Premiere: Der Kanzleramtschef im StäV-Studio
Dauer: 24:50

Premiere: Der Kanzleramtschef im StäV-Studio

Kanzleramtschef Thorsten Frei verteidigt die Arbeit der großen Koalition. „Die Stimmung in der Koalition, die ist jedenfalls weit besser, als sie von außen wahrgenommen wird“, betont der CDU-Politiker.

Frei gehörte zu den ersten Gästen im neuen Table Today-Studio in der Ständigen Vertretung am Schiffbauerdamm.

[01:06]


Die Rückkehr der Geiseln nach Israel war ein bewegender Moment. Ist das der Beginn einer historischen Wende im Nahen Osten? Donald Trump hat in Sharm el-Sheikh seinen diplomatischen Triumph inszeniert – im Beisein von Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Merz.

Stefan Braun vom Berlin.Table hat den Kanzler bei seiner Reise begleitet.

[07:07]


Die neue Chefin des Bundesverbands Erneuerbare Energien, Ursula Heinen-Esser, will der Erneuerbaren-Branche mehr politisches Gewicht verleihen. Bei der möglichen Abschaffung der Solarförderung für Privathaushalte hat sie „Bauchschmerzen“ – die Förderung sei wichtig für Motivation und schnellere Amortisation. Beim umstrittenen Gebäude-Energie-Gesetz sieht sie Spielraum für Überzeugungsarbeit in der Union.

[13:16]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Frieden in der Ost. Große Hoffnung von Donald Trump, der sich gestern feiern ließ. Erst in der Knesset, dann in Sharm el-Sheikh. Unser Kollege Stefan Braum ist mit dem Bundeskanzler zu den Friedensgesprächen gefahren. Und wir reden gleich mit ihm über seine Eindrücke.

Sprecher 3: Und in Berlin geblieben ist der Kanzleramtschef Thorsten Frei. Einer muss ja die Stellung halten und er kam dann deswegen auch zu uns, vielleicht weil er sich so allein gefühlt hat im Kanzleramt. Er war bei uns gestern Abend bei der ständigen Vertretung. Wir haben dort unser Podcaststudio eingeweiht.

Sprecher 2: Deutschlandpremiere also in der ständigen Vertretung. Und zum Schluss reden wir auch noch mit einer neuen, alten politischen Figur in Berlin. Denn Ursula Hein-Esser, ehemalige NRW-Umweltministerin, ist wieder zurück auf der Bühne und jetzt Chefin des Bundesverbands Erneuerbare Energien und im Gespräch mit unserem Kollegen Malte Kreuzfeld.

Sprecher 3: Es ist Dienstag, der 14. Oktober. Schön, dass Sie dabei sind.

Sprecher 4: This is not only the end of a war, this is the end of the age of terror and death and the beginning of the age of faith and hope and of God. It's the start of a grand concord and lasting harmony for Israel and all the nations of what will soon be a truly

Sprecher 3: Das war der amerikanische Präsident, der vom Beginn dauerhafter Harmonie im Nahen Osten gesprochen hat. Ja, hoffentlich kommt es so. Jedenfalls erstmal schweigen die Waffen. Jedenfalls sind die 20 Geiseln, die immer noch in der Haft der Hamas waren, freigekommen. Nach 738 Tagen sind sie zurück bei ihren Familien. Das sorgte für Jubel bei den Angehörigen und insgesamt großen Jubel in Sharm el-Sheikh. Für den amerikanischen Präsidenten hätte man sich so auch nicht vorgestellt.

Sprecher 2: Ja, tränenbewegte Bilder. Man muss vor allem an Eya David denken, 24 Jahre, dessen Bild, wie er sich sein eigenes Grab schaufelt in einem dieser Hamas-Tunnel, der jetzt dann doch seine Familie wiedersehen durfte. Das ist sicherlich eines der persönlichsten Schicksale bei diesen Geiseln, die jetzt freigekommen sind. Aber jetzt, ja, Trump lässt sich feiern, Netanyahu freut sich, aber die Frage... Die Frage ist jetzt, wie stabil ist dieser Frieden?

Sprecher 3: Etliche Staats- und Regierungschefs sind nach Sharm el-Sheikh gefahren, um dabei zu sein bei der offiziellen Unterzeichnung des Friedensabkommens. Schon interessant, dass Donald Trump hat es verhandelt und jetzt sind die Europäer da, die auch noch ein bisschen was von diesem Glanz abbekommen wollen. Die offenbar nicht wollen, dass Donald Trump die Lorbeeren alle für sich einstreicht, sondern eben auch sagen, ein bisschen was haben wir ja auch beigetragen, was eigentlich könnte man sich fragen. Aber jedenfalls war Friedrich Merz auch dabei und mit dabei war der Chef unseres Berlin-Table, Stefan Braun.

Sprecher 2: Ihn haben wir natürlich als erstes mal gefragt, wie er diesen historischen Tag erlebt hat, an der Seite von Friedrich Merz in der Kanzlermaschine und ob die Bundesregierung davon ausgeht, dass dieser Frieden nachhaltig ist.

Sprecher 5: Der Tag, das ist überhaupt keine Frage, ist außerordentlich spannend. Einmal, weil man einen etwas anderen Donald Trump erlebt hat. Man konnte sehen, wie er in der Knesset... Eine Rede hält, die doch einige überrascht hat, auch weil er deutlicher als erwartet mit Israel nicht ins Gericht gegangen ist, aber sie aufgefordert hat, jetzt endlich Frieden zu schließen, diese Chance zu ergreifen. Und selbst zu Netanyahu sagte er, Bibi, jetzt kannst du ein bisschen netter werden, der Krieg ist vorbei. Also ziemlich spektakuläre und überraschende Worte. Auf der anderen Seite ist es so, ganz klar, bislang geht die Bundesregierung nicht davon aus, dass das einfach jetzt eine gemähte Wiese ist und der Frieden kommt, sondern im Gegenteil, wahnsinnig viele Fragen sind offen. Wer sorgt da? dafür, dass wirklich Sicherheit im Gazastreifen einkehrt. Die arabischen Staaten haben gesagt, sie machen das nur unter UN-Mandat. Die israelische Regierung sagt, auf keinen Fall unter UN-Mandat. Die nächste Frage ist, wie kommt tatsächlich dauerhaft Hilfe in den Gazastreifen? Wer organisiert es? Sind alles offene Fragen. Auch weiß man nicht, ob die israelische Regierung tatsächlich, also vor allem mit Netanyahu, hält oder ob das in Israel nach diesem Tag der großen Freude und Erleichterung nicht am Ende doch ganz anders ausgeht, im Sinne von, irgendwie wollen sie Netanyahu loswerden. Alles offene Fragen, die nicht beantwortet sind.

Sprecher 2: Ja, und dann wollten wir natürlich von Stefan Braun noch wissen, wer jetzt das Sagen haben soll in Gaza. Also wer übernimmt die Kontrolle in diesem Streifen, der zu 80 Prozent nur noch aus Bauschutt besteht und völlig zerstört ist? Und was eigentlich die Bundesregierung über die palästinensischen Autonomiebehörden sagt?

Sprecher 5: Bislang ist die Frage vollkommen offen, wer tatsächlich am Ende im Gazastreifen das Sagen haben wird. Vollkommen offen. Die einen sagen und die Israelis sagen natürlich, sie wollen diesen Einfluss überhaupt nicht abgeben. Die ziehen sich jetzt erst auf die eine, dann auf die andere Linie zurück. Aber sie wollen ihre eigene Sicherheit in den eigenen Händen behalten. Die anderen arabischen Staaten sagen, wir können das schon übernehmen, aber nur, wenn wir ein Mandat des UN-Sicherheitsrats bekommen. Etwas, was die Israelis bislang vehement ablehnen. Die Bundesregierung, würde ich sagen, wird eigentlich ihre Linie gegenüber der Palästinenser-Seite nicht groß verändern. Ich glaube, dass sie nach wie vor unterstützen werden, dass es diese Zwei-Staaten-Lösung gibt. Man hat heute sogar den Eindruck, dass auch Trump in diese Richtung gehen könnte. Er drängte ja Netanyahu dazu, nach Sharm el-Sheikh mitzukommen. Er hat auch Mahmoud Abbas am Abend davor noch eingeladen, hierher zu kommen. Das wird als ein gewisses Zeichen gelesen. Gleichzeitig bleibt es spannend und vollkommen offen, wie das ausgeht. Die deutsche Seite wird von dieser Zwei-Staaten-Lösung bis auf etwas nicht abrücken. Das ist ihre Linie, das ist ihre Linie auch innenpolitisch in Deutschland. Interessant ist, dass sie jedenfalls hier am Rande... Mehrfach erklärt, dass der 8. August, also der Tag, als Friedrich Merz diesen begrenzten Lieferstopp für Waffen beschlossen hat und verkündet hat, dass der im Prinzip nirgendwo geschadet hat, sondern auf beiden Seiten genutzt hat. Zum einen auf arabischer Seite, weil die arabische Welt gelernt hat, Deutschland rückt nicht von Israel ab, aber macht auch nicht alles mit. Und auf israelischer Seite, weil Netanyahu offenkundig gemerkt hat, genau dieser Schritt war nötig, um alle weiteren, noch viel schärferen Sanktionsforderungen abzuwehren. Also ganz spannend. Berlin hofft wieder auf eine Stärkung. Rolle in beide Richtungen und das soll auch genutzt werden.

Sprecher 2: Sie war NRW-Umweltministerin, eine enge, vertraute und Staatssekretärin des früheren Umweltministers Norbert Röttgen und arbeitet damals übrigens schon an der Seite einer gewissen Katharina Reiche. Jetzt ist Ursula Heinesser wieder da, allerdings auf der anderen Seite des Schreibtisches von Katharina Reiche, denn sie ist Cheflobbyistin der Erneuerbaren Energien in Deutschland, dem Bundesverband der Erneuerbaren und damit auch eine Art Gegenspielerin der neuen CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche. Was hat Ursula Heinesser vor in ihrem neuen Amt? Das wollte Malte Kreuzfeld von ihr wissen. Los geht's.

Sprecher 6: Herzlich willkommen.

Sprecher 7: Danke. Guten Tag.

Sprecher 6: Was wird das dann für den Verband verändern, dass er jetzt nicht mehr von einer Grünen, sondern von einer CDU-Politikerin geführt wird?

Sprecher 7: Was sich ändert, ist sicherlich die Nähe zur CDU. Dass ich eine ausgewiesene CDU-Politikerin bin, glaube ich, das weiß jeder. Und dass es sicherlich auch darum geht, jetzt in einer sehr diskussionsfreudigen Zeit, um das mal so auszudrücken, wenn es um die Erneuerbaren geht, die Drähte in die CDU auch wirklich intensiv zu halten, glaube ich, ist auch selbstverständlich.

Sprecher 6: Speziell an der Wirtschaftsministerin Katharina Reiche gibt es ja einige Kritik aus der Szene. Sie hat eine Aufweichung der Klimaziele mal ins Gespräch gebracht. Sie will in großem Stil Gaskraftwerke bauen, mehr als die vorherige Regierung. den Ausbau der Solarenergie als völlig überzogen bezeichnet. Hatten Sie schon Gelegenheit, sich mit Ihrer Parteifreundin da auszutauschen?

Sprecher 7: Nein, die Gelegenheit hatte ich aktuell noch nicht. Aber wir kennen uns ja schon sehr lange. Wir sind 1998 zusammen Mitglieder des Deutschen Bundestages geworden, waren auch parallel parlamentarische Staatssekretärin. Ich kenne ihre Auffassung, ich kenne ihre Arbeitsweise. Ich glaube, dass Katharina Reichen natürlich jetzt in vieles auch ihre Erfahrungen der letzten Jahre einspielen lässt, nämlich aus der Wirtschaft. Ich denke, wir werden auch einen lebhaften Austausch haben.

Sprecher 6: Wie schätzen Sie sie ein? Will sie die Energiewende wirklich ausbremsen oder ist diese Kritik überzogen aus Ihrer Sicht?

Sprecher 7: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die Energiewende ausbremsen will. Ich glaube, sie ist auch eine echte CDU-Politikerin und Themen wie Kosteneffizienz, Technologieoffenheit etc. Sind auch Teil ihrer politischen DNA. Und jetzt geht es darum, dass sie die Unionsthemen auch tatsächlich umsetzt und auch im Sinne der Energiewende umsetzt. Ich weiß noch nicht, was das Wirtschaftsministerium uns vorlegen wird in den nächsten Wochen. Eigentlich bin ich ganz zuversichtlich, dass der Kurs schon so bleibt, wie er jetzt ist.

Sprecher 6: Dann gucken wir mal auf ein paar konkrete Themen, wo es schon Ankündigungen gibt. Zum Beispiel hat sie ja angekündigt, dass sie die Einspeisevergütung für private Solaranlagen abschaffen will. Ist das eine gute Idee?

Sprecher 7: Da habe ich persönlich Bauchschmerzen aus dem einfachen Grund, weil es zurzeit so ist, dass viele Menschen am Gärten, Erne Solaranlagen auf ihre Dächer bauen wollen. Und der Ausbau ist eigentlich ungebremst. Und es ist wichtig, Förderung zu haben, damit eben auch die Banken mitziehen, Kredite gegeben werden etc. Und das ist bei privaten Nutzern oft so, dass wenn Unsicherheiten im Markt bestehen, Überäußerungen oder ähnliches, sie plötzlich Kaufzurückhaltung üben. Und das wäre zum jetzigen Zeitpunkt fatal.

Sprecher 6: Das Gegenargument ist dann ja das Argument von Frau Reiche, das rechnet sich inzwischen auch ohne Förderung. Wenn man viel selbst verbraucht und einen Speicher hat, stimmt das nicht?

Sprecher 7: Nein, es stimmt so nicht, denn es ist natürlich auch eine Frage, wann sich so eine Anlage amortisiert und eine Förderung trägt dazu bei, dass es schneller geht, um die Hälfte fast schneller. Deshalb ist es wichtig, dass Förderung beibehalten wird, aber auch zur Motivation.

Sprecher 6: Anderes wichtiges Thema, wo Veränderungen angekündigt sind, ist das Gebäudeenergiegesetz. Da hat die Koalition ja angekündigt, dass sie die letzte Novelle der Ampel zurückdrehen will, die neue fossile Öl- und Gasheizung in Zukunft verbieten würde. Meinen Sie, dass Sie Ihre Partei da noch davon überzeugen können, dass das keine gute Idee ist, das wieder rückgängig zu machen?

Sprecher 7: Dazu muss ich sagen, auch das alte GEG hat das Ende der Ölheizung vorgesehen. Von daher, ja, Sie gucken jetzt ganz erstaunt, es war tatsächlich so.

Sprecher 6: Ja, bei Öl schon, bei Gas nicht.

Sprecher 7: Ich bin der Überzeugung, dass man da noch etwas machen kann, weil ich glaube, wir sind uns doch alle einig darüber, dass die Zukunft nicht im Öl liegt und letztlich liegt sie auch nicht im Gas. Und was es bedeutet, haben viele Menschen in der Gaskrise vor einigen Jahren sehr selber zu spüren bekommen. Wir haben einen Run auf das Thema Wärmepumpe. Ich kenne auch in meinem persönlichen Umfeld viele, die sagen, sie wollen Wärmepumpe haben, die rechnen, ob es sich finanziell lohnt, auch in älteren Häusern was zu machen. Also ich denke, das ist auch in der Unionsfraktion bekannt.

Sprecher 6: Weiteres Thema, wo es Veränderungen geben könnte, ist das weitere Tempo des erneuerbaren Ausbaus, speziell auch bei der Windkraft oder so, wo jetzt ja mit einem sehr viel niedrigeren Stromverbrauch prognostiziert gerechnet wird und trotzdem die Prozentzahl gleich bleiben soll, was dann hieße, die Menge, die man ausbauen muss, wäre deutlich geringer. Obwohl es ja viele Gutachten gibt, die sagen, es wäre trotzdem sinnvoll, am Tempo festzuhalten, weil das dann auch für den Strompreis, der dadurch sogar eher günstiger wird. Was wären denn die Folgen, wenn das jetzt wirklich beim Windausbau oder die Ausschreibungsmengen stark runtergesetzt würden?

Sprecher 7: Erstmal sind wir skeptisch darüber, ob die Verbrauchszahlen oder die prognostizierten Zahlen im Stromverbrauch tatsächlich stimmen. Und wir sind eher der Auffassung, dass wir schon an den oberen Rand gehen sollten. Und das bedeutet, dass wir tatsächlich auch entsprechend mehr im Ausbau machen müssen. Es ist immer schön, einfach zu sagen, wir senken das Ziel, also sprich, wie viel brauchen wir an Stromkapazitäten. Und dann sind eben 80 Prozent bei 600 Terawatt was anderes als bei 700 tatsächlich. Und deshalb unsere Auffassung, erstens. mal ehrlich, offen, transparent zu rechnen. Denn es kann auch sein, dass wir einen Wirtschaftsaufschwung bekommen. Und der bedeutet auch tatsächlich mehr Stromverbrauch.

Sprecher 2: Vielen Dank, Ursula Heinen-Esser.

Sprecher 7: Herzlichen Dank.

Sprecher 2: Helene, wir sind fremdgegangen, wir haben unser Studio verlassen, aber aus gutem Grund.

Sprecher 3: Wir sind ja fremd und gleichzeitig bei uns zu Hause, nämlich in der ständigen Vertretung, in unserem Podcaststudio, wo mich heute Menschen fragten, warum im Leben haben wir ein Podcaststudio in der ständigen Vertretung, Michael, und du bist der Beste, der es erklären kann, denn es war deine Idee.

Sprecher 2: Ja, aber es ist natürlich deutlich mehr als eine rheinische Kneipe in Berlin, diese ständige Vertretung. Sie ist eine Politinstitution. Hier speisten schon Kohl, Merkel und Gerhard Schröder mit wichtigen Staats- und Regierungschefs. Und es macht sehr viel Sinn, mitten im Regierungsviertel auch noch eine Outdoor-Studiostation zu haben. Und die Kolleginnen und Kollegen von der Steff, Jörn-Peter Brinkmann und Jan Bubinger, haben Lust gehabt, erstmals mit einem Medienunternehmen diese Partnerschaft zu machen. Jetzt haben wir hier ein Studio für Live-Aufnahmen, während der Restaurantbetrieb läuft.

Sprecher 3: Unsere ständige Vertretung in der ständigen Vertretung, wenn du mir diesen kleinen Karlauer erlaubst, ein jedenfalls wunderschönes Studio, wo wir auch nach draußen übertragen können. Also wer immer Lust hat von unseren lieben Gästen, die noch kommen werden, das Interview hier zu führen und danach vielleicht ein Gläschen zu trinken oder nette, dem Kölsch zugeneigte Männer. Menschen zu treffen, dann können wir das künftig auch am Schiffbauer Damm tun.

Sprecher 2: Das Kanzlerfilet ist hier weiterhin die Currywurst, also die gibt es und natürlich auch den halben Hahn. Aber das Studio ist wirklich wunderbar, dank an Florian Fischer auch für die Installation, für die Technik. Regelmäßig werden wir jetzt hier unsere Gespräche führen. Gestern kam zur Eröffnung. 250 Leute, unter anderem der Spitzenkandidat in Berlin für die SPD, Steffen Krach, war da, viele Bundestagsabgeordnete, Regierungsmitglieder. Und wir hatten einen Mann zu Gast, der eigentlich auch ein Rheinländer ist, denn er kommt vom Oberrhein, man nennt es nur dort Baden.

Sprecher 3: Vielen Dank, Herr Frey, dass Sie da sind. Ganz toll.

Sprecher 2: Nun war der Thorsten Freier mal Oberbürgermeister in Donaueschingen. Für diejenigen, die es nicht wissen, im Südwesten irgendwo da. Eigentlich ja Baden, aber dadurch auch Oberrhein irgendwie und damit eigentlich auch Rheinland, oder?

Sprecher 8: Ja, also zumindest stamme ich vom Hochrhein. Der Hochrhein ist vor dem Oberrhein sozusagen. Und deswegen alles, was nach Köln, nach Düsseldorf, nach Bonn geht, muss vorher bei uns durch.

Sprecher 2: Also ein Badener kann was mit dem Rheinland anfangen.

Sprecher 8: Ja, durchaus. Vor allen Dingen die badische und die rheinländische Lebensart ist durchaus vergleichbar. Und lieber Achim Post, zu den Westfalen würden dann eher die Württemberger passen.

Sprecher 3: Ein historischer Tag. Der Kanzler ist in Sharm el-Sheikh. Das Friedensabkommen wurde tatsächlich unterzeichnet. Die 20 Geiseln sind frei und Donald Trump wird bejubelt. Herr Frey, doch Zeit für den Friedensnobelpreis für den amerikanischen Präsidenten?

Sprecher 8: Das haben ja andere zu entscheiden. Also auf jeden Fall ist es ein toller Tag heute. Das muss man wirklich sagen. Das sind großartige Nachrichten und vor allen Dingen ist es eine großartige Chance. Also es gibt noch so viele Fußangeln, aber es gibt eine Chance, wie wir sie eigentlich noch nie zuvor hatten. Und deswegen sollten wir alles dazu tun, dazu beizutragen, sie auch tatsächlich zu nutzen. Und vor allen Dingen, der Bundeskanzler hat ja in Ägypten auch darauf hingewiesen, wir haben noch einen Krieg in Europa, da gibt es noch einen. Einiges zu tun.

Sprecher 3: Ja, wenn man hier auf die Damentoilette geht in der Steff, dann begegnet man Wladimir Putin, wie er 2001 im Bundestag spricht. Eine historische Rede, eine Rede, in der das ganze Haus Standing Ovations dem russischen Präsidenten entgegengebracht hat. Sie haben es angesprochen, jetzt tobt der Krieg in der Ukraine. Es soll den Trump jetzt auch lösen und wenn ja, wie, Herr Frey?

Sprecher 8: Trump alleine sicherlich nicht, aber die USA spielen eine ganz wichtige Rolle. Sie haben einen großen Hebel in der Hand, wenn es darum geht, Putin dazu zu bringen, tatsächlich mit diesem Krieg aufzuhören. Ich glaube, dass wir das nur gemeinsam hinkriegen und dass die Amerikaner da durchaus eine stärkere Rolle spielen können, als es derzeit der Fall ist. Ich würde mir das sehr wünschen, denn wir müssen jetzt alle Kräfte zusammenwerfen, damit das am Ende auch gelingen kann.

Sprecher 3: Also sind Sie zuversichtlich, dass wenn es Trump jetzt einmal in Gaza gelungen ist, dass er dann als der Friedensfürst auch Lust hat, sich in der Ukraine stärker zu engagieren? Haben Sie irgendwelche Hinweise bekommen vom Kanzler, der Jan Schamel-Scheich ist, dass es gut aussieht? Haben Sie mit ihm gesprochen?

Sprecher 8: Vielleicht hilft es, ja, aber ich bin ohnehin grundsätzlich ein Optimist. Ich glaube, das ist eine zwingende Voraussetzung, dafür Politik zu machen.

Sprecher 2: Herr Frey, lassen Sie uns noch kurz auf die Koalition schauen. Sie hatten Koalitionsausschuss vergangene Woche. Mal ehrlich, wie gut ist die Stimmung nach diesen acht Stunden und dann doch einigen Themen, die ja gelöst sind? Ist da jetzt was Neues entstanden oder ist das weiterhin Zweckehe und keine Liebe? Liebesheirat.

Sprecher 8: Eine Liebesheirat ist vielleicht auch viel verlangt bei einer Koalition. Es sind unterschiedliche Parteien und wir arbeiten gemeinsam für unser Land. Und die Stimmung in der Koalition, die ist jedenfalls weit besser, als sie von außen wahrgenommen wird. Und was man auch sagen muss, nach acht Stunden am vergangenen Mittwoch waren wir müde hinterher, aber wir haben wichtige Beschlüsse gefasst. Egal, ob es die Aktivrente ist, ob es die Verkehrsinfrastrukturinvestitionen sind, ob es das Bürgergeld, die Grundsicherung ist. Das sind wichtige Schritte nach vorne und insofern muss man sagen, das sind Entscheidungen, die unserem Land gut tun. Und das ist das Entscheidende.

Sprecher 2: Kommt bei den großen Themen Rente und Gesundheit noch was bis Weihnachten, was das Wort Reform rechtfertigen würde?

Sprecher 8: Also wir werden auch in diesem Bereich dieses Jahr noch etwas tun müssen, aber Sie wissen ja, wir haben für beide Sozialversicherungen entsprechende Reformkommissionen aufgelegt, die werden jetzt sehr zügig Ergebnisse bringen. Die Entscheidungen dürfen kein Stückwerk sein, sondern sie müssen am Ende in sich schlüssig sein. Und deswegen kommt es jetzt auf ein, zwei Wochen früher oder später nicht an. Wir werden das zügig machen, sodass es Auswirkungen hat in dieser Legislaturperiode.

Sprecher 3: Aber Herr Frey, jetzt richten Sie Kommissionen ein, dabei liegen doch die Optionen alle auf dem Tisch. Also diese Kommissionen werden ja jetzt keine Geheimnisse enthüllen, die wir vorher noch nicht kannten. Und deswegen werden wir mal konkret bei der Rente. Was spricht denn dagegen, das Renteneintrittsalter nach hinten zu schieben? Es gibt ja doch dringenden Handlungsbedarf, wenn man in die Rentenkassen schaut.

Sprecher 8: Wenn Sie jetzt den Blick über den Rhein nach Frankreich werfen, dann sehen Sie, was es für Probleme gibt, das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 zu erhöhen. Und wir werden jetzt am Mittwoch im Kabinett über die Aktivrente entscheiden. Das heißt, dass diejenigen, die das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben, weiterarbeiten können und die ersten 2000 Euro, die sie zusätzlich verdienen, steuerfrei bleiben. Damit schaffen wir es, das tatsächliche Renteneintrittsalter nach oben zu entwickeln.

Sprecher 3: Und das war es dann schon, die Rentenreform oder kommt da noch was?

Sprecher 8: Es ist das, was wir jetzt dieses Jahr machen, zum 1.1. Des nächsten Jahres und darüber hinaus kommen weitere Dinge, wie die Frühstartrente beispielsweise, das Betriebsrentenstärkungsgesetz und andere Dinge, die mithelfen, auch die betriebliche und die private Altersvorsorge zu stärken.

Sprecher 3: Das ist dann aber nicht der Herbst der Reform, sondern das Frühjahr der Reform oder wie wollen Sie das dann nennen?

Sprecher 8: Die Wirkung soll zum 01.01.2026 sein. Und wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir uns jetzt um Reformen bemühen. Heißt nicht, dass wir das nicht im Winter, im Frühjahr und im Sommer auch noch tun müssen.

Sprecher 2: Herr Frey, die Eröffnung eines Restaurants eignet sich nicht ideal für einen tiefen politischen Talk. Das merken wir. Wir danken trotzdem, dass Sie heute da waren. Wir kriegen mit, dass Sie optimistisch sind, dass diese Koalition hält. Richtig, vier Jahre?

Sprecher 8: Ja klar, selbstverständlich.

Sprecher 2: Ja, das war der Kanzleramtschef und so etwas wie der K. Koordinator von Schwarz-Rot. Er ist zuversichtlich, dass dieses Bündnis hält. Und wenn man an den Abend schaut, hier bei der Steff, unsere Eröffnung des Podcast-Studios hier in der Ständigen Vertretung, da war viel Schwarz-Rot zu sehen. Immerhin Dirk Wiese, der Fraktionsvize, war da aus dem Sauerland, Achim Post, der Westfale, also ganz schön viele Nicht-Rheinländer. Chef der NRW-Landesgruppe, die gestern übrigens erstmals zusammen mit der Union tagten, die Sozialdemokraten. Und wir hatten den Schwarzwälder Felix Schreiner da. Das ist so etwas wie Jens Spahn, rechte Hand, der parlamentarische Geschäftsführer der Union. Und zum Schluss kam auch noch Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD hier in Berlin. Der Mann will regierender Bürgermeister werden und weiß natürlich deswegen, wo er zu sein hat. Unter anderem bei der Podcast-Eröffnung in der Ständigen Vertretung. Hören wir mal kurz rein, was Steffen Krach gesagt hat.

Sprecher 9: Ich finde das erstmal eine richtig gute Idee, aus einer Kneipe einen Podcast zu machen, wo immer gut gefeiert wird, gute Stimmung ist und wo ja auch der ein oder andere Politiker, Politikerin mal vorbeikommen. Da kann man den vielleicht auch noch zu später Stunde mal interviewen. Vielleicht verrät er dann noch ein bisschen mehr als sonst. Also von daher wunderbare Idee und ich werde es mir mit Sicherheit das ein oder andere Mal anhören.

Sprecher 2: Wenn Sie nicht nur hören wollen, was hier los war in der Stending-Vertretung, dann schauen Sie unsere Social-Media-Kanäle bei LinkedIn, bei Instagram, bei X oder bei Blue Sky Sarah Schäfer. Die hat das Interview gerade auch mit Steffen Krach geführt. Sie hat einen schönen Zusammenschnitt dieses Abends gemacht. Schauen Sie sich das doch einfach mal an. Es war schön mit dir, Helene, hier bei der Steff. Morgen sind wir wieder für Sie da, ganz normal aus dem Studio. 5 Uhr Table Today. Tschüss.

Sprecher 10: Bis die Stadt optimal ist. Es ist uns als Pension an. Es ist herrlich, lachen im... Ist die Frau, die Rotz und Wasser kriegt.

Sprecher 11: Wir sind Stadt und du bist...

Sprecher 1: Falsch.