Fehlt Deutschland ökonomischer Sachverstand, Herr Werner?
Dauer: 35:29

Fehlt Deutschland ökonomischer Sachverstand, Herr Werner?

In dieser ersten Ausgabe der CEO Edition von Table Today spricht Alexander Wiedmann mit Christoph Werner, CEO von DM.

Werner äußert sich kritisch zur politischen Situation in Deutschland und zu den bisherigen Leistungen der Bundesregierung. "Sie bemühen sich natürlich die Dinge voranzubringen. Aber am Ende ist entscheidend, was wirklich gemacht wird und nicht was angekündigt wird.

Er hat konkrete Vorstellungen davon, was von der Politik angepackt werden müsste. Dabei gehen Werners Ideen für Veränderungen über das hinaus, was die schwarz-rote Koalition sich für diese Legislaturperiode vorgenommen hat.

Werner sieht große Defizite beim ökonomischen Verständnis in Deutschland. Auch bei Politikern fehle es an Sachverstand über die Soziale Marktwirtschaft.

Im zweiten Teil des Gesprächs geht es um das Erfolgsrezept und die Zukunftspläne von DM. Werner erklärt seine Strategie der konsequenten Kundenorientierung und kündigt den Einstieg ins Online-Apothekengeschäft an.



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Transkript

Sprecher 1: Herzlich willkommen zur CEO-Edition von Table Today. Mein Name ist Alexander Wiedmann und ich habe heute einen der erfolgreichsten Familienunternehmer unseres Landes zu Gast. So gut wie jeder von uns war mindestens einmal in einem seiner Geschäfte. Es ist der CEO der Drogeriekette DM, Christoph Werner. DM ist der Marktführer im Drogeriegeschäft in Deutschland und hat rund 2 Millionen Kunden pro Tag. Sie erzielen in einem Jahr einen Umsatz von ca. 12 Milliarden Euro. In seinen in Deutschland 2000 oder rund 2100 Filialen beschäftigt DM 65.000 Mitarbeiter. Und Werner, der hat noch lange nicht genug. Der nächste große Schritt ist für ihn der Einstieg ins Apothekengeschäft. Warum macht er das? Und was treibt ihn an? Was ist das Erfolgsgeheimnis seiner Firma? Welche Produkte kommen ins Sortiment rein und welche müssen draußen bleiben? Und was wünscht sich Werner eigentlich von der Politik? All das werden wir in den nächsten rund 30 Minuten intensiv besprechen. Ich freue mich sehr, dass Sie heute bei uns sind. Guten Tag, Christoph Werner.

Sprecher 2: Hallo Herr Wiedmann, freut mich hier zu sein.

Sprecher 1: Herr Werner, wenn Sie der Bundesregierung heute ein Zeugnis ausstellen müssten, welche Schulnote würden Sie geben?

Sprecher 2: E for effort.

Sprecher 1: E for effort, das muss sehr klar sein.

Sprecher 2: Sie bemühen sich natürlich, die Dinge voranzubringen. Aber am Ende ist entscheidend, was wirklich gemacht wird und nicht, was angekündigt wird. Ich glaube, dass innenpolitisch im Moment zu wenig passiert. Ich glaube, außenpolitisch kann man sehen, dass es eine deutliche Kursänderung gegeben hat. Und das ist auch gut. Aber für die Bürgerinnen und Bürger im Land ist auch wichtig, was innenpolitisch passiert. Und ich glaube, da sind zu wenig konkrete Dinge im Moment, die tatsächlich angepackt werden.

Sprecher 1: Innenpolitisch sagen Sie, es ist zu wenig passiert. Wie steht es um den Standort Deutschland? Was sind die Stärken und wo sind die größten Baustellen?

Sprecher 2: Also ich glaube, dass wir in Deutschland sehr von dem noch zehren, was in der Vergangenheit gemacht wurde. Und da wurde vieles richtig gemacht. Also trotz aller Kritik, ich glaube, die Infrastruktur, die wir in Deutschland haben, ist vergleichsweise gut. Auch die Bildung ist vergleichsweise gut in Deutschland. Wir haben einen hohen Arbeitsethos in Deutschland. Das ist auch nicht so selbstverständlich. Und ich glaube, das trägt uns noch viele mittelständische Unternehmen, die sehr, sehr gute Produkte liefern. Also das ist sozusagen die Stärke, die wir haben. Aber es ist natürlich die Ernte der Saat von gestern.

Sprecher 1: Haben wir in Deutschland wirklich so einen hohen Arbeitsethos, wenn man Diskussionen über Bürgergeldbezieher etc. In den Medien verfolgt?

Sprecher 2: Also ich muss sagen, wenn ich in dem Unternehmen DM-Toggeriemarkt, für welches ich jetzt Verantwortung trage, wenn ich da unterwegs bin in den vielen DM-Märkten und mich mit den Kolleginnen und Kollegen unterhalte, bin ich immer wieder sehr beeindruckt von dem großen Engagement, welches ich wahrnehme. Insofern nehme ich wahr, dass es groß ist. Es gibt einen Arbeitsethos, auch in Unternehmen, wo ich im Beirat bin oder im Aufsichtsrat, kann ich das erleben. Das ist wirklich beeindruckend. Gleichwohl, Sie haben natürlich auch recht, dass auch über Menschen gesprochen wird, wo das weniger ausgeprägt zu sein scheint. Wobei ich auch sagen möchte, dass es von den Rahmenbedingungen natürlich abhängt. Also wenn wir die Botschaft gerade Menschen, die ins Land kommen, wenn wir denen die Botschaft geben, Wir sorgen für dich und du musst nichts beitragen oder vielleicht du darfst auch gar nicht arbeiten. Und in dem Heim, wo du erstmal untergebracht wirst, darfst du auch keine Tätigkeiten übernehmen. Dann ist es ein durchaus rationales Verhalten, sich bedienen zu lassen.

Sprecher 1: Sie haben gesagt, es hängt von den Rahmenbedingungen ab. Stellen Sie sich vor, Sie könnten heute ein Gesetz abschaffen und ein neues einführen. Was wäre das?

Sprecher 2: Also ich glaube, wenn es nur ein Gesetz wäre, dann wäre es natürlich zu einfach. Aber ich glaube schon, dass es drei Dinge gäbe, die wir machen könnten in diesem Land, die zu einer echten Veränderung führen würden. Also das Erste, was ich machen würde... Wären die Legislaturperioden zu verlängern von vier auf sechs Jahre. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass mutige Reformen natürlich immer erstmal zu einer gewissen Verwerfung führen, bis es dann tatsächlich auch greift und zu einer Verbesserung führt. Ich glaube, die Herausforderung bei vier Jahren ist, dass der Wahlkampf schon einsetzt zu einem Zeitpunkt, wo Reformen noch nicht wirklich anfangen konnten, sich zu beweisen. Und dadurch ist natürlich auch die Bereitschaft der Menschen in der Politik, relativ begrenzt, sich in dieses Risiko zu begeben, weil sie damit die Wiederwahl aufs Spiel setzen. Also deswegen glaube ich, dass sechs Jahre besser wären. Das zweite, was ich machen würde, wäre eine konsequente Amtszeitbegrenzung bei allen Wahlämtern und zwar auf zwei Legislaturperioden beispielsweise. Das wäre dann bei längeren Legislaturperioden. Zweimal sechs Jahre, also zwölf Jahre. Das hätte zur Folge, dass die Parteien sich viel mehr Gedanken machen müssten über neue Kandidatinnen und Kandidaten, die auch diese Wahlämter dann annehmen könnten. Also damit eine größere Bewegung in den Parteien, dadurch auch eine größere Bürgernähe, weil natürlich man schauen müsste, dass viel mehr Menschen in die Parteien noch reinkommen. Und es würde auch dazu führen, dass dieses Berufspolitikertum, also sozusagen nur in der Politik tätig gewesen zu sein und nicht in der Gesellschaft auch andere Verantwortung davor getragen zu haben, sei es jetzt in Wirtschaft, Verwaltung und so weiter, dass das... Weniger im Vordergrund stehen würde. Also sozusagen die Verbindung zwischen Bevölkerung und Menschen in der Politik würde wesentlich intensiver werden. Also zweiter Vorschlag. Und der dritte Vorschlag ist, dass wir konsequent auf die sogenannte Sunset-Klausel setzen. Sunset-Klausel ist die Überlegung, dass alle Gesetze, die verabschiedet werden, ein Verfallsdatum haben und ein verpflichtendes Wiedervorlagedatum, welches sich nach der grundsätzlichen Bedeutung eines Gesetzes richten kann. Was wäre die Folge davon? Die Folge davon wäre, dass wir in den Parlamenten uns vielmehr auch damit beschäftigen, würden, das Bestehende zu erneuern und nicht immer noch was obendrauf zu setzen. Weil das Problem sind ja nicht schlechte Gesetze per se, sondern es sind Gesetze, die aus der Zeit gefallen sind und Gesetze, die interagieren mit anderen und dadurch zu einem Art von Bürokratieinfarkt führen, dass sich am Ende nichts mehr verändert. Deswegen mit diesen drei Dingen, glaube ich, würde sich in Deutschland viel verändern. Und wenn ich König von Deutschland wäre und das sozusagen bestimmen könnte in den zwölf Jahren, die mir dann zur Verfügung stehen würden, dann würde ich das machen.

Sprecher 1: Lassen Sie uns auf einzelne Gesetze eingehen. Eingesetzt ist die Ausweitung der Mütterrente. Guter Vorschlag?

Sprecher 2: Halte ich für einen sehr schlechten Vorschlag. Und zwar, weil es für den einzelnen Empfänger oder die einzelne Empfängerin relativ wenig Geld ist, allerdings den Bundeshaushalt natürlich belastet. Und gerade in der aktuellen Diskussion, die wir haben in Deutschland, dass wir sagen, wir müssen Prioritäten setzen. Wir müssen schauen, dass mit dem, was wir an Steuereinkünften haben, auch wirklich wirkungsvoll unser Land nach vorne bringen. Glaube ich, ist es seitens der Union eine Forderung, die einfach die Glaubwürdigkeit dieses Kurses. Extrem unterminiert. Deswegen ist es für mich gänzlich unverständlich, warum diese Forderung auch in den Koalitionsvertrag seitens der Union eingebracht wurde.

Sprecher 1: Ein weiteres Gesetz, was eingeführt wird, ist, dass der gesetzliche Mindestlohn soll auf 13,90 Euro steigen. Sie garantieren, seit April 2024 in Ihrem Unternehmen 14 Euro die Stunde. Werden Sie da auch eine Lohnerhöhung bei sich einführen?

Sprecher 2: Gut, wir werden uns das natürlich anschauen, was das bedeutet. Zum Mindestlohn kann man unterschiedlich argumentieren. Also jetzt als DM-Drogeriemarkt würde ich sagen, ist es natürlich durchaus erfreulich, wenn der Mindestlohn steigt, weil die Menschen, die wirklich vom Mindestlohn abhängig sind in ihrem Einkommen, ist es ja so, dass dieses zusätzliche Geld auch wirklich in den Konsum fließt. Das heißt, da klingeln auch die Kassen wieder beim Einzelhandel vor allem. Also beim Lebensmitteleinzelhandel, zu denen auch die Drogerien gehören. Insofern kann man so gesehen sagen, das ist ganz gut. Das andere Problem, was wir aber natürlich damit haben, ist, wenn der Mindestlohn so schnell steigt, ist, dass Unternehmen natürlich sich dann zunehmend die Frage stellen, inwiefern einfache Tätigkeiten, also Tätigkeiten, für die man keine Qualifikation, keine Ausbildung braucht, wie die automatisiert werden können. Das wird bedeuten, dass das wegrationalisiert wird und es wird zunehmend schwer werden für Menschen, die eben nicht... Eine Ausbildung genossen haben, aus welchen Gründen auch immer, dass die auch tatsächlich Tätigkeiten finden, in welche sie sich einbringen können. Insofern ist es durchaus zweischneidig und ich glaube, ein Problem ist natürlich auch, wenn das so politisiert wird. Die Idee des Mindestlohns war ja eigentlich die gewesen, dass da die Vertreter der unterschiedlichen Branchen der unterschiedlichen Fachbereiche zusammenkommen und wirklich aus volkswirtschaftlichem Verständnis sich das anschauen. Was wir sehen seit der vorletzten Bundestagswahl ist, dass das zum Wahlkampfthema gemacht wird. Das zeugt von einem, würde ich mal sagen, ökonomischen Mangel an Sachverstand, der uns nicht gut tut. Und deswegen sehe ich das durchaus mit Sorge, auch wenn ich natürlich jedem gönne, der ein entsprechendes Einkommen bekommt.

Sprecher 1: Sehen Sie allgemein in Deutschland einen Mangel an ökonomischem Sachverstand auch in anderen Themen?

Sprecher 2: Eindeutig, eindeutig. Also soziale Marktwirtschaft, welches ja ein Erfolgsmodell gewesen ist, welches wirklich beispielhaft war in der Welt, ist sehr, sehr wenig vorhanden bei den Menschen, wenn ich mit denen spreche. Und auch bei Politikern ist es relativ wenig da. Und ich glaube, das kommt auch daher, dass in den Schulen da einfach viel zu wenig drüber gesprochen wird. Und ich glaube, wir sollten schon dafür sorgen, dass die Menschen in unserem Land ein besseres Grundverständnis haben davon, wie letzten Endes Wirtschaft funktioniert, weil die Wirtschaft natürlich die Basis dafür ist, dass Menschen sich einbringen können und dass wir uns auch unseren Sozialstaat leisten können. Und einfach mal ein konkretes Beispiel, wo man das sehen kann, diese Diskussion um die Frage, wie wir mit dem Rentensystem umgehen wollen, mit der Alterssicherung. Wenn wir eine kapitalgedeckte Altersvorsorge hätten, also sozusagen, dass es nicht nur über das Umlagesystem geht, welches ja damals von Konrad Adenauer durchgesetzt wurde, gegen den Rat von Ludwig Erhard auch, weil er gesagt hat, Kinder bekommen die Menschen immer. was eine Annahme war, die so nicht mehr zutrifft, wenn wir mal schauen, wie die Anzahl an Kindern tatsächlich dann auch in Deutschland sich entwickelt hat mit dem zunehmenden Wohlstand. Also wenn wir in die kapitalgedeckte Altersversicherung reingehen würden, dann würde das dazu führen, dass sich die Menschen natürlich auch vielmehr mit der Frage beschäftigen, was ist eigentlich mit den Kapitalmärkten, was ist mit dem Kapitalstock unserer Volkswirtschaft? Dann hätten wir auch einen ganz anderen Bezug der Menschen zu unserer Wirtschaft. Deswegen bin ich auch ein großer Befürworter der kapitalgedeckten Altersversicherung. Nicht zuletzt auch durch meine Zeit, die ich in den USA verbracht habe, wo es diese sogenannten 401k-Alterspläne gibt, habe ich auch erlebt unter meinen Kollegen damals und in der Gesellschaft, wie da einfach das Verständnis für Kapitalmärkte und für das, was eine Volkswirtschaft erfolgreich macht, und das ist ein wachsender Kapitalstock, wie das einfach in der Bevölkerung viel mehr verankert ist. Und deswegen, glaube ich, könnten wir da durchaus einiges tun in Deutschland, um dieses grundsätzliche Verständnis auch zu befördern.

Sprecher 1: Aber woran machen Sie das fest, dass Wirtschaft in der Gesellschaft nicht so verankert ist? Ist das nur ein Schulbildungsthema oder gibt es da noch andere Gründe dafür?

Sprecher 2: Naja, also das geht natürlich mit Schulbildung los, aber das hat auch was mit dem öffentlichen Diskurs zu tun.

Sprecher 1: Hat sich dieser Diskurs verschoben?

Sprecher 2: Ich würde sagen, das hat sich in den letzten Jahren nach meiner Beobachtung schon dahingehend verändert, dass immer mehr auf den Staat geschaut wird als denjenigen, der alles lösen soll. Und ich finde mal, wenn man einen großen Bogen spannt, also das ging natürlich damit los, dass wir zur Zeit der Finanzkrise, das ist jetzt 2008, also keiner muss sich Sorgen machen. Das war natürlich durchaus eine richtige Botschaft damals, aber das hat auch natürlich die Botschaft gesendet, macht euch keine Sorgen, wir lösen das schon. Hier in der Regierung. Dann über die Corona-Pandemie, wo ja auch der Staat sehr, sehr starke Akzente gesetzt hat. Wir denken auch an Bazooka und Doppelwumms. Also diese, wir als Staat sorgen dafür, dass alles gut werden wird und ihr Menschen in der Bevölkerung, Ihr könnt gerade so weitermachen wie bisher. Das Problem von dieser Vorgehensweise, die jetzt glaube ich gar nicht aus niederen Motiven damals gewählt wurde von den Menschen, die da politisch den Ton angegeben haben, ist, dass wenn ich diese Botschaft sende, dann führt es natürlich dazu, dass ich als Bürgerin oder als Bürger mir dann auch sage, ja gut, der Staat wird es ja lösen. Ich kann so weitermachen wie bisher. Und dann komme ich in eine Forderungshaltung, aus die ich dann auch als Politiker nicht mehr rauskomme. Also sozusagen, wenn eine Krücke zu einer Prothese wird, dann kriegen wir ein Problem. Und ich glaube, wir sind da in Deutschland in der Bewegung gekommen, dass der Staat sozusagen als der Problemlöser gesehen wird und nicht mehr auf das Individuum gesetzt wird, als den Lebensunternehmer, auch als den wirtschaftlichen Unternehmer, der Entscheidungen trifft und der auch an Aufgaben wachsen kann, indem er sich mal aus der Komfortzone... in die Lernzone begibt.

Sprecher 1: Lassen Sie mal uns noch über Ihre Firma sprechen. Sie sind ja sehr nah dran an den Kunden und damit auch so ein bisschen vielleicht sogar der Seismograph der Gesellschaft. Wie geht es der Wirtschaft? Wie geht es unserem Land? Stellen Sie denn fest, dass sich das Einkaufsverhalten bei Ihren Kunden verändert hat?

Sprecher 2: Ja, also wir sind in der Tat nah am täglichen Konsum. Also wir sind jetzt nicht in den sogenannten Investitionsgütern, sondern wenn die Tube leer ist, dann wird nachgekauft. Da sehen wir natürlich, dass die Menschen weiterhin Konsumbedürfnisse haben. Wir sehen, dass das Smart Shopping allerdings schon zunimmt. Das heißt, dass Menschen versuchen, ihre Konsumgewohnheiten beizubehalten. Allerdings das... Günstiger zu befriedigen. Also wir sehen, dass beispielsweise der Anteil an den DM-Marken steigt, die günstiger sind als Markenartikel. Das ist eine Entwicklung, die wir schon länger sehen. Wir sehen aber auch eine Verschiebung zwischen den unterschiedlichen Branchen. Eher dann dahin geht, dass die Anbieter, die günstig anbieten, eine gute Entwicklung haben. Und zu denen gehört auch der Emtogari-Markt.

Sprecher 1: DM ist für mich so ein Laden, da gehe ich hin, möchte ein Produkt kaufen und gehe mit 10 wieder raus. Ist das Teil Ihres Erfolgsgeheimnisses und was können andere Firmen davon lernen?

Sprecher 2: Ja, ich würde sagen, Wenn das Verhalten so ist, wie Sie es gerade beschrieben haben, dann haben Sie offensichtlich vieles entdeckt bei DM, was Sie jetzt nicht auf dem Zettel hatten, allerdings doch im Hinterkopf. Das heißt offensichtlich... Tatsächlich ist es unserem Sortimentsmanagement dann gelungen, das Sortiment so zu gestalten, dass sie eine Befriedigung oder eine Lösung gefunden haben zu den Dingen, die sie eigentlich beschäftigen. Also das heißt, was steht dahinter? Es ist die konsequente Kundenorientierung. Und ich glaube, das ist ein Erfolgsrezept für Wirtschaftsunternehmen im Allgemeinen, immer kundenorientiert zu sein. Was allerdings zu beobachten ist, ist, dass gerade wenn Unternehmen größer werden, dann die Tendenz besteht, sich zunehmend mit der eigenen Organisation zu beschäftigen und den Kunden nicht mehr im Blick zu behalten. Und da habe ich auch in meinem beruflichen Werdegang interessante Erkenntnisse gehabt. Und zwar habe ich ja lange auch auf Markenartikel-Seite gearbeitet. Sowohl im Marketing als auch im Vertrieb, also im Key-Account, wie man das nennt. Und da habe ich dann durchaus auch erlebt, dass da Handelskunden pleite gegangen sind. Und wenn das passiert ist, bin ich dann immer zu den Key-Acountern gegangen und habe die dann sozusagen verhört. Dass ich gesagt habe, was ist denn da schiefgelaufen, woran lag das denn? Was ich da immer wieder erlebt habe, ist, dass jetzt gerade Handelsunternehmen, die in die Insolvenz gegangen sind, dass die in ihrer Sortimentspolitik nicht mehr absatzorientiert waren, also kundenorientiert, sondern nur noch einkaufsorientiert waren, also konditionenorientiert. Und das führt natürlich dazu, dass die Kunden weniger begeistert sind vom Sortiment, ausbleiben. Dann habe ich dann zwar vielleicht günstigere Einkaufspreise, Aber entscheidend ist ja der Absatz, den ich habe. Deswegen diese konsequente Kundenorientierung ist eine gute Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit.

Sprecher 1: Diese konsequente Kundenorientierung. Jetzt lassen Sie uns doch konkret werden. Was heißt das? Wie entscheiden Sie, welche Produkte in Ihr Sortiment kommt?

Sprecher 2: Also das Entscheiden, die Sortiments-Teams bei uns, das ist also nichts, was bei mir über den Schreibtisch geht, es sei denn, es ist was Kontroverses, wo ein Beratungsbedarf besteht. Die Aufgabe vom Sortimentsmanagement ist ja, den Kunden im Blick zu haben und den Markt im Blick zu haben. Also Markt bedeutet jetzt, was sind so die Entwicklungen, die man sieht, aber auch auf der Angebotsseite von den Herstellern. Was sind denn die Erkenntnisse, die die haben aus ihrer Marktbeobachtung, aus ihrer Marktforschung, aus ihrer Innovations... Tätigkeit heraus. Und dann geht es darum, sich zu überlegen, was kann ich dafür aus dem Sortiment nehmen, weil der Platz muss ja geschaffen werden. Und dann sehr, sehr genau die Zahlen zu beobachten, um zu gucken, ob das denn tatsächlich bei den Kundinnen und Kunden so ankommt und dann schnell zu reagieren.

Sprecher 1: Wie oft tauschen Sie Ihr Sortiment aus?

Sprecher 2: Also es kommt auf die einzelnen Sortimente an und auf die einzelnen Artikel, aber so im Schnitt ist die Hälfte des Sortiments jedes Jahr neu.

Sprecher 1: Ziemlich beeindruckend. Ein Teil ihres Sortiments ist immer mehr Bio. Wollen Sie stärker in dieses Geschäft mit Bio-Lebensmitteln einsteigen? Wollen Sie vielleicht sogar mehr zum Supermarkt werden?

Sprecher 2: Also wir sind Drogeriemarkt. Entscheidend ist, sich klarzumachen, was ist ein Drogeriemarkt? Und da muss jedes Unternehmen sich die Frage stellen. Wir beschäftigen uns bei der Drogeriemarkt auch damit, weil das ist letzten Endes die Profilbildung. Und jetzt ist ja die Frage, wie gelingt Profilbildung? Und da gibt es eine schöne Anekdote, die ich oft erzähle, deswegen möchte ich sie auch gerne hier, weil ich sie einfach so sympathisch finde, hier kurz wiederholen. Gerne. Also der Michelangelo, ja, war ja der große Bildhauer, der mal gefragt wurde, wie es ihm denn gelungen wäre, diese tolle Statue, den David, zu erschaffen. Steht in Florence, ne? Ja. Und da hat er angeblich gesagt, das ist ganz einfach. Alles, was nicht dazugehört, musst du wegschlagen. Das heißt, in der Frage, was ist ein drogistisches Sortiment, müssen wir uns fragen, was gehört dazu und was gehört nicht dazu. Und was nicht dazu gehört, dürfen wir nicht aufnehmen und was dazu gehört, müssen wir permanent weiterentwickeln. Das heißt, wir glauben, dass ein drogistisches Sortiment... Im Hinblick auch auf die Erwartung der Kunden besteht aus den Episoden Schönheit, Haushalt, Baby, Gesundheit und rund ums Bild mit Kopierservice, Passbildservice und alles, was da dazu gehört. Und bei der Gesundheit ist es so, dass es nach unserer Überzeugung jetzt neben dem OTC-Sortiment, also des Pharma-Sortiment, was wir führen, auch... Gesunde Lebensmittel sind. Und gesunde Lebensmittel sind Produkte aus biologischem Anbau. Und da ist es Aufgabe im Sortimentsmanagement immer zu schauen, was ist das, was bei den Kunden ankommt. Und da können wir in der Tat sehen, dass gerade im Bio-Sortiment eine große Nachfrage besteht. Und wir es ja auch geschafft haben, im sogenannten Bio-Trocken-Sortiment, was wir führen, zum Marktführer auch in Deutschland zu werden. Also so eine Marke wie DM Bio setzt in Deutschland mittlerweile an die Eine Milliarde Euro im Jahr um. Das ist eine ganze Menge und zeigt letzten Endes, dass da uns großes Vertrauen geschenkt wird seitens der Kundinnen und Kunden.

Sprecher 1: Bio, Gesundheit, Schönheit. Was ist der Bereich, wo Sie für sich den größten Zuwachs sehen?

Sprecher 2: Also wir sehen im Moment durchaus in den Gesundheitsprodukten eine gute Entwicklung. Das hängt mit dem allgemeinen Trend im Moment zusammen, dass sich die Menschen mit Gesundheit mehr beschäftigen. Also das ganze Thema Longevity ist ja etwas, was viele beschäftigt, wo auch viel... Investments im Moment getätigt werden, aber wo auch viel darüber berichtet wird. Also es gibt unheimlich viele sogenannte Content-Creatoren, also Influencer, die dazu auch immer wieder publizieren und die eine große Community haben. Da sehen wir eine große Entwicklung, aber auch Bei Schönheitsprodukten weiterhin ist große Nachfrage. Wo wir ein bisschen Rückgang im Moment sehen, ist im Babybereich. Das hängt damit zusammen, dass die Geburtenraten in Deutschland rückläufig sind.

Sprecher 1: Gesundheit, Sie haben Anfang des Jahres für die zweite Jahreshälfte einen Start einer Online-Apotheke angekündigt. Ich schaue mal aufs Datum. Jetzt sind wir im August, zweite Jahreshälfte. Es hat also schon angefangen. Wie sieht es aus?

Sprecher 2: Es hat angefangen, ist aber noch nicht zu Ende. Insofern, diese Aussage ist weiterhin valide. Ja, es ist richtig, dass wir da auch an unserer Sortimentskompetenz weiterarbeiten. Ich glaube, was da wichtig ist, ist nochmal auf die Motive zu schauen. Also wir sehen, dass Gesundheitsprodukte an Bedeutung gewinnen, weil wir eben mehrere Entwicklungen haben. Eine habe ich schon angesprochen gerade eben, aber auch das ganze Thema demografischer Wandel, was dazu führt, dass die Menschen einfach älter werden, dass aber auch viele junge Menschen, viele ältere Menschen jetzt beobachten können. Weil es einfach sehr, sehr viele davon gibt. Und die Frage natürlich dann im Vordergrund steht, wie wird mein Lebensabend mal aussehen? Und gerade jüngere Menschen werden ja in der Tendenz noch mal älter werden, als die Menschen, die heute schon älter sind. Und die entscheidende Frage ist, Wie kann es gelingen, dass mein Lebensabend in gewisser Weise die Ernte meines Lebens sein kann, also der Höhepunkt mit maximalem Freiheitsgrad? Und es hängt natürlich sehr davon ab, in welcher physischen und mentalen Verfassung ich sein werde. Also sind die letzten Jahre ein Siechtum oder sind die letzten Jahre von hohem Autonomiegrad geprägt? Und es hängt natürlich davon ab, wie ich mit meiner Gesundheit umgehe. Und nicht allein durch die Wearables, die es heute gibt, können die Menschen viel mehr Informationen darüber bekommen, wie es ihnen gerade geht. Also ob sie sozusagen im grünen Bereich sind, im gelben oder im roten Bereich und können dann durch entsprechende Veränderungen in ihren Konsum, Gewohnheiten in ihren auch sportlichen Aktivitäten, aber auch durch Nahrungsergänzungsmittel oder OTC-Produkte darauf Einfluss nehmen. Und dieses Bedürfnis da auch tatsächlich Produkte sich zu verschaffen, also diese Selbstmedikation, ist eine Tendenz, die wir sehen können. Und jetzt haben wir heute das Phänomen, dass eben der eine Einzelhandel nicht nur stationär ist, sondern auch online ist. Und das macht einen großen Unterschied im Hinblick auf das Einkaufserlebnis. Also in der Zeit des stationären Einzelhandels war es halt so, dass die Menschen in unterschiedliche Läden reingegangen sind. Also sagen wir mal in einen Supermarkt, in einen Drogeriemarkt, in eine Apotheke. Und die sind sehr unterschiedlich im Hinblick auf das tatsächliche Einkaufserlebnis. Also da riecht es auch anders. Das sind die Menschen, mit denen man interagiert, anders angezogen. Weißer Kittel beispielsweise. Damit war da eine klare Trennung auch im Kundenerlebnis. Dadurch, dass Online-Apotheken an Bedeutung gewonnen haben, ist es so, dass wenn heute Menschen online einkaufen oder online shoppen, dass der Unterschied zwischen den unterschiedlichen Vertriebsformaten gar nicht mehr so wahrnehmbar ist. Weil letzten Endes haben sie eine Landingpage und dann haben sie Produktdetailseiten. Und für uns bei dem Drogeriemarkt haben wir uns die Frage gestellt, wenn die Menschen zunehmend hybrid einkaufen, also dieses sogenannte Omnichannel Retailing an Bedeutung gewinnt und die junge Generation ja... Also diese sogenannten Digital Natives, auch einfach andere Einkaufserfahrungen haben wie bisher und dann erleben, dass sie in einer Online-Apotheke Artikel kaufen können, die es aber online bei DM-Toggeriemarkt nicht gibt aufgrund der regulatorischen Rahmenbedingungen, dann haben wir uns mit der Frage beschäftigt, um unsere Sortimentskompetenz weiterhin auch in den Gesundheitssortimenten hochzuhalten. Wie kann es gelingen, dass wir unser Sortiment so ausdifferenzieren und ausgestalten, dass die Menschen, die eben diese Gesundheitsbedürfnisse haben, auch weiterhin DM als erste Adresse sehen. ist eben dann der technische Weg, das zu machen, indem man eine Online-Apotheke gründet. Aber die Online-Apotheke von DM ist sozusagen das technische Mittel, um diese Produkte auch anbieten zu können, wobei verschreibungspflichtige Produkte wird es dort nicht geben.

Sprecher 1: Gibt es da nicht auch einen hohen regulatorischen Rahmen? Ich meine, es gibt ja keine Konkurrenz zu der Apotheke in dem Sinne, nicht weil es keiner probiert hat, sondern weil die Anforderungen sehr hoch sind, oder?

Sprecher 2: Nein, also in diesem Gesundheitsbereich und dazu gehören natürlich auch die Apotheken dazu, haben wir einen extrem regulierten Markt. Also wenn wir mal als Vertrieb...

Sprecher 1: Was ja gut ist, oder?

Sprecher 2: Na, was nun für nichts mal so ist. Ob das jetzt gut ist oder nicht, ich würde sagen, alles hat seine Licht- und Schattenseiten. Es ist auf jeden Fall ein Vertriebstyp, der sich sehr, sehr wenig weiterentwickelt hat. In der Vergangenheit, im Hinblick auf die Art und Weise, wie er arbeitet. Auch wenn sich die Produkte natürlich verändert haben. Also früher haben Apotheken ja noch viele... Medikamente auch hergestellt. Also viele Pharmaunternehmen kommen ja aus Apotheken, jetzt mal historisch, weil in Apotheken wurden die Arzneimittel auch hergestellt früher. Deswegen müssen auch Apotheken heute noch eine Laboreinrichtung haben oder Ausstattung haben. Aber wenn wir mal schauen, was heute in der Apotheke stattfindet, dann sind das ja konfektionierte Produkte, die dort hergestellt werden. Ausgereicht werden. Das heißt, das hat sich schon mal deutlich verändert, aber der Vertriebstyp als solcher ist ziemlich gleich geblieben. Warum? Weil er regulatorisch sozusagen eingefroren wurde. Und jetzt haben wir in Deutschland Deutschland die Herausforderung, dass das Gesundheitssystem immer teurer wird, aber in der Leistung nicht wirklich besser. Also wenn wir mal schauen, die Ausgaben pro Kopf für das Gesundheitssystem, da ist Deutschland ganz weit vorne. Aber in der Lebenserwartung, wenn wir das mal sozusagen als Ergebnis von dem Gesundheitssektor sehen, ist Deutschland nicht ganz weit vorne. Und gleichzeitig sehen wir, dass das Geld vorne und hinten nicht zu reichen scheint. Und es ist ja die Frage, was macht man in so einer Situation? Die eine Möglichkeit ist, wenn ich die Verhältnisse einfach weiterhin eingefroren belassen möchte, heißt mehr Geld drauf. Aber wo soll das Geld herkommen? Das muss aus dem Bundeshaushalt letzten Endes kommen. Wenn nicht die Versicherungsbeiträge so steigen sollen, dass letzten Endes die sogenannten Lohnnebenkosten immer höher werden und damit Produktion in Deutschland immer unattraktiver. Oder Innovation muss in diesen Markt. Und ich glaube, da kann der Gesetzgeber durchaus ein paar Stellschrauben an denen mal drehen, um zu gucken, was für neue Ideen es auch tatsächlich gibt in diesem Bereich, welcher dazu führen kann, dass... Das Gesundheitssystem eben nicht teurer wird, aber leistungsfähiger. Und da ist bisher relativ wenig Zutrauen, dass das verbessert werden kann. Aber ich kann nur dazu aufrufen, da mutiger zu sein, Dinge auszuprobieren. Und was mir da auch Zutrauen gibt, ist, wenn wir einfach mal zurückdenken an den Drogeriebereich. Es war ja so, dass es in Deutschland sehr, sehr viele Drogerien gegeben hat, die ja auch noch ein Bedienungskonzept waren. Also da standen auch die Trogisten hinterm Tresen, die haben eine sehr komplizierte Ausbildung gehabt, haben noch gelernt, wie man... Haferbemittel zusammen mischt oder auch gewisse andere Präparate. Also das war sehr, sehr noch auf Produktion aus und nicht nur auf Handel. Und dann gab es zusätzlich noch die Preisbindung der zweiten Hand, also dass die Verkaufspreise von den Herstellern festgelegt wurden, so wie das heute noch bei Presseerzeugnissen oder bei Büchern der Fall ist. Und damals hat dann der Gesetzgeber 1974 ein neues Gesetz verabschiedet, dass eben diese Preisbindung der zweiten Hand gefallen ist und die Händler selbst die Verkaufspreise festlegen konnten. Und das hat zu einer unheimlichen Innovation geführt. Das waren die sogenannten Drogeriemärkte damals. Das war auch einer der Gründungsimpulse für den Drogeriemarkt. Und es hat dazu geführt, dass heute Drogerieprodukte in Deutschland in hoher Qualität zu sehr erschwinglichen Preisen verfügbar sind. Ich würde behaupten, dass wenn es diese Innovation nicht gegeben hätte damals, seitens des Gesetzgebers, also diese Veränderung, dass heute Drogerieprodukte in dieser Qualität zu diesen erschwinglichen Preisen nicht verfügbar wären.

Sprecher 1: Das ist eine Innovation. Wo sehen Sie denn weitere Innovationen? Wie sieht denn eigentlich eine DM-Filiale der Zukunft aus?

Sprecher 2: Ja, das ist eine gute Frage. Das ist eine gute Frage, die ich so nicht beantworten kann in der konkreten Ausgestaltung, weil dafür müsste ich ja wissen, wie die Kunden künftig einkaufen. Und da kann man natürlich in Szenarien denken, das ist klar, aber ich glaube, ein ganz guter Prüfstein ist ja immer, wenn wir mal zurückdenken und sagen, also jetzt sind wir im Jahr. Jahre 2025 und jetzt denken wir mal zurück 20 Jahre, 2005, wie haben wir uns damals den deutschen Handel vorgestellt? Und ich glaube, da werden wir zu der Erkenntnis kommen, dass wir haben einige Vorstellungen gehabt, aber so wie es heute ist, haben wir es uns nicht vorgestellt. Also die Tatsache, dass die Kunden Smartphones haben. Das iPhone ist 2007 in den USA auf den Markt gekommen. Das hat ja zu einer unglaublichen Revolutionierung geführt in der ganzen Art und Weise, wie sich Menschen informieren, wie auch Menschen einkaufen. Man denkt an die ganzen virtuellen Rabattkarten, die es heute gibt. Also da hat sich sehr, sehr viel verändert. Wenn wir jetzt mal nach vorne denken, muss ich sagen, ich weiß auch nicht, wie die Kunden dann sein werden, weil das wird abhängen von der Technologie, die zur Verfügung steht. Und es wird auch abhängen von den großen Themen, die die Menschen beschäftigen. Allerdings, wo ich Zutrauen habe, ist, dass wenn wir als Dämtoggeriemarkt weiterhin so kundenorientiert bleiben, wie wir das in der Vergangenheit waren und eben immer schauen, dass unsere Augen auf die Kundinnen und Kunden gerichtet sind und nicht auf die Vorgesetzten oder auf den CEO, dass wir dann uns so weiterentwickeln werden, dass wir für unsere Kundinnen und Kunden relevant bleiben. Und das ist genau die Aufgabe.

Sprecher 1: Ein Thema, was gerade alle beschäftigt, ist KI. Wo setzen Sie bei Ihnen in der Firma konkret KI ein, wo es einen messbaren Erfolg gibt?

Sprecher 2: Also es gibt ja immer die künstliche Intelligenz und die generative künstliche Intelligenz. Also dass wir mit Machine Learning arbeiten, das ist schon lange in der ganzen Warenwirtschaft der Fall. Also die ganzen Prognosen. Prozesssysteme, wie viel Ware an die DM-Märkte von den Verteilzentren rausgeschickt werden soll. Das arbeitet ja alles mit künstlicher Intelligenz am Ende, damit eben die Ware genau in der Menge verfügbar ist, wie sie gebraucht wird, aber auch nicht zu viel, weil es dann Kapitalbindung ist, aber auch die Logistik innerhalb des DM-Marktes recht aufwendig wird. Also da haben wir es auf der einen Seite schon. Jetzt die generative künstliche Intelligenz. Da arbeiten wir heute vor allem im Lösungsmanagement, was jetzt Anfragen aus dem Unternehmen, wenn es irgendwelche technischen Probleme gibt, also was ich irgendwie... Ein Kassenterminal hat eine komische Fehlermeldung. Da geht es heute schon, dass die Kolleginnen und Kollegen mit ihren DM-Smartphones das einfach abfotografieren und in unser Service-Desk schicken. Und dann wird es automatisch analysiert, was das Problem ist, um dann schnell eine Antwort zu geben, was gemacht werden soll. Also dass sozusagen die Antwortszeiten an die Kolleginnen und Kollegen wesentlich verkürzt werden. Also das ist so eine Anwendung, die wir heute schon haben. Im Produktmanagement wird damit gearbeitet, gerade im Hinblick auf neue Produkte. Da wird experimentiert, sowohl im Hinblick auf neue Produkte, sozusagen was jetzt die Ausstattung des Produktes anbelangt, aber auch im Hinblick auf Verpackungsgestaltung. Da sammeln wir erste Erfahrungen mit. Und dann glaube ich, was die generative künstliche Intelligenz einfach heute schon sehr, sehr gut machen kann, ist, dass sie komplexe Sachverhalte relativ schnell und einfach zusammenfassen kann, damit wir bessere Informationen zur Verfügung haben, um dann auch Entscheidungen zu treffen. In groß skalierten Anwendungen nach außen jetzt den Kundinnen und Kunden gegenüber, ist es im Moment noch, noch eher verhalten, weil da ist natürlich die Qualität wichtig. Also da darf nicht viel halluziniert werden. Aber gerade wenn wir jetzt Daten verwenden, die wir bei DM-Toggeriemarkt haben, sozusagen in diesem Umfeld, da können heute schon Auswertungen gefahren werden, die eine deutliche Erleichterung für die Tätigkeit sind und letzten Endes dazu führen, dass die Kolleginnen und Kollegen ermächtigt werden, bessere Entscheidungen treffen zu können. Und das ist ja auch die Aufgabe von der generativen künstlichen Intelligenz als Werkzeug. Den Menschen besser in die Lage zu versetzen, gute Entscheidungen zu treffen.

Sprecher 1: Sie beschäftigen in Deutschland rund 65.000 Mitarbeiter. Können Sie denen ein Versprechen geben, dass auch durch KI ihre Jobs weiter sicher sind?

Sprecher 2: Also bei uns ist es so, dass wir viele Ideen haben, was wir noch alles machen können.

Sprecher 1: Zum Beispiel?

Sprecher 2: Naja, also gerade im Hinblick auf Beratungsleistungen, wie ein einzelner DM-Markt aussieht, wie ein Sortiment zusammengestellt werden soll, wie wir auch unsere Kommunikation gestalten können, sodass Menschen gut informiert sind. Da gibt es die Personalisierung, dass wenn Sie die DM-App aufmachen, die Informationen, die Ihnen angezeigt werden auf dem Bildschirm, der ja nicht so sonderlich groß ist, dass die für Sie Relevanz haben. Und sie sich sagen, das interessiert mich auch. Da gibt es unheimlich viele Dinge, an denen wir noch arbeiten wollen, wo noch viel Potenzial drin steckt. Und da geht es ja darum, dass wir uns weiterentwickeln. Und da hilft die Künstliche Intelligenz natürlich. Das bedeutet, dass wir bisherige Tätigkeiten... Nicht mehr machen müssten, die sozusagen sagen, unsere Zeit gebunden haben und dass wir frei werden, um neue Dinge machen zu können. Und ich glaube, das ist ja genau das, was Weiterentwicklung ausmacht. Also neue Ideen verwirklichen zu können, indem ich Altes loslassen kann. Deswegen ist ja die entscheidende Frage, wie gehen wir denn mit Veränderung um? Und unsere Erkenntnis ist, dass solange ich sozusagen Lust auf Zukunft habe, ist Veränderung ein Aufbruch in die Zukunft. Also es sind Chancen, die ich habe. Wenn ich keine Lust auf Zukunft habe und das Bestehende behalten möchte, dann sind Veränderungen eine Bedrohung. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir Lust auf Zukunft haben und Zukunftsbilder haben, die für uns attraktiv sind.

Sprecher 1: Sie haben selbst noch Lust auf Zukunft. Wie lange wollen Sie eigentlich noch weitermachen?

Sprecher 2: Bis mir die Ideen ausgehen.

Sprecher 1: Ich möchte noch auf ein Thema sprechen zu kommen. Sie selbst kommen von der Waldorfschule, haben dort Ihre Ausbildung gemacht. Wie hat Sie das geprägt?

Sprecher 2: Ja, also das liegt ja jetzt schon eine ganze Weile zurück. Und ich bin nur auf eine Waldorfschule gegangen. Insofern, ich kann es gar nicht vergleichen. Man kann unterschiedlich drauf gucken. Man kann sagen, was hätte aus mir werden können. Man kann aber auch so drauf gucken, dass vielleicht viele der Dinge, die ich da gelernt habe, mir es ermöglicht haben, mein Leben in die Hand zu nehmen. Und die Idee von Waldorf-Pädagogik ist ja Erziehung zur Freiheit. Und das hört sich jetzt zunächst mal paradox an natürlich, weil Freiheit und Erziehung, also Erziehung ist jetzt ja zunächst mal, Wenn man so möchte, fremdgesteuert. Aber es ist ja gerade die Idee, dass man in den jungen Jahren, wo man sozusagen die Welt entdeckt, wo sich die Welt einem entschlüsselt, dass durch das pädagogische Konzept es so gemacht wird, dass man Freude an der Welt hat, dass die Neugierde man sich erhält und man eben nicht desillusioniert dann in das Erwachsenenalter einsteigt. Und ich glaube, wenn ich so zurückgucke auf den Weg, den ich bisher gegangen bin, war es so, dass mein Weltinteresse eigentlich von Jahr zu Jahr größer geworden ist.

Sprecher 1: Sie haben weiter Freude an der Welt und weiter Lust, Dinge zu gestalten.

Sprecher 2: Ja, ich glaube, die Zukunft ist voller Chancen, voller Möglichkeiten. Das ist ja das Schöne an der Unsicherheit der Zukunft, dass sie eben nicht vorherbestimmt ist. Und das bedeutet, dass wir sie mitgestalten können.

Sprecher 1: Das ist doch ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für Ihren Besuch bei Table Today.

Sprecher 2: Ja, vielen Dank für Ihre Zeit. War mir eine Ehre. Alles Gute.