Sind wir im Drohnenkrieg, Herr Pistorius?
Dauer: 23:45

Sind wir im Drohnenkrieg, Herr Pistorius?

Der Frieden in Deutschland ist aus Sicht des Verteidigungsministers gestört. Grund dafür sind die Drohnenüberflüge der vergangenen Tage. Boris Pistorius spricht von dem Versuch, Angst in der Bevölkerung zu verbreiten. „Das ist kein Drohnenkrieg. Es ist Verunsicherung. Es ist der Versuch zu provozieren.“, sagt der Minister im Gespräch mit

Michael Bröcker. Er fordert ein durchgehendes, umfassendes Lagebild im Nationalen Sicherheitsrat. Nur so könnten die Behörden einzelne Vorfälle besser einordnen und koordinierter reagieren.

[09:18]


Die Spaltung der Gesellschaft in den USA wird immer dramatischer. Aktuelle Umfragen zeigen: 83% der Amerikaner halten das Land für deutlich gespaltener als noch vor fünf Jahren. Die Trump-Administration gießt derweil weiter Öl ins Feuer. Sie schickt die Nationalgarde in demokratisch regierte Städte wie Chicago.

[01:19]


Der Koalitionsausschuss steht diese Woche ganz im Zeichen der Autoindustrie. Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Minister Carsten Schneider und Katherina Reiche angewiesen, Entlastungen vorzubereiten. Es soll nach Informationen von Table. Briefings ein ‚Autorettungspaket‘ auf den Weg gebracht werden. Auch der Industriestrompreis, wie ihn die SPD fordert, wird bei der Koalitionsrunde am Mittwoch diskutiert.

[05:16]


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Reden wir über die Spaltung der Gesellschaft in den USA. Die wird immer dramatischer, nicht zuletzt seit dem Sieg von Donald Trump. Dessen Administration gießt Öl ins Feuer, wo es nur geht und schickt jetzt die Nationalgarde in die Obama-Stadt Chicago.

Sprecher 3: Im Koalitionsausschuss in dieser Woche wollen Schwarz und Rot eine Art Autorettungspaket auf den Weg bringen. Der Klimaschutz ist spürbar nicht mehr im Fokus dieser Koalition. Zumindest wir sagen Ihnen, was da beschlossen werden soll.

Sprecher 2: Deutschland ist nicht mehr im Frieden, so hat es Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius jüngst gesagt. Und nun ist er zu Gast bei uns im Podcast und erklärt, wie er ihn eigentlich in den Griff kriegen will, den Mehrfrontenkrieg, dem er ausgesetzt ist. Da sind die Drohnen, die ständig ins NATO-Gebiet eindringen, das Beschaffungsmanagement. Es geht darum, junge Leute für die Truppe zu begeistern. Und dann gibt es auch noch einen störrischen Koalitionspartner. Bei uns gibt er gleich zu all dem Auskunft.

Sprecher 3: Es ist Montag, der 6. Oktober. Legen wir los in diese hochpolitische Woche.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 5: It's a war from within. We should use some of these dangerous cities as training grounds for our military, National Guard, but military.

Sprecher 6: He has totally imbibed the full spirit of tyranny. If this goes on, there will be nothing left of our democracy. These blue states and deep blue cities that are run by soft-on-crime mayors, they need some help. The citizens need help. President Trump is a bold leader who's providing it.

Sprecher 2: Seit der vergangenen Woche sind die USA im Shutdown, die Haushaltssperre, weil man sich aus Differenzen über das Gesundheitssystem nicht auf einen Haushalt einigen konnte. Und da sind die Konsequenzen drastisch. Und man würde doch denken, unter normalen Menschen findet man einen Ausweg, setzt sich zusammen und erarbeitet eine Lösung, aber nicht so mit Donald Trump. Der nutzt die Haushaltssperre. Um nochmal richtig Öl ins Feuer zu gießen.

Sprecher 3: Ja, man muss fast sagen, nichts wird besser in den USA im Moment. Im Moment geht es sogar darum, dass die demokratisch regierten Städte erst recht ins Visier wieder mal von Donald Trump kommen. Zum Beispiel Chicago, die Stadt von Barack Obama, da schickt er jetzt die Nationalgarde hin. Überhaupt sind es am Ende immer die Projekte der Demokraten, die diese Trump-Administration besonders im Visier hat.

Sprecher 2: Und eine Aufwallung von Gefühlen und Ressentiments gab es auch noch nach der Ankündigung der NFL, der National Football League, das Bad Bunny, bei der Half-Time-Show The Super Bowl im Februar. auftreten soll. Da regt sich die Magerbewegung wahnsinnig auf, denn Bad Bunny hat mehrfach Trump kritisiert. Er ist aus Puerto Rico, er singt nicht auf Englisch, sondern auf Spanisch. Chrissy Noem, die Chefin von Homeland Security, hat angekündigt, dass auch beim Super Bowl jetzt Razzien durchgeführt werden sollen. Und das ist natürlich eine massive Provokation für all diejenigen, die sowieso Trump schon kritisch gegenüberstehen und eben Razzien durch seine Administration befürchten.

Sprecher 3: Die geteilten Staaten von Amerika, das sehen nicht nur wir hier im Podcast so, das sehen inzwischen auch 83 Prozent der Amerikaner so. Eine aktuelle YouGov-Umfrage hat das klar gesagt, dass dieses Land deutlich gespaltener ist als noch vor fünf Jahren. Und eine Mehrheit dieser Wähler, 64 Prozent, nämlich hält die USA für so tief gespalten, dass politische Probleme schlicht nicht mehr lösbar erscheinen.

Sprecher 2: Erschütternd sind auch die Zahlen über die Akzeptanz von Gewalt in den USA. Fast ein Drittel, nämlich 29 Prozent der Amerikaner, hält politisch motivierte Gewalt inzwischen für notwendig, um Veränderungen zu bewirken. Da ist das Gewaltmonopol des Staates wirklich offensiv infrage gestellt. Und man denkt sich, viele Menschen in diesem Land erwarten gar nicht mehr, dass der Staat ihre Probleme löst.

Sprecher 3: Die ideologischen Schützengräben sind dick und fett. Fett gefüllt und die Schuldzuweisungen sind klar, wenn man die amerikanischen Republikaner fragt, sind natürlich die Linken zuständig für diese Probleme im Land. Wenn man die Demokraten fragt, dann macht rechte Gewalt und vor allem auch die Magerbewegung eigentlich das Problem immer nur noch größer. Keine Lösung in Sicht, außer vielleicht, hier meine These, Helene, Donald Trump kriegt wirklich einen Friedensnobelpreis, wenn er den Gaza-Konflikt irgendwie zu einem Ende bringt. Und vielleicht ist er dann so glücklich mit seinem Ziel, dass er auch versöhnlicher wird. Eine kleine, vage Hoffnung.

Sprecher 2: Eine kleine Hoffnung, ja, es ist wirklich eine Frage, denn die meisten Menschen, die also jetzt mal allein psychologisch gesagt so narzisstisch veranlagt sind wie Donald Trump, denen reicht es nie. Denen würden wahrscheinlich zehn Friedensnobelpreise noch nicht reichen, weil sie dann denken, warum habe ich keinen elften? Also die Frage ist, ist dieser Mann wirklich irgendwann zufrieden? Ruht er irgendwann in sich? Meine These ist, das liegt in der Regel nicht an den äußeren Umständen, sondern Ruhe kann man nur in sich selbst finden.

Sprecher 3: An diesem Mittwoch ist es wieder so weit, Lene. Koalitionsausschuss im Kanzleramt und Donnerstag auch noch der Autogefühl. Deswegen diesmal ein ganz besonderes Treffen.

Sprecher 2: Tatsächlich, das Auto ist jetzt ganz zentral, denn die Autobranche ist von einer Absatzflaute getroffen. Die Konkurrenz aus China, der Wandel zur E-Mobilität, mit all dem haben sie zu kämpfen und natürlich mit dem Zollstreit mit den USA. Also einiges zu besprechen.

Sprecher 3: Ja, und jetzt soll es ein Autorettungspaket geben. Der Bundeskanzler, so wie wir hören, hat vergangene Woche seine Minister Carsten Schneider und Katharina Reiche angewiesen, Entlastungen für die Autoindustrie vorzubereiten für diesen Koalitionsausschuss. Es geht ganz konkret um die CO2-Flocken-Grenzwerte, also die Grenzwerte, die ein Automobilhersteller in all seinen Typen, über all seine Typen hinweg maximal im Schnitt eigentlich an CO2-Ausstoß nur akzeptieren darf. Und die sollen etwas reformiert werden. Die EU hat das schon gemacht, es soll aber weitergehen. Der VDA hat unlängst gefordert, einen sanfteren Übergang bei diesen Grenzwerten hinzukriegen, bis sie also erreicht werden soll. Und offenbar ist Merz der Meinung, man müsse da der Autoindustrie noch mehr unter die Arme greifen. Und der Industrieminister Lars Klingbeil scheint dem auch recht zu geben.

Sprecher 2: Ja, die Frage ist immer nur, wie das alles am Ende zusammengeht. Klar, die Rede ist davon, dass die Grenzkosten jetzt durch diesen ganz schnellen Abschied vom Verbrenner, diesem sehr schnellen Umstieg auf Elektromobilität, dass die zu hoch sind, ist wahrscheinlich richtig. Und trotzdem ist es ja formal noch so, dass ab 2035 keine Verbrenner in der EU mehr zugelassen werden sollen, wenn sich daran jetzt nichts mehr ändert. Und 2045 sollen wir klimaneutral sein. Da würde ich schon sagen, die Denklogik erfordert ist, dass man auch mal ein paar konkrete Schritte dahin verabschiedet. Und wenn man jetzt immer nur sagt, das ist jetzt nicht zu erreichen, das machen wir lieber jetzt noch nicht, dann führt das nicht nur zu einem erhöhten Ausschuss von CO2, sondern auch dazu, dass sich die Technologie nicht in der Geschwindigkeit entwickelt, weil der politische Druck nicht dahinter ist.

Sprecher 3: Deswegen soll es parallel zumindest mehr Anreize für Elektromobilität geben, mehr Ladesäulen, vielleicht auch Wasserstofftankstellen, ein neues Programm für Subventionen. Wenn man zum Beispiel Dienstwagen anmeldet, die Elektro sind, also darüber wird auch diskutiert. Und ein Deal könnte sein, Helene, die Union bekommt etwas abgeschwächtere CO2-Grenzwerte für die Autoindustrie. Die SPD bekommt ihren lange geforderten Industriestrompreis, eine Dauersubvention der Industrie. Auch das wurde diskutiert. Lars Klingbeil ist dafür. Friedrich Merz scheint nicht mehr abgeneigt zu sein. Auch das soll am Mittwoch laut einem internen Tagesordnungsentwurf Thema sein.

Sprecher 2: Das ist dann quasi schon die Vorbereitung für den Autogipfel am Donnerstag, wo mehrere Minister der Bundesregierung teilnehmen, auch Ministerpräsidenten von den Autobundesländern. Das sind vor allem Bayern, Baden-Württemberg und Hessen und natürlich Niedersachsen und die großen Autoproduzenten. Und Zulieferer und auch Vertreter der Arbeitnehmerseite. Da wird das Ganze dann nochmal besprochen. Und dann wird hoffentlich ein Fahrplan erarbeitet, denn das ist am Ende wichtig für die Industrie, die Planungssicherheit.

Sprecher 3: Level Playing Field ist das, was die Industrie immer wieder fordert. Wenn Toyota Plug-in-Hybride bauen darf am laufenden Band, dann muss auch der deutsche Automobilhersteller nicht nur rein elektrische Autos mit Unterstützung des Staates bauen dürfen. Also da dürfte es auch noch Änderungen geben, also die Kombination aus Verbrenner und E-Motor. Aber gut, auf jeden Fall wird es einen Autopark geben, sonst kann Friedrich Merz gar nicht diesen Autogipfel im Kanzleramt mit konkreten Ergebnissen beschließen. Und dann gibt es noch zwei Themen, auf die man gucken sollte. Die Aktienrente soll diskutiert werden. Das Bürgergeld kommt jetzt endlich in Gesetzesform. Die Reform zur neuen Grundsicherung und Patrick Schnieders Autobahnplan soll Thema werden, wie wir wissen. Auch da will Merz bis Mittwoch eine Lösung zwischen Lars Klingbeil und dem Verkehrsminister, wie viele zusätzliche Milliarden jetzt wirklich auch in den Autobahnausbau gehen dürfen.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 3: Drohnenvorfälle in Dänemark, Polen, in Schleswig-Holstein und in München. Wie gehen wir eigentlich damit um? Ein Drohnenkrieg droht oder ist das alles zu hoch gejatzt? Einer, auf den jetzt gerade viele schauen, nicht nur im politischen Berlin, ist Verteidigungsminister Boris Pistorius. In München wurde die Bundeswehr bereits um Amtshilfe gebeten bei den Drohnenvorfällen über dem Flughafen. Und Alexander Dobrindt, der Innenminister, will jetzt schnell ein Luftsicherheitsgesetz ins Kabinett bringen, das der Bundeswehr mehr Kompetenzen geben soll. Ist das alles wirklich notwendig? Ich habe den Minister gestern am Rande der Buchvorstellung des wunderbaren Porträt- und Interviewbuchs von Herr Linde-Körblin in Pistorius'Geburtsstadt Osnabrück getroffen. Hören wir mal rein, was er zur aktuellen Debatte sagt. Einen schönen guten Tag, Herr Pistorius.

Sprecher 7: Hallo, Brücker.

Sprecher 3: Herr Pistorius, in was für einer Zeit leben wir, wenn wir weder im Krieg noch im Frieden leben?

Sprecher 7: Wir sind im Frieden, aber der ist eben gestört durch hybride Angriffe, durch tägliche hybride Angriffe aller Art. Und deswegen ist es durchaus eine Zeit, in der man nicht völlig in Ruhe lebt.

Sprecher 3: Und das, was wir in den letzten Tagen und Wochen erlebt haben, ist das schon eine Art Drohnenkrieg?

Sprecher 7: Nein, es ist kein Drohnenkrieg, es ist Verunsicherung, es ist der Versuch zu provozieren, es ist der Versuch, unsere Gesellschaft auseinanderzubringen und ihnen Angst zu machen, zu zeigen, ich kann überall hinkommen. mit meinen Drohnen. Es ist Angstmache vor allen Dingen und das funktioniert ja in Teilen auch, was ich verstehe.

Sprecher 3: Es gab zu keiner Zeit eine echte Gefährdung für die Deutschen?

Sprecher 7: Soweit wir wissen und alle Drohnen, die wir gesehen haben, war bislang keine bewaffnete Drohne dabei, keine, die eine unmittelbare Gefahr dargestellt hätte. Aber darum geht es natürlich nur in zweiter Linie. In erster Linie sehen die Menschen Drohnen, die sie vielleicht vor ein paar Jahren, vor zwei, drei Jahren noch gar nicht wahrgenommen haben. Es gab ja auch früher Drohnen für Videoaufnahmen von Medienunternehmen und anderes. Aber plötzlich ist damit eine Bedrohung, eine Angst verbunden. Also ist die Wahrnehmung auch nochmal eine andere. Und gleichzeitig weiß man nicht, was die Drohnen morgen bringen.

Sprecher 3: Wissen wir, woher die Drohnen in München jetzt zum Beispiel kamen?

Sprecher 7: In Einzelfällen ja, in anderen Fällen nein. Das ist halt leider immer schwer zu attribuieren, wie man sagt, zurückzuverfolgen, woher eine Drohne kommt. Aber man kann davon ausgehen, dass ein ganz großer Teil von Putin oder zumindest seinen Handlangern kommt. Und gleichzeitig gibt es aber natürlich auch Trittbrettfahrer und Amateure und andere. Also nicht jede Drohne, und da hat mein Kollege aus Nordrhein-Westfalen recht, nicht jede Drohne ist eine von Putin, aber jede spielt ihm letztlich irgendwie in die Hände.

Sprecher 3: Aber wir wissen ganz genau, dass Putin oder seine Auftragnehmer Drohnen über den europäischen Luftraum geschickt haben.

Sprecher 7: Davon können wir sicher ausgehen. Ob die Beweise jetzt vor einem Gericht justiziabel wären, ist eine andere Frage. Aber genau das ist ja das Wesen hybrider Kriegführung, die wir erleben. Angst machen, Unsicherheit provozieren und gleichzeitig... immer den Zweifel verursachen oder auslösen, vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm. Das macht den Umgang damit für Menschen, aber auch für uns, die die Verantwortung tragen, durchaus schwer.

Sprecher 3: In welchem Gremium, mit welcher Kompetenz sollte man jetzt auf diese Vorfälle reagieren?

Sprecher 7: Wir brauchen ein 24-7-360-Grad-Lagebild über alles, was passiert. Also Waldbrände, Stromausfälle, eben Drohnenüberflüge über kritische Infrastruktur oder sonstiges, damit man weiß, sind das einzelne Vorkommnisse, die nichts mehr miteinander zu tun haben oder könnten es auch welche sein, die choreografiert und vom gleichen Verursacher ausgehen. Das sind so Dinge, da bin ich sehr klar, das brauchen wir. Und ich glaube auch, dass das jetzt eine Situation ist, in der man den Nationalen Sicherheitsrat damit befassen kann und sagen kann, so, jetzt wollen wir doch mal gucken, was wissen die Fachleute aus den verschiedenen Ressorts und aus den Ländern, welches Analyse-Lagebild gibt sich daraus und welche Schlüsse müssen wir daraus ziehen.

Sprecher 3: Sie haben gerade einen nationalen Sicherheitsrat eingerichtet. Alle Chefs der Sicherheitsbehörden sind mit drin, zehn Ministerien und Minister. Also wäre das doch genau dieses gemeinsame Lagezentrum, das jetzt jeden Tag darüber wachen könnte und auch Entscheidungen treffen könnte.

Sprecher 7: Ja, Sie müssen unterscheiden zwischen einem nationalen Sicherheitsrat, das die Analysen auf den Tisch bekommt und dann berät, wie man damit umgeht und dem Lagezentrum, was dieses Analyse-Lagebild erst einmal liefern muss. Also nehmen Sie das Beispiel, wenn Sie innerhalb von wenigen Stunden Abstand in sechs weit entfernte voneinander liegenden, aber strategisch möglicherweise relevanten Regionen Waldbrände haben, dann kann das Zufall sein. Nein, ist es aber im Zweifel nicht. Also muss man erstmal an einer zentralen Stelle davon wissen, dass es das gibt. Oder Stromausfälle, die sich plötzlich drei, vier, fünfmal in Deutschland wiederholen, ohne dass man sofort einen Zusammenhang erkennt. Aber wenn man weiß, dass es sie gibt, kann man am Ende auch verschiedene Faktoren zusammennehmen und sagen, da ist was los.

Sprecher 3: Jetzt haben die Münchner Behörden die Bundeswehr um Amtshilfe gebeten. Das würde doch bedeuten, Dobrindt hat recht, wenn er sagt, wir müssen ein neues Gesetz machen, das die Bundeswehr stärkt beim Einsatz im Innern.

Sprecher 7: Dagegen hat niemand was. Das Gesetz war in ähnlicher Fassung schon in der Ampel vorbereitet und ist dann wegen des Bruchs der Ampel nicht mehr verabschiedet und weiter beraten worden. Aber ja, darum geht es, dass die Bundeswehr keine Zuständigkeiten im Inneren hat, keine eigenen, ist durch die Verfassung vorgegeben, das bleibt und ist richtig. Aber dass wir natürlich im Wege der Amtshilfe in bestimmten Situationen auf Anforderungen der Polizeibehörden mithelfen können, eine Gefahr abzuwenden, versteht sich von selbst.

Sprecher 3: Sie waren ja Innenminister und sind jetzt Verteidigungsminister. Sie kennen beide Welten, also die Polizeibehörden und die Truppe, die Bundeswehr. Sind wir technologisch in der Lage, gegen auch bewaffnete Drohnen oder sonstige Drohnen relativ schnell zu agieren?

Sprecher 7: Ja und nein. Also ja, es kommt auf die Drohne an. Nehmen Sie das Beispiel eine Drohne, große Drohne, die bewaffnet ist, die in bestimmten Höhen unterwegs ist, die wird im Zweifel von unseren Luftverteidigungsradarsystemen erfasst. Aber eine kleine baumarktypische Drohne, die in niedriger Höhe fliegt, erfassen wir ja gar nicht. Das heißt, die wird optisch von irgendjemandem wahrgenommen. Man muss reagiert werden, wenn sich daraus eine Gefahr ableitet. Und da gibt es verschiedene Methoden, damit umzugehen. Wir haben Netzwerferdrohnen entwickelt, die sehr wirksam sind.

Sprecher 3: Und da nochmal ein Startup aus Niedersachsen habe ich gesehen.

Sprecher 7: Genau, oder wir reden über, sind wir jetzt gerade im konkreten Gespräch mit zwei Unternehmen über Lasertechnologie. Also auch das ist eine Möglichkeit, schnell Drohnen vom Himmel zu holen. Aber auch hier gilt das Gleiche, nicht von jeder Drohne geht eine Gefahr aus. Aber jede Drohne, die vom Himmel geholt wird, aus welchen Gründen auch immer, kann eine Gefahr darstellen, mit oder ohne Bewaffnung, weil Trümmerteile vom Himmel fallen. Also muss man immer genau überlegen, wo macht man das, wie groß ist die Gefahr, ist diese oder jene Reaktion angemessen und haben wir die Mittel dafür, jeweils da, wo die Drohne auftaucht.

Sprecher 3: Sie haben der Union vorgeworfen, es sei fahrlässig, diese Woche nicht das Wehrdienstgesetz im Bundestag zu beraten. Sie wollen es in der nächsten Woche tun, also die Union. Was ist so schlimm daran, mehr Verbindlichkeit in die Zahlen zu bekommen, wann aus Freiwilligen vielleicht sogar Pflichtwehrdienstleister werden?

Sprecher 7: Weil es keinen Unterschied macht, weil sie müssen in jedem Fall erst das Kabinett sich befassen lassen, bevor dann der Bundestag beschließt. Sie können ja nicht die Aussetzung der Wehrpflicht, die vom Bundestag beschlossen worden ist, einfach durch eine Entscheidung der Exekutive wieder in Kraft setzen oder aufheben. Deswegen geht es gar nicht so sehr um die Zahlen. Solange die Linie stimmt und der Aufwuchs stimmt, ist es viel wichtiger zu sagen, wir wissen, was wir tun, die Kapazitäten steigen auf, wir haben die Zuwachszahlen, wir werden alleine dieses... das Jahr schon 30 Prozent mehr militärische Einstellungen haben als im Vorjahr. Wir werden ab nächstem Jahr anfangen, die Infrastruktur in tausender Größenordnung, was Unterkunftsplätze angeht, aufzubauen. Das alles läuft linear hoch und wir gehen davon aus, dass die Attraktivitätsmaßnahmen, die eben mit dem Wehrdienstgesetz auf den Weg gebracht werden sollen, auch dafür Sorge tragen, dass genug Bewerberinnen und Bewerber kommen. Aber deswegen muss das Gesetz pünktlich zum 1. Januar in Kraft treten. Und deswegen bin ich jetzt auch wieder einigermaßen entspannt. Es geht nicht um eine Verzögerung um Wochen, sondern nur um eine Woche. Dann werden wir das schon alles gemeinsam hinkriegen.

Sprecher 3: Sie haben 5000 junge Menschen avisiert im ersten Jahr. Schaffen Sie das?

Sprecher 7: Es sind 5000 plus, die wir avisiert haben. Zum jetzigen Zeitpunkt kein Grund anzunehmen, dass das nicht klappt. Eben auch, weil ja dann am 1. Januar das neue Gesetz mit mehr Attraktivität in Kraft treten soll. Wir bauen die Unterkünfte und Ausbildungskapazitäten hoch, sodass wir bis zum Jahr 2029, 30, und das ist genau der Zeitrahmen, über den wir reden, 100.000 zusätzliche Reservisten ausgebildet haben werden, als Wehrdienstleist.

Sprecher 3: Bereiten Sie nicht... Dennoch in Wahrheit die Pflicht längst vor.

Sprecher 7: Naja, der Punkt ist der, ich bereite sie nicht vor, weil ich nicht glaube, dass wir sie in den nächsten Jahren brauchen werden. Was aber alle übersehen, es gibt eine Pflicht nach der Verfassung vorzuhalten, dass im Verteidigungsfall, über den reden wir, eingezogen werden kann. Nicht mal das könnten wir gerade, weil die Wehrfassung fehlt von 18-jährigen jungen Männern. Auch das würde ja aufgehalten werden, wenn wir jetzt das Gesetz... jetzt nicht bald in Kraft treten lassen, weil wir mit der Erfassung sonst nicht wieder beginnen können. Also darum geht es im Grunde genommen, einerseits jetzt freiwillig Wehrdienstleistende auszubilden, die Reserve aufwachsen zu lassen, die stehenden Streitkräfte stärker zu machen und damit in die Situation zu kommen, wirksam und glaubhaft abschrecken zu können. Und wenn sich die Zahl der Freiwillig-Werdienstleistenden nicht so entwickelt, dann können wir sehr schnell umschalten durch Exekutiventscheidungen und Parlamentsbeschluss und dann sind wir in einer Teilwiedereinsetzung der Wehrpflicht. Mir ist es aber ehrlich gesagt lieber, wir schaffen das mit Freiwilligen.

Sprecher 3: Wir haben in unserem Security-Table eine Umfrage exklusiv bei Forza in Auftrag gegeben, nach denen zwei Drittel der jungen Leute keine Lust auf diese Wehrpflicht oder den Wehrdienst haben und sie auch noch in einer ähnlichen Größenordnung sich nicht ausreichend informiert fühlen.

Sprecher 7: Aber das mit der Information überrascht mich, weil wir reden überall damit. Ich rede auch demnächst wieder mit Jugend- und Schülerorganisationen. Da können wir noch mehr zusammenkommen, glaube ich. Aber nehmen Sie mal die Zahl, zwei Drittel eines Jahrgangs, wenn wir das jetzt mal nehmen. Sie sagen zwei Drittel der Befragten. Zwei Drittel eines Jahrgangs junger Männer, der 18 wird, wären ungefähr... 260.000, ungefähr 250.000. Dann habe ich immer noch über 100.000, die zur Verfügung stünden. Ich brauche so viel gar nicht.

Sprecher 3: Die Freiheit wird ja dann nicht nur in der Bundeswehr verteidigt, sondern auch an anderen Stellen, in sozialen Diensten, in Pflegen. Ist dann dieser Vorschlag der Union nicht sinnvoll, zu sagen, wir machen ein allgemeines Pflichtjahr, damit wir alle merken, diese Gesellschaft muss an vielen Stellen verteidigt werden. Und man muss sich einbringen.

Sprecher 7: Ich habe da viel Sympathie. Aber die Diskussion jetzt zu führen mit dem Ziel einer Grundgesetzänderung, für die es absehbar keine Mehrheit geben wird, hätte das Notwendige, das jetzt zu Machende, unnötig und gefährlich verzögert. Deswegen machen wir jetzt diesen Schritt. Ob es dann irgendwann in der Zukunft eine Mehrheit für das andere geben wird, das wird sich zeigen. Das ist aber im Augenblick nicht die Debatte.

Sprecher 3: Dann lassen Sie mich zum Abschluss noch eine Frage zu dem Konflikt stellen, lieber Herr Pistorius, der gerade vielleicht gelöst werden könnte, nämlich der Konflikt im Nahosten, im Gaza. Gibt es für den Bundesverteidigungsminister Aufgaben, wie Sie oder die Bundeswehr jetzt in den nächsten Wochen und Monaten diesen Friedensplan unterstützen muss und soll und darf?

Sprecher 7: Also erstmal auf den ersten Blick nicht. Das ist zunächst mal eine Frage der Außen- und Außenpolitik und der Diplomatie, wie es da weitergehen kann. Sie wissen, dass wenn die Bundeswehr irgendwo aktiv werden muss, braucht es ein Mandat. Friedenssicherung läuft nur unter dem Dach der Vereinten Nationen. Ob es dafür ein Mandat gibt, das wird sich alles zeigen. Im Augenblick ist eine aktive Rolle in diesem Prozess, in dem wir da jetzt sind, nicht sichtbar oder nicht erkennbar. Aber das kann sich ändern.

Sprecher 3: Haben Sie die Rede Ihres Kollegen aus den USA verfolgt vor seinen Generälen, wie er das neue Soldatentum interpretiert?

Sprecher 7: Yeah.

Sprecher 3: Ihr Kommentar dazu ist ja.

Sprecher 7: Ja, hätte ich so nicht gemacht.

Sprecher 3: Dürfen bei Ihnen auch Menschen mit einem BMI von über 25 in die Truppe?

Sprecher 7: Aber ja.

Sprecher 3: Vielen Dank, lieber Herr Pistorius.

Sprecher 7: Gerne.

Sprecher 3: Eline, war noch was?

Sprecher 2: Michael, gute Nachrichten. Wir Menschen sind doch nicht so schnell ersetzbar, wie es einem manchmal vorkommt, wenn man die KI mit irgendwas beauftragt und denkt, mein Gott, die ist ja nicht nur schneller, sondern auch besser als mein eigener Kopf. Aber das menschliche Gehirn ist noch besser als alles, was die Technik zu bieten hat. Das beweist jetzt das Schweizer Start-up Final Spark mit einer neuen Erfindung. Dort wird nämlich ein Prozessor aus menschlichen Hirnzellen hergestellt. Ich stelle mir das ein bisschen, ehrlich gesagt, unangenehm vor. Dort werden lebende Neuronen auf einem Chip mit Elektroden platziert und mit Nährstoffen versorgt. Dadurch entsteht ein Bioprozessor, der bis zu eine Million Mal effizienter ist als alle traditionellen digitalen Prozessoren. Und Ziel ist es, den enormen Energiebedarf etwa von Supercomputern und KI-Rechenzentren zu senken. Das Gehirn kann mehr als alle Technik zusammen. Und mit dieser Erkenntnis kann man doch vielleicht in eine neue Woche gehen, in der man sich mal mehr Zeit dazu nehmen sollte, dieses Gehirn auch zu benutzen.

Sprecher 3: Die beste KI ist eben die MI, die menschliche Intelligenz. In diesem Sinne, wir hören uns hier an dieser Stelle morgen wieder, Dienstag, 5 Uhr, Table Today. Ciao, ciao.

Sprecher 2: Tschüss.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. Runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.