Wie sicher fühlen sich Frauen in Deutschland, Frau Warken?
Dauer: 22:51

Wie sicher fühlen sich Frauen in Deutschland, Frau Warken?

Für Frauen gibt es in Deutschland de facto No-Go-Areas. Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin und Bundesvorsitzende der Frauen-Union, verteidigt die umstrittenen Äußerungen von Friedrich Merz. „Es ist so, dass Frauen sich im öffentlichen Raum oft unsicher fühlen, bestimmte Plätze und Wege meiden und Pfefferspray dabei haben“, sagt Warken im Gespräch mit Michael Bröcker. Sie sieht einen klaren Zusammenhang zur Migration: „Junge Frauen schildern problematische Begegnungen mit Männern allgemein, aber es wird schon auch vor allem bei Männern mit Migrationshintergrund geschildert, dass es da Belästigungen und Übergriffe gibt.“

[08:08]


Der Kanzler reist zum Antrittsbesuch nach Ankara. Auf der Agenda des Treffens mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan stehen die Vertiefung der Handelsbeziehungen und die Migrationspolitik. Auch der Verkauf von Eurofightern an die Türkei wird noch einmal ein Thema sein. Deutschland hat seinen Widerstand gegen den Rüstungsdeal inzwischen aufgegeben. Ayse Mese, Vorständin der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer, spricht über die Erwartungen an den Besuch. Sie warnt den Kanzler davor, mit dem „moralischen Zeigefinger“ aufzutreten. Das komme in der Türkei bei niemandem gut an.

[01:22]


Hier geht es zur Anmeldung für den Space.Table


Table Briefings - For better informed decisions.


Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen. 


Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/testen


Hier geht es zu unseren Werbepartnern

 

Impressum: https://table.media/impressum

Datenschutz: https://table.media/datenschutzerklaerung

 

Bei Interesse an Audio-Werbung in diesem Podcast melden Sie sich gerne bei Laurence Donath: laurence.donath@table.media


Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Der Autokrat vom Bosporus, Recep Tayyip Erdogan, ist nicht gerade der Lieblingspartner der Bundesregierung. Das war schon unter Angela Merkel und Olaf Scholz so. Aber Deutschland und die Türkei, sie können einfach nicht ohne einander, sind engstens miteinander verflochten. Gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch. Am Donnerstag fliegt nun der Kanzler zum Antrittsbesuch nach Ankara und es steht ganz schön viel auf der Tagesordnung. Wir reden darüber mit Ayshe Mesche. Sie ist Vorständin der türkisch-deutschen Industrie- und Handelskammer. Die Debatte kocht seit mindestens einer Woche. Wie sicher fühlen sich Frauen in Deutschland? Und hat Friedrich Merz mit seiner umstrittenen Stadtbild-Aussage am Ende doch irgendwo ein bisschen recht? Sind jetzt Migranten das Problem oder migrantische Männer oder Männer im Allgemeinen? Wir sprechen mal mit der Vorsitzenden der Frauenunion, mit Nina Wacken. Sie ist außerdem Gesundheitsministerin. Zum Schluss gute Nachrichten, denn trotz der multiplen Krisen sind die Deutschen glücklicher. Das ist das Ergebnis des Glücksatlasses 2025. Wo die Menschen am zufriedensten sind, das sagen wir Ihnen zum Schluss. Heute ist Dienstag, der 28. Oktober. Schön, dass Sie dabei sind.

Sprecher 3: Ich bin völlig blind. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tage und Nächte sind auf den Kopf gestellt, weil ich Schwierigkeiten habe, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu bleiben. Ich leide unter 924, einer seltenen Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung, die viele völlig blinde Menschen betrifft. Möchtest du mehr über diese Erkrankung in Verbindung mit völliger Erblindung erfahren? Rufe kostenfrei an unter 0800 24 24 008.

Sprecher 2: Drei Millionen türkischstämmige Menschen leben in Deutschland und nicht nur deswegen ist das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei eng. Obwohl es natürlich immer wieder Streitpunkte gab, dafür muss man gar nicht an Mesut Özil erinnern. Manch ein Wahlkampfauftritt von Erdogan erzürnte hierzulande die Gemüter und zuletzt auch die Verhaftung des oppositionellen und Istanbuler Bürgermeisters durch Erdogans autokratisches Justizsystem. Aber die Türkei ist eben auch Wirtschaftspartner, NATO-Mitglied und damit engster Sicherheitspartner und zudem ein... Land, das uns in der Migrationskrise seit Jahren hilft und weiterhelfen soll. Am Donnerstag fliegt der Kanzler deswegen zum Antrittsbesuch nach Ankara und trifft sich natürlich auch mit dem scheinbar ewigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Es gibt viel zu besprechen. Was wird das jetzt? Ein netter Austausch oder geht da wirklich was voran? Und wenn ja, auf welchem Feld? Unser Kollege Leo Schulz vom Berlin Table, ein echter Türkei-Experte, spricht mit Ayshe Meshe, Geschäftsführerin der Deutschen Unternehmerplattform und Vorständin der türkisch-deutschen Industrie- und Handelskammer.

Sprecher 4: Und ich erwische Sie auch gerade in der Türkei, wo ja auch Herr Merz am Mittwoch hinkommt für seinen Antrittsbesuch bei Präsident Erdogan. Was erwarten Sie sich denn von diesem Besuch, Frau Mesche?

Sprecher 5: Also ich habe jetzt hier in meiner Anwesenheit in der Türkei natürlich viele türkische Medien konsumiert. Es gibt natürlich viele große Themen, Migration, außenpolitische Themen und auch bilaterale Beziehungen zwischen Türkei und Deutschland. Aber der Hauptfokus in den großen Medien liegt tatsächlich auf dem Rüstungsdeal der 40-Euro-Fighter, die die Türkei dringend benötigt aus der EU. Deutschland war ja das einzige Land, was noch ein Veto eingelegt hatte. Großbritannien, Italien und Spanien hatten ja schon lange grünes Licht gegeben.

Sprecher 4: Was ist denn das andere große Thema oder was sind die anderen Themen, die für März jetzt noch auf dem Spiel stehen neben den Eurofaltern?

Sprecher 5: Also ganz groß ist natürlich das Thema, die Türkei hat sich ja in den letzten Jahren oder im letzten Jahrzehnt sehr emanzipiert und ist sehr selbstbewusst in der Region als Regionalmacht aufgetreten. Aufgrund der außenpolitischen Erfolge von Herrn Erdogan steht er ja auch innenpolitisch relativ gut da. Und ich denke, die anderen größeren Themen werden sein, wie man Handelsbeziehungen noch weiter intensiviert. Es geht ja auch unabhängig von den großen Eurofighter-Themen um die anderen Rüstungsthemen, wo die Türkei auch als Lieferant ins Gespräch kommen soll. Es gibt ja in Ankara sehr, sehr viele... Industriezweige, die schon da aktiv sind. arbeiten und das andere Thema ist das Thema Migration. Das ist in Deutschland vielleicht nicht ganz so verschärft, die Diskussion, wie man mit dem Thema der Geflüchteten in den nächsten Jahren umgehen wird.

Sprecher 4: Und dann ist noch ein weiteres Thema, wie ich gehört habe, und vielleicht können Sie dazu auch noch kurz was sagen. Visa-Liberalisierung. Von meinen Bekannten aus der Türkei höre ich immer wieder, dass es wirklich mittlerweile fast unmöglich ist, an ein Visum zu kommen für Deutschland und den Schengen-Raum. Und das ist natürlich auch für die Wirtschaft nicht besonders zuträglich. Was glauben Sie, woran könnte das liegen, dass das immer noch so ein großes Problem ist?

Sprecher 5: Die Türkei tritt da ja auch in dem Punkt sehr selbstbewusst aus. Die sagen, wir haben alles in unserer Macht Stehende getan. Das ist ja die Diskussion auch ein bisschen vergiftet seit diesem Thema um die privilegierte Partnerschaft. So ähnlich fühlt man sich hier auch ein bisschen auf die Warteschiene geschoben, weil im Grunde genommen... Die Visa, bis vor ein paar Jahren war das ja auch alles noch sehr problemlos und schnell möglich. Jetzt aktuell dauert das lange. Ich habe hier gerade mit meinem Cousin gesprochen, der für ein Visum für ein Medizinstudium wartet. Und das Studium beginnt ja jetzt im Oktober oder hat schon begonnen. Und der wartet immer noch täglich quasi auf eine Nachricht. In der Bevölkerung kommt das einfach nicht gut an und man denkt eben, dass da irgendwelche Hintergründe noch eine Rolle spielen.

Sprecher 4: Das dürfte auch eine Sache sein, die die Regierung womöglich an... März, wenn er jetzt kommt, richtet. Was glauben Sie denn, ist es nicht vielleicht für die Regierung, aber auch gar nicht unbedingt so schlecht, wenn man immer sagen kann, die Deutschen sind daran schuld? Oder woran glauben Sie denn, könnte es überhaupt liegen, dass das immer noch so ein großes Problem ist eigentlich?

Sprecher 5: Also ich denke mal, dass Deutschland... Auf der einen Seite möchte man ja sozusagen die Migration eindämmen und da ist es schwierig zu unterscheiden zwischen, wenn man jemandem ein Visum gibt, wie lange der bleibt oder eben nicht bleibt. Aufgrund der politischen Situation in der Türkei kann man das, glaube ich, schlecht einschätzen, wie die Beweggründe hinter so einem... Visa-Antrag tatsächlich sind. Allerdings wird hier auch sehr, sehr viel darüber gesprochen, in allen Medien tatsächlich, dass viele, die ins Ausland gehen, gerade die gut ausgebildeten Akademiker aus dem medizinischen Bereich, dass die nach ein paar Monaten wieder zurückkommen, weil es da eben doch nicht so toll ist, wie man am Anfang angenommen hat. Also auf der einen Seite macht man Druck, dass das schneller geht mit den Visa-Themen. Auf der anderen Seite versucht man das sozusagen von vornherein, dem das Wasser abzugraben und zu sagen, so viel toller ist es da nicht. Weil die gut ausgebildeten, qualifizierten Kräfte braucht man hier eben auch.

Sprecher 4: Glauben Sie denn, dass es für Herrn Merz eine Möglichkeit geben wird, auch mit der Zivilgesellschaft oder sogar der Opposition zu sprechen? Weil das ist ja immer so ein bisschen das Spannungsfeld, in dem sich so ein Türkei-Besuch aus deutscher Sicht bewegt. Einerseits ist man nicht glücklich, damit wie Erdogan die Opposition klein hält und ja auch mittlerweile wirklich demontiert, muss man sagen. Andererseits ist Erdogan und dadurch die Türkei zu so einem wichtigen Partner geworden, dass man sie auch nicht brüskieren will. Was glauben Sie, wie wird Merz damit umgehen?

Sprecher 5: Ich hoffe für Herrn Merz, dass er nicht mit dem moralischen Zeigefinger arbeitet, weil das kommt hier in der Türkei bei niemandem gut an, auch bei der Opposition nicht tatsächlich. Natürlich erhofft man sich von der oppositionellen Seite ein wenig mehr Unterstützung. Auf der anderen Seite ist Erdogan innenpolitisch wie außenpolitisch hier gerade in den Nachbarländern so eine wichtige Institution geworden, dass er sich, glaube ich, diese Kritik nicht gefallen lassen wird, egal von wem sie kommt.

Sprecher 4: Wir werden genau drauf schauen, wie sich der Besuch abspielt und ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch. Bis bald. Vielen Dank.

Sprecher 5: Danke.

Sprecher 3: Ich bin völlig blind. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tage und Nächte sind auf den Kopf gestellt. Weil ich Schwierigkeiten habe, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu bleiben. Ich leide unter 924, einer seltenen Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung, die viele völlig blinde Menschen betrifft. Möchtest du mehr über diese Erkrankung in Verbindung mit völliger Erblindung erfahren? Rufe kostenfrei an unter 0800 24 24 008.

Sprecher 2: Ist die Debatte rund um das Stadtbild und die Aussage von Friedrich Merz jetzt genug ausgewalzt? Oder müssen wir doch nochmal drüber reden? Naja, wir wollten schon nochmal über das Thema reden, Frauen. Und ob es wirklich so ist, dass sich Frauen in diesem Land nicht zu jeder Tageszeit und nicht an jedem Ort wirklich sicher fühlen. Rein statistisch gesehen fängt das vor allem zu Hause an. 226.000 Menschen, davon eben die große Mehrheit Frauen, sind von häuslicher Gewalt betroffen. Immer noch eine erschreckend hohe Zahl. Knapp 13.000 Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und Übergriffe gab es im vergangenen Jahr. Das ist ein Plus von fast 10 Prozent. Und die Dunkelziffer liegt bei diesem Thema, weiß man, deutlich höher. Denn nicht jede Attacke eines Mannes auf eine Frau wird zur Anzeige gebracht. Es ist jedenfalls ein beunruhigender Trend. Frauen fühlen sich zunehmend unsicher in diesem Land. Und ja, sie meiden auch bestimmte öffentliche Räume, gerade im Dunkeln. Ein jeder kennt das wohl auch aus dem eigenen Bekannten- und Freundeskreis, wenn er nicht selbst betroffen ist. Auch das hat eben Friedrich Merz gemeint, als er versucht hat, seine Stadtbild-Aussage etwas zu erklären. Und zu einem Reporter dies hier sagte.

Sprecher 6: Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben. Und wenn unter diesen Kindern Töchter sind, dann fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte. Vermute, Sie kriegen eine ziemlich klare und deutliche Antwort. Ich habe gar nichts zurückzunehmen. Im Gegenteil, ich unterstreiche es noch einmal. Wir müssen daran etwas ändern. Und der Bundesinnenminister ist dabei, daran etwas zu ändern. Und wir werden diese Politik fortsetzen.

Sprecher 2: Aber die Frage ist eben, wie sehr hat das mit Migration zu tun, was Frauen da erleben? Gibt es ein gesondertes Problem mit Männern aus dem arabischen Kulturraum oder sind schlicht Männer und vor allem junge Männer mit zu viel Testosteron das Problem? Völlig egal, woher sie kommen. Wir fragen mal nach bei der Bundesvorsitzenden der Frauenunion, wie sie die Äußerung ihres eigenen Kanzlers und CDU-Chefs erlebt hat. Einen schönen guten Tag, Frau Wacken.

Sprecher 7: Hallo Herr Brücker.

Sprecher 2: Ich führe das Interview ja jetzt erstmal mit der Bundesvorsitzenden der Frauenunion. Deswegen verzeihen Sie mir diese private Frage. Haben Sie Töchter?

Sprecher 7: Nein, ich habe drei Söhne.

Sprecher 2: Aha, na gut. Können Sie trotzdem verstehen, warum Friedrich Merz seine Stadtbildäußerungen gerne von Menschen erklären lassen wollte, die Töchter haben? Also müssen sich junge Frauen in Deutschland im öffentlichen Raum unsicher fühlen?

Sprecher 7: Die Rückmeldung, die ich bekomme, ist so, dass junge Frauen, aber auch ältere Frauen sich im öffentlichen Raum oft unsicher fühlen, bestimmte Plätze meiden, Wege meiden, Pfefferspray dabei haben, nicht alleine bestimmte Wege gehen. Ich bin ja hier auch Wahlkreisabgeordnete, kriege das Feedback öfter, habe auch als Gemeinderätin Workshops mit Schülerinnen schon gemacht zu dem Thema. Also es ist... Ein Thema für viele Frauen im Land.

Sprecher 2: Was ist die Ursache dafür, dass sich junge Frauen oder Frauen im öffentlichen Raum unsicher fühlen? Ist es ein Migrationsthema? Das war ja die Kausalität. die er gezogen hat und die so scharf kritisiert wird.

Sprecher 7: Es ist auch ein Migrationsthema. Insgesamt sind die Gewaltdelikte angestiegen. Es sind jetzt, glaube ich, dieses Jahr so hoch wie seit 2007 nicht mehr, also die Zahlen aus 2024. Und darunter sind natürlich ein... Großteil auch ausländischer Tatverdächtiger, ich glaube 40 Prozent in etwa. Also wir haben da schon ein Problem auch mit der Migration an der Stelle. Die jungen Frauen schildern natürlich auch problematische Begegnungen mit Männern allgemein, aber es wird eben... Schon auch vor allem mit Männern mit Migrationshintergrund geschildert, dass es da Belästigungen gibt, Übergriffe gibt, dass man natürlich auch das sprachliche Problem hat, oft nicht genau weiß, ist das jetzt eine Gefahr für mich oder nicht. Man weiß, dass die Rolle der Frau... Oft in den Herkunftsländern eine andere ist. Und da schleicht sich eben das Gefühl der Unsicherheit ein. Und es ist eben auch durch Zahlen belegt und durch viele Erfahrungsberichte, dass es das gibt und eben auch mit Männern mit Migrationshintergrund gibt.

Sprecher 2: Aber da müssen wir es konkret machen. Sie meinen jetzt muslimische oder kulturell aus arabischem Raum kommende junge Männer, die ein anderes Bild von Frauen haben oder sicherlich kein vielleicht gleichberechtigtes.

Sprecher 7: Genau, das ist sicherlich auch ein Teil der Herausforderung. Probleme, die es gibt an der Stelle.

Sprecher 2: Jetzt haben wir nur das Problem, dass vielleicht es natürlich da im Einzelfall immer auch Probleme geben kann, dass das natürlich in der Pauschalität als Bundeskanzler auch viele Menschen trifft, die, um mal einen Terminus ihres Kanzlers oder auch des Vizekanzlers zu nehmen, die diesen Laden hier in Deutschland am Laufen halten, die auch Migrationsgeschichte haben, die vielleicht auch muslimischen Hintergrund haben, die aber adäquat mit Frauen umgehen. Sind diese pauschalisierenden Äusserungen nicht am Ende immer fatal, weil sie eben pauschalisierend sind?

Sprecher 7: Also ich denke, dass sich sowohl die Union als auch der Bundeskanzler immer sehr differenziert auch äußert. Ich habe viele Jahre lang Innenpolitik gemacht, war auch Integrationsbeauftragte meiner Fraktion und wir haben immer gesagt, dass es die gibt, die sich hier gut einbringen, die sich integrieren, die, weil sie auch hier arbeiten, dann den Laden an vielen Stellen am Laufen halten und dass wir aber darüber hinaus ein Problem haben mit denen nicht gut integrierten, auch mit denen, die sich illegal hier aufhalten und dass man immer beide Seiten dieser Medaille sehen muss. Das sagen wir, das sagt auch der Bundeskanzler und da wird gar nicht pauschalisiert, sondern... Es wird ganz genau unterschieden, wo die Problemlage ist.

Sprecher 2: Es ist das zentrale Thema, dass viel zu viele auch von diesen jungen, halbstarken in den Innenstadtzentren und an den Bahnhöfen einfach nicht Jobs haben, integriert sind, einem geregelten Alltag nachgehen.

Sprecher 7: Natürlich. Und sehen Sie, das ist ja auch ein Grund, warum wir immer sagen, das Land ist überfordert, die Kommunen sind überfordert. Man kann eben nur eine bestimmte Anzahl an Menschen hier gut aufnehmen und gut integrieren. Klar, es hängt auch immer von dem oder der Einzelnen ab, insofern er dann auch Angebote annimmt, sich einbringen will. Sich integrieren will, sich an Recht und Ordnung halten will. Aber es kommt eben auch darauf an, welche Mittel eine Kommune zur Verfügung hat, wie sie die jungen Menschen unterbringen kann, wie dann ein Job später vermittelt werden kann. Wie Integrationskurse angeboten werden können. Und da stößt man oft an eine Grenze. Ich habe hier bei uns im ländlichen Raum teilweise Kommunen mit ein paar tausend Einwohnern, die dann in ihrer ehemaligen Kaserne ein paar hundert Migranten untergebracht haben. Und es ist natürlich eine Herausforderung für so eine kleine Gemeinde dann, wenn so viele Menschen dann neu dazukommen, die gut zu integrieren. Deswegen ist es auch richtig, dass wir jetzt bei der Migration eine Kehrtwende machen, konsequent abschieben und das Recht auch ändern, sodass wir diese Überforderungssituation im Land ein Stück weit zurückfahren.

Sprecher 2: Die Sozialdemokraten, ihr Koalitionspartner, die sehen es ja etwas anders. Ja, es gibt Herausforderungen, aber Friedrich Merz benennt das falsche Problem. So heißt es in einem aktuellen Papier zu den lebenswerten Innenstädten zum Stadtbild. Haben Sie da einen Punkt oder ist das jetzt Wahlkampf?

Sprecher 7: Naja, es gibt, glaube ich, verschiedene Herausforderungen. Herausforderung oder das Problem der steigenden Gewaltdelikte auch mit Beteiligung von Tätern mit Migrationshintergrund. Es gibt insgesamt eine gestiegene Gewaltkriminalität. Es gibt zum Beispiel, und das macht uns auch große Sorgen, einen großen Anstieg auch an häuslicher Gewalt. Und natürlich haben wir in vielen Innenstädten Probleme mit gewissen Zonen, wo man natürlich auch schauen muss, was kann da in der Kommune konkret getan werden mit Beleuchtung, mit Saubergart in der Stadt, mit Videoüberwachung. Jetzt aber so zu tun, als... Ob es nur genügt, ein paar Lampen aufzuhängen und irgendwie den Müll wegzufahren. Das reicht, glaube ich, nicht, sondern wir müssen jetzt wirklich was tun. Und die Frauenunion, aber auch die Union schon in der letzten Legislatur haben da viele Vorschläge vorgelegt. Wir haben im Koalitionsvertrag vieles vereinbart und wir brauchen jetzt auch kein Papier und wir brauchen auch keinen Gipfel, sondern wir müssen das jetzt mal umsetzen, was wir da gemeinsam vereinbart haben. Da ist die Bundesregierung dran und die Fraktionskollegen, auch der SPD, können sich ja da jetzt gerne beteiligen.

Sprecher 2: Aber es ist ja ein erschreckendes Bild, was Sie dann da auch zeichnen, wenn Sie sagen, es gibt de facto für Frauen in Deutschland No-Go-Areas, also Gegenden, wo sie nicht alleine oder mit einer Freundin zusammen durchgehen würden, richtig?

Sprecher 7: Ja, das gibt es. Das wird mir von vielen Frauen berichtet, dass sie eben Orte meiden, dass sie... Teilweise auch das Zugfahren meiden, all diese Dinge. Und das ist, glaube ich, schlecht, weil Frauen sollten auch überall hin. Sie sollten nicht Dinge meiden zu tun, Orte meiden hinzugehen, sondern der Staat hat ja auch die Aufgabe, Frauen zu schützen, genauso diese Aufgabe hat, Männer zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Orte auch sicher sind und vor allem die öffentlichen Orte. Und deswegen ist es schlecht, wenn... Dinge da gemieden werden und der Staat hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es überall sichere Orte gibt.

Sprecher 2: Ich verstehe Sie richtig, Frau Ministerin. Wir brauchen keinen Gipfel, wir brauchen hier keine neue Gesetzgebung, sondern das Abarbeiten der ohnehin im Koalitionsvertrag vorhandenen Punkte bei der inneren Sicherheit, richtig?

Sprecher 7: Ganz genau. Da haben wir uns... Einiges vorgenommen, auch was härtere Bestrafungen angeht, auch was dann Prävention angeht. Wir haben auch zum Beispiel uns das Thema elektronische Fußfessel vorgenommen. Wir sind auch schon dabei, der Bundespolizei mehr Befugnisse zu geben und das müssen wir jetzt alles umsetzen. Dann können wir sicherlich viele Schritte nach vorne tun. Und eben auch das Thema Migration angehen, worauf wir uns ja auch verständigt haben und was der Innenminister auch schon tut.

Sprecher 2: Dann lassen Sie mich zum Abschluss eine Frage an die Gesundheitsministerin stellen, denn nichts gelingt ja auch bei den Themen innere Sicherheit, Migration, wenn nicht die Wirtschaft endlich wieder... Anzieht und wir ein Comeback erleben über der wirtschaftlichen Entwicklung, da sind auch Sie für zuständig, liebe Frau Wacken, denn die Arbeit in Deutschland ist sehr teuer. Die gesetzlichen Krankenkassen haben einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag erhoben in diesem Jahr von 2,9 Prozent. Ist das jetzt dann auch der, den... wir nächstes Jahr tragen müssen als Arbeitnehmer.

Sprecher 7: Die Gesundheitsministerin hat im Übrigen auch das Verbot von K.O.-Tropfen auf den Weg gebracht. Das möchte ich an der Stelle vielleicht auch noch einmal einwerfen, was auch dem Schutz von Frauen gilt. Und ja, wir haben uns darauf verständigt, Beitragssätze sollen nicht steigen. Der Zusatzbeitrag... Wird auf 2,9 Prozent festgelegt werden. Das ist der durchschnittliche Beitrag. Wir haben die Lücke in der gesetzlichen Krankenversicherung geschlossen. Und natürlich ist das ein kassenindividueller Zusatzbeitrag. Manche Kassen werden drunter liegen, manche werden drüber liegen. Wir haben unseres getan, damit Beiträge nicht steigen müssen. Wird man sehen, wie die Kassen dann damit zurechtkommen.

Sprecher 2: Das Sparpaket, das Sie neulich im Kabinett verabschiedet haben, reicht aus Ihrer Sicht, um diese Beiträge in dieser Höhe zu lassen oder muss da noch mehr kommen?

Sprecher 7: Aus meiner Sicht reicht das, um die Höhe der Beiträge so zu lassen. Es gibt da auch einen sogenannten Schätzerkreis, der das auch so festgestellt hatte. Und deswegen bin ich zuversichtlich, dass wir da die richtigen Maßnahmen in der richtigen Höhe getroffen haben.

Sprecher 2: Frau Wacken, wir sind gespannt, ob Ihre Prognosen so eintreffen und bedanken uns für dieses Gespräch.

Sprecher 7: Ja, ich bedanke mich auch.

Sprecher 2: So, war noch was.

Sprecher 8: Ja, Mick, man muss ja auch die kleinen Erfolge feiern. Und da zeigt sich jetzt, die Deutschen sind ein Müh. Glücklicher als noch 2024. Es geht also zumindest gefühlt wieder aufwärts in diesem Land.

Sprecher 2: Das musst du mal erklären. Wie genau glücklicher sind wir wo geworden?

Sprecher 8: Also es gibt ja den Glücksatlas, der kommt jedes Jahr raus. Da werden diverse Menschen dazu befragt, wie... Zufrieden sie eigentlich mit ihrem eigenen Leben sind. Da wird dann abgefragt, Kriterien wie Arbeit, Einkommen, Familie, Freizeit, Infrastruktur, Umwelt oder auch Sicherheit. Da kann man Punkte vergeben auf einer Skala von 1 bis 10. Und der Bundesschnitt dieses Jahr liegt bei relativ hohen 7,09. Letztes Jahr waren es noch 7,06. Also wirklich ein Müh besser.

Sprecher 2: Ja, also dramatisch. Ich fühle das richtig, wie viel besser es uns geht. Ja, es geht ein Ruck durchs Land. Genau. Wie ist denn die Lage in Berlin eigentlich und wer liegt vorne und wer liegt hinten?

Sprecher 8: Es gibt den Trend, dass Großstädte tendenziell eher schlechter abschneiden, außer Hamburg. Die sind nämlich auf Platz 1 mit einer durchschnittlichen Bewertung von 7,33. Berlin, das lassen wir mal wegfallen, das ist jetzt nicht so interessant, aber die stehen eher am unteren Ende. Und am schlechtesten schneidet tatsächlich Mecklenburg-Vorpommern ab mit nur 6,06 Punkten.

Sprecher 2: In Meck-Pomm also dringender Nachholbedarf, aber immerhin in Ostdeutschland sind die Werte deutlich stärker angestiegen als im Westen. Auch da endlich ein Aufholprozess. Also auch dort in den entlegensten Winkeln des Ostens wird man allmählich glücklicher. Und wir insgesamt in Deutschland auch. Vielleicht nächstes Jahr sogar noch glücklicher.

Sprecher 8: So, und damit würde ich sagen, belassen wir es für heute. Wir hören uns dann morgen wieder, Mittwoch, der 29. Oktober. Bis dahin, machen Sie es gut. Ciao, ciao.

Sprecher 2: Ciao, ciao.

Sprecher 9: She's up all night to the sun. I'm up all night to get some. She's up all night for good fun. I'm up all night to get lucky. We're up all night to the sun. We're up all night to get some. We're up all night for good fun. We're up all night to get lucky.

Sprecher 10: We're up all night to get lucky. We're up all night to get lucky. We're up all night again. We're up all night again. We're up all night again. We're up all night again.

Sprecher 3: Ich bin völlig blind. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tage und Nächte sind auf den Kopf gestellt, weil ich Schwierigkeiten habe, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu bleiben. Ich leide unter 924, einer seltenen Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung, die viele völlig blinde Menschen betrifft. Möchtest du mehr über diese Erkrankung in Verbindung mit völliger Erblindung erfahren? Rufe kostenfrei an unter 0800 24 24 008.