eine Stromleitung unter die Erde zu bringen, eben ungleich höher ist, als sie überirdisch zu bauen.

Sprecher 9: Sie haben das Jahr 2028 genannt, da wird es live gehen. Ist das realistisch oder sind da auch noch weitere Verzögerungen möglich?

Sprecher 10: Nein, wir haben Südlink jetzt vollständig durchgenehmigt und wir sind im Bau auf der gesamten Trasse von Nord bis Süd. Wir haben von Anfang an gesagt, schon 2015, als die Entscheidung getroffen wurde, wir werden etwa vier Jahre für die Verlegung des Kabels benötigen und da sind wir nach wie vor im Zeitplan.

Sprecher 9: Sie verdienen eine regulierte Eigenkapitalrendite von knapp 7 Prozent bei einem Anlagevermögen von 27,8 Milliarden Euro Stand Ende 2024. Im laufenden Jahr haben sie auch schon zumindest per Halbjahr 3,7 Milliarden neu investiert. Gleichzeitig sagen Sie, Deutschland liegt im internationalen Vergleich auf einem der letzten Plätze. Was wäre denn eine faire Rendite aus Ihrer Sicht?

Sprecher 10: In der Tat ist, man muss sagen, unsere Eigenkapitalrendite setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen. Aus einem... Baustein mit ungefähr 5% und einem anderen mit ungefähr 7%, der mit 5% dominiert. Also de facto sind wir bei 5, noch was über alles. Wir sind damit aber im internationalen Vergleich das Schlusslicht in Europa. Und das sehen wir eben Firmen, die massiv investieren müssen. auch von außerhalb Deutschland zu bekommen. Und damit müssen wir eine Rendite am Ende bieten können, die international vergleichsfähig ist. Wir haben eine Studie machen lassen durch NERA in London. Die haben sich alle regulatorischen Modelle in Deutschland angeguckt. Die haben dann aber Vorsteuer... Zinssätze miteinander verglichen und kommen dort auf einen Durchschnitt in Deutschland von 4,45, während wir in Europa 6,65 haben. Also wir haben einen Gap von ungefähr 2%. Im Vergleich zum europäischen Markt. Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, mit dem neuen regulatorischen Rahmen auch die Eigenkapitalrendite erhöhen zu wollen. Allerdings ist jetzt die Frage, um wie viel und da warten wir auf das Signal aus Bonn.

Sprecher 9: Sie haben vorhin schon gesagt, Investitionsbedarf bis Ende 2029 von 65 Milliarden Euro bis 2034 sollte der Betrag bei über 100 Milliarden Euro liegen. Wie kann man das alles finanzieren?

Sprecher 10: Wie gesagt, wir haben jetzt eine strukturelle Lösung gefunden, in dem wir drei Investoren haben, die uns ein Eigenkapital von 9,5 Milliarden Euro bereitstellen. Und damit decken wir den Eigenkapitalbedarf, den wir haben für die nächsten fünf Jahre und auch darüber hinaus. Und den Rest gehen wir dann an den Kapitalmarkt für Fremdkapital. Also Unternehmensanleihen, mit denen wir dann etwa nochmal 10 Milliarden pro Jahr zusätzlich ins Haus holen.

Sprecher 9: Gelder waren 2023 bei 3,12 Cent pro Kilowattstunde subventioniert vom Staat. 2024 gab es keine Subvention, da sind sie sofort dann auf 6,43 Cent angestiegen, also mehr als verdoppelt. Ab 2026 soll der Staat wieder mit... 6,5 Milliarden Euro eingreifen. Sind wir da nicht in einem Teufelskreis gefangen, weil sich ja zeigt, ohne Subvention funktioniert das Modell nicht?

Sprecher 10: Nein, ich würde das ein bisschen anders sehen. Also der Staat nutzt uns als Treuhänder, um die Energiepreise zu senken. Und das über die Netzentgelte zu machen, ist der einfachste Weg. Wir geben also diesen Zuschuss von 6,5 Milliarden 1 zu 1 durch. Das ist nicht, um uns zu finanzieren, sondern am Ende, um die Energiepreise für die Endkunden senken zu können.

Sprecher 9: Aber bezogen auf das Gesamtsystem passt die Logik doch noch.

Sprecher 10: Bezogen auf das Gesamtsystem sehen wir natürlich enorm hohe Energiepreise. Und das ist ein Thema, das uns natürlich sehr beschäftigt. Wir sehen, dass unsere Netzentgelte im Übertragungsnetz über die Hälfte aus Systemkosten besteht. Das sind Kosten, insbesondere Redispatch-Kosten, also Kosten, die entstehen, weil der Netzausbau nicht schnell genug vorankommt. Und das beste Mittel, um diese Systemkosten zu senken, ist tatsächlich, in die Netze zu investieren. Und wenn Sie mal den Zuschuss des Staates außen vor lassen, dann sehen Sie, dass die Netzentgelte, Werte im nächsten Jahr gegenüber dem vom letzten Jahr sogar leicht sinken, obwohl wir als Übertragungsnetzbetreiber alle enorm investieren. Wir alleine dieses Jahr etwa 10 Milliarden Euro. Die anderen deutschen Übertragungsnetzbetreiber nochmal ungefähr genauso viel. Trotzdem sinken die Netzentgelte, weil diese Maßnahmen wirken und die Systemkosten reduzieren.

Sprecher 9: Die EU verlangt, dass 70 Prozent der Netzkapazität für den grenzübergreifenden Stromhandel verfügbar sind. Deutschland schafft aber gerade mal 20 Prozent. Der Europäische Verband der Übertragungsnetzbetreiber empfiehlt deshalb, Deutschland in fünf Strompreiszonen aufzuteilen, was es auch schon in anderen EU-Ländern ja gibt. Strom würde dann im windreichen Norden billiger, im Süden etwas teurer. Wie stehen Sie dazu? Was wäre schlimm daran, das so zu machen? Also dass dann in Bayern die Rechnung ein bisschen höher ausfallen würde?

Sprecher 10: Also erstmal muss man mal sagen, die 70 Prozent, die schaffen wir schon. Wir haben aber zusätzliche Systemkosten, weil wir teilweise Engpässe innerhalb des Landes haben und damit eben hohe Redispatch-Kosten. In der Tat könnte ein Split der Preiszone in Deutschland diese Systemkosten weiter senken. Insofern ist das natürlich ein Modell, über das man diskutieren muss. Wir haben als Übertragungsnetzbetreiber mit unseren europäischen Nachbarn dazu im Auftrag der europäischen Regulierungsbehörde Acer eine Studie gemacht. Und man sieht, das macht etwa 1% der Marktliquidität. Also die Vorteile sind auch überschaubar. Die Datenlage für die Studie ist zum Teil ein Stand, der schon einige Jahre alt ist. Also insofern muss man wirklich sehen, sind die volkswirtschaftlichen Vorteile so groß, dass sich dieser Schritt lohnt. Auf der anderen Seite reduziert man die Liquidität im Markt. Und wir haben in Deutschland einen Föderalstaat, wo natürlich auch sehr emotionale Diskussionen dann stattfinden. Über Ungleichheit geführt wird. Also insofern muss man sich das sehr genau überlegen. Ein anderer Aspekt, der eigentlich gar nicht diskutiert wird, ist die Systemsicherheit. Wir müssen ja auch dieses System sicher betreiben. Auch dort können Maßnahmen wie ein Geburtszonensplit dazu beitragen, dass ich regionale Preissignale habe, die einen Anreiz bilden für Marktteilnehmer, sich ein bisschen mehr so zu verhalten, wie wir es eigentlich bräuchten. Also insofern ist das... Ein Thema, was diskutiert werden muss. Ich sehe aber derzeit politisch in Deutschland auch ein sehr klares Statement, dass man diesen Weg nicht gehen möchte.

Sprecher 9: Herr May-Jürgens, vielen Dank für das Gespräch.

Sprecher 10: Sehr, sehr gerne.

Sprecher 2: Unser musikalischer Adventskalender geht in den Nikolaus. Am 6. Dezember kommt der Vorschlag von dem CEO der Sana-Kliniken, Thomas Lemke. Und er hat sich ein Liebeslied ausgesucht. Eines, wo er sagt, es hört er sich immer wieder gerne an, wenn er mal wieder Hoffnung braucht. Und manchmal gilt das eben auch für Unternehmerinnen und Unternehmer, die an diesen Standort Deutschland glauben wollen, weiter glauben, aber eben dann doch manchmal Zweifel haben oder sich durch Widrigkeiten kämpfen müssen. Insofern passt dieser Song wunderbar in die aktuelle Lage. Tom O'Dell, Another Love. Wir freuen uns auf Sie am Montag. Dann wieder neue spannende Interviews, politische Analysen und natürlich Florian Fischau und Helene Bubrowski. Table Today. Bis dahin. Ciao, ciao.

Sprecher 11: And if somebody hurts you, I wanna fight But my hands been broken once too many times So I use my voice, I'll be so fucking rude But they always win, but I know I'll lose And I'd sing a song that'd be just ours But I sang them all to another heart And I wanna cry, I wanna learn to love But all my tears, they be used up on another love All my tears and tears fall.