Kann Otto gegen Amazon bestehen, Frau Scharner-Wolff?
Dauer: 23:09

Kann Otto gegen Amazon bestehen, Frau Scharner-Wolff?

Seit diesem Jahr hat die Otto Group eine neue Chefin. Die 53-jährige Diplom-Kauffrau Petra Scharner-Wolff ist die erste Vorstandsvorsitzende des Konzerns. Otto behauptet sich seit Jahren erfolgreich gegen Amazon. Mit 12,2 Millionen Kunden hat Otto im vergangenen Jahr 14,9 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Wie steuert Scharner-Wolff die Otto Gruppe durch das schwierige wirtschaftliche Umfeld? Wie läuft das Weihnachtsgeschäft? Können Shein und Temu gefährlich werden?

[08:35]


Der Bundestag hat den reduzierten Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie beschlossen. Jörn Peter Brinkmann, Vizepräsident der Dehoga Berlin, spricht von einer „Gleichstellung“. Er dämpft jedoch die Hoffnung auf sinkende Preise für die Gäste. Die Kosten für Personal und Energie bleiben weiterhin hoch.

[01:14]


Es ist der Tag der Entscheidung im Bundestag – es wird über das Rentenpaket abgestimmt. Friedrich Merz wünscht sich eine Kanzlermehrheit. Heute früh ist nicht klar, wie die Abstimmung ausgehen wird.

[06:30]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Ja, ist denn schon Weihnachten? Die Pendler, Gastronomen und Ehrenamtler übrigens auch bekommen im nächsten Jahr mehr Geld. Das hat der Bundestag gestern beschlossen. Wird jetzt unser Schnitzel und die Currywurst im Restaurant wirklich günstiger? Das besprechen wir gleich mit dem Vizepräsidenten der DEHOGA hier in Berlin, Jörn-Peter Bregmann.

Sprecher 3: Das Rentenpaket kommt höchstwahrscheinlich durch, aber die große Frage ist, steht denn die Regierungsmehrheit überhaupt noch? Bis gestern Abend mussten sich die Abweichler melden. Wir geben Ihnen ein Update.

Sprecher 2: In unserem Interview eine ganz besondere Unternehmerin, nämlich Petra Schaner-Wolf. Sie ist die neue Vorstandsvorsitzende der Otto Group, muss sich nicht nur mit Amazon auseinandersetzen, sondern auch mit den neuen chinesischen E-Commerce-Giganten Shein und Temu. Aber sie hat auch noch andere kluge Ideen, wie man moderne Unternehmen führen sollte. Dazu gleich mehr.

Sprecher 3: Und zum Schluss natürlich auch wieder unser kleiner musikalischer Adventskalender mit dem fünften Türchen. Diesmal mit einem Musikwunsch von Jens Südekum, dem persönlichen Berater von Lars Klingbeil. So starten wir in diesem Freitag, den 5. Dezember. Auf geht's!

Sprecher 2: Manch einer weiß es gar nicht, aber die Gastronomie und die Hotelbranche in Deutschland ist die zweitgrößte unter allen Wirtschaftsbranchen. Und sie hat nicht nur in der Corona-Zeit, vor allen Dingen auch danach gelitten. Der Umsatz immer noch bei 115 Milliarden Euro, aber im Jahr 2024 lag die Zahl der Insolvenzen mit knapp 1230 Prozent über dem Vorjahr. Jetzt soll alles besser werden. Die Bundesregierung hat einen Steuerrabatt beschlossen. Auf Speisen soll die Mehrwertsteuer sinken. Und da dachten wir, da reden wir doch mal mit einem, der dieses Geld jetzt bekommt. Und zufällig auch noch unser Podcast-Partner hier ist. Der ist der geschäftsführende Gesellschafter der Ständigen Vertretung, wo wir unsere Außenstelle bei Table Today ja haben, bekanntlicherweise. Er ist außerdem Vizepräsident der Dehoka hier in Berlin. Schönen guten Tag. Hallo Jörn-Peter Brinkmann.

Sprecher 4: Schönen guten Tag.

Sprecher 2: Die wichtigste Frage vorweg. Wird mein Schnitzel oder meine Currywurst jetzt im nächsten Jahr wirklich billiger, wenn dieser Steuerrabatt kommt? Oder fließt das einfach alles in eure Kasse?

Sprecher 4: Also Steuerrabatt ist schon mal falsch. Es ist einfach eine Gleichstellung. Das, was wir schon immer gefordert haben, wenn ich mir den Döner hole, dann... Zahle ich 7% Mehrwertsteuer. Wenn ich in den Rewe gehe und nehme den fertigen Salat, zahle ich 7% Mehrwertsteuer. Und wie in der Gastronomie, wo man sich hinsetzt, wo man sehr gastfreundlich empfangen wird, wo man Besteck hat, einen Stuhl, einen Tisch und einen Porzellanteller, mussten immer 19% Mehrwertsteuer abführen. Dementsprechend ist es eine Gleichstellung. Es ist natürlich eine freie Marktwirtschaft. Der Gastronom wird das für sich entscheiden, wie er damit umgeht. Was ich glaube, ein echt gutes Signal für den Gast senden kann, die Preise werden stabil bleiben. Ich glaube, das wird so... Grundsätzlich so sein, du wirst im nächsten Jahr keine Preiserhöhung sehen auf Speisen. Kann ich auch nicht komplett pauschal sagen, aber ich glaube, das ist so der Trend und die Tendenz. Und das ist ein gutes Zeichen, gerade in Zeiten, wo alles irgendwie teurer wird, werden wir unsere Preise stabil halten.

Sprecher 2: Wie ist denn die Nachfrage derzeit? Wir sind im dritten Jahr der Rezession. Spürt man das beim Ausgehverhalten der Menschen? Kommen weniger ins Restaurant? Wird weniger für das Essen draußen ausgegeben?

Sprecher 4: Also gefühlt, ich kann natürlich primär von der ständigen Vertretung sprechen, aber bin natürlich auch gut vernetzt mit anderen Gastronomen. Die Gästezahl ist gar nicht so geringer geworden, aber der Umsatz ist, der Pro-Kopf-Umsatz ist geringer. Also waren es früher die drei Gin Tonics, sind es heute zwei. War es früher die Vorspeise, Hauptspeise, Dessert, ist es heute eher die Hauptspeise und vielleicht noch ein Dessert. Also das merkst du, der Pro-Kopf-Umsatz ist runtergegangen. Und was wir auch gespürt haben, die Budgets jetzt gerade in der Weihnachtszeit bei Weihnachtsfeiern, Firmenweihnachtsfeiern, Früher hattest du eher das Gefühl, vor Corona vorher frei. Und heute kommt der Inhaber und sagt, also 80 Euro pro Kopf ist max. Und das hattest du vorher nicht. Und das spürst du. Also es ist ein verhalteneres Ausgehen. Und das ist so der Effekt, den wir nach Corona gespürt haben und jetzt gerade in der Inflationszeit.

Sprecher 2: Also weniger Firmen feiern, weniger Weihnachtsfeiern, weniger Unternehmen, die euch buchen, sondern individuelle Kunden?

Sprecher 4: Also Firmen, Weihnachtsfeiern, würde ich sagen, ist eher stabil. Individualgäste ist eher rückläufig. Tourismus Berlin rückläufig. Wir haben versus vor Corona minus 10 Millionen Fluggäste in Berlin. Minus 10 Millionen. Und das ist ein Riesenthema am BER, die Konnektivität. Die Flüge sind einfach viel zu teuer. Also wir sind froh, dass die Luftverkehrssteuer gesenkt wurde. Aber wir müssen einfach bessere Anbindungen schaffen. Der Flug nach Kopenhagen ist günstiger als nach Berlin aus London. Und das macht sich bemerkbar. Also der Tourismus ist geringer, dementsprechend natürlich auch der Umsatz in der Hotellerie und Gastronomie.

Sprecher 2: Die gastronomische Lage ist ja entscheidend. Ihr seid mittendrin im politischen Viertel in der Berliner Republik. Ist denn der Politiker immer noch ein Stammgast oder ist das in der Politinstitution Steff inzwischen mehr Folklore als wirklich eure Gästestruktur?

Sprecher 4: Nein, Gott sei Dank kommen noch viele MDBs und auch Minister. Anders als früher, glaube ich, weil heute ist natürlich in Zeiten von Smartphones, werden sie sofort gefilmt, fotografiert und geguckt, wie viel sie denn trinken. Dann hast du im Zweifel das BKA, was einen Tag vorher kommen muss und klären muss, wo sind die Ausgänge. Ich glaube, das war früher anders. Aber sie kommen, da sind wir stolz drauf und froh. Und das gehört natürlich auch zu unserem Konzept und macht den ganzen Laden, die DNA natürlich besonders.

Sprecher 2: Wenn man in den Außenbezirken Berlins schaut, ist der Ruhetag bei vielen Gastronomien inzwischen fast der Standard geworden. Viele machen mehr zu, kriegen keine Mitarbeiter mehr. Das ist ja das zweite Thema neben den Umsätzen und den Erlösen. Wie macht ihr es?

Sprecher 4: Also wir haben die... Gleichen Herausforderungen wie jeder andere Gastronom. Sicherlich ist es ein großes Thema, dass du hier innerstädtisch eine mega Anbindung für den Mitarbeiter hast. Also das ist tatsächlich wichtig, dass der Mitarbeiter kurze Arbeitswege hat. Wir haben aktuell eine Prämie ausgerufen, so ein Kopfgeld. Also wenn ein Mitarbeiter einen anderen Mitarbeiter wirbt, bekommt er einen Bonus, also 500 Euro. Zahlen wir Cash aus.

Sprecher 2: Nach der Probezeit.

Sprecher 4: Nach der Probezeit, richtig. Und die beste Werbung ist der Mitarbeiter, der sagt, ey, da arbeite ich gerne, das sind coole Chefs, das sind nette Gäste, das Trinkgeld stimmt, komm doch zu uns. Wir haben zum Beispiel keinen Ruhetag, was natürlich ein Vorteil ist. Aber im ländlichen Raum tatsächlich große Herausforderungen in der Gastronomie.

Sprecher 2: Wir warten ab, was in den deutschen Hotels und Gastronomiebetrieben im kommenden Jahr passiert und danken für diese erste Einschätzung, Jörn-Peter.

Sprecher 4: Danke dir.

Sprecher 5: Wir haben 630 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Die Mehrheit ist 316. Wir haben 328 und ich würde mir ein Ergebnis wünschen zwischen 316 und 328. Und ich denke auch alle Gespräche, die wir führen, die der Fraktionsvorsitzende mit den Kolleginnen und Kollegen in der Bundestagsfraktion führt, deuten darauf hin, dass wir das erreichen.

Sprecher 2: Es steht immer noch auf des Messers Schneide, was die Zustimmung der Union zum Rentenpaket betrifft. An diesem Freitagmorgen geht es in den Bundestag und soll abgestimmt werden. Und immerhin eine einstellige Zahl an Abweichlern sind weiterhin festgewillt, diesem Paket nicht zuzustimmen. Doch wenn es acht oder neun wären, dann würde es gerade auch als eigene Mehrheit für Union und SPD reichen, dieses Paket durch den Bundestag zu bekommen. Was die Unionsfraktionsführung, aber auch der Kanzler auf gar keinen Fall wollen sind. Eine Mehrheit für das Rentenpaket nur durch Zustimmung der Linken, denn die haben angekündigt, sich zu enthalten, sodass es eine einfache Mehrheit deutlich schneller gehen kann. Aber nein, Merz hat klargemacht und auch Jens Spahn, wir brauchen eine eigene Regierungsmehrheit. Deswegen bis zuletzt Gespräche mit der jungen Gruppe und das Angebot auch an Pascal Reddich, den Vorsitzenden der jungen Gruppe. Er soll jetzt doch heute im Bundestag drei Minuten sprechen dürfen. und seine kritischen Punkte zu diesem Rentenpaket im Bundestag Chorapublikum nennen dürfen. Wie am Ende die Abstimmung ausfällt, es ist bis zuletzt offen. Eine namentliche Abstimmung ist gefragt. Das heißt, man muss jetzt hier schon klarkante zeigen, wer was wirklich will. Es sieht so aus, es geht am Ende doch noch alles gut. Und die Kritiker haben ihre Bedenken deutlich gemacht, aber das Paket kommt am Ende doch noch durch. Wir informieren Sie über die möglichen Konsequenzen und natürlich über das Ergebnis in unserem Podcast am Samstag bei Table Today. Otto ist ein deutsches Traditionsunternehmen, wie es im Buche, wie es im Katalog steht, hätte ich fast gesagt, das es in den letzten Jahren durch die Widrigkeiten des E-Commerce geschafft hat, oben zu bleiben. Im vergangenen Jahr wurden daraus so ungefähr 170 Millionen Euro Gewinn. Der Verlust im Vorjahr lag noch bei 420 Millionen Euro. Also es geht aufwärts bei der Gruppe aus Hamburg. Und die neue Chefin an der Spitze heißt Petra Schaner-Wolf. Die 53-jährige Diplomkauffrau ist die erste Vorstandsvorsitzende der Otto-Gruppe und arbeitet dort seit mehr als 25 Jahren. Sie setzt auf digitale Transformation. KI ist auch für sie ein Hilfsmittel, ein Werkzeug, um die Unternehmensgruppe modern aufzustellen. Alleine 350 Millionen Euro will die Otto-Gruppe in den nächsten drei Jahren investieren. Aber sie hat auch interessante Ideen für die Führung ihres Unternehmens. So ist zum Beispiel jeder Führungsjob bei Otto auch als Teilzeit ausgeschrieben. Eine interessante Idee, die wir mit dieser Frau unbedingt mal besprechen wollten. Heute ist sie bei uns. Einen schönen guten Tag, Frau Schana Wolf.

Sprecher 6: Guten Morgen, Herr Bröker.

Sprecher 2: Kurz vor Weihnachten oder quasi schon mitten im Weihnachtsgeschäft muss ich Sie natürlich erstmal fragen, wie läuft es an? Sind die Deutschen wieder ein bisschen kaufbereiter?

Sprecher 6: Wir haben ja gerade die spannendste Woche des Jahres hinter uns. Für uns ist ja im Handel mittlerweile die Black-Friday-Phase noch wichtiger als die Weihnachtsphase. Das hört sich vielleicht ein bisschen ungewöhnlich an. Und bei uns ist der Black-Friday... gut gelaufen. Das ist aber eine Phase, die man sehr intensiv steuern muss, wo die Kunden natürlich sehr interessiert sind an preisgünstigen Angeboten. Aber wir sind gut durch diese Phase durchgekommen. Wir haben hohes Wachstum am Black Friday selber gesehen bei Otto. Und deshalb sind wir zuversichtlich auch für die restliche Weihnachtsphase.

Sprecher 2: Sagen Sie mal eine Hausnummer, so prozentual, was in so einer Woche mehr verkauft wird auf eurer Plattform als in der Woche davor.

Sprecher 6: Das skaliert sehr stark nach oben. Das ist also nicht ganz eine Verdopplung, aber in der Dimension zu einer schwachen Saisonphase, vielleicht nicht die Woche davor, aber ich sage mal so einer Sommerwoche, ist das fast doppelt so viel Umsatz. Also das ist schon sehr relevant. Das ist der größte Peak, den wir im Jahr haben.

Sprecher 2: Jetzt gab es verschiedene Studien, auch von Verbraucherschutzorganisationen, die sagen, naja, da werden Preise vorher hochgeschraubt, um sie dann in der Black Week wieder nach unten zu schrauben. Wie viel Rabatt ist da wirklich möglich oder ist das alles eine ganz große PR-Aktion für die Verkäufer oder die Plattform?

Sprecher 6: Ja, wir haben jetzt zigtausende Angebote in der Phase, sodass ich sozusagen den durchschnittlichen Rabatt nicht wirklich quantifizieren kann. Aber ich kann Ihnen versprechen, dass aus Verbrauchersicht natürlich sehr viel Wettbewerb auf dem Markt ist, weil ja nicht nur wir das machen, sondern andere auch. Und ich bin generell davon überzeugt, dass der Kunde ein aufgeklärter Kunde ist und dass der auch Preissuchmaschinen und ähnliches kennt und glaube ich sehr gut in der Lage ist, rauszufinden, ob das wirklich ein attraktives Angebot ist oder nicht.

Sprecher 2: Sie rechnen ja dieses Jahr mit einem dreistelligen Millionenbetrag beim Gewinn und das in einer Phase, wo einige Industriebranchen ja wirklich in der Existenzkrise sind. nagen oder dramatisch schrumpfen. Warum können Sie diesem Trend in der deutschen Wirtschaft trotzen?

Sprecher 6: Weil wir hart an der Transformation arbeiten. Nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in den Jahren davor. Wir haben mit Otto eine Marke, die wir in den letzten Jahren zur Plattform entwickelt haben. Und wir sehen, dass sich eine Plattform auch in dieser Phase im Handel gut durchsetzen kann. Wir haben mit Crate& Barrel ein Konzept, was in den USA tätig ist, was Möbel im Schärfung verkauft. Was exzellente Produkte hat und was auch super Beratungsleistungen anbietet und diese Kombination aus Produkt und Beratungsleistungen bei den Kundinnen sehr gut ankommt. Und wir haben eine starke Finanzdienstleistungssparte und in Kombination, ich sage mal, dieser drei großen starken Säulen können wir uns auch in dem herausfordern, an einem Umfeld, was ich bestätigen kann, Gut behaupten.

Sprecher 2: Wer ist denn eigentlich im Wettbewerb inzwischen der wichtigste Konkurrent? Jedes Interview mit einem Automanager oder einer Automanagerin geht ja am Ende immer auch um Amazon. Aber hat man nicht das Gefühl inzwischen, dass Shane und Temu viel relevanter geworden sind für das Wachstum der nächsten Jahre?

Sprecher 6: Also sie sind sicher vom Volumen nicht relevanter als Amazon, aber natürlich von der Dynamik, wo sie eben waren, sind sie sehr relevante Wettbewerber. Und vor allen Dingen seit der Phase, seit Herr Trump sozusagen mit seiner Politik die Grenzen der USA stärker zugemacht hat, sehen wir, dass beide Firmen noch stärker auf den europäischen Markt gedrängt sind und dementsprechend hier sehr aggressiv. Den Markt bearbeiten.

Sprecher 2: Sie haben derzeit etwa 70 KI-Lösungen im Einsatz, 100 KI-Experten, die die täglich an der Weiterentwicklung diese Technologie für Otto arbeiten. Und Sie haben mal gesagt, KI kann eigentlich jeden Job in Ihrem Unternehmen verändern. Also auch Ihren persönlich, wo hat er Ihren Job schon verändert? Geben Sie mal ein konkretes Beispiel.

Sprecher 6: Zum Beispiel, wenn ich mich damit beschäftige, wie sich Wettbewerber entwickeln, haben wir mittlerweile über die KI, deutlich bessere Möglichkeiten, Wettbewerbsanalysen zu fahren und sehr umfangreich, ohne dass ich jetzt den Strategiebereich fragen muss, zu gucken, wie sich zum Beispiel ein Schien oder ein Temu oder ein Zalando oder so jemand entwickelt hat. Aber auch in der Interaktion, wie wir in der Firma miteinander kommunizieren, in dem Zusammenfassen von Dokumenten, in dem automatisierten Erstellen von Protokollen. Also es ist schon, die KI öffnet ein sehr faszinierendes, breites Feld und geht in alle Geschäftsprozesse bei uns gerade rein.

Sprecher 2: Und konkret, wo würden Sie sagen, hilft es beim Kunden, also dem Nutzer, dem Kunden von Otto künftig, wo wird da die KI der Game Changer sein?

Sprecher 6: Wir werden zu einem noch deutlich personalisierteren und inspirierenden Einkaufserlebnis kommen, aus meiner Sicht. Warum ist das so? Wir können die Artikel, die wir anbieten, und Otto hat im Moment eine Dimension von 19 Millionen Artikeln, also viele, können wir diese Artikel erstmal wesentlich besser darstellen. Wir können flächendeckend mit Rundumansichten arbeiten. Wir können die Produktbeschreibung deutlich besser und differenzierter machen. Das ist deshalb wichtig, weil darüber die Kunden viel besser das Produkt finden können, das Produkt vergleichen können mit anderen Produkten. Diese Leistung wird auf eine ganz neue Dimension. Wir werden integriertere Prozessketten noch bekommen, als wir haben. Also der Kunde liebt es ja sozusagen natürlich, ich sage mal, ein gutes Produkt zu haben, aber auch einen stabilen Lieferservice zu haben, dafür ein Zeitfenster zu haben, wann die Ware beim Kunden ankommt zu Hause. Und diese Prozesse werden wir natürlich noch feiner aussteuern können, weil wir sie besser prognostizieren können. Und ich glaube, das wird uns auf eine neue Dimension bringen. Nicht nur uns, sondern auch andere Firmen natürlich im Handel.

Sprecher 2: Und perspektivisch ist der Kundenservice am Ende ein KI-Agent.

Sprecher 6: Der Kundenservice ist im Moment auch schon mit einem Agent unterstützt und wir sehen sehr gute Resonanz vom Kunden auf diese Agent-Leistung. Wir kennzeichnen die auch sozusagen, der Kunde weiß, wenn er mit einem echten Menschen spricht und wann nicht. Und dadurch, dass der Agent aber so zuverlässig das bedient, was der Kunde will, ist der Kunde mit dem Agent glücklich. Also wenn viele Fragen sind zum Beispiel an der Ecke, wo ich gerade war, wann kommt die Ware an und ist das so? Also in der Zuverlässigkeit und das kann ein Agent zum Beispiel sehr erfolgreich und sehr zuverlässig beantworten.

Sprecher 2: Gibt es eigentlich auch nach den Diskussionen rund um Donald Trump und auch die geopolitischen Konflikte eine Rückbesinnung auch des Kunden auf Made in Germany? Also spüren Sie bei Otto, dass das deutsche Traditionsunternehmen gewinnt im Vergleich zu Shein, die mit radikalen Maßnahmen arbeiten oder auch Amazon, die eben Amerikas First Mover sind? Gibt es da so eine Art patriotisches Kaufhalten?

Sprecher 6: So weit würde ich noch nicht gehen. Ich finde, es gibt einen berechtigten und auch guten Dialog. in Deutschland, dass sozusagen Stärke und Resilienz und auch, wo sind Schwachstellen in der Resilienz, wieder eine größere Bedeutung bekommen haben. Es gibt aber nicht das patriotische Kaufverhalten. Aber wir sind natürlich jederzeit gerne dazu bereit und freuen uns über jeden neuen Kunden.

Sprecher 2: Ich frage, ob das eine Strategie auch sein muss, als Otto zu sagen, made in Germany, made in Europe. Dass man aggressiver auch im Marketing sagt, ihr müsst auch diesen Standort stärken.

Sprecher 6: Ja, ganz klar, strategischer Bestandteil ist, dass wir uns klar zu unseren Werten positionieren. Ja, und Werte heißt sowohl im gesellschaftlichen, im nachhaltigen Sinne, aber auch zur Qualität der Produkte. Und natürlich in der Abgrenzung ist es wichtig, dass wir betonen, dass unsere Produkte zuverlässig sind und dass sie vernünftig fertig sind unter guten Rahmenbedingungen. Und darüber können wir uns natürlich auch zum Wettbewerb abgrenzen. Aber es ist schon, so fair muss man auch sein, leider nicht so, dass die Kunden das in der Größenordnung gutieren, wie wir uns das ideal typisch wünschen würden.

Sprecher 2: Und wenn die Arbeitsministerin sagt, wir müssen gegen die Arbeitgeber kämpfen, das sind unsere Gegner, was sagen Sie dann?

Sprecher 6: Ich habe Frau Baas vor kurzem selber erlebt, da hat sie das nicht gesagt. Und ich glaube, Frau Baas hat zum Beispiel, als ich sie erlebt habe, sehr betont, dass sie das ganze Thema mit Tarifgebindung und auch dem Dialog, den wir brauchen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern, sehr schätzt. Von daher würde ich sozusagen nicht einmalige Aussagen überbewerten, sondern eher gucken, dass wir, wir werden dieses Land nur gemeinsam transformieren, im Schulterschluss. zwischen Unternehmern und der Politik. Da bin ich fest von überzeugt.

Sprecher 2: Was wünschen Sie sich, wenn Sie den Standort Deutschland schauen und Ihr Unternehmen? Wir könnten jetzt über viele Strukturreformen reden, Sozialstaat, Arbeitsmarktflexibilisierung, aber auch Fachkräftezuwachs, den Sie dringend benötigen oder Bürokratie. Wo sehen Sie die Stellschraube, die Sie gerne der Bundesregierung noch als Wunschzettel unter den Weihnachtsbaum legen würden?

Sprecher 6: Der Wunschzettel ist ja schon lange der Bundesregierung. Mein größter Wunsch ist, die nachhaltige, langfristige Transformation trotz der Herausforderungen, die wir ja im Dialog da gerade sehr stark erleben, anzugehen und beherzt umzusetzen. Weil wir werden nicht mit den kleinen Schritten vorwärts kommen, sondern wir müssen grundlegend transformieren in allen Themen. Sei es in der Digitalisierung, sei es in der Rentenreform, auch in der Gesundheitspolitik, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein. Und ich wünsche uns allen, dass wir den Mut und auch die Klarheit haben, ich sage mal, die schwierigen Themen auszuhalten und um die bestmögliche Lösung zu ringen, dass wir auf Expertenmeinungen hören, dass wir diese Experten anerkennen und dass wir dann, das ist jetzt für die Politik natürlich eine Herausforderung, schaffen, die nötigen auch Mehrheiten in der Abstimmung zu erreichen, um diese Themen auf den Weg zu bringen.

Sprecher 2: Zum Abschluss, Frau Schaner-Wolfer, wir ja nicht nur ein politischer Podcast sind, sondern vor allem mit dem CEO-Table und der CEO-Edition auch einen großen Schwerpunkt auf die Entscheider legen. Sie sind seit 25 Jahren bei Otto. Wollten Sie eigentlich immer schon CEO werden?

Sprecher 6: Naja, das wäre jetzt ein bisschen anmaßen. Ich habe als Mitarbeiterin angefangen, da sagt man ja nicht so viel.

Sprecher 2: Ich wollte immer Bundeskanzler werden, hat das schon in der Abiturzeitung geschrieben.

Sprecher 6: Im Abitur wollte ich auch mal Bundeskanzlerin werden. Aber ich bin ehrlich gesagt jetzt mit meinem CEO ganz glücklich und bin ganz froh, dass ich nicht Bundeskanzlerin bin, weil ich natürlich im Sinne der Weichenstellung und auch der Entscheidungsfähigkeit hier einen einfacheren Rahmen habe als ein Bundeskanzler. Ich würde es mal so sagen. Ich hatte immer schon Lust an Gestalten. Ich hatte schon immer Lust, Verantwortung zu übernehmen und ich bin sehr glücklich, dass mir die Familie Otto dieses Vertrauen entgegenbringt und ich dieser Rolle jetzt ausüben darf.

Sprecher 2: Warum sagen diese Managerinnen und Manager dann immer Gelust am Gestalten? Warum sagen sie nicht auch einfach Lust auf Macht?

Sprecher 6: Weil für mich Macht sehr viel mit Gestalt zu tun hat und weil wir leider in der Gesellschaft noch nicht so weit sind, dass Macht ein positiv besetzter Begriff ist. Ich habe mich dazu schon sehr oft positioniert. Ich glaube, dass Macht sehr wichtig ist, aber nicht in dem, was da häufig mit konnotiert wird.

Sprecher 2: Und auf dem Weg nach ganz oben für die jungen Frauen, aber auch die jungen Männer da draußen, was sind diese zwei, drei Tipps, die eine CEOin mitgeben kann? Oder ist am Ende doch alles nur Fleiß und ein bisschen Zufall?

Sprecher 6: Auf Sichtbarkeit achten, den Kopf rausstrecken, mutig einen Schritt nach vorne gehen, auch wenn man vielleicht manchmal nicht für jeden Schritt vorbereitet. Und wirklich gute Netzwerke aufbauen, sich Führungskräfte versuchen zu suchen, die anders sind, von denen man was lernen kann und häufig auch mal wechseln, damit man verschiedene Impulse mitbekommt.

Sprecher 2: Idra Schaner-Wolf hat heute mal gewechselt in die Podcast-Welt und darüber habe ich mich sehr gefreut. Vielen Dank für die Zeit. Das Gespräch und einen schönen Gruß nach Hamburg. Einen schönen Gruß nach Berlin.

Sprecher 3: Die erste Adventskalenderwoche ist fast vorbei. Wer darf denn diesen Freitag seinen Musikwunsch der Welt präsentieren?

Sprecher 2: Wir haben wieder einen Ökonomen, der sich bei uns gemeldet hat. Es ist Jens Südekum. Es ist der persönliche Berater von Lars Klingbeil. Und er hat uns einen Wunsch mitgegeben, der aus seiner Sicht sinnbildlich steht für das, was auf die deutsche Wirtschaft jetzt zukommt. Ja, es wird erstmal nochmal hart, wenn man auf diesen Wachstumskurs zurückkommen will. Aber dann mit dem richtigen Mindset geht es danach richtig voran. Und wer könnte diese Aufstiegsstory am besten symbolisieren?

Sprecher 3: ACDC?

Sprecher 2: Richtig. It's a long way to the top. Helene und ich, wir melden uns am Samstag hier wieder mit einer ganz gewöhnlichen Samstagsfolge, hätte ich fast gesagt. Bis dahin, wir freuen uns auf Sie. Tschüss. Ciao, ciao.

Sprecher 7: Riding on the highway. Going to a show. Stopping all the byways. Playing rock and roll. Getting round. Getting stoned. Getting beat up. Broken bones. Getting hit. Getting took. I tell you folks, it's harder than it looks. It's a long way to the top if you want to rock and roll. It's a long way to the top if you want to rock and roll. It's easy doing one night stands. Drop playing in a rock and roll band. It's a long way to the top if you want to rock and roll. It's a long way to the top if you're powering the moon. It's a long way. It's a long way. It's not over. It's a long way. It's a long way.