Sind die öffentlich-rechtlichen Medien zu links?
Eine neue Mediendebatte entzündet sich am ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen und der Moderatorin Julia Ruhs. Theveßen wird für ungenaue Zitate über den US-Aktivisten Charlie Kirk kritisiert. Helene, Michael und der Journalist Marvin Schade diskutieren über Haltung und Verpflichtungen von Journalisten.
[06:45]
Der NDR hat die Zusammenarbeit mit Ruhs nach internen Vorwürfen beendet, sie sei zu konservativ. Ruhs wehrt sich gegen die Kritik im Gespräch mit Michael Bröcker.
[18:38]
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt in der Generaldebatte im Bundestag Reformen an, aber er wird nicht konkret. Helene und Michael diskutieren den Auftritt des Kanzlers.
[01:03]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Schlagabtausch im Bundestag. Bei der Generaldebatte spricht Kanzler Merz wieder mal vom Herbst der Reformen und kündigt auch Reformen an, aber bleibt ziemlich vage. Und auch deshalb geht die Opposition hart mit ihm ins Gericht.
Sprecher 3: Ist die Pressefreiheit in den USA in Gefahr oder ist es auch an der Zeit, dass wir Journalisten uns mal Kritik stellen müssen? Und ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk hier in Deutschland eigentlich zu links? Die Diskussion um den ZDF-Korrespondenten Elmar Thewissen und die NDR-Moderatorin Julia Roos lösen eine neue Mediendebatte aus. Wir sprechen mit Julia Roos gleich hier und mit einem Medienjournalisten.
Sprecher 2: Und zum Schluss müssen wir über unseren neu entdeckten Nachbarn reden, der uns seit ungefähr 60 Jahren unbemerkt begleitet. Seien Sie gespannt an diesem Donnerstag, den 18. September.
Sprecher 4: Unser Land steht in diesem Herbst vor wichtigen Entscheidungen. Und wir alle spüren, die Entscheidungen, die vor uns liegen, gehen nicht um Details, sondern sie gehen um sehr Grundsätzliches. Es geht um nicht mehr und um nicht weniger als um die Zukunft unseres Landes, wie wir leben, wie wir zusammenleben. Wie wir arbeiten, wie wir wirtschaften und ob unsere Werte weiterhin Bestand haben.
Sprecher 3: Die Regierungserklärung des Bundeskanzlers gestern im Deutschen Bundestag, man kann sie eigentlich so zusammenfassen, Helene, alles wird gut, vertraut mir, aber gebt mir doch bitte noch ein bisschen mehr Zeit.
Sprecher 2: Es war eine Rede, die sehr stark erinnerte an Angela Merkel oder an Olaf Scholz. Es war bedächtig, es war ein Bitten um Geduld, es war in den Aussichtstellen von Reformen. Es war aber auch ein ziemlich vage Bleiben. Insofern war an der Kritik von Katharina Dröge schon was dran.
Sprecher 5: Wir haben heute die Rede des Bundeskanzlers Friedrich Merz gehört. Ich habe mich allerdings gefragt, was Herr Merz, hätte wohl der Oppositionsführer Friedrich Merz heute zu Ihnen gesagt? Was für ein Zeugnis hätte er Ihnen ausgestellt? Stünden Sie heute nicht hier als Oppositionsführer und würden sagen, die Stimmung ist zu schlecht, die Koalition ist zu zerstritten und wo sind eigentlich die großen Reformen? Stünden Sie nicht schon längst hier, Herr Merz, und würden sagen, der kann das nicht?
Sprecher 3: Ja, Katharina Dröge verweist auf den rhetorisch scharfen Oppositionspolitiker Merz, was der wohl gesagt hätte. Aber ich muss auch sagen, die Kritik ist ja schon groß an Merz. Da braucht es eigentlich diese Opposition im Moment gar nicht, denn die Wirtschaft drängelt. Auch die Konservativen, die Bürgerlichen sind unzufrieden. Und in Wahrheit, ich verteidige ihn jetzt mal, Helene, muss man sagen, es sind auch erst 120 Tage. Diese Maßnahmen, die da jetzt bisher beschlossen wurden, können natürlich die Wirtschaftswende noch nicht herbeiführen. So schnell geht es in diesem strukturell verkrusteten Land natürlich nicht.
Sprecher 2: Ja, natürlich völlig richtig. Überhaupt ist ja dieser Slogan, wir müssen die Probleme lösen, in aller Regel Schwachsinn. Denn meistens ist es ja so, dass das Problemlösen gar nicht so einfach ist. Es ist ja nicht so, dass man irgendwie an einem Band zieht und irgendwie löst sich dann der Knoten, sondern wenn man etwas entscheidet, gibt es auch immer Leute, deren Interessen man nicht berücksichtigen kann oder nicht so berücksichtigen kann. Deutschland, das Land der Stakeholder, das Land der Interessenvertreter, man wird immer Menschen unglücklich machen, unzufrieden machen. Am Ende gibt es nicht die Entscheidung, die alle zufrieden stellt. Deswegen braucht Politik Mut und deswegen braucht es vielleicht weniger Ankündigungen, dass mit einem Schlag die Probleme zu lösen sind. Ja, und insofern muss sich natürlich Friedrich Merz an seinen eigenen Aussagen im Wahlkampf irgendwo auch messen lassen.
Sprecher 3: Helene, die Wahrheit ist doch, wenn er nicht selbst so markig aufgetreten wäre in den letzten Jahren, auch gerade immer wieder im Wahlkampf. dann würde man anders auch ein bisschen mit ihm umgehen. Denn vieles von dem, was er gesagt hat, ist ja richtig. Auch die außenpolitischen Krisen, die geopolitischen Konflikte, am Ende sein Engagement außen natürlich auch innenpolitische Relevanz hat. Das streitet ja eigentlich keiner ab.
Sprecher 4: Unsere Freiheit ist bedroht. Und zwar sehr konkret und nicht nur abstrakt. Die neue Außen- und Sicherheitspolitik seit Antritt dieser Bundesregierung, sie ist Reformpolitik. Meine Damen und Herren, und diese Außen- und Sicherheitspolitik, sie ist zugleich Innenpolitik. Die Trennung von innen und außen ist einfach überholt. Denn das Engagement der Bundesregierung im Äußeren dient der Bewahrung von Freiheit und Frieden und Wohlstand im Inneren, meine Damen und Herren.
Sprecher 2: Da ist er wieder der Außenkanzler und in dieser Position ist er ja auch weitgehend unbestritten. Das finden ja auch die Grünen gut und auch der Koalitionspartner SPD im weiteren Sinne, dass Deutschland jetzt auf der internationalen Bühne ein anderes Standing hat, dass Friedrich Merz so viel unterwegs ist, dass diese viel besprochene Führungsrolle jetzt zumindest, man in Einigung hat, Deutschland nähert sich dem an. Ja, in den ganzen Diskussionen auch um natürlich Verteidigung, aber auch um das Gewicht in Europa.
Sprecher 3: Helene, ich fand interessant, wie sehr die SPD bemüht war, auch immer wieder zu klatschen bei den Äußerungen von Friedrich Merz, gerade in der Außenpolitik. Dann allerdings wurde es erstaunlich still, als Friedrich Merz über die Steuerpolitik... und den Sozialstaat sprach und eigentlich mehr oder weniger klar machte, er ist nicht bereit, bei der Erbschaftssteuer, bei der Reichensteuer, bei der Vermögensteuer was zu tun.
Sprecher 4: Wir können die sozialen Versprechen nicht halten, indem wir wenigen und seien sie auch noch so vermögend, möglichst viel nehmen von dem, was sie haben. Wir können die sozialen Versprechungen nur halten, wenn wir alle unsere Arbeitskraft entfalten und kreativ sein können und in dieser Selbstverwirklichung die Mittel erarbeiten, die wir für unsere Solidarität auch tatsächlich brauchen.
Sprecher 3: Da gibt es eben auch einen Konsens, dass dieser Sozialstaat selbst unabhängig von dieser Verteilungs- und Vermögensfrage reformiert werden muss.
Sprecher 2: Ja, und da hinkt natürlich auch tatsächlich die Argumentation der SPD, die diese immensen Löcher, die es jetzt im Haushalt gibt, durch eine Steuer finanzieren will. Und wenn man das durchrechnet, was ja einige Ökonomen schon getan haben, dann kommt man doch ziemlich schnell zum Ergebnis, das alleine wird auf gar keinen Fall reichen, mal unabhängig von der komplizierten politischen Debatte. Die man natürlich auch von der anderen Seite führen könnte, nämlich von der Frage der Gerechtigkeit. Starke Schultern können mehr tragen als schwache. Wollen wir jetzt hier nicht tun, sondern wir wollen sagen, naja, was ist denn mit den Reformen, die jetzt kommen sollen? Da blieb Friedrich Merz doch ziemlich zurückhaltend. Wir müssen jetzt auch mal über uns selber sprechen und zwar mal nicht über unsere Hobbys, unsere Kinder oder unser sonstiges Leben, sondern über unseren Beruf, der Beruf des Journalisten, der nicht mehr so ein super shining, attraktiver Beruf war, wie er mal war. Als ich Abitur machte, wollten alle irgendwas mit Medien machen. Das sieht leider heute anders aus. Tja, eine Vertrauenskrise, in der wir uns befinden. Und die Frage ist, wie kommen wir da eigentlich raus?
Sprecher 3: Ja, und warum ist sie da, muss man natürlich auch nochmal beantworten. Wir haben in unserer eigenen Bubble, muss man sagen, schon über viele Jahre gut gelebt und relativ viel gesendet und wenig empfangen. Nämlich das, was die Nutzer haben wollen, welche Themen sie interessiert. Da ist auch ein bisschen Selbstkritik vonnöten. Ja, eskaliert natürlich gerade in dem Bereich der öffentlich-rechtlichen Medien, den man seit Jahren ja unterstellt. Sie seien teilweise zu links und da gibt es jetzt Vorfälle in den letzten Tagen und Wochen. Helene, über die müssen wir jetzt mal reden. Vor allem auch, weil unsere Nutzer und unsere Zuhörer uns gefragt haben, wie stehen wir denn eigentlich dazu? Also, Elmar Thewissen, Julia Roos, lass uns darüber mal reden.
Sprecher 6: Wir müssen reden. Herzlich willkommen. Freue mich sehr. Gleich zu Beginn aber sind wir in Washington, da ist er schon, verbunden mit Elmar Thewissen, mit dem wir sprechen müssen über einen politischen Mord in den USA, den Mord an Charlie Kirk, einem sehr konservativen, manche sagen rechten Blogger, Podcaster aus Amerika. Schönen guten Abend, Elmar.
Sprecher 7: Schönen guten Abend, Markus und hallo in die Runde nach Hamburg.
Sprecher 6: Wie wichtig war dieser junge Mann?
Sprecher 7: Ja, also er hat sehr, sehr scharf rechte Überzeugungen. Ich will mal ein paar Beispiele nennen. Er hat gesagt beispielsweise, dass Homosexuelle gesteinigt werden müssten. Er hat gesagt, die Frau muss sich dem Mann unterwerfen.
Sprecher 2: Ja, mit diesen Worten, da ist Elmar Thewelsen sicherlich deutlich übers Ziel hinaus geschossen. Es klingt ja so, als habe er den Aktivisten Charlie Kirk zitiert. Doch in Wahrheit hat Kirk das gar nicht selbst gesagt, sondern eine Bibelstelle zitiert, in der er darauf verwiesen hat, dass eben auch die Bibel und die Religion sehr harte Sanktionen vorgesehen hat.
Sprecher 3: Ja, es ist natürlich ein zentraler Unterschied, ob ein Journalist und der USA-Korrespondent des ZDF vor einem Millionenpublikum sagt, dass Kirk gesagt habe, Homosexuelle werden gesteinigt oder dass in der Bibel darüber diskutiert wird, wie man mit Homosexuellen umgehen müsste. Das sind wirklich Unterschiede. Er hat sich dann, naja, sagen wir mal ein wenig... Selbstkritisch geäußert und das ein bisschen gerade gerückt. Das ZDF kam in der Pressemitteilung um die Ecke. Aber da Richard Grinnell, der frühere US-Botschafter, natürlich sofort überzieht mit seiner Forderung nach Visumentzug für einen Journalisten, der einen Fehler gemacht hat, bauscht das natürlich alles auf. Das Problem ist manchmal die Reaktion, Grinnell, überflüssig, muss man gar nicht drüber reden, auch fatal ehrlicherweise, wenn man den Rechtsstaat in den USA ernst nimmt. Aber Teveson muss natürlich da sauber argumentieren. Gerade in dieser aufgeheizten, polarisierten Gesellschaft müssen wir darauf achten, ob auch... auch diejenigen, die wir nicht schätzen und deren Äußerungen wir nicht teilen, dass wir sie korrekt zitieren.
Sprecher 2: Ja, und das ist natürlich auch Nachricht an uns selbst. In der Hektik des Redaktionsalltags guckt man halt nicht immer so ganz genau hin. Manchmal verwechselt man Dinge und da wirklich, bevor man was sagt, immer nochmal doppelt checken, ob es auch wirklich so stimmt. Und gerade in dem Bereich, wo man über jemanden etwas sagt, das in diesem Fall dann eher abschneidend ist oder ihm etwas unterstellt, das er gar nicht gesagt hat, in solchen Bereichen, das ist natürlich dann wirklich gefährlich.
Sprecher 3: Zumal, Helene, die Äußerungen von Kirk ja an sich schon selbsterklärend sind. Ich muss doch nicht meine eigene Haltung, meine Denke über diesen Mann auch noch in meine Kommentierung bringen, wenn doch die Äußerungen für sich genommen schon wirklich hart an der Grenze sind zum Rechtsradikalismus. Also das ist ja irgendwie mein Punkt immer im Journalismus. Lass uns doch schreiben, was gesagt wurde, was ist. Und dann lass uns diese klugen Menschen, die uns dazuhören, die meistens deutlich klüger sind, als wir sie empfinden, lass die doch selber ein Urteil darüber fällen, wie man das dann bewerten muss und soll. Und dazu sind diese Menschen eigentlich in der Lage.
Sprecher 2: Bei Tevinson gibt es ja leider noch einen zweiten Fall, wo er sich, ja, wo er übers Ziel hinausgeschossen ist, kann man vielleicht sagen. Er hat den stellvertretenden Stabschef von US-Präsident Trump, Stephen Miller, hat er eine ideologische Nähe zum Dritten Reich bescheinigt. Er hat damit wohl auf Karl Schmidt angespielt, aber Grinnell wiederum doch. deutete die Aussage so, dass labile Menschen damit zum Mord aufgerufen würden. Also auch da ziemlich drastische Eskalation, die wir beobachten, was zeigt, wie aufgehitzt die ganze Geschichte ist. Und das wollen wir jetzt mal vertiefen mit dem Kollegen Marvin Schade. Er ist Gründer des Medienmagazins. Medieninsider und hier bei uns. Hallo, schön, dass du da bist, Marvin.
Sprecher 8: Hallo Helena.
Sprecher 2: Ja, wir haben gerade schon gehört, die Äußerungen des Kollegen Elmar Thewissen einerseits über den Aktivisten Charlie Kirk und andererseits über Stephen Miller. Ja, ist er da zu weit gegangen? War das ein schwerer Fehler?
Sprecher 8: Also definitiv hat er damit einiges an Provokationen ausgelöst. Ich glaube, das kann man ja ganz gut sagen. Siehe die Reaktion von Richard Grenell, muss man ja auch dazu sagen, nicht nur Ex-Wotschafter. Hier in Berlin aus den USA, sondern ja auch einer von Trumps wichtigsten Männern. Ist er da zu weit gegangen? Das ZDF hat ihn und er sich selber ja im Nachgang auch korrigiert, ein wenig distanziert vor allem von der Äußerung, die er ja über Charlie Kirk gemacht hat. Das zeigt, dass zumindest die Verknappung der Aussagen sehr stark war und aus welchen Gründen auch immer. In dem Sinne natürlich schon ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen ist. Gleichwohl, wie gesagt, zügig korrigiert und mindestens diese große Debatte ausgelöst, ja.
Sprecher 2: Ja, wir Journalisten machen ja ständig Fehler in der Eile. Auch wir im Podcast haben schon Dinge falsch dargestellt. Da passiert es manchmal, dass man nicht so ganz genau hinguckt und vielleicht nicht sieht, dass es ein Bibelzweck ist. Zitat, ist und keine direkte Aussage. Was ist da der richtige Weg? Was würdest du empfehlen, um auch die Glaubwürdigkeit der Medien zu erhalten?
Sprecher 8: Ich weiß nicht, ob das jetzt allein der Zeit geschuldet war. Ich halte Immativison schon für jemanden, der vorher überlegt, was er sagt und sich Gedanken darüber macht, was er sagt. Insofern mag das verknappt gewesen sein, aber ich glaube jetzt nicht allein in der Spontanität begründet. Gleichwohl ist es so, es kommt dazu, dass auch Journalisten sich auch in Live-Sendungen natürlich einmal unglücklich ausdrücken. Das versendet sich dann auch mal, wie man so schön immer im Fernsehen gesagt hat. Es löst aber halt auch eben manchmal solche starken Gegenreaktionen aus. Es zeigt einmal mehr, dass Journalisten, was wir alle eigentlich wissen, natürlich bedacht darauf sein müssen, was sie sagen und wie sie es sagen. Und gerade in heutigen Zeiten, ob es... Menschen aus Regierungen sind, ob es Reaktionen in sozialen Netzwerken sind, natürlich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird.
Sprecher 2: Ja, die Reaktion aus den USA ist ja wirklich auch mehr als drastisch. Grinnell hat jetzt in Aussicht gestellt, ihm das Visum zu entziehen. Ist die Pressefreiheit in den USA in Gefahr?
Sprecher 8: Sie ist massiv unter Druck, das muss man auf jeden Fall so sagen. Sie ist in dem Fall ja auch nicht nur unter marktregulatorischen Sinn unter Druck, sondern sie wird ja von der Regierung unter Druck gesetzt durch den Entzug oder durch die Androhung des Entzuges von Akkreditierung. Man muss ja sagen, Journalisten sind ja auf solche Akkreditierungen angewiesen, sonst kommen sie zwar in das Land rein, aber sie dürfen dann nicht als Journalisten arbeiten. Sie kriegen nicht die Zugänge, die sie ja brauchen. nur mir ihre Arbeit zu machen, das ist schon eine massive Einschränkung der Pressefreiheit und insofern ist da die Empörung auch aus der Branche von Verbänden mehr als gerechtfertigt. Ich fürchte, dass sie halt nur verfallen wird.
Sprecher 2: Ist an dieser Kritik deiner Beobachtung nach was dran?
Sprecher 8: Ich glaube, man macht sich das viel zu einfach, wenn man hier versucht, alles über einen Kamm zu scheren. Das gilt auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es ist richtig, dass es sehr oft diese Diskussionen gibt. Es ist auch richtig, dass es sehr oft die Kritik daran gibt. Es gibt ja jetzt gerade auch innerhalb der öffentlich-rechtlichen, siehe die Debatte gerade um... Frau Ruß, bei der sich der NDR jetzt gerade distanziert hat von der Kollegin, sie gilt als konservative Journalistin, hat ein Format gemacht in Zusammenarbeit NDR und BR. Auch hier kommt jetzt wieder der Vorwurf auf, dass das sozusagen linksgrün motiviert ist, aktivistisch motiviert ist. Mit Sicherheit gibt es, und das gilt für alle Bereiche und nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, natürlich gibt es Journalisten, die Haltung und Meinung vertauschen, die Objektivität und Subjektivität zu sehr miteinander vermengen, die vielleicht auch zu große eigene Überzeugungen haben. Die gibt es überall und genau deswegen ist es ja wichtig, dass wir schon darauf hinschauen, Debatten führen. Deswegen ist es wichtig, dass es Medienkritik gibt, denn nichts wäre gefährlicher, als wenn die Medien aufhören würden, sich selbst auf die Finger zu schauen, selbst Medienkritik zu üben, denn dann überlässt man es genau denjenigen, die jetzt schon... Sehr laut und sehr meinungsstark unterwegs sind. Und das würde nur bestärken, was man den sogenannten oder oft so bezeichneten Systemmedien oder Mainstream-Medien vorwirft. Und hier müssen wir aufpassen. dass wir als Medien, wenn man es so generalisieren will, was wie gesagt auch nicht so ganz einfach ist, muss man halt aufpassen, dass man hier natürlich nicht Tür und Tor öffnet für diese Kritik. Und insofern ist es halt wichtig, dass wir darüber diskutieren und auch immer wieder über diese Fälle diskutieren, wo dann vorgeworfen wird, linksgrün versifft zu sein oder ähnliches. Wir haben immer noch eine vielseitige Medienlandschaft, sogar innerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Bayerischer Rundfunk habe ich gerade angesprochen. Insofern ist mir das ein bisschen zu einfach.
Sprecher 9: Vielen Dank, dass du heute bei uns warst, lieber Marvin.
Sprecher 8: Vielen Dank fürs Gespräch.
Sprecher 3: Das war der Kollege Marvin Schade und er spricht ein Thema an, Helene, das tatsächlich vielleicht im Mittelpunkt all dieser Debatten steht, nämlich die wirklich mangelnd ausgeprägte Fähigkeit der deutschen Journalisten zur Selbstkritik. Da muss man direkt über Julia Roos reden, denn die Kollegin des NDR hat jetzt ihre Talkshow verloren, zumindest teilweise, denn der NDR hat nach internen Querelen und einem Aufstand der Redaktion gegen sie entschieden, sie darf jetzt nicht mehr das Magazin klar moderieren, angeblich zu konservativ, zu bürgerlich, zu rechts, was auch immer. Jedenfalls ein einmaliger Vorgang, dass der NDR aufgrund von Kritik aus der Redaktion sich von einer Moderatorin trennt. Erstmal die Frage an dich, Helene. Wie siehst du den Fall?
Sprecher 2: Ja, ich finde immer, Souveränität sieht anders aus. Ich finde, auch der öffentlich-rechtlichen Rundfunk kann es sich leisten, ein Spektrum an Meinungen abzubilden. Mein Hauptpunkt ist immer, dass auch Journalisten nicht primär durch Meinungen glänzen sollten. Also ich finde es immer schwierig, gelabelt zu werden als links, rechts oder sonst wie. Ich würde mich auch immer selber verwahren vor solchen Zuschreibungen, die ich übrigens auch schon vielseitig gekriegt habe. Ich denke immer, ich möchte in Rob keine Schublade rein und ich würde den Kollegen immer raten, das auch so zu sehen und nicht die ein oder andere Zuschauerschaft unbedingt bedienen zu wollen. Aber wenn man denn das schon macht, dann muss man nun auch eine Pluralität aushalten. Und da würde ich sagen, ja, schade, dass dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk... Rundfunk auch nicht bei aller Kritik, die man an den Aussagen von Frau Roos haben kann, so jemanden in den eigenen Reihen auch zu akzeptieren.
Sprecher 3: Ja, und es gibt ja beim Öffentlich-Rechtlichen auch an Jan Böhmermann, an Georg Restle, die nun eine ganz klare Agenda auch in ihren Programmen und ihren Beiträgen immer wieder verfolgen. Vielleicht würde eine Julia Roos, eine junge Frau, die jetzt auch nicht 20 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, würde dem NDR wahrscheinlich auch gut tun. Also ich finde es schon erstaunlich, wie damit ihr umgegangen wird. Das ist auch ein beispielloses Verhalten des eigenen Teams gegen diese Kollegin. Und der Bayerische Rundfunk macht es weiter, will an Julia Roos festhalten und an dem Format. Das ist schon selten. Deswegen dachten wir uns, wenn wir schon darüber diskutieren, versuchen wir auch mal mit ihr zu reden. Wir haben sie gestern auf der Zugfahrt in Richtung Bayern, in Richtung Bayerischer Rundfunk erreicht und sie mal gefragt, wie sie diesen ganzen Vorgang eigentlich heute sieht. Hallo Julia, schönen guten Tag in den ICE hinein.
Sprecher 10: Hallo.
Sprecher 3: Was ist der Kern dieser Auseinandersetzung? Bist du zu rechts für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?
Sprecher 10: Ich glaube, für den NDR bin ich zu rechts. Ja, für den Bayerischen Rundfunk nicht. Die stehen nach wie vor hinter mir und da habe ich auch Rückenwind und die haben mir das auch nochmal zugesichert, dass es da nichts zu rütteln gibt. Also das Format geht weiter und auch mit mir als Moderatorin. Aber offenbar hält der NDR weniger Meinungsvielfalt aus als der BR. Und für die fängt wahrscheinlich schon die Rechtsradikalität an, wenn man sagt, man findet Positionen von Friedrich Merz zum Beispiel gut. Also da kann ich dann, ehrlich gesagt, kann ich dann manchen Kollegen, die offenbar so denken, auch nicht mehr helfen, weil ich glaube, dann sollte man erst mal... mal seinen eigenen politischen Kompass neu justieren, weil so kann das natürlich nicht im Umgang sein, dass man Meinungen kriminalisiert, die eigentlich noch sehr Mitte oder zumindest Mitte-Rechts sind, aber noch weit entfernt davon von irgendwelchen extremistischen oder radikalen Positionen.
Sprecher 3: Wo würdest du dich denn selber politisch verorten?
Sprecher 10: Naja, ich habe früher immer gesagt, ich bin Mitte und ich würde es eigentlich immer noch so sagen, dass ich mich halt in der Mitte befinde. Aber mittlerweile ist die heutige Mitte natürlich nach links gewandert. Also würde ich mich jetzt auf Mitte rechts etwa einstufen. Ja, mit der FDP und mit der Union kann ich gut leben. Ich habe mich auch immer klar von der AfD distanziert und finde das auch nicht gut, was da der ein oder andere Politiker und die Partei insgesamt von sich geben und wie sie auftreten. Aber es genügt ja, dass man recht genug ist, um diesen Vorwurf abzubekommen, man sei irgendwie AfDler. Also das ist die übliche Taktik, um jemand mundtot zu machen.
Sprecher 3: Es fing ja viel an mit deiner ersten Sendung zur Migration, woraufhin Jan Böhmermann in seiner Sendung meinte, das sei rechtspopulistischer Quatsch. Dahinter steckt ja auch, zumindest im Mitte-Links-Lager immer, dieser Vorwurf, dass wenn wir Medien, Migration kritisch diskutieren und thematisieren, dass wir dann eigentlich nur das Spiel der AfD betreiben. Was sagst du dazu?
Sprecher 10: Das ist völliger Quatsch. Also wenn die Bevölkerung diese Themen behandelt haben will und auch berechtigte Sorgen hat, dann muss man das ja thematisieren. Also dann ist es doch kein Wasser auf die Mühlen von der AfD, sondern es ist Wasser auf die Mühlen, wenn man diese Themen gar nicht erst bespricht, weil sie werden doch sowieso von anderen, von Alternativen. Medien von Influencern dann besprochen. Und das führt nur dazu, dass die Leute abwandern vom Öffentlich-Rechtlichen, von uns dann zu anderen Medien. Und das ist doch genau das, was wir nicht wollen. Also wir wollen nicht, dass sich bei irgendwelchen schlecht recherchierten, teilweise auch wirklich radikaleren Quellen bedienen. Und das war mein Anspruch auch bei diesem Format, dass man Leute, die man verloren hat als öffentlich-rechtlicher Rundfunk, dass man die wieder zurückgewinnt. Aber das scheinen offenbar, ja, das scheinen nicht alle beim NDR verstanden zu haben.
Sprecher 3: Wie sollten wir Medien mit der AfD umgehen?
Sprecher 10: Also ich würde raten, da wir gesehen haben, wie die letzten Jahre so verlaufen sind in der Berichterstattung, die AfD wurde nicht dezimiert, sondern sie wurde immer größer, dass man da mit weniger Aufgeregtheit rangeht. Also dass man die so behandelt, wie man andere Parteien auch behandelt. Man kann immer noch kritisch sein, natürlich genauso kritisch wie mit allen anderen auch, weil es gehört zum Journalismus dazu. Aber dass man nicht in der Rolle fühlt, man würde gegen die Rechts kämpfen und man selbst als Journalist wäre dafür da, die AfD wieder klein zu kriegen. Weil in meinen Augen führt es nur zum Gegenteil, dass die AfD noch mehr Tunder bekommt, weil die ja sehr gerne gerade auf uns, auf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, rumhacken und uns vorwerfen wollen, dass wir voreingenommen sind. Also wir geben denen zu unter, wenn wir genau dieses Klischee auch noch erfüllen.
Sprecher 3: Aber die einzige Haltung, die ich doch bei Journalisten auch wirklich angemessen vertreten und auch rechtfertigen kann, ist die für den Einsatz der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit. Wenn diese Partei dagegen arbeitet, dagegen vorgeht, müssen wir sie dann nicht anders anpacken?
Sprecher 10: Naja, aber man muss halt schauen. Also ich verstehe schon. diese Position auch, aber das hat ja in den letzten zehn Jahren nicht bewirkt, dass die AfD verschwindet. Und man kann natürlich sehr, sehr gut sich für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit dazu bekennen, aber was es dann konkret bedeutet, das bedeutet ja nicht, dass man aktivistisch dann abgleiten muss und versucht, bestimmte Parteien dann ungerecht zu behandeln oder unjournalistisch. Also letztlich glaube ich, dass die AfD sich am besten bezaubert, wenn man sie fair behandelt und wenn die Vertreter der Partei ihre üblichen... Raten raushauen, wo dann vielleicht auch irgendwann mal bei den Menschen ankommt, wenn die Schnappatmung zum Beispiel über den Öffentlich-Rechtlichen dann nicht alles überdeckt, was inhaltlich passiert, ja, dass es da manchmal sehr dünn wird und dass die halt vom Protest und von dem Unmut leben, den die Leute mittlerweile empfinden. Und fair muss man sich anschauen, was man selber als Journalist und vor allem die auf der linken Seite, würde ich jetzt mal dafür ankreiden, was man da vielleicht falsch gemacht hat.
Sprecher 3: Liebe Julia Roos, wir wünschen dir viel Erfolg beim Bayerischen Rundfunk. Dort können deine Zuhörerinnen und Zuhörer dich weiterverfolgen. Vielen Dank, dass du heute zur Verfügung standst und noch gute Reise.
Sprecher 10: Ja, danke schön. Gerne.
Sprecher 3: Helene, war noch was?
Sprecher 2: Michael, wir haben einen Geheimnachbarn, der uns umkreist. Und das, was sich wie ein Stalker anhört, ist in Wahrheit etwas sehr Schönes, nämlich ein Mond, den aber noch niemand entdeckt hat, denn er ist ziemlich klein. Seine geschätzte Größe ist irgendwo zwischen 19 und 30 Meter, also mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Aber Astronomen haben das jetzt entdeckt, dass diese Umlaufbahn eigentlich ziemlich stabil ist. Und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann die technischen Möglichkeiten, ihn auch mal zu sehen.
Sprecher 3: Ich bin sehr dafür, dass wir alle mindestens einen zweiten Mond verdient haben. Auf einem Mond kann man ja nicht kreisen.
Sprecher 2: Und dann freuen wir uns, wenn Sie am Freitag wieder mit uns um die Welt kreisen. Bis dahin. Tschüss.
Sprecher 11: Like a swinging vine, swing my heart across the line. In my face is flashing signs. Seek it out and ye shall find. Oh, but I'm not that old, young. But I'm not that bold. And I don't think the world is sold. I'm just doing what we're told.
Sprecher 12: That kills me, makes me feel alive.
Sprecher 13: Say no more counting dollars, we'll be counting stars.