Der Aufstand der Jungen
Dauer: 23:28

Der Aufstand der Jungen

Die Junge Union ist fest entschlossen, das geplante Rentenpaket der Bundesregierung zu verhindern. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union hat der JU-Vorsitzende Johannes Winkel seine Kritik wiederholt.

In seiner Rede erinnerte Winkel daran, wie groß die Unterstützung der Jungen Union für Friedrich Merz in der Vergangenheit gewesen sei. „Ohne die Junge Union wäre Friedrich Merz nicht Parteivorsitzender und ganz bestimmt nicht Kanzlerkandidat geworden.“ Merz habe ich sich immer auf die Junge Union verlassen können. In der Rentenfrage, sagte Winkel, „verlässt sich die Junge Union Deutschlands auf Friedrich Merz.“

[05:37]


Finanzminister Lars Klingbeil reist als erster hochrangiger Vertreter der schwarz-roten Bundesregierung nach China. Er nimmt dort am deutsch-chinesischen Finanzdialog in Peking teil.

Angesichts der Spannungen der vergangenen Monate ist die Reise nicht ohne Brisanz. 

[01:15]


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Transkript

Sprecher 1: Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Table Today Podcast. Heute live aus dem Europapark in Rust vom Deutschlandtag der Jungen Union. Wir fahren hier heute quasi Achterbahn mit der JU, zumindest Achterbahn der Gefühle. Und auf dieser Achterbahnfahrt befindet sich derzeit nicht nur die Schwarzbrotte Koalition, sondern eben auch die Union selbst. Denn der Frust über den Kanzler, der wächst und der Blick auf die Arbeit der Bundesregierung, der wird zunehmend kritisch, vor allem bei den Jungen. Was genau das Problem ist, darüber habe ich mit vielen von Ihnen schon im Bundestag, aber auch hier auf dem Deutschlandtag gesprochen. Und auch wir, Flo, wollen gleich nochmal über die Themen und die Situation, in der sich Friedrich Merz hier befindet, sprechen. Mehr dazu gleich.

Sprecher 2: Aber wir müssen natürlich auch auf den Vizekanzler gucken, Lars Klingbeil. Der fliegt als erster Vertreter dieser Regierung nach China. Was genau er davor hat und wieso die Wirtschaftsvertreter vor Ort sauer sind, darüber sprechen wir auch nochmal mit unserer Redaktionsleiterin des China Table, Amelie Richter.

Sprecher 1: Es ist Samstag, der 15. November und wir legen los.

Sprecher 2: Lars Klingbeil wird jetzt endlich als erster Vertreter dieser Regierung nach China reisen. Außenminister Wadephul und Kanzler Friedrich Merz hatten zwar angekündigt, nach China zu reisen, hatten dann aber kurz vorher zumindest offiziell ihre Reisen verschoben, böse Zungen behaupten, abgesagt. Das bringt Klingbeil aber in eine eher unangenehme Situation, denn die deutschen Firmen, die auch in China vertreten sind, erwarten vor allen Dingen mehr Unterstützung von dieser Regierung. Der Zollstreit mit den USA und die Handelsbeschränkungen mit den seltenen Erden haben die deutschen Unternehmen auch getroffen. Zwar nicht bewusst, sondern eher so als Kollateralschaden, aber der Effekt bleibt am Ende ja der gleiche. Klingbeil wird sich also jetzt mit Wirtschaftsvertretern und mit Mitgliedern der Kommunistischen Partei treffen. Was dabei von ihm erwartet wird, das weiß Amelie Richter. Sie ist die Redaktionsleiterin unseres China Tables und begleitet Lars Klingbeil auch auf dieser Reise. Freue mich sehr, dass du heute da bist. Hallo Amelie.

Sprecher 3: Hallo, guten Morgen, Flo.

Sprecher 2: China ist ja für deutsche Unternehmen nach wie vor ein unfassbar wichtiger Markt. Wie sehen denn jetzt deutsche Unternehmen die Reise des Finanzministers?

Sprecher 3: Die deutschen Unternehmen in China haben ziemlich gemischte Gefühle bei der ganzen Reise, was wir so gehört haben von Gesprächen in Peking und in Shanghai. Viele Firmen wünschen sich, dass Berlin... Die Lage vor Ort, also die Lage der Unternehmen ein bisschen ernster nimmt. Der sehr harte Wettbewerb, steigender Preisdruck, es gibt eine starke Lokalisierungspflicht und natürlich auch ein sehr anstrengendes Risikomanagement, wenn man es mit China zu tun hat. Und das alles belastet. Die Unternehmen sehr. Besonders auch das Thema Exportkontrollen bei seltenen Erden ist für viele immer noch entscheidend. Die Verfahren, die es dort gibt in China, sind sehr langwierig und oft auch unberechenbar. Man weiß also nicht so wirklich, wann man seine Rohstoffe rausbekommt. Trotz aller Probleme hat man aber auch gesehen, jetzt im letzten World Business Outlook von der AHK, dass die Unternehmen vor Ort auch wieder mehr investieren, was aber auch einfach ein Zeichen dafür ist, dass man dort eine komplette zweite Lieferkette aufbaut, die eben dann nur für China gedacht ist.

Sprecher 2: Jetzt ist ja seit Jahren in Deutschland so ein bisschen das Credo, die Risking und die Coupling von China. Welche Spannung gibt es denn in Deutschland noch so rund um die China-Politik? Wo ist man sich da uneinig?

Sprecher 3: In Deutschland ist die China-Politik ein richtiges Streitthema. Die Union und auch die SPD wollen einen deutlich kritischeren Kurs gegenüber China, auch wegen der Verhalten in der Taiwanstraße und im südchinesischen Meer. Andere Stimmen sagen, aber wir haben schon genügend Konflikte. Wir müssen viel mehr auf Dialog gehen und auch einfach viel transaktionaler werden, was die Beziehung angeht. Also weniger Werte geleitet, sondern mehr schauen, was brauchen wir von China, was wollen die dafür von uns haben und dass man eben weniger ideelle Werte mit reinbringt in dieses Verhältnis. Und das ist eine richtige Gratwanderung. Das wird man auch jetzt bei der Reise sehen.

Sprecher 2: Das ist natürlich schon mal keine gute Ausgangslage, wenn man intern, also in Deutschland schon nicht so richtig weiß, wie man jetzt mit China umgehen will und dann nach außen so ein großes Treffen kommt. Kann denn Klingbeil da jetzt überhaupt irgendeine große... Botschaften mitbringen nach China, ohne dass er dann intern schon wieder für Riesenstreitereien sorgt?

Sprecher 3: Ich glaube im Moment ist es generell schwierig, dass man nicht für Ärger sorgt in Berlin mit egal was man macht, wenn es ums Thema China geht, weil es einfach super polarisiert ist. Ich denke aber, dass Klingbein China vor allem zwei Dinge versuchen wird, den Unternehmen vor Ort zeigen, dass die Anliegen ernst genommen werden und dass man sich darum bemüht, dass es eine Verlässlichkeit bei Exportkontrollen gibt und halt auch faire Wettbewerbsbedingungen. Und gleichzeitig wird er wahrscheinlich versuchen, die politischen Beziehungen jetzt ein bisschen zu stabilisieren, nachdem das eben in den letzten Wochen schon ein bisschen diplomatische... Konflikte gab, was Berlin und Peking angeht. Es gibt auch Herausforderungen natürlich dabei. China kann klar versuchen, die unterschiedlichen Positionen innerhalb der deutschen Politik auszunutzen, die verschiedenen Seiten ein bisschen gegeneinander auszuspielen. Und deswegen ist es wichtig, dass Klingbeil schaut, dass es da eine Balance gibt und eben eine, wie so oft zitierte, Außenpolitik aus einem Guss, wie man sagt.

Sprecher 2: Also keine leichte Aufgabe für Lars Klingbeil, Vizekanzler und Finanzminister da in China, nach außen und nach innen keine neuen Konfliktherde aufzumachen. Amelie, du bist ja dabei bei der Reise und wirst uns dann auf jeden Fall nochmal ein Update geben, ob ihm dieser Spagat gelungen ist zwischen neuen Beziehungen aufbauen oder Beziehungen verbessern und auch die deutsche Position vernünftig vertreten. Danke, dass du heute Morgen da warst.

Sprecher 3: Gerne. Einen schönen Tag noch.

Sprecher 4: Liebe Freunde, ich glaube nicht, dass wir uns hier weit aus dem Fenster wagen und weit aus dem Fenster lehnen, wenn wir sagen, ohne die Junge Union wäre Friedrich Merz nicht Parteivorsitzender und ohne Parteivorsitzender ganz bestimmt nicht Kanzlerkandidat geworden. Insgesamt kann man sagen, ohne die JU hätte die CDU diese Bundestagswahl nicht gewonnen, liebe Freundinnen und liebe Freunde. Und ich war dann schon überrascht, wie eigentlich die Sondierungsverhandlungen gelaufen sind. Die Generationengarantie, die wir jahrelang eisern verteidigt haben, die war nach wenigen Tagen Geschichte. Das war die Schuldenbremse. Liebe Leute, ich will mal eines sagen, es bringt nichts, Geld in ein kaputtes System zu stücken. Wir müssen echte Reformen haben und wir brauchen den Mut zu echten Reformen in Deutschland. Dauerhafte Neuverschuldung bringt nichts. Politik ist Reform. Und daraus ergibt sich doch die entscheidende Sache, die wir uns dieses Wochenende klar machen müssen. Dieses Rentenpaket mit den Folgekosten von 120 Milliarden Euro über den Koalitionsvertrag hinaus, das darf auf keinen Fall so kommen, liebe Freundinnen und liebe Freunde. Und eines ist doch klar. Friedrich Merz konnte sich immer auf die Junge Union verlassen. Und jetzt in dieser Frage verlässt sich die junge Union Deutschlands auf Friedrich.

Sprecher 1: Vielen Dank. Ja, das ist in der Politik so eine Sache mit der Generationengerechtigkeit. Alle versprechen es immer gerne, aber oft wird dann eben doch nicht viel weiter als bis zum nächsten Wahltag geplant. Und deshalb hat es mittlerweile fast Tradition, dass die Jugendorganisationen ihren Parteien, besonders dann, wenn sie regieren, ein bisschen auf die Finger schauen.

Sprecher 2: Dabei muss man aber sagen, die Junge Union ist ja eigentlich fast schon handzahm. Also wenn man sich überlegt, was beispielsweise die Grüne Jugend oder auch die Jusos ihren Parteispitzen in der Vergangenheit an den Kopf geworfen haben.

Sprecher 1: Ja, absolut, Flo, da hast du total recht. Und deshalb ist es jetzt besonders spannend, dass die Junge Union gerade für solche Furore in der schwarz-roten Koalition sorgt. Also das ist ausgerechnet die eigentlich so handzame Junge Union ist. Die hat aber jetzt nun mal eine Sperrminorität in der Koalition. Also die Junge Union stellt 18 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Das ist die junge Gruppe. Es ist jetzt nicht das Gleiche, aber doch gewissermaßen eine Art verlängerter Arm, kann man sagen. Und die Koalition hat eben nur eine Mehrheit von zwölf Stimmen. Sprich, wenn die jungen Abgeordneten sagen, wir machen nicht mit, dann hat Merz plötzlich ein Problem, weil ihm dann nämlich sechs Stimmen fehlen. Und das war in der vergangenen Legislaturperiode, als Olaf Scholz plötzlich ein extrem gutes Ergebnis gegen Armin Laschet geholt hat und dann ganz viele Jusos in die SPD-Fraktion gespült wurden. Ein Riesenthema. Und bei der Jungen Union ist es... Das ist Anfang der Legislaturperiode gar nicht so sehr aufgefallen, weil niemand auf die Idee gekommen ist, dass die nochmal so Ärger machen könnten.

Sprecher 2: Tja, und wenn es dann irgendwann mal so ist, dann denkt man sich immer mal, oh, hätte man früher mal dran gedacht. Denn die junge Gruppe sorgt jetzt gerade für Ärger in der Koalition. Es geht um das Thema Rente. Sarah, das ist ein bisschen komplizierter in der gesamten Entstehungsgeschichte. Erzähl uns doch nochmal von Anfang an, damit man das nachvollziehen kann, was genau ist hier eigentlich das Problem?

Sprecher 1: Also es gibt ja das große Thema Rente, was zunehmend zum Elefanten im Raum geworden ist. Jeder weiß, da gibt es mittelfristig Finanzierungsprobleme, aber keiner will wirklich darüber sprechen, weil Lösungen, die gibt es dafür dann doch bislang nicht so richtig. Deshalb sagt man, wir lösen das mit Hilfe einer Kommission. Jetzt kennt jeder das schöne Sprichwort, wenn man nicht mehr weiter weiß, gründe einen Arbeitskreis. Und ein bisschen so ist das in diesem Fall auch. Also man hat die Hoffnung, dass man das von sich wegschieben kann, weil man eigentlich jetzt schon weiß, so richtig was Weltbewegendes wird wahrscheinlich bei diesen Kommissionen auch nicht rumkommen. Und die Erwartungen sind da bislang eher gering.

Sprecher 2: Ja, das ist natürlich interessant, weil ja gerade die Union über die hohen Sozialausgaben im Haushalt spricht. Und ein Riesenanteil dieser Ausgaben ist aber für die Rente tatsächlich. Also allein bis jetzt muss der Bund pro Jahr rund 120 Milliarden Euro zuschießen, damit dieses Umlagesystem überhaupt noch funktioniert. So, wenn man jetzt das, was geplant ist, dieses Rentenniveau festschreibt bei 48, 40 Prozent bis 2031 geht man aktuell davon aus, dass alleine im Jahr 2029 über 4 Milliarden Euro Mehrkosten entstehen. Im Jahr 2030 sind es dann schon über 9 Milliarden Euro. Und da ist die Mütterrente noch gar nicht mit eingerechnet. Die CSU fand das ja eine super Idee.

Sprecher 1: Wahlgeschenk für die CSU.

Sprecher 2: So, und auch das kostet natürlich nochmal Geld, ist ja klar. Kommt ja nicht von irgendwo her. Ab 2028 sind das auch nochmal zusätzlich 5 Milliarden Euro. Also die Kosten für die Rente, die der Bund aufbringen muss, um dieses System am Leben zu halten, steigen nach wie vor weiter rasant an.

Sprecher 1: Genau, also hier herrscht eher Sparbedarf, wenn man es so sieht. Und jetzt hat die Bundesregierung aber ein Rentenpaket beschlossen, das nicht nur nicht spart, sondern eben deutlich mehr Kosten verursacht, als, so sieht es die junge Gruppe im Koalitionsvertrag, vereinbart waren. Und da sagt jetzt beispielsweise der Vorsitzende Pascal Reddick.

Sprecher 5: Naja, wir sind vor allem koalitions- und vertragstreu. Wir haben gesagt, dass wir den Koalitionsvertrag umsetzen wollen. Und da steht zum Beispiel drin, dass wir die Halterlinie beim Sicherungsniveau bis 2031 sichern, aber eben nicht darüber hinaus. Gesetzesentwurf geht jetzt deutlich darüber hinaus und da haben wir gesagt, brauchen wir noch Nachbesserungen, sonst können wir dem so nicht zustimmen.

Sprecher 2: Ja, das klingt ja jetzt natürlich erstmal ziemlich direkt und nicht so wirklich danach, als sei man bereit, sich hier vom Kanzler nochmal einlullen zu lassen, kann man ja schon fast sagen. Also das Verhältnis ist... Ohnehin eher angespannt. Sarah, du bist ja jetzt aktuell da. Was hörst du denn da?

Sprecher 1: Ja, das Verhältnis zwischen Merz und der Jungen Union, das hat sich mit der Zeit wirklich gewandelt. Es hieß ja lange, die JU sei sein größter Unterstützerkreis. Und ich glaube, er hatte da auch echt einen Vertrauensvorschuss. Aber so richtig hat Merz das nie angenommen. Es war quasi lange eine Einbahnstraße. Merz sieht die Junge Union auch nicht als was, was er wirklich braucht, sondern eher als Jungspund, die ihm noch was beweisen müssen. Und ich erinnere mich zum Beispiel an einen Deutschlandtag zu Oppositionszeiten. Da kam Friedrich Merz zur Jungen Union und die Delegierten waren Feuer und Flamme. Also endlich einer, der uns versteht, konservative Galleonsfigur. Dann hat Merz aber, wie er das so oft tut, erst mal angefangen, den ganz großen Bogen zu spannen. Also hat von Adenauer erzählt und europapolitische Verantwortung und ganz viel Theorie. Und man merkte so, die Stimmung im Saal kippte so ein bisschen. Alle wurden immer unaufmerksamer, nahmen die Handys in die Hand. Es war 16, 15, 16 Uhr auf dem Deutschlandtag an einem Samstag. Die ersten Biere waren schon offen. Und man hatte sich eigentlich auf Stimmungsmache eingestellt. Und Merz fing dann auch noch an belehrend zu werden. Die Junge Union müsse jetzt mal den Besen in die Hand nehmen und die Scherben der CDU wieder zusammenkehren.

Sprecher 2: Das ist natürlich ein kapitaler Fehler. Also da dann nochmal jetzt den großen Bogen spannen und auch noch belehren. Da brauche ich nicht mehr dabei gewesen zu sein, um zu wissen, das kam nicht gut an, oder?

Sprecher 1: Ganz genau, das kam gar nicht gut an. Und solche Momente, die gab es eben immer wieder. Also Merz kümmert sich verhältnismäßig wenig um die Junge Union. Und wenn, dann bleibt es eben oft nur bei Versprechungen. Also er macht dann zum Beispiel Zusagen, dass er sich kümmern würde, macht es dann aber nicht. Er verspricht einen Generationenvertrag, macht dann aber Rekordschulden. Und so ist es jetzt eben auch beim Rentenpaket. Da hat Johannes Winkel gestern bei uns im Podcast ja schon mal betont,

Sprecher 4: Naja, zunächst mal hat Friedrich Merz genau diese Reform angekündigt. Er hat gesagt, in seiner ersten Regierungserklärung, und ich weiß noch genau, wie begeistert ich war, er hat gesagt, dass seine Bundesregierung mit aller Kraft einen neuen Generationenvertrag verwirklichen wird. Also auch nicht will oder könnte, sondern wird. Und wir waren als junge Abgeordnete da total begeistert von, haben es auch direkt auf allen sozialen Medien natürlich verbreitet, den Clip, um auch ein Zeichen zu setzen an unsere junge Union, aber auch an alle unter 30, unter 35, dass die Regierung sich um die junge Generation kümmert. Und deswegen ist das natürlich auch eine Erwartungshaltung, die wir haben. Wenn die Bundesregierung das selber ankündigt, dann ist natürlich auch die Erwartungshaltung da, dass man es macht. Und deswegen muss die Regierung das in den nächsten vier Jahren auch schaffen.

Sprecher 2: Ja, also es reicht ja eben nicht mehr zu sagen, ja, ich kämpfe für euch, ich bin für euch da, ich stehe für euch ein. Union will endlich mal Ergebnisse sehen, zumal März es ja vergangene Woche schon mal auf anderem Weg probiert hat zumindest.

Sprecher 1: Genau, da gab es vergangene Woche zum Beispiel Berichterstattung, die durchaus für Ärger gesorgt hat, wo das Kanzleramt eigentlich über Bande hat ausrichten lassen, dass man jetzt zu Koalitionsdisziplin aufruft.

Sprecher 2: Und das ist wirklich jetzt nicht die feine englische Art, da irgendwie zu probieren, das Problem so einzufangen, dass man einfach sagt, so sorry, wir sind eine Fraktion und da gibt es eine gewisse Disziplin, an die sich alle zu halten haben, auch die junge Gruppe.

Sprecher 1: Zumal Merz der jungen Gruppe ja im Vorfeld schon Recht gegeben hat. Also diese Debatte läuft ja seit Wochen. Und nachdem das Kabinett inklusive der CDU-CSU-Seite diesem Paket zugestimmt hat, kam die Kritik auf und Merz sagte auf die Kritik, er sehe den Punkt. Und nicht nur das, sondern es sei sowohl das Recht als auch die Pflicht der jungen Abgeordneten, darauf hinzuweisen. Die Abgeordneten der Junggruppe sehen sich also von ihrem Kanzler bestätigt. Und als die Debatte dann Fahrt aufnimmt und die SPD aber sagt, Moment mal, ihr habt dem zugestimmt im Kabinett, dieses Paket machen wir jetzt nicht mehr auf, lässt Merz über das Kanzleramt via Berichterstattung ausrichten, der SPD-Gesetzentwurf sei vom Koalitionsgericht. Vertrag gedeckt und widerspricht damit ja ganz klar der jungen Gruppe. Also ist es irgendwie kein Wunder, dass die sich jetzt am Ende fragen, was will er denn nun?

Sprecher 2: Ja, zumal er ja dann auch noch, also obendrauf als Kirsche sozusagen, das Problem jetzt gar nicht mehr selber lösen möchte, sondern auch dann noch gesagt hat, okay, pass auf, offensichtlich sind wir hier in eine Situation gekommen, die sich nicht so einfach auflösen lässt. Das ist aber jetzt Aufgabe von Jens Spahn, weil es ist ja ein Fraktionsproblem und darum hat sich der Fraktionsvorsitzende zu kümmern. Also, lieber Herr Spahn, viel Spaß mit diesem Problem.

Sprecher 1: Ja, und ich glaube, Merz unterschätzt hier eine Gruppe, die ohnehin wichtig für ihn ist. Allein schon, weil es am Ende die Junge Union ist, die Wahlkampf macht. Also das sind die, die er braucht, die in der Fläche vor Ort sind und auf die man eigentlich immer wieder bauen muss. Und die jetzt auch noch so mächtig wie nie ist, weil sie eben diese Sperrminorität im Bundestag hat. Also ist da ja jetzt durchaus dieser Machthebel für die Junge Union und ihren Vorsitzenden Johannes Winkel. Und genau da könnte es für Merz eben beim Rentenpaket jetzt gefährlich werden, wenn er sie nicht ernst nimmt.

Sprecher 2: Grundsätzlich die Gesamtsituation lässt schon mal darauf schließen, dass es heute eher ein ungemütlicher Auftritt für Friedrich Merz auf dem Deutschlandtag werden könnte. Die große Frage ist ja jetzt, Sarah, was erwartet denn die Junge Union vom Kanzler? Was ist das, womit sie besänftigen können?

Sprecher 1: Die Erwartungshaltung ist ziemlich klar. Ich glaube, es reicht nicht mehr, wenn Friedrich Merz der Jungen Union sagt, ich kämpfe für euch, weil sie diesen Versprechungen einfach nicht mehr traut. Also mir hat die Tage jemand einen Vergleich genannt, den ich sehr interessant fand, der sagte, es ist ein bisschen so, wie mit einem Vater, der einem jede Woche sagt, am Sonntag fahre ich mit dir in den Freizeitpark. Und man sitzt mit gepackten Taschen vor der Tür und wartet, dass er kommt und er kommt nicht. Und dann ruft er irgendwann an und sagt, aber nächste Woche, nächste Woche fahren wir wirklich. Und dann sitzt man wieder da und er kommt nicht. So ist man irgendwann in der Erwartungshaltung, dass er eben nicht mehr kommt, auch wenn er anruft und sagt, dass er kommt. Und an dem Punkt ist die Junge Union jetzt, glaube ich, so langsam angekommen, dass es eben nicht mehr reicht zu sagen, ich mache, sondern er muss jetzt machen. Und sie erwarten von ihm ganz klar, Dass er ganz klar sagt, ist er mit Ihnen, also sieht er das genauso wie Sie und wird er dafür kämpfen, dass Sie dieses Rentenpaket genauso in der konkreten Form, wie Sie sich das wünschen, also das Rentenniveau von 48 Prozent nicht über das Jahr 2031 hinaus, ergo keine Folgekosten. Ist er bereit dafür zu kämpfen oder erwartet er Koalitionsdisziplin von ihnen oder gesteht er vielleicht, Auch wir können das mit der SPD nicht durchsetzen. Wir müssen einen anderen Weg finden. Also bei vielen dieser Abzweigungen wird eine gewisse Unzufriedenheit entstehen. Aber ich glaube, was sie sich am allermeisten wünschen, ist eine klare Ansage. Also dass er einmal ehrlich mit ihnen ist. Und da wird Friedrich Merz heute nicht drum herum kommen.

Sprecher 2: Ja, es ist auf jeden Fall erstmal noch spannend, was er jetzt am Ende des Tages sagt. Gestern hat er aber auf jeden Fall schon mal Carsten Linnemann, den Generalsekretär, vorgeschickt. Und der hat zumindest probiert, die Situation etwas zu schlichten.

Sprecher 6: Und jetzt stelle ich mir natürlich die Frage, auch in meiner Funktion als Generalsekretär, Ja, wenn die Junge Union sich nicht zu den Sozialversicherungen äußert, Pflege, Gesundheit, Rente, ja, wer soll es denn dann machen? Ist doch eure Zukunft. Ihr müsst es doch auf die Agenda bringen. Ist doch klar. Ist doch logisch. Und dann ist die Frage, was ist denn die Rolle der Partei in diesem Prozess? Wir sind keine Adresse, keine Außenadresse des Kanzleramtes. Wir sind eine Partei, die eigenständig ist. Das müssen wir bleiben und das müssen wir auch deutlich machen. Ich kann euch eins sagen, ihr habt meine volle Unterstützung. Tut mir einen Gefallen. Wenn ihr das Gefühl habt, es muss etwas anders laufen, sagt es. Wir müssen zusammen die Zukunft gewinnen. Zusammen. Und deshalb wünsche ich euch einen erfolgreichen Deutschlandtag. Der wird viel beachtet sein. Es wird debattiert. Ich freue mich auf diesen Deutschlandtag. Ich werde heute noch einige Zeit bleiben. Wenn ihr das gewollt. Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit und wünsche euch alles Gute. Danke für euer Aufmerksamkeit.

Sprecher 2: Ja, auf jeden Fall interessanter Auftritt von Linnemann. Und morgen kommt ja dann auch noch Markus Söder. Auf den Auftritt schauen wir natürlich auch sehr gespannt. Sarah, denn die Junge Union ist auf den CSU-Chef momentan auch nicht unbedingt besonders gut zu sprechen.

Sprecher 1: Ja, das sieht man schon an dem Timeslot, den Markus Söder bekommen hat. Sonntags 10.30 Uhr, da sind ungefähr alle verkatert und sehr unaufmerksam. Und auch sonst ist man hier gerade nicht besonders begeistert von dem CSU-Chef. Also Markus Söder macht natürlich immer ein bisschen Stimmung und am Ende wird er wahrscheinlich auch den einen oder anderen Lacher provozieren. Aber insgesamt ist man doch sehr kritisch mit ihm. Die Sozialgeschenke an die CSU, die sind hier bei der jungen Generation einfach nicht so richtig gut angekommen. Allem voran jetzt gerade natürlich die Mütterrente, die man sehr kritisch sieht und bei der auch jetzt ziemlich deutlich gemacht wurde, dass man gar nicht so sehr daran hängen würde, wenn es eben nicht im Koalitionsvertrag vereinbart wäre.

Sprecher 4: Wir haben die Rentenpolitik, die die CSU-Handschrift trägt. Also ich will es mal so sagen, es ist ja kein Geheimnis, dass die Junge Union, und das kann man glaube ich landesverbandsübergreifend sagen, kein besonders großer Anhänger der Mütterrente war und ist. Nur muss man sich natürlich fragen, wie... am Ende des Tages vernünftig regieren. Und es wird nicht funktionieren, wenn jede Partei oder jede Gruppierung oder wer auch immer andauernd sagt, wir wollen den Koalitionsvertrag in irgendeinem Bereich auflösen.

Sprecher 2: Ja, man merkt, die Fronten sind relativ verhärtet. Die Situation ist ziemlich verfahren. Auf dem Deutschlandtag wird es wohl nicht mehr zu einer Einigung kommen. Maximal unwahrscheinlich, aber Fakt ist, Merz und oder die SPD müssen sich bewegen, denn sonst könnte das ganz, ganz böse enden, denn die Junge Union hat klar gemacht, wir bleiben da stehen, wo wir stehen.

Sprecher 1: Genau, der Streit um das Rentenpaket wird wohl auch die nächsten Tage noch sehr prominent bleiben. Wir halten sie natürlich weiterhin auf dem Laufenden hier im Podcast und in unserem Berlin-Table.

Sprecher 2: So, aber für heute war es das jetzt erstmal genug zum Thema Rente, junge Union und Streit innerhalb der Union. Wir wünschen Ihnen trotz allem noch einen entspannten Samstag. Am Montag sind dann wie gewohnt Michael und Helene wieder für Sie da. Bis dahin, machen Sie es gut. Ciao, ciao.

Sprecher 1: Euh.

Sprecher 7: Ich bin völlig blind. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tage und Nächte sind auf den Kopf gestellt. Weil ich Schwierigkeiten habe, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu bleiben. Ich leide unter 924, einer seltenen Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung, die viele völlig blinde Menschen betrifft. Möchtest du mehr über diese Erkrankung in Verbindung mit völliger Erblindung erfahren? Rufe kostenfrei an unter 0800 24 24 005.