Ist die Energiewende noch zu retten, Herr Birnbaum?
Dauer: 25:41

Ist die Energiewende noch zu retten, Herr Birnbaum?

Eon-Chef Leonhard Birnbaum fordert die Bundesregierung auf, rasch strukturelle Reformen umzusetzen. Er habe ein „echtes Störgefühl“, wenn er auf die Planungen schaue. „Im Moment haben wir die 500 Milliarden zwei Mal verplant, aber strukturelle Reformen sind leider nicht in Sicht. Wenn das so bleibt, hätte die Politik bewiesen, dass man ihr niemals wieder Geld anvertrauen darf.“

Die Förderung der Energiewende hält Birnbaum für überdimensioniert. „Wir bauen am Bedarf vorbei. Wir bauen an der Infrastruktur vorbei. Wir bauen mit zu viel Subventionen und nicht digital. 

Birnbaum lobt im Gespräch mit Michael Bröcker die Wirtschaftsministerin, seine frühere Kollegin Katherina Reiche. Ihr Monitoringbericht setze die richtigen Akzente und Schwerpunkte, so Birnbaum. „Sie macht Vorschläge, die den Kunden zweistellige Milliardenbeträge sparen könnten und kommt dafür unter Beschuss. Das muss man mir mal erklären!” 

[10:13]


Außenminister Johann Wadephul steht in der eigenen Partei in der Kritik. Der Vorsitzende der Jungen Union Hessen, Lukas Brandscheid, fordert Wadephul in einem Deutschlandfunk-Interview zum Rücktritt auf.  

[01:20]


Die Weltgemeinschaft trifft sich zur Klimakonferenz (COP) im brasilianischen Belém. Bernhard Pötter, Redaktionsleiter des Climate.Table, berichtet von einer gedämpften Stimmung. Die Euphorie von Paris sei einer konfrontativen Geopolitik gewichen. Wichtige Themen der COP sind ein Fahrplan für die Finanzierung von 300 Milliarden Dollar für ärmere Länder und die neuen Klimapläne.

[05:29]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Wie groß ist der Rückhalt für Außenminister Wadephul, wohlgemerkt in seiner eigenen Partei, der CDU? Merz hält an ihm fest, aber der Ruf nach einem Wechsel wird in der Union lauter, wenn auch derzeit nur in der dritten Reihe. Was ist da los?

Sprecher 3: Nicht nur Deutschlands Umweltminister, sondern die ganze Welt schaut auf die COP in Belém. Es geht um Klimaschutz. Ja, das Thema gibt es auch noch. Es gibt auch sehr viele in der deutschen Wirtschaft, die weiterhin glauben, dass die grüne Transformation am Ende ein Standortfaktor ist. Wir sprechen mit unserem Redaktionsleiter des Climate Table, Bernhard Pötter, über das, was man von dieser Konferenz erwarten kann.

Sprecher 2: Die deutsche Industrie zahlt mit knapp 20 Cent pro Kilowattstunde mehr Geld für Strom als die Industrie in fast allen anderen Industrieländern. Dabei ist Energie das Fundament nahezu jeder Industrie der Zukunft. Geht das gut? Wir sprechen darüber mit dem Vorstandschef von Deutschlands größtem Energieversorger E.ON, Leonard Birnbaum.

Sprecher 3: Die Energie bei uns hier im Podcaststudio, in der ständigen Vertretung am Schiffbord, sie ist gut. Es ist Freitag, der 7. November. Los geht's.

Sprecher 4: Man kann an dieser Stelle auch Joe Wadephul mal selbst zitieren, der mal gesagt hat, ein Außenpolitiker ist dann besonders gut, wenn er nicht auffällt. Und dem wird er in seinen eigenen Maßstäben nicht gerecht. Und von daher geht es am Ende des Tages darum, dass wir als Partei, aber insbesondere auch die deutsche Bundesregierung einheitlich auftritt und für die Menschen in Deutschland nachvollziehbar handelt. Und das ist in dieser Form absolut nicht der Fall. Und dementsprechend sollte er sich selbst fragen, inwiefern er diesem Abend noch gerecht wird.

Sprecher 2: Das war Lukas Brandscheid, der Vorsitzende der Jungen Union Hessen. Und er hat einen Ratschlag an Außenminister Wadephul, so kann man es freundlich ausdrücken, doch zurückzutreten. Ja, die große Stunde von Lukas Brandscheid. Er ist einer der ganz wenigen, die sich unter eins raustrauen mit solchen Sätzen. Die Frage ist, Michael, wie viele in der Union denken wie Lukas Brandscheid, trauen es sich aber nicht zu sagen und wie viele davon stehen in der dritten Reihe? Einige wahrscheinlich, aber wer ist eigentlich in der ersten Reihe?

Sprecher 3: Keiner offiziell, aber natürlich ist dieser hessische JU-Chef nicht alleine auf weiter Flur. Er gibt denen eine Stimme, die da draußen das Gefühl haben, im konservativen Lager der Union, Johann Wadephul sei eigentlich Annalena Wadephul und er macht eine Art bärbocksche Außenpolitik in christdemokratischer Ummantelung. Und die haben ein Riesenproblem mit ihm und seinem Ministerium. Und jetzt nutzen sie diese aus meiner Sicht völlig harmlosen Äußerungen, die er in einem Stadtteil in Damaskus gehalten hat, der halt nun mal so aus... sieht, wie er aussieht, um das zu skandalisieren. Also ich glaube, da passiert zumindest nichts jetzt im Strategiebuch von Friedrich Merz.

Sprecher 2: Michael, was ich ja so merkwürdig finde, ist, dass man früher immer sagte, das Außenministerium ist eigentlich das am wenigsten parteipolitisch eingefärbte, das, wo es eigentlich gar nicht so einen Unterschied machte, ob jetzt da ein Joschka...

Sprecher 3: Kontinuität in der deutschen Außenpolitik, genau.

Sprecher 2: Ja, so ist es. Und es macht gar nicht so einen großen Unterschied, ob es jetzt ein Joschka Fischer oder ein Steinmeier ist, sondern das ist eine Beamtenschaft, das sind Drahtberichte aus den Botschaften. Es ist Stabilität, Kontinuität und jetzt plötzlich gilt das Haus als linksgrün versifft, so ist es auch beschrieben worden. Und Johann Wadephul als jemand, der sich nicht gegen sein Haus durchsetzen kann und deshalb gar nicht anders kann, als die angeblich linke Ausrichtung seines Hauses umzusetzen. Ich halte das... Eigentlich für falsch, so wie ich das Auswärtige Amt auch aus seiner Beamtenschaft kenne, ist das wirklich nicht besonders links.

Sprecher 3: Ich muss leider sagen, Helene, und dir leicht widersprechen, die Politisierung des Auswärtigen Amts kommt ja nicht durch Wadephul, sondern die kam durch Annalena Baerbock. Die feministische Außenpolitik, der sehr moralinsaure Ansatz der Welt zu erklären, wie man gerne eigentlich auch sie... International sehen würde, diese Länder da draußen, die Annalena Baerbock alle besucht hat. Das war die Politisierung des Auswärtigen Amts. Vorher gab es zwischen Schwarz und Rot aus meiner Sicht immer eine Kontinuität. Die kam erst mit Frau Baerbock. Jetzt kann man das richtig oder falsch finden, was sie damals gemacht hat, Frau Baerbock. Aber Johann Wadephul ist angetreten mit Kanzler Merz eben auch die Äußere Sicherheitspolitik und Außenpolitik aus einem Guss zu machen, konservativer natürlich anzustreichen. Friedrich Merz wollte unbedingt das Außenamt und wenn die das Gefühl haben, da ist dann doch sehr viel Baerbock drin, auch in der Rhetorik, dann ist ja klar, dass so ein konservativer, junger CDU-Abgeordneter sagt, das ist nicht mehr mein Außenministerium.

Sprecher 2: Das Haus als solches zu diskreditieren, als mit einer politischen Agenda versehen, ist falsch. Zumal ja auch andere Quellen berichten aus Syrien. Gestern unser Kollege Markus Bickel. Es sieht dort einfach katastrophal aus, dass ein Außenminister mal sagt, die Verhältnisse dort sind einfach furchtbar, nachdem er das selber gesehen hat und nicht übrigens ein linksgrün versifter Beamter es ihm aufgeschrieben hat. Da finde ich, kann man doch zumindest mal zuhören und man sollte dieser Koalition empfehlen und zwar allen Seiten nicht sofort gleich in eine Art von Empörungswelle zu verfallen und dann auch den eigenen Außenminister zu beschädigen, sondern einfach sagen, das hat der Außenminister gesagt, schreckliche Verhältnisse, trotzdem haben wir die Entscheidung getroffen und das halten wir jetzt durch.

Sprecher 3: Die Bild-Zeitung spekuliert schon über Nachfolger. Jens Spahn wird genannt, Norbert Röttgen oder Armin Laschet. Ich halte das für verfrüht. Friedrich Merz wollte unbedingt das Außenamt. Er hat sogar dafür auf das Arbeits- und Sozialministerium verzichtet. Er wird an Johann Wadephul festhalten.

Sprecher 2: Zehn Jahre ist es her, dass sich die Weltgemeinschaft auf das 1,5 Grad Ziel geeinigt hat. Das war beim Klimagipfel in Paris. Damals war sich die Welt einig beim Thema Klimaschutz. Und heute, Donald Trump ist aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten. Und selbst Deutschland, ehemals Vorreiter bei diesem Thema, ist nicht mehr ganz so laut dahinter. So kann man es vielleicht vorsichtig sagen, auch wenn der Kanzler sich jetzt auf den Weg macht ins brasilianische Belém, wo sich die Weltgemeinschaft am Wochenende und in der kommenden Woche für die nächste COP versammelt. Mit dabei ist Bernhard Pötter, der Redaktionsleiter unseres Climate Table. Kurz bevor er sich ins Flugzeug nach Belém setzt, war er nochmal bei uns im Podcaststudio.

Sprecher 5: Hallo Helene.

Sprecher 2: Bernhard, zehn Jahre ist die COP in Paris jetzt her. Damals herrschte große Euphorie. Das ist jetzt richtig vorangehoben im Klimaschutz. Annalena Baerbock war damals da mit ihrem fast neugeborenen Kind, weil sie das auf gar keinen Fall vermissen wollte. Jetzt, zehn Jahre später, wie ist der Stand der Dinge? Wie viel Euphorie für den Klimaschutz gibt es international noch?

Sprecher 5: Das Pariser Abkommen hat viel erreicht, aber auch viel nicht erreicht. Die Euphorie ist massiv gebremst inzwischen. In Paris vor zehn Jahren war allen klar oder sehr vielen klar, wir müssen zusammenarbeiten, wir müssen kooperieren, um dieses Thema zu lösen. Inzwischen haben ganz viele Sachen das verdrängt. Wir haben inzwischen eher eine konfrontative Situation in der Geopolitik. Wir hatten die Pandemie, was sehr viel kaputt gemacht hat. Wir haben die Konfrontation, wir haben den Ukraine-Krieg, wir haben die neue USA-China. Und wir haben vor allem eine US-amerikanische Administration, die halt nicht nur sich zurückzieht, sondern massiv dagegen arbeitet. Das heißt, die Stimmung ist eigentlich eine des Gegeneinanders als eine des Miteinanders. Und interessant wird, ob in dieser Konferenz die Staaten es schaffen zu sagen, okay, die Amis sind raus und arbeiten dagegen, aber wir halten zusammen und wir haben zumindest sowas wie eine Idee, wie es weitergehen soll.

Sprecher 2: Was sind denn die wichtigsten Punkte jetzt auf dem Pfad hin zur Klimaneutralität? Was muss diese COP beschließen oder sind es am Ende gar keine neuen Verabredungen, die getroffen werden müssen, sondern eher die Umsetzung?

Sprecher 5: Ja, das Interessante ist, dass eigentlich gar nicht mehr so viel beschlossen wird auf der COP. Also es gibt ein paar kleine... Oder ein paar nicht ganz so kleine, aber es gibt ein paar Themen, Anpassung an den Klimawandel zum Beispiel, da wird ein neues Ziel beschlossen. Es sind ganz wichtige Fragen, die aber nur am Rande der Kopf verhandelt werden und nicht beschlossen werden müssen. Das ist das Thema Finanzierung. Wir haben letztes Jahr in Baku ja beschlossen, dass in zehn Jahren nicht mehr 100, sondern 300 Milliarden Dollar jedes Jahr an die armen Länder als Unterstützung und als Hilfe laufen sollen. Da muss es jetzt einen Fahrplan geben, wo kommt das Geld her, wo geht es hin? Auch nicht so einfach. Und es gibt vor allem das große Thema, zehn Jahre nach Paris machen wir zum zweiten Mal die Klimapläne der Länder, also eine Bilanz der Klimapläne, was sie dann eigentlich machen wollen. Die ist jetzt gerade raus und die sagt, wir sind weit weg von den 1,5. oder zwei Grad, sondern wir landen wahrscheinlich bei knapp drei.

Sprecher 2: Heute an diesem Freitag macht sich auch Friedrich Merz auf den Weg nach Belém. Bernhard, du hast vor einigen Tagen eine schöne Geschichte im Climate Table geschrieben mit dem Titel So soll Merz zum Klimakanzler werden. Meine erste Frage ist, will Friedrich Merz das überhaupt?

Sprecher 5: Ich glaube, er will das, aber... Zu seinen Konditionen, also mit seiner Art von Politik und wenn es nichts kostet und wenn es nicht heißt, dass er sehr viel ändern muss von dem, was er bisher tut. Und ich glaube, was ich beschrieben habe, da ist es, dass es sehr viele Leute gibt, die das begriffen haben, auch aus der Klima- und sonstigen Szene, die sagen, Guck doch mal auf das Thema Sicherheit, internationale Sicherheit, guck auf Wettbewerbsfähigkeit, guck auch darauf, dass es juristische Regeln gibt, dass Multilateralismus, an die wir uns auch als Deutsche halten müssen und halten wollen und wir haben uns da verpflichtet. Also es gibt Argumente, es zu tun und die spannende Frage ist, ob Friedrich Merz in der Lage oder willens ist, die aufzugreifen.

Sprecher 2: Wer verhandelt denn nun eigentlich für Deutschland auf der Kopf? Friedrich Merz ist ja nur Anfang zu einem Vorgipfel da der Staats- und Regierungschefs und fährt dann schnell wieder weg.

Sprecher 5: Ja, also die Chefs kommen nur am Anfang, die Staatschefs und Regierungschefs und das ist auch ganz gut so, denn es hat also Konferenzen gegeben wie damals in Kopenhagen 2009, die ist gescheitert, weil zum Schluss die Präsidenten dachten, sie müssen verhandeln. Für Deutschland verhandelt das Umweltministerium, also Carsten Schneider kommt eben zum Schluss und seine Experten, vor allem Staatssekretär Flassbart, ein ganz alter, Alter, Lauding kennt sich sehr gut aus, sehr gut vernetzt. Also Deutschland ist da ganz gut vertreten und die Leute im zweiten und in der dritten Reihe wissen auch alle, was sie tun. Also Deutschland ist da nicht schlecht aufgestellt.

Sprecher 6: Vielen Dank, gute Reise dir, lieber Bernhard.

Sprecher 5: Vielen Dank, bis bald.

Sprecher 3: 14 Millionen Kunden in Deutschland werden von E.ON mit Energie versorgt, vor allem mit sauberer grüner Energie, denn dieser Konzern hat sich längst auf den Weg in die Erneuerbaren gemacht. 6.000 Mitarbeiter, 80 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Ein DAX-Konzern, der die grüne Transformation der Wirtschaft nicht nur will, sondern sie aktiv betreibt. Aber E.ON-Chef Leonard Birnbaum hat durchaus auch seine Kritik an der Energiewende. Zu viel Geld wird für zu wenig Ergebnisse ausgegeben, sagte der Strom sei immer noch zu teuer. Das sei nicht nur für den Wirtschaftsstandort ein Problem, sondern auch für die Zustimmung der Deutschen zur Energiewende. Das wollten wir genauer wissen. Der E.ON-Chef war gestern bei uns im Tablet-Studio in der ständigen Vertretung am Schiffbord am Leonard Birnbaum.

Sprecher 7: Guten Tag, ein Vergnügen.

Sprecher 3: Lieber Herr Birnbaum, Deutschland will immer noch 2045 klimaneutral sein. Schaffen wir das?

Sprecher 7: Ja, die Frage ist nicht, ob wir das schaffen, sondern wie wir das schaffen.

Sprecher 3: Oder sind wir auf einem guten Weg dahin? Oder ist es das, was mir diverse CEOs auch aus der Klimawirtschaft sagen? Völlig illusorisch, aber von mir aus halten wir öffentlich dran fest.

Sprecher 7: Wir sind im Moment auf keinem guten Weg, denn wir erreichen zu wenig mit zu viel Geld und müssten, denn... Deswegen strukturell an einigen Stellen gegensteuern in der Art und Weise, wie wir die Energiewende voranbringen.

Sprecher 3: Machen Sie mal ein Beispiel. Wo gibt der Staat zu viel Geld für die Wende aus und bringt zu wenig Ergebnisse?

Sprecher 7: In der Staat gibt das Geld nicht aus. Am Ende geben wir Verbraucher. Wir haben Ziele definiert für die Energiewende. Was müssen wir machen? Und diese Ziele, um 2045 klimaneutral zu sein, die haben wir dann runtergebrochen in Unterziele und so weiter. Wir haben eine saubere Planwirtschaft aufgesetzt. Jetzt stellen wir fest, die Realität richtet sich nicht nach unseren Plänen. Aber wir halten an den Plänen bisher fest und das ist einfach extrem teuer. Und deswegen muss ich mir immer etwas Positives sagen. Frau Reiche hat genau das Richtige getan, indem sie ein Monitoring aufgesetzt hat und gesagt hat, Leitlinie unseres Handelns muss nicht der Plan von irgendwann gewesen sein, sondern die Realität, die wir heute beobachten, insbesondere wenn das für unsere Kunden so viel billiger ist.

Sprecher 3: Ja gut, sagen Kritiker, sie hat die Ambitionen nach unten geschraubt und damit kommt Deutschland insgesamt nicht ambitionsstark und vielleicht sogar auch wirtschaftsstark aus dieser Transformation heraus, wenn man jetzt schon sagt, das geht so alles nicht.

Sprecher 7: Ja, aber die Praktiker, die jeden Tag tatsächlich im Markt unterwegs sind, also zum Beispiel wie E.ON auf der Verteilnetzseite, wir sind ja die, die die Kunden bedienen oder die Kraftwerker wie RWE, Wir sagen, die Realität, die wir beobachten, ist eine ganz andere und wir begrüßen Es ist außerordentlich, dass sich eine Ministerin einmal an der Realität ausrichtet, anstatt einer ideologischen Zahl, die irgendwann mal gesetzt worden ist.

Sprecher 3: Aber dann lassen Sie uns konkret werden. Mehr als 50 Prozent des Stroms kommen inzwischen aus den Erneuerbaren. Der Zulauf ist ja da. Wir haben fast 3,5 Gigawatt von geplanten 8 beim Windausbau, 12,5 von geplanten 18 bei Solar. Da passiert ja was. Wo sagen Sie denn... Funktioniert es nicht.

Sprecher 7: Diese Ausbauzahlen sind hier abgeleitet worden, weil man sagt, wir brauchen eine bestimmte Energiemenge, 750 Terawattstunden, die berühmten, in einem bestimmten Jahr. Wenn wir auf die Absatzzahlen im Netz schauen, dann stellen wir fest, diese 750 sind vollkommen illusorisch.

Sprecher 3: Wir haben überdimensioniert geplant, sagen Sie.

Sprecher 7: Wir planen zu hoch. Erst baue ich also Kapazität, die ich für das 80% erneuerbaren Ziel in 2030 gar nicht brauche. Das heißt, ich stelle meinen Kunden. Eine Rechnung über etwas, was ich nicht brauche. Und es ist noch schlimmer. Ich baue nicht nur Erneuerbare, die ich nicht brauche. Diese Erneuerbaren müssen ja auch noch ins Netz angeschlossen werden. Das Netz ist aber schon überlastet. Also baue ich Erneuerbare, die ich nicht brauche, in ein Netz, das es nicht verträgt. Und im Ergebnis bezahle ich dann im Netz... Geld dafür, dass diese Kapazität, die ich erst gar nicht hätte bauen sollen, dann bitte nicht produziert, weil sie das Netz überlastet.

Sprecher 3: Ein Problem, bei dem sich alle einig sind, ist der Industriestrompreis, also der Strompreis für die Wirtschaft. Nicht unbedingt mehr vielleicht für die Haushalte, die privaten, aber für die... Wirtschaft. Er ist immer noch bei knapp 20 Cent pro Kilowattstunde. Fünf soll er werden. Jetzt kommt der Industriestrompreis ab Januar. Das hat Frau Reiche angekündigt. Ist das das richtige Instrument? Wird es funktionieren?

Sprecher 7: Also es ist ein sehr schwieriges Instrument, weil es ist erstens unglaublich teuer und zweitens deckt es die strukturellen Probleme temporär zu. Die Gefahr ist, dass man glaubt, das Problem dadurch zu lösen. Also das Preissignal nimmt jetzt jedes Handelssignal weg. Ich muss ja nicht mehr reagieren, ich habe ja billige Energie.

Sprecher 3: Es verändert keine Verbräuche dann auch, ersetzt keine Anreize.

Sprecher 7: Die Ägypter haben Gas subventioniert und im Ergebnis haben sie eine der größten Zementindustrien der Welt bekommen, obwohl sie besser bei ihren Energiepreisen das nie gemacht hätten. Aber das eigentliche Problem ist, wenn wir die Energiewende so weiter betreiben, wie wir sie bisher betreiben, dann kommen ja jedes Jahr weitere Kosten dazu. Dann muss ich entweder jedes Jahr die Subventionen für den Industriestrompreis erhöhen, Oder ich kann es irgendwann nicht mehr doch nicht bezahlen. Und dann habe ich den Subventionswettlauf. Und deswegen muss ich sagen, das Entscheidende ist, dass man jetzt alles tut, um zu verhindern, dass die Kosten unkontrolliert weglaufen. Aber im Moment steigern wir die Kosten, obwohl die Volumina nicht wachsen und dann laufen uns natürlich die Preise davon.

Sprecher 3: Jetzt haben Sie vorgeschlagen, die Subventionen für die privaten PV-Anlagen auf den Dächern zurückzuschrauben. Da denkt man natürlich sofort daran, ja klar, die zahlen keine Netzentgelte und damit macht man ihnen ein bisschen das Geschäft geboten. War das jetzt wirklich ein Vorschlag des E.ON-Chefs, den er als E.ON-Chef gemacht hat, weil ihm das sein Geschäft da ein bisschen wegbricht? Oder ist das ein gesamtwirtschaftlich sinnvoller Vorschlag gewesen?

Sprecher 7: Also ich bin ja im regulierten Geschäft, ich verdiene das Gleiche. Die Frage ist nur, wer es bezahlt. Also rechtsrum oder linksrum verändert das meinen Gewinn nicht. Ich habe den Vorschlag gemacht, weil es keine Notwendigkeit für diese Subventionen mehr gibt. Und wenn etwas nicht mehr notwendig ist, sollte man es schleunigst abschaffen. Also warum ist es nicht notwendig? Wenn Sie eine Solaranlage auf Ihr Dach machen, verdienen Sie auf zwei Weisen Geld. Die erste ist, Sie sparen sich Strom aus dem Netz. Sie benutzen Ihren selbstproduzierten Strom. Darauf zahlen Sie keine Netzentgelte, keine Steuern, keine Konzessionsabgaben, keine was auch immer. Und dadurch kriegen Sie Strom für 7, 8 Cent statt 35. Das ist ungefähr drei Viertel von dem, was die Solaranlage für Sie wert ist. Und ein Viertel oder vielleicht auch nur 20 Prozent kriegen sie dafür, dass sie den Strom einspeisen, den sie selber nicht verbrauchen. Da kriegen sie dann ein paar Cent dafür. Warum müssen wir dieses Viertel auch noch garantieren? Wenn ich das nicht garantiere, dann ist das plötzlich das Problem des Produzenten, sich um die Vermarktung zu kümmern. Dann verliert er vielleicht die Hälfte davon. Also wir reden über einen Umsatzrückgang von 13 Prozent. Wenn es ein Geschäftsmodell gibt, das mit 13 Prozent Umsatzrückgang nicht zurande kommt, dann sollte es dieses Geschäft nicht geben.

Sprecher 3: Aber Sie haben ja doch kein echtes Interesse an einem niedrigen Strompreis. Oder Sie verdienen ja Geld mit dem Strompreis. Wenn die Netzentgelte gesenkt werden, dann verdienen Sie weniger.

Sprecher 7: Völliges Missverständnis. Ich habe keine Erzeugung. Ich habe ja nur Netz. Wenn der Strompreis niedriger ist, dann habe ich den Vorteil, dass die Rechnung, die ich an die Kunden schreiben muss, eine niedrigere ist. Es ist immer leichter, eine niedrige Rechnung zu schreiben als eine hohe Rechnung. Eine hohe Rechnung heißt für mich nur, dass ich große Kosten habe beim Einkauf und große Kosten beim Verkauf. Meine Marge wird dadurch nicht besser.

Sprecher 3: Okay. Und Sie haben ein Interesse daran, dass Frau Reiche die Gaskraftwerke-Strategie ein bisschen verlängert von Herrn Habeck, ein bisschen ausbaut, weil sie eben auch Gaskraftwerke bauen. Die 12 Gigawatt, die jetzt diskutiert werden, die sehr schnell von der EU in die Ausschreibung kommen sollen. Reicht das, um den Strom sicher, zuverlässig, immer auch dann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, für Deutschland und für die deutsche Industrie zu halten?

Sprecher 7: Also erster Punkt, ich habe kein Interesse an den Gaskraftwerken, weil ich baue sie selber nicht. Wenn jemand ein Kraftwerk baut, muss ich es anschließen. Ich bin verpflichtet als Netzbetreiber. Ich habe aber ein Interesse daran, eine sichere Energieversorgung zu haben. Und ich tue mich schwer, mir eine Energieversorgung vorzustellen, die sicher ist, ohne ein Backup im Gas. So, und ob es jetzt 12 Gigawatt oder 16 Gigawatt oder 6 Gigawatt sind, ist mir eigentlich egal. Ich würde einfach nur mal gerne haben, dass wir überhaupt anfangen zu bauen. Und dann, drei Jahre später, haben wir dann 4,5 Gigawatt gebaut, können wir uns ja überlegen, ob wir noch vier bauen oder ob wir aufhören. Stattdessen führen wir jetzt eine endlose theoretische Diskussion, was wohl die richtige Zahl ist.

Sprecher 3: Was ist denn dann hier? Aus Ihrer Sicht das große Problem, dass wir zu träge ausbauen, dass wir zu bürokratisch sind und am Ende gar nicht der Preis entscheidend ist, sondern der Weg dahin bei der Energiewende?

Sprecher 7: Wir richten uns nicht an der Realität aus. Wir bauen am Bedarf vorbei. Zweitens, wir bauen an der Infrastruktur vorbei. Drittens, mit zu viel Subvention und viertens nicht digital.

Sprecher 3: Aber bei all diesen Punkten brauchen Sie die Politik. Sie sind ja in einem Markt, den Sie gar nicht selbst in irgendeiner Weise schneller, dynamischer, effizienter machen können. Weil bei all diesen Themen ist die Regulierung am Schirm.

Sprecher 7: Energie ist immer politisch. Das ist so. Das war auch vor 30 Jahren nicht anders. Energie ist so wichtig für moderne Gesellschaften, dass die Politik sich darum kümmern muss. Aber was mich schon maßlos irritiert ist, Wir haben jetzt ein Monitoring von Verreich auf dem Tisch und wenn man sich die Vorschläge anschaut, ich weiß nicht, was die richtige Zahl ist, aber irgendwas um die 15 Milliarden pro Jahr könnten wir sparen, wenn wir das alles so machen würden. Und jetzt muss ich in jedem Gespräch immer endlos mich rechtfertigen dafür, warum es vielleicht eine gute Idee ist, 15 Milliarden zu sparen. Da denke ich immer, lese ich die falschen Zeitungen. Ich habe das Gefühl, uns fehlt das Geld hinten und vorne. Aber an dieser Stelle, da ist es wohl richtig, 15 Milliarden zum Fenster rauszuschmeißen. Das kann nicht richtig sein. Für unsere Kunden auf keinen Fall.

Sprecher 3: Aber Frau Reichig und dieses Kabinett können es doch einfach entscheiden.

Sprecher 7: Das ist jetzt eine spannende Frage. Das Wirtschaftsministerium hat ja, wir hatten gestern ein Branchentreffen, BDW im Vorstand und wir haben das Arbeitsprogramm des Wirtschaftsministeriums. Wir haben es vorgestellt bekommen. Das deckt alles Richtige ab. Die Frage ist, welche Häuser verhindern denn eigentlich, dass das Richtige geschieht?

Sprecher 3: Ich ahne sie meinen sozialdemokratisch geführten Häusern wie das Umweltministerium.

Sprecher 7: Also irgendwelche anderen Häuser. Also das Wirtschaftsministerium ist aus unserer Sicht auf dem richtigen Pfad unterwegs. Es geht zumindest strukturelle Reformen an und wenn auch nur 70 Prozent davon realisiert werden würde, wäre das ein Riesenschritt nach vorne.

Sprecher 3: Aber was glauben Sie, was treibt die Gegner und Kritiker um? Frau Reiche ist unter Beschuss gerade.

Sprecher 7: Ja, das ist ja schon komisch. Man macht Vorschläge, die den Kunden zweistellige Milliardenbeträge sparen und kommt dafür unter Beschuss. Warum denn eigentlich?

Sprecher 3: Die Kritik ist, dass sie vermeintlich die grüne Transformation dieser Wirtschaft zurückdrehen möchte.

Sprecher 7: Interessengeleitete Kritik, um zu verhindern, dass es zu strukturellen Reformen kommt.

Sprecher 3: Wie sehen Sie das, was die Bundesregierung insgesamt gerade vorhat, um den Standort Deutschlands wettbewerbsfähiger zu machen?

Sprecher 7: Zu wenig. Also die Intention ist ehrenwert und richtig, aber es kommt halt nichts an. Es muss etwas geschehen, denn wenn es zeitnah nicht geschieht, ist das Momentum dieser Regierung vorbei und dann werden wir als Deutschland wirklich nicht vom Fleck kommen.

Sprecher 3: Haben Sie nicht schon im Vorstand die Hände gerieben und ausgerechnet, wie sehr das Sondervermögen Infrastruktur und Ausbau auch der Netze nicht auch am Ende bei Ihnen in der Kasse landen könnte?

Sprecher 7: Davon wird nichts bei uns ankommen. Ehrlich gesagt brauchen wir das auch gar nicht. Wir brauchen nur eine auskömmliche Regulierung. Dann können wir das selber im Kabel. Kapitalmarkt finanzieren und die knappen Mittel können dann für sinnvolle Investitionen verlängert werden. Da habe ich aber natürlich im Moment ein echtes Störgefühl.

Sprecher 3: Bei Sondervermögen?

Sprecher 7: Bei allen Sondervermögen. Wir haben auf europäischer Ebene diese Woche gesehen, dass der Europäische Rechnungshof, glaube ich, vorgelegt hat, dass von den 800 Milliarden Transformationsfonds null an strukturellen Reformen ausgelöst worden ist.

Sprecher 3: Und Sie befürchten ein ähnliches Ergebnis für das deutsche Sondervermögen?

Sprecher 7: Im Moment haben wir die 500 Milliarden zweimal verplant, aber leider null strukturelle Reformen in Sicht. Und wenn das so bleibt, dann hätte die Politik bewiesen, dass man ihnen niemals Geld geben darf, weil sie am Endeffekt nichts damit anrichtet. Sie muss, sie muss unbedingt diese einmalige Chance, dass sie 500 Milliarden bekommen hat, die muss sie jetzt nutzen für strukturelle Reformen. Ansonsten sollte man dieser und auch künftigen Regierung nie wieder Geld geben. Und wer keine strukturellen Reformen macht, der wird Deutschland letztendlich nicht voranbringen. Im Gegenteil, ich glaube... Sagen wir, er wird Deutschland kontinuierlich schwächer machen in einer Zeit, in der wir eigentlich uns auf unsere eigene Macht und unsere eigene Stärke besinnen müssten.

Sprecher 3: Ein deutlicher Appell zum Schluss. Vielen Dank, lieber Herr Birnbaum.

Sprecher 7: Ein Vergnügen.

Sprecher 2: Michi, mein Lieber, war noch was.

Sprecher 3: Schön, dass wir den ersten offiziellen Podcast jetzt hier in der Ständigen Vertretung heute absolviert haben. Kurz vorm 11.11. Helene, den wir gemeinsam feiern werden.

Sprecher 2: Unbedingt nächsten Dienstag. Wer Lust hat, mit uns zu feiern, hier.

Sprecher 3: Genau, ständige Vertretung, 11.11. Denken Sie daran. Und wenn Sie, lieber Wirtschaftslenker, politisch relevanter Mensch oder gesellschaftlich spannender Gesprächspartner, Lust haben, mit uns unbedingt in diesem Podcast zu diskutieren, zu ringen, worüber auch immer, dann gerne auch mal in der Steff. Schreiben Sie uns podcast at table.media.

Sprecher 2: Sehr zu empfehlen, jetzt gerade die Herbstkarte hier übrigens. Wir haben Kürbissuppe gegessen. Es war wie immer wahnsinnig gut und nette Stimmung. Und deswegen macht der Podcast nochmal ein bisschen mehr Spaß.

Sprecher 3: Der Goldene Herbst geht weiter morgen am Samstag mit einem Sonderpodcast. Wir haben lange gewartet, bis er endlich zu uns gekommen ist. Jetzt ist er da. Der ZDF-Intendant Norbert Himmler muss all diese Fragen beantworten, die wir so kritisch haben, rund um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bis dahin. Ciao, ciao.

Sprecher 2: Tschüss.

Sprecher 8: Golden brown, texture like sun. Lays me down with my mind she runs throughout the night. No need to fight, never frown with golden brown. Every time, just like the last, on the ship tied to the mast. Two distant lands takes both my hands, never a frown with golden brown.