Wird in Deutschland jetzt endlich mehr gebaut?
Die Bauindustrie fordert verlässliche Rahmenbedingungen statt immer neuer Normen, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, kritisiert die anhaltende Unsicherheit durch das politische Hin und Her beim Gebäudeenergiegesetz und der EU-Effizienzrichtlinie.
Der neue „Gebäudetyp E“ soll das Bauen einfacher und günstiger machen. Müller stellt jedoch klar: „Man muss also ganz viele kleine Stellschrauben umlegen, um in die Bezahlbarkeit zu kommen“. Ohne massive Investitionen und einen echten Bürokratieabbau droht der Wohnungsbau weiter hinter den Zielen zurückzubleiben.
[09:51]
Vizekanzler Lars Klingbeil zieht eine Bilanz seiner ersten China-Reise in neuer Funktion. Er betont das große Interesse Pekings an einer Zusammenarbeit, warnt jedoch vor einer naiven Abhängigkeit. Deutschland müsse seine Hausaufgaben machen und wirtschaftliche Stärke zurückgewinnen, um selbstbewusst auftreten zu können.
[01:10]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Deutschland ist doch ein verlässlicher Partner und deshalb ist es besonders wichtig, dass der Handel miteinander fair abläuft. Das war die Botschaft von Lars Kling, bei der er in China verbreitet hat. Er spielt natürlich an auf die Exportbeschränkungen für seltene Erden. Ob er bei der chinesischen Regierung etwas bewegen konnte, das hat unsere Kollegin vom China Table, Amelie Richter, mit ihm besprochen. Sie ist mit dem Vizekanzler gereist. Bauen soll in Deutschland wieder günstiger und einfacher werden. Der neue Gebäudetyp E soll die Lösung sein. Was genau sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt, das stellen Bauministerin Verena Huberts und Justizministerin Stefanie Hubig heute in einem Eckpunktepapier vor. Ob das der Bauindustrie reicht, das diskutieren wir mit Tim Oliver Müller, dem Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Bauindustrie. Schön, dass Sie dabei sind an diesem etwas düsteren Donnerstag, den 20. November. Machen wir das Beste aus diesem Tag. Es gab viel zu besprechen auf der China-Reise von Lars Klingbeil. Der Vizekanzler und Finanzminister ist das erste Mitglied der Bundesregierung, das sich auf den Weg nach China gemacht hat und dort auch empfangen wurde. Außenminister und Kanzler hatten ihre Reisen abgesagt und wann sie nachgeholt werden, das ist noch nicht klar. Aber für den Vizekanzler war auch einiges auf dem Programm und einige Probleme, die zu lösen und jedenfalls mal zu besprechen sind. Denn die Flut an günstigem Stahl, Solaranlagen und Elektroautos, die China nach Europa schickt und im eigenen Land meistens stark subventioniert, die sind ein Problem für die deutsche Wirtschaft, denn das verzerrt natürlich den Wettbewerb. Die Exportbeschränkung der so wichtigen seltenen Erden, die gerade im Hightech-Bereich unabdingbar sind, sind ebenfalls etwas, das der deutschen Wirtschaft zu schaffen macht. Und natürlich ging es auf der Reise auch um Chinas Beziehung zu Russland und die damit verbundene Rolle im Ukraine-Krieg. Peking hat aber wiederum auch Wünsche und Vorstellungen. Und wie wir wissen, sind die Chinesen seit einigen Jahren nicht mehr so, dass sie damit hinterm Berg halten, sondern sehr offen kommunizieren. Amelie Richter, unsere Redaktionsleiterin des China Table, ist mit Lars Klingbeil gereist und kurz vor dem Rückflug nach Deutschland konnte sie mit Klingbeil über seine Erfolge oder auch Misserfolge auf dieser Reise sprechen. Hören wir mal rein.
Sprecher 3: Wir sitzen in der Maschine von China.
Sprecher 4: Und ich wollte fragen, welche Message nehmen Sie denn aus China mit, dann wieder nach Berlin an die Koalitionspartner, an Herrn Merz, an Herrn Wadisch mit?
Sprecher 5: Es sind verschiedene Erkenntnisse, die ich jetzt in drei Tagen China, zwei Tage Peking, einen Tag Shanghai gewonnen habe. Ich würde als erstes mal festhalten, es gibt auf der chinesischen Seite ein großes Interesse, mit uns zusammenzuarbeiten. Ich habe da eine große Offenheit gespürt, ein großes Interesse. Ich will auch für mich noch einmal festhalten, es war eng abgestimmt, diese Reise innerhalb der Bundesregierung und mit dem Kanzler, mit dem Außenminister. Und wir haben ja auch dieses Interesse. Zweiter Punkt, den ich mitnehme, ist, dass das chinesische Selbstbewusstsein in den letzten Jahren gewachsen ist. Die wollen eine starke politische, sicherheitspolitische und ökonomische Kraft sein und verkörpern das auch zunehmend. Und das ist vielleicht der dritte Punkt als Botschaft. Wir müssen in Deutschland unsere Hausaufgaben machen. Wir müssen wirtschaftliche Stärke zurückgewinnen. Wir müssen uns besser aufstellen in den Lieferketten, auch in den Fragen, mit welchen Staaten wir zusammenarbeiten, viel breiter aufstellen, als das heute der Fall ist. Dann sind wir auch ein Partner, der den Chinesen auf Augenhöhe begegnen kann.
Sprecher 4: In den letzten Wochen gab es ja einige Irritationen im deutsch-chinesischen Verhältnis. Finden Sie, dass unsere China-Politik in Berlin pragmatisch genug ist?
Sprecher 5: Ich finde erstmal, dass es richtig war, dass ich jetzt in China war, dass ich für die Bundesregierung... Es werden ja weitere Besuche folgen, der Kanzler, der Außenminister. Wir tun das alles eng abgestimmt. Aber klar ist eben auch, dass es jetzt an der Zeit war, dass sechs Monate, nachdem die neue Regierung gebildet ist, dass wir als Regierung auch vor Ort in China sind, dass wir Gespräche führen. Es hat Telefonate. Zwischen Präsident Xi und dem Bundeskanzler gegeben. Da bin ich jetzt auch darauf angesprochen worden, das ist halt ein sehr gutes Zeichen. Gewertet worden, auch was dort besprochen wurde. Und jetzt geht es darum, dass wir diese Kontakte, die es mit China gibt, dass wir die kontinuierlich ausbauen, dass wir Gemeinsamkeiten suchen, dass wir Differenzen auch ansprechen und dass wir vor allem versuchen, in Deutschland stärker zu werden. Damit wir dann auch mit der chinesischen Seite genau diese Differenzen verhandeln können.
Sprecher 4: In Shanghai haben Sie noch Unternehmer getroffen. Was haben die Ihnen denn gesagt?
Sprecher 5: Auch da war das erste Signal erstmal, dass alle sehr froh sind, dass ich da bin. Dass man gesagt hat, sechs Monate nachdem die Regierung gestartet ist, war es jetzt auch in der Zeit, dass mal der erste von euch kommt. Weil das eben auch ein Türöffner ist für das Bild von Deutschland und wie Deutschland hier gesehen wird. Klar ist auch das Signal der deutschen Wirtschaft. Wir wollen in enger Zusammenarbeit mit der chinesischen Seite. Wir sehen hier enorme Entwicklungspotenziale. Ich war bei Siemens Healthineers, die im Innovationsbereich, im Gesundheitsbereich, im Hightech-Bereich wirklich riesige... Potenziale auch sehen, wie zwischen Deutschland und China Sachen entwickelt werden können. Also da wünschen sich alle, dass es von politischer Sicht... dieses klare Signal gibt, dass man Partner mit China sein will und dass wir gemeinsam die Dinge vorantreiben wollen.
Sprecher 4: Es gab jetzt die letzten Monate Probleme wegen der Exportlizenzen, seltenen Erden, anderen Rohstoffen. Was hat man denn von chinesischer Seite da denn zugesagt oder auch versprochen?
Sprecher 5: Also erstmal, das hat gezeigt, wie verletzlich wir sind und deswegen müssen wir uns daraus arbeiten. Das bedeutet uns... In den Lieferketten viel breiter aufzustellen. Das bedeutet, auch in anderen Staaten, die seltene Erden oder eben kritische Rohstoffe haben, auch unser Bündnis zu stärken. Aber ich bin jetzt erstmal froh, dass die chinesische Seite mir auch sehr deutlich gesagt hat, wir sehen eure Sorgen. Mir auch zugesichert hat, dass man dort zu Lösungen kommen will, also dass die Zugänge sicher sind, dass die Lieferketten auch funktionieren. Das ist erstmal gut. Ich sage aber auch sehr klar, wir gewinnen jetzt Zeit und diese Zeit sollten wir nutzen, uns breiter aufzustellen.
Sprecher 4: Was macht Sie denn so zuversichtlich, dass man sich da auf die chinesische Seite verlassen kann? Weil es war in den letzten Monaten ja immer auch... Zu sagen, dass es besser wird, aber wirklich praktisch hat sich ja nicht viel getan.
Sprecher 5: Ja, aber ich finde, da können wir auch mit ein bisschen Selbstbewusstsein drauf gucken und sagen, hier redet die zweitgrößte Volkswirtschaft mit der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Und wenn der Vizepremierminister sich öffentlich mit mir hinstellt und sagt, wir wollen mit Deutschland einen Weg finden und wir wollen das lösen und wir wollen zuverlässig sein und genau diese Verlässlichkeit, die ich gerade angesprochen habe, schaffen, dann ist das auch etwas, wo wir die chinesische Seite jetzt immer, daran erinnern können, dass es diese öffentlichen Aussagen gibt. Und ich glaube, das passiert auch nicht aus dem Bauch heraus, sondern das hat sich der zuständige Vizepremierminister schon sehr genau überlegt. Und das wird auch innerhalb der Regierung abgesprochen sein.
Sprecher 4: Waren denn die Änderungen, die es jetzt dann gibt bei der Zollreform, oder die Änderungen mit der Zollreform, die 150-Euro-Grenze, war das Thema auch in Peking und in Shanghai?
Sprecher 5: Nein, ich habe gehört, dass das im Vorfeld meines Besuchs Thema war an der öffentlichen Berichterstattung. Aber ich bin in keinem meiner politischen Gespräche darauf angesprochen worden und finde auch normal. Es geht darum, dass China natürlich auf den deutschen Markt kann, aber es geht um faire Wettbewerbsbedingungen, es geht um Verbraucherschutz, es geht um Klarheit auch in den Regeln. Das macht die chinesische Seite auch und das machen wir in Europa auch. Da müssen wir uns auch nicht klein machen.
Sprecher 4: Wenn jetzt dann alle Päckchen kontrolliert werden sollen, ist das für den Zoll ja eine sehr hohe Mehrbelastung. Wie soll das denn gemacht werden?
Sprecher 5: Erstmal geht es ja darum, dass wir diesen Weg europäisch gehen. Natürlich liegt eine Verantwortung auch beim Zoll. Aber wir stärken den Zoll, wir setzen auch auf neue Technologien und haben das ja mit dem Zoll auch besprochen, der selbst ja auch uns darin bestärkt, dass wir diesen Weg gehen.
Sprecher 4: Eine letzte Frage mit Blick auf Ihren nächsten Termin. Sie fliegen erst dann weiter nach Südafrika zum G20-Treffen, wo die USA diesmal nicht vertreten sind. Also überhaupt gar nicht. Was ja große Flächendeckung ist. Welche gibt es für China? Wie sehen Sie das? Die Zusammenarbeit, Kooperation mit China in G20 und dass die USA eben nicht da sind?
Sprecher 5: Ich bin überzeugter Transatlantiker und deswegen sind die Amerikaner für uns immer Ansprechpartner. Ich bedauere, dass sie nicht dabei sind, weil ich finde auch, dass da für die USA eine Chance vergeht. Wenn man nicht am G20-Gipfel teilführt, zumal man ja nächstes Jahr der Gastgeber auch der G20 ist. Aber jetzt ist die Situation so und ich kann nur von meinem letzten G20-Treffen der Finanzminister sagen, dass ich sehr viele... Finanzminister aus anderen Ländern hatte, die das Gespräch mit mir gesucht haben, die deutlich gemacht haben, sie wollen mit uns zusammenarbeiten. Und das ist mein Ansatz hier auch, Bündnisse mit dem globalen Süden zu stärken und uns in den Handelsbeziehungen, in den politischen Beziehungen da breiter aufzustellen. Also es gibt ja keinen Automatismus. Das will ich damit sagen, dass China auf einmal der große Gewinner dieses Vakuums ist, das die USA lassen. Ich finde, wir sollten in Europa den Anspruch haben, dass wir auch davon profitieren, wenn solche Lücken entstehen. Und da sollte Deutschland seinen Teil zu beitragen.
Sprecher 4: Vielen Dank. Gute Weiterreise.
Sprecher 5: Ich danke Ihnen.
Sprecher 2: Heute Vormittag stellen Bauministerin Verena Huberts und Justizministerin Stefanie Hubig die Eckpunkte für den Gebäudetyp E vor. Hubig und Huberts, das Who is Who, das nicht nur die SPD, sondern vor allem die Bauwirtschaft erstmal in Schwung bringen soll. Worum geht es hier bei diesem Gebäudetyp E? Naja, man will für einfaches Bauen Rahmenbedingungen schaffen, die einfach aber zugleich sicher sind. Und damit soll natürlich auch Bauen in Deutschland günstiger werden. Wie das genau gehen soll und was die Bauindustrie braucht, um wieder in Schwung zu kommen, das hat Laura Block, unsere neue Kollegin von Berlin Table, die Sie aber auch schon kennen, mit Tim Oliver Müller besprochen. Er ist Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Bauindustrie. Herr Müller, schön, dass Sie bei uns sind.
Sprecher 6: Hallo, guten Tag.
Sprecher 2: Herr Müller, Sommer sah es noch so aus, als ob die schlechte Stimmung in der Bauwirtschaft überwunden sei. Dem ist jetzt aber nicht so, wenn man sich die Zahlen des IFO-Instituts anschaut, die Anfang dieser Woche veröffentlicht wurden. Stimmen Sie dem überein?
Sprecher 6: Die Stimmung hat sich natürlich wieder ein Stück weit verschlechtert. Der Tiefpunkt, den hatten wir vor zwei Jahren. Es ging dann leicht nach oben, aber jetzt sind wir wieder auf dem Abwärtstrend. Das liegt einfach an der Nachwuch vor großen Unsicherheit. Was kommt auf den Markt zu? Da haben wir einmal das ganze Thema des Sondervermögens. Das ist zwar sehr viel Geld, was aber heute in Projekten nicht ankommt. Wir haben viele Verschiebungen innerhalb des Hauses. Haushaltsmittel raus, auffüllen mit Mitteln aus dem Sondervermögen. Das lässt die Unternehmerinnen und Unternehmer erstmal nicht hoffnungsfroh werden.
Sprecher 7: Auch die Zahl der Wohnungsfertigstellungen sieht nicht so rosig aus. Das Ministerium geht etwa von 220.000 neuen Wohnungen in diesem Jahr aus. Aber um den Wohnungsbau anzukurbeln, hat das Ministerium ja auch ein paar Pläne darunter, den Gebäudetyp E. Können Sie einmal ganz kurz erklären, was das sein soll?
Sprecher 6: Der Gebäudetyp E ist vor zwei Jahren entstanden. Es war im Grunde genommen ein Anstoß für eine Diskussion, wie wir mit weniger Anforderungen an die Gebäude wieder bezahlbares Wohnen ermöglichen können.
Sprecher 7: Und können wir das damit?
Sprecher 6: Nun, wir haben noch keinen Gesetzesentwurf gesehen. Den Gesetzesentwurf, den man uns vor zwei Jahren während der Ampel vorgelegt hat, hat meines Erachtens keinen guten Ansatz präsentiert. Deswegen ist unsere Hoffnung, dass man hier fundamental umschwenkt. Und das Wichtigste ist einfach, dass wir nicht mehr beim Bauen jede einzelne Norm einhalten müssen, sondern vor allen Dingen immer nur das, was schutzrelevant ist.
Sprecher 7: Sie haben sich ja auch ausführlich Gedanken dazu gemacht. Was schlagen Sie, also was schlägt der Verband vor, was in diesem Gebäudetyp E rein muss, damit er auch wirklich effektiv ist?
Sprecher 6: Man muss, glaube ich, erstmal verstehen, der Gebäudetyp E ist jetzt kein Musterhaus, das man einfach hinstellt und man sagt, man baut ein Gebäudetyp E-Haus. Es geht eher darum, sich den kompletten Prozess von der Baugenehmigung bis zum Verkauf, zur Vermietung anzuschauen, immer zu gucken, wo sind Stellschrauben, dass ich mit weniger Anforderungen ein Gebäude baue und damit weniger Kosten produziere. Das hat das Gesetz bislang, das ursprüngliche Gesetz, leider nicht getan. Dort ging es immer vor allen Dingen um Haftungsfragen während der Planung. Aber wir wissen ganz genau, dass wir auch ähnliche Fragen während einer Vermietung beispielsweise haben, beim Beantragen einer Baugenehmigung. Man muss also ganz viele kleine Stellschrauben umlegen, um in die Bezahlbarkeit zu kommen.
Sprecher 7: Also ein sehr technisches Thema. Aber nochmal, wenn man es richtig macht, kann es dann wirklich das Bauen beschleunigen und günstiger machen.
Sprecher 6: Es ist, glaube ich, erstmal die Voraussetzung dafür, welche Gesetze bzw. Welche Anforderungen eingehalten werden müssen. Wenn das weniger sind als heute, dann wird es günstiger. Wie das gelingen kann, das haben wir beispielsweise in Hamburg mit dem sogenannten Hamburg-Standard gesehen. Dort kann man bis zu über 1000 Euro auf den Quadratmeter einsparen und das wäre natürlich schon mal ein großer Schluck.
Sprecher 7: Kommen wir mal zum nächsten Thema, das Gebäudeenergiegesetz. Das soll ja zum Teil abgeschafft werden und zwar das Heizungsgesetz. Darauf haben sich Schwarz-Rot im Koalitionsvertrag geeinigt. Ist das ein guter Vorstoß, den da die Koalition gemacht hat? Ich meine, die SPD, okay, die wehrt sich gerade und sagt, okay, wir wollen das doch nicht. Die CDU beharrt aber da drauf.
Sprecher 6: Also ich finde, das ist eine sehr, schon fast populistisch angehauchte Debatte. Es geht doch eher vielmehr darum, wie kriegen wir den Gebäudesektor energien- und klimaneutral. Das schafft man nicht alleine über das Thema Gebäudehülle, also über die Dämmung, die ans Haus reinkommt. Das würde man auch nicht für jedes Gebäude ökonomisch sinnvoll allein über die Energiequelle schaffen. Das heißt, wir müssen schauen, wie kriegen wir eine gute Kombination aus Dämmung einerseits und erneuerbaren Energien andererseits. Vor allen Dingen, das ist der dritte Punkt, eine gute Haustechnik. Hier darf es nicht zu viel, also nur in Hightech-Gebäude. Viele sagen, Lowtech wäre sogar der bessere Weg.
Sprecher 7: Die Branche fordert ja immer Planungssicherheit. Würde man das Gesetz jetzt abschaffen, also das Heizungsgesetz, was bedeutet das denn für die Branche? Da müsste man sich ja wieder auf ein neues Gesetz oder auf ein neues System einstellen. Ist das wirklich so förderlich?
Sprecher 6: Nun, ich glaube, ich kann gar nicht mehr dieser Vorstellung erliegen, dass Bauen irgendwann mal einfach wird. Also im Sinne von, welche Anforderungen gesetzlicher Art wir erfüllen müssen. Denn wenn wir auf das sogenannte GEG schauen, dann müssen wir auch die europäische Dimension mitdenken. Das heißt, wir haben eine europäische Gebäudeeffizienzrichtlinie, die ist eigentlich zum 1. Juni 2026, also innerhalb von sieben Monaten, in deutsches Recht umzusetzen. Ich sehe das noch nicht kommen. Aber wenn wir über GEG sprechen, können wir die europäische Richtlinie nicht außer Acht lassen, denn die gibt ziemlich knallharte Vorgaben.
Sprecher 7: Jetzt haben Sie es gerade schon angesprochen, Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie, ein wirklich sehr langes Wort, wurde ja eigentlich schon im Mai 2024 beschlossen. Also eigentlich hatte man jetzt zwei Jahre Zeit, das umzusetzen. Sie haben jetzt gerade von sieben Monaten gesprochen, wahrscheinlich, weil die Bundesregierung noch nicht angefangen hat, sich darüber Gedanken zu machen. Warum macht man das jetzt erst jetzt bei einem so wichtigen Thema?
Sprecher 6: Ich glaube, da müssten wir beide jetzt loslaufen, ein paar Straßen weiter in den Deutschen Bundestag und vor allem diejenigen fragen, die bei der Ampelregierung das Zepter in der Hand hatten. Es sind ja meistens viele Punkte, die vielleicht... das eine Gesetz dann doch nicht umsetzen lassen. Aber die Zeit wird in der Tat knapp. Deswegen hat man jetzt unter den Chef der Staatskanzleien in ihrer letzten Sitzung auch darüber nachgedacht, zwei Jahre das Ganze aufzuschieben. Die Frage ist, was passiert, wenn wir aufschieben? Kommen dann nicht wieder neue Interessen rein, weil dann wäre es auch wieder nichts mit der Planungssicherheit.
Sprecher 7: Also nicht aufschieben, sagen Sie?
Sprecher 6: Wenn es möglich wäre, das umzusetzen, wäre das natürlich wichtig. Darauf hat man sich jetzt eingestellt. Man hat gesagt, man will Eckpunkte noch in diesem Jahr vorlegen. Dieses Jahr geht ja bekanntlich bis zum 23. Dezember. Sind wir mal gespannt, ob die dann hier vorliegen.
Sprecher 7: Aber ist das nicht ein Kernproblem des Gebäudesektors, sage ich jetzt mal? Ich meine, seit Jahren unterliegen wir ja den Klimazielen innerhalb des Gebäudesektors. Also ich glaube, das Sanierungsziel ist eigentlich bei 1 bis 2 Prozent jährlich. Wir liegen ungefähr gerade bei 0,7 Prozent, also wirklich weit davon entfernt. Wenn man jetzt auch noch das Gebäudeenergiegesetz abschafft, also zum Teil das Heizungsgesetz und eben diese EU-Richtlinie aufschieben möchte, wird das dann eigentlich irgendwann nochmal was mit diesem Sanierungsziel, was man sich ja selbst auferlegt hat?
Sprecher 6: Also die Sanierungsquote zu erhöhen, sie müsste ja mindestens 2% sein, um in angemessener Zeit wirklich den kompletten Gebäudebestand durchzusanieren. Dabei darf man aber nicht vergessen, wir haben ja unterschiedliche Voraussetzungen. Es gibt teilweise große Wohnungsbestandshalter, die haben schon durchsanierte Gebäudeportfolios. Die brauchen im Grunde genommen nur den sogenannten Fuel Switch, das heißt weg von der Heizung, die über Öl oder Gas betrieben wird, hin zu erneuerbaren. Warenenergien. Wir haben andere Gebäudebestände, vielleicht auch Altbaugebäudebestände, die kann man gar nicht von außen so sehr dämmen. Dort braucht man wiederum einen anderen Ansatz, vielleicht auch nicht den Bezug auf ein Einzelgebäude, sondern auf Quartiersansätze, um auch mit dezentralen Energiekonzepten dort zu arbeiten. Man kann es nicht alles über einen Kamm scheren, aber die Zeit drängt. Ich habe mich deshalb zum Beispiel auch gefragt, warum die Bundesregierung 100 Millionen Euro aus dem Thema der energetischen Gebäudesanierung jetzt für den Bundeshaushalt 26 gestrichen hat.
Sprecher 7: Was wäre dann Ihr Vorschlag, wie man das Ganze auf den Weg bringen könnte, vielleicht sogar noch im entsprechenden Zeitrahmen?
Sprecher 6: Nun, also ich glaube, wichtig ist, dass wir einen gesetzlichen Standard definieren. Wir würden jetzt in Deutschland immer sagen, der sogenannte EH55-Standard. Der ausreichen sollte als Grundlage, wie wir die Gebäude von außen dämmen und wie viel Energieeffizienz wir in die Gebäude reinbringen.
Sprecher 7: Erklären Sie nochmal ganz kurz EH55 für unsere Zuhörer.
Sprecher 6: Es ist ein sogenanntes Effizienzhaus, was man mal definiert hat. EH 55 bedeutet, man nutzt nur 55 Prozent des Energieverbrauchs des damals definierten Hauses. Also allein schon die Erklärung ist super kompliziert und man schaut bei diesen Häusern auf einen sogenannten U-Wert. Das heißt, es ist die Durchlässigkeit von Wärme von außen nach innen oder von innen nach außen. Aber man sieht schon bei dieser Erklärung, man hat sich vor allen Dingen auf die Dämmung konzentriert. Das ist bis zu einem gewissen Maße auch okay, denn wenn ich innen drin im Gebäude heize und ganz viel Wärme geht verloren durch eine schlechte Gebäudehülle, dann erzeuge ich natürlich... Natürlich Kosten, Betriebskosten, die Mieterinnen und Mieter wieder auf die Füße fallen. Aber es gibt baufysikalisch auch eine Grenze und wir sagen, die ist bei EH55 erreicht. Jeden Euro, den wir mehr reinstecken, bringt immer weniger für den Klimaschutz.
Sprecher 7: Aber EH55 wird ja jetzt auch gefördert.
Sprecher 6: Einmalig. Mit 800 Millionen? Genau. Die Ministerin wird dieses Programm, ich meine Mitte Dezember, öffnen. 800 Millionen Euro sollen einmalig, und da legt das Ministerium Wert drauf, an den Start gebracht werden. Ich frage mich, wie viele Gebäude damit am Ende gefördert werden können. Ich würde mal prognostizieren, das Programm ist sehr, sehr schnell leer.
Sprecher 7: Was denken Sie, wie viele Gebäude können damit ungefähr saniert werden?
Sprecher 6: Man hat mal so eine mittlere fünfstellige Summe, also um die 50.000 genannt. Ich würde mal eher sagen, es geht so in Richtung 25.000, 30.000 Gebäude, da natürlich die Kosten fürs Bauen insgesamt nach wie vor sehr hoch sind. Aber am Ende mit Sicherheit können wir es erst sagen, wenn die Förderbedingungen rauskommen, das soll Ende November der Fall sein.
Sprecher 7: Alles klar. Jetzt zum Abschluss unseres Gesprächs, Herr Müller. Wie können wir das schaffen, dass im nächsten Jahr nicht 220.000 Wohnungen gebaut werden, sondern wir fantasieren jetzt mal 350.000?
Sprecher 6: Jetzt würde man einem Lobbyisten natürlich immer unterstellen, der schreit nach mehr Geld. Leider ist es tatsächlich aktuell so, dass wir ohne... Weitere finanzielle Mittel wahrscheinlich den Wohnungsbau nicht schnell in Gang kriegen werden. Denn alle anderen Punkte, also weniger Anforderungen an die Gebäude, das eben diskutierte GEG, die Gebäudeeffizienzrichtlinie, das braucht noch so lange in der Umsetzung. Wenn wir aber nicht so lange warten wollen, sondern etwas tun möchten für die Bürgerinnen und Bürger, Bürger, die teilweise mit 150 Leuten bei einer Wohnungsbesichtigung stehen, brauchen wir viel mehr Geld. Und die 800 Millionen ist ein netter Anfang, aber da muss eigentlich noch mehr dazukommen. Es wurden auch Steuererleichterungen angesprochen, die ab dem 01.01.2026 an den Markt kommen sollen. Ich bin mal gespannt, wann hierzu die Ministerin aussagefähig ist.
Sprecher 2: Also die Ministerin soll ihre Kassen öffnen, das nehmen wir für heute mit. Vielen Dank, dass Sie hier waren.
Sprecher 6: Ja, danke für das Interesse.
Sprecher 2: So mein lieber Flo, Nachtische diese Woche nur mit dir.
Sprecher 8: Freut mich, ja.
Sprecher 2: Und nichts macht mehr Spaß.
Sprecher 8: Das ist doch schon mal eine gute Grundvoraussetzung.
Sprecher 2: Schöne Grüße an den Reisenden, immer noch Reisenden, Michael, der aber demnächst zurück ist. So viel können wir schon mal verraten. Aber Flo, war noch was.
Sprecher 8: Ja, es gibt ein neues aus der EU und diesmal geht es um Cookies. Allerdings nicht die zum Essen, sondern die man kennt, wenn man im Internet unterwegs ist. Wer auf eine neue Internetseite kommt oder auch eine, die man öfter besucht, stellt öfter mal fest, da ploppt dann als erstes so eine Benachrichtigung auf. Akzeptieren Sie Cookies? Ja, nein, vielleicht unter irgendwelchen anderen Bedingungen. Super nervig.
Sprecher 2: Ich klicke immer irgendwas an, worauf ich gerade komme. Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass es einen Unterschied macht, ehrlich gesagt. Früher dachte ich immer, wenn man Cookies nicht akzeptieren klickt, baut sich die Seite nicht auf. Aber das stimmt gar nicht.
Sprecher 8: Sie baut sich auf, aber es werden weniger deiner Daten erhoben und gespeichert. Zumindest in der Theorie. Weiß man ja nicht, ob sich da alle so richtig dran halten. Nur nochmal zum Verständnis. Cookies, das sind ganz... Das war einfach zusammengefasst so kleine Textdateien, die auf dem Gerät gespeichert werden. Und da werden dann so Sachen wie der Benutzername oder der Warenkorb oder so das generelle Nutzungsverhalten damit abgesichert, damit in der Theorie das Nutzungsverhalten für uns einfacher und schöner wird. In der Praxis ist es einfach nur nervig, weil man jedes Mal annehmen, ablehnen, was auch immer klicken muss. Es nervt und deswegen soll das in Zukunft auf ein Minimum reduziert werden. Da, wo es wirklich um keine sensiblen Daten geht, soll das mit einem Klick reichen und das soll dann gespeichert bleiben. Und zack, auf einmal ist Surfen im Internet zumindest ein Stück weit entbürokratisiert.
Sprecher 2: Ja, das ist die Paradoxie des Verbraucherschutzes und auch des Datenschutzes. Man hat angeblich die Wahl und kann sich das alles überlegen, welche Daten man preisgibt, wo man etwas zustimmt oder ablehnt. Aber in Wahrheit ist das natürlich so ein Überfluss an Informationen, dass man der gar nicht Herr wird und dann im Zweifel immer auf alle akzeptieren klickt, sodass der reale Schutzstatus in meinen Augen, jedenfalls nach meinem Verhalten, überhaupt nicht höher ist.
Sprecher 8: Ja, also, wenn das jetzt alles so kommt, wie es zumindest geplant ist, dann kann jeder im Internet wieder seinen eigenen Weg gehen und zumindest ein paar kleine Pop-up-Fenster auf diesem Weg dann auslassen.
Sprecher 2: Tschüss, bis morgen, ich freue mich.
Sprecher 9: Go your own way. You can call it another lonely day. You can go your own way. Go your own way. Help me ride. Everything turned around. Packing up, shacking up's all you want to do. If I could, baby, I'd give you my world. The opener, everything's waiting for you. You can go your own way. Go your own way. You can call it a day.