Brauchen wir wirklich ARD und ZDF, Herr Himmler?
Dauer: 41:47

Brauchen wir wirklich ARD und ZDF, Herr Himmler?

ZDF-Intendant Norbert Himmler verteidigt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Mit knapp neun Milliarden Euro Beitragseinnahmen pro Jahr ist der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk der teuerste weltweit. Und möglicherweise werden nicht alle Sichtweisen ausreichend berücksichtigt. Das legt eine Studie nahe, bei der 10.000 Nachrichtenbeiträgen von ARD und ZDF untersucht worden sind.

Himmler erklärt im Gespräch mit Michael Bröcker, warum er den ÖR nach wie vor für wichtig hält. Die Vorwürfe der Einseitigkeit weist Himmler zurück: „Ich verlange von meinen Journalistinnen und Journalisten unvoreingenommen, an die Dinge ranzugehen. Ich werde niemanden dazu zwingen, seine eigene private politische Meinung zur Seite zu legen. Darum geht es nicht, sondern ich will, dass meine Kolleginnen und Kollegen ihr Handwerk machen."


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Transkript

Sprecher 1: Wenn es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht geben würde, dann müsste man ihn erfinden. So hat es der SPD-Politiker Peter Glotz einmal formuliert und so sehen es viele heute auch noch. Aber wie würde dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk dann aussehen, wenn man ihn heute auf der grünen Wiese neu gründen würde? Wahrscheinlich deutlich schlanker, agiler, mit viel weniger Bürokratie, weniger Mitarbeitern, so wie moderne Medienhäuser halt eben funktionieren. Denn so viel gehört zur Wahrheit schon jetzt dazu. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist mit knapp 9 Milliarden Euro Beitragseinnahmen Budget pro Jahr der teuerste in dieser Form in der Welt. Knapp 60 Radiosender erst nach einer möglichen Reform. Immer noch knapp 20 TV-Sender, die föderale Struktur, 50.000 Mitarbeiter, das kostet eben viel Geld. Aber auch inhaltlich ist die Kritik in den letzten Jahren größer geworden. Und zwar an einer vermeintlich linken Tendenz in den öffentlich-rechtlichen Sendungen. Eine Mainzer Studie, die 2023 10.000 Nachrichtenbeiträge untersucht hat, hat dies durchaus leicht bestätigt. Es gäbe zu wenig unterschiedliche Perspektiven, konnte man dort lesen. Und auch bei den Nachrichtenbeiträgen eine leichte linke Tendenz. Im politisch rechts stehenden Lager, auch inzwischen in der CDU, gilt der öffentlich-rechtliche Rundfunk ohnehin als linksgrün durchzogen. Und auch beim ZDF ist die Kritik an mancher prominenten Persönlichkeit, etwa an Jan Böhmermann, groß. Auch deswegen kommt immer wieder die Frage auf, muss das sein mit diesen beiden? Beitrag von knapp 19 Euro pro Monat, dem man sich ja auch nicht entziehen kann. Darüber kann ich heute in aller Ausführlichkeit diskutieren mit einem Mann, den wir sehr lange schon hier haben wollten, weil wir als Podcast des gepflegten Diskurses unbedingt diese Kritik auch mal mit dem Mann besprechen wollten. Der diese Kritik am ehesten rechtfertigen oder vielleicht auch teilweise sogar bestätigen kann, nämlich der ZDF-Intendant Norbert Himmler. Wenn Sie so wollen, der oberste Mainzelmann in dieser Republik und ein durchaus selbstbewusster, aber auch selbstkritischer Gesprächspartner. Wir sind so ziemlich jedes kritische Thema durchgegangen, aber hören Sie doch einfach selbst. Schön, dass Sie heute da sind. Guten Tag, lieber Herr Himmler.

Sprecher 2: Hallo.

Sprecher 1: Hemmler, wenn Sie heute auf der grünen Wiese den öffentlich-rechtlichen Rundfunk neu bauen dürften, was wäre Bestandteil und was nicht?

Sprecher 2: Riesige Herausforderung, aber charmante Frage. Ich glaube, ich würde mehr darauf achten, dass wir Dialogfunktionen haben, dass wir mehr Interaktion mit dem Publikum haben. Das wäre zulasten tatsächlich des linearen Fernsehens. Ich würde aber auch linear immer noch bauen, weil ich glaube, dass die Menschen das auch noch brauchen, einfach lean back zu sagen, wir gucken, was uns heute gezeigt wird. Ich glaube, ich würde aber auch überlegen, wie man das ganze System ARD, ZDF und Deutschlandradio etwas komplementärer aufstellt, damit man die Grundversorgung noch besser bewährleisten kann.

Sprecher 1: Komplementär oder fusioniert?

Sprecher 2: Nee, komplementär. Wird nicht fusionieren. Jeder hat seine Aufgabe und auf die kann er sich konzentrieren.

Sprecher 1: Warum nicht das ZDF für die nationale und internationale Berichterstattung und die ARD mit fünf, sechs Einheiten und tollen Lokalformaten im Regional?

Sprecher 2: Ich finde das super, was die ARD regional macht und ich glaube, dass wir das in Zukunft sogar auch noch mehr brauchen werden. Weil ich nicht weiß, wie sich der Zeitungen- und Zeitschriftenmarkt hier in Deutschland entwickelt. Und ich glaube, wir brauchen gute regionale Informationen auch aus öffentlich-rechtlicher Quelle. Und Sie haben völlig recht, das ZDF ist der Experte für nationale, internationale Berichterstattung.

Sprecher 1: Sehr geschicktes Lob da jetzt rausgehört. Ja gut, ist in Ordnung.

Sprecher 2: Und ich bin aber auch gleichzeitig der Meinung, dass es uns gut tut in Deutschland, wenn man zwei große Nachrichtensendungen, die Tagesschau und die Heute-Journal und Tagesthemen hat, damit wir in einer Zeit, wo echt Desinformation, Filterblasen unterwegs sind und die Demokratie in Gefahr sind, Gefahr ist, dass wir unabhängige Informationen haben. Da kann man gar nicht genug von haben.

Sprecher 1: Aber wenn Sie doch sagen, wir sind unabhängig, sowohl ZDF als auch ARD, wir sind parteipolitisch unabhängig und das ist alles richtig korrekt, dann braucht es doch nicht verschiedene. Warum braucht es ein riesen ZDF-Studio in Berlin, ein riesen ARD-Studio daneben? Warum fahren die immer doppelt auf jeder Ministerreise mit? Warum?

Sprecher 2: Ich glaube, dass Unabhängigkeit nicht zu verwechseln ist, auch mit einer Pluralität der Sichtweisen auf das politische Geschehen.

Sprecher 1: Also wie ich ein Format mache, meinen Sie?

Sprecher 2: Ehrlich gesagt, gucken Sie sich, das werden Sie ja tun, jeden Abend. Tagesschau, weil dann 19 Uhr weiß ich nicht, ob sie schon zu Hause sind, aber nehmen wir mal die Tagesthemen und das Heute-Journal an. Sie werden ganz selten sehen, dass das Heute-Journal denselben Aufmacher hat wie die Tagesthemen.

Sprecher 1: Aber die Themen sind sehr ähnlich.

Sprecher 2: Nee, auch da, also jetzt was heißt, wenn es hochrelevante Themen sind, wäre es ja sträflich, wenn eine Nachrichtensendung die nicht bringen würde. Aber die Reihenfolge der Themen ist anders, die Herangehensweise ist anders, der Blickwinkel auf die Themen sind anders und das hat nichts damit zu tun, dass einer weniger unabhängig wäre als der andere. Und ich glaube, diese Pluralität, die wir dann dabei haben, halte ich für eine Bereicherung für eine große und reiche Demokratie, wie es Deutschland ist. Warum sollte ich das aufgeben und abschaffen? Schaue ich nach Amerika, wo es das nicht gibt oder in andere westlichen Demokratien, wo der Öffentlich-Rechtliche unter Druck ist, weiß ich, was passiert. Deshalb kämpfe ich darum, dass wir diese Pluralität bei der Nachrichtenberichterstattung in jedem Fall erhalten müssen.

Sprecher 1: Aber jetzt mal nochmal zurück zu Greenwiese. Würden wir immer noch 20 Sender haben, dann meinetwegen nach der Reform nur noch, wie viel sind es? Dann 60 Radiowellen. Würden wir immer noch 50.000 Mitarbeiter haben, müssten wir immer noch 8 Milliarden Euro zahlen.

Sprecher 2: Ja, also es hätten mal alle Hörer ihre abfällige Handbewegung eben sehen sollen bei der Anzahl der Mitarbeiter. Aber ich verrate, ich übersetze das ja allen, die jetzt hier gerade zuhören. Also erstens haben wir 50.000 Mitarbeiter.

Sprecher 1: Jetzt haben sie die festen Freien rausgerechnet.

Sprecher 2: Auch selbst wenn man die nicht mitrechnet.

Sprecher 1: Allein der WDR hat 20.000, lieber Herr. Kollege, 20.000 alleine der WDR.

Sprecher 2: Ja, Vorsicht. Also jetzt muss man erstmal gucken, davon sind Festangestellte, sind drei, ja, aber das sind ja keine, wie wir sagen, FTE, also Fulltime-Agribel. Ja, aber die leben hauptsächlich von euch. Ja, ja, okay. Ich will nur sagen, es wirkt jetzt so, als ob 20.000 Vollzeitmitarbeitende beim WDR arbeiten. Das wäre jetzt unlauter, das so zu behaupten.

Sprecher 1: Die schaffen es gar nicht, noch einen anderen Auftraggeber zu haben.

Sprecher 2: Okay, jetzt lass uns nicht über WDR. Ja, aber die Frage, nehmen wir 9 Milliarden Euro.

Sprecher 1: Hämmler, 9 Milliarden Euro.

Sprecher 2: Ja, das ist eine Menge Kohle und zweifelhaft. Eine Menge Kohle? Ja, absolut. Und das ist unsere Verantwortung, die auch gut einzusetzen für Information, Kultur, Bildung und auch Unterhaltung. Und da haben Sie schon recht, wenn man das auf der grünen Wiese neu erfinden würde, könnte man das Ganze anders sortieren, als es heute der Fall ist. Ich glaube, Medienpolitik hat auch gerade das jetzt versucht. Ja, Staatsvertrag, mal gucken, ob der jetzt in Kraft tritt, aber ich glaube schon ab 1.12. Haben wir einen neuen Staatsvertrag. Dann werden wir auch an unsere Digital- und Partnerkanäle ran müssen und werden die auch neu strukturieren. Also da passiert ja auch einiges.

Sprecher 1: Sie den Unmut, und selbst wenn er jetzt noch, wir sind ja noch sehr pauschal oberflächlich unterwegs, dass die Leute sagen, warte mal, die BBC, diese Ur... Diese Ursendung, die damals gegründet wurde, ein BBC-Mitarbeiter war es, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk quasi in die Verträge nach dem Zweiten Weltkrieg reingeschrieben hat, die brauchen irgendwie zweieinhalb Milliarden und wir müssen auf jeden Fall acht bis neun haben. Verstehen Sie, dass man da draußen dann fragt, why?

Sprecher 2: Ja, absolut, kann ich verstehen. Und ehrlich gesagt, Da müssen wir auch da wieder fair sein, was diese Zahlen betrifft. Also wie viele Menschen gibt es in Großbritannien, wie viele Menschen gibt es in Deutschland und dann setzen wir das mal wieder ins Verhältnis pro Kopf. Was zahlen die Briten für ihren öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die alten Zahlen der BBC? Ja, nein, es stimmt nicht ganz. Wenn man sich die Schweizer anguckt, wenn du immer rechnest, was man pro Kopf bezahlt für den öffentlich-rechtlichen, siegen wir so schlecht nicht.

Sprecher 1: Habt ihr ein Land gefunden, das teurer ist?

Sprecher 2: Naja, komm. Also die Schweiz wirklich, pro Kopf. Und wenn du, Jan, auch die BBC ist durchaus vergleichbar. Also da gibt es Unterschiede, aber eigentlich sollten wir nicht zu sehr aufs Ausland schauen, sondern wir sollten uns fragen, was ist uns hier quasi der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland wert? Und ich muss die Frage akzeptieren, liefern wir auch was für diese 9 Milliarden? Oder das ZDF hat ja nicht 9 Milliarden, sondern hat irgendwie 2,5 Milliarden. Was liefern wir dafür? Ich rechne das immer, das darf ich auch mal mit Zahlen spielen, als Antwort runter. Was schätzen Sie, kostet das ganze ZDF-Programm Sie, also für Ihren Haushalt, wenn Sie zu Hause bezahlen? ZDF-Hauptprogramm, Neo, Info, Phoenix 3, Sat Arte, Kika, Mediathek. Was kostet Sie das ZDF-Programm am Tag?

Sprecher 1: Jetzt kommen Sie mit dieser eine Tüte Eis-Geschichte.

Sprecher 2: Nee, Sie müssen gar nicht wissen, was die Tüte Milch kostet.

Sprecher 1: Ich weiß, was eine einzelne Produktion einer Satire-Show bei euch kostet oder was euch so ein Fußballspiel wert ist, um es zu übertragen.

Sprecher 2: Absolut. Also, Sie bezahlen fürs ganze ZDF-Anprogramm linear wie non-linear 15 Cent am Tag. Jetzt gehen Sie mal mit den gleichen.

Sprecher 1: Würde ich machen, wenn ich nicht gleichzeitig jetzt noch die ganzen ARD-Anstalten mitbezahle.

Sprecher 2: Ja, das ist ein gutes Gegen. Es gefällt mir. Das ist ein gutes Gegen. Aber es klingt sehr gut. Was liefern wir Ihnen? Was gehen Sie an den Kiosk und gucken mal, was Sie heute für 15 Cent am Kiosk noch an journalistischen Produkten bekommen. Da finde ich das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht schlecht. Ich bin aber bei Ihnen über die Gesamtaufstellung des Systems, die historisch gewachsen und auch begründet ist. Darüber lässt sich trefflich streiten.

Sprecher 1: Aber dann lass uns über den Auftrag reden. Damals, so stand es da nach der Nachkriegszeit, wir wollten dann Grund... Bollwerk bauen gegen Propaganda. Die Herrschaft des Naziregimes war natürlich in aller Munde. Einverstanden. Heute würde man doch sagen, es gibt die Vielfalt. Jetzt kannst du über Qualität reden, aber natürlich gibt es fast für jedes Nischenthema gibt es ein Angebot. Bei YouTube, bei Privatfernsehen, irgendwo. Die Frage, die ich mir nur stelle, muss es ein Vollsortimenter sein, das öffentlich-rechtliche? Müsst ihr rote Rosen haben? Müsst ihr für 20 Millionen Euro ein Fußball-WM-Spiel übertragen? Müsst ihr eine Quizshow haben? Müsst ihr eine Quatschshow haben? Oder macht ihr das, was ihr besser könnt als andere, nämlich Information, Aufklärung, Dokumentation? Und das... Das tief und das breit und immer da, wo es kein privates Angebot gibt. Das ist doch eine logische Kritik, oder?

Sprecher 2: Ja, eine scheinlogische Kritik. Ich versuche sie ein Stück weit wenigstens zu entkräften. Ich bin gegen die Argumentation zu sagen, die Öffentlich-Rechtlichen sollen nur das machen, was der Markt nicht bietet. Das wäre ja quasi ihre Argumentation in einem Satz zusammengefasst. Alles, was sich kommerziell erstellen lässt, braucht ihr nicht zu machen. Und aus folgenden Gründen. Fang mal von hinten an. Und das sehen wir, das ist vielleicht auch ein interessanter Unterschied zur Nachkriegszeit, wo man ja versucht hat, quasi Propaganda zu begegnen und zu sagen, da muss es was Unabhängiges geben, was auch unabhängig finanziert ist. Wenn Sie schauen, wie jetzt die Medienkonzentrationsbewegungen in allen westlichen Demokratien sich in den letzten Jahren entwickelt hat, dann sehen Sie, dass auch die Nachrichtensender, aber auch quasi die ganzen großen Sendergruppen in den Händen von sehr wenigen sind. Muss man nur schauen, wenn Trump eingeladen hat, jetzt gerade bei seiner Amtseinführung. So, und wenn die politisch, ich sage es mal vorsichtig, beeinflussbar sind und auch diejenigen, die quasi, die sie besitzen, die hinter ihnen stehen, ob das jetzt eine große Tageszeitung ist oder ob das ein ganzes Netzwerk, Social Media Netzwerk ist. Dann ist in dem Moment der politische Einfluss nicht nur ausgeschlossen, sondern umgekehrt evident. Von daher glaube ich, das Ganze muss unabhängig sein. Und deshalb gibt es auch gute Gründe, dass in allen Genres, die tatsächlich die Medien wählen, darstellt, etwas unabhängig finanziertes da ist. Ich bin bei Ihnen, wir können darüber diskutieren, wie viel, das Rote Rose ist jetzt nicht ZDF, aber nehmen wir mal Ihr Beispiel, wie viel Rote Rose, wir können auch das Traumschiff nehmen, absolut, wie viel davon im Verhältnis zu anderen soll es sein. Also das ist Argument 1. Argument 2 ist, Sie haben, glaube ich, das Stichwort Vollsortimenter, ein sehr kluges Stichwort eben verwandt, Ich glaube schon, dass was dran ist, dass du, wenn du einkaufen gehen willst und in einen Laden gehst und da findest du quasi nur eine Obstsorte und dann das Vollkornbrot, um also in ihrem Bereich zu bleiben, wir machen nur noch Kultur und Nachrichten, dass da keiner mehr hingehen würde. Also es hat schon das Attraktionsmuster, was es jeher gab, dass du dir den Tatort, das Traumschiff oder was auch immer anguckst und dann hinterher das Heute-Journal oder die Tagesthemen schaust, da ist was dran. Du kriegst ein Vollangebot. Und ich glaube schon, dass wir uns unterscheiden müssen in vielen auch unterhaltenden Formen von den Privatsendern. Manchmal ist man ähnlicher. Ich behaupte, dass wir an vielen Stellen uns auch unterscheiden. Das wäre mein zweites Argument.

Sprecher 1: Das ist ein marktwirtschaftliches Argument, was Sie gerade machen. Sie sagen, wir müssen attraktiv sein, die Leute müssen in unseren Laden kommen und dafür müssen wir mehr anbieten. Ihr könnt ja genauso argumentieren, ihr seid kein marktwirtschaftliches Produkt, ihr bekommt einen Beitrag, den zahlen alle Haushalte und deswegen können diese Menschen, die übrigens politischer sind als der ZDF oder AD, gibt es ja gar nicht, sie sind ja bei Ihnen alle im Fernsehrat, die können bestimmen, was ihr anbieten sollt und deswegen konzentriert ihr euch nicht auf das, was in der Marktwirtschaft ist. angeboten wird.

Sprecher 2: Es gibt in der Sozialwissenschaft den schönen Begriff der sozialen Erwünschtheit. Wenn wir die Leute schauen, was würdet ihr denn gerne gucken? Dann kriegen sie Arte genannt und die Kultursendungen auf Arte und dann kriegen sie auch schnell die Parlamentsdebatte auf Phoenix genannt. Und dann schauen wir uns mal an, was der Konsument, wenn wir schon auf der marktwirtschaftlichen Seite sind, und natürlich hat es für uns eine Relevanz, wenn wir Geld bekommen, dass die Menschen es auch konsumieren in ausreichender Zahl, was der Konsument wirklich macht. Und der einfachste Dreisatz ist, ja, wir waren schon der freundliche Versprecher, wie viele Leute gucken denn Dreisatz? Ein sehr ehrenwertes Programm, was ich verteidige für die Nische. Aber wenn du quasi uns nur noch in der Nische definierst, macht ein paar Kulturprogramme und Theaterübertragungen am Samstagabend um 20.15 Uhr und zeigt mit Phoenix im Parlamentskanal mit ein bisschen Nachrichten, dann werden sie bei 1-2% Markteinteil am Schluss landen. Und dann haben wir eine ganz andere Legitimationsdebatte als die, die wir heute schon haben. Weil dann sagen die Leute, ihr kriegt ja einen Haufen Geld und dann habt ihr nur noch irgendwie für eine Handvoll Menschen. Also ich glaube, es gibt einen guten Grund, warum das Öffentlich-Rechtliche von Anfang an immer in allen vier großen Genrebereichen Kultur, Information, Bildung und Unterhaltung definiert wurde und warum es auch immer zugesprochen wurde, dass wir große Sportereignisse machen. Das ist der Dreiklang, den wir zeigen, den wir erfolgreich zeigen. Und nochmal, über die Programmmischung, und da diskutieren wir im Fernsehrat wirklich viel, darüber lässt sich streiten. kann es nicht ein paar Krimis weniger sein und mehr interessante Dokumentationen etc. Die Frage lasse ich mir stellen. Ich halte es für schwierig zu sagen, wir schließen, wir kapriziert euch bitte nur noch auf das, was die Privaten nicht machen.

Sprecher 1: Ich glaube, dass es trotzdem ein Angebot dafür gäbe. Also wenn Sie auf Karneval, Klamauk und Kai Pflaume verzichten, dann heißt das nicht, dass es nicht mehr geguckt wird, nur eben nicht mehr beim ÖRR.

Sprecher 2: Ja, bei den Unterhaltungen, also bei der etwas seichteren Unterhaltung. Eine Kommen-Show wird auch weiter funktionieren, wenn ihr sie nicht macht. Ja, gut. Also jetzt nehmen wir mal Baris for Rares am Nachmittag. Als schönes Beispiel. Ist das im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Bares für Rares zu machen? Klammer auf, wieso macht es eigentlich kein Privatsender? Da gibt es ja auch Trödelformate.

Sprecher 1: Oder wo ist der öffentlich-rechtliche Auftrag in dem Format? Das ist eine sehr gute Frage. Ja, sagen Sie es mir. Bin ich gespannt.

Sprecher 3: Tag zu kommen, der Bares Verras losgeht. Gut, mein Lieber, du hast ein Schmuckstück mitgebracht? Ja, der ist jetzt sehr interessant. Gibt es eine Geschichte dazu?

Sprecher 4: Es gibt tatsächlich eine Geschichte dazu. Und zwar ging das Gerücht in der Familie rum, weil in der Ringschiene eine mehrstellige Nummer ist.

Sprecher 3: Und das ist die Nummer vom Nummernkonto in der Schweiz.

Sprecher 4: Richtig.

Sprecher 3: Aber das ist eine geile Geschichte. Boah, ich bin jetzt... Bei mir geht es schon wieder voll in Kanone ab, du, weißt du? Was willst du haben dafür, mein Lieber?

Sprecher 4: So, 15, 1600 Euro. Ein realistischer Wunsch?

Sprecher 2: Der Unterschied ist, dass wir über die Herkunft der Gegenstände, die da versteigert werden oder die da irgendwie geschätzt werden, Auskunft geben. Dass wir da eine Expertin oder Experten haben, der sagt, das kommt aus dem und dem Jahrhundert, das hat den und den Wert, das ist kulturell folgender.

Sprecher 1: Jetzt sagen Sie nicht, das ist Bildungsfernsehen, wahres Frage.

Sprecher 2: Aber was wollen wir denn machen? Wollen wir ein Hochschulfernsehen der 70er Jahre haben, wo nur noch... Telekolleg war? Ich ahnte, ich habe das schon die ganze Zeit befürchtet, dass die große Anhänger von Telekollegs... Ey, Bildung heute, wo die Leute sowieso nur noch in der Lage sind, in Häppchen Informationen wahrzunehmen, würde ich das... Echt nicht gering schätzen.

Sprecher 1: Also Ihr Argument ist, Unterhaltung geht auch mit einem öffentlich-rechtlichen Ansatz.

Sprecher 2: Und in der Fiktion, um jetzt mal die roten Rosen zu nehmen, glaube ich schon, dass wir zeigen, wie Menschen in einer Daily oder Weekly miteinander interagieren, wie Soziales verhandelt wird, wie mit Problemen, zwischenmenschlichen Problemen umgegangen wird. Ich behaupte auf anständigere Art und Weise, als wenn ich mir Datingshows anschaue bei RTL 2. Also auch da siehst du einen Unterschied in der Art und Weise, wie wir Formate aufarbeiten und wie wir sie auch gesellschaftlich einordnen. Auch da kann man fragen, wie viele Telenovelas oder Dailies braucht ihr eigentlich? D'accord. Solange wir ein lineares Programm 24 Stunden füllen, ist das auch dabei und ich schäme mich da überhaupt nicht für.

Sprecher 1: Interessant. Dann kommen wir zum zweiten Kritikpunkt am Öffentlich-Rechtlichen. Das eine sind immer die Kosten, klar. Das andere ist die vermeintliche Einseitigkeit. Ich zitiere Hugh Carlton Green, den eben schon angesprochenen ehemaligen BBC-Mitarbeiter, der 1946 den Nordwestdeutschen Rundfunk mitgegründet hat. Und seine Mission lautete für sie, für den Öffentlich-Rechtlichen, Sachlichkeit und Objektivität. Zwei wunderbare Begriffe. Würden Sie sagen, Objektivität ist in allen ZDF-Formaten und bei allen relevanten ZDF-Protagonisten gegeben?

Sprecher 2: Ich würde mir den Begriff Objektivität nicht zu eigen machen, weil ich ihn zur Definition unserer Arbeit für in Teilen ungeeignet halte. Er steht in Ihrem Brüllungsaufruf. Ich würde ihn übersetzen heutzutage mit Unvoreingenommenheit. Wissen Sie, weil wir mittlerweile in Zeiten sind, wo wir... Auch selbst über Objektivität streiten. Wir sind in Zeiten angelangt, wo wir über wissenschaftlich gesicherte Kenntnisse streiten. Dinge, über die wir vor 10 oder 15 Jahren uns noch nicht gestritten hätten. Und auch selbst bei der Wissenschaft würde ich immer sagen, wir zeigen den aktuellen Stand der Wissenschaft. Und Harald Lesch zeigt uns am Abend, was zum Thema Quantenphysik momentan der letzte Schrei ist. Das kann aber logischerweise nächstes Jahr, wenn es einen neuen Stand der Wissenschaft gibt, anders aussehen. Nur, wir bestreiten nicht, dass zu einem Zeitpunkt X das Ganze objektivierbar ist im Sinne von wissenschaftlich gesicherter Wahrheit. Ich weiß aber, dass dieser Begriff mittlerweile auch selbst dieser Begriff umstritten ist. Deshalb sage ich, und der passt vielleicht besser in die Debatte und auch in die Vorwürfe, die uns gemacht wird, ich verlange von meinen Journalistinnen und Journalisten, unvoreingenommen an die Dinge ranzugehen. Ich werde niemanden dazu zwingen, seine eigene private politische Meinung zur Seite zu legen. Darum geht es nicht, sondern ich will, dass meine Kolleginnen und Kollegen ihr Handwerk machen. Das Handwerk bedeutet... deutet, nach klaren journalistischen Kriterien unvoreingenommen an einen Sachverhalt heranzugehen und den so zu beschreiben und einzuordnen, wie sie ihn recherchiert haben. Und da haben wir eine Menge Kritik.

Sprecher 1: Wunderbarer Begriff. Unvoreingenommenheit ist ein guter Begriff, dann bleiben wir dabei. Würden Sie sagen, Jan Böhmermann ist unvoreingenommen in der Auswahl und in der inhaltlichen Akribie und auch Ja, Fokussierung seines Formats.

Sprecher 2: Nein.

Sprecher 1: Weil sie sagen, muss er auch nicht.

Sprecher 2: Genau, weil er nicht in einem reinen journalistischen Format arbeitet.

Sprecher 1: Aber hinter Satire kann man sich natürlich dann immer verstecken.

Sprecher 2: Ja, aber was heißt denn verstecken? Mein Gott.

Sprecher 1: Naja, wenn er dafür sorgt, dass ein CDU-Amtsinhaber sein Amt verlierend, obwohl die Berichterstattung nicht korrekt war, aber eine Politikerin darauf reagiert und diesen Mann rausschmeißt, bis hin zu rechts. Auseinandersetzung, die dieser Herr dann auch noch gewonnen hat, dann muss man doch auch sagen, darf Satire alles?

Sprecher 2: Vorsicht. Also jetzt sind wir, da müssen wir jetzt wirklich sehr präzise, wenn Sie meinen, in dem Fall Schönenboom, BSI.

Sprecher 1: Eine Nähe zu einem russischen Netzwerk unterstellt wurde in einem Format bei Jan Böhmermann, die so nie existierte, die dann am Ende auch gerichtlich so nicht da war, die aber dazu führte, dass Frau Faeser öffentlich gesagt hat, da gibt es Berichte und das wollen wir so nicht mehr.

Sprecher 5: Meine Damen und Herren, wir haben heute eine tolle, spannende Sendung für Sie vorbereitet. Zusammen mit dem Recherchenetzwerk Policy Network Analytics waren wir in den letzten Monaten eine ganz heiße Sache auf der Spur. Ich verrate schon mal so viel. Es geht um Sicherheitsrisiken mit Glatze. Es geht um einen Spitzenbeamten aus dem deutschen Sicherheitsapparat. Clowns kommen auch vor. Und wo Clowns sind, ist natürlich die CDU nicht weit.

Sprecher 2: Fangen wir mal von hinten an. Für die Reaktion von Politik auf Recherche kann und will ich nicht verantwortlich sein.

Sprecher 1: Das ist die Frage, ob das eine Recherche war.

Sprecher 2: Nochmal, für die Reaktion von Politik auf Recherche oder auf Berichterstattung kann ich nicht verantwortlich sein. Das ist ausschließlich Verantwortung der jeweils agierenden Politik. Und jetzt uns zu unterstellen oder gar ein Komplott zu unterstellen, ihr habt dem was vorgeworfen, damit Frau Faeser damals...

Sprecher 1: Komplott nicht, aber es war unser und es führte zu harten Konsequenzen für diese Person.

Sprecher 2: Absolut. So, und jetzt ist aber, das will ich überhaupt nicht bestreiten, dass das eine härteste Konsequenz ist, wenn man da entlassen wird. Aber nochmal, Ursache und Wirkung haben in diesem Moment nichts miteinander zu tun. Jetzt ist die Frage, haben wir was falsch gemacht bei dieser Berichterstattung? Und da finde ich, da bitte ich jetzt darum, da müssten wir uns jetzt wirklich viel Zeit nehmen und sehr präzise reingehen. Auch das Urteil des Gerichts in München hat nicht gesagt, dass das ZDF etwas Falsches behauptet hat. Ja, ja, nee, aber sorry. Da sind wir wieder in Zeiten angelangt, wo quasi...

Sprecher 1: Also der gesamte Sendebeitrag war auf eine vermeintliche Nähe des wichtigsten Sicherheitschefs in Deutschland, was Anti-Cyber-Abwehr betrifft, die Nähe zu Russland ausgelegt, nahegelegt, insinuiert. Die dieser Mann aber nachweislich in den Gerichtsverfahren nicht bestätigen konnte.

Sprecher 2: Es ist kein Satz in diesem Beitrag falsch gewesen. Jetzt kann man sich lange streiten, was ihn so nuiert irgendwie oder vage. genommen wird, aber kein Satz war falsch und kein Gericht hat festgestellt, dass ein Satz falsch war. Das ist echt wichtig, das müssen wir jetzt festhalten. Erstens ist das noch nicht zu Ende, das Gerichtsverfahren, von daher müssen wir jetzt da mal weiter abwarten, was die nächsten Instanzen sagen.

Sprecher 1: Nur die Konsequenzen schon.

Sprecher 2: Vielleicht kommen wir zurück zu der Frage, was kann, darf, soll Satire und verstecken wir uns hinter Satire. Weil also dieser Fall, ich glaube, da bräuchte man eine eigene Sendung dafür, um ihn möglichst präzise mal aufzuarbeiten, was war denn da jetzt wirklich falsch dran oder was haben wir getan. Und vielleicht sollten wir auch abwarten, bis dieses Urteil gefallen ist. Aber die nächste Instanz entschieden hat. Jetzt nochmal zurück, wir verstecken uns nicht hinter Satire, aber ich finde das schon erschreckend, dass wir mittlerweile alleine die Existenz einer einseitigen Sichtweise im Format der Satire komplett hinterfragen und negieren. Ich finde, es gehört zu einer kulturell hochentwickelten Gesellschaft dazu, dass wir uns quasi den Clown leisten, auch wenn er noch so schmerzhaft ist. Und die Größe zu haben, dass einer um 23.30 Uhr einmal die Woche um 23.30 Uhr im ZDF-Programm Dinge tut, die aus welchen Gründen bestimmten Menschen, die davon betroffen sind, wehtun, finde ich, müssen wir ein Stück weit auch aushalten.

Sprecher 1: Total, Helmner, die zentrale Kritik ist an Jan Böhmermann, dass sein Format nicht witzig, manchmal sogar sehr recherchestark und interessant ist, sondern dass es immer denselben Teil des politischen Spektrums aus Sicht der Kritiker trifft. Ich kenne keine harte investigative Antifa-Recherche. Von Jan Böhmermann.

Sprecher 2: Doch, er hat auch Sendungen gemacht, ja. Nein, er hat auch Sendungen gemacht, die sich quasi gegen Links- und Rechtsextremismus gerichtet hat. Er hat auch Sendungen gemacht gegen die Ampelregierung vor zwei Jahren, wo er sich quasi die Regierungspolitik vorgenommen hat und die Grünen und die SPD aufs Korn genommen hat.

Sprecher 1: Okay, aber Satire ist tatsächlich ja was anderes.

Sprecher 2: Ich widerspreche nicht, wenn man die Mehrzahl der Sendungen nimmt und guckt, was er dann, wenn er überhaupt im politischen Bereich unterwegs war, da getan hat, dass sich das mehr gegen quasi das rechte Meinungsspektrum gerichtet hat. Aber wenn Sie es genau angucken, gegen auch das ganz rechte und auch wenn er sich mit bestimmten Netzwerken beschäftigt hat. War das auch, finde ich, eine sehr gute, auch aufdeckende journalistische Arbeit, die da hinter steht.

Sprecher 1: Absolut, aber ich bin bei Mitte rechts gerade, ich bin bei CDU. Ich bin bei einem honorigen, vielleicht etwas langweiligen Präsidenten einer Behörde gewesen. Ich sage nur, wenn es um Friedrich Merz geht und die CDU geht, der Unmut in der CDU ist ja enorm. Und warum ist der so groß geworden in den letzten Jahren? Und das geht nicht um Herrn Böhmermann, da geht es oft um Anja Reschke, da geht es um Donja Hayali, das sind Protagonisten, die beim ZDF sehr prominent sind. Und das Gefühl bei Mitte rechts, ich bin nicht bei Rechtsextrem, ich bin bei Mitte rechts, ist, wir werden nicht fair behandelt. Ist das eine komplette, gefühlige, unsinnige These dieser CDU-Politiker? Gibt es einen Bias, gerade bei Protagonisten, die sehr prominent bei euch sind. Nicht insgesamt im ZDF vielleicht, aber bei den Prominentesten.

Sprecher 2: Also Reschke ist nicht ZDF, muss ich jetzt mal schnell dazu sagen, sondern Norddeutscher Rundfunk. Und von daher nehme ich jetzt mal die anderen beiden Namen. Bei Böhmermann haben wir eben gesprochen, da bitte ich quasi die Einordnung Satire auch ein Stück weit ernst zu nehmen. Für mich gestellig ZDF und ARD. Ja, wir sollten so eine gute Markenpolitik machen, dass Ihnen das immer seltener passiert. Ich will es einfach nur klarstellen, weil ich dafür nicht reden kann. Und die andere Person ist bei Ihnen, die rechte Satire, will ich auch mal sehen, muss ich sagen, seit Tuholsky ordne ich das anders ein. Und trotzdem kann man fragen, wo ist denn bei euch da der Gegenpol? Unter uns, das macht der Fernsehrat auch mit großer Eindeutigkeit, wo sind da quasi die anderen Figuren, wo zeigt ihr auch mal die anderen Sichtweisen. Jetzt kommen wir zu Dunja Hayali. Und da mache ich schon einen sehr, sehr scharfen Schnitt zwischen dem, was ich jetzt der Satire zuordne und dem, was Journalismus bedeutet. Und da sind wir wieder bei dem Thema Unevoreingenommenheit. Ich will nicht, dass irgendjemand von außerhalb wahrnehmen kann, soll, welche politische Haltung oder quasi... Gesinnung meiner Informationsmoderatorinnen und Moderatoren habe. Ich erwarte von meinen Leuten, dass die ein sauberes Handwerk abliefern in der Art und Weise, dass sie alle nach den gleichen Kriterien und gleich streng befragen. Und ehrlich gesagt würde ich das für Dunja Hayali genauso wie für Marietta Slomka oder auch Christian Sievers in Anspruch nehmen. Und wenn dann mal eine Frage oder eine Formulierung verrutscht, in dem, ich sag mal, ein Adjektiv oder etwas Suggestierendes da drin wäre.

Sprecher 1: In den Gefangenen-Austausch, in den Geisel-Austausch.

Sprecher 6: Sieben sind bereits übergeben worden und auf der anderen Seite sind palästinensische... Reiseln, allerdings auch Straftäter. Sozusagen dabei übergehen. Aber dann ist Dunja auch... Dann ist das ein Fehler, dann kann man die korrigieren. Dann sagt die Dunja, das hätte ich besser formulieren müssen. Nee, das wäre jetzt auch nicht mein Beispiel gewesen.

Sprecher 2: Und dann ist das so. Und da haben wir auch eine starke, mit der Zeitung würde man sagen, Plattkritik am nächsten Tag. Und da diskutieren wir darüber noch in der Flurschelte nach dem Heute-Journal oder nach der 19. Uhr und sagen an der Stelle, müssen wir präziser werden und sauber werden. Aber ich muss wirklich sagen, dass meine Kolleginnen und Kollegen im Informationsbereich, ich will keinen haben, der sich damit hervortut, zu sagen, ich bin jetzt eher der linke oder eher der rechte Moderator. Die haben ein Handwerk zu machen nach klaren Kriterien und danach dann auch Nachrichten zu sortieren, zu kuratieren und zu moderieren. Ich will aber auch, dass meine Leute Persönlichkeit haben dürfen auf dem Schirm und gerade im Heute-Journal. Und diese Balance und Gratwanderung, die muss man immer wieder üben und muss man probieren, aber die Kriterien sind klar für mich.

Sprecher 1: Und warum ist sie Ihrer Meinung dann so ins Visier geraten? Ist das dann Sexismus? Ist das Frauenhass? Das kann ich überhaupt nicht. Naja, aber sie ist die zentrale Figur bei der politischen Rechten geworden, weil sie alle das Gefühl haben, sie ist nicht unabhängig, wenn sie ein CDUler oder einen... SPDler-Interview.

Sprecher 2: Ich kenne genug konservative, Entschuldigung, die Donja Hadjali gut finden, die gerne mit ihr Interviews führen oder von ihr gerne interviewt werden. Woher ansonsten Eindrücke herkommen? Ich muss das wahrnehmen. Ich kann nicht bestreiten, dass es diesen Eindruck gibt. Sie wird ja sogar bedroht.

Sprecher 1: Ich rezitiere nur, was da gerade passiert. Aber sind wir da nicht?

Sprecher 2: Also jetzt will ich das, also wir sind ja... sind ja auch mittlerweile in einer Polarisierung der Gesellschaft, die an manchen Stellen auch wirklich atemberaubend ist. Und wo Dinge auch unterstellt werden, die völlig ungerechtfertigt sind. Und da werde ich mich auch immer vor und hinter meine Moderatorinnen und Moderatoren stellen. Wissen Sie, wir brauchen eine gute Fehlerkultur. Und wenn wir was falsch machen, dann sagen wir das laut und deutlich. Oder zur Not entschuldigen wir uns auch. Aber die Angriffe, die da mittlerweile passieren, die meiner Ansicht nach auch keinerlei Beisus haben, ist ein schwieriges gesellschaftliches Thema in der Entwicklung, aber das ist ehrlich gesagt unser Job, da mit breitem Kreuz uns hinzustellen und das auch zu verteidigen. Und im Übrigen, wenn im Fernsehrat, das ist auch exakt der Ort, wo das diskutiert wird, solche Fragen auftauchen, dann besprechen wir jede einzelne Sendung, jeden Satz in der Moderation und sagen, war der jetzt richtig und gut oder war der nicht gut? Und dann sagen wir, okay, war so oder wir lernen daraus. Also da wissen Sie, es gibt keine Institution, behaupte ich, im Medienbereich, die so stark reglementiert, will ich gar nicht jammern, aber kontrolliert ist wie wir.

Sprecher 1: Aber auch in Reutelheim.

Sprecher 2: Ja, absolut. Wir kriegen einen Haufen Geld und dafür müssen wir da aus.

Sprecher 1: Genau, wir müssen alle für sie zahlen. Das ist so und deswegen ist die Kontrolle bei Ihnen logischerweise anders als in einem privaten Medium.

Sprecher 2: Ich will nur sagen, die Intensität mit der einzelnen Sendung, der Wortlaut einzelner Sendungen besprochen wird.

Sprecher 1: Ich halte es auch für gerechtfertigt, aber ich nehme das auf, wie sehr diese Person oder diese mehreren Personen im Fokus sind. Gehen wir mal auf die Studienlage. Es ist ja immer wieder dieser Vorwurf, das Öffentlich-Rechtliche ist linksgeneigt. Dann gab es jetzt mal eine Studie vor zwei Jahren. Forscher der Universität Mainz, Sie werden die kennen, ist ja bei Ihnen ums Eck, Markus Maurer, der gesagt hat, es fehlen Perspektiven im Öffentlich-Rechtlichen. Das war seine Botschaft, vor allem der ländliche Raum, bestimmte Themen. Wir reden über sehr viel Berliner Bubble-Themen, die eigentlich gar nicht relevant sind. Und da draußen interessiert die Mobilität, die Wohnungsnot oder sonst was. Aber er hat auch gesagt, ich zitiere, Es gibt eine extrem deutliche Minderheit von konservativ denkenden Menschen in den Redaktionen, was übrigens sehr, sehr viele ehemalige Redakteure in verschiedenen öffentlich-rechtlichen Politikredaktionen auch durchaus bestätigen. Und das kann dazu führen, wenn die nicht alle ihr Handwerk so verstehen wie Dunja Hayali, dass sie dann doch bei der Themenauswahl, bei der Perspektivenauswahl vielleicht doch... Stärker Mitte links aussuchen als Mitte rechts. Halten Sie diese Studie für völligen Quatsch?

Sprecher 2: Nein, im Gegenteil. Wir haben die Studie gründlich gelesen und sind sehr erfreut, dass gerade dem ZDF und seinen Nachrichtensendungen da eine ziemliche Ausgewogenheit in dieser Studie bescheinigt wird. Ich bin total bei der Anmerkung-Kritik der Studie, dass wir... Immer auf die gesamte Pluralität achten müssen. Und ich glaube auch, dass da was dran ist, dass wir in bestimmten Themengebieten, also Regionalität ist so ein Teil, also schauen wir, was tatsächlich in strukturschwachen Regionen auf dem Land los ist und welche Probleme die Menschen vor Ort, die Busse kommen, nicht die Ärzte ziehen weg und was auch immer, dass wir da stärker hinschauen müssen. Das würde ich, und ehrlich gesagt diskutieren wir das bei uns auch intensiv, dass wir das gewährleisten können. Das würde ich auch sofort als Kritik annehmen. Aber die Studie bescheinigt uns ja gerade eben nicht eine, ich sage jetzt mal, parteipolitische Einseitigkeit im Vergleich zu allen anderen. Schauen Sie es an. Sowohl zu ARD als auch zu den Tageszeitungen stehen wir als ZDF erstmal ziemlich gut da. So, Teil 1. Deshalb finde ich die Studie erstmal... Sehr bemerkenswert und beachtenswert für uns. Die Frage 2 ist, muss ich, wenn die Redakteurinnen und Redakteure das ZDF-Gelände betreten, sie vorher fragen nach ihrer politischen Gesinnung? Und muss ich anfangen, Redakteurinnen und Redakteure nach ausgewogener, am besten nach Sitzverteilung im Bundestag?

Sprecher 1: Aber sie wünschen sich wahrscheinlich trotzdem unterschiedliche soziale... Kulturelle Herkunft, genauso wie Meinungen.

Sprecher 2: Aber das finde ich super als Stichwort. Pluralität der Teams.

Sprecher 1: Haben Sie das, glauben Sie, in allen politischen Redaktionen des ZDF?

Sprecher 2: Nein, nein, nein. Also pass auf. Pluralität, glaube ich, fehlt uns in mancherlei Hinsicht noch in der Belegschaft. In mancherlei Hinsicht. Und da geht es schon mal los. Wir haben 25 Prozent Menschen mit dem berühmten Migrationshintergrund mittlerweile in Deutschland. Das haben wir im ZDF in der Belegschaft nicht. Fangen wir mal so an. Das haben wir nicht. Und darum müssen wir uns bemühen, wie wir das irgendwie voranbringen. Ich glaube, bei Gleichstellung haben wir die Parität längst erreicht. Gott sei Dank auch in allen Führungsebenen. Das ZDF, also Männer und Frauen sind da irgendwie... Ich kann mich nicht zweiteilen. Aber ansonsten ist die Geschäftsleitung paritätisch und darauf bin ich stolz. Gestern kamen gerade die Zahlen noch.

Sprecher 1: Wir haben eine Doppelspitze hier im Privaten.

Sprecher 2: Das erlaubt der Staatsvertrag nicht. Ich benutze ihn selten als Ausrede.

Sprecher 1: Wenn die beiden so verdienen würden wie Sie, Herr Himmler, dann geht es natürlich auch nicht.

Sprecher 2: Ich würde mein Gehalt teilen, wenn ich nur die Hälfte arbeiten müsste. Aber der Staatsvertrag erlaubt es nicht, dass wir das tun. Okay, zu Ihrem Gehalt.

Sprecher 1: Kommen wir später, Herr Himmler.

Sprecher 2: Wir haben einen Volontärsjahrgang eingestellt. Gerade der vor anderthalb Jahren durch die Ausbildung gelaufen ist. Und ich habe sämtliche Bewerber, wir hatten von 40, wir hatten Gott sei Dank 800, 900 Bewerberinnen und Bewerber, die sich, also vorstellig wurden 40, wir haben am Schluss 18 oder 19 ausgelt für den Jahrgang. Die habe ich alle, die 40 habe ich alle persönlich kennengelernt mit meiner Geschäftsleitung, wir haben uns den ganzen Tag Zeit genommen dafür. Und da haben wir auch auf Diversität und Pluralität geachtet. Wie denn, wenn Sie nicht nach Einstellung gefragt haben? Naja, genau. Du guckst dir das an und natürlich siehst du auch im Lebenslauf, wenn jemand Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung war oder wenn er vorher mal bei der Welt war. Stell dir vor, da waren tatsächlich auch mehrere darunter, die eine solche Biografie hatten. Also wir achten, das ist jetzt quasi nicht Einstellungskriterium, aber natürlich achten wir auch an dieser Stelle auf eine Pluralität in den Redaktionsstuben. Und selbst wenn es einseitig wäre, würde ich immer noch mit meinem Argument kommen, Leute, das ist Handwerk und da hat die politische persönliche Meinung nichts zu tun, sondern ihr müsst unvoreingenommen arbeiten.

Sprecher 1: Jüngste Berichterstattung über das ZDF hat er mit Hamas. Sie haben offenbar über viele, viele Jahre jemanden als Mitarbeiter im Gaza gehabt, als vielleicht nicht Auslandskorrespondent, aber zumindest relevante Stimme und Auge des ZDF im Gaza, wie es einer Ihrer Mitarbeiter gesagt hat, unsere Stimme und unser Auge im Gaza, der Hammers-Mitglied war.

Sprecher 2: Also wer soll das gesagt haben mit dem Stimme und Auge? Wir haben an dieser Stelle mit einer Firma...

Sprecher 1: Sie müssen auch mal die Social-Media-Konten Ihrer Mitarbeiter verfolgen.

Sprecher 2: Ja, und dann wäre es nicht, wer auch immer das geschrieben hat, wäre es falsch. Also, ich versuche mal zu sagen...

Sprecher 1: Es gab eine große Trauerbekundung, als er dann gestorben ist und man noch nicht wusste, dass er Hamas-Mitglied war.

Sprecher 2: Na gut, wenn jemand, der für eine Produktions-Technikfirma für uns arbeitet, ums Leben kommt, bei der Arbeit und dabei auch noch ein Kind ums Leben kommt, dass wir dann gemeinsam mal eintreten für das Thema Pressefreiheit und sagen, das ist schwierig, wenn da quasi die Bombe fliegt, halte ich als erste Reaktion, was Frau Schausten da gemacht hat, alles andere für falsch. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt nicht die Information, dass es eine Verbindung zu Hamas gab. Mit dieser Firma arbeiten wir seit 30 Jahren zusammen. Und der Mann, um den es hier geht, war ein... Mitarbeiter der Technik- und Produktionsfirma, der auf der SNG saß und dafür gesorgt hat, dass die Beiträge, die andere gedreht haben, quasi überspielt wird nach Tel Aviv. Er war in keinerlei Berührung mit unserer Berichterstattung. Und mit den Korrespondenten, die kannten ihn noch nicht mal persönlich. Trotzdem, mit einer Firma zu arbeiten als technischen Dienstleister, die einen offenbar, kann das auch nur durch die Erkenntnisse hinterher feststellen, einen Hamas-Hintergrund hat, geht nicht. Deshalb haben wir die Zusammenarbeit mit der Firma eingestellt an dieser Stelle und die Konsequenzen gezogen. Aber daraus jetzt zu konstruieren, Der war Auge und Ohr für euch im Gazastreifen, der hat die journalistische Berichterstattung beeinflusst, ist völlig falsch. Und das muss man an dieser Stelle, und wir haben wirklich ausführlichst mit unseren Korrespondenten, mit den Vorgängern des jetzigen Korrespondenten darüber geredet.

Sprecher 1: Haben wir das geklärt? Letzte Kritik, letzte Frage. Die Geschichte, wie Sie angeblich Ihre Journalistinnen und Journalisten trainieren, um, ich zitiere aus einem Bericht, in politisch korrektem Sprechen und Schreiben. Angeblich darf man im ZDF nicht mehr Menschen mit Migrationshintergrund sagen. So werden Ihre Journalistinnen und Journalisten geschult. Ist das richtig oder ist diese Berichterstattung auch nicht ganz zutreffend?

Sprecher 2: Dummerweise glaube ich selbst gerade gesagt, also offensichtlich habe ich das Seminar nicht richtig besucht, was wir da haben.

Sprecher 1: Aber dass man in politisch korrektem Sprechen und Schreiben bei Ihnen trainiert wird, Ihre Journalisten, anstatt einfach vielleicht das journalistische Handwerk umzusetzen.

Sprecher 2: Also dass das quasi präzises Formulieren und Sprachschule zu unserem Handwerk gehört, werden hoffentlich auch nicht Sie bestreiten.

Sprecher 1: Aber wenn man jetzt mit der Flüchtlings- oder Migrationshintergrund nicht mehr... sagen dürfte, fände ich schon komisch.

Sprecher 2: Ja, also erstens, dieses Seminar, um das es da geht, also eines unserer tausend Angebote, die wir in unserem Ernst gemeint haben, tausend Angebote in der ARD und ZDF Medienakademie, ist von einer Expertengruppe, in der im Übrigen auch Journalistinnen und Journalisten der Süddeutschen Zeitung, der Welt, auch mit dabei waren, auch von der FAZ ist jemand dabei. Und die haben sich darüber unterhalten, was präzise journalistische Sprache in Themengebieten sein kann. Im Übrigen ganz vielen Themengebieten. Und das finde ich erstmal nicht falsch, dass man für Sprachsensibilität auch bei Journalistinnen und Journalisten sorgt. Und dazu gibt es dann ein Seminar, was bei uns quasi in dieses Gesamtangebot aufgenommen wurde. Darin sehe ich weder einen Verstoß gegen journalistische Normen noch irgendwie ansonsten einen problematischen Vorgang.

Sprecher 1: Ja, Himlat, dann ist die letzte Frage eigentlich nur noch. Jetzt ist sie beschlossen, die Staatsreform, wollte ich schon sagen, der neue Rundfunkstaatsvertrag. Das letzte Bundesland hat sein Okay gegeben. Es kann jetzt wohl nicht mehr viel schief gehen. Darf ich das so sagen? Die Landtage werden...

Sprecher 2: Fehlt noch einer, wenn ich das sagen darf. Es fehlt noch der Landtag von Brandenburg. Sachsen hat zugestimmt, es fehlt noch Brandenburg.

Sprecher 1: Okay, also nehmen wir mal an, Brandenburg stimmt auch zu. Was kommt dann konkret aufs ZDF zu? Wo müssten Sie, ich habe gelesen, die Radiowellen werden eingekürzt, Dreisat soll vielleicht mit Arte irgendwie zusammengehen. Wir brauchen diesen einen Nachrichtenportal im Digitalen, der verschmelzen soll. Wo kommt... konkret eigentlich auch schmerzhafte Reformen aufs ZDF zu.

Sprecher 2: Sollen wir erstmal damit anfangen, was Gutes in der Reform vielleicht auch?

Sprecher 1: Aber es ist ja erstmal auch schmerzhaft, wenn man nicht mehr so viel Geld ausgeben soll.

Sprecher 2: Ja, es ist immer, wir müssen alles sparen. Also von daher glaube ich, dass der Gesetzgeber uns Vorgaben macht, welche Programme wir machen sollen, ist erstmal sein Job. Und er hat aber auch erkannt, und das finde ich sehr positiv, dass wir uns insbesondere im Non-Linearen weiterentwickeln können und müssen. Das heißt auch die Frage, wie wir unsere Mediathek, Streaming-OS sagen wir ja mittlerweile, dazu weiterentwickeln, steht jetzt im Staatsvertrag drin.

Sprecher 1: Dass man die auch fusioniert, Adi und Seder?

Sprecher 2: Genau, also die engere Zusammenarbeit, die wir eh schon beschlossen haben, aber auch, wir haben ja für uns auch gesagt, wir wollen da... Open Source programmieren, wir wollen das auch anderen Medienunternehmen anbieten, mit uns da quasi auf eine gemeinsame Plattform zu gehen. Das sind echt wichtige Entwicklungen und die schreibt der Staatsvertrag jetzt fest. Das war vorher noch nicht in dieser Eindeutigkeit vorhanden. Und was uns besonders freut, wir haben ja ein internationales Projekt aufgelegt für bessere Kommunikation im Netz. Public Spaces Incubator heißt das, das sind Add-ons zur Mediathek oder auch zu unseren Apps, wo wir wieder versuchen, einen etwas geschützteren Diskussionsraum zu schaffen, wo man sich nicht nur mit Hass und Hetze begegnet, sondern wo wir in der Lage sind, wieder vernünftige Kommunikation miteinander zu pflegen. Da steht jetzt auch ein Gesetz drin. Und das werden wir jetzt weiterentwickeln. Das ist für mich sehr positiv. Früher hat man immer gesagt, es muss so eine Entwicklungsgarantie für die Öffentlich-Rechtlichen geben. Und da kristallisiert... Was uns wehtut, da haben Sie recht, ist die Vorgabe, dass wir jetzt unsere Sparten- und Digitalkanäle halbieren sollen. Also wurden ja drei Körbe gebildet und da sollen jeweils jetzt die Hälfte der Kanäle und Angebote rausgestrichen werden. Das tut vor allen Dingen uns im ZDF weh, weil ich mir einbilde und ich war ja auch selbst mitbeteiligt, dass gerade ZDF Info und Neo für ein junges Publikum echt eine hohe Relevanz haben. Also wir erreichen mit beiden Kanälen im Monat mehr als 20 Millionen Menschen und uns wurde jahrelang von uns gefordert, ihr müsst mal endlich was für die unter 50-Jährigen tun. Dann haben wir das getan und jetzt kommt Politik und sagt, ja, das ist schön, dass ihr das jetzt geschafft habt, aber jetzt müsst ihr mal die Hälfte der Kanäle rausstreichen. Meiner Ansicht nach die falsche Stelle, um da jetzt ranzugehen. Wir werden uns jetzt aber mit der ARD verständigen, wie wir das gemeinsam jetzt fortsetzen können.

Sprecher 1: Ist der durchschnittliche Nutzer immer noch 72 Jahre alt bei ZDF?

Sprecher 2: Nee. Habe ich mal gelesen. Das waren 62, wenn ich das mal... Aber es macht es ja nur bedingt schöner. Sind sie deutlich drunter. Aber ja, ich nähere mich der Sache jetzt auch langsam an. Aber ich hoffe, es dauert noch eine Weile. Durchschnittsdeutsche ist 52 Jahre alt und selbst beim Kinderkanal ist das Durchschnittsalter 36 oder 37, weil halt auch Eltern und Großeltern mitgucken. Also von daher bin ich immer so ein bisschen... skeptisch, was Durchschnittsalter betrifft, aber nachweislich haben wir es ja gerade mit den Digitalkanälen geschafft, deutlich mehr junge Zuschauer zu bekommen, als wir das mit dem Hauptprogramm geschafft haben. Und ehrlich gesagt war es so als Innovationsmotor auch gut, dass da Juko und Klaas mal bei uns angefangen haben und viele andere, war ja einfach ein gutes Zeichen. Das werden wir jetzt weitermachen im Non-Linearen in der Mediathek. Aber das sind die Herausforderungen, die jetzt der Staatsvertrag mit sich bringt. Und damit müssen wir umgehen.

Sprecher 1: Herr Hemmler, ich glaube, ich habe alles untergemacht, was ich Ihnen kritisch dringend unbedingt mal im Mikrofon, vor dem Mikrofon sagen wollte. Vielen Dank, dass Sie umfassend Stellung genommen haben und dass Sie heute da waren. Vielen Dank, Herr Hemmler.

Sprecher 2: Vielen Dank, es hat Spaß gemacht, aber es war auch herausfordernd, aber so soll es sein.

Sprecher 1: Dankeschön.

Sprecher 2: Danke.