Wie wichtig ist das Stadtbild, Frau Niejahr?
Dauer: 25:19

Wie wichtig ist das Stadtbild, Frau Niejahr?

Elisabeth Niejahr, Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, und Helene Bubrowski nähern sich der „Stadtbild-Debatte“ aus einem anderen Blickwinkel. Niejahr betont, dass öffentliche Plätze und gut gestaltete Räume Orte der Begegnung und des demokratischen Miteinanders sind. Niejahr kritisiert: „Niemand hat eine positive Visionen entwickelt, wie ein gutes Stadtbild auch aussehen könnte." Die Politik verpasse hier eine Chance. 

[12:57]


Die BSW-Fraktion im brandenburgischen Landtag hat mit vier Abtrünnigen einen schweren Riss erlitten. Und heute wird sich zeigen, welche konkreten Auswirkungen die Spaltung hat:  

Im Landtag in Potsdam wird über die neuen Medienstaatsverträge abgestimmt. Eine Zustimmung ist wahrscheinlich, weil die CDU-Opposition zustimmen will. Eine eigene Mehrheit hat die SPD-BSW-Koalition vermutlich nicht.

[01:30]


Der deutsch-französische Gipfel zur Europäischen Digitalen Souveränität soll ein Signal für mehr Unabhängigkeit von US-Tech-Giganten und chinesischen Anbietern sein. Der Gründer und CEO von DeepL, Jarosław Kutyłowski, sieht in dem Gipfel einen Anfang. Europa, sagt er, sei durchaus nicht abgehängt bei der KI. Innovative Forschungsideen könnten das Rennen jederzeit neu aufrollen. 

[05:42]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today. Democracy Spezial. In Kooperation mit der Hertie Stiftung.

Sprecher 2: In Brandenburg soll heute über zwei Medienstaatsverträge abgestimmt werden. So unspektakulär das im ersten Moment klingt, es könnte zur Schicksalsfrage der Koalition aus SPD und BSW werden. Wie es in Brandenburg weitergehen könnte, das bespreche ich mit Leonard Schulz, unserem Kollegen vom Berlin Table. Gestern fand in Berlin der deutsch-französische Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität statt. Wie können wir unsere Abhängigkeit von den US-Giganten und auch von chinesischen Anbietern verringern? Oder ist der Zug schon abgefahren? Das hat Corinna Fisser vom Europe Table den Gründer und CEO von Deep Jaroslav Skutilowski gefragt. Die Stadtbilddebatte von Friedrich Merz hatte für viel Aufregung gesorgt, in seiner Partei und in der ganzen Gesellschaft. Dabei macht es schon Sinn, sich mit dem Stadtbild in Deutschland zu beschäftigen, sagt Elisabeth Nier, die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Ich diskutiere mit ihr über das Erscheinungsbild unserer Städte und was das mit dem Zustand der Demokratie zu tun hat und warum sich die Politik damit so wenig beschäftigt. Haben Sie sich schon mal gefragt, wie das Internet riecht? Die Telekom will jetzt den Duft der digitalen Welt zu Ihnen nach Hause bringen. Auch darüber reden wir an diesem Mittwoch, den 19. November. Ein Streit innerhalb des BSW, Bündnissacher Wagenknecht in Brandenburg, könnte dafür sorgen, dass die aktuelle Regierung aus SPD und BSW keine Mehrheit mehr hat. Denn vier Mitglieder der BSW-Fraktion haben die Partei verlassen, weil sie die Haltung des Landesverbands zu den neuen Medienstaatsverträgen nicht teilen. Heute soll es zu der besagten Abstimmung kommen. Das wird sehr interessant. Es könnte sein, dass eine Mehrheit am Ende nur mit Hilfe der CDU, der oppositionellen CDU zustande kommt, dass sie die Mehrheitsbeschafferin wird. Die vier Fraktionsmitglieder, die die Partei verlassen haben, wollen aber Teil der BSW-Fraktion bleiben, allerdings als Parteilose. Ob das auf Dauer gut geht, daran gibt es erhebliche Zweifel. Und was ist überhaupt die Zukunft des BSW, wo Sarah Wagenknecht die Namensgeberin angekündigt hat, sich aus der ersten Reihe zurückzuziehen? Höchste Zeit, dass Leo Schulz bei uns zu Gast ist im Studio. Er ist im Berlin Table zuständig für das BSW und wir freuen uns, dass du da bist. Hallo Leo.

Sprecher 3: Hallo Helene, schön, dass ich mir wieder da sein darf.

Sprecher 2: Leo, klär uns mal auf, was ist da los im BSW Brandenburg? Einer der zwei Landesverbände, in denen diese ja doch noch recht junge Partei tatsächlich geschafft hat, an die Regierung zu kommen. Das hat sie aber offenbar nicht stabilisiert, oder?

Sprecher 3: Nee, absolut nicht. Also ich glaube, das Grundproblem des BSW ist, dass es große Teile gibt, die sagen, wir müssen in die Fundamental. Opposition, um überhaupt zu einer Marke zu werden. Und in Brandenburg stellt sich jetzt das große Problem, dass da wirklich tiefe Gräben entstanden sind zwischen eher, sag ich mal, pragmatischen Mitgliedern des BSW und denen, die da sehr der Sarah-Wagen-Knecht-Linie folgen und eine eher radikalere Politik sich wünschen. Ich habe mir sogar sagen lassen, von Leuten aus dem Landtag, dass die sich untereinander gar nicht mehr grüßen in den Ausschüssen, diese eigenen Fraktionsleute.

Sprecher 2: Und Sarah Wagenknecht hat offenbar, obwohl sie sich zurückziehen will, Druck ausgeübt in Sachen Medienstaatsvertrag. Also da geht es natürlich auch um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Feindbild für das BSW, da nicht zuzustimmen. Und vier Abgeordnete haben gesagt, dem beugen wir uns nicht. Ist das so richtig zusammengefasst?

Sprecher 3: Wir wissen nicht genau, was für eine Kommunikation da stattgefunden hat, aber es sieht natürlich total danach aus, dass es eben genau Sarah Wagenknecht und die Parteispitze war, die das nicht wollen. Dazu muss man sagen, zum Beispiel der Fraktionsvize, der Herr Dorst, der ist einer, wenn man sich sein Ex-Profil mal anschaut, Der leugnet den Klimawandel oder zumindest deutet das immer wieder an. Die sind total gegen die öffentlich-rechtlichen Medien und das System, so wie es ist und wie es aussieht. Sind das wohl die Leute gewesen, die Sarah Wagenknecht dann dazu angehalten hat, dann nicht zuzustimmen? Was eigentlich total perfide ist, weil sie hatten ursprünglich mal ihre Zustimmung signalisiert. Und für Woidke ist es jetzt eine totale Blamage, dass er jetzt nicht im Nachhinein für diese Staatsverträge... Eine Mehrheit in seinem Landtag beschaffen kann. Also da sieht es wirklich, wirklich nicht gut aus in Brandenburg gerade, Helena.

Sprecher 2: Ja, also Wojtke und seine Mehrheit, das ist jetzt genau die Frage. Er hat offenbar keine Mehrheit im Parlament. aus seinen eigenen Reihen, also aus seiner eigenen Koalition aus SPD und BSW. Aber die CDU hat nun angekündigt zuzustimmen. Das heißt, wir haben es hier zu tun, obwohl es noch eine Koalition gibt, mit wechselnden Mehrheiten offenbar.

Sprecher 3: Ja, genau. Weil nämlich, ich habe mit dem Herrn Jan Redmann gesprochen von... Brandenburger CDU und der hat mir bestätigt, dass sie zustimmen wollen, weil das ja im Endeffekt aus CDU-Hand verhandelte Staatsverträge sind und daran würde dann auch nichts ändern, wenn das BSW oder die Koalition da nicht hält. Deswegen wollen sie da trotzdem zustimmen. Das heißt, die Medienstaatsverträge kommen durch. Die Zukunft dieses Landtages und dieser BSW-Fraktion und dieser Koalition sind leider... Dadurch nochmal viel ungewisser geworden.

Sprecher 2: Ja, denn die Koalition stimmt dann eben nicht geschlossen ab. Es gibt ja zum Teil in Koalitionsverträgen die Abmachung, dass das nicht passieren darf, dass dann eine Koalition am Ende ist. Wie ist das in Brandenburg? Ist das jetzt das Ende der Koalition?

Sprecher 3: Noch nicht direkt, aber ich berichte jetzt seit über einem Jahr über das BSW und ich würde keinen Cent auf irgendwas wetten, ob es diese Woche noch hält oder ob es erst noch eine Weile dauert oder ob sie es vielleicht doch sogar schaffen, sich bis zum Ende der Legislaturperiode zu stabilisieren. Bei dieser Partei weiß man einfach wirklich nie, was passiert.

Sprecher 2: Eine Wundertüte. Vielen Dank, dass du uns darüber aufgeklärt hast, Leo.

Sprecher 3: Vielen Dank, Helene. Bis zum nächsten Mal.

Sprecher 2: Deutschland und Frankreich wollen die Vorreiter sein für die digitale Souveränität in Europa. Was ist das? Die Idee ist, dass es so eine Art Airbus werden könnte, ein digitaler Airbus. Davon ist die Rede. Also wie die Kooperation für das Flugzeug, dass zwei oder vielleicht sogar mehr Länder gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Deswegen haben Friedrich Merz und Digitalminister Carsten Wildberger und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die französische Digitalministerin Clara Schappas einen Gipfel in Berlin organisiert. 900 Gäste waren gestern vor Ort und dabei ging es nicht explizit darum, sich von den USA loszusagen, aber eine gewisse Unabhängigkeit will man doch erreichen. Das hatte Friedrich Merz auch noch am Wahlabend so angekündigt. Einer der Gäste war der Gründer und CEO von dem KI-Übersetzungstool DeepL, Jaroslav Kutylovsky. Unsere Kollegin vom Europe Table, Corinna Fisser, hat mit ihm darüber gesprochen, ob es für Europa überhaupt noch möglich ist, bei den Themen Digitalisierung und KI unabhängiger zu werden und was das eigentlich bedeutet.

Sprecher 4: Halle, Herr Kutylowski, schön, dass Sie da sind.

Sprecher 5: Schön, dabei zu sein.

Sprecher 4: Wir hatten gestern den Summit on European Digital Sovereignty. Was haben Sie da gelernt?

Sprecher 5: Ich fand den Summit erfrischend. Ich fand den Summit sehr fokussiert, sehr klar in Bezug darauf, wie wichtig KI für unsere Wirtschaft, für unsere Gesellschaft ist. Gesellschaft für unsere Ökonomie sein wird. Ich glaube, das Verständnis ist da bei der Politik. Ich glaube tatsächlich, dass sehr viele Initiativen gezeigt werden, die in die Richtung gehen, wie können wir uns als Europa weiterentwickeln in dem Bereich. Wie können wir nicht nur gut in der Anwendung sein, sondern wie können wir eine Führungsposition in der Forschung, in der Anwendung von KI erreichen. Minister Wildberger hat tatsächlich recht viel davon gesprochen, dass es darum geht, produktorientiert zu sein und auch wirklich etwas zu bauen, was anwendbar ist. Und das, finde ich, sind genau die richtigen Stichworte, die da fallen müssen.

Sprecher 4: Die Frage ist ja... Ich glaube, die ist auch noch nicht geklärt. Was ist denn eigentlich europäische digitale Souveränität? Wie würden Sie die definieren?

Sprecher 5: Da geht es nicht nur darum, die Datencenter und Infrastruktur für KI zu haben. Es geht auch wirklich um dieses Know-how, die Forschung. Wie baue ich Modelle? Welche Modelle sind in unserer Hand? Wie wende ich die an? Haben wir Unternehmen, die auch wirklich KI anwenden können? Also diese gesamte Kette muss da sein. Und natürlich wird es nie möglich sein, komplett alles selber machen zu können. Und wir müssen auch sehr stark auf Partner setzen. Das ist hier auch zur Sprache gekommen. So viel wie möglich von Diese Kette halt.

Sprecher 4: Also Sie haben das ja erwähnt, Partner. Also bisher haben wir ja in der Welt zusammengearbeitet. Jetzt stellt sich die Welt ein bisschen anders dar. Was sind denn die Länder, wo Sie denken, das sind unsere ersten Partner oder die wichtigsten Partner, die wir brauchen?

Sprecher 5: Ja, die EU ist ganz klar. Ich glaube, das kommt auch sehr gut herüber hier bei einem Summit, der ja deutsch-französisch ist. Wir können sehr viel zusammen mit Frankreich aufbauen. Wir sehen auch Frankreich wirklich sehr interessiert im Bereich Technologie. Die Schritte, die die Regierung schon vor einiger Zeit dort gemacht hat, sind genau die richtigen, finde ich.

Sprecher 4: Welche sind denn das? Also muss Deutschland da von Frankreich lernen? Das wurde Wildberger auch gefragt und er hat gesagt, er lernt immer gerne von Frankreich.

Sprecher 5: Ja, ich glaube tatsächlich, dass wir da lernen sollten. Die Partnerschaft zwischen Industrie und dem Tech-Sektor in dem Bereich und wie stark sich Präsident Macron dafür gemacht hat, Das hat, glaube ich, viel geholfen dem Ökosystem. Das ist tatsächlich in Frankreich deswegen viel, viel stärker geworden. Das können wir als Vorbild nehmen. Der zweite Aspekt ist Investitionen und diese gut mit in das Land mit reinholen zu können. Denn KI braucht starke Investitionen und die können nicht alle von der öffentlichen Hand. Geleistet werden. Da muss von privater Seite auch mit geholfen werden. Da ist die Rolle der Regierung tatsächlich, diese Investitionen mit anzuziehen.

Sprecher 4: schon verschiedene KI-Unternehmen auch in Europa. Sie sind nur alle nicht so groß. Woran liegt das denn?

Sprecher 5: Ich glaube, wir brauchen mehr KI-Unternehmen. Ich glaube, wir haben nicht genug. Ich glaube, das muss aufgebaut werden. Es ist schon so, dass wir... In einem Punkt angefangen haben in der KI, wo es große Unternehmen in den USA gegeben hat, die nicht unbedingt auf KI spezialisiert waren, aber die einen guten Start in das Thema hatten. Ich glaube, die ganz wichtige Botschaft hier ist, und die ist heute auch bei der Keynote ein paar Mal gefallen, dass... KI ein sehr neues Feld ist, ein sehr wachsendes Feld ist, ein Feld, in dem eine Forschungsidee das komplette Feld nochmal neu aufrollen lassen kann. Und deswegen sollte man sich hier nicht zu sehr von den großen Unternehmen da draußen von der existierenden Konkurrenz beeindrucken lassen. Sondern einfach nach diesen Ideen forschen, wie man es machen kann, mit geringerem Aufwand, besser, schlauer, einfacher.

Sprecher 4: Das heißt, wir haben den KI-Wettlauf tatsächlich noch nicht verloren. Das ist nicht nur das, was die Politiker uns glauben machen wollen, sondern das sehen sie auch aus technologischer Sicht so.

Sprecher 5: Auf keinen Fall haben wir den verloren. Da gibt es auch wirklich objektive Punkte, die dafür sprechen. Schon alleine die Tatsache, dass China mit viel geringerer Rechenkapazität und tatsächlich teilweise ohne diese großen Unternehmen auch mitspielen kann in dem Sektor. Das ist ein klarer Beweis, glaube ich, dafür, dass mit technologischer Innovation und viel Willenskraft und viel Fokus auch einiges erreicht werden kann.

Sprecher 4: Die amerikanischen und auch die chinesischen Unternehmen werden ja regelmäßig groß, weil der Staat auch bei ihnen einkauft. Das findet ja in Deutschland und auch Europa viel zu wenig statt. Das heißt, die Staaten kaufen regelmäßig Produkte eben von den großen amerikanischen Konzernen. Wäre das wichtig für Sie? Der Staat auch bei Ihnen mal einkauft?

Sprecher 5: Das Thema Stadt als Ankerkunde kommt immer wieder. Es gibt natürlich Unternehmen, die da noch etwas mehr darauf ausgerichtet sind als wir. Tatsächlich muss man sagen, mit dem deutschen Staat zusammenzuarbeiten ist schwieriger als mit anderen. Ich glaube aber tatsächlich, dass hier momentan die Ministerien auch ganz klar darauf ausgerichtet sind, das zu ändern. Und ich habe von sehr vielen Initiativen gehört, wie diese Prozesse momentan auch vereinfacht werden.

Sprecher 4: Ja, da sollten Sie Herrn Minister Wildberger beim Wort nehmen, weil er hat das angekündigt auf dem Gipfel. Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg dabei und ganz vielen Dank für das Gespräch.

Sprecher 5: Dankeschön. Vielen, vielen Dank.

Sprecher 2: Friedrich Merz hat von einem problematischen Stadtbild gesprochen und damit unter anderem die Migration gemeint, die irreguläre Migration, und damit eine Debatte entfacht, die quer durch seine eigene Partei ging, aber natürlich auch durch die Koalition und durch viele Wohnzimmer und Küchen der Republik. Wir sind ein bisschen late to the party, aber ehrlich gesagt nicht zu spät, um heute über das Stadtbild noch einmal zu sprechen, und zwar unter einem anderen Aspekt, vielleicht unter einem positiveren. Was hat das Stadtbild mit unserem gesellschaftlichen Miteinander zu tun? Was hat es mit der Demokratie zu tun? Und deswegen ist es nicht nur gut, sondern unabdingbar, dass Elisabeth Nier wieder dabei ist. Heute ist Demokratie-Spezial. Sie kennen sie, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Hertie-Stiftung für Demokratie. Hallo Elisabeth, schön, dass du da bist.

Sprecher 6: Hallo Helena, schön bei euch zu sein.

Sprecher 2: So, also das Stadtbild, was heißt das eigentlich für dich?

Sprecher 6: Also wenn ich an Stadtbild denke, dann denke ich an öffentliche Plätze, an Orte der Begegnung, an etwas, was Europa zum Beispiel von den Vereinigten Staaten unterscheidet, dass fast jede Stadt irgendwie einen Marktplatz hat. Also das, was man wirklich aktiv auch langfristig gestalten kann. Und das ist mir so ein bisschen zu kurz gekommen bei der Debatte von vor ein paar Wochen, dass niemand eigentlich mal so eine positive Vision entwickelt hätte, wie ein gutes Stadtbild auch aussehen könnte.

Sprecher 2: Ja, das betrifft natürlich einerseits die... Architektur und die Frage, wie sehen eigentlich die Gebäude aus, die unsere Demokratie repräsentieren und aus welcher Zeit kommen sie eigentlich? Und andererseits, Elisabeth, geht es ja schon auch um die Frage, wie zeigen sich die Grünflächen, von denen du sprachst, diese Orte der Begegnung? Da würde ich schon sagen, dass Sauberkeit eine Rolle spielt und auch eine Schönheit, also ein ästhetischer Anspruch, zum Beispiel Blumenskulpturen und ähnliches. Wie siehst du das?

Sprecher 6: Ja, also Sauberkeit und Sicherheit spielen mit Sicherheit eine große Rolle. Der öffentliche Raum muss so gestaltet werden, dass Menschen sich da gerne aufhalten. Mich beschäftigt da so ein bisschen die Frage, wer sich eigentlich dafür zuständig fühlt, weil ich glaube, es gibt eigentlich in der Gesellschaft eine viel größere Bereitschaft, da auch irgendwie mitzumachen. Ich sehe das hier in Berlin. Wo es viel so Nachbarschaftsinitiativen gibt und Urban Gardening. Und wenn die Politik das stärker adressieren würde, kümmert euch darum, wie eure Städte aussehen, könnte sie eine ganze Menge Zustimmung beim Wähler finden. Und ich frage mich deswegen, warum das Thema Architektur, Stadtplanung, Und diese Facette von Stadtbild eigentlich so ein bisschen verwaist ist und von den Parteien nicht entdeckt wird.

Sprecher 2: Es gibt ja nun gerade in Brandenburg, kenne ich das, diese Dörfer, die so im Grunde genommen so eine Art von Durchfahrtsdörfer sind. Also eine Straße, wo rechts und links ein paar Häuser stehen. Was macht das mit Demokratie?

Sprecher 6: Das ist ein Riesenproblem. Ich finde übrigens, dass wir das im Osten und im Westen haben, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Im Westen haben wir... Ja, eher das Phänomen, dass die Leute einfach nicht mehr im Einzelhandel in ihrer kleinen oder auch mittelgroßen Stadt einkaufen und dass die gleichen Leute, die selber bei Amazon bestellen, hinterher beklagen, dass in der Fußgängerzone und in der Innenstadt nur noch so wenig los ist und sich alles in irgendwelche Malls vielleicht verlagert. Also ich glaube, das Problem haben wir überall. Ich glaube nur, man muss es wirklich noch entschiedener als bisher adressieren. So in den 70er, 80er Jahren wurde dann irgendwie das Jugendzentrum oder die Städte der Kirchengemeinde erfunden und Dass es heute andere Adressaten gibt, also zum Beispiel Kirchenvereine und so, nicht mehr so eine große Rolle spielen, muss es, glaube ich, andere Menschen geben, die sich dafür zuständig fühlen. Gerade in Ostdeutschland, finde ich, gibt es sogar relativ viel. Da gibt es ja so viele leerstehende Gebäude, die nach der Wiedervereinigung auch so ein bisschen leer standen. Also da ich beruflich... Bei Demokratiethemen viel mit solchen Menschen zu tun habe, staune ich immer wieder auch darüber, wie viele Leute in Eigeninitiative dann für wenig Geld irgendwelche Scheunen oder Gutshäuser oder so renovieren und da durchaus auch Dinge für die Allgemeinheit veranstalten. Also ich sehe das größte Defizit wirklich, im Moment bei der Politik, der das nicht programmatisch aufnimmt. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich nun schon so lange hier in Berlin bin und auch diese ganze Umzugszeit miterlebt habe. Und das hier ist ja ein Hauptstadt-Podcast. Also diese ganze Diskussion, die es damals um Architektur gab, was macht das eigentlich mit der Politik, wenn man in diese... schönen neuen Gebäude in den Reichstag mit der Kuppel zieht, der dann sogar verpackt wurde, das war ja revolutionär, aber eben auch in diese hochgradig belasteten alten NS-Gebäude, wie zum Beispiel das heutige Arbeitsministerium oder das Finanzministerium, in dem ja eine Zeit lang auch die Treuhand saß.

Sprecher 2: Wie ist das? Bleiben wir mal kurz bei den NS-Bauten. Wenn das heute benutzt wird, ja, zu anderen Zwecken, um demokratische Politik zu gestalten, dieses historische Erbe, ist das Mahnung, Warnung oder ist das vielleicht auch eine Belastung?

Sprecher 6: Also man kann ja nicht alles abreißen und ich glaube, es ist wichtig, Dinge zu kontextualisieren. Also Erklärung, Einbettung, eine irgendwie gebrochene Optik herzustellen, so wie es zum Beispiel mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in West-Berlin der Fall ist, die ja eigentlich so ein Mahnmal ist und eben nicht vollständig wieder aufgebaut wurde. Eigentlich sind Architekten gar nicht so schlecht drin, so etwas zu machen. Zu machen heutzutage mit Anbauten, mit irgendwie optischen Verfremdungen, sei es durch Farbe oder irgendwelche Blickachsen. Aber man muss es eben politisch auch wollen. Also ein Negativbeispiel ist für mich zum Beispiel diese alte Villa von Goebbels in Brandenburg in der Schorfheide, die weder genutzt wird, einfach wirklich so lange Zeit in so einem verwunschenen Stück Wald stand, lange auch noch nicht mal abgesperrt wurde und wo niemand so richtig weiß, seit vielen, vielen Jahren, was man da macht. mit eigentlich tun soll. Also ich glaube, jede Variante ließe sich begründen, von abreißen bis ein Museum draus machen, bis für einen anderen Zweck ganz bewusst und offensiv nutzen. Aber dass das so lange nicht entschieden wurde und sich niemand so richtig dafür zuständig fühlt, das finde ich problematisch.

Sprecher 2: Elisabeth, sprechen wir nochmal über das Bundeskanzleramt und die Bauten drumherum. Also Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Paul-Löbe-Haus, das ist alles in den 90er Jahren gebaut worden in Vorbereitung auf den Regierungsumzug. Architekt ist Stefan Braunfels, wurde damals sehr gehypt und heute ist es etwas bemost in die Jahre gekommen, 25 Jahre alt jetzt und man hat... Nicht mehr den Eindruck, dass das jetzt irgendwie strahlend schön ist. Und dann dachte ich, mit diesen modernen Bauten ist es natürlich auch nicht so einfach, weil sie ja oft nicht diese majestätische Schönheit ausstrahlen, nicht offenbar Jahrhunderte überdauern, sondern man sich fragen könnte, sollte man nicht mal ein neues Bundeskanzleramt bauen?

Sprecher 6: Über das Kanzleramt kann man aus meiner Sicht streiten, aber die Bundestagsgebäude insgesamt finde ich zum großen Teil schon sehr gelungen, weil sie transparent sind, funktional, zugänglich. Und ich finde, wenn man am Reichstag vorbeifährt und über diese Wiesenfläche so auf den Reichstag schaut mit seiner Kuppel, ist das schon immer für mich immer noch nach all den Jahren auch ein besonderer Moment. Aber vielleicht ist das auch so ein bisschen Geschmackssache. Ich finde, man sieht... an der Architektur, Kanzleramt, Bundestagsgebäude und so weiter, wie sich auch die Vorstellung von demokratischer oder demokratieaffiner Bauweise verändern. Also eine Zeit lang hat man gedacht, Glas ist so die Allzweckwaffe, die steht für Transparenz und ist irgendwie auch so clean und neutral. Und ich glaube, heute würden viele sagen, Glas ist halt auch abweisend und kühl und hermetisch. Also ich glaube, das Stadtschloss hat und die Diskussion in Berlin darum hat auch nochmal gezeigt, dass man auch nicht zu schnell sein sollte, wenn man irgendwie etwas hässlich oder unattraktiv findet, sondern der alte Palast der Republik, wenn man den eher umgebaut hätte, wären einige vielleicht viel zufriedener heute. Also ich habe immer eine Schwäche für Gebäude, die einladend sind fürs Publikum. Also was beim Reichstag wirklich toll gelungen ist, ist einfach diese begehbare Kuppel. Das ist so symbolisch, dass die Leute oben drauf rumlaufen. Und mein zweites Lieblingsgebäude ist eigentlich das Parlament von Quebec, der französischsprachigen Provinz von Kanada, wo ich aus privaten Gründen war. Da gibt es... Ganz viele moderne, schöne Installationen, die an die Inuit erinnern, also die Native Canadians sozusagen, aber in einer interessanten, informativen, unaufdringlichen Weise. Und die haben ein großes Restaurant, wo sowohl ganz normale Kanadier essen, aber eben auch Abgeordnete. Und so die Zugänglichkeit des Parlaments sich auch da... manifestiert.

Sprecher 2: In der Tat, die Verbindung von alt und neu, die Frage von Kontinuitäten und Brüchen, die Erinnerung an das, was mal gewesen ist und uns natürlich weiterhin prägt, wenn das im Stadtbild, jetzt benutze ich wieder das Wort sichtbar ist, dann haben wir, glaube ich, schon viel erreicht, eben diese Ambivalenz, Dialektik der Erinnerung auch zu zeigen. Elisabeth, vielen Dank, dass du heute hier warst.

Sprecher 6: Vielen Dank für die Einladung. Ich hätte noch stundenlang weitersprechen können. Das Thema merke ich mir für andere Gelegenheiten.

Sprecher 2: Ich auch. Lieber Flo, fahr noch was.

Sprecher 7: Helene, es gibt ein neues Produkt der Telekom, ohne jetzt hier Werbung machen zu wollen, aber Love Magenta Room Scent heißt das. Ein Raumduft, der, und jetzt pass auf, wo wir schon bei digitaler Welt vorhin waren, den Geruch der digitalen Welt zu uns nach Hause bringen soll.

Sprecher 2: Es duftet nach was?

Sprecher 7: Tja, das ist die große Frage nach Serverraum und Staub oder so. Nein, es soll, und jetzt zitiere ich die Beschreibung, zuerst ein würzig-pfeffriger Kopfnotenduft in die Nase steigen. Also wenn irgendwas nach Pfeffer riecht, weiß ich nicht. Danach breiten sich Mangold und Pfirsich aus und zum Schluss kommen dann Zedernholz und Patchouli, die das Ganze abrunden. Also für mich klingt das so ein bisschen wie Küchenunfall und Saunaaufguss in einem, aber es ist jetzt offensichtlich der Duft der Digitalisierung.

Sprecher 2: Ich hatte als Kind solche Duftlampen bei mir zu Hause, also nicht Duftkerzen, sondern so ein kleines Schälchen über einer Kerze, wo man dann so ätherische Öle reinkropfte. Ja, so ein bisschen scheint das das gleiche Prinzip zu sein. Ja, und da gab es auch sowas wie Patchouli, daran erinnere ich mich. Irgendwann habe ich dann gedacht, das riecht doch eigentlich eher unangenehm und ich finde auch bis heute eigentlich Räucherstäbchen und Duftkerzen nicht besonders schön. Insofern für mich ist das wahrscheinlich eher nichts, aber am Ende ist jeder, wie es ihm beliebt.

Sprecher 7: Ja, und wer darauf steht, mit jedem Atemzug ein bisschen Digitalisierung zu sich zu nehmen, bitte, wir wollen Sie davon nicht abhalten. Ich fand es auf jeden Fall eine skurrile.

Sprecher 2: Hauptsache, Sie bleiben Mensch. Das wäre uns schon sehr wichtig. Und hören uns weiter zu, wenn Sie Lust haben, auch morgen. Bis dahin. Tschüss. Ciao.