Neuer Streit bei Schwarz-Rot
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat in letzter Sekunde eine von den Fraktionen ausgehandelten Kompromiss zum Wehrdienst blockiert.
Der ursprüngliche Vorschlag Pistorius' wurde von den Bundestagsabgeordneten der Koalition modifiziert.
Im Bundestag soll nun der ursprüngliche Pistorius-Entwurf diskutiert werden.
[01:28]
Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan ist bereit, Hilfen für Gaza freizugeben. Soforthilfen in Höhe von 200 Millionen Euro stehen bereit, sagt sie im Gespräch mit Michael Bröcker in Washington.
[06:12]
Die Heizungsbranche fordert klare Antworten von der Politik. Auf der Connecting-Heat-Konferenz in Berlin blieben Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bauministerin Verena Hubertz dem Branchentreffen fern.
Die entscheidende Frage ist, wie Gebäudeenergiegesetz in Zukunft aussehen soll.
[08:35]
Flix investiert 2,4 Milliarden Euro in 65 neue Züge, um der Deutschen Bahn Konkurrenz zu machen. Daniel Krauss, einer der Gründer, setzt auf Technologievorsprung und günstigere Preise. Auf der Deutschen Schiene will Flix Train vor allem mit Technologie punkten. So Flix es auch in den USA getan hat bei der Übernahem der legendären Greyhound-Busse.
[13:47]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Lars Klingbeil, der Finanzminister und Vizekanzler, ist auf Roadshow in den USA und wirkt für den Standort Deutschland. Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan begleitet ihn und die kleinen und großen Krisen der Koalition allerdings auch. Ich bin vor Ort dabei und wir sprechen mit der Entwicklungsministerin auch über den Wiederaufbau in Gaza.
Sprecher 3: Connecting Heat, so heißt die deutsche Wärmekontferenz, die in den letzten zwei Tagen in Berlin stattgefunden hat. 500.000 Arbeitsplätze hängen an dieser Branche, die aber schwächelt und die Verunsicherung ist groß. Die 250 Teilnehmer haben sich klare Antworten von der Politik gewünscht, wohin die Reise geht. Hat sie das geliefert? Sie erfahren es bei uns.
Sprecher 2: Bekommt die Deutsche Bahn jetzt endlich ernstzunehmende Konkurrenz? Das ist zumindest das Ziel von Flix, dem grünen Bus- und Bahnunternehmen. Das Angebot auf der Schiene soll massiv ausgebaut werden. Wir sprechen mit Daniel Kraus, einem der Gründer von Flix.
Sprecher 3: Und zum Schluss müssen wir noch über das schönste Dorf in Europa reden. Und das liegt wo auch sonst in Bayern. Ich wette, Markus Söder hat bei dieser Entscheidung seine Finger drin gehabt. Aber auch das werden wir aufklären an diesem Donnerstag, den 16. Oktober.
Sprecher 2: Eigentlich wollte Lars Klingbeil bei seiner ersten Reise hier zur Herbsttagung der Weltbank und des IWF für den Standort Deutschland werben. Er trifft Investoren, 40 Menschen von Barclays bis BlackRock, die ihm Geld geben sollen für Investitionen in Deutschland. Aber der kleine Eklat da zu Hause in der Koalition rund um das Wehrdienstgesetz, der hat Klingbeil hier natürlich auch im Flieger erreicht, wo ich ihn begleite. Und man spürte erstmals, Selene, bei seinen Äußerungen über diesen Vorfall eine gewisse Distanz zu dem beliebtesten Bundesminister Deutschlands.
Sprecher 3: Ich erkläre kurz, worum es geht. Das Wehrdienstgesetz. Die Koalition hatte eigentlich alles schon geklärt. Es sollte ein bisschen anders sein, als Boris Pistorius es ursprünglich vorgeschlagen hat. Ein Vier-Stufen-Modell. Stufe 1 Freiwilligkeit, Stufe 2 nach einem Losverfahren sollten. Die jungen Männer einer Generation gemustert werden, aber eben nicht alle jungen Männer, sondern nur die, auf die das losfällt. Das hatten die Fraktionen so ausbaldowert Norbert Röttgen für die CDU und Siemtje Möller für die SPD. Und es war schon zur Pressekonferenz eingeladen worden. Alles schien fertig und dann sagte Boris Pistorius, nein, so nicht mit mir. Und die ganze Sache platzte in letzter Sekunde. Heute ist das Gesetz nun in erster Lesung im Bundestag. Und was nun kommt, das weiß eigentlich keiner so ganz genau.
Sprecher 2: Jedenfalls ist erstaunlich, wie Boris Pistorius wohl aus der Haut gefahren ist in der Fraktionssitzung. dann schon ordentlich Siemtje Müller, seine frühere Staatssekretärin, angeraund haben. Er war offenbar nicht richtig eingebunden. Ein kleines, kleines Debakel auch in der SPD-Fraktionsführung, würde ich mal sagen. Es erinnert ein bisschen an das Richterdesaster bei der Union vor einigen Monaten.
Sprecher 3: Es hat vielleicht nicht ganz so weite Kreise gezogen, aber natürlich fragt man sich, wie kann es denn sein, dass ein Gesetz aus dem Hause Pistorius von den Bundestagsabgeordneten modifiziert wird. Soweit ja okay, immerhin hat ja die Hoheit für die Gesetzgebung am Ende das Parlament. Aber dass man das tut und durch entscheidet, ohne den Verteidigungsminister einzubeziehen, das sind Fragen, die sich auch an die Fraktionsführung richten. Was hat eigentlich Matthias Miersch gemacht? Warum reden die nicht miteinander? Und warum gibt es nun Ärger, du hast es gesagt, um den beliebtesten Politiker, den die SPD noch hat, nämlich Boris Pistorius?
Sprecher 2: Also jetzt kommt jedenfalls der ursprüngliche Pistorius-Entwurf in den Bundestag. Es geht vor allem um 5000 zusätzliche junge Leute, die freiwillig sich melden sollen von einem Jahrgang von ungefähr 300.000 jungen Menschen. Also das geht vielleicht ja auch alles über Freiwilligkeit und da muss man über Losverfahren und generelle Musterungen ja vielleicht gar nicht mehr reden.
Sprecher 3: Nach NATO-Vorgaben muss Deutschland bis 2034 460.000 Soldaten zur Verfügung stellen. Das ist eine ganz schöne Messlatte, wo man erstmal hinkommen muss, denn jetzt hat man derzeit ungefähr 188.000 Aktive.
Sprecher 2: Jedenfalls hätte gerne Lars Klingbeil der... Parteichef über etwas anderes geredet, als er hier mit 20 Journalisten in den Flieger gestiegen ist, um in die USA nach Washington zu reisen. Hier geht es um die Weltfinanzpolitik, hier geht es um Standortpolitik für Deutschland, neue Investitionen und auch um den Aufbau im Gazastreifen und mehr Geld für die Ukraine. Also alles aus Sicht von Lars Klimmer, zumindest deutlich relevantere Themen als dieser Streit in der Koalition.
Sprecher 3: Ist das Klingbe eigentlich neuerdings Außenminister? Könnte man bei dieser Themenpalette irgendwie denken?
Sprecher 2: Ja, so ein bisschen wohl fühlt er sich jedenfalls hier in dieser Rolle, denn er liebt die außenpolitischen Termine. Er ist natürlich immer auch ein bisschen in eigener Mission unterwegs. Der Mann will schließlich in drei Jahren ja Kanzlerkandidat für die SPD werden. Und da ist es sinnvoll und richtig, auch ein bisschen Außenministerluft zu schnuppern.
Sprecher 3: Was ist denn jetzt dein Schwerpunkt auf dieser Reise nach Washington DC, lieber Mick?
Sprecher 2: Also Sie sprechen bei den G20-Finanzministertreffen natürlich um die Ukraine. Es soll darum gehen, dass die eingefrorenen russischen Milliarden, die unter anderem von einer belgischen Agentur verwaltet werden, dass die freigegeben werden für Gelder an die Ukraine. Die USA soll mitmachen und der Scott Besson, der Finanzminister in den USA, hat das in einem Gespräch mit Lars Klingbeil wohl auch zumindest in Aussicht gestellt. Und die andere große Frage für Lars Klingbeil ist aber vor allem, kann er Investoren begeistern, in Deutschland zu investieren? Er spricht jetzt allerdings ständig von Strukturreformen, die natürlich angegangen werden, von einem Sondervermögen, das ganz schnell in die Fläche jetzt fließen soll. Und er trifft an diesem Donnerstag rund 40. Investoren, Hedgefonds, Bankmanager, unter anderem von Barclays Capital und von BlackRock, um sie davon zu überzeugen, ihr Geld doch bitte in Deutschland zu investieren.
Sprecher 3: Um Investitionen ging es auch mit Blick auf den Gazastreifen, denn der ist wirklich weitgehend zerstört. Viel Geld ist nötig und mitgereist ist die Entwicklungshilfeministerin Reem Alaa Balirado-Wanmichael. Und du hast mit ihr darüber gesprochen, was Deutschland für den Wiederaufbau bereit ist zu tun.
Sprecher 2: Ja, sie ist Gouvernörin der Weltbank und die Weltbank, das ist entscheidend, ist vielleicht die zentrale Institution, die Finanzen organisieren soll für den Wiederaufbau im Gase. Und natürlich wollten wir wissen, was kommt aus Deutschland und fließt das Geld irgendwie dann doch wieder an die Hamas. Hier ist ihr kleiner O-Ton direkt vor dem Weißen Haus gestern Abend.
Sprecher 4: Wir müssen dringend darüber sprechen, was die nächsten Schritte sind. Es gibt viele Staaten, die sich bereit erklären zu unterstützen, genauso wie Deutschland eine Verantwortung zu übernehmen. Aber das darf nicht durcheinander gehen. Das haben wir gelernt, auch aus Afghanistan und aus anderen Situationen, dass wir uns absprechen müssen, abstimmen müssen, wer macht was. Und das erwarte ich, dass die Gespräche da jetzt auch einstarten.
Sprecher 2: Wie schnell können Sie aus Ihrem geschrumpften Etat Soforthilfe zur Verfügung stellen und in welcher Größenordnung kann das passieren?
Sprecher 4: Wir waren als BMZ vor dem 7. Oktober, vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel in Gaza unterwegs, vor allem im Bereich der Wasserversorgung und der Unterstützung der lokalen Verwaltung. Da gibt es Mittel, die seither zurückgehalten wurden, weil wir nach dem 7. Oktober nicht mehr vor Ort waren.
Sprecher 2: In Medien ist von mindestens 200 Millionen Euro die Rede. Ist das ungefähr die Größenordnung?
Sprecher 4: Ja, das ist ungefähr die Größenordnung von Mitteln, die im Haushalt schon zur Verfügung stehen. Wie gesagt, größtenteils aus dem Topf, der sowieso für Gaza zur Verfügung steht. Das sind Mittel, die zurückgehalten wurden aufgrund der Situation vor Ort.
Sprecher 2: Letzte Frage. Wie wollen Sie sicherstellen, dass diese Mittel, die demnächst fließen, nicht wieder am Ende in irgendwelche Hamas-Strukturen fließen?
Sprecher 4: Zunächst einmal muss ich ganz klar sagen, es sind auch vorher keine Mittel in Hamas-Strukturen geflossen. Wir haben immer mit Projekten gearbeitet vor Ort, mit Trägern wie der GIZ oder anderen Organisationen. Wir haben sehr sorgfältige Prüfmechanismen, die jetzt auch nochmal nachgeschärft wurden in den letzten Monaten, die natürlich dafür sorgen, dass kein Geld an die Hamas geht. Für mich ist völlig klar, die Hamas ist eine Terrororganisation, die in Gaza keine Rolle mehr spielen darf. Und ich achte sehr genau darauf, wohin das Geld fließt.
Sprecher 2: Vielen Dank, Frau Ministerin.
Sprecher 4: Danke.
Sprecher 3: Dieser Tage hat sich die Heizungsbranche in Berlin getroffen zu einer Jahrestagung mit dem schönen Titel Connecting Heat. Und jetzt, wo es draußen so kalt wird, ist es auch tatsächlich an der Zeit, über Wärme zu reden. Aber nicht nur deshalb, sondern auch, weil die Verunsicherung im Markt wirklich riesengroß ist. Der Absatz an Heizungstechnik ist eingebrochen. So kann man sagen, ein Rückgang seit anderthalb Jahren. Ziemlich genau seit der Debatte um das Heizungsgesetz weiß die Branche nicht ganz genau, in welche Richtung geht es nun. Da ist der Handlungsbedarf groß und die Hoffnung, dass die Politik klare Antworten gibt, auch.
Sprecher 2: Ja, und Katharina Reiche hat noch keine klare Antwort. Sie hat die Reform des Gebäudeenergiegesetzes, also des Heizungsgesetzes, in der Mache. Und wie wir hören und auch ja hier schon bereits erwähnt haben, soll die Heizungsförderung degressiv ausgestaltet werden. Also am Anfang ja, gibt es eine hohe Förderung, übrigens vor allem für Niedrigverdiener und Familien. Das will sie machen, damit die SPD bei ihren Reformplänen zustimmt. Aber dann soll die Förderung sehr schnell absinken. Denn sie hat ja nicht ganz Unrecht, Helene. Menschen wie du und ich, die wissen, dass die Wärmepumpe die ideale Technik vielleicht für unser Häuschen oder unsere Wohnung ist. Und dann würden wir es auch machen ohne große Förderung.
Sprecher 3: Was für einige Unruhe und auch ziemlichen Unmut auf der Wärmekontferenz gesorgt hat, war, dass weder Katharina Reiche, die Wirtschaftsministerin, noch Verena Huberts, die Bauministerin, gekommen sind. Beide hatten zugesagt, die... Eine hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Wir wissen, dass Verena Huberts schwanger ist. Katharina Reiche hatte aus terminlichen Gründen abgesagt und dort munkelte doch nun der eine oder andere, sie wolle sich den Fragen einfach nicht stellen, weil es noch keine Antwort gibt. Ihre Abteilungsleiterin Melanie von Ahlefeld war da, hat aber auch nur gesagt, dass das Gesetz in Arbeit sei und ließ sich auch nicht so richtig festnageln bei der Frage, naja, im Koalitionsvertrag steht ja drin, das Heizungsgesetz wird abgeschafft. Was wird denn nun abgeschafft? Auch Stefan Ruhenhoff, der parlamentarische Staatssekretär aus dem Ministerium, war nicht zu besonders viel bereit, außer zu allgemeinen Ausführungen über die Bedeutung der Heizungsbranche. Und dass man jetzt zu Lösungen kommt, erbart aber die anwesenden Vertreter um Geduld. Und die haben das nicht so wirklich gutiert, weil sie sagen, die Verunsicherung ist so groß, bis zum Kunden hin ist sie groß. Wir brauchen jetzt Ruhe, wir brauchen jetzt Klarheit. Der einzige Vertreter der Koalition, allerdings aus dem Parlament, der sich ziemlich klar festgelegt hat, wohin die Reise geht, war Armand Zorn, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Der hat gesagt, es soll auf jeden Fall bei den 65 Prozent Erneuerbare im Heizungsgesetz bleiben. Das habe sich bewährt. Aber die Union, so viel war auch klar, will das nicht mitmachen. Wie der Kompromiss aussieht, soll nun entweder im letzten Quartal dieses Jahres oder im ersten Quartal des nächsten Jahres feststehen. Denn danach drohen tatsächlich schon wieder Strafzahlungen aus Brüssel, weil Deutschland die EU-Gebäude... Richtlinie umsetzen muss.
Sprecher 2: Einer, der am Urheizungsgesetz, zumindest bei dem von Robert Habeck mitgewirkt hat, ist Michael Kellner, der ehemalige parlamentarische Staatssekretär. Mit dem hast du auf der Konferenz gesprochen, wenn ich ihn richtig verstehe, sagte, lass das gehen, geh doch einfach so, wie es ist.
Sprecher 5: Ich habe den Eindruck, das Heizungsgesetz, das GEG, steigt in der Beliebtheit. Ich glaube ehrlicherweise, dass die Regierung gefangen ist. Sie haben sich in Koalitionsvertrag verheddert, der nicht zueinander passt. Sie setzen aufeinander. Sie haben, glaube ich, Angst davor, dass sie mit einer falschen Reform wieder alle aufbringen. Deswegen wäre ja fast das Beste, sie lassen das Gag so, wie es ist und kümmern sich um andere Themen, wie beispielsweise die ganzen Verordnungen, die ja auch noch eine große Rolle spielen, Fernwärme, Lieferverordnung und anderes. Das klingt vielleicht sehr technisch, ist es auch. Wäre aber ein wirklicher Schritt, um die Wärmewende voranzukriegen. Also deswegen bin ich mal gespannt, wie die Koalition da zurande kommt. Ich glaube, es wird noch eine ganze Weile dauern, weil sie, glaube ich, nicht wissen, wie sie das auflösen sollen, was sie haben. Und je länger das Gesetz da ist, desto populärer wird es.
Sprecher 3: Und das sahen übrigens einige Vertreter der Heizungsbranche auch so, die sagen, das GEG ist vielleicht nicht perfekt, wie es jetzt ist, aber zumindest wissen wir jetzt, wie es läuft und stellen unsere Arbeit darauf ein. Michael Kellner machte noch einen zweiten Punkt und er sagte, der Klimaschutz, so seine Hoffnung jedenfalls, kehrt zurück. zurück als das relevante Thema unserer Debatte, unserer Zeit. Und er macht das fest an dem Bürgerentscheid am vergangenen Wochenende in Hamburg, dass die Klimaneutralität für Hamburg um fünf Jahre nach vorne gezogen ist. Hören wir mal rein, warum er glaubt, dass dieser Entscheid ein Game Changer ist.
Sprecher 5: Klima ist back. Am Sonntag gab es einen riesigen Erfolg in Hamburg. Der Volksentscheid ist durchgegangen. Ich habe mich total gefreut, weil es eben zeigt, wie stark dieses Thema ist. Alle haben es abgeschrieben. Die Hamburgerinnen und Hamburger haben gezeigt, hey, eine Mehrheit für Klimaschutz, sie ist da für eine Verschärfung des Klimaschutzes, sie ist da. Das hat mir richtig gute Laune gemacht in diesen sonst nicht so schönen Zeiten.
Sprecher 2: Mit einer Investition von 2,4 Milliarden Euro will Flix, der Anbieter von Flixbus und Flixchain, der deutschen Bahn Konkurrenz machen. Es geht nicht nur um ein größeres, attraktiveres Angebot, es geht natürlich auch um Preis und Pünktlichkeit. Aber wie soll das gehen? Immerhin müssen die Züge von FlixTrain ja auch dasselbe marode Schienennetz nutzen wie die Deutsche Bahn. Alex Hofmann, der Redaktionsleiter unseres CEO-Table, hat mit Daniel Kraus, einem der Gründer von Flix, darüber gesprochen, wie man der Deutschen Bahn dem großen Platzhirsch Konkurrenz machen kann.
Sprecher 6: Daniel, herzlich willkommen im Podcaststudio von Table Briefings.
Sprecher 7: Ja, danke dir, Alex. So sieht man sich wieder.
Sprecher 6: So sieht man sich wieder. Zu Beginn mal mit einer ganz einfachen Frage. Wie fühlt man sich, wenn man mit einem Start-up, kein kleines mehr, aber mit einem Start-up eine amerikanische Legende wie Greyhound übernehmen kann?
Sprecher 7: Tatsächlich war das ein sehr beeindruckender Moment und zwar vor allem emotional. Relevant war, was da alles dranhängt. Als Beispiel, als wir damals zur Unterzeichnung der Verträge in Dallas eingetroffen sind, wurden wir von so einem alten Bus quasi abgeholt, mit auch so einem richtigen Greyhound-Kollegen, wie man sich den vorstellt. Und der hat uns auch begrüßt, so für mich, sehr befremdlich war es schon. Weil so mit so einer Hochachtung, so wie man es aus den Filmen kennt, wo ich mir denke, ich bin doch halt ein ganz normaler Dude, jetzt mach dich mal locker. Du merkst, dass da einfach Geschichte passiert. Wenn man das dann rekapituliert, dann wird man so ein bisschen ehrfürchtig und es war aber auch ein bisschen surreal, muss ich schon sagen.
Sprecher 6: Und jetzt habt ihr die grauen Hunde grün angemalt. Was macht ihr noch bei Greyhound? Was verändert sich da?
Sprecher 7: Also Greyhound ist grundsätzlich schon immer eine sehr gute Firma gewesen. Allerdings haben die über die letzten Jahrzehnte, ich sag mal, diesen Tech-Zug, das ist fast schon ein Wortspiel, Zug und Tech, den haben sie irgendwie verpasst. Das, was wir mit Flixbus über die letzten Jahre sehr gut gemacht haben und jetzt auch dann in Europa mit dem FlixTrain fortschreiben werden, ist, Fernverkehr technologiegestützt besser für die Kunden und den Kunden zu machen. Besser warum? Weil ich es a. Kostengünstiger machen kann und weil ich es wirklich auch besser machen kann. Tausende von Zielen, die ich miteinander verbinde, teilweise über Umstiege. Das ist irgendwann mal, selbst in den größten Excels, nicht mehr zu optimieren für einen Menschen. Das kann also nur der Algorithmus. Und es war wirklich so, dass das ursprüngliche System, das wir da vorgefunden haben, das war aus den 80ern. Das ist also faktisch so alt gewesen wie ich selbst. Und das haben wir innerhalb von zehn Monaten ersetzt. Dadurch haben wir eine große Kostenbelastung von Greyhound genommen. Damit konnten sie sich wieder sehr viel schneller bewegen. Durch das Werkzeug an sich sind. Sie auch deutlich schneller und kundennäher geworden. Und dann ging das tatsächlich relativ zügig, dass wir Greyhound wieder ins Plus gedreht haben, also ein profitables Geschäft. Und das gibt einem ja immer genug Beinfreiheit, um dann weiterzuarbeiten. Wo kann ich neue Kundengruppen erschließen etc.?
Sprecher 6: Kommen wir mal nach Europa. Du hast gerade schon FlixTrain angesprochen. Hier ist ein großer Fokus eben nicht mehr das Busgeschäft alleine, sondern ihr... Ihr habt auch schon Züge und jetzt auch gerade nochmal massiv investiert, 2,4 Milliarden Euro für, jetzt muss ich selber mal nachgucken, 65 neue Züge, das ist schon eine beeindruckende Zahl. Heißt aber auch für euch, dass ihr als Company, euch verändern müsst, weil vorher war Tech angesagt, viel Algorithmus, ihr habt die Busse nicht besessen oder besitzt die Busse nicht, die für Flixbus fahren. Jetzt wird alles anders. Könnt ihr das?
Sprecher 7: Also alles anders würde ich nicht sagen. Ich glaube, auch wenn ich mich im Wettbewerb mit unserem Lieblingswettbewerber der Bahn hier in Deutschland Vergleiche und messe, dann sehe ich schon, dass der Vorteil der Tech-Plattform auch da eklatant ist. Wie schnell wir auf Kundenwünsche zugreifen können und uns anpassen können, wie schnell wir sozusagen Nachfragekurven modellieren können und die Preise gestalten können. All das geht nur dank der Technologie und ich glaube, das ist insofern relevant. Weil so ein Zug, wenn du das clever machst und auch die Kostenvorteile ausspielst, dann kannst du ja bis zu tausend Passagiere und Passagiere überlegen. Wir fördern. Das ist toll, wenn du auch tausend Menschen findest, aber auch dazu die vertriebliche Power, die Tech-Power, damit du Züge ganz salopp gesagt voll machen kannst. Also ich glaube, auch da ist Technologie ein Unterschied. Nichtsdestotrotz ist es so, dass wir da auch betrieblich deutlich mehr in die Verantwortung gehen werden müssen. Ich glaube, das haben wir A gelernt und ich glaube, dass es auch notwendig ist, denn die Herausforderung ist, es gibt eben nicht ausreichend viele private Bahnunternehmen, die die Größe haben und unseren Qualitätskriterien entsprechen. Und irgendwann haben wir uns überlegt, okay, entweder ist es ein Wachstumshämer, aber wir glauben an diesen... Riesigen Markt im europäischen Fernzugverkehr. Dann haben wir quasi jetzt unsere eigene, wenn wir hier die FlixTrain sozusagen als eigenen internen Zugpartner aus der Taufe gehoben und die werden dann auch die Verantwortung entsprechend übernehmen.
Sprecher 6: Das ist auf jeden Fall eine sehr mutige Entscheidung. Wann kann sich sowas denn amortisieren? Wann kann sich sowas rechnen?
Sprecher 7: Naja, also Züge, du hast ja die Zahlen schon genannt, das ist ein langfristiges Geschäft. Gott sei Dank, weil einige von den jetzigen Flixwrains, die rumfahren, die haben auch schon zwei, drei Jahre auf dem Buckel und sind immer noch sehr zuverlässig. Auch wenn sie hier und da ein bisschen Vintage anmuten, aber dafür gibt es ja jetzt zwei Tage.
Sprecher 6: Schöne Formulierung.
Sprecher 7: Und deswegen planen wir schon, wenn wir über FlixTrain nachdenken, langfristig. Einer unserer Werte ist Rebuild for Generations. Und da gucke ich schon auch deutlich über die zehn Jahre hinaus. Also da kannst du dann auch 20, 30 Jahre gehen und hoffentlich bleibt es dann über den Zeitraum auch nicht nur bei 65 Zügen, sondern es werden noch mehr.
Sprecher 6: Jetzt gibt es, hast du selber schon gesagt, mit der Bahn einen sehr gewichtigen Wettbewerber, der jetzt zum Beispiel im Regionalbereich ja auch tatsächlich schon Gewinn verdient. Jetzt auch im Fernbereich saniert werden soll.
Sprecher 7: Die Wortwahl.
Sprecher 6: Ja, muss alles noch gezeigt werden. Was bedeutet das für Flix? Ist der Druck für euch jetzt größer? Verspürt ihr den?
Sprecher 7: Ich habe da persönlich lang drüber nachgedacht, was ich begrüße. jemanden, der gezeigt hat, dass er einen Teilbereich auf Vordermann bringt oder jemanden, der vielleicht rein politisch unterwegs ist. Schlussendlich ist es egal. Was wir wirklich begrüßt haben, ist die neue Bahnstrategie vom Bundesverkehrsminister Schneider. Und was da für uns relevant war, da kommt es nicht auf Personalien an. Ich kenne die Person nicht, deswegen kann ich es nicht kommentieren, sondern es kommt darauf an, dass a, der Wettbewerb gestärkt wird. Und da ist es schon so, dass ich den Eindruck habe, dass die InfraGo als Teil der neuen Bahnstrategie, und die ist ja gemeinwohlorientiert, also für uns alle, dass die aufgewertet wird. Gab es da die Diskussion oder gibt es die Diskussion, dass zum Beispiel der DWNW-Gelder darüber geht? Und B geht es dann häufig um Infrastruktur. Und da ist für uns natürlich das Thema Trassenpreise sehr relevant. Und auch da steht zusätzlich... Im Koalitionsvertrag soll sich ja was entwickeln. Schlussendlich wäre es irgendwann optimal, dass wir da auf Grenzkosten unterwegs sein können, weil nur dann können wir flächendeckend günstige Preise anbieten. Aber eben der gesamte Wettbewerb, nicht nur für uns, sondern es gilt dann auch für die Bahn und alle anderen Anbieter. Und das ist relevant für uns, das ist ein Level Playing Field, dass es einfach ein sinnvoller Wettbewerb ist, der klare Regeln hat. Ich glaube, dazu ist diese fortschreitende Trennung, die ich zumindest wahrgenommen habe in der neuen Bahnstrategie, ein elementarer Teil, die wir begrüßen. Und den Rest können wir untereinander ausmachen. Da haben wir ja überhaupt keinen Schmerz. Ich glaube, wir haben auch schon gezeigt, dass Wettbewerb allen gut tut. Und manchmal... Muss der Body Mass Index halt auch fallen.
Sprecher 6: Findest du den Bus- und Zugreiseverkehr, so wie er jetzt gerade ist, ist das ein fairer Markt? Weil natürlich, es gibt halt einmal das große Monopol auf der anderen Seite. Offensichtlich ist er ja offen genug, dass ein Startup auch punkten kann.
Sprecher 7: Das ist immer so eine Frage trotz und wegen. Also man muss sehr klar sagen, dass Deutschland damals in der letzten schwarz-gelben Bundesregierung den Fernbusmarkt erstmal überhaupt geöffnet hat. Das ist quasi die Geburtsstunde von Flix. Von daher, das sieht man, was Deregulierung, Öffnung, Wettbewerb alles bewirken kann. Auf der Zugseite ist es so, dass es da meiner Meinung nach noch Beispiele gibt in anderen europäischen Ländern, wo es schon besser funktioniert hat. Da haben wir auch... Immer mal wieder den Hinweis gegeben, man möge zum Beispiel nach Italien gucken, wo ich finde, dass das Thema Infrastruktur und Deregulierung ganz gut funktioniert hat. Das heißt, ist es schon ein perfekter Wettbewerb, wie ich mir das vorstelle? Noch nicht ganz, aber wir können uns nicht beschweren. Wir glauben daran, dass der Markt da ist. Wir haben im Bus gezeigt, dass man den Markt auch wachsen kann. Wir glauben, dass der Zugmarkt signifikant größer ist. Und dass wir da noch mehr Menschen dazu bewegen können, in Züge und Busse einzusteigen. Und wir nehmen, wie es kommt und gestalten es entsprechend. Aber wir glauben, es kann noch Verbesserungen geben, die schlussendlich uns allen als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes und unseren Kunden zugutekommen. Daniel, ganz herzlichen Dank, dass du heute hier warst. Danke dir, Alex.
Sprecher 2: Flo, war noch was?
Sprecher 8: Ja, Mick, während du dich da in den USA rumtreibst, wo es natürlich auch schöne Ecken gibt, gibt es eine neue Auszeichnung hier in Europa. Und zwar das schönste Dorf Europas liegt in Bayern. Ist ein 2800-Seelen-Dorf mit dem wunderschönen Namen Hugelfing.
Sprecher 2: Das ist schön.
Sprecher 8: Ja, liegt ungefähr eine Stunde von München entfernt mit dem Auto. Und ist jetzt ausgezeichnet worden bei einem Wettbewerb, den Entet Floral Europe Wettbewerb. Gibt es seit 50 Jahren.
Sprecher 2: Ja, was zeichnet denn dieser Wettbewerb genau aus? Was muss ein Ort denn bringen, um da zu gewinnen?
Sprecher 8: Ja, das Ganze wird von einer Jury bewertet. Hugelfing hat es jetzt übrigens geschafft, das erste Mal über 90% Wertung von dieser Jury zu bekommen. Und besonders positiv ist einfach aufgefallen, dass hier Tradition und Innovation, ganz nah beieinander sind, das meint zumindest so die Jury. Es ist ein unfassbar großer Zusammenhalt im Ort. Fast jeder dieser 2800 Einwohner arbeitet irgendwie ehrenamtlich. Es gibt Kunstausstellungen, Clubtreffen, lokale Feste, öffentliche Räume. Da arbeitet wirklich jeder Hand in Hand und guckt, dass es seinem Nachbarn oder seiner Nachbarin besonders gut geht. Und das scheint ordentlich Eindruck gemacht zu haben.
Sprecher 2: War ja klar, dass dieser kleine Topf Gold am Ende eines Regenbogens irgendwo in Bayern steht. Hoffentlich hört Markus Söder das nicht. Aber wir müssen mal nach Hugelfingen. Na klar.
Sprecher 8: Morgen am Freitag dann wieder wie gewohnt ab 5 Uhr Table Today. Bis dahin, schönen Donnerstag noch.
Sprecher 9: Dream that you did too, oh why, oh why can't I? Someday I wish upon a star. Wake up with the clouds off our behind. Travel melts like lemon drops high above the chimney top. That's where. Dream that you dare to. Why, oh why?
Sprecher 10: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft und hat dafür einen Ausschuss gebildet.
Sprecher 11: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen. Damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt. Ihr Verband der chemischen Industrie.