Was macht die Demokratie im Krieg, Frau Niejahr?
Das neue Wehrdienstmodernisierungsgesetz soll mehr Freiwillige für die Bundeswehr gewinnen. Kern des Gesetzes ist ein Fragebogen zum 18. Geburtstag, den Männer ausfüllen müssen und Frauen freiwillig beantworten können. Elisabeth Niejahr, Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, diskutiert mit Helene Bubrowski die gesellschaftliche Akzeptanz des Wehrdienstes.
[11:43]
Im Koalitionsausschuss gab es Manöverkritik und das Bekenntnis, weniger übereinander, aber dafür mehr miteinander zu sprechen.
Über Steuererhöhungen wurde nicht gesprochen, aber über das Sozialsystem. Bundeskanzler Friedrich Merz hat versichert, es gehe nicht darum, im sozialen Bereich zu kürzen. Sozialministerin Bärbel Bas sagte, man habe hier sowieso nicht weit auseinandergelegen. Aus ihrer Sicht besteht jetzt die Möglichkeit zu grundlegenden Reformen. Michael und Helene diskutieren über die erste Sitzung des Koalitionsausschusses nach der Sommerpause.
[01:07]
Das Traditionsunternehmen Miele steht im Spagat zwischen Kosteneinsparungen und Zukunftsinvestitionen. Es werden Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut, während gleichzeitig Millionen in den Standort investiert werden. Alexander Wiegmann vom CEO-Table hat Miele-Personalvorständin Rebecca Steinhage anlässlich der Internationalen Funkausstellung getroffen.
[06:20]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today. Democracy Spezial. In Kooperation mit der Harti Stiftung.
Sprecher 2: Sie haben offenbar einfach zu wenig miteinander gesprochen. Das jedenfalls ist das Fazit von Bärbel Baas beim Koalitionsausschuss gestern Abend. Es könnte also alles ganz einfach sein. Wir fragen uns, ob das wirklich so ist.
Sprecher 3: Der traditionsreiche Haushaltsgerätehersteller Miele aus Gütersloh will die Produktion teilweise zumindest nach Polen verlagern. 700 Stellen sind in Gefahr. Warum sie das eigentlich vorhaben, das haben wir die Personalvorständin Rebecca Steinhage gefragt.
Sprecher 2: Passt die Wehrpflicht zur Demokratie und was macht eigentlich die Demokratie, wenn Krieg ist? Darüber reden wir gleich mit Elisabeth Nier, der Geschäftsführerin der gemeinnützigen Hertie Stiftung.
Sprecher 3: Und zum Schluss kommt eine Kultmarke, die eigentlich schon insolvent war, kraftvoll wieder zurück. An diesem Donnerstag, den 4. September.
Sprecher 4: Wir haben uns in einem wirklich ausgesprochen guten Klima getroffen. Wir haben hier wirklich mit einer sehr großen Zuversicht die Themen angesprochen. Und wir sind entschlossen, dieses Land wieder gemeinsam voranzubringen. Das ist der Auftrag, den wir uns selbst gegeben haben, mit einem sehr nüchtern formulierten Koalitionsvertrag. Die Überschrift lautet, wie Sie alle wissen, Verantwortung für Deutschland. Dieser Verantwortung stellen wir uns gemeinsam. Vielen Dank.
Sprecher 5: Es ist in der Tat so, dass wir gute Gespräche geführt haben, auch um Klarheit zu schaffen für die nächsten Wochen.
Sprecher 6: Der heutige Tag ist wichtig, um nach der Sommerdepression der Koalition eine neue Herbstkraft zu finden. Es gab schon eine Menge aufzuarbeiten, es war ja spürbar. Das bedeutet an allererster Stelle, und da sind wir vier und da ist der ganze Koalitionsausschuss sich einig, es gibt noch vieles, was vor uns liegt und das wir anpacken müssen. Und ich bin sehr optimistisch, dass wir das gut gemeinsam hinbekommen werden. Und der Koalitionsausschuss heute war dafür ein bestmöglicher Start.
Sprecher 2: Es ist ein paar Tage her, dass die Fraktionen sich in Würzburg vorgenommen hatten, nicht mehr zu streiten, sondern beieinander zu sein. Und jetzt hat man den Eindruck, der Geist von Würzburg ist auch in Berlin angekommen, gestern beim Koalitionsausschuss. War vor allem eins zu hören, jetzt wissen wir, wie Regieren geht. Wir müssen einfach nur mehr miteinander sprechen. Dann laufen auch die schwierigsten Themen.
Sprecher 3: Es scheint, dass sie 120 Tage gebraucht haben, damit die wichtige Arbeit sozusagen... Sozialministerin mal einmal unter vier Augen mit dem Kanzler spricht. Aber gut, wenn es hilft. Immerhin, sie spricht jetzt öffentlich von der Reformfähigkeit des Sozialstaats. Es habe es nie unterschiedliche Interpretationen des Herbstes der Reform gegeben.
Sprecher 5: Ich sage hier ganz klar, man muss mich hier auch nicht zum Jagen tragen, sondern ich glaube, es ist jetzt auch eine gemeinsame Chance, darüber nachzudenken, wie wir auch unsere sozialen Versicherungssysteme auf... Sichere Füße stellen auch für die nächsten Generationen. Und da waren wir übrigens auch nie auseinander. Und deshalb war es wichtig, dass wir uns gegenseitig diese Klarheit nochmal verschafft haben.
Sprecher 2: Und Markus Söder hat sich nun auch aufgemacht, der große Friedensbringer zu sein. Man solle sich nicht gegenseitig den schwarzen oder roten Peter zuschieben.
Sprecher 7: Wir werden nur gemeinsam im Endeffekt erfolgreich sein oder gemeinsam scheitern. Also so ein Zwischending, wie einer mogelt sich ein bisschen raus, glaube ich, das wird nicht funktionieren.
Sprecher 2: So mahnt er der Mann, der mal von der letzten Patrone gesprochen hat mit Blick auf diese Bundesregierung. Also nun auch Ernsthaftigkeit aus dem Süden.
Sprecher 3: Die Bärbel der Friedrich, der Lars und der Markus. Also die Dudes-Freunde immerhin. Viele gute Laune in der Pressekonferenz und danach ja auch noch gestern Abend viele Stunden gemeinsames Abendessen. Und über all das, was demnächst ja sehr, sehr, sehr konfliktheer werden könnte, soll man sehr offen geredet haben.
Sprecher 2: Ein bisschen konnten sie sich natürlich auch feiern, denn in der Tat 48 von 60 Maßnahmen des Sofortprogramms haben sie schon. umgesetzt, was auch immer umsetzen dann bedeutet.
Sprecher 3: Drei Kabinettssitzungen jetzt bis Ende Oktober noch, wo alles aus dem Restprogramm dann auch noch reingepackt werden soll. Unter anderem ist das Zauberwort ja jetzt das öffentliche Interesse, das für diverse Brücken, Straßen, Fernleitungen im Stromnetz gelten soll. Und das könnte natürlich den Grünen gar nicht gefallen, denn so ziemlich viele, wenn nicht alle umweltrechtlichen Instanzen und Eingabeverfahren, die man dann so machen könnte, wenn irgendwo ein öffentliches Projekt gebaut wird, die sollen alle entfallen, so wie damals bei den LNG-Terminals.
Sprecher 2: Es geht um das überragende öffentliche Interesse, das zum Beispiel bewirkt hat, dass der Juchtenkäfer ganze Bahnhöfe verhindern konnte und irgendwelche anderen seltenen Tierarten für große Bauvorhaben das ausbedeutet haben. Das soll eben nicht mehr passieren, denn dort soll nun der Bau von großen Infrastrukturprojekten der Vorrang eingeräumt werden.
Sprecher 3: Ja, gestern Abend dann noch eine interne Nachricht an die Unionsspitzen in der Fraktion von Jens Spahn und Alexander Hoffmann, den beiden Fraktionsvorsitzenden. Also man will jetzt auch schneller und besser kommunizieren. Und da heißt es dann zu Bürgergeld, Energie, Haushaltsdefizit 2027 und den Sozialversicherungen haben wir uns auch zu Sachstand und weiteren Verfahren ausgetauscht, zu dem den kurzfristigen Bedarf bei Sozialversicherungsbeiträgen und Verkehrsinvestitionen erörtert. Also da kommt vielleicht doch noch was beim Thema Abgaben, Sozialabgaben. Und so heißt es zum Schluss am Montagstart. Wir dann gemeinsam in die Sitzungswoche wieder einmal viele treue Schwüre zu mehr Miteinander.
Sprecher 2: Jedenfalls der offene Streit über Steuererhöhung ist erstmal abgeräumt. Das sei kein Thema gewesen, so hat es der Kanzler gesagt. Dagegen Einigkeit in dem Grundsatz, dass man den Sozialstaat erhalten will.
Sprecher 4: Wir wollen ihn nicht schleifen, wir wollen ihn nicht abschaffen, wir wollen ihn nicht kürzen, sondern wir wollen ihn in seinen wichtigsten Funktionen erhalten und das heißt, wir müssen ihn reformieren.
Sprecher 2: In Klammern ja, wie denn sonst? Deutschland ist ein Sozialstaat und so steht es auch im Grundgesetz. In dieser floskelartigen Beschreibung jedenfalls sind sich die Koalitionäre einig. Was das dann konkret bedeutet, Michael, da würde ich schon davon ausgehen, dass wir da noch Diskussionen beobachten werden. Morgen beginnt in Berlin die internationale Funkausstellung. Und was ja so sehr altmodisch klingt, Funk, ist in Wahrheit die Präsentation der Technologie der Zukunft. Und das ist natürlich in Zeiten der Rezession, drittes Jahr der Rezession in Deutschland, ein wichtiger Gradmesser für den Zustand unserer Wirtschaft. Auch Miele ist dort vertreten, ein Traditionsunternehmen. Und dieses Unternehmen ist nun ein Paradebeispiel dafür, wie es um die aktuelle Wirtschaft bestellt ist. Miele hat angekündigt, bis 2027 rund 700 Arbeitsplätze von Gütersloh nach Polen zu verlegen. Und die Begründung ist nicht weiter überraschend. Wir hören sie von allen Seiten. Deutlich niedrigere Energiepreise und Bürokratiekosten in Polen im Vergleich zu Deutschland. Bis zum nächsten Jahr soll eine halbe Milliarde Euro eingespart werden. Gleichzeitig will das Unternehmen aber eine ebenso hohe Summe wieder in deutsche Standorte investieren. Also ein Spagat, gar nicht so einfach, zwischen Verlagerung und Standorttreue, zwischen Arbeitsplatzabbau und Zukunftsinvestitionen. Und über diesen letzten Teil, die Zukunftsinvestitionen, darum geht es natürlich auch auf der IFA. Dort hat das Unternehmen nun eine neue Idee präsentiert, nämlich Miele macht nicht nur Küchen für drinnen, sondern auch für draußen. Und zwar nicht nur auf Sizilien, sondern offensichtlich. Ich auch in Deutschland. In der Hoffnung auf, ja, was eigentlich weiterhin schönes Wetter. Alex Wiedmann von unserem CEO-Table hat mit Rebecca Steinhage, der Personalvorständin von Miele, über das gesprochen, was das Unternehmen so plant. Das ganze Interview lesen Sie am Samstag im CEO-Table. Hier gibt es nun einen kleinen Ausschnitt.
Sprecher 8: Herzlich willkommen im Podcast Table to Day, Frau Rebecca Steinhage.
Sprecher 9: Hallo?
Sprecher 8: Im vergangenen Jahr gab es Stellenabbau und Verlagerungen ins Ausland. Passt das mit einer Expansion in ein neues Geschäftsfeld zusammen?
Sprecher 9: Also für uns passt das schon zusammen. Es ist Transformation. Wir haben als Unternehmen immer den Anspruch, auch in der Innovation weiterzugehen und darum auch neue Geschäftsfelder zu finden. Gerade hier auf der IFA sieht man ja auch mit neuen Produkten. Unsere Schwerpunkte auch Richtung Küche da auch zu zeigen. Gleichzeitig gibt es auch Anpassungsbedarf und das gehört auch dazu, weil wir sind in einer sehr dynamischen Welt unterwegs und da müssen wir schauen, wie bleiben wir wettbewerbsfähig. Und dann gehören solche Veränderungen auch dazu, die wir aber übrigens wirklich sehr sozialverträglich auch gemeinsam abgewickelt haben.
Sprecher 8: Werden die Küchen dann in Deutschland produziert oder in Polen?
Sprecher 9: Also die werden an unterschiedlichsten Werken produziert. Deutschland, Österreich, ein Teil kommt aus China, es ist alles dabei. Aber es sind Miele-Werke, das ist ganz wichtig.
Sprecher 8: Und welcher Kundennutzen wird jetzt in den Outdoor-Kitchen-Bereich? Erzielt, wann wollen Sie damit profitabel sein?
Sprecher 9: Also das sind ja zwei Sachen. Also der Kundennutzer ist erstmal, Wir möchten den Menschen den Traum erfüllen oder ihnen dabei zu helfen, einen Traum zu erfüllen. Nämlich dieses Küchenerlebnis, dieses Kochen, dieses authentische Beisammensein auch nach draußen zu bringen und dort super Ergebnisse zu haben und nicht irgendwann einen nörgelnden Vater, weil die Bratwurst mal wieder schwarz geworden ist. Und es ist ein Explorationsfeld. Wir haben ja mit Otto Wilde da auch einen ganz tollen Partner gehabt und sehen zu, dass wir da jetzt auch erfolgreich mit sein werden.
Sprecher 8: In der Startup Otto Wilde habt ihr Millionen gesteckt, um den Grillmarkt zu erschließen. Das Unternehmen schrieb aber Verluste und jetzt wurde der Stecker gezogen. Was ist da schiefgelaufen und wie stellen Sie sicher, dass es bei den Outdoor-Kitchen jetzt besser läuft?
Sprecher 9: Also wenn man eine neue Kategorie erschließen möchte, musst du ja wahnsinnig viel lernen. Es geht um Kundengruppen, Kundenbedürfnisse, Technologien. Was gibt es eigentlich schon? Wie funktioniert das? Und da ist Otto Wilde wirklich ein sensationeller Partner gewesen. Und ich sage bewusst Partner. Natürlich hat Miele dieses Unternehmen erworben, aber wir haben dann auch diesen Weg in eine Miele-Küche, Outdoor-Kitchen gemeinsam gemacht.
Sprecher 8: Du selbst verantwortest den HR-Bereich bei Miele. Wie nehmt ihr die Mitarbeiter bei dieser Transformation mit? Einerseits Stellenabbau, andererseits Exploration in neue Geschäftsfelder?
Sprecher 9: Also ich glaube, Kommunikation ist da der Schlüssel und auch Beteiligung. Wenn wir uns anschauen, was sind die Transformationsfelder, wo müssen wir vielleicht auch digital? werden, wo haben wir Produktinnovationen, die wir abbilden wollen. Da ist das immer ein Dialog und es geht ganz viel über Workshops und es wird erklärt. Es werden aber auch, und ich glaube, das gehört auch dazu, dass man, ich sage mal, auch sagt, wo wir stehen, was funktioniert und was funktioniert einfach nicht mehr. Weil wie in jedem guten Team musst du halt auch ansprechen, wenn man sagt, du hier, das reicht nicht, da ist der Wettbewerb jetzt irgendwie uns auf den Fersen. Und zurück zu den eigenen Stärken und da auch wieder vorankommen. Also es ist ein bisschen von allem.
Sprecher 2: Und was funktioniert nicht mehr?
Sprecher 9: Ich glaube, dass wir tatsächlich aufpassen müssen, dass wir in den Entscheidungen schnell genug sind. Weil wir haben manchmal so diesen perfektionistischen Anspruch, das ist toll, aber jede Stärke hat auch eine Schwäche. Und wir haben halt international echt auch Wettbewerber, die sind wahnsinnig schnell in manchen Dingen. Und da müssen wir schauen, dass wir mitkommen.
Sprecher 2: Das neue Wehrdienstmodernisierungsgesetz ist in der vergangenen Woche im Kabinett beschlossen worden. Es sieht, wie wir hier ja auch schon besprochen haben, keine Rückkehr vor zur Wehrpflicht, sondern mit dem Gesetz sollen mehr Freiwillige gewonnen werden. Neu ist, dass alle Männer und Frauen zum 18. Geburtstag einen Fragebogen zugeschickt bekommen. Männer müssen ihn ausfüllen, Frauen können das selber entscheiden. In der Politik sind die Rückmeldungen durchaus kontrovers. Einigen geht das viel zu weit. Sie finden die junge Generation sowieso schon so sehr belastet. Anderen reicht es nicht aus. Sie wollen eine Rückkehr zur echten Wehrpflicht. Über diesen Gesetzentwurf und die Frage, wie sich die Demokratie in Kriegszeiten bewähren kann, spreche ich mit Elisabeth Nier, der Geschäftsführerin der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Sie kennen sie schon. Einmal im Monat ist hier Demokratietag und auch heute. Jetzt ist sie schon da. Hallo Elisabeth.
Sprecher 10: Hallo, Hille.
Sprecher 2: Sag mal, das Wehrdienstmodernisierungsgesetz. Ich habe es gesagt, es gibt zwei unterschiedliche Begründungen. Die eine ist mehr Leute für die Bundeswehr, die andere ist, ach, ist doch toll, wenn junge Leute einen Beitrag leisten. Das passt nicht so recht zusammen, würde man sagen. Oder stimmt beides? Ich weiß es nicht. Wie siehst du es? Ist das der richtige Weg?
Sprecher 10: Ich finde interessant, dass in Umfragen eine Mehrheit der Deutschen, die... Wehrpflicht sinnvoll findet, aber nicht unbedingt eine Mehrheit der jüngeren Menschen, also derjenigen, die tatsächlich davon betroffen werden. Unter Demokratiegesichtspunkten ist das nicht ganz einfach, wenn sozusagen Lasten ausgerechnet auf die Gruppe verschoben werden, die sich mehrheitstechnisch wenig dagegen wehren kann. Also für die Demokratie nicht unbedingt eine positive Entwicklung. Ich glaube, die Politik müsste stärker daran arbeiten, Menschen zu überzeugen, mehr darüber zu sprechen, was es eigentlich heißt, verteidigungsfähig zu sein, vielleicht auch ein Konzept zu entwickeln, das nicht nur die Jungen, die in den Wehrdienst müssten, selber betrifft, sondern auch zu erklären, wie die Bevölkerung insgesamt davon betroffen wäre. Ich glaube, Deutschland hat da noch eine Menge zu lernen. Lange war es einfach so, dass man dachte, falls es jemals irgendwie in eine kriegerische Situation kommt, erleben wir davon sowieso nicht viel, weil das eine nukleare Auseinandersetzung sein wird. Und ich glaube, der Ukraine-Krieg hat nochmal daran erinnert, dass ganz unterschiedliche Formen von Eskalationen möglich wären. Und an Nachbarländern wie Polen sieht man auch, dass das die Einstellung zur Wehrpflicht verändert. Da ist die Bereitschaft junger Menschen, das Land zu verteidigen, viel, viel größer als bei uns.
Sprecher 2: Nochmal kurz ein anderer Aspekt zu den jungen Leuten bei uns, die ja einwenden, dass sie sowieso schon so belastet sind auf ganz vielen Ebenen, zum Beispiel auch durch die hohen Schulden, die die Bundesregierung jetzt aufnimmt und so weiter und so weiter. Wie ist das? Ist es der richtige Weg? Weg denen jetzt auch noch eine Wehrpflicht, ein Pflichtjahr aufzudrücken. Wie gesagt, derzeit ist es ja auf freiwilliger Basis, aber das kann sich ja auch irgendwann ändern.
Sprecher 10: Die Bundesregierung hat ja explizit nur für diese Legislaturperiode die Freiwilligkeit festgelegt und nicht für die Zeit danach. Ich würde sagen, nach dieser Entscheidung sollte man wirklich alles ausreizen und sehen, was die Freiwilligkeit bringt. Man kann ja zum Beispiel durch Vergünstigungen, durch Bezahlung, durch Überzeugung, Wertschätzung auch den Wehrdienst attraktiver machen. Und erst wenn es sich wirklich zeigt, dass das nicht reicht, sollte man den Plan B in Kraft treten lassen, glaube ich. Und auch das erfordert eine andere Akzeptanz in der Bevölkerung und andere Überzeugungskraft und Debatten. Ich habe es schon damals für falsch gehalten, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, so im Zuge der Haushaltsberatung damals noch unter Karl Theodor zu Guttenberg. Denn solche großen zentralen Entscheidungen dürfen nicht einfach nebenher passieren, sondern erfordern... Wenn nicht eine breite Akzeptanz, so dann doch wenigstens eine breite Diskussion.
Sprecher 2: Aber Elisabeth, schauen wir auf was anderes. Du hast es gerade schon gesagt, ein interessanter Punkt. Wie bewährt sich eigentlich die Demokratie in Krisenzeiten, in Kriegszeiten? Früher dachte man, na gut, wenn es Krieg gibt, dann sind wir mehr oder weniger sowieso alle tot. Jedenfalls ist unser politisches System dann nicht mehr das, worauf es wirklich ankommt. Jetzt sehen wir, es gibt Krieg in Europa, es gibt andere Formen. Von Kriegsführung, Cyberkrieg zum Beispiel. Ja, was macht das mit unserem System? Wie fordert das die Demokratie heraus? Denn ja, Krieg ist dann eben doch auch Krieg. Da kann man nicht mehr lange debattieren und sich einigen, sondern da müssen schnelle Entscheidungen getroffen werden, oder?
Sprecher 10: Ich bin ja professionelle Demokratiebeobachterin, deswegen stelle ich mir die Frage auch, ich sehe, dass sehr viele Bücher zum Thema Demokratie erscheinen und ganz viel darüber gesprochen wird und auch über Sicherheitspolitik, aber nicht unbedingt, wie beides zusammenhängt. Und in der Tat, also Demokratie braucht Zeit, Demokratie braucht Transparenz. In Kriegs- und in Krisenzeiten gibt es oft so eine Affinität und größere Bereitschaft, auch irgendwelchen Strongmen zuzustimmen, die sich vielleicht nicht unbedingt als engagierte Demokraten bewährt haben. Also es wird manchmal so leicht hin behauptet, dass irgendwie Demokratien per se friedlicher seien und durch Demokratien keine Kriege geführt würden. Tatsächlich sind ja aber viele Demokratien, unter anderem auch in Deutschland, durch Kriege erzwungen worden oder herbeigeführt worden. Insofern ist der Zusammenhang doch ein bisschen komplizierter, als man manchmal so denkt. Ich musste bei der Vorbereitung für diesen Podcast an diesen Spruch All's fair in love and war denken. Sprichwort, das irgendwie auch daran erinnert, dass in Kriegszeiten andere Regeln gelten. Und ich glaube, man sollte darüber sprechen, inwieweit diese sicherheitspolitischen Szenarien auch möglicherweise unsere Haltung zu unserer Staatsform, verändern zum Schlechteren.
Sprecher 2: Wobei die Kriegsausbrüche, die Angriffe, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, Stichwort natürlich vor allem Russland, da war es ja schon so, dass jedenfalls mal Demokratien keine Kriege angefangen haben, oder? Also die Vorstellung, dass Demokratien per se erstmal friedlicher sind als jetzt Autokratien und Diktaturen, stimmt doch schon, oder nicht?
Sprecher 10: Es stimmt einerseits ja. Ich glaube nur, man darf nicht unterschätzen, dass in der öffentlichen Diskussion es manchmal anders aussieht, weil ja Donald Trump versucht hat, sich im amerikanischen Wahlkampf oder auch gegenüber seinen Wählern als Friedensstifter zu profilieren und zu sagen, wir wollen uns international weniger engagieren. Und wir sehen, dass in Deutschland die... Partei der früheren Friedensbewegung, die Grünen teilweise am härtesten für eine humanitäre Intervention in Krisenregionen argumentiert haben. Also ich will damit nur sagen, dass sich einige Vorzeichen verändern und es sich lohnt, darüber zu sprechen, wie man eine Akzeptanz in der Bevölkerung dafür herstellt, im Sinne der Demokratie sich auch militärisch zu engagieren und die, wie Pistorius gesagt hat, Kriegstüchtigkeit oder die wehrhafte Demokratie wirklich herzustellen. Und davon ist Deutschland eben noch sehr, sehr weit entfernt. Und ich glaube, das liegt daran, dass wir lange eine falsche Vorstellung davon hatten, wie Kriege aussehen.
Sprecher 2: Also für diese kriegerischen Situationen, für die Krisen gilt, Das, was wir auch in der Pandemie gesagt haben, es sind die Stunden der Exekutive, wo eben schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Du hast es gesagt, es gibt da dann eine Sehnsucht nach einem starken Mann. Wie ist das denn, Elisabeth, mit der Beendigung von Kriegen? Denn darüber wird ja bei uns jetzt gesprochen. Wann ist es Zeit? Die Unterstützung für die Ukraine einzustellen, wann muss die Ukraine einlenken und zu einem Friedensschluss bereit sein. Das sind ja, du hast Donald Trump angesprochen, eben auch jetzt von verschiedener Seite, dass da Druck ausgeübt wird. Und die Umfragen zeigen, dass auch in Deutschland viele Leute sagen, jetzt reicht es auch mal mit der Unterstützung der Ukraine. Was bedeutet es denn, Demokratie ernst zu nehmen im Umgang mit diesen Stimmen?
Sprecher 10: Wenn die Zweifel zu groß sind in der Bevölkerung unter Unterstützung der Ukraine, dann bleibt einer Regierung gar nichts anderes übrig, als auch darauf zu reagieren. Aber für mich ist gute Politik eben auch eine, die Führung zeigt, die versucht, Bevölkerung zu überzeugen, die sich Ziele setzt und dann guckt. Dass Menschen mitmachen, dass Menschen dafür gewonnen werden und nicht nur dem hinterherläuft, was Meinungsumfragen sagen. Insofern drücke ich persönlich denen die Daumen, die der Ukraine das Recht zu gestehen, ihre außenpolitischen Entscheidungen selbst zu fällen und da keinen Druck ausüben. Und ich hoffe, dass die deutsche Bevölkerung und die deutsche Wählerschaft da noch möglichst lange mitmacht.
Sprecher 2: Ja, so ist es mit der Demokratie. Entscheidungen. müssen getroffen werden, gerade in Krisenzeiten muss Demokratie auch Leadership zeigen und gleichzeitig geht es natürlich nicht gegen den Willen des Volkes, jedenfalls nicht dauerhaft. Elisabeth, danke, dass wir heute über dieses interessante, aber auch schwierige Thema gesprochen haben. Danke für die Möglichkeit. Tschüss. Lieber Flo, heute geht die Frage an dich. War noch was?
Sprecher 11: Ja, Helene, eine, sagen wir mal, Legende ist wieder zurück. Tupper kommt aus der Insolvenz zurück, zumindest in Europa. Ein französischer Investor hat jetzt sich dazu entschieden, das Ganze nochmal zu probieren, hat die Marke wiederbelebt und es soll jetzt demnächst in Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien und Polen wieder Tupperware geben. Aber man macht nicht einfach nur das Alte von... Anno dazu mal nochmal neu, sondern man möbelt das Portfolio ein bisschen auf, neben den klassischen Kunststoffdosen. Soll es dann jetzt in Zukunft auch welche aus Edelstahl oder sogar Glas geben?
Sprecher 2: Also edle Tupperpartys ist das, was mir einfällt. Wobei ich gestehen muss, dass ich noch nie in meinem Leben bei einer Tupperparty war und auch noch nicht mal eine Vorstellung habe, was man da eigentlich macht. Ich habe es ehrlich gesagt nie verstanden. Flo, warst du mal bei einer Tupperparty?
Sprecher 11: Nee, das ist ehrlich gesagt weit vor meiner Zeit. Und diese Tupper-Partys, also der Direktvertrieb, war ja auch dann das, was Tupper letztendlich in den Ruin getrieben hat. Von daher eher fraglich, ob die Partys von Tupper auch zurückkommen. Aber immerhin die Waren, die Tupper-Waren, und das ist ja das Wichtige, die kommen zurück.
Sprecher 2: Man nennt es übrigens Deonym. Tupper gehört auch dazu, wenn der Markenname zu einem Gattungsname wird. Also gib mir mal das Tupper rüber, auch wenn es vielleicht in Wahrheit von einer ganz anderen Firma ist. Also wir sehen, Tupper ist, obwohl Plastik, jedenfalls in der Vergangenheit, offensichtlich doch beständig.
Sprecher 11: Und trotz Krisen kann man sagen, bleibt die Marke weiterhin am Leben.
Sprecher 2: Wir freuen uns, wenn Sie am Freitag wieder dabei sind. Bis dahin, alles Gute, tschüss.
Sprecher 12: Better than I ever did. Looking like a true survivor. Feeling like a little kid. Still standing after all this time. Picking up the pieces of my life without you on my mind. I'm still standing. I'm still standing. I'm still standing better than I ever did. Looking like a true survivor. Feeling like a little kid.