Findet Schwarz-Rot wieder zusammen?
Die Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD treffen sich zur Klausur in Würzburg. Nach einem schwierigen Start soll das Vertrauen zwischen den Koalitionspartnern wiederhergestellt werden. Der „Geist von Würzburg“ soll eine neue Basis für die Zusammenarbeit schaffen. Die großen Reformen bei Rente, Gesundheit und Bürgergeld stehen in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Plan – da müssen Schwarz und Rot zu vermutlich teils schwierigen Kompromissen finden. Über allem steht die Frage des Geldes und damit auch die Fragen: Wo kürzen wir? Und wo erhöhen wir die Steuern?
[01:17]
Die FDP liegt nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag bei drei Prozent. Helene Bubrowski spricht mit dem ehemaligen Vize-Fraktionschef Konstantin Kuhle über die Fehler der Vergangenheit und die Pläne für die Zukunft. Die FDP habe es versäumt, realistische Erwartungen an das Regierungshandeln zu formulieren, sagt Kuhle. „Man kann als Partei, die 10, 11 Prozent der Wählerstimmen erreicht, nicht erwarten, dass man 100 Prozent der Regierungstätigkeit beeinflusst.“
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Schwarz-Rot trifft sich zum großen Teambuilding-Event in Würzburg. Die Spitzen beider Fraktionen sind auf der berühmten Mainbrücke zusammengekommen und anschließend im Hotel zur Klausur. Es gab treue Schwüre, auch den ein oder anderen fränkischen Wein. Und Sarah Sievert ist für uns dabei und sagt uns, ob Union und SPD doch noch richtig zusammenkommen.
Sprecher 3: In Bonn, wo Michael und ich aus unterschiedlichen Gründen beide heute sind, Denken Liberale darüber nach, wie sie die FDP wieder aufbauen können. Denn derzeit ist die Partei bei drei Prozent. Geht da noch ein Comeback? Wir haben darüber mit Konstantin Kuhle gesprochen, den ehemaligen FDP-Vizefraktionsvorsitzenden. Und er sagt uns, aus welchen Fehlern die Partei lernen sollte.
Sprecher 2: Die FDP auf der Höhe der Tierschutzpartei, das muss analysiert werden. Und dann am Samstag übrigens auch noch der CDU-Parteitag hier in Bonn. Also gute Gründe für Lene und mich hier zu sein am Rheinufer, am wunderschönen Rhein. Zum Schluss geht es bei uns heute noch um Bücher und einen besorgniserregenden Trend. Es ist Freitag, der 29. August. Starten wir ins Wochenende.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 5: Ein herzliches Willkommen zu Würzburg 2025. Meine Damen, meine Herren, ich war mit Matthias Mier schon mit Jens Spahn vorhin auf der alten Mainbrücke. Da haben wir einen kräftigen Luftzug Frankens genommen. Die alte Mainbrücke, seit Jahrhunderten ein Bauwerk, das die Zeit überdauert und das nicht nur zwei Ufer verbindet, sondern es verbindet die Menschen. Diese Koalition will und wird Brückenbauer sein.
Sprecher 6: Und dann sind wir zu Fuß wieder ins Hotel gekommen. Auf dem Weg dahin haben uns Passanten angesprochen. Die haben gesagt, ihr müsst das hinkriegen. Ich glaube, das ist das, was die Bürgerinnen und Bürger von uns erwarten.
Sprecher 7: Und wenn uns gestern die Passanten gesagt haben, ihr müsst das hinkriegen, dann ist das für mich anders übersetzt. Wir sind zum Erfolg verpflichtet. Wir bedauern, dass wir so in die Sommerpause gestartet sind. Das hätte besser, das hätte anders laufen müssen. Wir nutzen jetzt aber gleichzeitig die Chance, denn darum geht es ja nach vorne hin, auch diesen Unterschied zu machen. Wir müssen das hinkriegen.
Sprecher 3: Da wollte sich doch die schwarz-rote Koalition möglichst wenig mit sich selbst beschäftigen. Jetzt trifft sie sich zur Fraktionsklausur, zur gemeinsamen Fraktionsklausur in Würzburg. Und erstmal geht es nur um sich selbst, also um die beiden Partner und wie sie wieder besser zusammenfinden, wie sie Vertrauen aufbauen, wie sie das, was in den ersten 100 Tagen schon, sagen wir mal, beschädigt worden ist, kitten und wie sie jetzt voranschreiten in das, was sie wollen. was sicherlich nicht einfach wird im Herbst.
Sprecher 2: Das erinnert mich an eine der ersten Gespräche, die es offenbar zwischen Friedrich Merz und Lars Klingbeil gegeben haben soll, wo man genau das nicht machen wollte, was man in der Ampel gemacht hat, nämlich sich gegenseitig Medienberichte und Äußerungen von anderen Koalitionspartnern über einen selbst vorlegen, um dann darüber kritisch zu diskutieren. Genau das wollte man nicht. Und jetzt geht es erstmal wieder darum, wer hat was, warum gesagt und wie findet man wieder zusammen.
Sprecher 3: Aber in der schönen Stadt Würzburg, dieser Residenzstadt, in der es guten Wein gibt und den lieblichen Main, Dort macht man sich dann vielleicht doch die ein oder andere nette Stunde miteinander. Es ist ja die Idee, wenn man sich außerhalb Berlins trifft, an einem Ort, der etwas abgeschieden ist, wo man auch mal Abende zum Beispiel ohne Journalisten verbringen kann, wobei zahlreiche von denen da sind, unter anderem unsere Kollegin Sarah Siebert, vielleicht sich sogar das Du anbietet oder ein bisschen was voneinander erfährt. Das kann schon hilfreich sein, denn in der Politik ist es wie überall sonst. Es geht nicht nur um den Kopf, sondern Vertrauen wächst auch durch gemeinsame Erfahrungen, durch ein gemeinsames Gefühl, das man entwickelt von dem, was man da tut.
Sprecher 2: Die Frage ist also, jenseits aller Inhalte, kriegen diese Partner es miteinander hin und zwar menschlich? Da müssen wir jemanden fragen, der wirklich dabei ist an der Bar auf den Fluren vor Ort in Würzburg. Sarah Sievert, die stellvertretende Redaktionsleiterin unseres Berlin-Table. Hallo nach Würzburg, hallo Sarah.
Sprecher 3: Hallo Michael.
Sprecher 2: Wie angeknackst ist denn das Verhältnis zwischen den beiden jetzt, bevor es zu diesem Treffen in Würzburg kam.
Sprecher 8: Das ist genau der Punkt. Das Vertrauen ist nach den ersten Monaten der Zusammenarbeit teilweise wirklich sehr angeknackst, besonders auf Seiten der SPD, aber auch bei der Union. Jetzt muss man einmal dazu sagen, dass ja bei dieser Klausurtagung in Würzburg nur ein kleiner Teil der Fraktionen anwesend war, nämlich der geschäftsführende Fraktionsvorstand. Die allermeisten Abgeordneten von CDU, CSU und SPD haben das Treffen nur aus der Ferne beobachtet. Und waren und sind so auch gar nicht Teil dieser ja doch sehr notwendigen Aussprachen, die hier stattgefunden haben und immer noch stattfinden. Und deswegen ist auch die Frage, wie bindend das, was jetzt hier beschlossen wird, am Ende tatsächlich ist. Es wird sehr darauf ankommen, wie sehr... Alexander Hoffmann, Jens Spahn und Matthias Miersch, ihre Fraktionen am Ende hinter sich wissen.
Sprecher 2: Okay, der geschäftsführende Fraktionsvorstand ist vor Ort, also schon die wichtigen Entscheider. Welche Maßnahmen wurden denn dort getroffen? Wie sah das Teambuilding aus? Wie ist die Stimmung?
Sprecher 8: Ja, umso bemühter war man natürlich bislang. Unter den anwesenden Fraktionsspitzen ganz demonstrativ Harmonie auszustrahlen. Also Matthias Miersch und Jens Spahn und Alexander Hoffmann sind am Mittwoch extra früher angereist, um schon mal zu dritt was essen zu gehen, sich auch schon mal vorab so ein bisschen zu besprechen, bevor am Donnerstag die Klausur losgegangen ist. Auch sonst. wurde immer wieder betont, dass es jetzt einen neuen Geist geben soll für die Zusammenarbeit, der Geist von Würzburg, so hat Spahn ihn genannt. Also man war da schon sehr bemüht darum zu zeigen, dass sich jetzt was ändern soll. Der Einzige, der immer mal wieder so ein bisschen Wasser in den Wein gegossen hat, war dann Matthias Miersch, der eben auch dann doch gesagt hat, naja, also bei... Aller tollen Atmosphäre hier in Unterfranken, muss man auch sagen, dass wir harte Debatten vor uns haben und dass es jetzt doch einiges zu klären geben wird. Und das ist genau der Punkt hier, wird es natürlich auch um Themen gehen, die bislang noch sehr strittig sind.
Sprecher 2: Und natürlich wollten wir noch wissen, welche Reformen denn wirklich jetzt noch strittig sind und wo es vielleicht auch schon inhaltlichen Konsens gibt.
Sprecher 8: Das sind vor allen Dingen die großen Sozialreformen, um die es ja in diesem Herbst der Reform, wie die Schwarzbrotkoalition selbst nennt, gehen soll. Also da ist das Thema Rente, das Thema Gesundheit, aber auch das Thema Bürgergeld oder auch Steuererhöhungen. Worüber SPD und Union ja jetzt in den vergangenen Wochen immer wieder gestritten haben. Also die SPD sagt, ohne Steuererhöhungen werden sie die Lücken, die finanziellen Lücken nicht schließen können. Die Union sagt, Steuererhöhungen nicht mit uns. Man kann so ein bisschen... An den Aussagen von dem Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn sehen, dass man versucht, die jetzt erstmal zu umschiffen, indem man sich auf Konsensthemen stürzt. Also Spahn hat... am Donnerstag in Würzburg nochmal betont, es gibt ja auch andere Themen, also beispielsweise das Thema Energiekosten, aber auch innere Sicherheit. Also man versucht da ganz klar erstmal den Fokus auch auf Dinge zu legen, wo man weiß, da könnte man sich vielleicht eher einig werden und die anderen Dinge... So ein bisschen aufzuschieben nochmal, weil auch gar nicht die Erwartungshaltung vielleicht da ist, dass man sich hier beispielsweise beim Thema Steuererhöhung oder Rente in Würzburg einig wird.
Sprecher 3: Eine Frage wird sich sicherlich auch in diesen zwei Tagen nicht endgültig auflösen lassen. Sie ist einfach zu schwierig. Wie finanziert man einerseits das Loch im Haushalt, das ja ziemlich gewaltig ist mit 30 Milliarden. Wir erinnern uns, dass die Ampel an drei Milliarden zerbrochen ist. Und ist ein Teil der Antwort eine Steuererhöhung, jedenfalls eine partielle? Da liegen Schwarze und Rote ziemlich weit auseinander.
Sprecher 2: Ja, und wie wir hören, gibt es immerhin hinter den Kulissen durchaus den einen oder anderen Unions-Finanzpolitiker, der sagt, ja, bei der Erbschaftssteuer oder bei der Reichensteuer können wir uns was vorstellen, wenn es eben auf der anderen Seite schmerzhafte Sozialreformen wirklich gibt, sodass beide Parteien in ihrem Lager auch was Unbequemes mitbringen müssen. Einer, der das kennt, weil er das in der Koalition in Österreich immer wieder mal machen muss, mit schwierigen Partnern Konsens finden bei strittigen Fragen, ist der österreichische Finanzminister Markus Martabauer. Und der hat mit unserem Kollegen Okan Belikli neulich gesprochen, wie die das eigentlich machen da in Österreich und wie er als Sozialdemokrat...
Sprecher 9: mit den Konservativen diese kniffligen Fragen geklärt hat. Hören wir doch mal seine Antwort.
Sprecher 10: Meine Erfahrung war, dass zwei Dinge sehr geholfen haben bei der Erstellung des Haushalts. Zum einen, wir haben uns darauf verpflichtet, welche Ziele wir erreichen wollen und dann intern ganz heftig gestritten um die unterschiedlichsten Themen, Einsparungsnotwendigkeiten und so weiter. Nichts davon ist nach außen gegangen von diesen internen Streitereien. Wir haben den Kompromiss dann gemeinsam nach außen verkündet. Also für uns war ein ganz stark einigendes Moment zu wissen, wohin die Reise geht, das gemeinsam festzulegen. Dann die notwendigen Auseinandersetzungen, die aus unterschiedlichen ideologischen, politischen, interessenpolitischen Standpunkten kommen, in Ruhe auszudiskutieren, durchaus heftig, aber davon nichts in der Öffentlichkeit zu diskutieren und sozusagen erst den Kompromiss zu verkünden.
Sprecher 9: Wenn Sie jetzt auf Deutschland schauen, wie sehen Sie das? Bekommen die das hin? Weil da geht es ja auch um ähnliche Themen hier.
Sprecher 10: Zwei Dinge sind in dem Zusammenhang wichtig, die ein bisschen die Grundsätze meiner Budgetpolitik in Österreich auch darstellen. Erstens, laufende Ausgaben, Personal, Verwaltungsausgaben, alle diese Dinge, die müssen über laufende Einnahmen finanziert werden. Also über Steuern oder Beiträge. Und wenn man sich wünscht, dass die Kita ausgebaut wird, wofür ich sehr stark plädieren würde, weil das sind die besten Investitionen in die Zukunft, die Bildungsinvestitionen so früh wie möglich, dann muss man bei bereit sein, das auch über Steuern und Beiträge zu finanzieren. Ich rate deshalb immer ab von Diskussionen, wir senken die Steuerquoten und wir etc., weil öffentliche Leistungen gut finanziert werden sollen.
Sprecher 9: Sie haben im Bündnis mit den Konservativen und den Liberalen in Österreich das ja auch als Teil der Abmachungen hinbekommen, Steuererhöhungen. Was haben Sie für einen Tipp für Herrn Klingbeil? Wie schafft man das da, die Konservativen davon zu überzeugen?
Sprecher 10: Also wir haben in Österreich ungefähr ein Drittel der Sanierungsmaßnahmen auf der Einnahmenseite und zwei Drittel auf der Ausgabenseite. Einfach auch mit dem Argument, mit zwei Argumenten eigentlich. Das erste ist, wir haben uns im Regierungsübereinkommen auch darauf verpflichtet und es ist auch im Budget so vorgenommen, dass wir in Bildung insbesondere investieren wollen. Und das muss über laufende Einnahmen finanziert werden und das zieht sozusagen diese Steuer- und Beitragserhöhungen nach sich. Zum Zweiten aber auch steuerliche Maßnahmen haben geringere negative Konjunktur- und Beschäftigungseffekte als Ausgabenkürzungen. Und das ist in einer Phase, wo die Konjunktur schlecht läuft und die Beschäftigung auch nicht besonders wächst, ganz wichtig. Und das sieht nach sich, dass man zielgerichtet Steuererhöhungen etwa für obere Einkommensgruppen oder bei uns auch für Banken macht, Bankenstabilitätsabgabe, die uns wesentlich hilft bei der Sanierung.
Sprecher 3: So viel, also der Rat aus Österreich, was und wie viel wir von den Österreichern lernen, das diskutieren wir mal an anderer Stelle, aber wir hören Ihnen natürlich immer gerne zu.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 3: Gestern Abend habe ich mit Johannes Vogel, dem ehemaligen parlamentarischen Geschäftsführer der FDP-Fraktion, darüber diskutiert, wie die FDP wieder auf die Beine kommt und warum es der Liberalismus überhaupt so schwer hat in Deutschland, was wir nicht nur 2009 und 2025 gesehen haben, jetzt bei den letzten Wahlen, sondern auch immer wieder bei Landtagswahlen, dass die FDP es schwer hat. Und das liegt nicht nur an dem einen oder anderen Politiker, über den man diskutieren kann, sondern auch daran, dass Deutschland doch ein zutiefst etatistisches Land ist. Wir waren bei der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik mit zwei Wissenschaftlern noch ein interessanter Abend. Und kurz bevor ich hier nach Bonn gefahren bin, habe ich mit einem... Der Weggefährten von Johannes Vogel gesprochen, nämlich Konstantin Kuhle, dem ehemaligen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP. Übrigens Kuhle und Vogel galten beide als die Hoffnungsträger der FDP, die die Partei nach Christian Lindner doch wieder aufbauen sollten, vielleicht zurück in die sozialliberale Richtung führen sollten. Tja, ob daraus noch was werden kann, darüber spreche ich jetzt mit Herrn Kuhle. Hallo Herr Kuhle, schön, dass Sie da sind. Was machen Sie denn jetzt eigentlich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Landeschef FDP ein Vollzeitjob ist.
Sprecher 11: Neben diesem Ehrenamt genieße ich ein bisschen den... Ich bin im Sommer, habe gerade geheiratet und schaue mich um, bin aber jetzt gerade noch in der Findungs- und Übergangsphase, die man, glaube ich, nach ein paar Jahren im Bundestag auch braucht, um vom politischen Betrieb dann eher wieder in eine andere berufliche Tätigkeit überzulehnen.
Sprecher 3: Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit, Herr Kuhle. Was sind die Impulse, die von der FDP jetzt kommen? Also wir sind ja immer bereit, das sehen Sie ja schon daran, dass wir Sie eingeladen haben zu hören, was die FDP denkt und sagt, aber sehr viel Inhaltliches ist da bisher noch nicht gekommen.
Sprecher 11: Also ich finde, der wichtigste inhaltliche Impuls, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, ist die Frage nach der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Die wirtschaftlichen Rahmendaten in Deutschland haben sich bislang nicht verbessert. Stattdessen wird eine Mütterrente beschlossen, die rein zulasten der kommenden Generationen geht. Und statt sich mal darüber auszutauschen, wie wir jetzt als Staat, als Gemeinwesen investieren, wird ein tariftreues Gesetz auf den Weg gebracht, das es noch schwieriger macht, für die Öffentlichen zu investieren. Also bei der Frage der Wirtschaftspolitik braucht es eine liberale Partei, braucht es eine FDP. Und das ist unser erster Impuls. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass in Deutschland darüber diskutiert wird, wie wir wieder zu wirtschaftlichem Wachstum kommen. Das hat Friedrich Merz bislang nicht geleistet.
Sprecher 3: Herr Kulisch, lassen wir uns gemeinsam zurückschauen auf die Ampelzeit. Sie haben eine bemerkenswerte Rede gehalten im Mai auf dem Parteitag.
Sprecher 12: Die Partei braucht ein realistisches Erwartungsbild davon, was es heißt zu regieren. nicht Mitglied sein einer Protestpartei, die jedes Mal zusammenbricht, wenn sie in Kontakt mit der Realität gerät, sondern ich will Mitglied sein einer Gestaltungspartei.
Sprecher 3: Eindrucksvolle Worte, ziemlich scharf formuliert. Was meinen Sie damit?
Sprecher 11: Ich meine damit einen bestimmten... Über die Regierungstätigkeit bestimmter Parteien und in diesem Fall ganz besonders meiner eigenen zu sprechen und zu diskutieren. Ich finde, weder bei der neuen Regierung noch bei der Ampelkoalition, der wir angehört haben, ist es in Ordnung, Politiker und Parteien an Maximalerwartungen und Maximalforderungen zu messen und dann eine fundamentale Enttäuschung über Politik an die Wand zu malen, die überhaupt niemand ungeschehen machen kann und ein Erwartungsbild aufzuzeichnen, was überhaupt niemand erfüllen kann. Die FDP hat zweimal hintereinander mit Christian Lindner als Spitzenkandidat zweistellige Ergebnisse geholt. Und man kann als Partei, die 10, 11 Prozent der Wählerstimmen erreicht, nicht erwarten, dass man 100 Prozent der Regierungstätigkeit beeinflusst. Wir haben außer mal bei vier Jahren Konrad Adenauer in den 50ern in Deutschland immer Koalitions... Regierungen und wir machen uns unser politisches System kaputt, wenn wir den Leuten erzählen, jede Partei, die an die Bundesregierung kommt, die kann 100 Prozent ihrer Ergebnisse umsetzen. Und indem die FDP über dreieinhalb Jahre lang quasi gleichzeitig versucht hat, ihre eigenen Erfolge aus der Ampelkoalition zu verkaufen und die ganze Zeit schlecht selber darüber geredet hat, ist am Ende von diesen Erfolgen überhaupt nichts. Hängen geblieben, unabhängig davon, dass in ganz bestimmten und ganz entscheidenden Punkten, nämlich in der Frage der wirtschaftlichen Entwicklung, und daran ist es ja am Ende auch gescheitert, so wenig passiert ist.
Sprecher 3: Was ist dran an der Erzählung, dass es in der FDP-Fraktion ja regelrechte Flügel gab, ähnlich wie bei den Grünen, nur dass das nicht so öffentlich bekannt war, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gab, was richtig ist und was falsch ist. Sie haben jetzt die eine Gruppe schon erwähnt, diejenigen, die die Ergebnisse oft schlecht geredet hatten und andere, zu denen ich Sie jetzt zählen würde, die durchaus konstruktive Vorschläge gemacht haben, mit den Grünen und der SPD ja auch in einigen Punkten immer wieder Einigung gefunden haben. Ist das eine zutreffende Darstellung, dass es eine, ja. Fast schon Spaltung gab in ihrer Fraktion?
Sprecher 11: Es gab und es gibt unterschiedliche Sichtweisen darauf, was es eigentlich bedeutet, zu regieren. Und ich gehöre ganz klar zu denjenigen, die glauben, eine liberale Partei, zumal diese FDP, die Erbe des politischen Liberalismus in Deutschland ist, die muss immer versuchen, in Deutschland die Dinge zum Besseren zu bringen. Zu wenden. Wenn man am Ende in der Opposition landet, okay, das ist auch eine ernsthafte Aufgabe, aber man muss zumindest versuchen, für den Einzelnen mehr Freiheit zu erreichen. Und das ist besser, wenn man dabei ist und wenn man Dinge beeinflussen kann, als wenn man am Rand steht und 100 Prozent schreit. Weil das verändert am Ende die Realität für die Menschen nicht.
Sprecher 3: Sie sind ja nun die einzige Partei in der außerparlamentarischen Opposition, die nach wie vor Auf dem Standpunkt stehen, es ist richtig, die Schuldenbremse einzuhalten. Alle anderen, wir haben es gesehen, wie die CDU da ihre Meinung geändert hat nach der Wahl, sehen es anders. Sind Sie da rückblickend doch der Meinung, Sie haben sich da etwas verrannt, waren vielleicht zu hart, selbst wenn die Richtung möglicherweise aus Ihrer Sicht noch richtig ist und haben so eben auch ein Scheitern am Ende der Ampelkoalition mit in Kauf genommen?
Sprecher 11: Also erstmal ist für mich liberale Politik mehr als Schuldenbremse. Und ich hätte mir in der Vergangenheit gewünscht und wünsche mir auch für die Zukunft, dass die FDP als eine Partei wahrgenommen wird, die für mehr steht als für die Schuldenbremse. Zum Beispiel... Für die Verteidigung der Grundrechte, zum Beispiel für die Verteidigung unserer Freiheit in Europa gegen die Aggression und Bedrohung aus Russland. Zum Beispiel als Partei, die zukunftsfähige soziale Sicherungssysteme will, die einen digitalen Staat will. Das sind ja alles Punkte, für die es sich lohnt, einzustehen und für die die FDP auch in der Vergangenheit programmatisch stand. Und deswegen muss sie dadurch auch wahrnehmbar sein. Trotzdem würde ich sagen, dass die FDP in der Begleitung dessen, was die Union und Friedrich Merz da jetzt gemacht haben, eine ganz wichtige Rolle spielen wird in den nächsten Jahren. Denn sonst gibt es ja keinen, der die Union fragt, wann das Geld denn nun eigentlich bei den Kommunen ankommt und bei den... Berühmten berüchtigten Brücken und den berühmt berüchtigten Schulen und Straßen. Also wir haben jetzt schon wieder eine Situation, wo trotz des Schleifens der Schuldenbremse die SPD Steuererhöhungen vorschlägt. Das ist doch das Gegenteil von dem, was einmal die linken Parteien und dann auch die Union uns während des Wahlkampfs gesagt haben. Da ist gesagt worden, wenn wir einmal verzichten auf diese Schuldenbremse, dann können wir jede Investition in Deutschland erledigen, die nötig ist. Und genau das Gegenteil passiert jetzt. Es ist noch kein einziger Euro angekommen. Es sind noch nicht mal die 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr angekommen, die wir als Ampel beschlossen haben. Und schon werden dann Lasten für kommende Generationen beschlossen. Deswegen würde ich sagen, muss es auch eine Partei geben, die bei dem Thema klar ist. Und dann bin ich froh, dass es die FDP ist.
Sprecher 3: Herr Kuhle, vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren und sich meinen Fragen gestellt haben.
Sprecher 11: Gerne, Frau Bobowski.
Sprecher 3: Big war noch was.
Sprecher 2: Ja, Helene, eine neue US-Studie hat gezeigt, dass immer weniger Menschen einfach nur zum Spaß mal ein Buch in die Hand nehmen und lesen. Also nicht, weil sie irgendwie ein Sachbuch lesen müssen für ihren Job, sondern einfach zum Spaß. In den letzten 20 Jahren sind diese Leser um 40 Prozent gesunken. Fast die Hälfte aller Bürger in der EU, Achtung, liest kein einziges Buch im Jahr. Was liest du eigentlich gerade oder liest du auch nicht mehr?
Sprecher 3: Ich lese gerade zwei Bücher, bei den beiden geht es um Frauen. Das eine ist von Antje Dertinger und heißt Die Frauen der ersten Stunde, also die Gründungsmütter dieser Bundesrepublik, einflussreiche Frauen der 40er und 50er Jahre. Wirklich sehr interessant. Und das andere habe ich zum Geburtstag bekommen, ein sehr schönes Buch von Catherine Mansfield und heißt... Wunderschöner Titel, Fliegen, Tanzen, Wirbeln, Beben. Das Tagebuch einer sehr jungen Neuseeländerin. Wirklich rührend geschrieben. Es kommen mir immer wieder die Tränen. Das tue ich, wenn ich nicht podcaste oder mit dir an der Konferenz sitze, Michael.
Sprecher 2: Das klingt traumhaft. Die Frau der ersten Stunde bei Table ist ja übrigens Antje Seleschow. An dieser Stelle einfach mal einen schönen Gruß an unsere Herausgeberin, finde ich, Helene.
Sprecher 3: Unbedingt.
Sprecher 2: Lese gerade das Sterben der Demokratie zu Ende, weil ich eben nicht dazu komme, diese Bücher, die auf meinem Nachttisch liegen, einfach auch mal zu Ende zu lesen. Von Richard Schneider und Peter Neumann. Da geht es um den Plan der Rechtspopulisten und können ziemlich konkrete, besorgniserregende Beispiele, wie sie es in vielen Ländern schon geschafft haben und warum, kann man nur empfehlen. Aber gut, genug der Buchtipps. Immerhin eine gute Nachricht gibt es bei dieser US-Studie ja auch. Die Jugend ist gar nicht das Thema bei diesem Nicht-Buch-Lesen-Phänomen, sondern die 16- bis 29-Jährigen, die lesen inzwischen mehr als die über 65-Jährigen. Das hätte ich auch nicht gedacht.
Sprecher 3: Ich denke mal, in diesem ganzen hektischen Alltag ist die Zeit, die wir mit Büchern verbringen, also nur das Buch und ich, das ist doch am Ende die schönste Liebeserklärung an uns selbst.
Sprecher 13: Is long and boring. No one can lift the damn thing.
Sprecher 2: Und morgen sind wir einfach als Audio-Format wieder bei Ihnen. Table Today am Samstag, selbstverständlich auch ab 5 Uhr mit einer kleinen Analyse aus Nordrhein-Westfalen. Bis dahin, tschüss und auf Wiederhören.
Sprecher 14: I love it when you read to me. You can read me anything. The book of love has music in it. In fact, that's where music comes from. Some of it's just transcendental. Some events just really dumb. I love it when you sing to me. You want to give me wedding rings
Sprecher 15: You ought to give me Wedding rings.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.