Wer ist die neue Bahn-Chefin?
Die Deutsche Bahn bekommt erstmals eine Frau als Chefin. Evelyn Palla soll den glücklosen Richard Lutz ablösen und aus dem Sorgenkind ein Vorzeigeprojekt machen. Die Südtirolerin hat bisher die Regio-Sparte geleitet.
[09:08]
Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir begrüßt die Personalie, sieht die Probleme aber tiefer liegen. "Wenn das Grundproblem nicht gelöst wird, dann könnten Sie Batman oder in dem Fall jetzt Batgirl zur Bahnchefin machen. Sie wäre am Ende auch nur eine ganz normale Fledermaus", sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses. Die schwarz-rote Bundesregierung investiere trotz neuer Rekordschulen zu wenig in die Schiene.
[11:32]
Weitere westliche Staaten erkennen Palästina offiziell an. Kanada, Australien und Großbritannien haben am Wochenende diesen symbolisch bedeutsamen Schritt vollzogen. Der Druck auf Deutschland wächst damit, sich trotz historischer Bedenken zu positionieren.
Im Gespräch sind in Berlin Sanktionen gegen Israels umstrittene Minister Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir, die eine faktische Annexion des Westjordanlands fordern.
[01:35]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Noch weitere Länder erkennen Palästina nun offiziell als Staat an, nämlich am Wochenende waren es zusätzlich zu den bisherigen noch Kanada, Australien und Großbritannien. Und diese Woche will die Bundesregierung entscheiden, wie sie mit Israels jüngster Gaza-Offensive umgeht. Im Gespräch nun Sanktionen gegen Finanzminister Smotrich und Polizeiminister Ben Gvir.
Sprecher 3: Evelyn Palla soll die Bahn vom Sorgenkind zum Vorzeigeprojekt der deutschen Industrie machen. Mit der 52-Jährigen aus Südtirol wird erstmals eine Frau die Geschicke dieses Konzerns mit 340.000 Mitarbeitern leiten. Die Südtirolerin leitet bisher die Regiosparte und hat es geschafft, ausgerechnet im Regionalzugverkehr deutlich pünktlicher zu sein als bei den ICE. Wir sagen, wer die Neue ist und was der Verkehrsminister an diesem Montag in Berlin vorstellen will.
Sprecher 2: Und dann geht es nochmal um die Bahn und wie es weitergeht. Und darüber reden wir mit Tarek Al-Wazir. Er ist ehemaliger hessischer Verkehrsminister und jetzt Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag. Von ihm wollen wir wissen, wie er Evelyn Paller einschätzt und was nun ihre größten Aufgaben sind.
Sprecher 3: In München herrscht Ausnahmezustand auch seit diesem Wochenende. Das Oktoberfest läuft wieder einmal an und es ist etwas sicherer als sonst. Warum das so ist, sagen wir Ihnen ganz zum Schluss an diesem Montag, dem 22. September.
Sprecher 4: We have breaking news now into our newsroom that the Prime Minister's office has now officially released a statement announcing that Canada is recognizing a Palestinian state. We are getting the details now as I speak to you.
Sprecher 5: Sir Keir Starmer is expected to formally announce the UK's recognition of a Palestinian state. I'm being told that we do have now a statement that just coming in literally within the last few seconds. That's right. Sir Keir Starmer has posted on social media to say today to revive the hope of peace for the Palestinians.
Sprecher 6: I state clearly. That the United Kingdom formally recognises the state of Palestine.
Sprecher 7: Australia will recognise the state of Palestine, predicated on the commitments Australia has received from the Palestinian Authority.
Sprecher 2: Am Wochenende waren es Kanada und Großbritannien, die fast zeitgleich bekannt gegeben haben, dass sie Palästina als eigenen Staat anerkennen. Auch Australien ist mitgezogen. Also unsere Partner, Länder des Westens, Partner, mit denen wir Werte teilen, die sich zu diesem Schritt entschlossen haben, der natürlich von großer symbolischer Bedeutung ist, aber ansonsten, das sei auch mal klargestellt, keine faktischen Konsequenzen hat.
Sprecher 3: Aber immerhin 150 der knapp 190 UN-Staaten haben nun Palästina. Offiziell als Staat anerkannt. Nur die Amerikaner und vor allem auch Deutschland lehnen dies weiterhin ab. Aber der Druck natürlich auf die Bundesregierung, der wächst enorm, gerade nach den jüngsten Militärschlägen im Gaza. Sie rücken unerbittlich auf diese Stadt vor, die israelischen Truppen.
Sprecher 2: Premierminister Benjamin Netanyahu hat die Pläne zur Anerkennung kurz vor der Bekanntgabe als Bedrohung für die Existenz Israels bezeichnet. Ein international anerkannter Palästinenser-Staat würde unsere Existenz gefährden, sei eine absurde Belohnung für Terrorismus, so hat er es vor seinem Kabinett gesagt. Naja, und die Briten haben sofort darauf reagiert und gesagt, das stimmt so nicht. Sie haben stets betont, dass die Hamas keine Rolle bei der Verwaltung des Gazastreifens spielen dürfe. Also die Anerkennung Palästinas bedeutet eben keine irgendwie Anerkennung der Hamas oder Legitimierung der Hamas. Das ist wahrscheinlich gar nicht immer so leicht zu trennen. Aber ja, so einfach wie Netanyahu kann man es sich dann eben auch nicht machen.
Sprecher 3: Die Militäroperation ist ja auch in der israelischen Armee durchaus in der Kritik. Der ehemalige Generalstabschef hat sich kritisch geäußert, hat gesagt, was soll das jetzt eigentlich bringen? Ja, das Ziel bleibt natürlich auch in Israel unumstritten, die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören, aber dass man die Geiseln überhaupt noch lebendig auffindet, wenn dort jetzt jedes Haus in Gaza statt... Durchsucht wird oder im Zweifel zerstört wird, wird auch in der Truppe inzwischen nicht mehr für plausibel erachtet. Also was macht man dort alles kaputt, um welches Ziel zu erreichen? Das scheint zusehends auch... auch in Israel die große Frage zu sein.
Sprecher 2: Ja, sprechen wir über die Sanktionen, die die EU plant und das, was Deutschland dazu sagt. Das Deutsche suchen nach einem Weg, das immer noch nicht abgeschlossen ist. Also vielleicht erstmal Europa. Ja, Ursula von der Leyen hat ein Paket vorgeschlagen, das vor allem auf die Wirtschaft abzielt. So sollen Zollvergünstigungen für Israel zurückgedreht werden. Man will Teile des Assoziierungsabkommens aussetzen. Das bedeutet zum Beispiel, dass von dem Förderprogramm Horizon Europe bestimmte israelische Startups und andere nicht mehr profitieren. Dafür braucht es eigentlich die Zweidrittelmehrheit im Rat. Und die gibt es nicht, wenn es bei der bisherigen Positionierung von Deutschland und Italien bleibt. Wird dieses Sanktionspaket nicht beschlossen werden können.
Sprecher 3: In der Bundesregierung, so hören wir, hat man sich immerhin auch geeinigt, dass man Sanktionen gegen die beiden umstrittensten Minister, unter anderem den Polizeiminister, auf jeden Fall auch hier im Kabinett beschließen will, vielleicht schon diese Woche. Der Polizeiminister gilt als rechtsextrem. Itamar Ben-Gvir forderte unlängst eine faktische Annexion des Westjordanlands. Er werde bei der nächsten Regierungssitzung, so hat er unlängst gesagt, einen Vorschlag zur Ausweitung der israelischen Souveränität vorlegen. Und damit kann er nur eine Annexion meinen, was natürlich den palästinensischen Staat in weite Ferne rücken lässt. Also da ist Johann Wadephul vor allem der Treiber, der Außenminister, der diese Woche ja zu Gast ist bei einer Konferenz von Frankreich organisiert. wo es eben auch um das Leid der Palästinenser im Gaza geht.
Sprecher 2: Aber die deutsche Position ist schwierig, denn das historische Erbe wiegt schwer und jede Sanktion gegen Israel ruft sofort die Kritik auf den Plan. Wie stehen wir zu diesem Land? Jens Spahn hat es neulich gesagt mit den Worten in Bezug auf die Wirtschaftssanktionen. Was heißt das dann? Kauft nicht mehr beim Juden. Das ist natürlich sofort das Gegenargument. Das wir im Kopf haben müssen. Michael, was denkst du denn darüber? Ist dir Bezug auf die Geschichte in all diesen Punkten eigentlich immer wichtig?
Sprecher 3: Ich bin ja ohnehin immer der Meinung, dass die Vergleiche zur Nazizeit, auch zum Holocaust, zu Shoah in der Regel nie greifen können. Das ist unermesslich und auch in seiner historischen Größe nicht vergleichbar. Aber es bleibt auch aus meiner Sicht dabei, Helene und Friedrich Merz versucht diese Balance zu finden, dass wir die Letzten sein müssen, die von der Seite Israels weichen. Das hat gute Gründe und natürlich ist das auch mehr als Symbolik, wenn die Deutschen da mitmachen, wo eben auch tendenziell israalkritische Länder wie Frankreich, wie Großbritannien, ich denke auch nur an Irland, die die Palästinenser intensiv unterstützen, auch Spanien, wo Friedrich Merz gerade zu Besuch war, die haben alle eine andere, auch geschichtliches Verhältnis zu Israel und die wenigen Freunde, die dieses Land da draußen noch hat, und das müssen keine Freunde in Beth Netanyahu sein, sondern Freunde des israelischen Volkes, die werden immer weniger. Deutschland muss der Letzte sein, der sich von diesem Land irgendwie... Los sagt, aus meiner Sicht.
Sprecher 2: Jetzt mal an die Worte von Josef Schuster denken, der Präsident des Zentralrats, der neulich sagte, Staatsräson bedeutet nicht Regierungsräson, mit anderen Worten, man kann an der Seite Israels stehen, aber eben nicht die Politik Netanyahus und schon gar nicht die in Gazastreifen mittragen. Also dieser schmale Grad Kritik ist erlaubt und trotzdem solidarisch mit Israel. Das versucht Friedrich Merz auszuloten, diesen Weg. Und da war es natürlich in gewisser Weise hilfreich, dass er in der vergangenen Woche so klar seine Erschütterung über die Shoah deutlich gemacht hat. Bei der Wiedereröffnung der Synagoge in München, wo ihm die Stimme gebrochen ist. Liebe Frau Salamander.
Sprecher 8: Sie sind aufgewachsen als Tochter von Überlebenden der Shoah. Und sie haben in einem ihrer Bücher geschrieben, dass sie als Kind immer wieder diese eine Frage stellten. Ob denn den Juden niemand geoffen habe. Ohne ein Festhalten an der Hoffnung auf eine positive Antwort, so schreiben sie weiter, ohne ein Festhalten an der naiven Hilfserwartung des Kindes, wären wir doch als Menschen verloren.
Sprecher 3: Am Samstagnachmittag erreichte uns die Nachricht, wer den vielleicht schwierigsten Konzern in der Bundesrepublik führen soll. An diesem Montag wird es offiziell. Evelyn Paller heißt die neue Hoffnung für die Deutsche Bahn. Sie soll die Vorstandsvorsitzende werden und den glücklosen Richard Lutz ablösen. Bis jetzt war die Südtirolerin mit Wohnsitz in Wien übrigens Chefin der DB Regio, also des Regionalzuganbieters der Deutschen Bahn. Und sie hat das durchaus gut gemacht. Die Pünktlichkeitsquote der Regionalzüge lag im August bei knapp 90 Prozent. Außerdem gelten die Züge durchaus als sicherer, moderner, ja manchmal sogar als deutlich sauberer als die ICE. Auch bei der Pünktlichkeit sind die Regionalzüge deutlich besser aufgestellt. Beim Fernverkehr lag die Quote bei 66,7 Prozent. Ein absoluter Negativrekord dieses Jahr und ein großer Teil der Unzufriedenheit beim Verkehrsminister Patrick Schneider, der vor wenigen Wochen mitten in der Sommerpause den Bahnchef ablöste. Nun also ein Neustart mit Evelyn Paller. Und an diesem Tag will außerdem Patrick Schneider die neue Eigentümerstrategie. für die Bahn vorstellen. Seine klare Mission für die neue Chefin lautet, pünktlicher, sauberer, sicherer und zuverlässiger soll die Bahn werden. Und zugleich soll die neue Chefin die Milliarden aus dem Sondervermögen schneller auf die Schiene bringen. Wird also jetzt alles besser? Nun ja, einige sind doch skeptisch. Auch im Bahnaufsichtsrat gibt es Unmut. Denn Patrick Schneider hat noch die eine oder andere Personalie vor. Wie wir gestern auch im Berlin Table berichteten, soll der Professor für Mobilität aus Frankfurt, Professor Dirk Rompf, der neue Chef der Infrastruktursparte, sein immerhin die entscheidende Tochtergesellschaft mit fast 70.000 Mitarbeitern, die eben für das Schienennetz verantwortlich ist. Der Mann war allerdings schon mal Infrastrukturschef unter einem gewissen Vorstand Ronald Profaller und hat sich mit dem einen oder anderen Gewerkschafter kräftig angelegt. Also ob alle diese Personalpläne wirklich am Ende umgesetzt werden und was Patrick Schneider wirklich vorhat, Können Sie im Berlin-Table bei uns nachlesen und heute um 10 Uhr in der Bundespressekonferenz live verfolgen, wenn der Verkehrsminister seinen Plan vorlegt. Was sagt die Opposition zu dieser neuen Personalie und was verlangen eigentlich die Grünen beim Thema Deutsche Bahn? Das haben wir mit dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag besprochen, dem ehemaligen hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Einen schönen guten Tag, Herr Al-Wazir.
Sprecher 2: Guten Tag.
Sprecher 3: Die Bahn bekommt erstmals in ihrer Geschichte eine Frau als Chef. die bisher die Regio-Aktivitäten verantwortet hat. Was halten Sie von Evelyn Palla?
Sprecher 9: Ja, ich kann ihr nur viel Glück wünschen. Sie kennt die Bahn von innen. Sie hat auch mal bei den österreichischen Bahnen gearbeitet, die ja deutlich besser funktionieren als die Deutsche Bahn. Und ich kann ihr nur sagen, toi toi toi. Gleichzeitig gehört zur Wahrheit natürlich dazu, wenn das Grundproblem nicht gelöst wird und das ist einfach die Tatsache, dass Deutschland in den letzten 30 Jahren insgesamt viel zu wenig in die Infrastruktur investiert hat, in die Sanierung investiert hat, in den neuen Ausbau bei der Bahn. Wenn das nicht gelöst wird, dann könnten Sie Batman oder in dem Fall jetzt Batgirl zur Bahnchefin machen. Dann wäre das am Ende auch nur eine ganz normale Fledermaus. Also das Problem liegt viel, viel tiefer und das Problem muss dringend angegangen werden. Insofern ist die Bahnstrategie, die der Bundesverkehrsminister vorstellt, eigentlich wichtiger als die Personalie.
Sprecher 3: Was ist denn Ihre größte Baustelle? Das Geld ist ja eigentlich jetzt nicht nur durch das Sondervermögen Infrastruktur, sondern auch durch die gestiegenen Etatanmeldungen für den Herrn Schneider und sein Ressort ist doch eigentlich da für die Bahn.
Sprecher 9: Schön wär's. Die Vorgängerregierung hat die Bahninvestitionen um 80 Prozent erhöht. Und das Verrückte ist, obwohl die neue Regierung mehr Geld zur Verfügung hat als jemals zuvor, ist unter dem Strich vorgesehen, dass die Mittel für die Bahn ab 2027 wieder sinken. Und das kann nicht sein.
Sprecher 3: Jetzt zählen Sie aber nur den Kernhaushalt da ein.
Sprecher 9: Ja, Herr Burger, das Problem ist ein bisschen, es ist tiefste Haushaltstechnik, aber ich versuche es mal ganz einfach. 15 Milliarden im Sondervermögen pro Jahr sehen super aus. Wenn aber gleichzeitig im eigentlichen Haushalt dann der Verkehrsetat um 10 Milliarden sinkt, dann bleiben unterm Strich 5 Milliarden mehr übrig. Und das ist für alle Verkehrsträger zusammen. Und das führt schon im nächsten Jahr dazu, dass fertig geplante Neu- und Ausbauprojekte bei der Bahn nicht mehr finanziert sind.
Sprecher 3: Lars Klingbeil sagt, pro Jahr, dieses Jahr 1,5 Milliarden Euro mehr für die Bahn als im vergangenen Jahr. Dem Bahnkunde ist ja egal, ob es aus dem Sondervermögen kommt oder aus dem Kernhaushalt.
Sprecher 9: Ja, aber es wird am Ende nicht reichen. Und das genau ist das Problem. Es ist ja jahrzehntelang nicht mehr neu geplant worden. Und in den letzten Jahren ist endlich wieder neu geplant worden. Machen wir es konkret. Die Neubaustrecke Mannheim-Frankfurt beispielsweise, die ist jetzt fertig geplant. Die ist jetzt baureif und sie steht auf der Kippe, weil der Bund sie nicht finanzieren kann. Und das ist angesichts der Tatsache, dass ein Sondervermögen zur Verfügung steht in einem nie dagewesenen Umfang. Völlig unerklärlich, beziehungsweise man kann es erklären, aber das muss schwarz-rot dringend ändern, weil die Menschen werden es nicht akzeptieren, wenn wir in zehn Jahren 500 Milliarden Euro Schulden mehr haben, aber die Infrastruktur immer noch nicht. noch nicht funktioniert.
Sprecher 3: Und wie viel mehr braucht die Bahn aus Ihrer Sicht als Oppositionspolitiker? Wie viele Milliarden mehr?
Sprecher 9: Die Bahn braucht ungefähr im Laufe der nächsten fünf Jahre etwa 15 Milliarden Euro mehr aus meiner Sicht. Und noch viel wichtiger ist, das gehört dazu, Stichwort Strategie, ist, dass die Finanzierungsregeln verändert werden. Es braucht einen überjährigen Eisenbahnfonds, wo die Bahnindustrie sich sicher sein kann, das ist jetzt in den nächsten zehn Jahren sicher. Und gleichzeitig klar ist, dass wenn man ein Projekt zu teuer einkaufen würde, dass man es auch mal ein paar Monate verschieben kann. Das ist bisher so, dass relativ viel von dem zusätzlichen Geld in Preissteigerungen geht. Das ist ja auch nicht im Sinne des Erfinders. Also Sie sehen, die Strukturreformen dahinter, die sind das eigentlich Wichtige.
Sprecher 3: 15 Milliarden Euro bis 2029 mehr, sagen Sie. Das ist genau das, was der Bundesverkehrsminister auch gerne mehr hätte und jetzt im Parlament vielleicht an Nachbesserungen auch reinbekommen, Fragezeichen.
Sprecher 9: Also unsere Unterstützung hätte er dabei, dann müsste sich allerdings die Union mal gegen Markus Söder durchsetzen, weil sowohl 5 Milliarden pro Jahr für die Mütterrente mit der Gießkanne als auch 5 Milliarden Euro mehr für gesenkte Gastrosteuer sind ja CSU-Herzenprojekte. Aber ich glaube, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, wenn man ihr sagt, wollt ihr Schulden machen für gesenkte Gastrosteuer oder wollt ihr Schulden machen für funktionierende Infrastruktur, bin ich mir sehr sicher, wie 90% der Leute antworten würden.
Sprecher 3: Einverstanden, Herr Albasir. Mal weg von den Geldern für die Infrastruktur, den Ausbau der Schienen. Manches bei der Deutschen Bahn scheint einfach aber auch vielleicht handgemacht zu sein. Nämlich, dass die Koordinierung offenbar der Bistros nicht funktioniert, dass ständig irgendwelche Fahrer ausfallen, dass Klimaanlagen nicht funktionieren, dass das WLAN nicht funktioniert. Das ist doch alles etwas, was man seit Jahren, sogar unter der Ampelregierungszeit, hätte aufräumen können, unabhängig vom Ausbau von Schienen.
Sprecher 9: Das stimmt. Das ist das Zweite. Das ist quasi das, was obendrauf passiert. Und auch dafür braucht es Strukturreformen in der Konzernstruktur. Die Bahn ist aufgespalten worden in sehr viele unterschiedliche Teile. Und da weiß der eine Teil nicht, was der andere macht. Ich kann Ihnen das sagen. Ich bin ja ein häufiger Bahnnutzer. Ich steige niemals ein ohne eine Flasche Wasser und eine Tüte Nüsse, weil ich nicht sicher sein kann, dass ich auf einer vier-, fünfstündigen Reise was zu trinken kriege. Das geht so nicht. Das werden die Leute ebenfalls nicht akzeptieren. Aber auch das gehört zur Strukturreform dazu. Die Bahn muss wieder funktionieren, im wahrsten Sinne des Wortes. Und deswegen kann ich nur sagen, da liegt noch viel Arbeit vor uns. Da liegt viel Arbeit vor dem Bundesverkehrsminister. Ich kann ihm nur sagen, beißt die Zähne zusammen, zieht die Reform durch, setzt sich durch, im Zweifel auch gegen Kanzler und Finanzminister, weil so geht es nicht weiter.
Sprecher 3: Welcher Pünktlichkeitswert ist akzeptabel aus Ihrer Sicht? Im Moment liegen wir im Fernverkehr bei 66.
Sprecher 9: Es gibt Dinge, für die kann die Bahn nichts. Wenn es einen Unfall gibt an einem Bahnübergang oder was auch immer, Aber wir waren mal, ich sage mal, zwischen 80 und 90 Prozent. Und das Ziel muss natürlich sein, irgendwann mal wieder über die 90 zu kommen. Jetzt will ich nicht träumen. Das wird nicht nächstes Jahr und auch nicht in zwei Jahren gelingen, aber 2035, wenn die Bahn 200 Jahre alt wird, da sollte es wieder heißen, pünktlich wie die Eisenbahn. So hat meine Oma früher zu mir gesagt, wenn ich pünktlich zu ihr kam. Wenn du das heute sagst, fangen alle an zu lachen. Zehn Jahre Zeit und dann soll es wieder heißen, pünktlich wie die Eisenbahn.
Sprecher 3: Ich bin bescheiden, noch zehn Jahre hin. Na gut, ein anderes Mobilitätsthema, lieber Alva, Sie müssen wir noch besprechen. Das Deutschlandticket ist immerhin geeint bei den Länderverkehrsministern. Es soll weitergehen, es wird allerdings ein bisschen teurer, 63 Euro. Ist das trotzdem ein Erfolg aus Ihrer Sicht?
Sprecher 9: Ja, das Gute ist, dass es jetzt endlich mal... Für einen längerfristigen Zeitraum die Zusage von allen gibt. Wir stellen es nicht in Frage. Das bietet eine große Chance, neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Vor allem die Jobtickets könnten eine große Chance sein, dann auch mehr Tickets zu verkaufen, wenn die Gewerkschaften das zum Teil ihrer Tarifforderungen machen, wenn Firmen das... Für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anbieten, dann ist das eine große Chance. Natürlich, Preiserhöhungen sind immer schmerzhaft. Aus meiner Sicht... sind 63 Euro für sehr viele Menschen tragbar, für viele aber auch nicht mehr. Und deswegen wäre aus meiner Sicht eine Weiterentwicklung im Sinne, dass wir ein Sozialticket anbieten für Menschen ohne eigenes Einkommen oder mit sehr geringem Einkommen, eigentlich die Lösung für das Problem, was wir gerade haben. Für jemanden, der gut verdient, der in der Metropole arbeitet und die Bahn benutzt, ist 63 Euro kein Problem. Für jemanden, der Wohngeld bezieht, ist 63 Euro ziemlich viel Geld und das genau ist der Unterschied.
Sprecher 10: Vielen Dank für dieses Gespräch und schönen Gruß.
Sprecher 9: Ja, gerne.
Sprecher 2: Mick, los geht's in eine neue Woche. War noch was?
Sprecher 3: Ja, ich wäre ja gerne am Wochenende statt in Osnabrück eigentlich lieber in München gewesen beim Oktoberfest, denn ich mag das ja schon, dieses bunte Treiben in München, Millionen Menschen in einem Zelt. Du bist wahrscheinlich kein großer Fan, oder doch?
Sprecher 2: Ich war da mit der natürlich gebotenen norddeutschen Skepsis, ob das denn wirklich irgendwie mein Ding ist, muss dann aber sagen, dass ich ähnlich ging es mir beim Karneval, als ich dann da war, das doch ziemlich lustig fand. Ich habe sogar einen Dirndl, du wirst es nicht glauben.
Sprecher 3: Ich habe meine Lederhose letztes Jahr auch noch gerne getragen, aber dieses Jahr, glaube ich, findet das Oktoberfest ohne mich statt. Obwohl, liebe Helene, es diesmal sicherer sein könnte als je zuvor. Denn natürlich gibt es wieder eine kleine Innovation auch bei diesen Wiesen. Und diesmal ist es eine App namens What3Words. Und irgendwie kann jetzt jeder, der diese App runterlädt, sich bis auf drei Meter genau orten lassen in diesem Oktoberfest von möglichen Sanitätern oder Hilfspersonen, wenn man mal doch die eine Maß zu viel getrunken hat, irgendwo in der Ecke liegt. Ein kleiner Check auf der App und schon sind die Sanitäter bei dir. Also das ist jetzt auch die neue Innovation auf dem Oktoberfest.
Sprecher 2: Ich weiß nicht, ob es nicht sinnvoller wäre, eine App zu machen für den Alkoholgehalt im Blut oder für die Menge an Alkohol, die man zu sich nimmt, als dass man dann wirklich auf den Sanitäter-Einsatz wartet. Aber da bin ich nun schon. Wieder sehr diszipliniert und preußisch unterwegs an diesem Montagmorgen. Aber das ist ja vielleicht auch jedenfalls um diese Uhrzeit richtig so.
Sprecher 3: Vielleicht hilft die App ja, den ein oder anderen Rettungseinsatz schneller zu ermöglichen oder die ganze Lage zu entschärfen. Immerhin, Helene, im vergangenen Jahr gab es fast 1800 Einsätze auf dem Oktoberfestgelände in den beiden Wochen. Das ist schon nicht nur ein großes Fest.
Sprecher 2: Und so haben wir am Ende feiern doch oft zwei Seiten. Sie sind schön und dann manchmal auch schmerzhaft.
Sprecher 3: Morgen hören wir uns hier wieder, 5 Uhr Table Today. Wir freuen uns auf Sie.
Sprecher 2: Tschüss.
Sprecher 11: Let's celebrate. There's a party going on right here. A celebration to last throughout the years. So bring your good times and your laughter too. We gonna celebrate your party with you. Come on now. Let's all celebrate and have a good time. We go celebrate and have a good time. It's time to come together. It's up to you. What's your pleasure?
Sprecher 12: It's a celebration.