Der Auto-Streit geht weiter
Dauer: 21:40

Der Auto-Streit geht weiter

SPD und Union sind beim Streitthema „Verbrenner-Aus“ noch nicht auf einer Linie.

CSU und CDU wollen in Brüssel durchsetzen, dass das geplante Verbot von Neuzulassungen mit Verbrennungsmotor gekippt wird. Die SPD ist zurückhaltender und spricht von „Flexibilisierung“.

[01:35]


Donald Trumps Friedensplan für den Nahen Osten soll sofort umgesetzt werden. Die Geiseln in den Händen der Hamas werden am Montag oder Dienstag freigelassen, bestätigte Trump in der Nacht in Washington. Am Sonntag reist der US-Präsident nach Ägypten zu einer „weiteren Unterzeichnung“ der Friedensvereinbarung. Markus Bickel, Redaktionsleiter des Security.Table, ordnet den möglichen Frieden im Nahen Osten ein.

[04:04]


China verschärft die Exportregeln für seltene Erden – das könnte den gesamten Welthandel auf den Kopf stellen. Die neuen Kontrollen betreffen nicht nur den Export von Rohstoffen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette. Amelie Richter, Redaktionsleiterin des China.Table, sieht darin einen klares Signal an den Westen.

[09:34]


Die Stimmung in Deutschland ist miserabel, aber es ist bei Weitem nicht alles schlecht, sagt Thomas Knüwer.

Der Digitalberater und Autor hat mit Kollegen ein Buch geschrieben, das Mut machen soll: „20 Trends für 2035 – Warum vieles besser wird, als Sie glauben“.

Bei mindestens einem Zukunftsthema sieht er Deutschland an der Weltspitze.

[14:28]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Eigentlich war alles klar, doch dann grätschte ein sehr prominenter Mann aus dem Süden doch noch dazwischen. Der Autogipfel und auch der Koalitionsausschuss endete nicht mit einer kompletten Verständigung beim Thema Verbrenner. Es gibt noch eine kleine Hakelei. Wir erklären Ihnen das gleich mal. Donald Trumps Friedensplan für Nahost. Er könnte historisch sein und er soll jetzt umgesetzt werden. Die israelische Regierung, trotz einiger Gegenstimmen, aber auch die Opposition sind dafür. Die arabischen Anrainerstaaten sind dafür. Und es könnte jetzt sehr schnell gehen mit der Freilassung der restlichen Geiseln. Markus Bickel, der Chef unseres Security Table, ordnet den möglichen Frieden in Nahost für uns mal ein. China verschärft die Exportregeln für seltene Erden und das könnte den gesamten Welthandel auf den Kopf stellen. Ein wichtiger Plan, der bei uns im China-Table analysiert würde. Wir sprechen mit unserer Chefin dieses Briefings, mit Amelie Richter, über die möglichen Konsequenzen für Europa. In unserem Interview dann aber doch noch ein hoffnungsvoller Ausblick, denn Thomas Knüver, der Digitalberater und frühere Journalist, hat mit zwei Kollegen zusammen ein Buch geschrieben, das Hoffnung machen soll. Trends in Deutschland, die in der Wirtschaft, in der Gesellschaft, in der Politik Mut machen. Wir haben mit ihm über sein Buch geredet. Es ist Freitag, der 10. Oktober. Zu besprechen.

Sprecher 3: Das starre und strikte Haus des Verbrenners ab 2035 ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Das kann so nicht bleiben. Wir brauchen da mehr Möglichkeiten. Es braucht hier einfach eine klare Freiheit der Technologie, anstatt eine starre Vorgabe von Ideologie. Wir brauchen mehr Flexibilität, wir brauchen Technologieoptionen auf dem Weg nach 35, nach 35. Und das wollen wir auch ermöglichen. Aber es ist richtig, wenn man zu einem Dialog einlädt, dann sollte man den Dialog nicht vorher beenden, sondern danach. Und dann werden wir uns in der Bundesregierung auch zügig in einer Positionierung zum Thema Automobil festlegen.

Sprecher 2: Wiedervorlage beim Verbrenner aus. Der Koalitionsausschuss hatte sich eigentlich schon darauf verständigt, dass man zwar beim Ziel 2035 bleiben will, also keine neuen Fahrzeuge mit einem richtig dicken, fetten Verbrenner, Benzin oder Diesel, aber doch bitte Ausnahmen für die Plug-in-Hybride und auch für den Range Extender. Wir haben es an dieser Stelle schon erklärt, doch dann kam um 1.30 Uhr circa doch nochmal die Geschichte auf, ob man nicht 2035 auch ganz kippen sollte als Ziel. Markus Söder ist dafür, Friedrich Merz eigentlich auch und so kam es dann doch zu keiner Einigung. Auch beim Autogipfel gestern im Kanzleramt keine Einigung, kein Abschlusspapier. Die EU soll jetzt noch einmal beraten und Markus Söder und Friedrich Merz wollen hart bleiben. Friedrich Merz äußerte gestern, Und nach dem Autogipfel noch einmal deutliche Kritik am Verbrenner aus.

Sprecher 4: Und ich will es mal mit einem Satz sagen, der von einem der beteiligten Ministerpräsidenten geäußert worden ist, der da lautet, einen harten Schnitt 2035 darf es nicht geben. Und ich will mir diesen Satz ausdrücklich zu eigen machen. Und nach dem, was ich tun kann in der Europäischen Union und mit den Partnern in der Europäischen Union, will ich es auch so sagen. Einen solchen harten Schnitt im Jahr 2035 wird es, wenn es nach mir geht, und ich werde alles tun, um das zu erreichen, wird es nicht geben.

Sprecher 2: Während immerhin die Koalition das Streitthema Bürgergeld von der Platte gezogen hat und jetzt auch... Komplette, harte, vollständige Sanktionen für Totalverweigerer geben können, also keinerlei staatliche Hilfe mehr, wenn jemand dreimal einen Termin schwänzt. Und auch bei den Infrastrukturfinanzen es mehr Geld für Patrick Schnieders Autobahnbau geben soll, bleibt das große Streitthema Verbrenner aus uns allen hier noch ein bisschen erhalten.

Sprecher 5: I'm gonna try and make a trip over. We're gonna try and get over there. And we're working on the timing, the exact timing. We're gonna go to Egypt, but we're gonna have an official signing. It's amazing. I've never seen anything quite like it. I've been very much involved. I've never seen anything quite like it. But it's really peace in the Middle East.

Sprecher 2: Historische Verhandlungen im Gaza und in Israel. Donald Trump hat sich für Sonntag in Jerusalem angekündigt, er will dort spätestens den großen Frieden verkünden. Die Hamas hat klein beigegeben, die Geiseln sollen jetzt freigelassen werden und die arabischen Anrainerstaaten sind weiterhin an Bord. Bei diesem Friedensabkommen, das Donald Trump mit ausgehandelt hat und die israelische Regierung zumindest mehrheitlich auch genau so will. Was heißt das jetzt alles? Welche Rolle kommt auf uns zu? Und ist das jetzt dieser historische Durchbruch? Fragen wir Markus Bickel, unseren Redaktionsleiter vom Security Table. Der Mann ist einer der besten Nahost-Experten, die wir im deutschen Journalismus haben. Einen schönen guten Tag, Markus.

Sprecher 6: Heimlich.

Sprecher 2: Erleben wir gerade den Durchbruch im Nahost-Friedensprozess? Ja oder nein?

Sprecher 6: Wir erleben den Durchbruch im Gaza-Krieg, einen möglichen Durchbruch. Aber der 72-Stunden-Plan jetzt, dass die Geiseln nach zwei Jahren, nach dem 7. Oktober 2023 wieder freikommen, dieser Zeitpunkt ist... So nah wie nie zuvor seit zwei Jahren. Und das ist der Durchbruch in diesem Konflikt. Aber nicht im großen Nahost-Mittelost-Konflikt.

Sprecher 2: Die israelische Armee, auch die Regierung hat immer angekündigt, wenn die Geiseln freigelassen werden, würden sie auch die Aktivitäten einstellen im Gaza. Glaubst du daran?

Sprecher 6: Es ist ein Korridor im Gespräch, der den israelischen Streitkräften militärische Kontrolle bis nahezu 50, wenn nicht 55 Prozent des Gazastreifens auch über so eine aktuell Waffenruhe hinaus sichert. Also das ist alles andere als ein Rückzug der israelischen Streitkräfte. Die werden sehr lange bis zur Übergabe an eine internationale Friedenstruppe die Sicherheit im Gazastreifen nach ihrer Marschart kontrollieren.

Sprecher 2: Was kann jetzt noch schief gehen, Markus? US-Präsident Trump hat angekündigt, am Sonntag nach Jerusalem zu reisen. Er spricht von gewaltigen Dingen, die in den nächsten Wochen im Nahen Osten geschehen werden. Übertreibt er wie so oft oder ist das wirklich etwas Historisches, was wir da gerade erleben?

Sprecher 6: Das wäre schon historisch. Das ist ein Krieg, der seit dem 7. Oktober, seit dem Terrorüberfall der Hamas in Gaza läuft. Da ist sich die Weltgemeinschaft durch Trumps Führerschaft in dieser Frage wirklich einig, von Vereinten Nationen über Europäische Union bis hin zu den BRICS-Staaten. Das ist die letzte Chance, diesen Krieg zu beenden. Wenn das jetzt klappt, dann wäre das schon ein... Game Changer für den aktuellen Konflikt, aber große regionale Mächte wie Saudi-Arabien stehen ja bereit mit Finanzen, mit Administrativkraft, dass das wirklich die Saat für einen neuen Nahen Osten ist. Insofern hat das durchaus historische Dimensionen.

Sprecher 2: Und warum hat das jetzt geklappt? Weil Donald Trump Netanyahu doch auch einiges abbringen konnte oder weil vor allem die arabischen Anrainerstaaten mitmachen und sich von der Hamas losgesagt haben am Ende durch das Abkommen?

Sprecher 6: Trump war stinke sauer, dass... Netanyahu so weit gegangen ist, in der Hauptstadt von Katar ohne sein Wissen zu bombardieren, das Verhandlungsteam, das von den USA, von Mossad, von der CIA, von allen arabischen Spielern gedeckte Verhandlungsteam zu bombardieren. Da war für Trump eine Linie gerissen. Man darf nicht vergessen, Trump war sein erster Auslandsbesuch im... Zu Beginn dieses Jahres waren Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Der Staat Katar hat ihm ein neues Flugzeug im Wert von einer Milliarde Dollar geschenkt. Das ist die Dimension, wo Trump Verbündeter Katars vielleicht mittlerweile mehr ist als der zumindest von Netanyahu geführten eigentlich nächsten Macht im Nahen Osten Israel. Da hat Netanyahu strategisch... Dem Gewicht Israels geschadet und Katar ist Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, die genießen vielleicht Trumps Vertrauen jetzt stärker als ein Israel unter Netanyahu. Das ist schon ein historischer Shift.

Sprecher 2: Und die israelische Opposition will auch mitmachen. Also vielleicht kann da tatsächlich auch nichts mehr schief gehen. Was wäre die letzte Frage, lieber Markus, die Rolle Deutschlands oder Europas in dieser möglichen Nachfriedenszeit?

Sprecher 6: Eine wirtschaftliche, als Partner von Know-how des Kapitals aus den Golfstaaten in den Gazastreifen zu bringen, da den Wiederaufbau eines in zwei Jahren Krieg zerstörten, auch von Hungersnöten, von Versorgungsengpässen bei Bildung, bei ganz zentralen Überlebensfragen. Da sind Lücken gerissen, da kann die Europäische Union einsteigen und da hat ja auch die Regierung bereits signalisiert, dass sie so eine Wiederaufbaukonferenz zusammen mit Frankreich, aber auch mit Saudi-Arabien und anderen regionalen Mächten federführend stellen will.

Sprecher 2: Markus Bickel, der Chef unseres Security Table und immer ein ausgewiesener Nahostkenner gewesen. Vielen Dank für dieses Gespräch, Markus, und bis nachher.

Sprecher 6: Danke dir.

Sprecher 2: Der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, ist längst auch für die restlichen Handelszentren der Welt von Bedeutung. Und jetzt verschärft China die Exportkontrollen für seltene Erden und das erheblich. Künftig könnte also der komplette Handel unter der Kontrolle Chinas liegen. Das wäre für zahlreiche Alltagsprodukte in der westlichen Welt, unter anderem unsere geliebten Smartphones, ein handfestes Problem. Was genau da los ist, das weiß die Redaktionsleiterin unseres China Table, Amelie Richter. Unser Podcast-Chef Florian Fischer hat mit ihr gesprochen.

Sprecher 7: Hi, Amelie.

Sprecher 8: Hi Florian.

Sprecher 7: Ja, Peking hat ja jetzt überraschend neue Exportkontrollen für seltene Erden angekündigt. Hol uns mal kurz ab, was genau hat China da jetzt eigentlich beschlossen?

Sprecher 8: Ja, das kam wirklich überraschend jetzt diese Woche. China hat ganz klar die Zügel nochmal angezogen. Es geht nicht mehr nur um den Export von Rohstoffen selbst, sondern auch um die ganze Wertschöpfungskette. Neu ist, auch Produkte, die außerhalb Chinas gefertigt werden, können betroffen sein, wenn sie chinesische seltene Erden enthalten. Das ist ein klarer Schritt Richtung mehr Kontrolle und ehrlich gesagt auch ein Signal an den Westen. Denn offiziell spricht Peking von nationaler Sicherheit, aber natürlich geht es auch um geopolitische Macht.

Sprecher 7: China ist ja der größte Exporteur von seltenen Erden. Dementsprechend verarbeiten natürlich viele Firmen auch seltene Erden aus China, teilweise nur in winzigen Mengen. Aber wen betrifft denn jetzt genau diese neue Exporteinschränkung von China?

Sprecher 8: Leider eigentlich alle, die damit arbeiten. Denn das Erstaunliche ist, dass die Grenze jetzt bei 0,1 Prozent liegt. Das ist fast gar nichts. Und damit geraten auch Firmen unter Druck, die gar nicht dachten bisher, dass sie betroffen sind. Es trifft also Elektronikhersteller, Automobilzulieferer, Medizintechnik und teilweise sogar Recyclingbetriebe, weil es auch um recycelte Rohstoffe gehen soll. Das heißt, für die Firmen mehr Bürokratie, längere Genehmigungswege und vor allem auch mehr Unsicherheit im Tagesgeschäft jetzt erstmal.

Sprecher 7: Okay, welche Folgen erwartet man denn jetzt kurzfristig für die Industrie und auch dann natürlich mittel- bis langfristig, wenn China da jederzeit sagen kann, so jo, wir drehen jetzt den Hahn wieder zu, weil wir uns irgendwie ungerecht behandelt fühlen. Also wie ist die europäische Rohstoffpolitik jetzt in den nächsten Wochen, Monaten oder Jahren da aufgestellt?

Sprecher 8: Kurzfristig ist ganz klar, wird es Verzögerungen und Planungstress geben. Die Unternehmen müssen jetzt nämlich prüfen, welche Produkte betroffen sind und wie sie ihre Lieferketten anpassen können. Mittel- bis langfristig ist das Ganze aber ein Weckruf für Europa. Wir müssen unsere Abhängigkeit reduzieren, eigene Raffinerien und Recyclingstrukturen aufbauen und auch eigene strategische Rohstoffprojekte schneller umsetzen. Das ist auch keine theoretische Debatte mehr. Ich bin heute in Den Haag hier bei einer Konferenz zu EU und China und der Zukunft. Und hier hat man auch gemerkt, das ist industriepolitische Realität mittlerweile.

Sprecher 7: Aber wie schnell könnte man denn die Lieferketten da anpassen oder auf andere Anbieter ausweichen? Oder gibt es überhaupt genügend andere Anbieter, um den Bedarf zu decken?

Sprecher 8: Das ist eine sehr komplizierte Frage. Ich glaube, auch viele Unternehmen fragen sich das gerade, da eben die meisten von ihnen nicht davon ausgegangen sind, dass sie sich damit jetzt auseinandersetzen müssen. Was wir auch aus Brüssel heute gehört haben, auch bei der EU-Kommission, muss man wirklich jetzt mal abwarten, wie ernst China das überhaupt meint, ob das Ganze jetzt quasi auch nur... Ein Hebel ist für den APEC-Gipfel, der ansteht, wo Trump und Xi sich treffen und ob sie das wirklich so, so strikt auch umsetzen. Und deswegen kam heute auch aus Brüssel das Signal, es wird beobachtet. Und ich denke, so machen das im Moment auch viele Unternehmen, weil kurzfristig ganz schnell umstellen ist sicher nicht möglich.

Sprecher 7: Du hast den Abwegkipfer schon angesprochen. Trump und Xi Jinping treffen aufeinander. Ist das jetzt so ein bisschen dieses Säbelrasseln in dem ja doch schon länger schwelenden Handelskonflikt, dass man sagt, guck mal, wir sitzen doch am längeren Hebel und jetzt hat man einfach einen anderen Verhandlungsdruck oder was ist da der Plan dahinter?

Sprecher 8: Also ich denke, das Treffen wird ganz klar ein Stimmungstest. Das ist gar keine Frage. Wenn beide Seiten gute Miene machen, kann das wahrscheinlich kurzfristig beruhigen. Wie man aber auch sehen kann, die Gräben sind relativ tief. China setzt auf die Rohstoffe, die USA setzen auf Technologiebeschränkungen und das Ganze bleibt langfristig wahrscheinlich eher ein Machtpoker, wo sich die Lage weiter zuspitzt. Und für Europa, das dann in der Mitte sitzt, müsste es eigentlich heißen, nicht abwarten, sondern schauen, wie wir dann auch selbst handlungsfähig werden und das auch relativ schnell.

Sprecher 7: Mal gucken, wie ernst die Chinesen es mit dieser neuen restriktiven Exportpolitik wirklich meinen und welche Konsequenzen da für Europa, die USA und den Rest der Welt noch entstehen. Amelie, erstmal vielen Dank für deine Einschätzung bis hierhin.

Sprecher 8: Danke dir, Florian. Einen schönen Tag.

Sprecher 2: Jetzt aber mal raus aus dem Krisenmodus. Thomas Knüver hat mit Richard Gutjahr und Frank Horn ein Buch geschrieben, das uns Mut machen soll. 20 Trends für 2035. Warum vieles besser wird, als Sie glauben, heißt dieses wunderbare neue Werk, das jetzt auf dem Markt ist. Und Thomas Knüver, der langjährige Journalist und Digitalberater und Unternehmer, hat mit seinen Kollegen einige interessante Technologietrends, aber auch geopolitische und gesellschaftspolitische Phänomene hier in unserem Land gefunden, die Mut machen auf eine bessere Zukunft. Darüber müssen wir doch mal kurz zum Abschluss reden. Hallo Thomas, schön, dass du bei uns bist.

Sprecher 9: Hallo Michael.

Sprecher 2: Ich bin etwas überrascht, Thomas. Du hast ein Sachbuch geschrieben mit den wunderbaren Kollegen Richard Gutjahr und Frank Horn, das tatsächlich einen optimistischen, konstruktiven Ausblick auf dieses Land gibt, warum vieles besser wird, als sie glauben. Wie lange habt ihr gesucht, um positive Trends zu finden?

Sprecher 9: Ehrlich gesagt gar nicht so lange. Es ist etwas passiert, was sogar wissenschaftlich erwiesen ist. Wer sich strukturiert und daten- und faktenbasiert Gedanken über die Zukunft macht, der erkennt nämlich Handlungsspielräume. Und wer Handlungsspielräume erkennt, der wird optimistischer. Und genau das ist uns in den anderthalb Jahren Arbeit passiert.

Sprecher 2: Dann lass uns doch mal in die Trends einsteigen, Thomas. Was ist denn der, der den Standort Deutschland, der ja gerade von sehr vielen Seiten attackiert, kritisiert wird, vielleicht doch zu einem Comeback verhelfen könnte?

Sprecher 9: Ich glaube, dass das Thema Robotik... in Deutschland noch sehr unterschätzt wird. Wir reden ganz viel über KI, aber das ist fast immer nur generative KI, also diese Sprachmodelle. Tatsächlich aber ist der viel spannende Bereich der künstlichen Intelligenz, dass alles das, was sich um Roboter dreht. Und da sind wir Deutschen wirklich sehr gut dabei. Ein für mich absolut... Ein sensationelles Beispiel ist das Startup AI Land aus Krefeld und die bauen an einem Roboterarm, also so ein acht Meter langes Gestänge, das sich um die eigene Achse dreht und das vollautomatisch Gemüse pflanzt. Das Gemüse pflegt und zwar genauso, wie es Wetter und Boden jeweils verlangen. Es dann erntet und in Gemüsekisten packt. Und bei all dem ist kein Mensch nötig. Es ist noch nicht mal eine Stromleitung nötig, weil oben auf diesem Gerüst sind genug Solarzellen. Ich finde das spektakulär. Das könnte dazu führen, dass man zum Beispiel als... Restaurant innerhalb eines halben Tages frisch geerntetes Gemüse bekommt. Und das sind Innovationen aus Deutschland, über die viel zu wenig gesprochen wird.

Sprecher 2: Thomas, das ist ein interessantes Beispiel, weil es ja eigentlich die KI, so wie wir sie kennen, die künstliche Intelligenz, klar, nur in Large Language Models bisher, vielleicht mit der alten industriellen Stärke Deutschlands verknüpfen könnte. Bei den Robotics gibt es da eine Nische für Deutschland, wo wir in der Welt vielleicht auch in den neuen Technologien führen werden können?

Sprecher 9: gibt es gar keine Nische und wir sind längst führend. Denn letztendlich, künstliche Intelligenz ist ja ein Spektrum, ein Sammelbegriff für ganz viele Technologien. Und bei ganz vielen dieser Technologien sind wir vorne mit dabei. Zum Beispiel, wenn es um selbstfahrende Autos geht, auch diesen künstliche Intelligenz. Und da sind wir, kein Scherz, seit den 80er Jahren eine der führenden Nationen. Und wenn wir uns heute angucken, welche Automarken die höchste Autonomiestufe haben, dann sind das die Deutschen, dann sind das BMW und dann sind das Mercedes. Darüber reden wir aber kaum, weil wir ja in Deutschland vielleicht noch ein bisschen zu viel immer noch Brum Brum machen wollen.

Sprecher 2: Du meinst die Wertschöpfung, die Tiefe unserer Wertschöpfungsketten sind das, was uns unterscheidet?

Sprecher 9: Das ist das eine, aber auch die Technologie. Wir sind da wirklich sehr, sehr gut mit am Start und wir werden natürlich einen Wandel erleben und wir glauben, dass dieser Wandel ganz stark so laufen wird, dass das, was heute Autozulieferer sind, die werden wir in der Form mit Elektroautos und dass sich Elektroautos durchsetzen, das wird in zehn Jahren niemand mehr bestreiten, die haben sich dann durchgesetzt. Aber die Autozulieferer, die werden in den Bereich Robotics gehen können. Und da reden wir nicht nur über humanoide Roboter, da sind wir eher ein bisschen skeptisch, ob die jetzt das große Ding sind, sondern wir werden ganz, ganz viele Roboter haben, die optimiert sind auf gewisse Funktionen. Und da hat Deutschland alle Chancen.

Sprecher 2: Aber wir sehen seit mindestens sechs Jahren eine schrumpfende industrielle Produktion. Also dieses Land ist offenbar eben nicht... innovativ genug, um zumindest die nationale Wirtschaftsleistung zu erreichen, die wir gewohnt waren. Sind das Trends, die erst noch alle sich entfalten müssen, auch in der Breite? Oder gucken wir gerade nur auf die falschen Branchen?

Sprecher 9: Wir gucken auf die falschen Branchen. Denn was wir jetzt ja zum Beispiel auch sehen, ist, dass mit den Investitionen, die derzeit in die Rüstungsindustrie fließen, da sind wir ja plötzlich ganz schnell dabei. Es gibt so viele spannende neue Rüstungsunternehmen in Deutschland, die innerhalb kürzester Zeit an den Start gingen. Und das geht halt nur mit einer guten Basis. Und wenn wir jetzt einfach mal andere Nationen, allen voran die USA, nehmen, dann sehen wir, und das ist auch unsere Prognose für das Jahr 2035, dass diese Rüstungsinvestitionen dann nicht nur in der Rüstung ihre Wirkung zeigen werden, sondern auch in anderen Branchen.

Sprecher 2: Israel macht das ja auch vor mit den Startups, die oft militärisch begründet sind und dann die gesamte Gesellschaft verändern.

Sprecher 9: Ja, genau so ist es. Es ist halt einfach verpönt, dass ein Staat unmittelbar in Technologien investiert, die Frieden bringen. Aber wenn er das im Krieg macht, ist das okay und dann springen eben genau diese Innovationen über in andere Branchen.

Sprecher 2: Thomas Knüwer, Autor des Buches 20 Trends für 35, warum vieles besser wird, als Sie glauben. Vielen Dank, Thomas.

Sprecher 9: Dankeschön.

Sprecher 2: Morgen wieder unsere CEO-Edition bei Table Today. Alex und Alex, heißt es mal wieder, Alex Hofmann und Alex Wiedmann sind dann dabei. Freuen Sie sich auf ein wunderbares Interview mit dem SAP-Vorstand Thomas Sauer-Essig. 5 Uhr geht's los, bis dahin. Schönes Wochenende. Ciao, ciao.