Wann beginnt der Bürokratieabbau, Herr Wildberger?
Dauer: 24:44

Wann beginnt der Bürokratieabbau, Herr Wildberger?

Digitalminister Karsten Wildberger hat seinen Kabinettskollegen bis Montag Zeit gegeben. Die Ministerien sollen klar benennen, wie ihre Vorschläge zum Bürokratieabbau aussehen. Manche hätten seine Erwartungen sogar übertroffen, sagt er im Gespräch mit Michael Bröcker.

Wildberger erklärt auch, welche Digitalisierungsprojekte bereits angelaufen. Doch Tempo sei nicht zu erwarten: Die Strukturen seien verkrustet, der Weg weit. „In den letzten 20 Jahren haben wir im Gesamtsystem verdammt viel Beton angerührt. Jetzt ist es die Aufgabe, auch meines Hauses, diese Schicht Stück für Stück abzutragen.“

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Der frühere Staatssekretär im Wirtschafts- und Umweltministerium und Ex-SPD-Bundesgeschäftsführer Matthias Machnig verlässt das Wirtschaftsforum der SPD. Es gebe „einen Block, der am Status quo interessiert ist. Das führt dazu, dass das Wirtschaftsforum weit unter seinen Möglichkeiten bleibt.“ Mitglieder hätten mehr Transparenz und Offenheit gefordert, doch das sei ausgeblieben. Zudem gehe das Forum mit SPD-Positionen zu wenig kritisch um.

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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Nur noch 8% der Deutschen halten die SPD in der Wirtschaftspolitik für kompetent. Das sind dramatische Ergebnisse und das wenige Tage bevor diese einstige Arbeiterpartei bei den NRW-Kommunalwahlen eine richtige Schlappe zu erwarten hat. Was ist da los in der Wirtschaftspolitik? Das fragen wir einen legendären Wahlkämpfer, allerdings aus dem Jahr 1998, den früheren Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnick. Bis Montag sollen alle Kabinettsmitglieder im Kabinett Merz Ideen zum Bürokratieabbau an den Minister für Staatsmodernisierung Carsten Wildberger schicken. Was ist eigentlich dabei rumgekommen und wann spürt man denn diese Digitalwende, für die der Mann ja ins Amt gekommen ist? Das habe ich ihn auf der Bühne des Big Bang KI Festivals hier in Berlin gefragt. Und zum Schluss sagt uns unser Podcast-Chef Flo, warum unser Kurzzeitgedächtnis so dominant ist. Es ist Freitag, der 12. September. Gut, dass Sie bei uns sind. Lars Klingbeil ist um seinen Posten derzeit nicht zu beneiden. Schon jetzt ist klar, mindestens 30 Milliarden Euro fehlen im Etat 2027 und man hat nicht so wirklich das Gefühl, dass diese Bundesregierung eine Idee hat, wie diese Lücke zu schließen ist, obwohl ja gerade durch das Infrastruktur-Sondervermögen so viele Milliarden im Kernhaushalt frei geworden sind. Gleichzeitig hat die SPD ein anderes Problem, nämlich sie steht bei wirtschaftspolitischen Fragen bei den Deutschen gar nicht hoch im Kurs. Nur noch 8% haben in einer aktuellen Umfrage angegeben, dass sie glauben, dass die SPD Wirtschaftskompetenz hat. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass man immer wieder in den letzten 10 Jahren das Gefühl hatte, diese Partei kümmert sich um diverse Transferempfänger. Aber die breite arbeitende Mitte kommt in diesem politischen Programm dieser Partei zu kurz. Ist das wirklich so? Das habe ich einen gefragt, der mal einen Wahlkampf gemanagt und organisiert hat, der beide Seiten, nämlich sowohl die Sozialstaatsbefürworter als auch die Wirtschaftspolitiker, die Ökonomen und vor allen Dingen die Facharbeiter hinter die SPD versammeln konnte, nämlich Matthias Machnick. Er war Bundesgeschäftsführer der SPD 1998, legendärer Chef der Kampa unter Gerhard Schröder und danach Wirtschaftsminister von Thüringen und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Aktuell ist er noch, allerdings noch, Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums. Hallo, schön, dass Sie heute bei uns sind. Guten Tag, Herr Machnick. Ja, schönen guten Tag. Können Sie mir eigentlich in einem Satz die Wirtschaftspolitik der SPD erklären?

Sprecher 3: Die SPD hat noch einen Kompetenzwert von 8 Prozent wirtschaftspolitisch. Im Übrigen sozialpolitisch, was soziale Fragen, bei 25 Prozent. Wie sehr erfolgreich war, lag das über 50 Prozent. Das Problem lautet, dass alle Parteien im Moment verlieren bei der Frage, ob sie die Probleme im Land lösen können. Das gilt für die CDU genauso wie für die Grünen wie für die SPD. Das Hauptproblem dieser Regierung, sie hat kein wirtschafts- und finanzpolitisches Zentrum. Und solange es dieses nicht gibt, wird es auch keine Antwort auf die großen ökonomischen Herausforderungen geben.

Sprecher 2: Im Moment. Wieso hat sie kein Zentrum? Könnte das nicht der Finanzminister und Vizekanzler Klingbeil sein?

Sprecher 3: Ja, man hat sich sozusagen auf Minimalkonsens verständigt im Rahmen des Koalitionsvertrages. Deutschland hat drei große Herausforderungen. Sie hat ein Standortproblem, weil wir haben ein geringes Potenzialwachstum, geringe Produktivitätsentwicklung, hohe Steuer- und Abgabenlast. Wir haben ein Wettbewerbsproblem, geringe Innovationsdynamik, Schlüsselbranchen. Wie Auto, Chemie, Maschinenbau sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Und drittens, wir haben ein Resilienzproblem. Das heißt, wir sind abhängig im Bereich Digitales und Rohstoffen. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung adressieren die Diese drei Herausforderungen, die nämlich sozusagen integral bearbeitet werden, nicht. Sondern man hat sich verständigt, was richtig ist, auf ein Infrastrukturprogramm. Ich sage nur eines, das kann einen Beitrag leisten, wird aber die strukturellen Probleme, die ich gerade benannt habe, nicht lösen können.

Sprecher 2: Sie haben diese Woche eine Mitgliederversammlung des Wirtschaftsforums erlebt, dem Wirtschaftsflügel der SPD, könnte man sagen. Aber kaum einer kennt ihn. Aber dieser Verein leistet sich erstmal einen erbitterten Machtkampf und hat knapp jetzt die Präsidentin wiedergewählt. Ines Senke, was ist da los?

Sprecher 3: Also es gibt keinen Wirtschaftsflügel. Das Wirtschaftsforum ist ein... Verein getragen, das Verein mit Mitgliedern. Und was dort los ist, ist das folgende. Es gab eine Mitgliederbefragung, die wir im Vorfeld dieser Konferenz gemacht haben. Die Mitglieder haben vier Dinge adressiert. Sie wollen mehr Transparenz und Offenheit im Forum. Das unterstreiche ich dreimal. Ich sitze ja im Präsidium. Und manche Dinge, die dort passieren, die erschließen sich mir auch nicht. Zweitens, sie wollen Erkennbarkeit. Das Wirtschaftsforum ist nicht erkennbar. Weil in Berlin, Herr Bröker, Sie wissen das, wer keine Stimme hat in Berlin, wer nicht wahrgenommen hat, hat auch keinen Einfluss. Drittens, drittens. Sie fordern auch eine kritische Auseinandersetzung mit SPD-Positionen, ich würde sagen auch mit der Position der Bundesregierung. Und viertens, sie wollen... dass es Prozesse gibt zu innerlichen Fragen und nicht nur punktuelle Veranstaltungen. Aber es gibt eben einen Block, die sozusagen am Status quo orientiert sind. Und das führt dazu, dass das Wirtschaftsforum weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Und ein letzter Gesichtspunkt ist der, Kandidatinnen und Kandidaten, die es gab, sind aus formalen Gründen nicht zugelassen. Einen Kandidaten, der dann am Ende zurückgezogen ist, signalisiert worden, man könne nicht einfach so kandidieren, man müsste gefragt werden. Diese Logik heißt eines, nur wer genehm ist, nur wer genehm ist, darf sich in diesem Wirtschaftsforum engagieren und darf da im Präsidium mitwirken. Das führt zu einem. Das Spektrum, das politische Spektrum, das in diesem Wirtschaftsforum sich abbildet, verengt sich. Verhängung von politischen Positionen oder innerlichen Positionen ist immer falsch und am Ende führt dich dazu, dass die Schlagkraft einer Organisation nicht erhöht.

Sprecher 2: Bleibt unter den Möglichkeiten, Kandidaten werden nicht zugelassen. Ziehen Sie persönlich die Konsequenzen aus dieser Kritik?

Sprecher 3: Ja, ich werde das Wirtschaftsforum verlassen. Meine Mitarbeit und meine Mitgliedschaft sozusagen beenden. Ich mache das ehrenamtlich. Ich möchte gerne meine Zeit sinnvoll einsetzen. Wenn es eine Situation gibt, wo eine Mehrheitskonstellation Dort sich nicht mal den Fragen der eigenen Mitglieder stellen will. Im Übrigen, das Wirtschaftszentrum ist zehn Jahre alt, immer noch in den Strukturen, die wie vor zehn Jahren arbeitet. Und die Welt hat sich seitdem geopolitisch, geökonomisch, makroökonomisch verändert. Dann habe ich Zweifel, dass ein solches Forum dieser Herausforderung gerecht wird und sozusagen einen Beitrag dazu leisten kann, dass es eine wirtschaftspolitische Debatte gibt, finanzpolitische Debatte gibt, die die Herausforderungen in Deutschland adressiert. Von daher werde ich mir andere Betätigungsfelder suchen.

Sprecher 2: Herr Machnick, ich bedanke mich für dieses Gespräch und die offenen Worte und wünsche einen schönen Tag.

Sprecher 3: Dito.

Sprecher 2: Wir wissen es doch alle, Deutschland hat bei der Digitalisierung kein Erkenntnisproblem. Es gibt genügend Studien und Berater und Ökonomen und Experten, die sagen, was man tun könnte. Vor allem kann man auch ins europäische Ausland schauen, um zu sehen, wie eine effiziente digitale Verwaltung funktioniert. Theoretisch aussehen könnte. Der Mann, der all das jetzt hier auch hinkriegen soll, ist Carsten Wildberger, der Digitalminister. Es ist das neue Ministerium, was Friedrich Merz unbedingt haben wollte und wofür er bereit war, der SPD sieben andere Ministerien zu geben. Also die Erwartungshaltung an den Mann ist natürlich groß und ein kleiner elektronischer Brief an die Kabinettskollegen hat vor ein paar Wochen für Aufsehen gesorgt. Wildberger hat da die Ressortkollegen gebeten, doch endlich mal konkrete Vorschläge zu machen zum Bürokratieabbau und gebeten, diese auch zu benennen. Und zwar bis Montag. Wir wollten mal wissen, was dabei rausgekommen ist. Ich habe ihn auf der Bühne des Big Bang KI Festivals vor einem Tag hier in Berlin interviewen dürfen. Hören wir in kurzem Auszug. Herr Minister, manchmal ist ja Sprache auch bezeichnend für politische Systeme. Sie haben den USA den AI Action Plan genannt und da denkt man schon sofort, jetzt geht es da los. Und bei uns, wenn man bei uns den EU-KI-Act anschaut oder bei Google, dann kommt als allererstes Verpflichtungen für Arbeitgeber, worauf sie jetzt achten müssen, was sie liefern müssen. Diverse Anwaltskanzleien kommen übrigens als erstes, wenn man das bei Google eingibt. Das zeigt eigentlich aus, dass wir eine völlig unterschiedliche Herangehensweise bei diesem Thema KI haben, oder? Kann man das überhaupt drehen?

Sprecher 4: Also das kann man drehen. Irgendwo haben wir in dem Gesamtsystem in den letzten, sag ich mal, 20 Jahren verdammt viel Beton angerührt. Und jetzt ist es halt die Aufgabe auch meines Hauses, Stück für Stück für Stück diese Betonschicht abzutragen. Ich weiß, die Erwartungshaltung ist hier oben, meine eigentlich auch. Wir müssen uns aber ehrlich machen, dass das ein Prozess sein wird. Auch ein Prozess, in dem wir hoffentlich unsere Mentalität... Drehen müssen, weil mehr Krise um uns rum geht eigentlich nicht. Die Gespräche, die ich in Brüssel führe, wie wir im Kabinett führen, auch mit den Ministerpräsidenten, die machen mich wirklich hoffnungsvoll, weil jeder hat erstmal dieselbe Sicht. Und jetzt müssen wir irgendwie hinkriegen, dass wir Stück für Stück das echt in die Umsetzung kriegen. Also zwischen Wollen und Machen ist halt ein Riesenunterschied.

Sprecher 2: Da ahne ich schon, es gibt jetzt zweieinhalbjährige Verhandlungen und dann gibt es irgendwann doch an einer oder anderen Stelle vielleicht kleine Änderungen. Oder muss man nicht radikaler herangehen und sagen, wir bauen das Ding neu, wir setzen das nicht um?

Sprecher 4: Also ich hoffe schon, dass es Erleichterungen geben wird. Beispielsweise was den Risikoausschluss angeht, unglaublich viele Berichtswesen. Wir haben viele Zertifizierungen, die jungen Unternehmen viel Geld kosten.

Sprecher 2: Was wollen Sie konkret?

Sprecher 4: Ganz konkret heißt zum Beispiel, dass wenn Sie heute Modelle entwickeln, wo Sie dann fein sezieren müssen, welche Datenquellen haben Sie genutzt? Das hat schon fast schon Excel-Sheet-Niveau. Das macht überhaupt keinen Sinn. Da führen wir schon hinter verschlossenen Türen schon sehr, sehr intensive Gespräche. Aber letzter Satz dazu. Das geht mir nämlich auch so ein bisschen manchmal...

Sprecher 2: Nein, du siehst ruhig.

Sprecher 4: Gegen den Strich. Nehmen Sie mal Mistral. Die haben dieselbe Regulierung. Sie haben, glaube ich, eine Marktbewertung von fast 12 Milliarden Euro. Das sind auch viele Industrieunternehmen in Europa, die die nutzen. Natürlich ist das nicht super. Aber ich war ja früher mal auf einer anderen Seite und ich hätte die GDPR auch nicht so gebaut. Aber sie hat mich auch nicht an der Digitalisierung komplett gehindert. Wir dürfen also auch jetzt nicht das Regelwerk nehmen und sagen, deshalb können wir alles nicht machen. Das geht auch nicht. Das heißt aber nicht, dass ich das Regelwerk so akzeptiere. Wir müssen an beiden Stellschrauben arbeiten.

Sprecher 2: Was ist KI für Sie eigentlich, Herr Wildberger? Ist es ein Turbo, um Wachstum zu erzeugen, also Wirtschaftswachstum und neue Unternehmen, die neue Produktivität bringen? Oder ist es ein Werkzeug für Sie, um einen Smart State zu bauen, also Staatsmodernisierung? Oder ist es was ganz anderes?

Sprecher 4: Ich glaube, das wird in Wellen gehen. Die erste Welle, die ich sehe als Chance. Mit der KI können wir unsere klassische Industrie, alle Prozesse, heute wie wir programmieren, die Programmiersprache ist die KI. De facto ist das ein Voice-Interface. Sie brauchen heute zwei, drei Minuten, um ein Computerspiel, was schon echt viel kann, einfach programmieren zu lassen. Das heißt, wir können unsere Komplexität erneuern durch eine KI. Das kann ein echter Boost sein für das, was wir haben. Und gleichzeitig auf dem Weg dahin, KI-Lösungen anwendungsspezifisch, industriespezifisch zu bauen, sind Wachstumschancen ohne Ende. Und das heißt auch den Verwaltungsbeton, was diese ganzen Regularien angeht, die KI sagt, Regelwerk kann ich, arbeite ich mich durch. Ich möchte eine KI haben, und das meine ich wirklich aus tiefstem Herzen, die unsere Wertebasis vertritt. Das kann vielleicht auch wieder ein Geschäftsmodell für, ich weiß nicht wie viele Milliarden Menschen sein, die mehr Lust dann auf eine europäische oder auf eine deutsche KI haben als... Auf eine andere.

Sprecher 2: Mistral, alle reden in Europa zumindest drüber, kaum noch einer über Aleph Alpha. Ist es Zufall, System, Struktur, Medien?

Sprecher 4: Also ich rede über Aleph Alpha, die machen natürlich was anderes. Ich rede auch über DeepL, ich rede auch über... Andere Unternehmen, Celone, sollten wir auch nicht vergessen. Das ist eines der stärksten, eher klassische, Machine Learning, aber sehr, sehr mächtig. Mächtiges Unternehmen aus Deutschland, fantastisches Unternehmen, seit vielen Jahren aktiv, alle großen Kunden dieser Welt. Das heißt, wir haben auch bei uns extrem viele. Und ich möchte auch nochmal betonen, zu jedem Prozess der Innovation, das ist auch im guten Sinne ein Selektionsprozess, wird es immer sein, dass nicht jeder durchkommt. Und deshalb braucht man ja auch so viele, damit da ein paar Unicorns durchkommen. Das heißt, wir brauchen eine ganz andere Schwungmasse, es zu versuchen. Und es klappt nicht immer. Das ist doch kein Makel. Man scheitert doch nur dann nie im Leben, wenn man nie was versucht hat. Das kann doch nicht die Antwort sein.

Sprecher 2: Völlig in Ordnung, absolut. Wenn man bei den KI-Unternehmen, den Startups sich rumhört in diesen Tagen und Monaten, dann sagen sie alle, das was sie eben auch angedeutet haben, wir haben ja kein Erkenntnisproblem, wir eigentlich wissen, wir brauchen eine bessere, schnellere Finanzierung, wir brauchen weniger Regulierung. Was macht der Digitalminister und Staatsmodernisierungsminister ganz konkret in den nächsten Wochen und Monaten, um diesen Investoren oder Unternehmern zu signalisieren, okay, da geht wirklich was voran?

Sprecher 4: Also bei dem Thema KI-Infrastruktur, Gigafactories arbeiten wir sehr konkret und haben auch einen ambitionierten Zeitplan. Wir sind im engen Austausch mit Startups, wo wir als Ankerkunde Probleme als Staat haben, ganz konkret.

Sprecher 2: Sagen Sie mal ein Beispiel, was genau ein Startup für den Staat machen soll?

Sprecher 4: Der soll zum Beispiel eine Verwaltungsdigitalisierung, Einwohnermeldeamt einmal durchdigitalisieren. Also den Prozess nicht nur das Frontend schön haben oder weniger schön manchmal, sondern auch die gesamte Prozessstrecke durchdeklinieren. Wir sind dabei, ganz konkret an einem Projekt 24 Stunden Gründung, Unternehmensgründung digital sicherzustellen. Da sind wir noch nicht ganz da.

Sprecher 2: In zehn europäischen Ländern längst.

Sprecher 4: Nein, wir kriegen das hin. Ich hätte es gerne morgen, aber das dauert. Drei Tage länger. Warum eigentlich?

Sprecher 2: Ja, das ist ja jetzt nicht so, wachst du morgen auf und zack. Ja, aber warum?

Sprecher 4: Ja, warum gibt es das?

Sprecher 2: Das noch nicht. 20 europäische Länder sind in der Lage, in 40 Minuten...

Sprecher 4: Ich nutze den Rückspiegel immer nur, um besser nach vorne zu kommen. Warum es das nicht gibt? Weil wir es vielleicht noch nicht so gemacht haben. Wir versuchen ja, Ansätze zu wählen. Und es kann auch sein, dass bei uns wird nicht alles gelingen.

Sprecher 2: Ich frage wirklich, ob es ein Föderalismusproblem ist. Ist es ein Silo-Denken? Ist es fehlende Macht im Bund? Ist es kommunal? Was ist es? Was andere Länder hinkriegen.

Sprecher 4: Wir haben bei der Digitalisierung, ich will nur mal das Thema verdeutlichen, wir haben sogenannte 575 Online-Zugangsleistungen, die der Staat alle digitalisieren muss. Also zum Beispiel, wenn Sie heiraten, das kann man dann irgendwie, sollte man online können, zumindest einen Antrag stellen. Aus diesen 575, die nicht fertig sind, haben wir es geschafft, über 11.000 Kommunen, man kennt die Zahl nicht genau, ich nehme die niedrigere Zahl, 6.000 Varianten zu bauen. Das liegt daran, dass wenn Sie ein technisches Großprojekt auch in einem föderierten und dezentralen System machen, müssen Sie Standards vorher definieren. Und ich glaube, wir haben diesen Prozess einfach freien Lauf gelassen und da ist jetzt Wildwuchs entstanden. Und da kommt ja immer Fragen, was machst du mit Estland? Ja, super, was die machen. Wir sind aber am anderen Spektrum der Datenhaltung.

Sprecher 2: Ich finde es schlimmer, dass in Frankreich, Spanien und Italien digitaler sind als wir.

Sprecher 4: Ja, wir schlafen auch nicht ganz auf dem Baum. Aber ich finde schon, dass wir einiges haben. Und wir holen jetzt auf. Wir müssen die Geduld haben, nochmal zu den 24 Stunden. Das machen wir mit Schleswig-Holstein, die haben was Gutes gebaut. Und die Notarkammer wird den Prozess der notariellen Beglaubigung durchdigitalisieren. Da sind wir sehr zuversichtlich, dass wir es hinkriegen. Wir arbeiten im Ministerium in Projekten und die will ich auch messbar machen.

Sprecher 2: Wie viele sind das, wo Sie sagen, das will ich in den nächsten Jahren?

Sprecher 4: Wir haben aktuell acht Missionen. Das sind größere Baublöcke und 24 Stunden ist noch nicht mal eine Mission. Wir sind aktuell an der Grenze der Kapazitäten, die wir haben. Wir bauen ja das Ministerium auch noch auf. Aber da passiert schon was.

Sprecher 2: Sie sind ja der Star der Regierungsklausur im Oktober, habe ich gehört. Da wird es eine Kabinettsklausur geben, wo Sie zentral die Themen vorstellen sollen. Geben Sie uns, weil wir hier unter uns sind und niemand aufzeichnet, mal einen kleinen Einblick, was Sie da vorstellen wollen.

Sprecher 4: Ja, wir haben uns gemeinschaftlich im Kabinettsteam verabredet, das, was im Koalitionsvertrag steht, jetzt verbindlicher, messbarer zu machen. Das heißt, wir werden eine sogenannte Modernisierungsagenda für den Bund mit all den Maßnahmen, Entbürokratisierung, Service für Unternehmen und Bürger. Was müssen wir im System ändern? Öffentlicher Dienst, dass es durchlässiger wird, messbarer wird, also verschiedene Felder. Da wird ganz konkret aufgeschrieben, nach den einzelnen Ressortverantwortlichkeiten, wer was beiträgt.

Sprecher 2: Das wird dann auch... Ich wollte gerade sagen, beitragen soll, muss.

Sprecher 4: Will.

Sprecher 2: Ach so.

Sprecher 4: Wollen wir doch hoffentlich alle. Dann geht es um die Umsetzung. Und das werden wir auch quantifizieren. Und dann machen wir einen Strich drunter und dann steht da Summe. Bürokratiekostensenkung, 16 Milliarden Euro. Da gibt es ein Verfahren wie das. gemessen wird, das ist auch nachvollziehbar. Und auch beim Erfüllungsaufwand ist es ein substanzieller, einstelliger Milliardenbetrag. Und das geht es dann darum, in die Umsetzung zu bringen und nachzuhalten und permanent im Prozess zu sein.

Sprecher 2: Sie haben ja den Kabinettskollegen einen Brief geschrieben, also einen elektronischen natürlich, vor, glaube ich, zwei Wochen, und denen eine Frist gegeben, bis jetzt Montag, dass sie bitte mal ein paar klare bürokratische Regeln nennen sollen, die sie ersatzlos streichen dürfen. Kam irgendeine Antwort?

Sprecher 4: Also...

Sprecher 2: Er ist ja jetzt nicht mehr lange.

Sprecher 4: Also ich meine hier elektronisch einen Brief geschrieben, also PDF. Wahnsinn, also ganz weit vorne.

Sprecher 2: Manche sollen es sich ausgefuckt haben und in die Akten gelegt haben für den Minister dann.

Sprecher 4: Ja, genau. Wir haben es per E-Mail, nein. Das war ja alles vorab gesprochen. Und dann nach der Absprache gab es, wie abgesprochen, einen sehr höflichen Brief. Und wir sind guter Dinge. Dass wir irgendwann dann ein Ei legen. Sagen wir mal, wir haben auch besonders Fleißige und die haben uns mit echten guten Listen versorgt. Was man alles geht, plus Ideen, was man aber mit anderen Ressorts gemeinsam machen muss. Da ist auch ein Prozess. Und der 15.9. Ist wieder in der Schule. Die Hausaufgaben sind noch nicht fällig.

Sprecher 2: Ja, bald, bald.

Sprecher 4: Das machen wir doch alle. Wir haben doch alle das Interesse daran. Das wissen Sie.

Sprecher 2: Selbstverständlich. Die haben auch alle ein Interesse daran, dass Sie das hinkriegen. Alle Minister in Ihrem Kabinett haben ein Interesse, dass Sie das am Ende schaffen. Richtig? Da gibt es ja keine... Keine Ressort-Eitelkeiten oder so in der Bundesregierung.

Sprecher 4: Also ich stelle erstmal eine große Unterstützung fest. Und das Schöne ist, meine Motivation, ob man mir das glaubt oder nicht, ist eine Sache. Wenn ich einen kleinen Beitrag in den vier Jahren leisten kann, dass es echt an den Ecken ein paar vorangeht, habe ich meinen Job gemacht. Das kann meine Kraft sein. Das andere ist mir, ich bin ja sozusagen, ist auch mein Nachteil, ich komme nicht aus dem System, aber das ist auch vielleicht mein Vorteil.

Sprecher 2: Ja, absolut. Und der Wunsch der Bevölkerung, dass gerade Sie am Ende erfolgreich sind, ist wirklich ziemlich groß. Letzte Frage, Herr Wildberger. Am Ende ist die Digitalisierung Chefsache. Der Kanzler... Der knapp 70 Jahre alt ist und jetzt wahrscheinlich auch noch nie auf dem KI Big Bang Festival war, aber macht ja nichts, muss ja voll hinter ihrer Agenda stehen, damit von oben klar wird, ich will da Erfolge. Spürt man das? Ist das so? Oder hat er gerade außenpolitisch zu viele Konfliktthemen, die leider gerade prioritär sind?

Sprecher 4: Also erstmal sind wir froh, dass er auch außenpolitisch, muss ich ehrlich sagen, bei den Krisenherden in so kurzer Zeit so einen Job macht. Das sage ich Ihnen jetzt aus echter Überzeugung. Und zweitens ist, wie jung man ist, nicht eine Frage des Alters, sondern des Mindsets. Dieses Ministerium gäbe es halt nicht, wenn Friedrich Merz das nicht gewollt hätte. Ich kann Ihnen sagen, aus eigenen Gesprächen, aber auch Gesprächen, die ich sonst erlebt habe, die Tiefe... mit denen er technologische Zusammenhänge auch in ihrer Auswirkung versteht. Da liegt er ganz, ganz weit vorne. Und das ist, glaube ich, wichtig. Und ich glaube, die Unterstützung, na klar, ohne Unterstützung könnte ich es nicht machen. Die bekomme ich. Wir machen das, aber wie gesagt, es geht am Ende doch ums Land, um die Bürgerinnen und Bürger, um nichts anderes. Und ich hoffe, dass es auch überall angekommen ist. Aber ich muss nur sagen, wenn ich mit 70 oder ist es noch nicht 70, noch so, dann wäre ich schon happy.

Sprecher 2: Den Start zur Modernisierung, das Land zu digitalisieren. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei dieser bescheidenen kleinen Aufgabe. Vielen Dank, dass Sie heute da waren, Herr Wildberger. Vielen Dank.

Sprecher 3: Ich danke Ihnen sehr.

Sprecher 2: Flo, war noch was?

Sprecher 5: Mick, gestern perfektes Paradebeispiel für, hätte man eigentlich mal wissen müssen, Du erinnerst dich, um 11 Uhr der Warntag. War groß angekündigt in was, was ich eigentlich überall mehrfach erwähnt, damit es auch ja keiner mehr ist. Auch hier im Podcast. Auch hier im Podcast mehrfach thematisiert.

Sprecher 2: Und dann kam er doch überraschend.

Sprecher 5: Offensichtlich. Ich war gestern um elf in der dänischen Botschaft und dann ging natürlich auf eigentlich allen Handys, außer auf meinem, Alarmmeldung los. Und alle, wirklich alle Mitarbeiter kamen aus den Büros, streckten völlig verzweifelt den Kopf raus, weil man dachte, oh fuck, was ist denn jetzt los? Bis einer dann mal rief, Achtung, nein, gar kein Problem, das war angekündigt, Warntag und dann beruhigte sich die Lage auch schnell wieder.

Sprecher 2: Daher hier mein Appell an die Neurologen da draußen, bitte mal ein ausgiebiges Kopendium schreiben über das Kurzzeitgedächtnis, doch sehr dominant bei uns vorhanden. Dabei ist es doch eigentlich so schön, wenn man niemals etwas vergisst.

Sprecher 5: Und damit hören wir uns morgen tatsächlich schon wieder. Sarah Siebert und ich sind am Start und werfen einen Blick auf Finanz- und Sozialpolitik in Deutschland und in Frankreich. Freuen Sie sich drauf. 5 Uhr, Table Today.

Sprecher 6: Don't forget to tell your friends. Forget where you're coming from. It's only you. This remote is so hard to see. So be someone else's dream. Everybody sing. Never forget to know. La, la, la, la, la. Everybody's singing. Everybody, everybody, everybody, everybody. Don't get where you're coming from. This will all be some of the sea. Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Don't get where you're coming from. This will all be some of the sea. Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Everybody, everybody. Everybody, everybody. Don't get where you're coming from. This will all be some of the sea. Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, time. Don't get where you're coming from. This will all be some of the sea. Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, You're coming home. This will all be some of the sea. Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Everybody, everybody, everybody, everybody. Everybody, everybody. Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,