Plant die Union eine Minderheitsregierung?
In der Unionsfraktion gibt es offenbar Gedankenspiele zu einer Minderheitsregierung, die sich immer neue Mehrheiten sucht. Fraktionschef Jens Spahn soll es so formuliert haben: „Wir werden nicht gemeinsam sterben mit denen.“ Gemeint hat er die SPD.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Minderheitsregierung immer ausgeschlossen.
[01:23]
Innerhalb der Union wird nach wie vor über die Lage in Syrien und mögliche Abschiebungen diskutiert. Einige Unionspolitiker kritisieren Außenminister Johann Wadephul, weil er die Zerstörung in Syrien mit Deutschland 1945 verglichen hat. Markus Bickel, Chefredakteur des Security.Table, analysiert die Situation vor Ort.
[07:29]
Die Maria-Leo-Grundschule in Berlin-Pankow ist eine besondere Schule - ausgezeichnet mit dem Deutschen Schulpreis 2025. Schulleiterin Sandra Scheffel erklärt im Gespräch mit Anna Parrisius vom Bildung.Table, was an ihrer Schule anders läuft.
[14:49]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die Fliehkräfte in der schwarz-roten Koalition werden noch stärker. Der Druck steigt. Jens Spahn hat gesagt, er wolle mit der SPD nicht sterben. Ein hartes Wort. Und die Sozialdemokraten, die sind nun nervös. Wir bringen sie auf den neuesten Stand.
Sprecher 3: Wie schlimm ist die Lage in Syrien wirklich? Kann man dort menschenwürdig leben? Wenn ja, wo? Und kann man vernünftigerweise Menschen abschieben dorthin oder nicht? Wir sprechen mit dem Mann, der sich dort wirklich auskann, der Nahost-Experte bei uns im Team, der Chef des Security Table, Markus Bickel.
Sprecher 2: Es wird viel geschimpft über das deutsche Schulwesen, zu veraltete Lehrmethoden, zu große Klassen, zu wenig individuelle Förderung und, und, und. Es gibt aber auch Schulen, die mit neuen, teilweise mutigen Konzepten Erfolge feiern. Eine davon ist die Maria Leo Grundschule in Berlin-Pankow, die jetzt sogar den Deutschen Schulpreis 2025 bekommen hat. Wir sprechen mit der Schulleiterin Sandra Schäffler darüber, was an ihrer Schule anders und besonders gut läuft.
Sprecher 3: Es ist Donnerstag, der 6. November. Ein politischer Tag steht uns bevor. Schön, dass Sie dabei sind. Die Rhetorik in der Koalition, Helene, sie wird drastischer. In der Fraktionssitzung hat Jens Spahn den Satz gesagt, der offenbar vielen unter den Nägeln brennt, aber keiner bisher gewagt hat, ihn auszusprechen. Man wolle mit der SPD nicht untergehen, nicht sterben und man müsste sich von denen ein bisschen absetzen. Das klingt fast wie so eine schwarz-blaue Vorab-Ankündigung des Fraktionschefs.
Sprecher 2: Ja, und unsere Kolleginnen Sarah Siebert und Laura Block haben sich in der Unionsfraktion mal umgehört, wie das eigentlich angekommen ist, dieser Satz, und wie man über die Minderheitsregierung denkt. Und da gibt es jedenfalls erste, die unter zwei, also ohne Nennung des Namens, sagen, naja, grundsätzlich ist diese Koalition nicht alternativlos und die Alternative ist nicht schwarz-grün in dieser Erzählung, sondern die Alternative ist alleine untoleriert von der AfD. Was ein Gedankenexperiment ist, was man durchdenken kann und was ja einige Intellektuelle nun auch durchdenken. Philipp Manu zum Beispiel, der Politikwissenschaftler aus Siegen. Meine Rückfrage ist dann immer, was heißt das eigentlich, sich tolerieren zu lassen? In welchen Fragen stimmt man dann gemeinsam? Wo gibt es inhaltliche programmatische Schnittmengen zwischen CDU und AfD? Denn, das darf man ja nicht vergessen, Hauptziel der AfD ist, die CDU zu bekämpfen, die CDU zu vernichten. So steht es in den Strategiepapieren, so kann man es an vielen Aktionen nachlesen. Und wir wissen auch, Friedrich Merz will das nicht. Insofern überraschend, dass... Teile der Fraktion sowas nun zumindest mal halb öffentlich sagen.
Sprecher 3: Thorsten Frey hat gestern in einer kleinen internen Sitzung klargemacht, es bleibt bei der Linie inhaltlicher Auseinandersetzung mit der AfD kein Rütteln daran, das ist unser Hauptgegner, aber du hast recht, da werden eben jetzt Gedankenspiele gespielt, die vor allem auch den Druck eigentlich auf die SPD erhöhen sollen. Nur, die Frage ist doch, Helene, erhöht das den Druck bei der SPD, sich was jetzt in die Mitte zu orientieren, zu den Christdemokraten Sozialstaatsreformen zu machen oder passiert nicht eher das Gegenteil? Wenn ihr mit der AfD droht, dann werden wir noch radikaler, noch krasser, dann machen wir auch nicht mehr alles mit, was ihr hier in der Koalition wollt. Und das ist das, was wir aus der SPD hören. Solange die mit der AfD wählen, kriegt man uns erst recht nicht für gemeinsame Taten mehr. Und das sind die Fliehkräfte, über die wir hier sprechen. Die sind enorm inzwischen. Und Friedrich Merz muss irgendwann klar sagen, wohin er seinen Laden führen will.
Sprecher 2: Ja, er hat es natürlich eigentlich schon klar gesagt. Er hat gesagt, die Brandmauer steht. Er hat gesagt, wir müssen in dieser Koalition gut zusammenarbeiten. Er hat den Geist von Würzburg immer wieder beteuert. Wir stellen allerdings fest, so funktioniert es nicht. Nun haben wir in den jüngeren Zeiten auch... Auseinandersetzung, öffentliche Konflikte innerhalb der Union, zum Beispiel um das Thema Syrien. Aber natürlich das Verhältnis zur SPD ist auch schwieriger geworden. Und ja, was Söder aus der SPD zitiert, das klingt natürlich einerseits trotzig, dann erst recht nicht. Das ist auch nicht getragen von einem partnerschaftlichen Geist. Und andererseits irgendwo auch verständlich, dass die SPD... sich unter Druck gesetzt fühlt und jetzt den Eindruck hat, jetzt werden wir erpresst, entweder wir machen mit oder ihr macht mit der AfD. Ja dann, ich zitiere Frau Rolf Mützenich, dann macht doch das Tor zur Hölle auf. Also dass die SPD sich auf dieses Spiel nicht eilässt, kann ich politisch auch nachvollziehen.
Sprecher 3: Der Druck jedenfalls auch auf die konservativen Teile in der Union, der wird von außen natürlich erhöht, weil der Unmut darüber, dass zum Beispiel in der SPD jetzt schon wieder am Bürgergeld Kompromiss gewackelt wird, dass man bei bestimmten Reformen nicht weitergehen will, der ist so groß in der Union, die immerhin doppelt so stark ist wie die SPD, dass man gerne dieses Drohpotenzial hätte, was man nie hatte, nämlich zu sagen, dann machen wir es ohne euch. Und was ist schon schlimm an einer Minderheitsregierung? Man muss das ja mal durchdenken. Wir stellen CDU-Positionen im Bundestag zur Debatte und dann kann mitstimmen, wer will. Das ist intellektuell natürlich eine Zusammenarbeit mit der AfD, weil wer soll sonst mitstimmen? Die Linken werden es nicht tun. Aber sie verschanzen sich hinter dieser Argumentation. Ist mir egal, es könnten ja auch die Grünen oder die Sozis mitstimmen.
Sprecher 2: Das ist natürlich unaufrichtig.
Sprecher 3: Genau, aber ich sage nur, sie versuchen sich das so dann zu erklären. Ich stehe für CDU-Positionen und bringe sie in ein demokratisch gewähltes Parlament ein. Und wer mitstimmt, ist mir doch egal.
Sprecher 2: Genau, und da hat Friedrich Merz ja nun das Nötige auch dazu gesagt. So was kann man tun in Zeiten, in denen es keine Regierung mehr gab, als sich die FDP aus der Koalition verabschiedet hatte. Und auch damals war er scharf angegriffen worden, dass die CDU mit der AfD gemeinsam abgestimmt hat. Aber in Zeiten, in denen man eine... Koalition hat, muss man Mehrheiten organisieren und Mehrheiten suchen. Und da darf man sich auch nicht naiv hinstellen und zu sagen, ach dann stimmt zu, wer zustimmen will. So funktioniert Politik nicht.
Sprecher 3: Eine Sache, die die Unionsleute, die das jetzt gerade so ein bisschen nach vorne bringen wollen, unterschätzen, ist, Friedrich Merz will die Minderheitsregierung wirklich nicht. Er hat das schon vor der Bundestagswahl in kleinerer CDU-interner Runde immer wieder gesagt, vor allem wegen seiner Rolle in Europa, wegen seiner internationalen Rolle. Er will nicht der Kanzler einer Minderheitsregierung sein, der zu europäischen Gipfeln fährt und immer wieder erklären muss, wenn er was, mal wieder in markigen Worten, entschieden hat in so einer Runde, dass er gar nicht sicher sein kann, ob er es auch zu Hause im Parlament durchbekommt. Friedrich Merz ist der Anti-Minderheitsregierungskanzler, den man sich nur vorstellen kann. Und da unterschätzen, glaube ich, manche Konservative in der Fraktion, ob sie ihn da jemals überhaupt zubekommen können.
Sprecher 2: Dieses Lager, Michael, wendet aber nun natürlich ein. Derzeit ist die CDU noch in der Position, sich zu überlegen, mit wem sie regiert. Möglicherweise könnte es irgendwann anders sein. Und eine AfD überlegt, ob sie mit der CDU regiert. Davon sind wir Gott sei Dank jedenfalls mal auf Bundesebene noch weit entfernt. Aber das sind die Szenarien, die jetzt durchgespielt werden. Und das ließ natürlich tief blicken in den Umstand, den wir ja schon verschiedentlich beschrieben haben, dass nämlich die CDU zur Getriebenen geworden ist der AfD.
Sprecher 3: Und Helene, wir machen mal einen Aufruf hier im Podcast, weil dieses ganze Geraune von anonymen Quellen uns als Journalisten ja so nervt. Wenn Sie also CDU-Bundestagsabgeordneter sind und das argumentieren möchten, warum eine Minderheit... Heizregierung realistisch, sinnvoll und vielleicht sogar vernünftig sein sollte, dann kommen Sie doch einfach in unseren Podcast und sagen Sie es unter 1.
Sprecher 4: Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Es gibt jetzt keinerlei Gründe mehr für Asyl in Deutschland und deswegen können wir auch mit Rückführungen beginnen.
Sprecher 5: Wir haben natürlich immer gehört, dass Assads Luftwaffe, aber auch die russische Luftwaffe hier Angriffe geflogen hat. Die Folgen dieser Flächenbombardements erinnern einen an die Bilder, die wir aus dem Deutschland von 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg gesehen haben.
Sprecher 4: Joe Wardefull hat Ende letzter Woche einen Teil der Stadt Damaskus besucht, der nicht nur besonders stark beschädigt war, zerstört war, sondern der zum Teil auch vermint gewesen ist. Und noch einmal, es werden vor allen Dingen die Syrerinnen und Syrer gebraucht, um das Land wieder aufzubauen. Und genauso hat Joe Wardefull auch gesagt.
Sprecher 2: Da hat Friedrich Merz doch gerade das Machtwort gesprochen und klargestellt nach dem koalitionsinternen Streit, dass Deutschland weiterhin an dem Plan festhalte, abgelehnte Asylbewerber nach Syrien abzuschieben. Da sagt Außenminister Wadephul schon wieder einen Satz, der für Aufregung sorgt und zwar vor allem in den eigenen Reihen, in der eigenen Unionsfraktion. Er hatte dort... am Dienstag die Situation in Syrien mit der Lage in Deutschland 1945 verglichen und damit die komplette Zerstörung von Teilen des Landes, insbesondere die Vorstädte von Damaskus, gemeint. In der Fraktion gab es richtig Ärger dafür. Einzelne Abgeordnete, so heißt es, hätten ihn scharf angegangen, hätten davon gesprochen, dass seine Äußerung schlimm sei, geradezu desaströs. Der Vergleich mit Deutschland 45 regt viele auf. Ja, und auch von Jens Spahn ist überliefert, dass er dafür plädiert haben soll, die Dinge dann doch bitte klar zu machen, zu präzisieren. Also die Unionsfraktion streitet weiter darüber, welche Worte man eigentlich für die Lage in Syrien wählen darf und welche nicht. Und natürlich auch, was daraus folgt in Sachen einerseits Anerkennung von Syrern als... Beleibeberechtigte bzw. Abschiebung nach Syrien. In welchem Zustand ist dieses Land denn nun wirklich? Denn darum geht es ja am Ende. Wie ist die Lage vor Ort? Das weiß Markus Bickel. Er ist der Redaktionsleiter unserer Security Table und langjähriger Nahost-Experte. Hallo Markus, schön, dass du da bist.
Sprecher 6: Schön hier zu sein.
Sprecher 2: Wie zerstört ist dieses Land wirklich? Was ist noch übrig geblieben? Ist es unbewohnbar tatsächlich in einigen Gebieten? Wie schätzt du es ein?
Sprecher 6: Es ist in einigen Gebieten unbewohnbar und in vielen Gebieten wohnen aber Menschen, aber die Umstände, in denen sie leben, sind nicht unbedingt menschenwürdig. Und das ist ja eines der Kriterien. für eine Rückkehr, was jetzt genannt wird. 16 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es gibt immer noch 6 Millionen Menschen innerhalb Syriens, die nicht in ihren ursprünglichen Wohnungen leben, weil sie vertrieben wurden. Und es gibt rund 5, 6 Millionen Syrer im Ausland, von denen viele zurückkehren wollen, die es aber unter den Umständen jetzt nicht können.
Sprecher 2: Zurückkehren wollen, um auch das Land mit aufzubauen. Das ist ja eben genau die Frage. Der Einwand ist ja nicht ganz falsch zu sagen, warum sollen eigentlich nur Straftäter und Gefährder dieses Land mit aufbauen? Warum nicht auch diejenigen, die die Kraft haben, vielleicht in Deutschland sogar eine Ausbildung gemacht haben und das dann dort. Anwenden können, oder?
Sprecher 6: Die gibt, um den Blick vielleicht ein bisschen von Deutschland wegzuwerfen, sind es ja 5 Millionen Syrer, die vor allem um Syrien herum geflohen sind. Und da gab es letztes Jahr 2024, also vor dem Sturz Assads, Umfragen, da wollten nur 50 Prozent eines Tages zurückkehren. Und jetzt ein knappes Jahr nach dem Sturz Assads sind es 80 Prozent, die zurückkehren wollen. Und jeder Vierte will das eigentlich in den nächsten zwölf Monaten tun. Insofern gibt es da schon den Willen, zurückzukehren.
Sprecher 2: Aber sagen wir mal, wie ist es denn, wie gefährlich ist es dort tatsächlich zu leben? Gibt es ausreichend Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung? Sind also die Basics einigermaßen gesichert, um, wenn schon kein gutes Leben, zu haben, doch zumindest überleben zu können.
Sprecher 6: Für 90 Prozent der Menschen in Syrien heißt das unter der Armutsgrenze. Also das sind die menschenwürdigen Bedingungen. Das ist ein Leben in Armut für große. Teile der Bevölkerung. Und für 16 Millionen ist es nicht möglich, sich genügend für den Lebensunterhalt zu verdienen aus eigener Kraft. Also da müssen Hilfsorganisationen einspringen. Und ja, dann beginnt eine Auslegung, sind Menschen, die heute in Deutschland leben, mit ihren Kindern, die vielleicht auch schon zehn Jahre alt sind, bereit zurückzukehren mit dieser Familie, mit der Perspektive, die sie hier hatten. Und da sagen viele Stand heute noch nein, aber wären durchaus bereit, diesen Schritt zu gehen. Aber dieses... Gefühl gedrängt zu werden, verunsichert, glaube ich, viele Menschen. Und es sind ja in dem einen Jahr seit dem Sturz Assads etwa 2000 in Deutschland ansässige Syrer zurückgegangen. Rund 900.000 sind es. Der Trend geht zu einer Rückkehr, aber ich glaube, viele dieser Familien fühlen sich in Deutschland heute eher zu Hause als in Syrien.
Sprecher 2: Rechtlich ist es ja so, wer vollziehbar ausreisepflichtig ist, kann abgeschoben werden. Jetzt ist die Frage, Markus, der Bürgerkrieg ist offiziell beendet, aber die Gefährdungslage, die Sicherheitslage würde mich interessieren. Sind einzelne Gruppen nach wie vor verfolgt? Werden sie bedroht? Das, was erniedrigende Behandlung, Folter und Ähnliches bedeutet, besteht das noch? Denn das wäre ja dann aus rechtlicher Sicht der Grund zu sagen, sie dürfen nicht abgeschoben werden, beziehungsweise sie haben einen Anspruch hier zu bleiben und bekommen Asyl.
Sprecher 6: Es gab im März Unruhen mit hunderten Toten an der Küste. Das richtete sich gegen die alawitische Minderheit. Es waren die Drusen im Visier. Da sind im Juli bei Kämpfen in Sueda auch tausend Menschen getötet worden. Bei Kämpfen mit den Sicherheitskräften der Regierung von Al-Shara, einem Ex-Al-Qaida-Kämpfer. Und die Sorge auch der christlichen Minderheit, der kurdischen Minderheit, dass sie unter diesem Regime nicht sicher sind, ist gegeben. Und diese Unruhen sprechen dafür, dass das keine eingebildete Angst ist, sondern eine tatsächliche. Insofern ist es gerade für Minderheiten, für Christen, für Drusen nicht sicher zurückzukehren. Das neue Regime, wenn man so will, hat auch nicht die Sicherheitskräfte, die diesen Schutz gewährleisten können. Und wenn Sicherheit und Schutz das Erste ist, was der Staat bieten muss, ist dieses Syrien elf Monate nach dem Sturz Assads noch nicht so weit, diesen Schutz zu gewähren.
Sprecher 2: Die neuen Machthaber, die Islamisten sind, so muss man es sagen, haben wahrscheinlich andere Gruppen dann im Visier als das Assad-Regime. Aber so sagst du es, die Sicherheit jedenfalls generell ist nicht gegeben. Man muss genau hinschauen, einerseits auf die Region, auf die Frage, wie zerstört ist eine Region, wie viel Infrastruktur besteht noch und andererseits die Frage, um welche Gruppen von Menschen handelt es sich. Also ein differenzierter Blick ist notwendig und das empfehlen wir doch der Politik, die dieser Tage so wahnsinnig aufgeregt und emotional über das Thema redet und weder die rechtlichen noch die tatsächlichen Aspekte so ganz genau kennt. Vielen Dank, Markus, dass du hier warst und uns darüber aufgeklärt hast.
Sprecher 6: Danke dir.
Sprecher 2: Wenn man die Eltern in diesem Land fragt, dann sind sie sich doch ziemlich einig, das deutsche Schul- und Bildungssystem ist nicht gut genug. Und ja, das Narrativ ist, früher war alles besser. Das ist allerdings nicht nur ein Gefühl, das belegen auch Vergleichstests wie etwa PISA. Deutschland, so müssen wir feststellen, bleibt deutlich zurück hinter den eigenen Ansprüchen einer Bildungsnation. Das liegt am massiven Lehrermangel in diesem Land, aber wir sehen auch, dass die Schulgebäude häufig im schlechten Zustand sind. Und Bund und Länder suchen nun nach Lösungen für dieses Thema, das natürlich auch mit Geld zu tun hat. Es gibt aber auch Schulen, die auf eigene Faust versuchen, den Standard zu heben und den Kindern Spaß beim Lernen zu machen. Und übrigens auch den Lehrerinnen und Lehrern, die dann Spaß beim Unterrichten haben. Zu diesen Schulen gehört die Maria-Leo-Grundschule in Berlin-Pankow. Das Gesamtkonzept, das dort entwickelt wurde, hat jetzt auch die Jury des Deutschen Schulpreises überzeugt. Und deswegen hat die Maria-Leo-Grundschule den Wettbewerb in diesem Jahr gewonnen. Anna Parisius, Redakteurin in unserem Bildungstable, hat mit der Schulleiterin Sandra Schäffler darüber gesprochen, was an ihrer Schule besonders gut funktioniert und warum.
Sprecher 7: Ja, hallo und herzlich willkommen, Frau Schäffel. Ich freue mich sehr, dass Sie heute hier im Podcast sind und wir sprechen können. Wenn Sie das mal... für uns herunterbrechen. Was erwartet mich denn jetzt als Schüler an Ihrer Schule?
Sprecher 8: Was bei uns besonders ist, dass wir die ganzen starren Strukturen aufgebrochen haben. Also es geht schon damit los, dass wir nicht alle gemeinsam um 8 Uhr beginnen, sondern wir mit einem offenen Anfang starten. Also man kann in der Zeit zwischen 7.45 Uhr und 8.15 Uhr in die Schule kommen und dann so den Tag starten, wie man das eben braucht. Manche müssen erstmal von der Schule abbeißen, weil sie zu Hause noch nichts gefrühstückt haben. Manche starten sofort mit der Aufgabe, die sie gestern nicht geschafft haben und haben ihr erstes Erfolgserlebnis. Andere müssen vielleicht auch noch erstmal einen Konflikt von gestern klären, um gut zu starten. Und dann gibt es aber nicht diesen starren 45-Minuten-Rhythmus, sondern wir arbeiten in Blöcken und innerhalb dieser Blöcke können die Kinder ihren Lernweg selbst gestalten. Unsere SchülerInnen... Sie gestalten ihre Lernwege selbst, das heißt, sie setzen sich Lernziele und arbeiten so an ihren Lernzielen, wie sie denken, sie zu ihrem Lernziel kommen. Wir unterscheiden zwischen den Mikros und Makros, wir machen jahrgangsübergreifendes Lernen. Die Mikros sind die 1-3er, die Makros sind die 4-6er. Wir wollen aber ein bisschen von diesem Klassengedenke wegkommen, weil sobald man die Kinder in Klassenstufe 1, 2, 3 einstuft, dann sind wir doch wieder in diesem Gleichschritt und die Kinder sind ja immer dazwischen. Deswegen sagen wir immer, unsere Kinder werden in einem Mikrolernhaus eingeschult, lernen dort in der Regel zwei, drei oder vier Jahre. Mikros werden von uns noch enger begleitet. Die brauchen noch ein bisschen mehr Strukturen und Vorgaben. Aber sobald wir merken, sie können sich alleine gut strukturieren und Ziele setzen, dann nehmen wir uns zurück, dass sie ihre Lernwege begleiten können.
Sprecher 7: Wie verhindert man denn, dass das so im Chaos ausartet, also dass es dann irgendwie trotzdem gewinnbringend ist für die Schüler?
Sprecher 8: Ich bin der Meinung, dass Freiarbeit nur dann richtig gut funktioniert, wenn sie ganz klar strukturiert und ritualisiert ist. Und dann kommen wir eigentlich von diesem Begriff frei, strukturiert und ritualisiert. Das ist dann, vielleicht schließt sich das eine ein bisschen aus. Das sind ja ein paar widersprüchliche Wörter, aber ich finde das total wichtig. Wir haben ganz klar einen Schulkodex uns erarbeitet und zeigen dort als Pädagogenteam starke Wir-Präsenz, sodass sich in dieser Arbeitsumgebung, die es für die Pädagogen ist oder Lernumgebung, die es für unsere SchülerInnen sind, jeder gut entfalten kann. Und dazu gehört für mich ganz klar eine ruhige Arbeitsatmosphäre.
Sprecher 7: Sie haben als eine der ersten Berliner Schulen einen Bau nach dem sogenannten Compartment-Prinzip. Die Idee ist so ein bisschen, dass man mehrere kleine Schulen in einer großen hat. Also jede Einheit, Sie haben jetzt von Mikros und Makros gesprochen, also immer diese jahrgangsübergreifenden Klassen, dass die dann eigene Klassenräume, ein Forum, und auch Teamräume für das Personal haben. Wie profitieren denn die Schüler von so einem Gebäude?
Sprecher 8: Man wird in einem Lernhaus eingeschult. Die haben bei uns auch besondere Namen. Also es gibt das. Das Bauhaus, die Museumsinsel und die Kunstvilla. Und ich mache es jetzt mal ein Beispiel vom Bauhaus. Man wird in das Bauhaus Mikro eingeschult und dort lernt man in diesem Lernhaus in der Regel drei Jahre. Und in diesen drei Jahren wird man in der Regel von einem festen Pädagogin-Team begleitet. Das sind ungefähr elf Pädagoginnen und ich sage bewusst Pädagoginnen, weil das sind nicht nur LehrerInnen, das sind ErzieherInnen, das sind FSJlerInnen, das sind... SchulhelferInnen, das sind PraktikantInnen, also alle, die wir irgendwie gewinnen können für unser multiprofessionelles Team, die gewinnen wir. Durch dieses Lernen und Arbeiten in diesem festen Lernhaus für drei Jahre entstehen bei uns gute Beziehungen. Und das ist für mich eine wesentliche Voraussetzung für gute Bildung. Gute Bildung braucht gute Beziehungen und gute Beziehungen müssen wachsen. Und die wachsen eben nicht, wenn der Lehrer in der ersten Stunde im Raum 105 ist und in der zweiten Stunde im Raum 305 mit seinen Materialien irgendwie weiter raufen müssen. Und die funktionieren auch nicht, wenn Kinder immer hin und her wechseln müssen. Die brauchen ein klares Setting, die brauchen ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt. Und die kommen ja früh bei uns schon in die Schule und ziehen erst mal ihre Hausschuhe an und dann geht man in sein Lernhaus, in seine Lernhausfamilie und so eine Stimmung ist da auch entstanden. Man fühlt sich für das Lernhaus verantwortlich, auch als Kind. Also ich möchte mich hier wohlfühlen, also trage ich auch alles dafür bei, dass ich mich hier wohlfühle. Ich sorge für Ordnung, ich passe auf, dass hier sich jeder an die Regeln hält. Wir vermeiden Verschmutzung oder Zerstörung, also wir kämpfen einfach. Und wenn sie nach... drei Jahren in der Regel sozusagen fit für die Makros sind, ziehen sie einfach nur auf die gegenüberliegende Seite. Das ist für die Kinder ein großer Umbruch, weil man vom Mikro zu machen wird, aber eigentlich auch nicht, weil man in diesem Lernhaus ja schon eingeschult wurde und die Pädagoginnen da drüben arbeiten sehr eng mit den Pädagogen Mikro zusammen, weil die teilen sich ein Teamzimmer. Und wenn man über Maxin... Weil der doch große Herausforderungen hat, spricht, kriegen das automatisch die zukünftigen MakrolehrerInnen schon mit und Maxin ist nicht unbekannt.
Sprecher 7: Sie haben im Vorgespräch, als ich Sie nach den Erfolgsfaktoren der Schule gefragt habe, haben Sie betont, dass Ihnen die Teamarbeit im Kollegium unter den Lehrkräften und auch anderen anderem Personal, was da beteiligt ist, so wichtig ist. Wie muss man sich das vorstellen? Was ist an Ihrer Schule anders als in anderen Schulen möglicherweise?
Sprecher 8: Also Schulentwicklung, die wir kontinuierlich seit sieben Jahren betrieben haben, die passiert nicht am Schreibtisch der Schulleitung, sondern die passiert im Team. Aber die passiert auch nur dann, wenn wir uns Raum und Zeit für Schulentwicklung nehmen. Wenn man viermal im Jahr eine Gesamtkonferenz macht für anderthalb Stunden, wo auch ganz viel organisatorischer Kram immer eine Rolle spielt, da entwickelt man die Schule. Das heißt, man muss sich bewusst Zeit nehmen, um Ideen aufzugreifen, Visionen zu entwickeln, auch zu evaluieren und mal zurückzuschauen. Sich kritisch zu hinterfragen, war das jetzt der richtige Weg. Wir haben eine Stunde. Stundenplanstruktur geschaffen in unserer Schule, sodass es möglich ist, dass wir regelmäßig, das heißt wöchentlich, in Teams in den Austausch kommen. Also bei uns beginnt am Montag zum Beispiel die Schule erst um 9 Uhr, aber alle Pädagoginnen sind am Montag ab um 8 Uhr im Haus, weil wir gemeinsam mit verschiedensten Teamsitzungen in den Lernhäusern starten und uns austauschen. Und am Dienstag endet für alle SchülerInnen bei uns der Unterricht immer nach der Mittagspause. Dort treffen sich die LehrerInnen nochmal. Um gemeinsam Unterricht zu entwickeln. Das heißt, diese Teams treffen sich wöchentlich für 45 bis 90 Minuten. Und das ist, was wir geschaffen haben. Wir haben eine klare Teamstruktur geschaffen mit klaren Verantwortlichkeiten. Es war ein langer Prozess und wir wissen auch jetzt noch, wo wir besser werden können. Aber dadurch war Teamarbeit möglich und in diesen Teams, entstehen tolle Sachen.
Sprecher 7: Ja, vielen Dank, Frau Scheffel. Das war sehr interessant. Vielen Dank für das Gespräch.
Sprecher 8: Danke.
Sprecher 7: Lieber Flo, heute geht die Frage mal wieder an dich. Hast du noch was?
Sprecher 9: Ja, ein spannendes Pilotprojekt aus Australien tatsächlich. Energiewende mal anders, denn alle sollen davon profitieren. Der Plan ist, dass in drei Bundesstaaten im nächsten Jahr zur Mittagszeit für alle der Strom kostenlos sein soll. Liegt einfach daran, dass da natürlich der meiste Solarstrom dann produziert wird und es teilweise zu viel ist und man nicht genau weiß, wohin damit eigentlich. Also möchte man die Leute dazu erziehen, besonders mittags, wenn viel Strom da ist. dann auch viel Strom zu verbrauchen. Also Waschmaschinen dahin vorprogrammieren, Spülmaschinen, das Elektroautoladen, was einem alles so einfällt. Also alles, was man nur an die Steckdose hängen kann, soll man machen. Kostet dann nichts. Wenn der Plan aufgeht, würden dann alle davon irgendwie profitieren, weil sie weniger Strom bezahlen müssten.
Sprecher 2: Das Klimathema wird uns überhaupt die nächste Zeit sehr beschäftigen, denn am Wochenende beginnt die COP, die internationale Klimakonferenz im brasilianischen BLM. Und das werden wir auch morgen im Podcast machen. Wir freuen uns, wenn Sie dann wieder dabei sind.
Sprecher 10: You come from a land down below. You better take cover. You better take cover. My love. Yeah. Better run, better take cover.