Warum investiert Google Milliarden in Deutschland, Herr Justus?
Philipp Justus, Deutschlandchef von Google, kündigt den Bau eines neuen Rechenzentrums in Dietzenbach (Hessen) und den Ausbau des Standorts Hanau an. 5,5 Milliarden Euro sollen in Cloud- und KI-Kapazitäten fließen. Zweifel am Standort Deutschland hat Justus nicht: „Wir sind sehr positiv eingestellt gegenüber den Wachstumsmöglichkeiten in Deutschland.“ Es gebe allerdings Genehmigungsprozesse, die schneller laufen könnten. Deutschland brauche „einen Investitionsboost, damit die Wirtschaft wieder schneller wächst“.
[12:03]
Hans-Eckard Sommer, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, sieht Fortschritte bei der Reduzierung der Asylantragszahlen: „Die Migrationswende ist im vollen Gange. Durch Binnengrenzkontrollen und gesetzliche Maßnahmen liegen die Zahlen um 50 Prozent niedriger als im Vorjahr.“ Zur Frage, ob syrische Fachkräfte abgeschoben werden, erklärt Sommer: „Wer hier arbeitet, sollte einen Aufenthaltstitel als Fachkraft beantragen. Dann spielt ein Widerruf des Schutzstatus keine Rolle. Die Sorge, dass eine syrische Pflegekraft abgeschoben wird, ist fehl am Platz.“
[06:23]
Der schwedische Rüstungskonzern Saab entwickelt einen neuen Kampfjet, der mit Modellen aus den USA, Deutschland und Frankreich mithalten soll. Micael Johansson, CEO von Saab und Präsident der Aerospace Security and Defense Industries Association of Europe, betont im Security.Table-Interview die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit: „Deutschland ist für uns ein unglaublich wichtiger Markt. Wir verstehen, dass Deutschland souveräne Fähigkeiten braucht.“ Gleichzeitig kritisiert er das Tempo der europäischen Rüstungszusammenarbeit: „Bin ich zufrieden, wie schnell das geht? Nein, nicht wirklich.“ Es gebe immer noch Länder, die lieber US-Equipment kaufen.
[02:49]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Drei besondere Geburtstagsgeschenke gab es gestern Abend für Friedrich Merz. Eine Deutschlandflagge, die vorher noch auf dem Reichstag hing, wurde abgenommen und Friedrich Merz als Geschenk überreicht. Keine Sorge, eine neue hängt schon wieder. Dazu gab es warme Worte von Vizekanzler Lars Klingbeil, sehr versöhnet und die Hoffnung auf eine neue CDU-Regierungsbeteiligung in Potsdam. Dazu gleich mehr. Das schwedische Rüstungsunternehmen Saab entwickelt einen neuen Kampfjet, der mit denen der USA, Deutschlands oder Frankreichs mithalten soll. Warum ausgerechnet das kleine Schweden zur neuen Hoffnung für die Verteidigungsfähigkeit Europas werden könnte, wir sagen es Ihnen.
Sprecher 3: Können wir abgelehnte Asylbewerber nach Syrien zurückführen? Das fragen wir den Mann, der zumindest die Entscheidungsgrundlage dafür legt, den Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Dr. Hans-Eckart Sommer.
Sprecher 2: Google investiert 5,5 Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum und KI-Infrastruktur in Deutschland. Warum ausgerechnet jetzt investiert wird und was das für den Standort bedeutet, das fragen wir den Deutschlandchef von Google, Philipp Justus.
Sprecher 3: Es ist Mittwoch, der 12. November. Schön, dass Sie heute wieder dabei sind.
Sprecher 2: Die Unions-Bundestagsfraktion, der CDU-Teil zumindest, hatte sich was Besonderes überlegt für Friedrich Merz gestern Abend beim Geburtstagsempfang. Eine Deutschlandflagge, aber nicht irgendeine, sondern die, die vorher noch auf dem Reichstag hing und wehte. Die wurde abgenommen und ihm überreicht. Ja, natürlich, eine neue hängt schon wieder, aber es ist eben ein besonderes Geschenk, das nur die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, CDU-Mitglied, ermöglichen konnte. Dazu gab es dann noch warme Worte von Lars Klingbeil, aber es könnte noch etwas anderes dazukommen, denn in Brandenburg könnte bald die CDU mitregieren. Da vier BSW-Abgeordnete aus der Partei ausgetreten sind und nun im Landtag parteilos sitzen, könnte zumindest einer zur CDU überlaufen. Und die Gespräche in diese Richtung laufen schon, denn dann würde es reichen, plötzlich im Landtag für eine SPD-CDU-Regierung und BSW wäre draußen. Jan Redmann könnte sich Hoffnung auf einen Vizeministerpräsidentenposten machen. Der Mann ist Landeschef der CDU. Wenn das keine guten Nachrichten für den CDU-Chef auch im Bund sind. Aber wir wollen hier nicht über Potsdam und Geburtstagsständchen reden, sondern über das große Ganze, die Verteidigungsunion. Und die könnte ausgerechnet aus dem kleinen Schweden neue Impulse bekommen. Die EU-Mitgliedstaaten werden dieses Jahr voraussichtlich 381 Milliarden Euro für die Verteidigung ausgeben. Bis 2030 sollen die Ausgaben immer weiter steigen. Die Rüstungsindustrie, sie ist der Krisengewinner der vergangenen Jahre. Eines der prominentesten Beispiele ist Rheinmetall. Schauen Sie einfach mal auf die Aktienkursentwicklung. Aber auch abseits der bekannten Rüstungsunternehmen aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich wird an der Verteidigungsfähigkeit Europas gearbeitet. Und da tut sich Schweden hervor. Mit Saab, dem Flugzeugbau- und Rüstungskonzern. Dieses Unternehmen will nun 150 Kampfjets an die Ukraine liefern. In den nächsten drei Jahren sollen die ersten Lieferungen erfolgen. Und parallel entwickeln die Schweden ein neues Flugzeug, das auch mit deutschen, französischen und US-amerikanischen Kampfjets mithalten soll. Von dem Know-how von Saab könnte auch Deutschland profitieren. Das hat der CEO von Saab, Mikael Johansson, unserem Kollegen vom Security Table, Gabriel Pupke, gesagt.
Sprecher 4: We have established ourselves in Nynberg, for example, and we are employing people and we are transferring technology on the electronic warfare side. And of course, we are in the initial phases of what we call the EW upgrade on the Eurofighter. We are involved together with Airbus Defence. We have specific capabilities on the SIGINT side that we're providing. We are part of a naval program with the upgrade of... the 123 and we transfer technology also on that side. Germany to us is an incredibly important market and a partnership approach, of course. And we understand that Germany needs sovereign capabilities. We do transfer technologies. And Germany and Sweden on the government side and the defense forces side have also great partnerships. And we are in the same region. And now we are both NATO. So all the things sort of match up to do more together.
Sprecher 2: Seit Juni ist Johansson auch der Präsident der Aerospace Security and Defense Industries Association of Europe und er repräsentiert damit 4000 Firmen in 21 europäischen Ländern. Er plädiert dafür, noch stärker auf europäische, einheitliche, gemeinsame Verteidigungssysteme zu setzen, um sich unabhängiger von den USA zu machen. Die Anreize dafür, die Brüssel, also die EU, dafür bietet, seien ganz gut, sagt Johansson, aber das Tempo, das macht ihm Sorge.
Sprecher 4: Incentive initiatives that we see from the Commission in Brussels are good in the way that we incentivize collaboration, but also the safe mechanism to actually do things together, but also have beneficial loans. For countries to short-term be able to spend more money, going towards 65% European content. All these things are moving, pushing us in the right direction. Am I pleased with how quickly that is going? No, not really. There are still quite a few countries that are paying quite a lot of money to be By U.S. Equipment. I'm not saying the transatlantic link shouldn't be strong, absolutely not, but we need to move forward towards a situation where we have sort of the 70% sovereign capabilities to simplify it and sort of interdependencies with the U.S. Maybe on the 30% side. You can look upon it from the U.S. Perspective. I mean, they put probably 98% of all the spending on U.S. Defense industries.
Sprecher 2: Eine ausführliche Version des Gesprächs mit dem CEO von Saab lesen Sie heute auch im Security Table. Ich empfehle Ihnen dieses Briefing dringend. Können Sie vier Wochen übrigens kostenlos lesen und kennenlernen unter table.media.com. Hat Schwarz-Rot nun die Migrationswende hinbekommen oder ist das alles bisher nur Makulatur und Symbolik? Mit dieser Frage beschäftigt man sich gerade bei den Nürnberger Tagen für Migration, einer Veranstaltung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Vor Ort war übrigens auch Helene Bubrowski und sie hat die Gelegenheit genutzt, um Dr. Hans-Eckart Sommer, den Präsidenten des BAMF, ein paar Fragen zu stellen. Wie überlastet ist seine Behörde eigentlich? Wann kommt das endlich, dieses neue europäische Asylsystem? Ja, und kann man jetzt abgelehnte Asylbewerber nach Syrien zurückführen oder nicht? Kommen wir mal rein.
Sprecher 5: Guten Tag, Herr Sommer. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen.
Sprecher 6: Ja, ich begrüße Sie auch. Ich freue mich, dass wir Zeit dazu dann haben.
Sprecher 5: Alexander Dobrindt und die Union haben im Wahlkampf eine Migrationswende versprochen. Jetzt haben wir ein gutes halbes Jahr die neue Koalition, die im Amt ist. Was ist Ihre Einschätzung? Ist diese Wende gelungen? Immerhin sinken ja die Zahlen.
Sprecher 6: Ja, ich würde sagen, die Migrationswende ist im vollen Gange. Wir haben vor allem durch die Binnengrenzkontrollen der Bundespolizei den Zugang nach Deutschland deutlich reduziert. Die Zahlen liegen um etwa 50 Prozent niedriger als bei den Vorjahresvergleichszahlen. Und durch ein Bündel weiterer gesetzgeberischer Maßnahmen hat die Bundesregierung das Richtige in der jetzigen Situation getan und den Koalitionsvertrag umgesetzt. Jetzt folgt noch die Einführung des neuen GEAS, Gemeinsamen Europäischen Asylsystems. Mitte nächsten Jahres, das auch dem Ziel dient, die Zugangszahlen nach Europa zu reduzieren.
Sprecher 5: Ihre Behörde war ja vor zehn Jahren mal deutlich überlastet. Wie sind Sie jetzt aufgestellt, um auf die derzeitige Lage von ja trotz allem immer noch hohen Zugangszahlen zu reagieren?
Sprecher 6: Ja, wir hatten vor allem in den Jahren 2023 und 2024 überraschend hohe Zugangszahlen. Die arbeiten wir derzeit ab. Dazu konnten wir im letzten Jahr deutlich Personal aufstocken. Meine Behörde hat zurzeit etwa 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Abbau der anhängigen Verfahren gelingt uns sehr gut. Ich denke, wir werden Ende dieses Jahres bei etwa 100.000 Anhängverfahren landen. Damit wir dann zum Start des GEA bei etwa 50.000 Verfahren liegen. Die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind für meine Behörde zurzeit die Implementierung des GAs. Alles muss neu gemacht werden, einschließlich der IT. Aber auch der Umgang jetzt mit dem Herkunftsland Syrien, wo wir die Entscheidungen wieder aufgenommen haben und demnächst auch, wenn mein Minister dem zustimmt, auch die Widerrufsverfahren beginnen werden. Das sind sehr große Zahlen. Wir werden damit aber sehr behutsam vorgehen und schrittweise nach gewissen Fallgruppen vorgehen. Die Sorge, dass ein Syrer unser Land verlassen muss, der hier als Fachkraft gebraucht wird. wird, ist fehl am Platz.
Sprecher 5: Ja, die Frage, die sich ja stellt, ist, was ist mit der syrischen Pflegekraft, die im Krankenhaus arbeitet, die subsidiären Schutz bekommen hat und jetzt befürchtet, dass sie abgeschoben wird. Gibt es da einen Regelungsbedarf? Wie gehen Sie da vor?
Sprecher 6: Nein, ich denke, das ist alles sehr sinnvoll geregelt. Wer hier in Deutschland arbeitet, auch im Krankenhaus, hat auch die Möglichkeit, einen Aufenthaltstitel als Fachkraft zu bekommen. Durch den Widerruf meiner Behörde wird lediglich der Aufenthaltstitel zum Erlöschen gebracht, der auf der Flüchtlingsanerkennung beruht. Also ich kann jedem Syrer und jeder Syrerin nur empfehlen, die er arbeitet, bei der Ausländerbehörde auch einen Aufenthaltstitel als Fachkraft zu beantragen. Dann spielt ein Widerruf keine Rolle. Wir widerrufen derzeit nur in wenigen Fällen, wo die Menschen ausgereist sind aus Deutschland. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Syrer im Laufe der nächsten Jahre, also die hier nicht gesettelt sind und als Fachkräfte auch gebraucht werden, freiwillig ausreisen. Hier stellen wir große Geldbeträge zur Verfügung. Um dieser freiwilligen Ausreise finanziell zu unterstützen.
Sprecher 5: Stichwort Stadtbilddebatte, da gibt es ja immer noch in Teilen der Bevölkerung das Gefühl, es gibt einfach in diesem Land zu viele Ausländer bzw. Zu viele, die sich nicht an unsere Gesetze halten. Muss Deutschland in diesem Punkt Abschiebung noch besser, noch konsequenter werden?
Sprecher 6: Ja, ich habe jahrelang in Bayern auch die Abschiebungen veranlasst. Antwortet, bekenne mich also insoweit aus. Abschiebung ist ein Problem, wenn die Herkunftsländer nicht mitmachen und keine Papiere geben. Abschiebung ist auch ein Problem, wenn der Rechtsrahmen dafür nicht stimmt, der zurzeit europarechtlich vorgegeben ist und der gerade überarbeitet wird, ist im Entwurf eine neue europäische Rückkehrverordnung. Diesen Entwurf halte ich bislang für völlig unzureichend. Wir brauchen auch Rechtsregeln, die die Abschiebung erleichtern. Aber viel wichtiger ist es, dass die Menschen, die hier kein Aufenthaltsrecht bekommen können, im Asylwege gar nicht einreisen. Die Rückkehr zu organisieren ist immer sehr viel schwieriger.
Sprecher 5: Also sprich, an Grenzkontrollen soll Deutschland festhalten.
Sprecher 6: Solange die europäischen Regeln nicht so funktionieren, wie das nach der Dublin-Verordnung und künftig nach der Migrationsmanagement-Verordnung vorgegeben ist, dass die Asylverfahren dann in den Staaten geführt werden, die eben auch an der Grenze liegen, solange besteht ein Bedürfnis, einen Ausgleich dafür zu schaffen und gewisse Grenzkontrollen auch an den Binnengrenzen vorzunehmen.
Sprecher 5: Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Dr. Sommer.
Sprecher 2: Langsam kommt Schwung in die digitale Infrastruktur in Deutschland. Letzte Woche die Ankündigung von Telekom, SAP und Nvidia für ein großes, milliardenschweres Rechenzentrum. Und jetzt legt Google nach. Gestern hat Google die größte Investition des US-Unternehmens in den Standort Deutschland verkündet. Bis 2029 sollen insgesamt 5,5 Milliarden Euro in die Hand genommen werden, um bestehende Standorte auszubauen. Und in Hessen soll ein neues Rechenzentrum entstehen. Ist das der Startschuss für einen neuen Digitalisierungswettlauf oder ist das alles too little, too late? Das wollte Corinna Fisser, unsere KI-Expertin vom Europe Table, von Philipp Justus wissen, dem Deutschlandchef von Google.
Sprecher 7: Guten Morgen, Herr Justus. Schön, dass Sie da sind.
Sprecher 8: Ja, hallo Frau Fisser, guten Morgen.
Sprecher 7: Sie haben eine ganz große Investition in Deutschland angekündigt gestern. Was haben Sie denn genau vor?
Sprecher 8: Wir wollen in den nächsten Jahren 5,5 Milliarden Euro bis 2029 investieren. In ein neues Rechenzentrum in Dietzenbach in Hessen, in die Erweiterung eines bestehenden Rechenzentrums in Hanau, auch in den Ausbau unserer Büros hier in Deutschland und auch in nachhaltige Energie zum Betrieb der Rechenzentren. Also das ist ein ganzes Paket mit einem Fokus auf digitaler Infrastruktur für KI und Cloud.
Sprecher 7: Die Telekom hat ja neulich auch große Investitionen in ein Rechenzentrum angekündigt. Jetzt kommen Sie deutlich größer nochmal. Kommen wir jetzt in so ein Bieter-Wettst. Reit, wer die größten Rechenzentren in Deutschland baut oder was erwarten Sie da?
Sprecher 8: Ich finde es super, wenn viele Unternehmen in KI-Infrastruktur und Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren investieren, denn das ist ja genau das, was Deutschland braucht. Wir brauchen einen Investitionsboost, damit die Wirtschaft wieder schneller wächst. Und alles, was digitale Technologien angeht, braucht halt Infrastruktur. Nur dann können Unternehmen... Digitale Dienste anbieten. Insofern sehen wir das als einen von hoffentlich mehr Beiträgen in Deutschland in die Beschleunigung der Digitalisierung und von KI.
Sprecher 7: Aber man hört doch immer, dass das total schwierig ist, in Deutschland zu investieren. Also zum einen wissen wir, dass Rechenzentren gigantisch viel Energie brauchen. Für den Bau heißt es immer, es ist unheimlich viel Bürokratie zu überwinden. Also warum investieren Sie in Deutschland, wenn das hier so kompliziert ist? Oder war es das für Sie gar nicht?
Sprecher 8: Wir sind ja schon seit 2001 hier in Deutschland. Man muss sich das mal vorstellen, Google wurde 1998 gegründet und schon 2001 wurde in Hamburg das erste Büro eröffnet. Das war lange vor meiner Zeit, aber die Perspektive war damals, Mensch, Deutschland ist natürlich die Lokomotive in Europa und wir wollen dort präsent sein. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir sind sehr positiv eingestellt gegenüber den Wachstumsmöglichkeiten in Deutschland. Sie haben natürlich völlig recht. Es gibt Genehmigungsprozesse, die könnten schneller laufen. Das war auch bei dieser Investition nicht anders. Es hat relativ lange gedauert, die Genehmigung zu bekommen, aber jetzt haben wir sie und wir haben sie auch in großer Gemeinschaft. Und Partnerschaft mit den lokalen Gemeinden, mit dem Kreis, mit dem Land Hessen geschlossen. Und das war uns auch sehr wichtig, denn wir wollen bei diesem Investitionsprogramm sicherstellen, dass alle mit an Bord sind, dass wir die Unterstützung lokal haben, dass wir auch uns über Nachhaltigkeit Gedanken machen, über Energie. Ich habe eben darüber gesprochen, dass das ein wichtiger Teil dieser Investition ist. Das ist einerseits CO2-freie Energie für den Betrieb des Rechenzentrums. Da haben wir eine Partnerschaft mit der Engie, die sicherstellt, dass wir einen sehr hohen Anteil, mindestens 80 Prozent, idealerweise noch mehr CO2-freie Energien für den Betrieb des Rechenzentrums bekommen. Und das zweite ist auch die Nutzung der Abwärme, dass wir ein lokales Konzept haben, dass die Wärme, die natürlich in einem Rechenzentrum erzeugt wird, sinnvoll genutzt werden kann. Wir haben da eine Partnerschaft auch wieder mit einem lokalen Energieversorger aus Offenbach, der EVO. Und dort werden wir 2000 Haushalten Wärme, die aus dem Rechenzentrum kommt, sozusagen für Heizung und Wärme zur Verfügung stellen können. Und das zeigt, dass sowas natürlich Zeit braucht. Ein ganzes Konzept, ein 360-Grad-Konzept zu haben, das geht auch in Deutschland. Und wir sind froh, dass wir jetzt endlich damit loslegen können.
Sprecher 7: Es entstehen doch auch neue Arbeitsplätze. Und finden Sie hier die Leute, die Sie brauchen?
Sprecher 8: Absolut. Und das ist auch mit einer der Attraktionsfaktoren für uns in Deutschland, dass wir eben hier hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden. Das ist auch der Grund, warum wir nicht nur ein Büro in Deutschland haben, sondern eben Büros in Hamburg, in München, in Frankfurt und in Berlin. Weil es überall Talente gibt. Das wird auch für die Rechenzentren so sein. Wir finden auch für die Rechenzentren, die jetzt also in Hanau schon am Start sind und in Ditzenbach entstehen, auch dort werden wir natürlich lokale Talente brauchen. Und da sind wir ganz zuversichtlich, dass wir die auch finden werden.
Sprecher 7: In Europa und auch in Deutschland ist das Thema digitale Souveränität gerade. Eines, was jetzt ganz oben auf der Agenda steht. Ich habe immer Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wie man in Europa digital souverän sein kann, wenn man Kunde von Google ist.
Sprecher 8: Wir glauben, dass wir mit dieser Investition in Deutschland tatsächlich auch die digitale Souveränität Deutschlands mit unterstützen. Denn wir geben... Zugang zu Spitzentechnologien hier vor Ort. Es können sich auch Unternehmen entscheiden, dass ihre Daten dann ausschließlich in unserer Cloud-Region Frankfurt verarbeitet werden. Das geht technisch, das geht schon seit vielen Jahren, aber das wird jetzt dann eben durch den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur nochmal attraktiver. Letztlich ist es doch so, wir sind umso stärker in Deutschland, je stärker auch... Die Wirtschaft wächst und je stärker wir auch in der Digitalisierung vorankommen. Und da kann ein solches Investment hoffentlich einen Beitrag leisten.
Sprecher 7: Aber Sie können garantieren, dass es keinen Zugriff von amerikanischen Behörden gibt auf Daten, die in Frankfurt lagern?
Sprecher 8: Wir haben eine ganze Reihe von Lösungen, die die Kunden selbst auswählen können, wie sie ihre Daten mit welchem sozusagen Verschlüsselungsniveau bei uns halten wollen. Und in der Tat ist es so, dass... wir Lösungen zur Verfügung stellen, wo Kunden ihre Daten bei uns, in diesem Fall in Dietzenbach oder in Hanau, in der Cloud-Region Frankfurt speichern und die Verschlüsselungsschlüssel gar nicht bei Google liegen, sondern die können bei einem externen Dienstleister liegen. Und damit haben wir gar keinen Zugriff auf die Daten. Das ist schon eine gut etablierte Produktlösung, die es seit vielen Jahren gibt. Und wir haben auch sozusagen ein ganzes Spektrum an Lösungen, um sicherzustellen, dass Kunden ihre Anforderungen, ihre eigenen Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz, und Zugriff vor Dritten entsprechend umgesetzt bekommen.
Sprecher 7: Es gibt ja ein ganz umfangreiches Paket europäischer Digitalgesetzgebung. Oft hatte die zur Folge, jedenfalls von hier aus betrachtet, dass wir manche Produkte erst später bekommen haben, als zum Beispiel die Kunden in Amerika, zum Beispiel was KI betrifft. Ist das was, worauf wir uns jetzt einstellen müssen, dass es länger dauern wird, dass wir Produkte bekommen, dass wir vielleicht andere Produkte bekommen oder manche Angebote gar nicht nutzen können?
Sprecher 8: Ja, Sie sprechen einen ganz wichtigen Punkt an. In der Tat hat es gerade auf europäischer Ebene in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Regulierungen und Verordnungen gegeben, die den digitalen Bereich betreffen. Wir haben mal durchgezählt, es sind seit 2019 mehr als 100 verschiedene Regulierungen und Direktiven, die den digitalen Bereich und digitale Dienste betreffen. Und das führt in der Tat dazu, dass es bei neuen Produkten zu Verzögerungen kommen kann, bis wir sie in Europa, in der Europäischen Union anbieten. Wir arbeiten intensiv daran, diese Verzögerung so kurz wie möglich zu halten, weil wir natürlich gerne die gleichen Innovationen in der EU zur Verfügung stellen möchten, wie wir das auch in den USA oder in UK tun. Aber es ist in der Tat... Schwieriger geworden ist, ist komplexer geworden, Produkte auszurollen. Und ich glaube, das gilt nicht nur für uns als amerikanisches Unternehmen. Das ist durchaus etwas, was ich von vielen deutschen Unternehmen höre, dass die Vielzahl der digitalen Regulierung dazu führt, dass man eher abwartet, dass man eher sagt, ich muss erst mal prüfen und nicht beginnt, neue Produkte zu bauen. Und ich glaube, zu einem Zeitpunkt, wo wir doch alle sehen, nach drei Jahren Rezession, Nullwachstum oder negativen Wachstum in Deutschland, brauchen wir wieder Schwung. Muss es doch das Ziel sein, Dinge zu vereinfachen, Digitalisierung zu ermöglichen und nicht schwerer zu machen. Insofern würden wir uns wünschen, dass jetzt nicht noch weitere Regulierung dazukommt, sondern wir jetzt mal die Chancen von KI und Digitalisierung erstmal voll ergreifen.
Sprecher 7: Es gibt ja bereits Bestrebungen in der EU, Regulierung wieder abzubauen. Man nennt das ein Omnibus-Gesetz, also ein Gesetz, mit dem verschiedene Digitalgesetze gleichzeitig angefasst und angepasst werden sollen. Haben Sie das Gefühl, dass das in die richtige Richtung geht?
Sprecher 8: In der Tat, glaube ich, liegt in diesem digitalen Omnibus der Europäischen Union eine große Chance. Und ich hoffe, dass dort beherzt an die Digitalregulierung einmal drangegangen wird und vereinfacht wird. Und nochmal. Es geht hier nicht nur um uns als amerikanisches Tech-Unternehmen, es geht um alle Unternehmen, um das Start-up, um den Mittelstand, um kleine und mittlere Unternehmen, die vielleicht gar nicht so viel Kapazität haben, um sich mit allem zu beschäftigen, was es da an Regulierung gibt. Also die Chance, die Sie beschreiben durch diesen digitalen Omnibus, ist sehr groß. Wir hoffen, dass da entsprechend die Umsetzung dem auch folgt.
Sprecher 7: Politiker denken sich ja eine Menge aus. Immer wieder wurde über eine Digitalsteuer debattiert. Der Kulturstaatsminister Weimar will das vorantreiben, hat angekündigt, dass er da bald ein Gesetz vorlegen wird. Was wird denn das bedeuten für Sie und Ihre Industrie?
Sprecher 8: Digital Steuern und digitale Abgaben führen typischerweise mittelbar oder unmittelbar zu höheren Preisen. Das sieht man in allen Ländern, in denen digitale Abgaben und Steuern eingeführt worden sind. Das macht ja auch volkswirtschaftlich Sinn, dass durch eine neue Abgabe irgendwie die Preise steigen. Und ich glaube, das wäre ein ganz schlechtes Signal für die Digitalisierung zu diesem Zeitpunkt. Denn sie würde dazu führen, dass es teurer und nicht günstiger wird, digitale Dienste zu nutzen. Insofern sind wir kein Fan dieser Initiative und denken auch nicht, dass es im Interesse der Digitalisierungsgeschwindigkeit in Deutschland wäre.
Sprecher 7: Ich bedanke mich vielmals für das Gespräch.
Sprecher 8: Sehr gerne, vielen Dank.
Sprecher 2: Flo, war noch was?
Sprecher 3: Ja, Mick, offensichtlich sind die Deutschen doch leichtsinniger geworden in den letzten zwei Jahren. Das ist zumindest so ein bisschen die Kernaussage eines neuen Lageberichts des Bundesamtes für Sicherheit und Informationstechnik. Denn das Ergebnis ist, ehrlich gesagt erschreckend, unsere Online-Passwörter sind im Schnitt unsicherer geworden.
Sprecher 2: Moment, ist 1, 2, 3, 4 jetzt nicht adäquat?
Sprecher 3: Nein, Passwort 1, 2, 3, 4 und Michael ist der Größte sind keine adäquaten Passwörter. Im Optimalfall sind die zwölf Zeichen lang, ein bunter Mix aus großen und kleinen Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen, also Punkt, Ausrufezeichen, Ad und was weiß ich was. Und nur 44 Prozent der Befragten verwenden solche starken Passwörter. Vor zwei Jahren waren es immer noch 53 Prozent, jetzt auch keine Highlight-Quote, aber immerhin etwas besser. Und tatsächlich ist das gar nicht so ungefährlich, da einfach zu merken, der Passwörter zu nehmen, denn Deutschland und Großbritannien gehören leider zu den häufigsten Zielen von Hackern in ganz Europa.
Sprecher 2: Also, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, machen Sie es den Kriminellen doch nicht so leicht. Und ein bisschen mehr Gehirnschmalz bei den Passförtern darf ruhig sein. Wir hören uns hier bei Table Today am Donnerstag, den 13. November wieder. Wir freuen uns auf Sie. Bis dahin. Ciao, ciao.
Sprecher 3: Ciao.
Sprecher 9: He's like Sunday morning. I want to be high. So high I wanna be free to know the things I do alright Just me. Why me, Z?
Sprecher 10: Like Sunday morning