Ist Deutschland für Investoren attraktiv?
Jeannette zu Fürstenberg gehört zu den erfolgreichsten Risikokapitalgeberinnen Deutschlands. Sie hat früh auf Start-ups wie Helsing und Mistral AI gesetzt und verantwortet das Europageschäft von General Catalyst. Sie beteiligt sich nicht an Schwarzmalerei und Pessimismus – stattdessen ist sie davon überzeugt, dass Europa alle Chancen hat.
„Ich habe viel Hoffnung, dass wir das Ruder rumreißen", sagt zu Fürstenberg im Gespräch mit Michael Bröcker. Europa habe eine enorme Talentdichte, proprietäre Industriedaten und die höchste Dichte an Weltmarktführern – perfekte Voraussetzungen für die KI-Revolution. In ihrem Buch „Wie gut wir sind, zeigt sich in Krisenzeiten" beschreibt sie, wie Europa sein enormes Potenzial entfalten kann.
[08:30]
Die EU hat keine eigene Armee und auch keine einheitliche Verteidigungsstrategie. Das soll der neue EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius ändern.
„Wir brauchen 400 Mal mehr Luftverteidigungsmöglichkeiten, als wir jetzt haben", zitiert Kubilius NATO-Generalsekretär Mark Rutte. 80 Prozent der Waffen, die EU-Regierungen in den letzten Jahren gekauft haben, seien außerhalb Europas beschafft worden. Kubilius fordert ein Umdenken und sieht gerade Deutschland in der Verantwortung, ein Beispiel für europäische Kooperation zu setzen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die EU hat keine eigene Armee und sie hat immer noch keine eigene einheitliche Verteidigungsstrategie. Dabei wird es doch jetzt wirklich Zeit. Und es reicht auch nicht nur auf Russland zu schauen, denn es gibt auch noch andere Bedrohungslagen. Das sagt der Verteidigungskommissar Andrius Kubilius, unserer Kollegin vom Security Table, Wilhelmine Stenglin. Darauf sollten Sie gespannt sein. Ist Deutschland ein attraktiver Standort für Investoren? Das ist die Gretchenfrage, wenn es in Deutschland wirtschaftlich wieder aufwärts gehen soll. Eine, die es wissen muss, ist Janett zu Fürstenberg. Sie ist die renommierteste deutsche Kapitalgeberin, Investorin. Sie hat La Familia gegründet und unter anderem in Firmen wie Helsing, wie Mistral AI oder Personio investiert. Sie ist eine derjenigen, die ganz früh reingeht in Unternehmen, nur eine Idee und sonst noch gar nichts haben. Ihr aktueller Bestseller, wie gut wir sind, zeigt sich in Krisenzeiten, ist wirklich dringend zu empfehlen. Heute ist sie bei uns im Interview. Und zum Schluss geht es bei uns nach Mallorca, wo gerade 28 Grad sind und einige Mitglieder der Regierung es sich gut gehen lassen, unter anderem der Kanzler. Es ist Mittwoch, der 29. Oktober. Legen wir los. Eigentlich wissen wir es seit 1950. Ein gewisser französischer Ministerpräsident René Pleven hatte den Pleven-Plan aufgeschrieben und darin stand mehr oder weniger, konsentiert, irgendwann braucht Europa diese europäische Verteidigungsunion, diese einheitliche Armee. Doch dann kamen nationale Interessen und Egoismen immer wieder dazwischen. Jetzt, wo die Bedrohungslage nicht nur durch Russland neu und akut ist, müsste es doch etwas schneller gehen. Einer, der das vorantreiben soll, ist Andrius Kubilius aus Litauen. Er ist der erste Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, den die EU jemals hatte. Und er soll jetzt dafür sorgen, dass aus diesen ganzen Interessen der Nationalstaaten eine einheitliche Strategie wird. Eine Mammutaufgabe, das kann man sich vorstellen. Auf welche Bereiche er sich konzentrieren will und wo die größten Herausforderungen sind, das hat der Wilhelmine Stenglin, unserer Kollegin vom Security Table, gesagt.
Sprecher 3: Ja genau, ich habe Herrn Kobilius am Rande des Berling Global Dialog getroffen und habe ihn gefragt, ob es innerhalb der EU überhaupt eine gemeinsame Bedrohungswahrnehmung gibt. Und er sagt, es gibt natürlich unterschiedliche Prioritäten. Er selbst wirbt dafür, dass die Herausforderungen auch der südlichen Staaten noch mehr beachtet werden. Er spricht von einer Mediterranean Flank Watch, das ist dann so das Pendant zur Eastern Flank Watch, die bereits auf der Agenda steht. Und da würde es dann beispielsweise um den Schutz von Unterseekabeln im Mittelmeer gehen, aber eben auch um den Schutz vor illegaler Migration. die, das sagt er auch, eben als politisches Druckmittel eingesetzt werden kann.
Sprecher 4: I'm not so sure if that is a different perception. Simply, member states want to see some kind of development of defense projects, not only in frontier countries, but in all other regions. And that is natural. That is why perhaps, you know, if we're talking about... Eastern flank watch, what now is the title of how to strengthen capabilities of the frontier countries. Those countries are developing some kind of joint project, joint approach, what capabilities they need to develop in order to be ready. Both to stop tanks on the border, but also to stop drones, or to use drones also to stop tanks. That is a project which member states are developing. But also we need to see the need of what I would call a training and flank watch. They have specific problems. Different maybe from what frontier countries are having, but such kind of problems like protection of undersea cables. Cables can be also a target of provocations and very painful provocation. So maybe those non-metallurgy countries need exactly some kind of development of joint projects related with protection of cables, undersea cables. And also those countries need capabilities to protect not only borders, but really protect the whole Europe against illegal migration, which can be, as we have seen again from different regions, can be weaponized very quickly.
Sprecher 3: Also es sind vier Prioritäten und einer der vier Prioritätenbereiche, die die Mitgliedstaaten identifiziert haben zusammen mit der Kommission, ist die europäische Luftverteidigung. Und hier will Deutschland eine Führungsrolle übernehmen. Das hat Kobilius auch begrüßt im Gespräch und konnte aber noch nicht sagen, wie teuer das Ganze eigentlich wird.
Sprecher 4: Well, it's very good that Germany is now leading that project, even before now we started to speak about those flagships. I cannot tell you anything about the cost. I know that what NATO General Secretary Mark Rutte was saying when capabilities were discussed in... In NATO, back during Hague Summit, he said that we need 400 times more of air defense capabilities than we have now. It means that we have very limited amounts of those capabilities and we need to develop. Now, the first step, what we want to know and what we're asking with the roadmap is that those capability coalitions led by leading nations, like in this case, like Germany, would have a common concept, what is needed to be built, and that concept would allow us then to evaluate how much it will cost.
Sprecher 3: Viele EU-Staaten haben jetzt angekündigt, große Summen in Verteidigung investieren zu wollen. Aber ein Problem bleibt, dass die Zusammenarbeit oft eben nicht genug stattfindet und die Kooperation nicht genug ausgebaut ist. Da stehen dann oft industriepolitische und nationale Interessen im Weg. Das sieht auch der Verteidigungskommissar als wirklich großes Problem. Und sagt, dass es unsere Industriewettbewerbsfähigkeit kostet und dazu führt, dass Systeme eben im Ausland beispielsweise in den USA gekauft werden. Das muss sich aus seiner Sicht schnell ändern und er sieht da gerade Deutschland auch in der Verantwortung.
Sprecher 4: European defense industry has also some kind of European level structural problems. Which are very well described in Draghi report, that our indices are very much fragmented along national borders. Because of the action of fragmentation, there is no single market. Our indices are not able to use the size and power of single market to build their industrial competitiveness. And then our governments, they are deciding to look for best weapons outside of European defense industry. According to Draghi report, 80% of weapons which governments were procuring during last several years, were procured outside of European defense industry. Those are the problems which makes us weaker. And that is what I see as really very big task, both for Commission and for Member States. to look not only how to develop their own capabilities and how to develop their own national defense industries, but also how to overcome those structural European problems. I hope that we shall manage to find the ways how to have an agreement with the member states, and especially leading member states, where Germany is playing such a crucial role now, showing an example to all other member states. For example, Germany would start to speak not only about how they are developing German defense capabilities and German defense industry, but also how Germany is looking how to find the best solutions in order to overcome those European level structural problems of defense industry in the whole European continent.
Sprecher 2: Thank you very much.
Sprecher 4: Thanks a lot.
Sprecher 2: Wenn Sie mehr von Wilhelmine lesen wollen und Ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Security Table, dann abonnieren Sie doch erstmal vier Wochen kostenfrei einen Test. Schauen Sie mal rein, dreimal die Woche dann den Security Table zu beziehen, zu bestellen unter table.media.com. Oder über den Link in unseren Shownotes. 2022 wurde Jeannette zu Fürstenberg die Duisburger Risikokapitalgeberin zur Investorin des Jahres gewählt. 2014 war sie eines der Gründungsmitglieder von La Familia VC, ein Risikokapitalgeber, ein Venture Capitalist, der ganz früh in Unternehmen investiert, wenn meist nicht mehr als eine Idee und ein paar Menschen im Büro sitzen. Sie ist unter anderem heute auch im Stiftungsrat des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und war eine der ersten Investorinnen in milliardenschweren Unicorns wie Mistral AI, Helsing oder Personio. Die Frau kennt sich also aus mit der Blickweise der Investoren auf Deutschland, auf die Startups und sie kann uns vielleicht die Frage beantworten, ob das Comeback der deutschen Wirtschaft doch noch möglich ist. In ihrem neuesten Buch, wie gut wir sind, zeigt sich in Krisenzeiten, legt sie eine messerscharfe Analyse vor, was es dafür benötigt und kommt zu einem durchaus optimistischen, konstruktiven Ergebnis. Das Comeback ist denkbar. Die Talente, das Kapital, die Ideen und die europäische Vielfalt. Sie bieten genau die Zutaten für eine neue Wirtschaftswundergeschichte. Hallo, einen schönen guten Tag, Janett. Guten Morgen, lieber Mick. Hallo Janett, du fragst gleich am Anfang in deinem Buch und darauf muss ich jetzt mal mit dir eingehen, warum dieses vielfältige Europa mit dieser wunderbaren Ideengeschichte und ihren Talenten es einfach nicht geschafft hat im Vergleich zu den USA oder auch Europa. China so große Tech-Konzerne hervorgebracht zu haben. Hast du eigentlich eine Antwort gefunden?
Sprecher 5: Wir haben uns in vorherigen Technologiewellen schwer getan, weil wir einfach eine andere strukturelle Grundvoraussetzung haben als die USA. Das heißt, alles, was über große Datennetzwerke skaliert ist, Die großen, die in der ersten Internetwelle oder danach eben auch die Cloud-Technologie, da war Europa nicht so gut aufgestellt, da in derselben Art und Weise mitzuziehen, weil wir einfach verschiedene Sprachen haben, ganz verschiedene kulturelle Hintergründe haben, die wir berücksichtigen mussten. Und das ist jetzt mit KI anders. Und deswegen bin ich sehr... Progumut und habe viel Hoffnung, dass wir das Ruder rumreißen und jetzt mit geeinter Front und mit sehr viel Enthusiasmus nach vorne blicken dürfen.
Sprecher 2: Was mich ja immer interessiert, ist der Blick von außen. Du bist ja seit deinem Zusammengehen von La Familia mit General Catalyst oft in den USA, auch an der Westküste, redest mit Investoren und Unternehmern. Wie blicken die gerade auf Europa, auf Deutschland? Industriemuseum oder Chance zur Diversifizierung?
Sprecher 5: Die sehen in Europa vor allem eine enorme Talentdichte. Das wird auch deutlich, weil da einfach ein Großteil der KI-Forscher ja auch sind Europäer. Ein Großteil der Leute, die tatsächlich viel reißen in diesen großen Unternehmen, sind Europäer. Und das liegt einfach daran, dass wir aus meiner Sicht hier einfach ein sehr, sehr gutes Bildungssystem haben, was Menschen eben sehr wach hält und sehr feindlicher macht und sehr zugänglich macht für... Eine ganz, ganz große Breite an Impulsen und Gedanken, die miteinander kombiniert natürlich einfach eine hohe Innovationsdichte und viel Ideenreichtum mit sich tragen und mit sich bringen. Und das zeigt sich eben auch in der Technologieforschung und in der Innovation in diesem Sektor. Und das hat sich nur bis jetzt leider nur in den USA gezeigt und noch nicht in Deutschland und Europa, zumindest auch nicht in demselben Ausmaß. Aber ich glaube, das kann und wird sich ändern, weil gerade viele dieser Talente zurückkommen nach Deutschland und nach Europa, weil sie hier... Sehr viel Potenzial sehen, aber auch, weil sie das Gefühl haben, dass wir hier was tun müssen, dass wir hier tatsächlich alle jetzt anpacken müssen, damit wir einfach, was den Technologie-Sektor anlangt, einfach souveräner werden und da mehr auf unseren eigenen Füßen stehen.
Sprecher 2: Aber ganz kurz, Jeannette, du sagst das Bildungssystem, gerade das, was ich nun wahrlich nicht als dynamisch, pragmatisch und technologieoffen hier empfinde als Vater von zwei kleinen Kindern.
Sprecher 5: Das stimmt, aber weißt du, es ist ja nicht nur das, was in der Schule passiert, sondern es ist ja auch das, was uns umgibt. Das, was wir lesen, das, was wir in Theatern sehen, das, was wir in Museen zu uns nehmen, das, was einfach, man kann sich ja gar nicht erwehren, in Deutschland und in Europa permanent umgeben zu sein von unterschiedlichen Sprachräumen und von dieser enormen Kulturvielfalt und Dichte. Und das prägt auch jenseits der Schule. Davon bin ich fest überzeugt.
Sprecher 2: Also es ist eher ein kultureller Bildungsbegriff. Okay, einverstanden. Das Zweite wolltest du gerade sagen, was die Investoren, wie die auf uns blicken.
Sprecher 5: Ja, das Zweite ist einfach, wir haben in Deutschland und in Europa die höchste Dichte an Weltmarktführern in der Industrie. Und das ist, sage ich jetzt mal, natürlich auch etwas, das entstanden ist aus unserer Sicht. unserem Innovationsreichtum und unserem Erfindergeist. Aber das ist auch etwas, was vor allem im Kontext von KI natürlich sehr, sehr viel Raum gibt. Es gibt sehr viel Distributionszugänge. Das heißt, das sind ja alles Unternehmen, die haben bestehende Kunden, genießen bestehendes Kundenvertrauen. Das ist im KI-Kontext sehr wichtig. Und das Zweite ist, das sind natürlich sehr viele proprietäre Datenmicks, die da entstanden sind und die natürlich jetzt zentral dafür sein können, wenn die KI tiefer greift, also einfach nur die, sage ich mal, regulären Arbeitsabläufe, die wir jetzt schon machen, das heißt E-Mail-Automatisierung oder mal Texte machen, sondern wenn wir dann tatsächlich tiefer... Flirfen wollen und reingehen wollen in industrielle Wertschöpfung und neue Produkte, die da entstehen können, dann sind das einfach Standortvorteile und sehr, sehr besondere Schätze, wo die USA auf Europa blicken und sagen, da kann das draus werden.
Sprecher 2: Ja, du hast einen tollen Begriff in deinem Buch erwähnt, die Wachstumsschaukel. Also wenn junge, KI-geprägte oder KI-basierte Unternehmen mit der deutschen Industrie und ihrer tiefen Wertschöpfung zusammenarbeiten, kann so eine Art Wachstumsschaukel gebildet werden. Erklär das mal unseren Hörern.
Sprecher 5: Es ist ja so, dass... Wenn ein neues Unternehmen entsteht, dann braucht dieses Unternehmen Kunden. Das heißt, damit mit den Kunden kommt der Umsatz, mit mehr Umsatz kommt bei dem Unternehmen, entsteht Wachstum, bei dem Unternehmen entstehen dann mehr Arbeitsplätze, mit dem Unternehmen entsteht dann Erfolg, da kommen mehr Leute wie wir, die dann wiederum Wachstumskapital da rein investieren. Und das ist letztlich ein sogenanntes Schwungrad, wie wir das immer gerne nennen. Und es ist eben nicht nur die Industrie und die Technologie, sondern es ist eben ein Schwungrad, beinhaltet Kapitalgeber wie uns, aber das beinhaltet auch die Politik mehr und mehr, weil natürlich die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, die lassen sich ohne die Politik nicht lösen. Also wenn man jetzt an die Verteidigung denkt oder auch an die Energie, sag ich mal Sicherheit, dann sind das ja Themen, die sich technologisch lösen lassen und wo es sehr, sehr viele Hebelpunkte für gibt, aber wo man die Politik eben für braucht, damit das funktioniert.
Sprecher 2: Das ist die Marktsicht vielleicht, also die Strukturen, die es durchaus hinkriegen könnten, dass wir technologisch irgendwann wieder vorne sind. Aber am Ende müssen es Menschen machen. Deswegen will ich die Unternehmerin und auch deine Vita nochmal hier mit reinnehmen. Janett, du sprichst von einer Nullpunkt-Faszination in deinem Buch in Anlehnung an den Philosophen Safranski. Das fand ich sehr spannend. Also dieses auf das Neue brennen, unbedingt gründen wollen. Du bist ja auch als Investorin gerade für den Seed-Stage verantwortlich, also für die ganz frühe Phase, wo sich kaum noch einer traut, diesen Gründern schon die ersten Millionen zu überweisen. Warum fasziniert dich genau das und wie ist das bei dir entstanden?
Sprecher 5: Das ist ja ein schöpferischer Aspekt, wenn neue Ideen entstehen. Und dann sage ich immer gerne, das ist auch die Analogie zur Kunst oder in der Literatur. Das heißt, wenn Leute neue Gedanken fassen und diese Gedanken sich übersetzen in etwas, was für andere greifbar wird, dann ist das ja immer etwas, was zumindest für mich eine riesengroße Faszination ausübt, weil damit entsteht ja Neues. Neues Leben, damit entstehen neue Gedanken, damit entstehen neue Wachstumsimpulse und das ist etwas, was mich immer schon fasziniert hat, weil das eine Kreativdimension ist. Und zum Zweiten muss man sagen, dass wir uns eben auch trauen müssen, diesem Chaos, was da manchmal wirbelt, eben Raum zu geben. Das ist etwas, was, glaube ich, wir Deutschen teilweise nicht so gut können, weil wir es immer gern hübsch ordentlich haben und immer denken, dass alles in sehr geordneten Bahnen laufen muss. Aber das ist eben nicht das Schöpferische. Das Schöpferisch-Kreative ist oftmals damit verbunden, dass viele Sachen durcheinanderwirbeln, viele Sachen erstmal chaotisch wirken und so aussehen. Das könnte eigentlich nie funktionieren. Und das ist eben genau das, was mich fasziniert, weil dann gibt es meistens die Menschen, diese Gründer, die so viel Willensstärke haben und die einfach sagen, ich glaube nicht, dass die Welt so funktioniert, wie alle anderen das hier gerade sehen, sondern ich glaube, sie kann anders funktionieren und mit dieser Willensstärke diese neue Realität. Lebendig werden lassen. Und das ist ein Aspekt, den ich einfach wunderschön finde. Und da gibt es eben sehr, sehr schöne Beschreibungen in der Philosophie, unter anderem von meinem lieben Freund Rüdiger Safranski, der das so wunderbar greift und so wunderbar fasst. Das begeistert mich.
Sprecher 2: Du bist eine der erfolgreichsten Investoren in diesem Land, Janett, und du hast Ideen jeden Tag auf deinem Tisch. Pitch Deck nennt man das ja heutzutage. Also da kommen junge Gründerinnen und Gründer und sagen, Mensch, ich hätte gerne die ersten Millionen für meine Story. Hier ist meine Idee. Es gibt nur wenige Minuten, die die wahrscheinlich haben, wenn sie bei dir überhaupt einen Termin bekommen. Und dann entscheidest du. Wie entscheidest du? Ist da auch was dran an dieser Geschichte? Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.
Sprecher 5: Also das ist tatsächlich so, dass ein Großteil meiner Entscheidung immer um den Menschenkreis, der mir da gegenüber sitzt. Und ich glaube tatsächlich, dass das auch der... Schlüssel ist zu den wichtigen Erfolgsfaktoren, die so ein Unternehmen dann mit sich bringen. Weil das steht und fällt immer mit demjenigen, der es baut. Oftmals ist es so, dass viele dieser Gründer ihre Ideen auch nochmal komplett über den Haufen werfen. Das heißt meistens, wenn man sehr früh investiert, wie wir das tun, dann kommt meistens ein Team um die Ecke gebogen mit einer Idee und diese Idee ist manchmal schon sehr reifbar und sehr nah und manchmal ist sie aber noch sehr... Sehr diffus und wirkt auch noch etwas unausgereift, aber das spielt eigentlich auch gar nicht so sehr die Rolle, sondern was ich immer interessant finde, ist, was ist das eigentlich für ein Mensch, der mir da gegenüber sitzt? Wie ist die Substanz, wieso befasst er sich mit diesem Problem? Wieso ist dieses Problem für ihn wirklich so relevant und so zentral? Und warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich diesem Problem zu widmen? Ich glaube, das sind so die wesentlichen zentralen Faktoren. Und dann kommen natürlich Unternehmen und Investoren wie wir auch immer mit einer gewissen vorbereiteten Grundhaltung. Das heißt, wir setzen uns ja auch auseinander mit großen Themen wie dem Mangel an Verteidigungsfähigkeit, dem Mangel an tatsächlicher Energieversorgung hier in diesem Land, der tatsächlichen Frage, wie gelangt tatsächlich KI in die... Unternehmenslandschaft hinein und kann hier wirksam werden und kann hier neue Innovationen treiben. Und insofern ist das immer eine Verzahnung aus eigenen Thesen, kombiniert mit dem Menschen, der einem da gegenüber sitzt.
Sprecher 2: Einmal schreibst du, dass du gerne Gründer hast, die groß denken, die was disruptiv machen. Die es natürlich wollen, die eine Mission haben. Und andererseits müssen sie möglichst demütig und bescheiden sein, damit sie nicht sich völlig verzetteln. Wie geht das eigentlich zusammen?
Sprecher 5: Wirklich groß zu denken bedeutet eben auch, sich was zu trauen. Also du musst Mut haben und sagen, ich glaube, dieses Problem ist real und dieses Problem hat eine Lösung. So und dann. Muss man aber natürlich auch immer mit der Bescheidenheit agieren, zu sagen, was sind denn die zentralen Herausforderungen? Was kann ich davon eigentlich nicht? Wo brauche ich eigentlich Unterstützung im Team? Was sind eigentlich meine eigenen Blindspots, wo ich selber nicht so stark bin, wie vielleicht andere das sind? Beispielsweise Gründer, die sehr technologisch geprägt sind, sind oftmals weniger gut im Marketing. Das heißt, wie sieht eigentlich ein wirklich gutes Marketingprofil aus? Oder wie sieht eigentlich ein wirklich gutes Sales-Profil aus, was mich auf eine sinnvolle Art und Weise ergänzt. Das bedeutet aber auch, dass man ein hohes Maß an Kenntnis über sich selber immer mit sich tragen muss. Und wenn man das dann tatsächlich bewusst werden lässt, dann ist aus meiner Sicht damit auch immer ein gewisses Maß an Bescheidenheit verbunden. Weil je mehr man weiß, dass man weiß, weiß man eben auch, dass man relativ wenig weiß. Und das ist schon etwas, was ich beobachte bei vielen Gründern, mit denen ich zusammenarbeite. Diese Mischung aus großer Ambition, aber dann eben auch kombiniert mit der Bescheidenheit, sich irgendwie komplimentär aufzustellen und immer wieder mit dem Bewusstsein in einen Raum reinzugehen, dass man wahrscheinlich der Dümmste in dem Raum ist und von allen anderen lernen kann. Das sind eigentlich immer so die... die Sachen, die ich beobachte, bei denen Menschen hier am weitesten gekommen sind.
Sprecher 2: Früh investiert hast du in den jetzt Drohnenspezialisten, hochbewerteten Drohnenspezialisten Helsing, auch privat investiert, als damals Risikokapitalgesellschaften noch gar nicht in Defense- oder Verteidigungsindustrien so richtig investieren durften. Und heute ist das natürlich das Thema Nummer eins, ist die Verteidigungsindustrie in Deutschland vielleicht in wenigen Jahren die neue Autoindustrie und der Backbone unserer Volkswirtschaft.
Sprecher 5: Das ist eine interessante Frage, Mick. Also ich glaube, dass wir gerade natürlich eine enorme Renaissance sehen dieser Industrie. Ich glaube, dass das notwendig ist, weil wir einfach unsere Demokratie und das, was wir hier als so schützenswert erachten, nur dann wirklich schützen können, wenn wir... So abschreckungswirksam sind, dass unsere Feinde es gar nicht erst versuchen, hier einen Krieg anzuzetteln. Das heißt, das muss das Ziel sein. Und jetzt ist es so, dass natürlich in dieser Konstellation die Autoindustrie aktuell stark krankt, dass die Autoindustrie einfach nicht in der Lage ist, sich so schnell auf diesen technologischen Wandel in Richtung E-Mobilität umzustellen und natürlich auch mit vielen anderen strukturellen Herausforderungen konfrontiert ist. Aber es ist eben tatsächlich so, dass vor allem alles, was Tier 2 und Tier 3 ist in diesem Ökosystem der Automobilindustrie, viele Komponenten und viele Teilbestände hat, die tatsächlich sehr, sehr notwendig sind. für das Wiedererstarken des Verteidigungssektors. Also ganz konkret, die Motoren, die aktuell genutzt werden in den Schima-Geräten von Autos, das sind genau die gleichen Motoren, die auch eingesetzt werden für Drohnen. Und das ist jetzt eine schöne Analogie, weil da können wir einfach sagen, man nimmt einfach bestehende Industriesegmente und skaliert die mit einem anderen Endziel. Eben aber mit dem Ziel einerseits abschreckungswirksam zu sein und auf der anderen Seite aber eben auch unsere heimische Industrie hier wieder erstarken zu lassen. Das heißt, wieder ein schönes Beispiel für eine Schwungradschauke, wie du diese gerade so schön beschrieben hast, wo diese beiden Segmente sehr, sehr gut ineinander greifen können.
Sprecher 2: Wie gut wir sind, zeigt sich in Krisenzeiten ein wunderbares Buch, das als Pflichtlektüre ich hier allen politischen Entscheidern und Wirtschaftsmenschen, die an die Zukunft dieses Standorts glauben, dringend empfehle. Danke, Janette zu Fürstenberg, für deinen Auftritt hier heute bei uns im Podcast und einen schönen Tag.
Sprecher 5: Danke, lieber Mick.
Sprecher 6: Mick, war noch was?
Sprecher 2: Sonnige Grüße gehen heute heraus an den Bundeskanzler. Der tankt gerade etwas Kraft auf Mallorca, auf der Lieblingsinsel, auch eigentlich des restlichen Kabinetts. Wenn ich manchmal an Lars Klingbeil oder Carsten Schneider denke oder wer da sonst so noch alles nach Mallorca fliegt. Es ist und bleibt eben des Deutschen liebste Insel.
Sprecher 6: Der Mick Mallorca ist ja groß und es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, auf der Insel Urlaub zu machen. Ich gehe mal davon aus, dass Friedrich Merz nicht am Ballermann ist. Weiß man denn, wo er sich sonst aufhält?
Sprecher 2: Genau, also den Ballermann hat er links oder rechts liegen gelassen. Es ist ein wunderschönes Fünf-Sterne-Hotel, etwas im Landesinneren. Aber der Kanzler soll ja, und das sei ihm wirklich gegönnt, auch mal ein paar Tage Ruhe bekommen und eben nicht von Stalkern oder Paparazzis besucht werden. Oder von uns nervigen Journalisten. Heute Abend ist er ja schon wieder zurück, denn er muss ja nach Ankara fliegen zu dem türkischen Präsidenten. Also gönnen wir ihm den Kurztrip und lassen ihn doch einfach mal alleine Urlaub.
Sprecher 6: Ja, Strand mal ganz kurz die Wellen genießen, das kann schon viel Kraft geben und die würde er wahrscheinlich für den Jahresendspurt auch brauchen.
Sprecher 2: Wir sehen uns und hören uns hier wieder am Donnerstag, 30. Oktober, 5 Uhr Table Today. Tschüss, bis dann.
Sprecher 6: Ciao, ciao.
Sprecher 7: My face above the water.
Sprecher 8: My feet can't touch the ground, touch the ground, and it feels nice. I can see the sands on the horizon every time. You are not around. Slowly drifting away. Wave after wave, wave after wave, slowly drifting, drifting away. And it feels like I'm drowning, pulling against the stream, pulling against the stream. I wish I could make it easy. Easy to love me, love me. Still I reach, find a way. I'm stuck here in between. I'm looking for the right words to say. I'm slowly drifting.