VAE kauft deutschen Traditionskonzern
Dauer: 26:29

VAE kauft deutschen Traditionskonzern

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wirbt auf ihrer Reise nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate um Partner für die deutsche Industrie.

Kurz vor Beginn der Reise ist ein Milliarden-Deal bekannt geworden. Der staatliche Ölkonzern ADNOC aus Abu Dhabi soll den Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro für rund 12 Milliarden Euro inklusive Schulden übernehmen.

Reiche sieht das „Engagement als Auszeichnung für Covestro und als gute Kooperation für mehr Wachstum.“ Die Übernahme zeige aber auch, dass in Deutschland die Branche durch zu hohe Energiekosten, langwierige Genehmigungsverfahren und zu viel Regulierung belastet werde.


Reiche wird von einer hochkarätigen Delegation begleitet: Unter anderem ist Marvel-Fusion-CEO Moritz von der Linden dabei. Im Gespräch mit Michael Bröcker beschreibt er, welche Chancen sich in den Staaten der Golf-Region bieten. Und er kritisiert die deutsche Energiepolitik der vergangenen zwanzig Jahre. Diese habe „die Blaupause geliefert, wie man es nicht macht.“


Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht Katar und die VAE als mögliche Partner, aber auch als Vorbilder: „Hier sind viele Sachen möglich, die bei uns durch Regulierung eigentlich versperrt sind.“ Smart Cities mit KI, autonomes Fahren und medizinische Anwendungen entwickelten sich dort schneller als in Deutschland.


UN-Generalversammlungspräsidentin Annalena Baerbock spricht mit Bernhard Pötter vom Climate.Table in Belém über die COP30. Baerbock sagt, die internationale Gemeinschaft habe im Kampf gegen den Klimawandel eine „absolute Technologierevolution“ hin zu erneuerbaren Energien in Gang gesetzt.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Ich sage Ihnen jetzt nicht, worüber Helene und ich gerade geredet haben in Bezug auf manche modische Eigenart hier in den Emiraten. Wir bleiben heute sachlich. Denn dieses Land hat nicht nur Gas, Öl, viel Geld und für ein Emirat auch ziemlich viel Kapitalismus. Es hat auch Interesse an Deutschland. Das durfte... Katharina Reiche erleben. Die Wirtschaftsministerin ist mit einer ziemlich gut besetzten Delegation hier in Abu Dhabi. Ich bin dabei, darüber müssen wir gleich mal reden.

Sprecher 3: Ja, und zu dieser Delegation gehören neben Michael Bröker auch noch der CEO von Marvel Fusion, Moritz von der Linden und die Energieexpertin im Sachverständigenrat Veronika Grimm. Mit beiden konnte Michael über diese Reise sprechen und über die Frage, ob nun neue Gaslieferungen Sinn machen, Bestellungen für Airbus-KI-Kooperationen und milliardenschwere Investitionen in den Wasserstoff.

Sprecher 2: In Belame ist immer noch unser Redaktionsleiter des Climate Table, Bernhard Pötter. Und er hat eine Frau gesprochen, die hier schon länger nicht mehr aktiv war. Aber jetzt holen wir sie nochmal zurück in die Debatte. Annalena Baerbock, die Präsidentin der UN-Generalversammlung, war bei der Weltklimakonferenz in Brasilien zu Gast und hat mit Bernhard Pötter gesprochen.

Sprecher 3: Und wenn Sie sich jetzt auch schon wieder wie ich ärgern oder vielleicht sogar traurig sind, dass die Tage so kurz werden, die Nachmittage so kurz sind, weil die Sonne einfach so früh untergeht. Dann freuen Sie sich vielleicht über einen italienischen Vorstoß in Sachen Zeitumstellung. Der könnte Auswirkungen auf die ganze EU haben. Auch darüber reden wir heute an diesem Dienstag, den 18. November. Michael, du auf dem Weg zum EMEA.

Sprecher 2: Ja, fast, fast noch nicht, aber in wenigen Stunden geht es nach Katar. Noch sind wir in Abu Dhabi, einem der Emirate, die zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört.

Sprecher 3: Aber trotzdem zum Emir, da fällt mir natürlich sofort ein Robert Habeck und das Bild, als er, wie es hieß, den Bückling machte vor dem Emir. Damals ging es 2022 um Gaslieferungen und ja, manche lobten Robert Habeck dafür, andere haben ihn scharf kritisiert. Wie wird Katharina Reiche den Emir begrüßen? Hat sie euch das schon gesagt?

Sprecher 2: Nein, aber wahrscheinlich nicht anders als Robert Habeck. Und es wird auch keine andere inhaltliche Dominanz in diesem Gespräch geben, außer mögliche neue Lieferverträge mit LNG-Gas. Man muss sich ja daran erinnern, bei aller Kritik an Katharina Reiche, die ja von den Klimabewegten sehr scharf angegangen wird, ein gewisser Robert Habeck wollte mal zwischenzeitlich zumindest 50 Gigawatt Gaskraftwerke bauen in der großen Krise. Jetzt ist Katharina Reiche mit zunächst 8 Gigawatt zufrieden nächstes Jahr. Und sie will unter anderem auch LNG-Gas aus den Emiraten oder auch aus Katar importieren, um die Energieversorgung in Deutschland zu diversifizieren.

Sprecher 3: Also gar nicht so anders als Ihr Vorgänger Habeck, oder?

Sprecher 2: Nein, eigentlich ist das ganz schön viel Habeck natürlich auch in ihrem Kurs. Sie ist eine liberale Marktwirtschaftlerin, sie redet über Anreize, sie könnte stundenlang über Rentensysteme und Sozialstaatsreformen reden, aber in der Energiepolitik sieht sie den Ausbau der Erneuerbaren ja ganz genauso. Auch das Heizungsgesetz wird nicht revolutioniert, aber sie will einen neuen Schwerpunkt auf sichere, zuverlässige Energie. Dazu gehört aus ihrer Sicht auch Gas, so war das bei den Grünen auch schon. Und deswegen geht sie in die Region, wo es Gas günstig gibt. LNG-Gas durchaus fast irgendwann mal so günstig wie das Pipeline-Gas aus Russland. Das sagte zumindest einer aus der Wirtschaftsdelegation hier, der CEO der RheinEnergie, Andreas Feicht. Man ist auf diesem Weg dahin, diese Gaspreise wieder so runterzuholen. Und liebe Helene, das ist eben notwendig. Wir haben eine chemische Industrie. Wir haben einen Industriestandort, der dringend Gas braucht als Prozessenergie für die Produktion teilweise. Und insofern müssen wir bei der Energieversorgung uns diversifizieren. Das ist ihr Auftrag.

Sprecher 3: Noch eine Frage, eine Nachfrage zu Katharina Reiche, denn sie hat ja... Bei Amtsantritt und danach ziemlich rhetorisch sich von Habeck abgegrenzt, hat davon gesprochen, dass das Heizungsgesetz abgeschafft wird, so steht es auch im Koalitionsvertrag, hat gesagt, sie wollen so ungefähr alles anders machen. Und nun sagst du uns, sie will eigentlich alles gar nicht so anders machen als Habeck. Wie passt das zusammen? Ist das nur eine andere Rhetorik oder gibt es substanziell doch irgendeinen Unterschied? Also es kann ja fast nicht... sein, dass sie es genauso macht, wenn sie ganz anders spricht.

Sprecher 2: Nee, gemach, gemach. Ein bisschen differenzierter ist es dann schon. Natürlich macht sie nicht alles genauso. Sie hat an Tag 1 übrigens Robert Habeck erstmal gelobt. Das wird gerne wieder vergessen bei der Amtseinführung. Und dann hat sie ihre eigenen Schwerpunkte gesetzt. Ja, was erwartet man denn auch von einer CDU-Ministerin? Und sie möchte mehr Gas, schneller Gas bauen. Sie will Genehmigungen vereinfachen. Sie hat keine Probleme mit LNG-Gas, übrigens auch keine Probleme mit Fracking-Gas und CCS. Da ist sie ideologisch natürlich befreit, weil sie dort diese Kämpfe nicht austragen muss. Aber sie sieht die Zukunft genau wie alle Energie-CEOs, die ich hier bei der Wirtschaftsdelegation kennengelernt habe, natürlich in einer klimaneutralen Industrie. Und sie sieht eben auch diesen Hochlauf der Wasserstoffkraftwerke. Sie sieht die Erneuerbaren. Sie sieht, was hier möglich ist in der Wüste mit Solartechnologie, mit Recyclingwirtschaft. Aber sie will diversifizieren. Sie zitiert immer gerne einen Autor, Dan Jürgen heißt er, aus ihrer Sicht der Energiepapst, der vor wenigen Wochen in Foreign Affairs, einem Magazin, mal geschrieben hat, kein Energieträger ist in der Geschichte der Welt jemals komplett ersetzt worden. Der Hunger der Nationen für Energie, gerade auch dieser wachsenden Boom-Region, wie zum Beispiel hier der Emirate, der sei so groß, dass immer alles on top gekommen sei. Von der Kohle zu Gas, vom Gas zu den Kernkraftwerken, dann zu den Renewables. Und hier in der VAE spricht sie mit den Leuten über die Technologien der Zukunft. Zum Beispiel übrigens auch über Fusionstechnologien. Und einer war an Bord, der genau das macht und da rein investiert. Nämlich der CEO von Marvel Fusion, Moritz von der Linden. Den habe ich auch mal gefragt, was diese Reise hier eigentlich bringen soll und was seine Technologie beitragen kann. Hören wir mal kurz rein. Einen schönen guten Tag, Herr von der Linden.

Sprecher 4: Grüße, Herr Brücker.

Sprecher 2: Was bringt uns Deutschland eine engere Partnerschaft mit dieser Region?

Sprecher 4: Ich glaube, die Emirate haben eindrucksvoll gezeigt, wie sie von Öl und Gas ein Wirtschaftswachstum in anderen Bereichen aufbauen können. Inzwischen steht die weltgrößte Aluminiumhütte hier. Computing und AI werden nachhaltig hierher gezogen. Und ich glaube, es ist eine Blaupause, wie man eine wirtschaftliche Transformation mit Wachstum eindrucksvoll kombinieren kann.

Sprecher 2: Vor wenigen Monaten hat US-Präsident Donald Trump neue Investitionsvereinbarungen in einer Summe von 200 Milliarden Dollar verkündet mit VAE. Wir freuen uns über einen Exportrekord von 10 Milliarden Dollar. Kommt alles zu spät? Sind wir vielleicht sogar zu mutlos hier?

Sprecher 4: Wir freuen uns ja schon, wenn Google für 5 Milliarden ein Datencenter in Deutschland baut. Ich glaube, dass wir dealorientierter sein müssen, dass wir... Zielgerichteter wirtschaftliche Vereinbarungen mit den Emiraten treffen müssen, die zum wirtschaftlichen Nutzen beider Seiten sind. Und es gibt hier eine dedizierte Strategie für nationale Souveränität. und nationale Champions und ich glaube, dass deutsche Unternehmen gemeinsam mit den Emiraten sehr erfolgreich solche Projekte aufbauen können.

Sprecher 2: Energiepolitische Souveränität ist ein Thema. Erstmals wird ein arabischer Großkonzern Mehrheitseigner eines deutschen Chemieunternehmens. Ist das jetzt ein Zeichen der Stärke, weil wir so tolle Unternehmen haben oder ist das auch ein Signal, dass der deutsche Industriestandort teilweise nicht mehr überlebensfähig ist?

Sprecher 4: Die deutsche Energiepolitik der letzten 20 Jahre, spätestens seit Fukushima, hat eigentlich die Blaupause geliefert, wie man es nicht macht. Wir haben ca. 800 Milliarden an Subventionen auf Wind- und Solarlein gelegt, haben heute die höchsten Energiepreise der Welt nach Polen, den zweithöchsten CO2-Ausstoß in Europa. Und befinden uns an einem Punkt, wo wir keinen Lösungsraum haben, um für energieintensive Industrien, wie zum Beispiel eben die Chemieindustrie, wettbewerbsfähige Grundlastenergie schaffen müssen. Und dafür steht... Perspektivisch natürlich Marvel Fusion, dass wir über die nächsten zehn Jahre wettbewerbsfähige Energie für die deutsche Industrie dann liefern können.

Sprecher 2: Sie sind ein gutes Beispiel für neue, auch moderne Technologien im Energiebereich. Aber sie sind auch hier, wahrscheinlich auch, weil das Geld in Deutschland oder in Europa fehlt. Die Tiefe des Kapitalmarkts, höre ich hier bei jedem Wirtschaftslenker, ist entscheidend. Hier ist das Geld, was wir in Deutschland irgendwie nicht zustande kriegen, nicht haben. einfach nicht aktiviert bekommen.

Sprecher 4: Ich denke, dass wir nach wie vor in Deutschland das Geld haben. Es findet nur nicht den Weg in Zukunftstechnologien. Wir versuchen, Altes zu bewahren und nicht, wie der neue Nobelpreisträger Philippe Agiant, auch Altes mal vergehen zu lassen, um Neues aufzubauen und damit auch neues Wachstum zu schaffen. Und natürlich ist für Marvel Fusion Wachstumskapital in der jetzigen Phase bis zur Kommerzialisierung absolut erfolgskritisch. Und die Emirate haben gezeigt, dass sie solche Investitionen sehr nachhaltig und sehr langfristig tätigen.

Sprecher 2: Glauben wir nicht an unsere eigenen Unternehmen, investieren unsere Family Offices, die gerade hunderte von Milliarden in die USA gebracht haben, nicht an die deutschen Unternehmen? Oder fehlt da auch die Unterstützung der Politik?

Sprecher 4: Die Politik sollte zur Kenntnis nehmen, dass es diese Kapitalströme gibt und entsprechende Incentives setzen, dass deutsche, aber auch ausländische Investoren in Deutschland investieren. Ich glaube, wir haben überragende Unternehmer, wir haben nach wie vor überragendes Engineering und wir müssen uns dort von niemandem verstecken. Aber selbstverständlich muss die Politik dann auch die entsprechenden Akzente setzen, damit diese Unternehmen erfolgreich sein können.

Sprecher 2: Das klang jetzt sehr diplomatisch, Herr von der Linden. Sie dürfen ruhig mal ein bisschen konkreter fordern. an die Politik stellen. Es geht hier um den Erhalt des Industriestandorts Deutschland. Sind die Wirtschaftslenker, und es sind wirklich Hochkarätige ja hier, sind die immer noch zu brav oder zu leise, was eigentlich die Lage in Deutschland betrifft?

Sprecher 4: Ja, es braucht ein paar radikale Reformen, insbesondere natürlich des Rentensystems, der Kapitalanlagerichtlinien zum Beispiel für Versicherungen. Wir brauchen für Deutschland einen Zukunftsfonds, der sich vielleicht teils vom Staat, aber dann insbesondere auch von privaten Investitionen, speisen sollte, um diese Investitionen umzusetzen. Dafür braucht es einen Bruch mit der bisherigen Umverteilungsmentalität, Altes zu schützen und zu bewahren und Neues nicht hinreichend dann fördern zu können. Daran anknüpfend sollte die Politik die entsprechenden Kapitalströme ins Inland lenken, wie gesagt, sowohl von deutschen als auch von ausländischen Investoren.

Sprecher 2: Vielen Dank für dieses Gespräch.

Sprecher 4: Danke Ihnen.

Sprecher 3: Michael, und in diese Reise platzte dann auch noch die Nachricht, auch wenn sie schon ein paar Tage alt ist, dass Covestro, ein deutsches Unternehmen, einst gehörte es zur Bayer AG, nun von einem arabischen Staatskonzern aufgekauft wurde. Also ein Filetstück der deutschen... Wirtschaft kann man sagen, ein Kunststoffhersteller nun in arabischer Hand und zwar in Staatshand dort. Was sagt das eigentlich über den Zustand unserer Unternehmen? Werden die nun von der arabischen Welt aufgekauft? Wie waren die Reaktionen? Wie findet Reiche das eigentlich?

Sprecher 2: Ja, genau so ist das, Belene, denn die kleineren Chemieunternehmen in Europa oder auch in Deutschland sind nicht wettbewerbsfähig. Neben der BASF und Linde gibt es kaum Chancen für diese kleineren, in diesem Fall ehemalige Materialstoffsparte von Bayer, Material Science. Die sind zu klein für den Weltmarkt, denen fehlt das Geld, um zu wachsen. Wir geben es ihnen nicht. Die Verfahren, die Genehmigungen, aber auch die Energiekosten in Deutschland sind zu hoch für dieses Unternehmen, um schnell wachsen zu können oder aus dem Cashflow zu investieren. Und da kommt das frische Kapital aus den Emirate gerade recht. Und ja, es ist ein Staatskonzern. Wir reden über Adnok, eigentlich ein Ölkonzern, der jetzt auch in neue grüne Technologien investiert und die sehr viel Geld geben und erstmals eben dieses traditionsreiche Unternehmen und damit eines der ältesten Unternehmen in Deutschland mit Mehrheit ausstatten und komplett kaufen. Sie sieht es als Chance.

Sprecher 5: Zunächst erstmal ist es eine Auszeichnung für ein Unternehmen, das Weltmarktführer in Material Science ist. Das Engagement sehe ich als eine gute Kooperation, für mein Wachstum zu sorgen. Es zeigt den hohen Stellenwert, den die chemische Industrie in Deutschland hat. Das zeigt aber auch, dass wir Haushalt... Aufgaben machen müssen, wenn es darum geht, energieintensive Industrien in Deutschland zu halten. Zu hohe Energiekosten, auch zu viel Regulierung, Bürokratie, hohe Belastung des Faktors Arbeit, lange Genehmigungsdauern, wenn es um Erweiterung geht. Wir müssen auch zurück zu Wachstum. Das erwarten die Partner in der Golfregion von Linz und ich finde auch, das ist so wichtig.

Sprecher 2: Aber natürlich, und so sagt es ein anderes Mitglied der Wirtschaftsdelegation, zeigt das auch den relativen Abstieg. Denn die VAE investiert Milliarden. Die haben jüngst mit dem US-Präsidenten Donald Trump zusammen hier 200 Milliarden Dollar Investitionsvereinbarung unterzeichnet. Dagegen wirkt all das, was wir machen in Deutschland, ein bisschen klein, ein bisschen mutlos. Und die Frage ist, wie geht das eigentlich weiter mit diesem relativen Abstieg?

Sprecher 3: Zu dem Problem der deutschen Wirtschaft gehört natürlich die teure Energie, die teuren Strompreise auch. Und deshalb bemüht sich die Bundesregierung und eben auch Katharina Reiche ja um eine Diversifizierung. Man will einerseits natürlich nicht abhängig sein, die Lehren aus der Abhängigkeit von Russland und andererseits... Soll Energie künftig günstiger sein? Veronika Grimm ist auch Teil der Delegation, die Sachverständige und Experten für diese Energiefragen. Und sie sieht die Region als interessanten Partner und weist eben darauf hin, im Gespräch mit dir, Michael, dass es dort eben nicht nur Öl und Gas gibt, sondern auch allerlei Technologie der Zukunft. wo sich Deutschland ein Vorbild nehmen könnte. Hören wir mal rein, was sie gesagt hat.

Sprecher 2: Einen schönen guten Tag Frau Grimm.

Sprecher 6: Hallo Brücker.

Sprecher 2: Frau Grimm, wir sind in der VAE und versuchen hier auf vielfältigen Feldern neue Wirtschaftskooperationen und Partnerschaften zu finden. Warum diese Region, warum dieses Land?

Sprecher 6: Ja, die Region ist total interessant, vor allen Dingen, weil ja jetzt auch die USA sich der Region mehr öffnen mit der Friedensinitiative im Nahen Osten. Und hier passiert viel im Bereich künstliche Intelligenz, im Bereich Food, im Bereich Energie natürlich, Chemie, aber auch im Bereich Forschung und Entwicklung. Und hier sind viele Sachen möglich, die bei uns durch Regulierung eigentlich versperrt sind. Und deswegen ist es so interessant, mit denen zu reden und auch zu überlegen, welche Wertschöpfungsketten kann man teilen, wo wird in Zukunft gehandelt. Das ist ein verlässlicher Partner in der Region und eigentlich der interessanteste Partner in der Region für Deutschland und Europa.

Sprecher 2: Das müssen Sie uns noch mehr erklären, weil ich hatte das Gefühl, man fährt hier hin, weil man billiges Gas und vielleicht sogar noch Öl oder vielleicht auch noch Wasserstoff haben will, aber vor allem Energie. Hier ist mehr drin als das, was wir glauben in Deutschland.

Sprecher 6: Ja, ganz sicher. Die VAE haben sich schon sehr früh im arabischen Raum auf das Ziel der Klimaneutralität fokussiert, sind sehr aktiv im Bereich der erneuerbaren Energien, aber eben auch im Bereich Forschung. Viele Kooperationen, vor allen Dingen mit US-amerikanischen Universitäten sind hier. Und man sieht ja jetzt auch, dass sie im Bereich Chemie, Grundstoffe aktiv sind, aber eben auch bei den ganzen Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz. Man möchte hier große Gigafactories bauen und sowohl hier, Aber auch als Serviceleistung für andere praktisch in diese Märkte einsteigen. Und das ist attraktiv für uns, aber es ist auch ein bisschen bedrohlich, weil wir sehen, wie schnell wir diesen Regionen gegenüber zurückfallen werden, wenn das alles realisiert wird.

Sprecher 2: Warum fallen wir zurück? Weil die autokratisch regiert, mit großen Plänen und sehr viel Geld wirklich umsetzen können, was sie wollen, weil sie schneller, dynamischer sind. Sie sind doch nicht technologisch weiter als wir, oder doch?

Sprecher 6: Nein, das sind sie sicherlich nicht, aber bei uns darf man vieles nicht, was man hier macht. Smart City mit KI, autonomes Fahren mit KI, aber zum Beispiel auch Medizin oder Chemie mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Alles, wo der Mensch involviert ist und beobachtet werden könnte, das ist bei uns schon mal den Firmen verschlossen. Deswegen wird das hier passieren und in einem viel größeren Tempo. Bei uns würde das auch passieren, wenn man die Regulierung anpasst, aber das ist noch ein langer Weg, bis man unsere Gesellschaft überzeugt, dass das eigentlich dringend notwendig ist, weil es auch sonst so ist, dass wir sicherheitspolitisch massiv von Regionen, die hier voranschreiten, abhängig werden.

Sprecher 2: Liebe Frau Grimm, wie immer danke für diese fundierte Analyse und bis zum nächsten Mal.

Sprecher 6: Ich danke Ihnen.

Sprecher 2: Das war Veronika Grimm. Sie ist auch morgen wieder mit dabei. Dann geht es zum E-Mail nach Katar. Ich melde mich dann aus anderer Stelle wieder. Bis später.

Sprecher 3: 3,6 Milliarden Menschen seien direkt vom Klimawandel betroffen. Das sagt Annalena Baerbock. Die ehemalige Außenministerin und jetzige Präsidentin der UN-Generalversammlung fordert auf der COP30 in Belang, dass internationale Zusammenarbeit beim Klimaschutz besser funktionieren soll. Warum Baerbock den Klimawandel für die größte Sicherheitsbedrohung unserer Zeit hält und in welcher Rolle sie eigentlich auf dieser Klimakonferenz auftritt, das hat sie mit unserem Kollegen Bernhard Pötter besprochen.

Sprecher 7: Was macht die Präsidentin der Generalversammlung auf der KUP? Sie haben ja eigentlich keine, Sie verhandeln nicht, anders als in den letzten Jahren. Sie haben eine repräsentative Rolle oder was ist die Aufgabe?

Sprecher 8: Um die Botschaft der Staaten dieser Welt auch auf diese Klimakonferenz zu bringen, dass Klimaschutz, nachhaltige Entwicklung, also die Erfüllung der SDGs und Frieden und Sicherheit aufs engste miteinander verbunden sind. Und mit kurzem Zwischenstopp in New York komme ich eigentlich direkt vom zweiten World Social Summit. Wo sich die Staats- und Regierungschefs der Welt dafür verpflichtet haben, Ziele wie Bekämpfung des Hungers 2030 zu erreichen. Aber genau dieses Ziel können wir nur gemeinsam auf der Welt erreichen, wenn wir die Klimakrise in den Griff bekommen, weil die Klimakrise... Die größte Sicherheitsgefahr dieses Jahrhunderts ist und vor allen Dingen eben den Hunger in der Welt. Welt befördert, weil die Lebensgrundlagen einfach in so vielen Regionen mittlerweile zerstört werden.

Sprecher 7: Die UNO steht ja im Augenblick massiv unter Druck, Geldsorgen, es gibt eine große Reformdebatte. Im nächsten Jahr wird es noch einen Generalsekretär geben. In diese ganzen Veränderungen, wird das Thema Klima da in irgendeiner Weise eine Rolle spielen?

Sprecher 8: Das Gute ist, dass wir... Über die Frage, ob Klimaschutz wichtig ist, in den Vereinten Nationen überhaupt nicht mehr reden müssen. Weil die Realität zeigt es den Menschen überall auf dieser Welt, im Norden, im Süden, im Westen, im Osten, tagtäglich. Und anders als noch vor zehn Jahren in Paris, als dieser berühmte Weltklimavertrag verabschiedet wurde, im Übrigen auch nach einer absoluten Zeit der gescheiterten Konferenzen, tauchte zum Beispiel das Wort erneuerbare Energie nur einmal im Verhandlungstext auf. Ich kann mich noch persönlich sehr genau daran erinnern, weil ich als junge Abgeordnete vor Ort war. Das Wort Kohleausstieg in den Mund zu nehmen, war auf der Konferenz fast eine Sünde und in Deutschland wurde man dafür ausgelacht. Heute haben wir international beschlossen, dass die gesamte Weltgemeinschaft aus den fossilen Energien schrittweise aussteigt. Die Finanzmärkte haben entschieden, die Zukunft sind saubere Energien. Aus diplomatischer Sicht ist ein kleines Wunder passiert. Zehn Jahre sind nichts in der internationalen Politik, dass es eine absolute Revolution gegeben hat, dass die Welt entschieden hat, raus aus den fossilen Energien. in Energien zu gehen und in Sauberes zu investieren. Und auf der anderen Seite ist man natürlich mit den Auswirkungen vor Ort. Spürt man jeden Tag, dass wir zugleich zu langsam sind. Also es ist eine Parallelität, dass wir angesichts der Klimakrise zu langsam sind, aber angesichts dessen, wie die internationale Politik tickt, Unglaubliches vollbracht haben, nämlich gemeinsam eine absolute Technologierevolution gestartet.

Sprecher 7: Die Erzählung hier ist inzwischen gar nicht mehr, wir müssen das Klima schützen, um die Menschen zu schützen, sondern das ist die Investitionsgeschichte des 21. Jahrhunderts. Also es hat sich auch was verändert in der Sprache auf dieser Konferenz. Es ist viel weniger eine Umweltkonferenz, sondern es ist eine Wirtschaftskonferenz, die sagt, das sind die Erneuerbaren, das sind die Märkte der Zukunft.

Sprecher 8: Früher haben wir über Eisbären geredet und heute reden wir über Kapitalanlagen, sondern es ist eher eine Wirtschaftskonferenz. Es ist eine Konferenz von Innovation, wo sich die Future Leaders of the World, die zukünftigen Verantwortlichen der Welt treffen. Sei es junge Studierende, die neueste Technologien entwickelt haben, wie man mit Solarenergie verseuchtes Wasser nutzen kann als Trinkwasser. Sei es Kapitalanleger, die sagen, wir wollen in die Zukunftsmärkte investieren. Und sei es Regierungen, die mittlerweile eben auch fern von den Klimakonferenzen in bilateralen Abkommen und Verträgen erkennen, dass es auch eine geopolitische Win-Win-Situation ist. Das war auch der Grund, warum wir damals mit der Klima-Außenpolitik so mit Inselstaaten kooperiert haben. Wenn man in Infrastruktur investiert, wo gerade alle daran interessiert sind, China tut das, die Golfstaaten tut dann, dann ist das eben auch da keine Charity oder keine Almosen. Das ist Geopolitik im 21. Jahrhundert, nämlich durch Infrastruktur, durch Energiepartnerschaften miteinander vernetzt zu sein.

Sprecher 3: Flo, jetzt ist es gerade hell geworden, noch nicht mal ganz. War noch was?

Sprecher 9: Tja, Helene, falls du dich erinnerst, vor sechs Jahren hat ja das EU-Parlament entschieden, dass wir diesen Spaß mit der Zeitumstellung, den die meisten Leute nicht so cool finden, einfach mal sein lassen. Und seitdem ist ja bekanntermaßen exakt nichts passiert. Wir stellen immer noch fleißig zweimal im Jahr die Uhr um und leben mit den Konsequenzen, die man daraus dann...

Sprecher 3: Wobei ich sagen muss, dass das letzte Märzwochenende, wenn die Zeit wieder, ich weiß immer nicht, ob man sagt vor oder zurück, aber jedenfalls, wenn die Tage wieder länger werden auf einen Schlag, ist für mich immer wirklich ein Höhepunkt des Jahres. Wenn dann plötzlich es um 19 Uhr... Noch hell ist und nicht wie jetzt. Ich finde es wirklich furchtbar, um 16 Uhr dunkel wird. Also ich finde, wenn es dann irgendwie das nicht immer nur in kleinen Trippelschritten Verbesserung sich einstellen, sondern mal ein großer Schritt gemacht wird, finde ich immer ganz toll. Aber umso mehr leide ich immer Ende Oktober. Wenn es in die andere Richtung geht. Da bist du nicht die Einzige. Alles ein Paternoster, hoch und gleichzeitig runter.

Sprecher 9: Zwei Seiten der Medaille. Aber Italien könnte jetzt Bewegung in das Spiel bringen. Gestern wurde ein Antrag ins Parlament eingebracht, der jetzt dazu führen soll, dass die Winterzeit in Italien für immer abgeschafft wird. Also Italien will auf der Sommerseite des Lebens in Zukunft wohnen. Der Ausgang ist weiterhin offen. Es gibt natürlich wie immer sofort Kritiker, die sagen, oh nein, wenn Italien jetzt eine Entscheidung trifft, dann bringt das ja alles durcheinander. Wenn dann jeder für sich entscheidet. ob er Sommer- oder Winterzeit macht, dann haben wir in der EU mehrere verschiedene Zeitzonen. Aber das ist natürlich wieder nur der Worst Case bis dahin. Kann noch sehr viel passieren. Es kann natürlich aber auch sein, wenn einer mal anfängt, dass alle dann nachziehen und dann sagen, so jetzt haben wir uns geeinigt, Italien geht voraus, wir folgen, Sommerzeit it is.

Sprecher 3: Ja, es ist nichts undenkbar und dennoch haben wir in der EU bisher nicht beobachtet, dass wenn einer vorangeht, einfach alle anderen mitziehen und wir europäisch an einem Strang ziehen. Aber Flo, man sollte die Hoffnung nie aufgeben, dass man die Zeit vielleicht doch irgendwie zurückdrehen kann und wir alle nochmal...

Sprecher 9: Oder irgendwann nicht mehr zurückdrehen kann.

Sprecher 3: Oder nicht mehr zurück, aber manchmal denke ich so, wie schön wäre es noch einmal... 21 zu sein oder vielleicht sagen wir mal 28. Das war kein schlechtes Alter. Vielleicht sogar 30.

Sprecher 9: Wenn wir noch ein bisschen warten, dann landen wir dann auch bei ganz anderen Zahlen.

Sprecher 3: Wenn wir noch einige Jahre warten, landen wir vielleicht bei 44. Who knows? Mal sehen, so schlecht ist es alles nicht und wir freuen uns, wenn Sie morgen wieder dabei sind. Tschüss.

Sprecher 9: Ciao.

Sprecher 10: I didn't really mean to hurt you. I didn't want to see you go. I know I made you cry. But oh, am I going to turn back time? Me if I could find a way. I take back those words I heard you. If I could reach the stars. I give them all to you. And you love me, love me like you used to do. If I could find a way. And baby, baby, baby, you stay.