Kommt die Agenda 2030 doch noch?
Die neue Koalition aus Union und SPD ringt noch um konkrete Reforminhalte. Kanzleramtschef Thorsten Frei lehnt höhere Erbschaftssteuern ab. Im Gespräch mit Michael Bröcker sagt Frei, „das machen wir mit Sicherheit nicht, denn das wäre völlig falsch.“ Frei hat ein weiteres Mal klargemacht, dass es in der Koalition um die Suche nach Kompromissen geht. Man müsse ein Gefühl dafür haben, was man dem jeweils anderen zumuten könne.
[06:01]
Die Cancel Culture erreicht eineneue Dimension in den USA und Deutschland
ABC nimmt Jimmy Kimmel nach einem Trump- und MAGA-Scherz aus dem Programm.
Auch in Deutschland wird nach wie vor die Absetzung von Moderatorin Julia Ruhs durch den NDR diskutiert. CSU-Chef Markus Söder hat kein Verständnis. Er spricht von „selbsternannten Toleranzwächtern, die immer Pluralität und Toleranz und Meinungsvielfalt meinen, aber eigentlich nur ihre sagen wollen.”
[01:57]
Auf der World Space Business Week in Paris wird deutlich, wie Sicherheitsfragen das Raumfahrtgeschäft dominieren. Militärische Investitionen übersteigen erstmals die zivilen Ausgaben mit 73 Milliarden Dollar weltweit, berichtet Thorsten Kriening, Publisher und CEO von SpaceWatch.Global.
Europa kämpft um strategische Souveränität gegen die Dominanz von SpaceX und China. ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher sieht Europa auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit durch die Ariane-6-Rakete.
[13:13]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: In den USA erreicht die Cancel Culture von rechts einen neuen Höhepunkt. ABC setzt die sehr beliebte Talkshow Jimmy Kimmel auf Druck der Regierung ab. Nachdem der Talkmaster einen aus meiner Sicht ziemlich harmlosen Scherz auf Kosten von Donald Trump gemacht hat. Und auch hierzulande geht die Diskussion um Medien und Meinungen hoch her. Bei der Geburtstagsfeier der Initiative Neue Sozialmarktwirtschaft gestern hier in Berlin äußerte sich der CSU-Chef Markus Söder zur Causa Julia Roos. Gleich mehr dazu. Eine Koalition der Reform will sie inzwischen werden. Vom Herbst der Reform soll es zum Frühling und dann zum Sommer der Reform gehen. So hat es Friedrich Merz dieser Tage im Bundestag angekündigt. Was haben die denn da jetzt wirklich vor? Was kommt, was kommt nicht? Irgendjemand in der Union muss doch diesen Masterplan haben. Vielleicht Thorsten Frei, der Chef des Kanzleramts. Wir haben gestern mal nachgefragt. Das Who is Who der Weltraumbranche versammelt sich diese Woche bei der World Space Business Week in Paris. Was die Themen der Raumfahrt sind, welche Rolle Europa dabei spielen könnte und ob es eigentlich Sicherheitsfragen oder doch das harte, schnöde Business ist, was dort interessiert, das fragen wir gleich unseren Kollegen Thorsten Kriening, der vor Ort ist. Und zum Schluss ein Blick auf das womöglich wichtigste Fußballspiel des Jahres. Am Dienstag spielen die FV Wannsee Allstars, sponsert bei Table Briefings, gegen den FC Bundestag. Nicht nur einige Koryphäen hier aus der Table, Redaktion aus dem Table Verlag sind dabei, sondern mit mir spielt im Sturm ein gewisser Micky Beisenherz. An dieser Stelle herzlichste Grüße. Er sagt uns gleich, wie er angespielt werden möchte. An diesem Freitag, der 19.09. Auf geht's!
Sprecher 3: Wir hatten some new lows over the weekend with the MAGA gang desperately trying to characterize this kid who murdered Charlie Kirk as anything other than one of them and doing everything they can to score political points from it. In between the finger pointing, there was grieving. On Friday, the White House flew the flags at half staff, which got some criticism.
Sprecher 2: Homeloser könnte Satire eigentlich gar nicht sein. Doch dieser Witz auf Kosten von Donald Trump könnte der entscheidende gewesen sein, warum der Sender ABC angeblich auf Druck der Regierung einen der beliebtesten Talkshow-Hosts abgesetzt hat. Jimmy Kimmel plötzlich nicht mehr auf dem Sender. Das führt zu aufgeregten Debatten in den USA. Und manch einer sieht die Meinungs- und Pressefreiheit in der größten Demokratie der Welt inzwischen ernsthaft in Gefahr. Auch hier in Deutschland wird weiter munter über Julia Roos diskutiert. Die ehemalige, muss man jetzt sagen, NDR-Moderatorin, die angeblich zu konservativ für ihren Sender war. Was ist hier los? Die Kritik am öffentlich-rechtlichen System wird immer schärfer. Der CDU-Generalsekretär hat gestern in die Debatte geworfen, den Beitrag bis auf weiteres einzufrieren, bis ernsthafte Reformen im System stattfinden. Rechts gegen links. Man muss fast sagen, oben gegen unten. Was ist hier eigentlich los? Die Schützengräben, die ideologischen Schützengräben sind tief besetzt. Einer, der die Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk in sich trägt und sie sich auch gestern nicht verkneifen konnte, ist Markus Söder, der CSU-Chef. Er war gestern zu Gast bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert hat. Und auf der Bühne hat er im Gespräch mit mir ziemlich klare Worte gefunden, was er vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwartet. Hören wir mal kurz rein. Haben Sie eigentlich auch bei dem Thema Julia Russe als Haus- und Hofsender Bayerischer Rundfunk im Hintergrund darauf hingewirkt, dass sie wenigstens beim Bayerischen Rundfunk bleiben darf?
Sprecher 4: Also erstens einmal sind die Zeiten, wo der Bayerische Rundfunk diesen harter Arbeit in den Ruf verteidigen konnte, lange leider vorbei.
Sprecher 2: Sie können da keinen mehr anrufen lassen, der hilft.
Sprecher 4: Nein, nein, nein. Echt? Vorbei? Wirklich vorbei?
Sprecher 2: Kann ich mir gar nicht vorstellen.
Sprecher 4: Ja, ja, ja, auch da gibt es Veränderungsprozesse. Wir haben so viele Norddeutsche bei uns mittlerweile. Das ist alles. Hat sich alles verändert, alles besser geworden.
Sprecher 2: Die machen freies Programm einfach?
Sprecher 4: Ja, ja, das ist anders als woanders. Bei uns gibt es Pluralität. Sie müssten aber das beide schon Programm sehen, war immer schon so. Wir haben da mehr kritischen Journalismus. Auch der Ministerpräsident wird da immer völlig zu Unrecht. Ja, ja, ja. Unglaublich. Aber das geht ja nicht um die Frage, es geht um etwas anderes. Also, wenn ich mir das genau anschaue, und das ist das erste Mal, seit es glaube ich zwei Jahren, dass ich mit Daniel Günther einer Meinung bin, insofern hat Frau Ruse einen großen Integrationsfaktor innerhalb der Union auf den Weg gebracht. Ich kenne Sie, ich habe Sie schon als Volontärin kennengelernt. Ich war mal bei einer Talkrunde, da war sie Volontärin. Sie ist mir auch aufgefallen mit einem sehr präzisen Verstand und Analyse. Also das, was der NDR macht, finde ich schon krass. Wissen Sie, was ich auch, ich finde vor allem, Dies als selbsternannten Toleranzwächter, die immer Pluralität und Toleranz und Meinungsvielfalt meinen, aber eigentlich nur ihre sagen wollen. Und wenn dann jemand anderer Auffassung ist und es vielleicht auch qualifiziert tut und vielleicht sogar so tut, dass man damit standhalten kann, dann wird einfach versucht, sozusagen das Sender abzudrehen. Das bedient ja auch Narrative. Ich warte nur drauf, dass bei der nächsten Sicherheitskonferenz der US-Vizepräsident dies wieder als Beispiel nimmt für Einschränkung von Freiheit. Ich kann Ihnen nur sagen, schwerer Fehler vom NDR, aber das muss in den Rundfunkrat diskutiert werden. Jemand abzuschalten, weil er ihm nicht passt, ist weder in Ordnung bei anderen Parteien, aber auch nicht, wenn jemand mal konservativ ist. Das finde ich unangemessen, sollte der NDR.
Sprecher 5: Haben wir das Thema aufgeklärt?
Sprecher 6: Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn wir über die soziale Marktwirtschaft sprechen, Auch das erfolgreichste Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell muss sich im Grunde genommen immer wieder neu erfinden.
Sprecher 2: Auch Thorsten Frei, der Kanzleramtschef, war zu Gast bei der Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt. Und er musste natürlich uns allen erklären, wie das jetzt weitergeht mit dem Herbst der Reform, was wirklich geplant ist und ob das Grillfest am Dienstagabend zwischen Union und SPD die Stimmung aufgelockert hat und ob sich die Koalitionäre bei Bratwurst und Bierchen vielleicht auf das eine oder andere verständigt haben, was sie jetzt hier wissen sollten. Hören wir mal rein, was Thorsten Frei zu sagen hatte. Soziale Marktwirtschaft ist eine Balance zwischen einer anreizorientierten marktwirtschaftlichen Politik und einer sozialen Verteilung. Wo würden Sie sagen, ganz konkret in den anstehenden Reformen, über die wir jetzt seit Wochen und Monaten diskutieren, hat sich der Sozialstaat zu sehr in den Vordergrund gesetzt, ist zu dominant geworden, da müssen wir ran?
Sprecher 6: Also der Staat ist insgesamt zu dominant geworden, nicht nur der Sozialstaat.
Sprecher 2: Das unterschreiben die Sozialdemokraten ja auch. Ich versuche herauszufinden, was wirklich kommen könnte. Ja klar, also ich finde, das ist halt ein schmaler Grat.
Sprecher 6: Auf der einen Seite der beschützende Staat, den kann man ja unter soziale Marktwirtschaft fassen. Und auf der anderen Seite der Staat, der eben dann schon übergriffig wird. Und da muss man... glaube ich, den richtigen Weg finden.
Sprecher 2: Wo ist er übergriffig? Wo konkret?
Sprecher 6: Also im sozialen Bereich, schauen Sie mal, wenn man jetzt mal von den letzten Jahren absieht, dann haben wir praktisch jedes Jahr Wirtschaftswachstum gehabt. Und deswegen, der Sozialstaat wäre ja auch gewachsen, wenn er nur so stark gewachsen wäre wie die Wirtschaft. Ist er aber nicht. Die Sozialquote ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Und wir werden uns jetzt in den nächsten Wochen mit dem Thema Bürgergeld, respektive Grundsicherung beschäftigen und auseinanderzusetzen haben. Und da werden wir die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft nicht zur Disposition stellen, denen zu helfen, die wirklich die Hilfe des Staates und der Gesellschaft brauchen. Aber ich bin sicher, dass das nicht 5,5 Millionen Menschen in Deutschland sind.
Sprecher 2: Wir haben sehr viel über das Bürgergeld diskutiert in den vergangenen Monaten. Ist inzwischen in der Koalition vielleicht auch die Erkenntnis gewachsen, dass die großen Reformbaustellen Gesundheit und Rente zu wenig in den vergangenen Monaten, vielleicht sogar auch in den Koalitionswahlen diskutiert wurden und da am Ende der ganz große Konflikt zwischen Union und SPD noch entstehen könnte, weil er vorher nicht ausgeräumt wurde?
Sprecher 6: Nein, das glaube ich nicht. Also weil die Probleme und Herausforderungen, die sind einigermaßen klar. Die sind übrigens auch sehr unterschiedlich. Also im Bereich der Pflegeversicherung, glaube ich, sollte man sich keine allzu großen Illusionen machen. Das wird alles teurer werden. Ich will aber auch das Gegenstück sagen. Im Bereich der Gesundheit bin ich davon überzeugt, Zeugt, dass wir gerade kein zusätzliches Geld brauchen. Wenn wir heute 1,5 Milliarden Euro jeden Tag für Gesundheit ausgeben, dann ist es das absolute Maximum. Eigentlich ist es zu viel im Verhältnis zu dem, was unsere Gesellschaft tatsächlich zur Verfügung stellen kann.
Sprecher 2: Das heißt, Sie sagen, der Beitragssatz muss in den nächsten vier Jahren gleich bleiben. Wir müssen die Finanzierung im System reinholen.
Sprecher 6: Davon bin ich absolut überzeugt.
Sprecher 2: Das ist ja was anderes, als dass Sie es in der Koalition verankert bekommen. Überzeugung alleine reicht in dieser Koalition nicht, Herr Frey.
Sprecher 6: Ja, es ist aber vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man schon mal die richtige Überzeugung hat.
Sprecher 2: Die Frage ist, ob man sich darauf vereinbaren kann. Die 40-Prozent-Grenze hat es nicht in die Koalitionsvertrag geschafft. In den vorherigen Koalitionsverträgen war sie drin, auch in großen Koalitionären.
Sprecher 6: Wir liegen jetzt bei 41,9 Prozent und wenn wir nicht tun, dann liegen wir zum Ende der Legislaturperiode bei 45 Prozent. Aber das ist keine Perspektive für uns.
Sprecher 2: Die Agenda für Frau Wagen ist klar und Frau Baas muss auch ihre Vorschläge aus der Rentenkommission früher vorlegen als bisher geplant.
Sprecher 6: Ja, man muss ja unterscheiden. Wir haben einige Reformkommissionen auf den Weg gebracht, wobei die teilweise schon Anfang des nächsten Jahres ihre Ergebnisse vorlegen werden. Zwischenergebnisse gibt es teilweise schon schneller. Und es gibt bestimmte Dinge, da wissen wir heute schon, was notwendig ist. Das muss dann auch schneller in Angriff genommen werden, damit wir so schnell als möglich gegensteuern können.
Sprecher 2: Letzte Frage, Herr Frey, Sie haben sich die... Diese Tage mit den Koalitionsfraktionen getroffen zum Grillen, zum Kennenlernen erneut. Manche sagen Therapiesitzung. Waren Sie eigentlich dabei oder hatten Sie einen Termin im Wahlkreis?
Sprecher 6: Das war jetzt schon an der Grenze zur Unverschämtheit.
Sprecher 2: Nein, das war leicht frech. Ich weiß ja, dass Sie darauf lächelnd antworten. Ich kann ja nicht dazu fragen zum Termin, wenn ich nicht weiß, ob Sie da waren.
Sprecher 6: Ich war da.
Sprecher 2: Okay, deswegen jetzt die Frage, wenn man da so zusammenkommt, entsteht da ein gemeinsames Erkenntnis nach dem Motto, wir brauchen irgendwann in diesen nächsten ein, zwei Jahren diesen Schröder-Moment oder gibt es das bei den Sozialdemokraten gar nicht, dass man den bräuchte?
Sprecher 6: Ich glaube, Schröder-Moment wäre der falsche Begriff. Das ist mein Eindruck. Deswegen, da muss man eben sorgsam sein. Und am Ende zählt das Ziel, nicht das Etikett. Es ist natürlich schon auch immer wichtig, ein gemeinsames Verständnis von den Herausforderungen zu bekommen. Auch ein Gefühl dafür, was man dem jeweils anderen zumuten kann. Ich will das mal ganz ausdrücklich so sagen, weil Sie können natürlich beklagen, ob jetzt beim Koalitionspartner oder auch in der eigenen Partei. Man kann das beklagen, zu sagen, der andere ist noch nicht weit genug. Ja, wenn er nicht weit genug ist, dann muss ich trotzdem damit umgehen, muss ihn dort abholen, wo er ist. Denn alles andere bringt am Ende nichts. Wir können keine Entscheidungen per ordre de mufti treffen. Wir haben keine Mehrheit im Deutschen Bundestag. Und selbst in der Regierung können wir Dinge nicht machen. nur durchsetzen, wenn es gelingt, die Regierungsfraktionen von der Richtigkeit zu überzeugen.
Sprecher 2: Und am Ende kommt der Kompromiss, die Union schweren Herzens besteuert Erben höher und die Sozialdemokratie macht schmerzhafte Sozialdemokratie.
Sprecher 6: Nein, das machen wir mit Sicherheit nicht, denn das wäre ja wirklich falsch. Aber auf der anderen Seite darf man den Kompromiss natürlich auch nicht kaputt reden, weil die Demokratie wird ohne den Kompromiss nicht funktionieren. Und ich meine, ich könnte ja auch mal umgekehrt einen Schuh draus machen. Also wir haben für unser Programm geworben. Und wir hätten das auch durchgesetzt, eins zu eins, wenn wir eine absolute Mehrheit bekommen hätten. Wir waren leider nicht stark genug. Wir haben 28,5 Prozent bekommen. Und wir machen jetzt das Maximale in unserem Programm, was man für diese 28,5 Prozent kriegen kann. Das ist halt auch eine Realität, mit der man umgehen muss. Ich habe aber vor der Wahl nichts anderes gesagt. Niemand kann erwarten, dass man mit 28,5 Prozent das gesamte Wahlprogramm umsetzen kann. Und diese Illusion haben wir auch bei niemandem geweckt.
Sprecher 2: So anstrengend ist die Demokratie. Vielen Dank, Herr Minister Frey, dass Sie heute hier waren. Vielen Dank, Thorsten Frey. Danke. Heute geht in Paris die World Space Business Week zu Ende. Es ist das Event einer boomenden, wachsenden Space-Branche auch in Europa. Seit über 20 Jahren führt Nova Space, eine Beratungsfirma im Weltraumsektor, diese Veranstaltung durch. 1400 Führungskräfte von SpaceX bis zur ESA versammeln sich in Paris. Es geht natürlich um das Geschäft, um Business, aber es geht zusehends immer auch um Sicherheitsfragen und Verteidigungsfragen im All. Unser Kollege aus dem Research Table, Thorsten Kleening, ist vor Ort und kann uns sicherlich mehr dazu sagen. Hallo Thorsten, schön, dass du bei uns im Podcast bist.
Sprecher 7: Michael, hallo aus Paris.
Sprecher 2: Hallo nach Paris. Thorsten, zunächst mal die Stimmung in der Branche, in der Raumfahrtsbranche. Ist die ähnlich optimistisch und euphorisch, wie wir das Gefühl haben durch diese neue Bedeutung dieser Branche?
Sprecher 7: Raumfahrt geht immer. Und die Stimmung ist in der Branche in diesen Jahren wirklich sehr optimistisch. Getrieben allerdings aus Sicherheitsaspekten.
Sprecher 2: Aber das ist ja die wichtigste Frage. Ist die Raumfahrtindustrie zunächst ein wirkliches Wirtschaftsbetätigungsfeld, Kommunikationssoliden, man kann damit Geld verdienen oder ist es eigentlich inzwischen eine Sicherheitsfrage und man verdient zusätzlich nebenbei damit Geld?
Sprecher 7: Guter Punkt. Vor zwei Jahren haben sich die beiden Linien der Spending, also der Ausgaben im Bereich Raumfahrt getroffen. Mittlerweile, jetzt 2024, haben wir, um dann ein paar Zahlen in den Raum zu werfen, 70 Milliarden US-Dollar, die in die Raumfahrt militärisch investiert werden. Weltweit oder von der US? Weltweit, weltweit. Dem gegenüber stehen 62 Milliarden auf der zivilen Seite. Das heißt, wir haben dort einen absoluten Uplift bekommen. Und der militärische Bereich, nicht nur in den USA, weltweit, auch in Europa und vor allen Dingen jetzt auch dann bald in Deutschland, zieht die Branche nach oben.
Sprecher 2: Wohin geht das Geld?
Sprecher 7: Es ist Hardware im All, das sind Satelliten, die können Erdbeobachtung machen, die können vor allen Dingen die Sicherheitslage im All auch überwachen, ein Riesenthema, das nennt sich Space Situational Awareness oder Space Domain Awareness, dass man weiß, was da oben passiert überhaupt und demzufolge dann auch Sachen wie In-Orbit. Servicing, also dass man zum Beispiel Satelliten betanken kann oder so, oder auch Satelliten wieder aus dem All sauber entfernen kann oder das ganze Thema Weltraummüll angehen kann, das sind Themen. Das braucht natürlich Raketen. Und da ist Deutschland dabei, Europa ist da. Gott sei Dank mit der Ariane 6 jetzt wieder aufgestellt, dass wir selber ins All fliegen können, aber die Frequenz der Flüge, die muss natürlich noch unheimlich nach oben gehen und genau auf diesem Bereich wird auch hier hingearbeitet, also dieses Übergreifen. greifende Thema der Souveränität Europas im Zugang zum All und in der Nutzung der Dienste, dass wir uns nicht abhängig machen von russischen Anbietern, Staatanbietern und auch zunehmend von amerikanischen Staatanbietern. Also SpaceX spricht mittlerweile von täglichen Flügen ins All, wo sie hinarbeiten. Und wenn du reinschaust, was Ariane 6 in diesem Jahr schon geflogen ist, dann reicht eine Hand.
Sprecher 2: Ist überhaupt noch die Frage zu beantworten, what's in it for Europe angesichts der Dominanz der Amerikaner und der Chinesen?
Sprecher 7: Europa ist dabei, und zwar ganz massiv, seine eigene Nische zu finden. Das wird man auch sehen. Am Ende des Jahres gibt es die ESA-Ministerial-Konferenz in Bremen in diesem Jahr. Da geht es darum, wie viel Geld kriegt die ESA als die führende Weltraumagentur in Europa, um vornehmlich zivile oder ausschließlich zivile Projekte umzusetzen, die aber natürlich auch durch diesen... Dual-Use-Charakter in die militärische Raumfahrt durchaus ausstrahlen. Also ja, Europa ist dabei, seine eigene Nische zu finden und wir müssen uns nicht verstecken. Wir sind in verschiedenen Bereichen, sind wir führend. Also was Erdbeobachtung angeht, ist Europa sehr, sehr weit mit da vorne.
Sprecher 2: Thorsten Kiening, unser Kollege vom Research Table. An dieser Stelle der Werbeblock. Der Space Table ist inzwischen elementarer Bestandteil unseres Forschungsbriefings geworden. Vielen Dank und wer Interesse und Lust hat, da reinzulegen. Lesen table.media slash research. Vielen Dank für deine Einschätzung live aus Paris. Sehr gerne. Danke dir. Auch in Paris vor Ort ist der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation, der ESA, Josef Aschbacher. Unsere Kollegin Wilhelmine Stenglin vom Security Table, unserem sicherheitspolitischen Briefing, wollte von ihm natürlich auch wissen, ob Europa im Weltraum überhaupt noch konkurrenzfähig ist und was diese Nische sein könnte, von dem der Kollege da gerade gesprochen hat. Hören wir mal rein.
Sprecher 8: Seit dem Erststart von Ariane 6, das war im Juli 2024 und mittlerweile haben wir drei Starts durchgeführt, haben wir wieder unseren eigenen garantierten Zugang zum Weltraum durch die Ariane 6, aber auch durch die mittelgroße Rakete MGC. Das heißt, hier haben wir die Abhängigkeit eigentlich reduziert und wir haben wirklich unseren eigenen, unabhängigen, garantierten Zugang zum Weltraum durch unsere eigenen Raketen. Und das ist für Europa natürlich essentiell. Es geht sogar so weit, dass Amerika und hier Amazon 18 Starts von Ariane 6 gekauft hat, weil Amazon mit uns fliegen will. Das heißt, wir haben hier wirklich Starter-Ressourcen angeboten an amerikanische private Firmen. Aber wie Sie richtig sagen, dominiert PSX natürlich auch den Launcher-Sektor und den, wir nennen das Breitband, Internet-Sektor durch Starlink. Und das ist nach wie vor natürlich eine Entwicklung, die wir natürlich sehr kritisch... beobachten und natürlich uns überlegen, was muss Europa tun, um diese strategische Unabhängigkeit Europas zu bewirken und was müssen wir an Programmen und Projekten durchführen in Europa.
Sprecher 9: Sie haben angekündigt, dass die ESA mehr in die Verteidigung investieren will. Da ist bei einigen erstmal sozusagen, gab es Fragezeichen, weil in der Konvention zur Gründung der ESA steht, dass sie ausschließlich für friedliche Zwecke arbeiten soll. Wie passt das aus Ihrer Sicht zusammen?
Sprecher 8: Ja, das ist ganz richtig, wie Sie das erwähnen. Wir hatten eine sehr gründliche und tiefgreifende Diskussion mit unseren Mitgliedsländern, was die ESA-Konvention erlaubt oder nicht erlaubt. Und das ist mittlerweile wirklich ganz klar geklärt. Wir machen das ja bereits seit vielen Jahren. Ich erwähne das Beispiel Galileo PRS-Signal, dass er wirklich das Signal ist, das im Laufe dieses Jahres zur Verfügung gestellt wird, das für die Verteidigungsministerien oder die Nutzer im Verteidigungsbereich verwendet werden wird. Das ist ja genau der Bereich, den wir als ESA bereits entwickelt haben. Wir haben auch viele andere Projekte, die wir im Sicherheits- und Verteidigungsbereich verwenden. Weltraum ist ja... Bei Definition Dual Use, das heißt, wird verwendet sowohl von Zivilen als auch von militärischen Nutzern. Insofern ist das eine Diskussion, die sehr wichtig war, aber die auch geklärt hat, dass wir im Verteidigungsbereich arbeiten können. Im Gegenteil, ich habe sogar den Auftrag bekommen von meinen Mitgliedsländern, neues Programm zu initiieren, das nennt sich European Resilience from Space, um hier ein System gemeinsam mit der Europäischen Kommission und natürlich den Mitgliedsländern aufzubauen, das verwendet werden wird, um Intelligenz, auch Aufklärungsdaten zu beschaffen, global in relativ guter Auflösung, den hoher Aufnahmefrequenz, damit Europa und unsere Nutzer in Europa einfach Bescheid wissen, was passiert wo auf der Erde, gerade auch um sich besser positionieren zu können und auch für Verteidigungszwecke anwenden zu können.
Sprecher 2: Wir müssen über die wichtigste Hauptsache des Lebens reden, nämlich über Fußball. Am kommenden Dienstag beim FV Wannsee treffen die Allstars auf den FC Bundestag. Es ist das inoffizielle Rematch nach der grandiosen Niederlage des FC Bundestag gegen eine Medienmannschaft. Und bei mir im Sturm ist der Totos Gilacci des deutschen Journalismus die ultimative Speerspitze. Der Mann, der links wie rechts kann, Micky Beisner. Hallo, schönen guten Tag, Micky.
Sprecher 10: Ich grüße dich ganz herzlich. Thanks for having me, sagt man an dieser Stelle.
Sprecher 2: Kannst du eigentlich wirklich links wie rechts?
Sprecher 10: Das ist tatsächlich eine der ganz wenigen Dinge, die ich wirklich kann. Also ich kann mit links flanken und schießen.
Sprecher 2: Du wirst in der Sturmspitze auflaufen gegen den FC Bundestag an diesem Dienstag. Zweimal 30 Minuten kannst du durchhalten. Schaffst du das?
Sprecher 10: Du merkst jetzt gerade meine erste Enttäuschung, dass es nur zweimal 30 sind. Ich dachte, wir spielen einfach zweimal 45. Ich versuche ja dir die ganze Zeit begreiflich zu machen, dass ich gar nicht im Sturm spielen möchte, sondern ich freue mich eigentlich immer mehr, wenn ich das Spiel ein bisschen mehr vor mir habe. Aber das begreifst du ja nicht.
Sprecher 2: Also ich habe gehört, der Star des FC Bundestag ist Tim Klüssendorf. Der SPD-Generalsekretär soll ehemals sehr hochklassig gespielt haben, spielt vorne links, Stürmer und soll wirklich gut sein.
Sprecher 10: Da ist ja schön, dass er damals hochklassig gespielt hat.
Sprecher 2: Vielen Dank, Micky, für deinen kurzen Auftritt hier bei uns. Wir freuen uns am Dienstag um 18.30 Uhr beim FV Wannsee an der Alslebenstraße. Der Eintritt ist selbstverständlich frei. Wir freuen uns. Wir freuen uns auf ganz viele Zuschauer. Wir sammeln für den guten Zweck, für die Kinderkrebshilfe. Es wird ein wunderbares Fußballfest. Und Micky vorne mit dabei. Danke für deinen Besuch hier bei uns. Und viel Spaß noch bei Aprofica, dem Podcast unser aller Herzen.
Sprecher 11: It's coming. Football's coming home.
Sprecher 2: Das war unser kleiner Ausflug in die Benefits-Fußballwelt. Aber natürlich haben wir morgen für Sie auch noch einen inhaltlich schweren Podcast zu bieten, nämlich die CEO-Edition von Table Today. Morgen ab 5 Uhr und wir haben zwei sehr spannende Vorstandsvorsitzende für Sie im Angebot. Die durchaus was zu sagen haben. Einerseits der Staatsbanker Nummer 1, wenn man so will. Der Chef der Kreditanstalt für Wiederaufbau, Stefan Windels, ist im Gespräch mit Alexander Wiedmann. Und wir reden mit Thomas Lemke, den Chef der Sana-Kliniken, einen der größten Klinikbetreiber in Deutschland, über die Krankenhausreform, über mögliche Einsparungen im Gesundheitssystem und warum dieses System so teuer ist, wie aber alle gar nicht wirklich gesünder sind. Als unsere europäischen Nachbarn. Morgen ab 5 Uhr in Ihrem gewohnten Kanal. Wir hören uns dann am Montag wieder. Ich wünsche ein schönes Wochenende. Bis dahin. Ciao, ciao.
Sprecher 11: It's coming home. It's coming. Football's coming home. It's coming home. It's coming home. It's coming. Football's coming home. It's coming. It's coming. Football's coming. It's coming. It's coming. What's coming? It's coming. Three lines on a shirt. It's coming. Choose where they still believe. It's coming. 30 years of hurt. It's coming. Never stopping. Dreaming. It's coming. Three lines on the shirt. It's coming. Choose where they still believe. It's coming. 30 years of hurt. It's coming. Never stopping. Dreaming. It's coming. Three lines on the shirt. It's coming. Choose where they still believe. It's coming. 30 years of hurt. It's coming.