Diktatfrieden für die Ukraine?
Die Europäer versuchen, den 28-Punkte-Plan der USA für ein Ende des Ukraine-Krieges zu verändern. Bei den Gesprächen seien substanzielle Fortschritte erzielt worden, sagte US-Außenminister Marco Rubio am späten Abend in Genf: „Es war der beste Tag, den wir bisher hatten.“ Die Verhandlungen sollen in den kommenden Stunden fortgesetzt werden.
Vassili Golod, Leiter des ARD-Studios Kiew, berichtet von der großen Skepsis in der Ukraine. Dort wird das Papier als gefährlicher Diktatfrieden wahrgenommen. Golod warnt: „Viele hier in der Ukraine sehen dieses Papier vor allem als Vorlage für Russland, um einen nächsten Krieg dann wieder zu starten.“
[01:30]
Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Abend klargemacht, dass die Europäer dem Friedensplan „ganz sicher“ ohne deutliche Verbesserungen nicht zustimmen können. Merz kritisierte in einem ARD-Interview insbesondere den Abschnitt zur Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte. Sara Sievert, stellvertretende Leiterin des Berlin.Table, ordnet die Reaktion des Kanzlers ein.
[10:45]
Die Weltklimakonferenz COP30 in Belém hat keinen verbindlichen Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energien beschlossen. Bernhard Pötter, Redaktionsleiter des Climate.Table, analysiert die Ergebnisse direkt aus Brasilien.
[14:24]
Hier geht es zur Anmeldung für den Space.Table
Table Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/testen
Hier geht es zu unseren Werbepartnern
Impressum: https://table.media/impressum
Datenschutz: https://table.media/datenschutzerklaerung
Bei Interesse an Audio-Werbung in diesem Podcast melden Sie sich gerne bei Laurence Donath: laurence.donath@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Diktatfrieden oder kein Geld und keine Waffen mehr aus den USA. Vor dieser Entscheidung steht womöglich Volodymyr Zelensky und Europas Staats- und Regierungschefs schauen entgeistert zu, wie Trump und Putin den Ukraine-Krieg beenden wollen.
Sprecher 3: Wie reagieren eigentlich die Ukrainerinnen und Ukrainer, die seit fast vier Jahren unter dem Angriffskrieg leiden? Darüber reden wir mit Vasily Golod, dem ARD-Korrespondenten in Kiew. Und wir haben auch bei Sarah Sievert nachgehört, die mit dem Kanzler in Johannesburg unterwegs ist zum G20-Gipfel. Wie er das eigentlich empfunden hat, dass die Europäer wieder mal nur Zaungäste sind.
Sprecher 2: Vom Katzentisch direkt nach Belem, wo die COP30 zu Ende gegangen ist. Aber ein konkreter Fahrplan für den Ausstieg, für den weltweiten Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter, der steht nicht im Abschlussdokument. Warum nicht? Darüber reden wir mit Bernhard Pötter, unserem Chef im Climate Table.
Sprecher 3: Den Toten Sonntag haben wir hinter uns und jetzt beginnt ein neues Kirchenjahr. Die Lichter werden am Weihnachtsbaum von Bellevue angezündet. Es gibt jetzt kein Zurück mehr. Der Advent steht unmittelbar bevor und wir sagen Ihnen, wie Sie diese Zeit zu einer, halten Sie sich fest, gesunden Zeit machen können. Von diesem Montag an, den 24.11. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 4: This is the BBC World Service, the world's radio station. The US Secretary of State Marco Rubio has said talks with Ukrainian officials on ending the war with Russia have been the most productive in a very long time. He told journalists in Geneva that none of the remaining issues was insurmountable.
Sprecher 5: I honestly believe we'll get there. I can tell you we've made substantial progress. Today was the best day we have had in our entire 10 months of working on these issues. We met with the national security advisors of a variety of countries that were here, and we sort of walked them through the progress we have made today. We didn't go again into tremendous detail. We assured them that items that involve both Europe and NATO directly or that those items are items that we sort of agreed to put as part of a separate track because it involves input from them. But I think what they heard, and I hope they'll confirm, I believe they will, is an incredible amount of positivity from both the Ukrainian and American side about the progress we've made today.
Sprecher 2: Wieder mal ein Friedensplan, wieder einmal eine Offensive der Amerikaner, von der niemand was wusste und manch ein entgeisterter Beobachter dieses Friedensplans denkt, der könnte auch direkt vom Kreml kommen, oder Helene?
Sprecher 3: Ja, Michael, da haben sich Russland und die USA zurückgeträumt in alte Zeiten, als die Welt aufgeteilt war zwischen diesen zwei Blöcken, die über alles andere entscheiden und erst recht über die kleinen Osteuropäer. europäischen Staaten. So liest sich dieser Plan und so ist er offenbar auch zustande gekommen. Ganz wenig steht drin, was irgendwie der Ukraine hilft. Von Sicherheitsgarantien ist die Rede, aber vor allem ist es ein großer Sieg für Russland. Denn Russland soll wieder in die Weltwirtschaft integriert werden. Sanktionen sollen aufgehoben werden. Die Wiedereinladung in die G8, all das ist natürlich wirklich das Gegenteil von dem, worauf die Europäer lange gedrängt haben, was auch den Druck auf Russland aufrechterhalten hat, auch wenn er sich dem nicht gebeugt hat.
Sprecher 2: Ja, es steht schon wirklich manches dicker Brocken da drin. Die ukrainische Armee soll auf 600.000 reduziert werden, wird von außen diesem ja, muss man sagen, leidenschaftlich kämpfenden Volk aufoktroyiert. Derzeit sind es übrigens 900.000. Ja, und am Ende werden die Gebiete, die jetzt schon die Ukraine verloren hat und weitere Gebiete, die Russland noch nicht einmal erobert hat, sollen an Russland fallen. Also Diktatfrieden ist fast noch Euphemismus.
Sprecher 3: Ja, das betrifft die territorialen Aspekte, wo eben völkerrechtswidrig annektierte und eroberte Gebiete einfach der Russland zugeschlagen werden. Dazu gibt es quasi das Verbot für die Ukraine, sich der NATO anzuschließen. Und im Gegenzug wird erwartet, dass Russland nicht in die Nachbarländer einmarschiert, was man sich fragt, warum sollte die Ukraine, die schon so oft darauf vertraut hat, dass das nicht passiert hat, die Budapest-Memorandum ist das Stichwort, sich in der Vergangenheit solche Abkommen unterschrieben hat, im Vertrauen darauf, dass Russland das nicht tut. Warum? Im Leben sollte die Ukraine glauben, dass das nicht wieder passiert, wenn sie nur noch so eine kleine Armee hat und wenn sie keinerlei Hilfe von der NATO bekommt.
Sprecher 2: Das einzig Positive könnte man meinen, immerhin. Erstens, der Krieg wäre tatsächlich vorbei. Zweitens, die Souveränität der Restukraine soll bestätigt werden. Mit dem skurrilen Satz, man werde alle Konflikte der vergangenen 30 Jahre vergessen machen. Also der Krieg wäre vorbei und daher schon die Frage ist vielleicht den Ukrainern. Dieser Diktatfrieden wichtiger oder lieber als immer weiter Bombardements und ein Leben im Krieg, das wollten wir von Vasily Golod wissen, dem Ukraine-Korrespondenten der ARD. Er ist in Kiew. Wir haben ihn gestern angerufen und diese Frage mal ihm zuerst gestellt.
Sprecher 6: Die Sehnsucht nach Frieden ist, glaube ich, gar nicht in Worte zu fassen. Die Menschen hier wollten niemals diesen Krieg. Er ist über sie hereingebrochen, weil Russland ihn begonnen hat zum ersten Mal 2014 und dann diese massive Invasion 2022. Aber das, was da vorgelegt wurde, hat mit Frieden aus ukrainischer Sicht zumindest sehr, sehr wenig zu tun. Der Aggressor drückt da die eigenen Positionen durch. Und wenn man diesen Plan so liest, dann sieht das fast so aus, als müsste man die Ukraine irgendwie aufhalten, eine Invasion zu starten, was ja mitnichten der Fall ist. Also Russland will der Ukraine vorschreiben, wie groß die Armee ist. Russland will der Ukraine vorschreiben, in welches Bündnis es gehen darf und in welches nicht. Und vor allem will Russland Gebiete haben, die es nicht erobert hat. Ist ja schlimm genug. ukrainischer Sicht, dass 20 Prozent bereits besetzt sind von russischen Soldaten. Dort herrscht ein absolutes Terrorregime. Die ukrainische Kultur wird unterdrückt. Ukrainische Kinder werden nach Russland verschleppt und dort zur Adoption freigegeben. Also vieles von dem, was dort passiert, kriegen wir dann ja nur etwas verspätet mit durch die Menschen, die da rauskommen. Aber viele hier in der Ukraine sehen dieses Papier vor allem als Vorlage für Russland, um einen nächsten Krieg dann wieder zu starten.
Sprecher 2: Ja, die Gespräche zwischen den außenpolitischen Beratern und auch dem Sondergesandten von Trump in Genf haben gestern begonnen, gehen diese Woche weiter. Was ist das, was die Ukraine bei diesem 28-Punkte-Plan unbedingt noch rausverhandeln oder auf der anderen Seite retten will?
Sprecher 6: Die Ukraine will ihre Positionen deutlich machen. Die Ukraine will einerseits nicht, dass sie irgendwie ihr eigenes Staatsgebiet an Russland verschenken muss. Die Ukraine sieht die eigene Armee als allerwichtigste und allergrößte Sicherheitsgarantie. Das heißt, eine Deckelung, wie sie in diesem 28-Punkte-Plan vorgesehen ist, in dieser Form kann die Ukraine sehr wahrscheinlich nicht annehmen. Und das Zentrale wird sein die Frage nach echten Sicherheitsgarantien. Denn die Ukrainer erinnern immer wieder an das Budapester Memorandum von 1994, die sagen, da hat Russland uns versprochen, dafür, dass wir unsere Atomwaffen abgeben, dass wir nicht überfallen werden. Die USA haben uns Sicherheitsgarantien versprochen, andere Staaten auch. Und das Ergebnis... sehen wir, wir werden überfallen und niemand gibt uns diese Sicherheit. Das heißt, da wird die Ukraine darauf pochen, dass sie in einer sehr klar geregelten Form Antworten auf die Fragen bekommt, was passiert, wenn Russland wieder auf die Idee kommt anzugreifen.
Sprecher 2: Aber glaubt jemand realistisch, dass die jetzt schon an die Russen verlorenen Gebiete im Donetsk, im Donbass, Aber auch natürlich die Krim, dass die tatsächlich in irgendeiner Form, sei es durch Verhandlungen, zurück an die Ukraine gehen könnten.
Sprecher 6: Die Hoffnung gibt es und die Hoffnung werden die Ukrainerinnen und Ukrainer nicht aufgeben. Was die Ukrainer sehen ist, dass das militärisch nicht gelingen wird. Nicht bei dieser Unterstützung, die gegenwärtig kommt vom Westen. Das hat Präsident Zelensky ja auch mehrfach schon gesagt. Und deshalb ist die Ukraine ja seit Monaten dazu bereit, den Krieg entlang der jetzigen Kontaktlinie einzufrieren und damit zu akzeptieren, dass diese Gebiete, die von Russland besetzt sind, vorübergehend auch besetzt bleiben. Aber die Hoffnung und das Ziel wird sein, auch wenn das möglicherweise sehr, sehr viele Jahre dauern wird, das eigene Staatsgebiet in politischen Prozessen wiederherzustellen. Das ist die große Sehnsucht nach Gerechtigkeit aus ukrainischer Sicht. Und das ist ja auch etwas, was in diesem 28-Punkte-Plan überhaupt nicht wiedergespiegelt wird. Da soll ja alles vergessen werden nach der Lesart, was passiert ist. Und das werden die Menschen hier nicht können und das werden sie auch nicht wollen.
Sprecher 2: Wie sehr hat der Korruptionsskandal, der ja auch vertraute oder langjährige Vertraute des Präsidenten, beinhaltet, wie sehr hat er die Verhandlungsposition Selenskys geschwächt?
Sprecher 6: Der Korruptionsskandal hat Selenskyj an Glaubwürdigkeit gekostet und das, was die Menschen von ihm fordern, ist, dass er die offenen Fragen sehr, sehr selbstkritisch auch beantwortet, dass er Konsequenzen zieht innerhalb seines Umfelds auch. Da wird unter anderem von der Opposition, aber auch von der Zivilgesellschaft gefordert, dass er seinen mächtigen Präsidialamtschef Andriy Yermak entlässt. Das ist übrigens derjenige, der die ukrainische Verhandlungsdelegation in Genf anführt. Also das ist durchaus umstritten, aber die Menschen sehen schon, wie groß gerade der Druck von den USA ist auf die Ukraine und auf Selenskyj, was diesen 28-Punkte-Plan angeht. Da stehen die Menschen insofern hinter ihrem Präsidenten, als dass sie sich einig sind, dass die Würde der Ukraine nicht einfach... Über Bord geworfen werden kann. Das ist das, wofür dieses Land steht. Es gibt Werte und die wollen, dass Zelensky und die Verhandlungsführer genau dafür kämpfen.
Sprecher 2: Letzte Frage, Vasily. Was kann die EU machtpolitisch tatsächlich noch bewirken?
Sprecher 6: Die EU muss zeigen, dass sie bereit ist, die Ukraine mit mehr als nur mit Worten zu unterstützen. Sie müsste schärfere Sanktionen gegen Russland einführen, um den Druck wirtschaftlich zu erhöhen. Und sie müsste tatsächlich aus ukrainischer Sicht zeigen, dass sie auch bereit ist, die Ukraine militärisch stärker zu unterstützen. Und da ist zum Beispiel in Richtung Deutschland ja seit Jahren inzwischen die Bitte, nach Taurus-Marschflugkörpern, weil in der Ukraine ist allen klar, dass Putin nur die Sprache der Stärke versteht und nicht irgendwie leere Ultimaten, die am Ende dann doch nicht eingehalten werden.
Sprecher 2: Wir sind gespannt, wie das weitergeht und danken für diese wie immer klugen und kompetenten Einordnung direkt aus der Ukraine. Vielen Dank, Vasily.
Sprecher 6: Liebe Grüße aus Kiew.
Sprecher 3: Friedrich Merz jedenfalls. Er ist wieder ganz zurück als Außenkanzler. Der Rentenstreit, ob der diese Woche überhaupt seine Aufmerksamkeit bekommt, das ist fraglich. Und ihn hat die Nachricht von dem Friedensplan überrascht, kurz vor seinem Aufbruch nach Johannesburg zum G20-Treffen, immerhin einem Forum, wo Russland mit am Tisch sitzt. Und Sarah Sievert, unsere Kollegin vom Berlin Table, ist mit dem Kanzler mitgeflogen. Und wir haben sie kurz vor der Weiterreise nach Afrika erreicht, um mit ihr über die Position des Kanzlers zu sprechen.
Sprecher 2: Einen schönen guten Tag nach Johannesburg. Hallo Sarah.
Sprecher 7: Hallo Michael.
Sprecher 2: Wie überrascht war der Kanzler, als die ersten Medienmeldungen mit diesem 28-Punkte-Friedensplan öffentlich wurden?
Sprecher 7: Ja, der Kanzler und auch alle anderen europäischen Partner waren vergangene Woche sehr überrascht, als dieses 28-Punkte-Papier plötzlich auftauchte aus den USA. Es hatte sich zwar so ein bisschen was angedeutet und Johann Wadephul war auch mit dem amerikanischen Außenminister Rubio. In einem regelmäßigen Austausch, wie das immer ist. Aber das war in diesem Fall nicht abgestimmt. Und entsprechend war ja auch die Reaktion der Europäer.
Sprecher 2: Glaubst du, dass... sich in der kommenden Woche, in dieser Woche, es noch Sonderräte, vielleicht sogar eine Sonderreise von März nach Washington geben könnte?
Sprecher 7: Das wird sich vermutlich in den nächsten Tagen abzeichnen. Also, dass am Donnerstag wirklich alle in Florida, in Mar-a-Lago sitzen und Trump gemeinsam Thanksgiving feiern, das würde ich zu diesem Zeitpunkt noch bezweifeln. Es ist in jedem Fall der Druck zeitlich da, auch wenn Trump das am Samstag ein bisschen relativiert hat, hat er ja am Sonntag nachgelegt und gesagt, die Ukraine ist undankbar für die Bemühungen. Also er will da schon, dass sich jetzt alle bewegen und dass auch was passiert. Und auch die Frage... Stimmen dann die Russen überhaupt noch zu? Also kann man dann Russland überhaupt noch an den Verhandlungstisch bekommen? Denn die Frage ist ja nicht nur, reist Merz in die USA oder reisen die Europäer in die USA zu Trump, sondern machen die Russen mit? Das wird am Ende entscheidend sein. Und die Ukraine zeigt sich durchaus offen. Zelensky ist da jetzt auch innenpolitisch. Durch den Korruptionsskandal unter Druck geraten und auch insgesamt weiß er, dass er nicht ewig diesen Krieg weiterführen kann. Das heißt, er sieht ja die Notwendigkeit zu Verhandlungen. Aber es ist eben die Frage, wie sehr kommt man tatsächlich am Ende zusammen? Wie sehr kann man... Die Amerikaner quasi beschwichtigen, ohne der Ukraine vielleicht zu viel abzuverlangen und machen dann die Russen eben noch mit. Und in einem Punkt hat Friedrich Merz gestern ja schon mal in einem der Interviews, das er gegeben hat, durchblicken lassen, dass es vor allen Dingen mit Blick auf die Frozen Assets nicht so wie in dem Papier stehend geht.
Sprecher 8: Hier geht es um russisches Vermögen, das genutzt werden soll für ein Darlehen als Sicherheit. Das ist jetzt mal in Kürze der Vorschlag, den wir diskutieren. Und wenn dieses Darlehen gegeben wird, dann wird es von der Europäischen Union gegeben und dann wird es der Ukraine gegeben, um damit weiter Waffen kaufen zu können. Das ist aber nichts, was die Amerikaner jetzt unmittelbar betrifft. Und deswegen können natürlich die Amerikaner auch über diesen Betrag nicht verfügen. Und die Forderung, nochmal 100 Milliarden aus Europa draufzulegen, ist auch nichts, was aus unserer Sicht zustimmungsfähig ist.
Sprecher 7: Den Punkt hat er schon mal klar gemacht. Also das heißt, da sieht man vielleicht schon mal so erste Anzeichen dafür, wo die Europäer sich auch nicht bewegen wollen. Der Rest wird jetzt in den nächsten Tagen, denke ich mal, nach und nach sich weiter ergeben.
Sprecher 2: Nach dem Friedensplan ist vor dem Friedensplan. Vielen Dank, Sarah, für diese Einschätzung und gute Weiterreise nach Angola.
Sprecher 7: Vielen Dank.
Sprecher 3: Die COP30 in Brasilien sollte zum nächsten großen Meilenstein für den Klimaschutz werden. Die Erwartungen waren groß und jetzt herrscht vor allem Enttäuschung. Im Vorfeld sprach man von der COP der Wahrheit und geplant war, dass es zu einem Fahrplan für den Ausstieg aus der fossilen Energie kommt. Im Abschlussdokument steht aber davon nichts. Nicht einmal der Begriff fossile Energie steht auf dem Papier. Warum reicht es anscheinend nur noch für einen Minimalkonsens und gab es vielleicht doch einen Achtungserfolg beim Klimaschutz? Das weiß Bernhard Pötter, der Redaktionsleiter unseres Climate Table. Er und sein Team waren die ganze Zeit in Belém dabei. Hallo Bernhard, schön, dass du da bist.
Sprecher 9: Hallo Helene, grüße nach Berlin.
Sprecher 3: Sag mal, was wurde denn jetzt beschlossen auf dieser COP, die ja zehn Jahre nach dem Pariser Klimaschutzabkommen so viel Großes bewirken sollte? Fass es doch einmal kurz zusammen für uns die Ergebnisse.
Sprecher 9: COPs sind ja grundsätzlich immer überladen mit Erwartungen und diese Erwartungen werden grundsätzlich immer enttäuscht von geringen Ausnahmen. Tatsächlich waren die Erwartungen gar nicht so groß, weil gar nicht so viel entschieden werden musste, sondern es ging einfach vor allem darum, im Anpassungsbereich ein neues Ziel zu beschließen. Das wurde auch erreicht zum Schluss nach einem Hängen und Würgen. Aber der Drive war in der Konferenz am Anfang da, zum Thema fossilen Ausstieg tatsächlich sowas wie einen Fahrplan zu bekommen. Das stand eigentlich am Anfang gar nicht auf dem... Fahrplan? oder auf der Agenda. Das hat dann aber die brasilianische Umweltministerin, vor allem der Präsident Jalula, draufgesetzt. Und das ist zum Schluss jedenfalls nicht so geglückt, wie es sich viele gewünscht hätten, sondern es ist dann in einer Präsidentschaftsnote eingestoßen worden, dass man darüber redet, aber nicht als offizielles Ergebnis der Konferenz.
Sprecher 3: Wenn du jetzt die Ergebnisse anschaust und das Abschlussdokument, reicht das Ganze denn dafür, das Ziel zu erreichen, das sich die Weltgemeinschaft eigentlich gesetzt hat, nämlich die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu deckeln?
Sprecher 9: Nein, da muss man sagen, davon sind wir ja schon lange weit entfernt und dieses Ziel rückt in immer, immer weitere Ferne, wenn es überhaupt noch irgendwie ansetzbar ist. Wir sind im Augenblick... Auf dem Pfad Richtung 2,6, 2,7 Grad. Das sagen die Klimapläne, die in diesem Jahr eingereicht wurden und die hier auch besprochen wurden. Es war auch unrealistisch zu denken, hier kommt irgendwas raus, was tatsächlich diese Kurve so hinbiegt. Es war die Hoffnung, dass die Staaten hinterher... Rollmütig nach Hause gehen und sagen, wir müssen mehr machen, weil wir alle wissen, dass es nicht funktioniert. Aber es hat sich hier gezeigt, dass eben die Konfrontation zwischen den Ländern, die in der fossilen Wirtschaft noch drin sind, also allen voran Russland, die Ölstaaten, aber jetzt auch die USA, mit den Ländern, die sagen, wir müssen da raus, wir wollen einen anderen Weg, wir wollen Richtung Erneuerbare, sprich die EU und teilweise auch China, dass diese Konfrontation einfach sehr viel blockiert hat. Und dass die EU nicht stark genug war und China nicht eindeutig genug war, um diese Agenda wirklich zu pushen. Also es war wirklich ein Erfolg der Bremser hier eigentlich, die neben vielen anderen Sachen es erreicht haben, dass dieses Thema Ausstieg aus den Fossilen einfach wieder nach hinten gerutscht ist.
Sprecher 3: Am Wochenende sah es ja zeitweise so aus, als würde es noch nicht mal ein gemeinsames Abschlussdokument geben, sondern die Konferenz ohne Ergebnis abgebrochen werden. Vielleicht beschreibst du einmal kurz diese dramatische Nacht zum Samstag.
Sprecher 9: Naja, das war wieder so eine typische letzte Nacht bei einer COP. Niemand schläft, alle verhandeln durch und es steht alles kurz davor, dass es auseinanderfliegt. Diesmal war es tatsächlich auch so, dass die Europäer vor allem sich sehr darauf versteift hatten, wir wollen unbedingt diesen fossilen Ausstieg im Dokument sehen und gesagt haben, wir fallen hier nicht weg ohne das. Dann gab es halt kleine Runden bei der Präsidentschaft, Vertreter. Jeder Ländergruppe. Also die EU hat tatsächlich überlegt, was ist besser, wenn wir das jetzt hier knallen lassen, haben wir dann einen ordentlichen Auftritt hingelegt, aber was ist erreicht? Oder ist es besser, wir bleiben dabei und wir kriegen hier etwas, was diesen Prozess ja auch anschiebt, diesen Fahrplan unter der Präsidentschaft, aber eben nicht als Entscheidung der Konferenz. Und letztlich haben sich die EU dann dafür oder haben sich auch die anderen, die dafür waren, entschlossen, wir bleiben dabei. Wir gönnen vor allem dem amerikanischen Präsidenten, der die Konferenz ja boykottiert hat und versucht aus Washington hier Einfluss zu nehmen, wir gönnen ihm nicht diesen politischen Erfolg, dass diese Konferenz hier knallt und er sitzt in Washington und sagt, seht mal, ihr könnt euch ja nicht mal darauf einigen.
Sprecher 3: Kann man denn zumindest als positives Ergebnis festhalten, dass die Euro... Europäer geeint aufgetreten sind, so klingt es ja, dass sie auch wieder so eine Art Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen und vielleicht jetzt künftig Impulse noch stärker von Europa ausgehen als in der Vergangenheit?
Sprecher 9: Ja, also man muss ein bisschen gegen diesen Eindruck, arbeiten, das sehe ich auch gerade bei mir, dass hier irgendwie alles in die Grütze gegangen ist. Also es ist durchaus so, der erste Erfolg war tatsächlich, dass als die USA rausgegangen sind, alle gesagt haben, wir bleiben dabei, wir arbeiten weiter zusammen. Das war eigentlich auch eine der großen Sachen dieser Konferenz. Das Zweite war, dass sie es geschafft haben, sich zu so einer Abschlusserklärung durchzuringen, in der alle so ein bisschen was finden, also wo auch die Vorreiter ein bisschen was finden, zwar nicht direkt, aber immerhin, wo alle sagen können, wir machen jetzt in dieser Richtung weiter. Und für Europa... War es ein großes Ding, dass die Umweltminister, die sich ja gerade noch über das Klimaziel zu Hause die Köpfe eingeschlagen haben, hier tatsächlich geeint aufgetreten sind, auch stark aufgetreten sind, starken Eindruck hinterlassen haben, auch Carsten Schneider einen starken Eindruck hinterlassen hat, muss man sagen. Und vor allem... Dass es jetzt darum geht, dass sie sagen, wir müssen für die Zukunft, wir müssen die Allianzen zusammenbringen von den Ländern, die das wollen. Es gibt eine Mehrheit von Ländern, die durchaus in die Richtung arbeiten wollen, 80, 100, 120 Länder. Und die Vorreiter, vor allem die EU, müssen einfach stärker daran arbeiten, diese Länder vorher einzubinden, denen was zu bieten und vorher zu sagen, im Zweifel müsst ihr mit uns stehen und euch nicht enthalten oder auf Seite der Bremser gehen.
Sprecher 3: Berdert Friedrich Merz hat neulich gesagt, als er zurückgeflogen ist, alle seien froh gewesen, dieses Land wieder verlassen zu können. Wie ist es dir gegangen? Ich frage jetzt nicht, ob du dich auf zu Hause freust, davon gehe ich mal aus, aber wie kam Friedrich Merz Botschafter eigentlich an?
Sprecher 9: Sehr schlecht. Also tatsächlich ist das viel größer geworden, als es, glaube ich, sowieso intendiert war oder auch in Deutschland war. Also selbst wenn die Leute, wenn wir hier in den Supermarkt zum Einkaufen gehen, wir gestern Abend saßen wir hier, abends haben wir noch ein Bier getrunken, dann kommen Leute und du redest mit ihnen, sie sprechen kein Englisch, du kein Portugiesisch, über Google. Translator und das Erste, was sie fragen, wenn du sagst, du kommst aus Deutschland, sagen sie, wie du denn hier Berlin und ob du das alles so furchtbar findest. Dann sagst du, nein, das ist nicht furchtbar, das ist nicht meine Heimat und ich freue mich tatsächlich, irgendwann wieder nach Hause zu fahren. Aber diese herablassene Art, hier kann man nicht leben, das hat die Leute hier sehr getroffen, wirklich. Also ich glaube, da macht man sich in Deutschland gar keine Vorstellung von.
Sprecher 3: Naja, dann wünschen wir dir trotzdem, dass du, auch wenn es dort schön ist, bald wieder bei uns bist. Darauf freuen wir uns jedenfalls sehr, lieber Bernhard. Komm sicher zurück nach Hause.
Sprecher 9: Sehr gut, wir freuen uns auf den Bodenfrost zu Hause. Bis bald.
Sprecher 3: Mick, wie schön, dass wir mal wieder einen Nachtisch zusammen machen. Einen süßen dazu noch. War noch was.
Sprecher 2: Tja, die Adventszeit ist da, also noch nicht ganz, aber bald. Und man denkt ja, sie ist gesundheitlich fatal, weil man nur noch Schokolade in sich reinstopft und Süßigkeiten, was auch Teil ist. Aber es gibt auch gute Nachrichten.
Sprecher 3: Aha, ich bin gespannt. Sag es mir. Die gebrannten Mandeln, der... Blühwein mit seinem 80% Zuckeranteil.
Sprecher 2: Es gibt interessante Studien, die besagen, dass gerade die Adventszeit sehr gesund sein kann, denn sie ist eine Zeit, in der sich die Menschen mehr bewegen als sonst. Man mag es, an der frischen Luft Spaziergänge zu machen. Man hat sich vorgenommen, Stress zu reduzieren. Es ist eine Grundwohlfühlatmosphäre im Körper drin. Übrigens doch bei uns auch, Helene, oder? Man freut sich und deswegen macht man Dinge, die dem Körper gut tun. Das sind zumindest zwei Studien, die ich unlängst gelesen habe. Und das, finde ich, ist eine gute Botschaft in dieser Adventszeit. Zur Ruhe kommen, spazieren gehen, genießen, nicht so viel Stress zu lassen.
Sprecher 3: Jetzt gucken wir mal nicht auf die Studien, sondern auf uns. Wie viele Minuten hast du am Wochenende Sport gemacht, Jörg Mick?
Sprecher 2: Ich war schwimmen, immerhin. Eine halbe Stunde lang, immerhin finde ich das nicht so schlecht. Und ich habe schon so meine, weiß ich nicht, wie viele 2000 Schrittchen irgendwie schon durch den Schneematsch oder durch den vereisten Hafen am Wannsee gemacht. Aber viel war es dann tatsächlich auch wieder nicht, hast recht. Meine Kinder waren aber Schlittschuhläufer. Immerhin. Aber ohne mich, weil ich musste ja arbeiten.
Sprecher 3: Zugefrorene Teiche schon etwa im Süden von Belgien.
Sprecher 2: Nee, das war der Eisdom.
Sprecher 3: Aha. Ich war jedenfalls Freitag, Samstag und Sonntag bei wirklich wunderschönem Sonnenschein joggen, was mir gut getan hat. Und am Sonntag im toten Sonntagsgottesdienst. Also hoffen wir mal, dass mit dieser gewissen Entschleunigung und Besinnlichkeit die neue Woche gut anfängt. Das wünschen wir. Ja, den Politikerinnen und Politikern, aber auch natürlich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 2: Genau, wir blicken frohgemut in die Weihnachtszeit, die da jetzt kommt und hören uns hier morgen wieder am Dienstag, den 25. November. Bis dahin, ciao, ciao.
Sprecher 3: Tschüss.
Sprecher 10: Hey, kennst du schon den Podcast Ton? Das größte Charity-Ton. Die Event der Welt ermöglicht durch Podcasts. Jeden März geben tausende Podcasterinnen und Podcaster gemeinnützigen Organisationen eine Stimme und gemeinsam entsteht eine riesige Welle inspirierender Geschichten. Kein Fundraising, kein Druck. Nur die Kraft des Podcasts. Im Einsatz von Projekten und Initiativen, die mehr Sichtbarkeit verdienen. Besuche jetzt podcasthohn.org und sei dabei. Podcast HON.org