Was plant Trump mit der Ukraine?
Ein Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin wird es „in naher Zukunft“ nicht geben, heißt es aus dem Weißen Haus.
Donald Trump bestätigte das in der Nacht. Er wolle kein „vergeudetes Treffen“ – ohne Details zu nennen.
In mehreren europäischen Hauptstädten und in Kiew wird an einem neuen Friedensplan für die Ukraine gearbeitet. Zentraler Punkt ist das Einfrieren der Kämpfe entlang der aktuellen Frontlinie. Der Plan orientiert sich offenbar an den Vorstellungen von Donald Trump.
In Sachsen-Anhalt testen zehn Schulen einen neuen Lösungsansatz gegen den Lehrermangel: die Vier-Tage-Woche. Die Schüler haben am fünften Tag keinen klassischen Unterricht, sondern lernen digital oder arbeiten an Projekten. Vera Kraft, Leiterin des Bildung.Table, berichtet über die ersten Studienergebnisse.
Die Bundeswehr muss kriegstüchtig werden, fordert Verteidigungsminister Boris Pistorius. Doch was bedeutet das für den Sanitätsdienst der Truppe? Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus, Kommandeur des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, spricht über die mentale und materielle Vorbereitung auf den Ernstfall. Und er erklärt, warum er eine allgemeine Dienstpflicht für richtig hielte.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Während tausende, vor allem junge Frauen, sich vor der CDU-Zentrale in Berlin versammelten und sich über die Stadtbildäußerung von Parteichef Merz aufregten, wird in den Regierungszentralen Europas und in Kiew ein neuer Zwölf-Punkte-Friedensplan für die Ukraine erarbeitet. Und Donald Trumps Treffen mit Putin in Budapest verschiebt sich. Wir bringen sie auf den neuesten Stand.
Sprecher 3: Die Diskussion um die Vier-Tage-Woche, sie erreicht jetzt sogar die Schulen. In Sachsen-Anhalt wurde ein Pilotprojekt gestartet. Was das wirklich bringen soll und wie die Reaktionen auf diesen Vorschlag waren, hören Sie gleich bei uns.
Sprecher 2: Bei der Bundeswehr wird viel über Kriegstüchtigkeit gesprochen. Meistens dreht sich die Diskussion dann aber um Aufrüstung und kampffähiges Personal. Der Sanitätsdienst wird dabei zu oft vergessen. Deshalb sprechen wir mit Generalstabsarzt Johannes Backus darüber, was dieser wichtige Zweig der Bundeswehr jetzt dringend braucht.
Sprecher 3: Die verkappten Erdnussfans da draußen, sie haben jetzt wieder Hoffnung, denn die Erdnussallergie, sie kann jetzt eventuell vorgebeugt werden. Das ist zumindest das Ergebnis einer US-Studie. Wie genau das funktionieren soll, zum Schluss bei uns hier im Podcast an diesem Mittwoch, den 22. Oktober.
Sprecher 4: I don't want to have a wasted meeting. I don't want to have a wasted time, so I'll see what happens. But this one, and I said, go to the line, go to the line of battle, the battlefield lines, and you pull back and you go home and everybody takes some time off because you've got two countries that are killing each other. Two countries are losing 5,000 to 7,000 soldiers a week. So we'll see what happens. We haven't made a determination.
Sprecher 2: Nun scheint es, dass Europa endlich aktiv wird in der Frage Frieden für die Ukraine. Und die Europäer gehen ganz geschickt vor nach der alten Taktik der Schmeichelei gegenüber Donald Trump. Sie haben einen Friedensplan vorgelegt, der in vielen Punkten dem ähnelt, was Donald Trump sich für die Ukraine überlegt hat.
Sprecher 3: Der zentrale Ziel dieses Plans ist es erstmal, vielleicht der wichtigste Punkt, die Kämpfe entlang der aktuellen Frontlinie einzufrieren. Immerhin das ist ja etwas, was Putin nicht will, der von Kiew ja die Abtretung von Gebieten als Bedingungen für einen Frieden verlangt.
Sprecher 2: Und umgekehrt ist es auch das, was natürlich Zelensky eigentlich nicht wollte, denn es wäre ja eine Art faktische Legitimierung des Völkerrechtsbruchs, des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine. Aber einfrieren heißt eben noch nicht abtreten.
Sprecher 3: Die Umsetzung des Plans soll jedenfalls natürlich von wem überwacht werden im Friedensrat? Genau von Donald Trump.
Sprecher 2: Und außerdem... Soll ein Waffenstillstand verabredet werden? Als allererstes müssen beide Seiten also die Waffen niederlegen und versprechen, keine weiteren Gebiete anzugreifen.
Sprecher 3: Humanitären Schritte, das ist den Europäern besonders wichtig. Alle verschleppten ukrainischen Kinder sollen aus Putins, ja man muss fast sagen, Gefangenschaft zurückkehren in die Ukraine und es zusätzlich einen umfassenden Gefangenenaustausch geben.
Sprecher 2: Ja, wir erinnern uns, der Haftbefehl gegen Wladimir Putin, der beruht auf der Verschleppung von Kindern, ein Völkerrechtsverbrechen. Und da hatte insbesondere Melania Trump, die First Lady, ein Herz für diese ukrainischen Kinder entwickelt und hat wohl da Einfluss auch genommen auf ihren Mann.
Sprecher 3: Die Zukunft der Ukraine und das dürfte Zelensky erfreuen. Sie bekommt Sicherheitsgarantien, nicht mit amerikanischen Soldaten, wie immer wieder Trump und J.D. Vance auch gesagt haben, aber vielleicht dann mit einer wie auch immer gearteten internationalen Truppe und es soll eine Perspektive für die Ukraine in der Europäischen Union geben.
Sprecher 2: Umgekehrt gibt es dann eben auch ein Angebot an Russland und zwar die Sanktionen schrittweise zu lockern, langsam aufzuheben. Das soll ein Anreiz sein für eine Kooperation. Und naja, das sind ganz schöne Vorschusslorbeeren, denn eigentlich würde man sagen, muss doch Russland weiterhin in Schach gehalten werden. Und auch wenn die Sanktionen in der Vergangenheit nicht der Weisheit letzter Schluss waren, sind sie doch, so kann man glaube ich nicht anders sagen, wirksam gewesen.
Sprecher 3: Ja, auch in diesem Modell wird der Aggressor belohnt. Das ist nicht mehr zu vermeiden. Immerhin die eingefrorenen Zentralbankreserven, rund 300 Milliarden Dollar sollen zwar blockiert sein, aber sie werden dann auch schrittweise freigegeben, wenn Moskau zustimmt, sich an dem Wiederaufbau der Ukraine auch finanziell zu beteiligen und eben alle versteppten Kinder wirklich zurück sind.
Sprecher 2: Ja, das könnte dann auch eben eine Art von Umleitung der Gelder sein, also dass sie gar nicht an Moskau zurückgegeben werden, sondern direkt verwendet werden, um den Wiederaufbau der Ukraine zu finanzieren. Eine Art von Reparation, also eine Umwidmung der Gelder, das ist alles noch nicht bis ins Letzte geklärt, aber da gibt es durchaus auch im Bundeskanzleramt Gedanken darüber, wie man mit diesen Geldern umgeht.
Sprecher 3: Und jetzt macht auch die Verschiebung des Treffens von Donald Trump und Wladimir Putin in Budapest Sinn. Denn wenn vorher alles durch Unterhänder, zum Beispiel auch durch Marco Rubio, den amerikanischen Außenminister, finalisiert wird, was da jetzt auf dem Tisch liegt, dann kann Donald Trump am Ende und natürlich auch Viktor Orban in Budapest vielleicht tatsächlich schon ein Abkommen unterzeichnen. Vielleicht auch deswegen jetzt die Verschiebung. Mehrere Medien berichten, dass das Treffen zwischen Trump und Putin eben noch nicht terminiert ist.
Sprecher 2: Ja, es sind vor allem New York Times und Guardian, die einen Mitarbeiter des Weißen Hauses zitieren, der eben klargestellt hat, dass es vorerst, also immediate, so heißt es, kein Treffen geben wird.
Sprecher 3: Warum auf einmal dieses Einlenken, fragt man sich. In Europa ist man nach dem Treffen von Trump und Zelensky letzten Freitag ja sehr beunruhigt gewesen. Es soll laut Financial Times sehr unschön gewesen sein. Von einem Schreiduell ist es. in dem Medium die Rede, eine Art Wiederholung der Szene im Oval Office. Aber offenbar vielleicht dann doch mit produktivem Ausgang. Jedenfalls gibt es erstmal keine neuen Waffen für Selenskyj, aber dafür vielleicht die Perspektive auf einen Waffenstillstand.
Sprecher 2: Ja, wobei das eben trotzdem für Zelensky eine ganz, ganz, ganz bittere Entwicklung ist, das muss man schon sagen. Also einerseits nochmal, um auf das Schreiduell zurückzukommen, also Zelensky war nach Washington gefahren am vergangenen Freitag, weil er Tomahawks haben wollte, also die amerikanischen Marschflugkörper, die die Ukraine so dringend braucht, um sich zu verteidigen. Und stattdessen gab es wohl ein heftiges Wortgefecht. Donald Trump hat gesagt, nein, so geht es nicht. Keine, erstmal keine Waffen, jedenfalls nicht diese Waffen. Und Zelensky muss wohl ziemlich düpiert worden sein. Also natürlich nicht wie damals vor den Augen der gesamten Welt, sondern hinter verschlossenen Türen, aber dennoch eine Abfuhr. Und jetzt, Michael, würde ich sagen, man weiß überhaupt nicht, was Donald Trump eigentlich will. Ja, ist er nun an der Seite von Putin? Ist er dazwischen? Ist er irgendwie dann doch noch bei den Europäern und bei Zelensky? Ist er jetzt der Friedensfürst, zu dem er sich selbst ernannt hat? Und glaubt er wirklich, dass man mit Wladimir Putin einen dauerhaften Frieden verhandeln kann? Also ich bin ziemlich ratlos, wo dieser Mann, der mächtigste der Welt, nun eigentlich steht.
Sprecher 3: Eines, glaube ich, weiß man, nämlich er hat Oberwasser nach dem Friedensschluss im Gaza, will er jetzt auch den zweiten großen Konflikt endlich beseitigen. Wahrscheinlich natürlich. unter massiven Schmerzen für die Ukraine. Aber das Ziel ist von Donald Trump, diesen Konflikt zu beseitigen. Und dann wird irgendwann auch wieder die Perspektive diskutiert, wer sichert denn diese Waffenstillstandszone dann ab? Karim Hagag, Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI, hat neulich mit unserem Kollegen Okan Beligli gesprochen und gesagt, europäische Friedenstruppen könnten eine Art Absicherung für diese Waffenstillstandszone sein, allerdings nur unter den richtigen Bedingungen. Hören wir mal kurz rein.
Sprecher 5: I think that this could potentially be an important contribution for a settlement. Clearly, that type of arrangement has to be agreed upon by all sides to the conflict. And it has to be done in a way that reinforces the terms of a political settlement, but also reinforces the broader stability for a post-war outcome in Ukraine. But also for the broader European security landscape as a whole. It has to be done as part of a broader settlement of the conflict and in a way that avoids contributing to a situation of post-war instability for Ukraine and European security moving forward.
Sprecher 2: Und wir hatten auch die Gelegenheit, mit Armin Laschet zu sprechen, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Michael hat ihn gestern Abend in Düsseldorf. ... Getroffen und mit ihm darüber gesprochen, ob sich eigentlich nun das Recht des Stärkeren durchgesetzt hat, wenn es zu diesem Einfrieren der Frontlinie kommt. Hören wir mal rein.
Sprecher 6: Also das war ja schon im Weißenhausen in Alaska Thema, ein Waffenstillstand. Und wenn man sagt Waffenstillstand, bedeutet es natürlich auf der Linie, auf der heute die kriegführenden Parteien stehen. Und wenn man Waffenstillstand dauerhaft sagt, heißt das, wir werden diese Linie... Nicht mehr mit Gewalt verändern. Und ein solcher Zustand kann in Korea 50 Jahre dauern. Er kann aber auch die Möglichkeit zu politischen Gesprächen geben. Und es ist keine rechtliche Anerkennung einer Annexion. Also man gibt dem Aggressor nicht völkerrechtlich nach. Dabei muss es auch bleiben.
Sprecher 7: Aber man muss vielleicht die Deutschen und die Europäer vorbereiten, dass es der Jure natürlich keine Anerkennung gibt, aber de facto die Ukraine einen Teil ihres Staatsgebiets für Jahre hinaus aufgeben muss.
Sprecher 6: Ja, die Krim hat sie seit 2014 schon nicht. Das sind über zehn Jahre. Und die Frage ist, kann eine Seite im Moment militärisch gewinnen? Da ist die Einschätzung der europäischen Staats- und Regierungschefs und des amerikanischen Präsidenten. Nein, das ist nicht der Fall. Und man muss zu einem Waffenstillstand kommen. Das war die Forderung aller in Washington. Und das ist auch jetzt die Forderung.
Sprecher 2: Der Lehrermangel an Schulen ist bekanntermaßen ein riesengroßes Problem. Ständig fällt Unterricht aus oder Quereinsteiger müssen den Unterricht für die Kinder bestreiten. In Sachsen-Anhalt probieren zehn Schulen nun einen ungewöhnlichen Lösungsansatz, die Viertagewoche für Schülerinnen und Schüler. Seit 2022 läuft das Pilotprojekt. Das heißt aber nicht, dass die Kinder dann einen Tag länger Wochenende haben. Sie haben nur am fünften Tag keinen klassischen Schulunterricht, sondern machen etwas anderes. Und was sie da eigentlich machen, das weiß Vera Kraft, die Redaktionsleiterin unseres Bildungstable. Hallo Vera.
Sprecher 8: Ja, hallo Helena.
Sprecher 2: Ja, vier Tage Woche hört sich nach Work-Life-Balance für Schülerinnen und Schüler an, aber ganz so ist es offenbar nicht. Was machen die Kinder am fünften Tag?
Sprecher 8: Die zehn Pilotschulen, die das in Sachsen-Anhalt umsetzen, haben alle so ein bisschen andere Konzepte. An manchen Schulen ist der fünfte Tag ein digitaler Lerntag. Das heißt, die Schüler und Schülerinnen können dort dann für sich und zum Beispiel mit Apps oder anderen digitalen Anwendungen lernen. Manchmal gibt es auch fächerübergreifende Projekte, die stattfinden. Also zum Beispiel gibt es eine Schule, die ein... Fiktives Hotel plant, wo dann eben auch sowas wie Management und so weiter geübt wird. Und an anderen Schulen ist der fünfte Tag ein Praxislerntag. Das heißt, da können die Schülerinnen und Schüler in einen Betrieb hineinschnuppern. Und dann gibt es auch noch eine Schule, die versucht, den Tag zu nutzen, um den Kindern und Jugendlichen alternative Lernmethoden beizubringen. Also da geht es vor allem darum, lernschwächere Schüler zu unterstützen und das Lernen in kleinen Gruppen zu üben.
Sprecher 2: Gibt es denn Erkenntnisse, wie gut das funktioniert? Ist das wirklich so, dass die Schülerinnen und Schüler da eine neue Perspektive kennenlernen oder ist das eher dann doch eine ziemlich schlechte Kompensation des Unterrichtsausfalls?
Sprecher 8: Es gibt jetzt auch schon eine erste Evaluation des Projekts und auch erste Ergebnisse. Die zeigen eben auch, dass Schulen damit tatsächlich den Unterrichtsausfall an Präsenztagen etwas reduzieren können. Also diese Hoffnung hat sich bestätigt. In Bezug auf die Kinder und Jugendlichen sind die Ergebnisse aber noch nicht komplett final. Also im besten Fall werden dadurch natürlich die digitalen Kompetenzen der Schüler gestärkt und man kann vielleicht sogar auch Berufsorientierung ausbauen. Aber bisher blicken die Forscher da so ein bisschen gemischt darauf. Also einerseits kann der Einsatz digitaler Medien die Motivation der Schüler steigern. Andererseits ist es halt auch jetzt schon so, dass manche Schüler, also die, die auch sonst schon leistungsstark sind, die können auch besonders gut mit digitalen Medien umgehen. Das heißt, für die ist dieses digital gestützte Selbstlernen vielleicht eine Möglichkeit, noch besser zu werden. Die Schüler, die aber jetzt schon Schwierigkeiten haben, die bleiben vielleicht noch mehr dahinter zurück. Das heißt, diese Lücke könnte im Worst Case noch größer werden.
Sprecher 2: Wie geht es denn jetzt weiter, Vera?
Sprecher 8: Es soll einen Abschlussbericht zum Ende dieses Schuljahres geben. Da kann man bestimmt dann nochmal besser sehen, wie viel diese unterschiedlichen Modelle auch wirklich gebracht haben. Was aber jetzt schon klar ist, es kann nicht nur eine Lösung sein, um zu sagen, damit können wir jetzt den Lehrkräftemangel auffangen. Die Schülerinnen und Schüler, die dann da an diesem fünften Tag alleine sitzen und mit ihren Laptops oder Tablets lernen, brauchen natürlich trotzdem eine engmaschige Begleitung. Und sie müssen auch in Medienkompetenz geschult werden, damit sie da nicht alleingelassen werden, sondern eben im besten Fall wirklich mehr lernen, als das sonst der Fall wäre.
Sprecher 2: Zehn Schulen machen das jetzt. Das Konzept scheint mir noch nicht vollends ausgereift zu sein. Insofern der Rollout auf ganz Deutschland, der wird noch auf sich warten lassen. Vielen Dank, dass du heute bei uns warst, Vera.
Sprecher 8: Ja, vielen Dank.
Sprecher 2: Und nun begrüße ich sehr herzlich in unserem Podcaststudio einen Mann, der vor mir sitzt, in einer grauen Uniform und an seiner rechten Brust ein Eskulabstab. Also, wer es nicht weiß, eine Schlange, die sich um einen Stab windet. Das ist das Zeichen dafür, dass es ein Arzt ist und ein Mann in Uniform. Er heißt Johannes Backus und ist Generalstabsarzt bei der Bundeswehr. Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind.
Sprecher 9: Vielen Dank, dass ich hier sein darf.
Sprecher 2: Herr Dr. Backus, über Kriegstüchtigkeit wird in Deutschland derzeit viel gesprochen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat dieses Wort eingeführt. Wie ist Ihr Blick, wenn Sie jetzt Ihren Bereich betrachten, sind wir, was die militärischen Krankenhäuser angeht, so aufgestellt, dass wir kriegstüchtig sind? Für den Fall der Fälle.
Sprecher 9: Der Begriff, den unser Minister bewandt hat, war ganz klar auch darauf ausgerichtet, wach zu machen. Hier müssen wir auch wieder umdenken lernen. Und Landesverteidigung, das ist eben auch ganz klar, ist nicht nur eine Aufgabe der Streitkräfte, sondern das ist eine gesamtgesellschaftliche, eine gesamtstaatliche Aufgabe, wo tatsächlich Geisthaltung einer gesamten Gesellschaft gefordert wird. Ja, und das ist ihm, glaube ich, ziemlich gut gelungen. Gleichermaßen ihm natürlich absolut klar ist, Wir sind eine Verteidigungsarmee, die aber, und da beißt die Maus keinen Faden ab, auf dem Schlachtfeld muss gekämpft werden. Das kann man nicht schöner umschreiben und da hilft Klarheit und Prägnanz der Begriffe. um wirklich deutlich zu machen, worüber reden wir hier.
Sprecher 2: Die Politik schon zu Ampelzeiten diskutiert über das Gesundheitssicherstellungsgesetz, das unser System einstellen soll für den Kriegsfall, eben die Gesundheit der Menschen sichern soll. Da geht es um verschiedene Fragen, Kooperation auch zwischen zivilen und militärischen Einrichtungen. Es ist aber offensichtlich schwierig. Es gibt immer noch keinen Referentenentwurf und manchmal hat man den Eindruck, es soll auch nicht so viel darüber gesprochen werden, um keine Panik zu verbreiten. Trügt dieser Eindruck oder können Sie uns von Ihren Einblicken in diese Arbeit berichten? Sie sind ja durchaus da eingebunden mit Ihrer Einheit.
Sprecher 9: Also das Gesundheitssicherstellungsgesetz ist sicherlich eines der... Glaube ich, sehr bedeutenden Gesetzesinitiativen, die schon in der vorherigen Koalition Thema war, jetzt nochmal sehr aktiv durch das Bundesgesundheitsministerium auch federführend aufgegriffen worden ist. Und wo wir erkennen müssen, dass in unserer gesamten Vorsorgepolitik für Krisen und für Kriegszeiten für ganz viele Dinge Vorsorge getroffen worden ist. Wie logistische Güter transportiert werden, wie Straßen genutzt werden können, wie Schmierstoffe gebraucht werden können, wie sie priorisiert werden. Das mit der Gesundheit, ich will nicht sagen, es ist abhandengekommen, aber es ist tatsächlich eines der wenigen großen, breiten Themenfelder. Das ist nicht in einem Sicherstellungs- und einem Vorsorgegesetzgebungsverfahren drin. Wir haben das in der Pandemie erlebt, wie schwer wir uns als offene Gesellschaft, mit Priorisierungen von Leistungen, von Dienstleistungen tun. Wem sprechen wir sie zu? Wem sprechen wir sie ab? Ab wann ist der Zeitpunkt gekommen? Wie stellt sich der Ethikrat dazu? Wie stellen sich andere Institutionen, die Mitspracherecht haben in einer demokratischen Grundordnung, dazu? Ja. Es wäre schön, wenn es schon da wäre, aber viel wichtiger ist im Moment, dass wir es tun und dass wir gut dranbleiben.
Sprecher 2: Kommen wir zu einem anderen Gesetz, das gerade für einigen Streit sorgt, auch innerhalb der Koalition, das Wehrdienstmodernisierungsgesetz, das, Herr Dr. Backus, zunächst erstmal auf die Freiwilligkeit setzt. Wie ist da Ihr Blick? Reicht das aus, auch für Ihren Bereich, wo Sie ja auch ständig gute Leute brauchen?
Sprecher 9: Ich glaube, der Fachkräftemangel zwingt uns tatsächlich, bestimmte Dinge zu überlegen. Jetzt kann man trefflich darüber diskutieren, ob diese Abhängigkeiten ausreichen, um junge Menschen oder überhaupt Menschen verpflichtend Dinge tun zu lassen. Und das ist eine grundsätzliche Haltung, wie man zum Thema Pflicht steht. Ist Pflicht etwas Negatives? Und ich habe manchmal den Eindruck, wenn ich in meiner Familie, mit unseren Freunden oder in meinem beruflichen Umfeld mit Menschen diskutiere, dass Pflicht oftmals mittlerweile sehr negativ konnotiert ist. Es gibt die alte schöne Redewendung, es ist mir eine angenehme Pflicht, etwas zu tun oder es ist mir eine vornehme Pflicht, etwas zu tun. Pflicht als Gegenspieler zu Recht. Es muss das andere auch da sein, ist der Dualismus unseres Lebens. Also persönlich bin ich sehr dafür. Es geht mir nicht um die Wehrpflicht, auch wenn ich Angehöriger der Streitkräfte bin. Natürlich würden wir von einem allgemeinen Pflichtdienst profitieren, aber eben auch andere Bereiche. Und insbesondere würden die Generationen, und zwar jede... Die es macht, davon profitieren, weil sie nochmal eine ganz andere Facette, einen ganz anderen Blick auf die Gesellschaft bekommt, wir mit Menschen zu tun haben, die wir ansonsten, wenn wir nur unser eigenes Leben so leben, wie wir glauben, dass es richtig ist, in Kontakt kommen würden. Insofern würde ich das als ausgesprochenen Gewinn empfinden, wenn wir dahin kämen.
Sprecher 2: Jetzt hat die Koalition zunächst einen anderen Plan und setzt, jedenfalls war das die Absprache der Fraktion, auf ein Losverfahren, wo es dann ja einigen Gegenwind gab und man gesagt hat, ist das jetzt eine Lotterie mit dem Gewehr und all solche Fragen. Würden Sie sagen, dieser Prozess, jetzt als Angehöriger der Streitkräfte drauf geblickt, hat... Einen Schaden angerichtet, wo doch das Image der Bundeswehr sich gerade in den vergangenen drei Jahren so verbessert hat. Sind Sie da ein bisschen traurig darüber, wie es gelaufen ist?
Sprecher 9: Da ringt die Politik derzeit nach guten Lösungen. Das ist, glaube ich, in einer demokratischen Gesellschaft, wie wir sie haben, auch gut, dass diese Debatte da ist. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass überhaupt darüber, und das ist ja oftmals so, dass die Schlagzeile die Aktivität produziert, dass wir darüber debattieren. ob es denn jetzt notwendig ist oder nicht. Und ob ein Losverfahren rechtlich die geeignete Lösung ist oder ob es nicht doch eher die geeignete Lösung ist, den gesamten Jahrgang unabhängig nach Geschlecht einer gesamten Gesellschaft für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Und das wird letzten Endes am Ende des Tages dabei rauskommen müssen und dem muss sich dann auch die Gesellschaft stellen. Ich glaube nicht, dass es der Bundeswehr als Institution geschadet hat, weil die Bundeswehr tatsächlich in einer gewissen Form ihren Stellenwert in der Mitte der Gesellschaft gefunden hat, wo die Corona-Pandemie mit beigetragen hat, aber auch viele andere Krisen, die wir hatten, das Ahrtal. Ebola etc. Pp., wo die Bundeswehr sich auszeichnen konnte als wirklich demokratisches Instrument der Mitte und so auch wahrgenommen wird. Das ist zumindest mein Eindruck.
Sprecher 2: Tragen Sie Ihre Uniform gern?
Sprecher 9: Ja.
Sprecher 2: Und was sind die Reaktionen, die Sie so bekommen, wenn Sie in Uniform zum Beispiel hier zu unserem Podcaststudio laufen?
Sprecher 9: Ich war vor ein paar Jahren in den Staaten und hatte das bis dahin immer so gehört, wie das so ist, wenn plötzlich wildfremde Menschen auf einen zukommen und einen ansprechen mit Thank you for your service. Ich habe das dann damals selbst erlebt, das hat mich sehr gerührt. Mittlerweile erlebe ich das auch in Deutschland. Das macht sehr stolz. Und ja, ich... Ich bin gerne unter Menschen. Ich bin als Arzt natürlich mit Menschen im Umgang vertraut und da auch kommunikativ sehr gerne. in der Iteration. Ich erlebe es zunehmend als positiv. Manchmal sind die Begegnungen sehr vertrauenswürdig, als wenn man schon jahrelang im Schützengraben miteinander gelegen hat. Das kann man dann aber schon in die richtige Richtung lenken. Insgesamt sehr positiv. Ich habe den Eindruck, dass ein Großteil der Bevölkerung auf ihrer Bundeswehr mittlerweile sehr stolz ist.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Dr. Pakus, dass Sie heute bei uns waren und über Ihre Arbeit berichtet haben.
Sprecher 9: Sehr gerne.
Sprecher 3: Helene, war noch was?
Sprecher 2: Michael, um es mit einem Titel von Metallica zu sagen, Fight Fire with Fire. Das gilt jetzt auch für den Kampf gegen die Erdnussallergie. Da haben amerikanische Forscher herausgefunden, dass man Kindern ab dem Alter von vier Monaten regelmäßig kleine Mengen an Erdnüssen geben soll, damit sie gar nicht erst eine Allergie entwickeln. Denn die Erdnussallergie, das ist für viele Menschen ein großes Thema. Und das ist auch der Grund, warum wir auf so vielen Verpackungen den Hinweis finden, kann Spuren von Erdnüssen enthalten. Also sei es irgendwie die Fertigpizza oder das Müsli oder sonstiges. Da müssen manche Menschen eben sehr genau darauf achten, weil sie schlimme Symptome, dicken Hals und anderes davon bekommen, wenn sie Erdnüsse verzehren. Die Studie des Allergologen David Hill, die zeigt, dass dieser Ansatz offenbar funktioniert, Kindern schon Erdnüsse zu geben. Seit 2015 gibt es circa ein Drittel weniger Erdnussallergien. In Deutschland funktioniert das aber nicht unbedingt. Das müssen wir erst noch ausprobieren, denn die Deutschen essen sehr viel weniger Erdnüsse. Bei uns ist eben das Peanut Butter Sandwich. Ich sage mal, zum Glück nicht Teil des üblichen Frühstücks.
Sprecher 3: Ich habe meinen übersteigerten Erdnusskonsum dann auch nach den Teenagerjahren endlich aufgegeben. Aber euch und dir, liebe Helene, bringe ich heute in die Redaktion, vor allem unserer lieben Kollegin Ashley Peanutbutter, M&Ms, direkt aus den USA. Arme, die gibt es nämlich nur da. Insofern, ich verstehe den Hunger auf Erdnüsse schon sehr.
Sprecher 2: Und jetzt schlagen wir auch an dieser Stelle die Brücke von Amerika nach Russland zu Piotr Tchaikovsky und seiner wunderbaren Nussknacker-Suite, mit der wir Sie in diesem Tag entlassen. Und freuen uns, wenn Sie am Donnerstag wieder da sind. Tschüss.
Sprecher 3: Ciao, ciao.