Der Schwur von Würzburg
Die Koalitionsklausur in Würzburg hat die drei Koalitionsparteien einander nähergebracht -- so sagen sie es jedenfalls selbst. Inhaltlich gab es keine neuen Beschlüsse oder Konkretisierungen des Koalitionsvertrags. Atmosphärisch scheint es jedoch Fortschritte gegeben zu haben.
[01:10]
Die Ukraine steht vor der gewaltigen Aufgabe des Wiederaufbaus, wenn eines Tages Frieden herrscht. Deutsche Unternehmen wollen bei diesem Wiederaufbau dabei sein und knüpfen schon jetzt Kontakte. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubauer war in der Ukraine - begleitet von Andreas Engelhardt, dem CEO von Schüco.
Helene Bubrowski hat mit beiden gesprochen. Welche Möglichkeiten für die deutsche Wirtschaft gibt es? Welche Unterstützung braucht es von der Politik?
[06:37]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: In Würzburg haben sich die Spitzen von Union und SPD versprochen, künftig besser zusammenzuarbeiten. Einen neuen Teamgeist soll es geben, neues Vertrauen soll jetzt wachsen. Jetzt aber wirklich. Und beschlossen haben sie dann ziemlich viel Altbekanntes.
Sprecher 3: Friedrich Merz ist direkt nach seiner Frankreich-Reise zurückgekommen, hier nach Nordrhein-Westfalen und trifft an diesem Samstag in Bonn und dann am Montag in Münster auf seinen Widersacher Hendrik Wüst. Kann das gut gehen und was macht er eigentlich hier? Eine kleine Vorschau von uns hier direkt und live aus Bonn.
Sprecher 2: Ja, wir sind noch im schönen Rheinland und das freut uns sehr und haben außerdem deswegen zu Gast in diesem Podcast die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubauer von den Grünen, die in der Ukraine war und im Gespräch außerdem der CEO des Bielefelder Weltmarktführers Schüco, der sich dort auch beteiligen will und bei uns verrät, wie viele Millionen er dort investieren will.
Sprecher 3: Ganz schön viel in Nordrhein-Westfalen hier heute an diesem Samstag, den 30. August. Legen wir los.
Sprecher 4: Deutschland voranbringen, gemeinsam voranbringen. Auch das ist spürbar gewesen in den letzten zwei Tagen, in einem sehr guten, offenen, konstruktiven, aber eben auch kritisch aufarbeitenden Austausch. Das war sehr, sehr wichtig. Man fragt sich im Nachhinein, warum haben wir nicht früher schon mal auch in dieser Runde zusammengesessen in der Koalition. Das war offen, das war konstruktiv, das war gut. Und das gibt genau den Wind, den wir brauchen, um Deutschland gemeinsam voranzubringen.
Sprecher 3: Ja, gute Frage von Jens Spahn. Warum haben sich diese Fraktionsvorstände nicht schon früher mal zusammengesetzt und vielleicht die eine oder andere Konfliktsituation im Sommer hätte man dadurch verhindern können? Nun haben sie also zwei Tage in Würzburg verbracht bei Alexander Hoffmann, dem Chef der Landesgruppe. Es gab viel Teambuilding, lange Nächte an der Bar, gemeinsame Joggingrunden. Aber die Ergebnisse, die sind, Helene, oder korrigiere mich, dürftig, oder?
Sprecher 2: Ja, wobei man diese Stimmungsfrage ja nicht unterschätzen darf, denn am Ende funktioniert eine Koalition nur, wenn man sich gegenseitig was gönnt, wenn man aufeinander zukommt, wenn das Vertrauen da ist. Ich bin mir immer nicht so ganz sicher, wenn es so heftig gerumst hat, ob dann wirklich so ein Wochenende, an dem man mal gemeinsam joggt, so viel bringt. Also da könnte man jetzt lange in die Geschichte von Paartherapien einsteigen. Das wollen wir nicht tun, sondern wir wollen über Inhalte reden. Und ja, in der Tat, da ist nicht viel mehr, als das, was im Koalitionsvertrag drinsteht, rausgekommen.
Sprecher 3: Zunächst beginnt auch diese Koalition oder zumindest diese Koalitionsfraktion mit einem Bekenntnis zur Ukraine. soll wie von der NATO vorgesehen direkt aus dem Haushalt für die Verteidigung ausgegeben werden. Das ist das Bekenntnis. Und dann gibt es nochmal ein paar Anstöße und Fahrpläne für Gesetze, die aber alle schon im Koalitionsvertrag angelehnt waren. Das Sondervermögen für Infrastruktur soll natürlich im Bundestag auch beschlossen werden. Das Tariftreuegesetz, die Beschleunigung und Vereinfachung von Vergabeverfahren, all das kennt man schon. Auch die Energiepreisabsenkung. Also eigentlich hat diese Fraktionsklausur jetzt nochmal beschlossen, was das Kabinett der eigenen Koalitionsparteien ohnehin schon beschlossen hatte. Und man sagt jetzt, ja, wir werden es auch umsetzen. Naja.
Sprecher 2: Ja, das wirkt in der Tat ein bisschen merkwürdig, wenn man zu oft versichert, dass man das auch wirklich unbedingt und ganz sicher tun wird und tun will. Dann kommen ja eher Zweifel auf, ob das denn wirklich so ist, wenn man das so überbetont. Aber sei es drum, schwierig werden natürlich die Punkte, die jetzt nur umrissen sind, nämlich das Rentenpaket. Dort bleibt schwarz-rot bei der Haltelinie von 48 Prozent bis 2031. Außerdem die Mütterrente, die Aktivrente, die Frühstartrente. Aber da liegt natürlich der Teufel im Detail. Da kann ich jetzt schon versprechen, dass es kontroverse Debatten geben wird.
Sprecher 3: Eines der ersten Gesetze der Koalition jetzt im September wird die Bürgergeldreform sein. Auch da stehen ein paar Sätze in der Abschlusserklärung drin. Wer trotz Arbeitsfähigkeit wiederholt zumutbare Arbeit ablehnt, muss künftig mit einem vollständigen Leistungsentzug rechnen. Das war der Union wichtig, trifft in Wahrheit aber nur wenige tausend Personen im Börsen. Bürgergeld und naja, die neue Grundsicherung soll auch dafür sorgen, dass Menschen mehr von dem eigenen Vermögen in dieser Zeit berücksichtigen müssen, bevor sie den Staat um Hilfe bitten. Also da kommt es am Ende auf die Details an, aber eins ist schon sicher, die 1,3 Milliarden Euro, die Lars Klingbeil eingeplant hat beim Bürgergeld nächstes Jahr in Einsparung, die wird es laut den Experten so schnell nicht geben. Dafür ist das viel zu kompliziert, diese Menschen in Arbeit so schnell zu vermitteln.
Sprecher 2: Wir haben ein bisschen Pathos gesehen in Würzburg. Das ist ja nicht schlecht, wahrscheinlich sogar notwendig. Die Inszenierung von Politik, das dürfen wir bei aller Beschäftigung mit dem Inhalt nicht vergessen, gehört auch dazu. Und wenn es gelänge, eine andere Sprache zu finden, als immer in diesen Stanzen zu sprechen, könnte das vielleicht auch hilfreich sein, dass Vertrauen wieder wächst in das, was Politiker tun.
Sprecher 3: Mit dem Stichwort Inszenierung kommen wir direkt mal nach Nordrhein-Westfalen. Wenn es stimmt, 50 Prozent der Politik ist Inszenierung und Botschaften und Bilder und Symbolik, dann wird man sehr auf Münster schauen am Montag, wo Henrik Wüst und Friedrich Merz, die ewigen Widersacher der vergangenen Jahre, muss man sagen, einen westfälischen Frieden inszenieren werden mit einer gemeinsamen Kabinettssitzung, mit einem Eintrag ins goldene Buch des Kanzlers in Münster. Danach wird man Polizisten treffen. Es wird sehr viele schöne Bilder zweier Christdemokraten geben, die sich doch ganz lieb haben und selbstverständlich niemals jemals gegeneinander arbeiten würden. Da wollen zwei öffentlich zeigen, dass es doch miteinander geht. Aber glaubhaft? Ist das glaubhaft?
Sprecher 2: Naja, es ist eine ziemlich angestrengte Inszenierung, um nochmal bei diesem Wort zu bleiben. Da geben sich auch wieder welche ganz, ganz, ganz viel Mühe, ganz viel zu beweisen. Und auch da komme ich zurück, was ich gerade schon gesagt habe. Wer sich so anstrengen muss, Dinge zu betonen, zu überzubetonen, da kommen Zweifel auf. Auch das an die Adresse der Kommunikatoren. Don't overdo it.
Sprecher 3: Also die beiden hatten einfach nie so richtig einen guten Draht. Einer der ersten Termine war, da wurde Henrik Wüst nach Berlin geschickt, um mal vorzufühlen, ob nicht doch Friedrich Merz Lust hätte, als Oppositionsführer im Bundestag nicht lieber im Wahlkampf in NRW eine entscheidende Rolle zu spielen. Aber da gab es eine brüske Absage an den jungen Gesandten von Jürgen Rötgers damals in Berlin. Henrik Wüst fuhr zurück nach Nordrhein-Westfalen und dachte sich, nee, der hat nicht so wirklich Lust auf die Kernarbeit hier im Land. Naja, und jetzt könnte es irgendwann mal so sein, dass Henrik Wüst vielleicht derjenige ist, der auf Friedrich Merz folgt. Wir werden es beobachten und viele werden auf diese Zwischentöne auch heute auf dem Parteitag hier in Bonn im World Congress Center achten.
Sprecher 2: Blicken wir von Nordrhein-Westfalen aus auch auf die Ukraine, denn dort war in den letzten Tagen Mona Neubauer unterwegs, die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin von den Grünen. Sie hat sich mit zwei CEOs auf den Weg gemacht, um die Weichen zu stellen für künftiges deutsches Engagement beim Wiederaufbau der Ukraine. Und auf dem Rückweg, als diese Reisegruppe gerade aus dem Nachtzug gestiegen war von Kiew nach Lviv, habe ich mit Mona Neubauer gesprochen. Guten Morgen, Frau Neubauer.
Sprecher 5: Guten Morgen, Frau Bubrowski.
Sprecher 2: Erstmal eine Frage, wie geht es Ihnen, wie ist die Lage in der Ukraine?
Sprecher 5: Also angestrengt geht es mir und etwas müde. Die Nächte waren intensiv. Wir waren in Kiew als die... Terrorattacke Russlands auf Kiew stattfand, haben die Nacht gemeinsam mit den anderen Hotelgästen im Bunker verbracht, sind da wach geworden von den Geräuschen, die es eben macht, wenn die Luftabwehr aktiv wird. Insofern sehr, sehr eindrückliche Erinnerungen an diese Nacht, dieser Krieg ist. Real findet statt und ist der tragische Alltag der Ukrainerinnen und Ukrainer.
Sprecher 2: Sie sind aber hingefahren, um auch schon die erste Weichen zu stellen für die Zeit, wenn es irgendwann wieder Frieden geben sollte. Also Stichwort Wiederaufbau. Deswegen wurden Sie begleitet von zwei CEOs. Ist das nicht viel zu früh, sich darüber jetzt schon Gedanken zu machen, wenn doch noch die Bomben fallen?
Sprecher 5: Das war nicht meine erste Reise seit der vollständigen Invasion in die Ukraine. Wir waren im Februar 2024 schon vor Ort. Mit Vertretern unserer Außenwirtschaftsagentur und der Industrie- und Handelskammer und konnten aus dem Besuch schon ein erstes Abkommen zwischen einer Handelskammer in der Ukraine, in Dnipro, und einer bei uns in Nordrhein-Westfalen schließen. Das heißt, das Bekenntnis der nordrhein-westfälischen Wirtschaft, sich zu beteiligen, sich zu besprechen. Teiligen auf dem Weg in den Frieden ist gegeben. Und jetzt ging es darum, sich zu treffen, Gespräche zu führen, zu sehen, wo können wir von der ukrainischen Wirtschaft sozusagen Impulse mitnehmen, wo können wir die Fragen, die offen sind, wenn es um Investitionen geht, vielleicht vor Ort beantworten, Kontakte herstellen. Trotz der außergewöhnlichen Situation sehr eindrücklich, aber auch, glaube ich, langfristig verbindend.
Sprecher 2: Haben Sie jetzt weitere Abkommen oder Absichtserklärungen oder Ähnliches unterzeichnet bei Ihrer Reise? Ist etwas handfest dabei rausgekommen, was die deutsche Wirtschaft in der Ukraine konkret machen kann?
Sprecher 5: Also konkret ist dabei herausgekommen, dass die Unternehmen, die mich begleitet haben, einmal ohnehin schon in der Ukraine aktiv sind. Ein großes Lebensmittelindustrieunternehmen, was in 24 noch eine weitere Zuckerfabrik gekauft hat, was sich hier sehr, sehr intensiv versucht mit dem großen Digitalunternehmen Softsurf, deren Erkenntnisse zu nutzen für die Digitalisierung der landwirtschaftlichen Prozesse. Also wirklich ein tolles Joint Venture. Und Schüco, die mich begleiten, die in der ganzen Frage von Wiederaufbau, es wird sehr, sehr hohen Bedarf geben, auch am Errichten von Wohnhäusern, von Krankenhäusern, von Kindergärten. Und dafür sind konkrete Gespräche gewirkt worden zwischen den Unternehmen, dem Ministerium. Ministeriumvertretern von Netzwerken, die es hier gibt. Und wenn ich das so sagen darf, das werden die Unternehmen natürlich alleine entscheiden, aber die Unsicherheiten sind weniger geworden, weil man direkt sprechen konnte und gesehen hat, was für ein Potenzial in der Ukraine steckt. Gut ausgebildete Fachkräfte, auch wenn es sehr wenige sind, ein Maß an Digitalisierung, wo wirklich wir als Bundesrepublik einfach sagen können, wenn Verwaltung so digital ist, dann macht es auch Spaß als Wirtschaft. Und Bürger mit dem Staat in Verwaltungsvorgängen zu tun zu haben. Also großes Potenzial und so intensive Gespräche, dass ich meine, daraus wird auch was entstehen.
Sprecher 2: Also man kann in der Ukraine Geld verdienen?
Sprecher 5: Absolut. Also ein großer Chemiekonzern aus Nordrhein-Westfalen hat jetzt in den letzten Jahren 60 Millionen investiert. Und wird, wenn man das so sagen kann, belohnt mit Wachstumsraten von 20 Prozent. Also es gibt ja einen wahnsinnigen Bedarf, einen Bedarf an Baustoffen, einen Bedarf an zum Beispiel Maschinen- und Anlagenbau, damit die guten digitalen Ideen auch übersetzt werden können dann in Produktion. Da sind wir in Nordrhein-Westfalen ja ein wahnsinnig starkes und mit Expertise versehenes Land in Deutschland. Und deswegen glaube ich, ja, man kann hier gut Geld verdienen.
Sprecher 2: Trotzdem ist es ja eine Investition oder die Planung einer Investition in einem Kriegsgebiet. Sie haben es selber gerade eindrücklich beschrieben. Und dadurch natürlich... Eine gefährdete Investition. Gibt es da von staatlicher Seite irgendeine Art von Absicherung, Versicherung? Wie wollen Sie diese Investitionen anreizen?
Sprecher 5: Es gibt von europäischer Seite und auch von deutscher Seite Garantien, wenn man so sagen will, dass man... Sollte eine Anlage durch einen Kriegsschaden zerstört werden, eben abgesichert ist. Das Ganze ist aber sehr, sehr kompliziert und ich sage mal, gerade mittelständische Unternehmen, die bei uns sehr leistungsstark sind in Deutschland, brauchen da eine Vereinfachung. Also wie ist es möglich, dass zum Beispiel... Gesellschaft der Garantien einfach abgewickelt werden können. Kann man da nicht über andere Ideen nachdenken, als die, die gerade existieren? Es geht darum, nicht nur für uns konzentriert weiter daran zu arbeiten, in Deutschland digital und schlank zu sein als Staat, sondern auch in dem, wo wir unseren Unternehmen helfen wollen, die Türen aufzumachen in interessante neue Märkte, aber eben auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die ukrainische Gesellschaft, die ukrainische Wirtschaft sieht, es gibt ein Interesse, auch wirtschaftlich mit dafür zu sorgen, dass es den Weg in die Europäische Union gibt.
Sprecher 2: Ja und zum Schluss Frau Neubauer, welche Sektoren sind denn jetzt auch für die deutsche oder nordrhein-westfälische Wirtschaft in der Ukraine besonders interessant?
Sprecher 5: Besonders interessant ist für uns der ganze Bereich des Infrastrukturbaus, aber selbstverständlich auch des Hochbaus. Es wird viel, viel Bedarf geben, Häuser wieder zu bauen. Wir haben eine starke Bauindustrie in Nordrhein-Westfalen und da ist ein riesiger Markt, den man erschließen kann. Das jetzt vorzubereiten, ist das, was zu tun ist. Zu sagen, wir bekennen uns zu einer Investition, weil nachvollziehbar ist, dass Unternehmen heute sagen, im Zustand kriegerischer Auseinandersetzung. In der Nacht, als wir in Kiew waren, sind Raketen auf Kiew eingeschlagen. Über 20 Menschen, so sind die aktuellen Zahlen, haben ihr Leben verloren. Und Häuser werden aktuell ja noch zerstört. Aber das jetzt so weit vorzubereiten, dass man dann mit drin ist, bevor, wenn ich das so sagen darf, auch Wunsch der Ukraine, andere Regionen der Erde sich die Tortenstücke nehmen. Hoffen Sie darauf, dass auch wirtschaftlich europäische Unternehmen Teil dessen werden, dass man gemeinsam wachsen kann in einem friedlichen Europa.
Sprecher 2: Wer sind denn die anderen Länder, die jetzt sich schon überlegen, welches Tortenstück sie sich nehmen, wie Sie es so schön gesagt haben? Wer hat schon ansonsten die Fühler ausgestreckt?
Sprecher 5: Sehr stark wurde uns berichtet, ist die Türkei unterwegs mit Investitionen, also tatsächlichen Investitionen und auch Überlegungen, das weiter zu betreiben. Ich muss sagen, mein Eindruck ist, die Vertreter der Ukraine, mit denen wir gesprochen haben, egal ob es Think Tank waren, ob es... Vertreter der Exekutive waren, haben sehr, sehr hohe Sensibilität, wenn es um Investitionen aus China geht. Wir wollen nicht einseitig abhängig werden in der Ukraine und sie wollen vor allem und das mit allem Nachdruck Teil Europas werden und sind sozusagen sehr, sehr interessiert bei allem, was jetzt vorbereitet wird. Kommt immer die Frage, wenn wir das so machen, ist das ein Weg, der dann in die europäische Integration führt? Also eine riesige Chance für Europa, eine Verpflichtung jetzt. mitzuhelfen, dass dieser Krieg so schnell wie möglich beendet ist. Putin kann diesen Krieg sofort beenden, aber eben auch für eine Zukunft jetzt Zusagen zu geben, dass man investieren wird als Europa in der Ukraine.
Sprecher 2: Frau Neuber, noch eine allerletzte Frage an Sie als Grüne. Was ändert sich für die Grüne Partei nach dem Ausscheiden von Robert Habeck?
Sprecher 5: Robert Habeck hat die Grüne Partei über Jahre geprägt. Er hat als Person, glaube ich, vielen Bürgerinnen und Bürgern in krisenhaften Zeiten durch die Art und Weise, wie er erklärt hat, worum geht es hier eigentlich gerade, ein Stück weit Orientierung gegeben. Ich glaube, das können die Grünen schaffen. Im Vorbild Robert Habecks, diesen Kompasspunkt, diese Orientierung, diese Verortung des politischen Anstands nicht aufzugeben, sondern im besten Sinne unsere freiheitliche Demokratie zu verteidigen. Das wird ein Weg, den ich glaube, wir imstande sind, auch ohne Robert Habeck weiterzugehen, aber zugegebenermaßen ist es natürlich ein einen Schritt und ja, sowas. Das ist ähnliches wie ein Einschnitt für uns.
Sprecher 2: Also er wird fehlen?
Sprecher 5: Also wenn ich das so sagen darf, mir wird er fehlen, ja.
Sprecher 2: Vielen Dank für das Gespräch heute Morgen, Frau Neuber, und kommen Sie sicher nach Hause.
Sprecher 5: Dankeschön.
Sprecher 2: Auch Volodymyr Zelensky und einige Ukrainer werden Robert Habeck sicherlich vermissen, denn das dürfen wir bei allem nicht vergessen. Er war einer der wichtigsten Fürsprecher für die militärische Unterstützung der Ukraine, lange bevor die Grünen zu den Waffenexperten geworden sind. In Begleitung von Mona Neubauer war Andreas Engelhardt in der Ukraine. Er ist der CEO von Schüco, dem Weltmarktführer, der unter anderem Fenster und Türen einbaut und da in der Ukraine natürlich viel zu tun haben könnte. Insgesamt werden die Kosten für den Wiederaufbau der Ukraine in allen Bereichen auf 850 Milliarden Euro geschätzt. Eine unglaubliche Summe für die deutsche Wirtschaft, möglicherweise auch eine Chance, aber auch ein Risiko. Was Herr Engelhardt in der Ukraine vorhat, das hat er uns erzählt. Wir haben auch mit ihm gesprochen, während er noch in der Ukraine war.
Sprecher 6: Ich grüße Sie aus der Ukraine.
Sprecher 2: Ja, Sie haben Frau Neubauer begleitet und schon offenbar die Weichen gestellt für große Investitionen in der Ukraine. Können Sie uns sagen, was Sie konkret vorhaben und wann das beginnen soll?
Sprecher 6: Ja, ich habe Frau Ministerin Neubauer gerne begleitet, weil wir natürlich auch ein Zeichen als Unternehmer setzen wollen, die Politik zu unterstützen. selber auch ein Zeichen setzen wollen, dass wir solidarisch sind mit dem ukrainischen Volk, die letztendlich ja auch für uns hier im gesamten Westen die Demokratie verteidigen und das hautnah auch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind ein Familienunternehmen. Mit Schüco Brand sind wir in der Ukraine seit den 90er Jahren mit einem kleinen Vertriebsteam und die haben nie das Land verlassen. Wir sind immer solidarisch auch zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewesen. Das gilt natürlich. Während des Krieges und das gilt natürlich vor allen Dingen auch für die Zeit danach. Und der Besuch soll ein Zeichen setzen und für uns auch ein klares Commitment. Wir haben ja auch gute Gespräche geführt, zum Beispiel mit dem Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, dass wir als Unternehmen weiter investieren wollen, uns vergrößern wollen und auch vorbereitet sein wollen für den Wiederaufbau. Ja, so aberwitzig das natürlich klingt und so sensibel man das behandeln muss, dass man während der kriegerischen Aktivitäten auch schon über Wiederaufbau nachdenkt, aber das sollten wir als deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer auf jeden Fall machen.
Sprecher 2: Also aus Ihrer Sicht ist es nicht zu früh, aber können Sie denn schon konkret sagen, eine Hausnummer, was Sie... Investieren wollen in der Ukraine.
Sprecher 6: Wir haben ja hier auch Gespräche geführt, um genau das herauszufinden, wie die Bedürfnisse auch sind, da wir uns mit neuen und natürlich mit Wiederaufbau von Gebäuden beschäftigen, das ist unser Kerngeschäft, Türen, Fenster, Fassaden. Sicherheitsfassaden ist auch ein großes Thema. Wir machen ja auch Sicherheitsfassaden in sehr angestrengten Bereichen. Wir haben sicherlich schon Millionen Euro investiert im Sinne von lange da, lange Logistik. Wir haben unsere Kundenschaft, wir haben ja Kunden, die für uns die Fassaden erstellen. Sozusagen ans Gebäude bringen. Und ich gehe davon aus, dass auch ein einstelliger Millionenbetrag zwischen 1 und 10 Millionen sicherlich, und das wird irgendwo die Mitte sein, in den nächsten 2, 3 Jahren wieder in die Ukraine fließen wird.
Sprecher 2: Und dann aber, verstehe ich das richtig, Wenn irgendwann es hoffentlich einen belastbaren Frieden gibt, dann in viel größerem Maße, könnten Sie sich vorstellen, sich an dem Wiederaufbau ja von großen Teilen des Landes zumindest zu beteiligen?
Sprecher 6: Ja, absolut. Und die Zahl, die ich nenne, ist ja nur eine Einschätzung für einen weiteren Schritt. Voraussetzung ist mindestens mal ein Waffenstillstand. Ich glaube, dann würde schon sehr viel geholfen. Es wäre sehr viel geholfen, wenn die Waffen ruhen würden und wenn wieder Vertrauen auch in bestimmte geschäftliche Aktivitäten kommen würde. Es gibt ja da keine Sicherheit im Moment. Das hält auch alle Investoren, private, staatliche. Auch zurück und ein dauerhaftes Friedensabkommen ist natürlich unabdingbar, deswegen muss alles getan werden, damit so etwas erreicht wird und dann potenziert sich das und ich glaube auch, dass die Ukraine dann ein Rule Model, ein Beispiel sein wird, wie man einen Wiederaufbau nachhaltig gestaltet. Wir haben viele Gespräche zur Digitalisierung von Prozessen geführt. Aus dem Zwang des Krieges heraus sind sie federführend geworden und die Technologien nutzen wir natürlich auch für unsere eigenen Produkte. Die Ukraine kann da ein ganz tolles Beispiel in Europa sein und auch vor allen Dingen werden. Und das ist unendlich groß. Das haben, glaube ich, manche Unternehmer noch gar nicht erkannt. Und man muss nicht kommen, man darf nicht hier hinkommen, wenn der Frieden da ist. Man muss vorher vorbereitet sein, man muss sein Netzwerk haben, man muss eigene Mitarbeiter haben. Wir bereiten uns jetzt schon vor, mit Vitali Klitschko haben wir besprochen, dass wir zum Beispiel spezielle Arbeitsplätze einrichten für... Verletzte für versehrte Menschen, die Kriegsopfer geworden sind, zivile oder militärische, die nur bestimmte Tätigkeiten durchführen können. Solche Dinge müssen vorbereitet werden, gut vorbereitet werden und da glaube ich fest daran, dass das gut funktionieren wird.
Sprecher 2: Also während die einen oder anderen Politiker in Berlin der Meinung sind, es ist zu früh, über die Rolle der Bundeswehr zu sprechen, ist die deutsche Wirtschaft schon dabei, die Weichen mitzustellen für die Ukraine. Herr Engelert, eine letzte Frage. Sie hatten jetzt ja Zeit, mit Mona Neubauer zu sprechen. Da würde mich schon interessieren, was haben Sie ihr gesagt, was brauchen Sie von Seiten der Politik an Hilfestellungen, um das Ganze zu begleiten, aber auch zu fördern, die Investitionen in der Ukraine, die, wie Sie sagen, ja einerseits politisch, aber natürlich auch wirtschaftlich für Sie am Ende attraktiv sein können.
Sprecher 6: Also ich glaube, wir müssen eine faire Risikoverteilung haben. Die Unternehmen sind bereit, ein eigenes Risiko anzugehen. Das ist am Ende des Tages natürlich ein finanzielles Risiko, aber das können wir nicht alleine tun. Also wir können nicht Millionen anpacken auf Dauer, ja, über mehrere Jahre. Und keine Unterstützung im Sinne der Sicherheit bekommen. Und diesen Komplex müssen wir uns eigentlich teilen und sagen, wer kann hier welche Gewährleistung übernehmen für welchen Teil. Wir sind bereit, unseren Teil zu tun, aber mein Wunsch an die Politik wäre, das geht natürlich nach Düsseldorf, NRW ist ja hier sehr engagiert. Aber da geht natürlich auch nach Berlin, die Unternehmen nicht alleine zu lassen. Am Ende des Tages haben wir ja alle was davon. Es nützt ja nichts, ich sage es mal ganz offen, wenn der Wiederaufbau ausschließlich von amerikanischen Firmen gemacht wird. Da habe ich schon ein Interesse. Das spreche ich auch aus. Finde ich auch in Ordnung, wenn das europäische oder in unserem Fall deutsche Unternehmen tun.
Sprecher 2: Nicht alleine zu lassen heißt konkret?
Sprecher 6: Sicherheiten zu geben, wenn etwas schief gehen sollte zum Beispiel. Unterstützung bei bürokratischen Prozessen. Das machen wir natürlich auch mit den Behörden hier vor Ort. Da nutzen wir jetzt schon das Netzwerk, was NRW hat, gemeinschaftlich mit den Vertretern der Ukraine. Hier muss auch viel Bewegung natürlich rein, dass Sicherheit ist, wenn man Grundstücke mietet, wenn man Grundstücke und Gebäude kauft. Alles das sind Fragen, die unbürokratisch sind. und schnell beantwortet werden müssen. Und da kann natürlich unsere deutsche Politik hoffentlich auch helfen. Obwohl wir auch nicht immer die Schnellsten sind in Deutschland. Wir haben da schon auch nochmal die Geschwindigkeit zuzulegen. Das ist auch unser größtes Problem gerade.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Engelhardt. Ihnen alles Gute. Kommen Sie sicher wieder nach Hause.
Sprecher 6: Sehr gerne. Vielen Dank auch Ihnen.
Sprecher 3: Auf die Wirtschaft kommt es an, in der Ukraine mehr denn je. Aber auch in Deutschland, hier in NRW auf dem Parteitag wird wahrscheinlich sehr intensiv über die Wirtschaftskrise gesprochen. Denn wir haben inzwischen drei Millionen Arbeitslose. Auch diese Zahl des vergangenen Tages erschreckt hier einige Politikerinnen und Politiker. Das soll es trotzdem gewesen sein von unserem kleinen NRW-Spezial an Ort und Stelle, wo Helene und ich ja früher durchaus, leider kannten wir uns nicht, beide unsere Wurzeln hatten, zumindest die akademischen. Richtig, Helene?
Sprecher 2: Es sind bei weitem nicht nur akademische Wurzeln, sondern es sind viele Erinnerungen, die ich hier habe, viele schöne Erinnerungen. Es war eine glückliche Zeit. Ich bin jetzt sehr froh, dass ich manches wieder gesehen habe. Bei allen politischen Terminen ist der Blick auf den Rhein und der Blick auf den Kölner Dom doch was ganz Tolles.
Sprecher 3: Doch ist es ein bisschen schon her mit uns beiden hier in Köln an der Universität. Aber immer wieder schön zurückzukommen. Montag, Table Today, 5 Uhr sind wir dann wieder da. Bis dahin.
Sprecher 7: But I'm not here for God's sake. But I'm not here. I'm here for the long run. I'm blind here, so come back. But I'm blind here. But I'm blind here for the time. But I'm blind here. What I'm like here, what I'm like, what I'm like here. But I'm not here for the time. But I'm not here. But I'm here for the long run. But I'm not here. But I'm not here for the underground. But I'm blind here. But I'm blind here.