Wie viel NIUS ist bei der CDU erlaubt?
Dauer: 20:33

Wie viel NIUS ist bei der CDU erlaubt?

Die Kontakte zwischen Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und dem NIUS-Eigentümer Frank Gotthardt sind intensiver als bisher bekannt. 2023 sprach sich Klöckner als CDU-Schatzmeisterin für die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens mit Gotthardt aus. Table.Briefings liegen vertrauliche E-Mails und Unterlagen vor, die zeigen: Die CDU und Gotthardt diskutierten über eine gemeinsame App, mit der die Partei ihre Wahlkämpfe professioneller aufstellen wollte – mit direktem Zugriff auf CDU-Mitgliederdaten.

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Mit seinen Aussagen zu Steuererhöhungen hat Finanzminister Lars Klingbeil das nächste schwarz-rote Konfliktthema gesetzt. Ökonomen können diesen Plänen wenig abgewinnen. Ökonomin Veronika Grimm warnt, dass am Ende die SPD-Kernwählerschaft belastet würde, wenn Steuern für Wohlhabende steigen.

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Tobias Hentze vom Institut der Deutschen Wirtschaft bringt es im Gespräch mit Michael Bröcker so auf den Punkt: „Eine kleine Gruppe soll die Entlastung der großen Gruppe finanzieren – das geht nicht auf.“

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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Es soll eine Billion werden, das ist, um es mal deutlich zu sagen, 1000 Milliarden Euro. Wir stehen kurz davor, das sollen die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen in diesem Jahr sein. Aber der SPD-Finanzminister hält Steuererhöhung trotzdem für denkbar. Warum er das tut und was er damit bezweckt, das besprechen wir mit dem IW-Steuerexperten Tobias Henze und mit Veronika Grimm.

Sprecher 3: Wie eng ist der Draht zwischen der CDU und dem Nius-Finanzier Frank Gottard? Und welche Rolle spielt eigentlich Julia Klöckner nach ihrem umstrittenen Auftritt bei einem Sommerfest? Unsere exklusiven Recherchen zeigen, dass der Koblenzer Unternehmer aus dem Wahlkreis von Julia Klöckner schon vor knapp zwei Jahren mit ihr enger verbandelt war, als man bisher wusste. Denn die damalige Schatzmeisterin Julia Klöckner wollte mit ihm zusammen eine gemeinsame Kommunikations- und Digitalagentur für die CDU und mit der CDU gründen. Details dazu gleich.

Sprecher 2: Außerdem müssen wir über die Abnehmspritze sprechen, heute hier, und ihre Effekte in der Gastronomie.

Sprecher 3: Es ist Donnerstag, der 21. August. Draußen wird es kühler. Bei uns bleibt es wohl temperiert. Los geht's.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 3: Frank Gotthard ist in aller Munde, Helene. Er ist ja eigentlich ein erfolgreicher Unternehmer. Seine Firma CompuGroup, ein digitaler Dienstleister für die Gesundheitsbranche mit 8000 Mitarbeitern, ist an fast 60 Ländern präsent und vor allem steckt seine Software in fast jeder Klinik. Aber der Mann ist eben auch vor einigen Jahren Eigentümer und Financier des Medienportals Nios geworden. Das ist mit seinen ziemlich krawalligen rechtspopulistischen Kampagnen und gelegentlich zweifelhaften Methoden immer wieder Gegenstand von Kritik. Nicht nur im linken Lager dieses politischen Spektrums. Geleitet wird es ja bekanntlich vom Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt. Die Frage ist nun, nachdem Julia Klöckner bei einem Sommerfest ihres CDU-Kreisverbands war, wo auch Frank Gotthard sprach und seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat, wie nah steht diese Frau eigentlich diesem Mann? Und da gibt es jetzt ein paar neue Informationen.

Sprecher 2: Die Diskussion darüber schwelt ja schon seit einigen Tagen. Es ging zunächst vor allem darum, dass Julia Klöckner eben bei dieser Veranstaltung aufgetreten ist und nach Herrn Gotthard gesprochen hat und sich dann rechtfertigte mit einem doch ziemlich spektakulären Satz, der viele und zwar nicht nur die Taz-Leser in Aufruhr gebracht hat. Sie sagte wörtlich, dass man beispielsweise die Tageszeitung Taz eher im linken Spektrum verortet und News eben eher auf der anderen Seite, sei in unserer Demokratie ausdrücklich erlaubt. Deswegen cancele ich weder die Taz noch Herrn Gotthard. Also die Aufregung war, sie setzt die Taz und News gleich. Und das ist auch jetzt keine Überinterpretation dieser Worte. Und das ist natürlich problematisch, denn die Taz, man muss nicht jeden Artikel mögen, das ist völlig klar, muss man sowieso nicht in einer freien Gesellschaft, aber die arbeitet strikt nach journalistischen Prinzipien, ist denen verpflichtet, während man das für News so ohne weiteres nicht sagen kann.

Sprecher 3: Ja, dieser Vergleich hinkt nicht nur, der hat schon gar keine Beine mehr. Aber es geht uns heute gar nicht mal um die Taz oder um Nios selbst, sondern es geht um etwas, was aus meiner Sicht zumindest viel relevanter, vielleicht auch entscheidender ist, nämlich dass Julia Klöckner vor knapp zwei Jahren als Schatzmeisterin der CDU mit diesem Frank Gotthard eben aus ihrem Heimatwahlkreis gemeinsam eine Firma gründen wollte, und zwar für die CDU. Eine Digitalagentur CDU-App GmbH sollte sie heißen. Sie sollte mehr oder weniger die IT-Infrastruktur für die CDU übernehmen. Sie sollte Digitalkampagnen vorbereiten und sie sollte an die sehr sensible Schnittstelle zur Mitgliederdatenbank auch angedockt werden. Beim ersten Gespräch. Mit Herrn Gotthard war übrigens auch ein gewisser Friedrich Merz als damaliger Parteichef dabei und, so Julia Klöckner soll selbst die Idee gehabt haben, diesen durchaus ja in der Softwarebranche anerkannten Unternehmer eben in die ja auch unternehmensrechtliche Verflechtung mit der CDU zu bringen.

Sprecher 2: Ja, im Berlin-Table können Sie alle Details nachlesen in dem von gestern Abend. Da steht auch drin, was die CDU dazu gesagt hat, die das nämlich gar nicht bestreitet, sondern sagt, ja, man habe eben mit verschiedenen potenziellen Dienstleistern gesprochen und dann eben sagt, am Ende sei man... Man mit Herrn Gott hat nicht zum Abschluss gekommen, weil es unterschiedliche Auffassungen über die Zusammenarbeit gab. Okay, aber der Hintergrund ist schon spektakulär. Die CDU sollte rund 25 Prozent an dieser Tochtergesellschaft halten. Der Rest sollte von Herrn Gottard finanziert werden. Und das hätte Herrn Gottard natürlich nicht nur wahnsinnig viel Einfluss auf das Geschäft gegeben, sondern wäre auch eine Möglichkeit gewesen, der CDU auf diesem Wege eine Kapitalspritze zukommen zu lassen, die dann noch nicht mal anzeigepflichtig gewesen wäre. Und das, Michael, du hast es gesagt, in einem Bereich, der wirklich sehr sensibel ist für eine Partei. Also es geht um die Kampagnen im Wahlkreis, um Parteiverwaltung, Kommunikation mit den Mitgliedern und so weiter. Also schon ein wirklich ziemlich einmaliger Vorgang.

Sprecher 3: Und auch Medienbeteiligung, muss man ja klar sagen, sind nichts Besonderes, auch nichts Dramatisches. Die SPD hat ja eine eigene Medienbeteiligung, die an sehr, sehr vielen Regionalzeitungen auch beteiligt ist. Also das ist nicht das Thema. Ich finde nur, eine solche Verflechtung gerade im Kampagnenbereich bei den Mitgliederdaten in einer Mehrheitsgesellschaft und damals war er ja bereits Unternehmer, Financier und Gründer von Nius. Also es ist nicht vor der Zeit. Die hat zumindest ein Geschmäckle. Mich wundert, wie lange es ging, wer alles beteiligt war. Und dass man da vielleicht überhaupt keine Probleme mit hatte, das überhaupt anzubahnen, das wäre mir dann doch eine zu große Nähe zu dem Nius-Gründer, der in anderen Bereichen unternehmerisch sicherlich seine Meriten hat. Aber in der Union selbst, und wir hören das ja auch aus der Partei, wird diese Enge gelegentlich dann eben auch... Kritisiert nicht nur vom linken Lager.

Sprecher 2: Ja, Michael, du hast das intensiv und umfangreich recherchiert und natürlich alle Beteiligten um Stellungnahme gebeten. Aus der Bundestagsverwaltung kam die Antwort, dass das eine Sache der CDU gewesen sei. Und Herr Gottard hat sich bei uns leider nicht zurückgemeldet. Das kann er natürlich jederzeit gerne nachholen. Wir sind immer interessiert daran, wie das aus seiner Sicht alles gewesen ist. Was bleibt, ist natürlich, dass dieser Auftritt von Frau Klöckner in ihrem Wahlkreis jetzt nochmal im anderen Licht erscheint, weil man sich doch denkt, wenn man in der Vergangenheit etwas gemacht hat, das ja auch in der CDU sehr kritisch gesehen wird, dann würde man doch denken, geht jemand erst recht auf Distanz. Und dass Frau Klöckner das nicht getan hat, ja, das spricht doch. Ein wenig dafür, dass es ihr annötigen Fingerspitzengefühl für diesen Job der Bundestagspräsidentin, die in einem gewissen Maße eine Überparteilichkeit, eine parteipolitische Zurückhaltung erfordert, ja, dass es ihr daran ein wenig fehlt, oder Michael?

Sprecher 3: Ja, auch sie ist ja gerade erst 100 Tage im Amt, geben wir ihr Zeit. Ist das eben in ihrem neuen Amt ein Thema, an das sie sich vielleicht auch erst noch gewöhnen muss. Denn sie ist und bleibt immer auch eine CDU-Politikerin. Und das ist auch in Ordnung, denn niemand wird ja bekanntlich Bundestagspräsident, ohne dass er ein Parteibuch und auch für diese Partei ins Parlament gekommen ist. Aber diese Nähe, die finde ich dann doch etwas zu heikel.

Sprecher 2: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil möchte Spitzenverdiener stärker in die Pflicht nehmen. Wir sind zurück beim Thema Steuererhöhung. Das kennen wir aus der Ampelzeit. Schon damals hat es für erbitterten Streit gesorgt. Und das ist jetzt wieder so. Denn die CDU und auch die CSU wollen das auf keinen Fall. Allein die Frage ist, wie stopft man die Löcher im Haushalt? Für 2027 fehlen rund 30 Milliarden Euro. Und bis 2029 sind es 172 Milliarden Euro. Also eine echte Stange Geld.

Sprecher 3: Also Pensionsreform, Subventionen streichen, Bundesverwaltung kürzen. Gut, das wären meine Vorschläge, aber die interessieren ja da keinen. Übrigens auch Gesundheitsleistungen mal hinterfragen und den einen oder anderen sozialstaatlichen Aspekt zusammenführen und digitalisieren. Aber nein, das Ding hat die Idee, Moment, wenn wir Steuern entlasten wollen in der Mitte und das ist zwingend notwendig, dann müssen wir es uns oben wiederholen. Nur das oberste 1% der Einkommensbezieher in Deutschland, man kann es ja gar nicht oft genug sagen, sind ja bereits für knapp 24% des gesamten Lohn- und Einkommenssteueraufkommens. zuständig, die oberen 10 Prozent übrigens für mehr als die Hälfte. Also man könnte sagen, naja, die sind ja eigentlich schon durchaus mit dabei in der Umverteilungsidee und vielleicht bringt da oben ein oder zwei Prozentpunkte mehr gar nicht das Volumen, was man in der Mitte dann bräuchte bei den Steuern und Abgaben.

Sprecher 2: Ich glaube, man muss einfach unterscheiden zwischen der Frage, ist unser Steuersystem gerecht? Und das kann man durchaus hinterfragen. Man kann, finde ich, durchaus darüber nachdenken, zum Beispiel über die Erbschaftssteuer. Steuersinn, denn das ist leistungsloses Einkommen. Wir haben diese Generation von Erben und das sind nicht wenige, die im Grunde gar nicht mehr arbeiten müssen, die teilweise noch von Onkels und Tanten erben und das einfach so bekommen. Das ist die eine Frage, über die man reden kann. Und die andere Frage ist die, die einfach nicht zu kurz kommen darf, der Aufgabenkritik. Michael, du hast es angesprochen. Ist das eigentlich in diesem Staat? So, dass die Erwartungshaltung, dass für alles und jedes der Staat bezahlt, berechtigt ist. Ich kann sagen, ich habe gerade ein interessantes Buch gelesen von Helene Wessel, einer der Gründungsmütter des Grundgesetzes. Und die hat beschrieben, wie Anfang des 20. Jahrhunderts, 1901 bis 1915, die Menschen gelebt haben und was damals die Aufgabe der Fürsorge war. Und da wird einem wirklich ganz anders. Ich will diese Zeiten nicht vergleichen, aber... Da wundert man sich schon sehr. Und sie hat damals die Frage aufgeworfen, ob es eigentlich richtig ist, dass der arbeitende Teil der Bevölkerung für die anderen so viel bezahlt.

Sprecher 3: Ja, und das ist genau die Frage. Steuern ist immer so eine Sonderdiskussion. Man muss auf die Abgaben gucken. Beides zusammen macht eben aus meinem Brutto ein relativ mickriges Netto. Nur mal als Beispiel der berühmte Single. Im internationalen Durchschnitt bleiben ihm 75 Prozent des Bruttolohns. In Deutschland sind es nur noch 62,6 Prozent. Wirklich, wir sind da spitze. Und deswegen nachvollziehbar die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Sie hält von diesem Vorschlag relativ wenig. Das hat sie uns gestern gesagt.

Sprecher 5: Man sollte bei der Diskussion auch berücksichtigen, dass die oberen 10% nicht nur über ihre persönlichen Steuerzahlungen, sondern auch über ihre unternehmerische Aktivität oft zu unserem Wohlstand beitragen. Sie zahlen Unternehmenssteuer. Arbeitsplätze, soziales Engagement. Zum Glück halten aktuell viele Unternehmer dem Standort noch die Stange aktuell übrigens, obwohl die Rahmenbedingungen tatsächlich miserabel sind. Gerade die SPD blockiert fast jede wachstumsfördernde Reform, die auf dem Tisch liegt. Reformen der sozialen Sicherungssysteme, Abbau von Regulierungen, insbesondere um die Arbeitsmärkte flexibler zu machen, die Mietenregulierung, um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn die Politik weiterhin ihre Hausaufgaben nicht macht und die höhere Besteuerung der sogenannten Reichen immer wieder ins Feld führt, dann sinkt schon das, die Attraktivität des Standorts. Man gräbt quasi das Loch, in dem man schon sitzt, nur noch tiefer. Unternehmen und auch Privatpersonen werden dem Land zunehmend den Rückgekehr. Die SPD sollte sich hier frühzeitig überlegen, welchen Fazit er einschlägt. Den Stammwählern der SPD nützt das so auf jeden Fall nicht. Die werden nicht so flexibel sein, sich auch außerhalb von Deutschland zu organisieren. Sie müssen dann die Suppe auslöffeln. Die SPD schadet hier letztlich durch diese Diskussion den eigenen Leuten, indem sie ihnen das Blaue vom Himmel verspricht.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 3: Aber Helene, du hast recht, bei der Erbschaftssteuer. Nie wurde so viel vererbt wie in diesen Jahren. Da muss man durchaus mal diskutieren, ob das nicht doch auch irgendwo betriebsschonend möglich ist. Auch darüber habe ich mit einem gesprochen, der sich mit nichts anderem eigentlich auseinandersetzt, jeden Tag als mit Steuern und Abgaben, nämlich Tobias Henze vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Einen schönen guten Tag, Herr Henze.

Sprecher 6: Guten Tag, Herr Bröcker.

Sprecher 3: Die Lücken im Haushalt, vor allem 2027, sind groß. Die SPD kommt mit einer überraschenden Idee. Vielleicht könnte man, um die ganzen Wohltaten zu finanzieren, auch die Absenkung im mittleren Bereich vielleicht doch mit einer kleinen Steuererhöhung im oberen Bereich kompensieren. Ist das so abwegig?

Sprecher 6: Und täglich grüßt das Murmeltier, fällt mir dazu ein. Die Diskussion hatten wir im Wahlkampf, die Diskussion hatten wir in den Koalitionsverhandlungen und jetzt ist sie wieder auf dem Tisch. Natürlich kann man das machen, das ist eine politische Entscheidung am Ende. Gleichzeitig gilt auch, die oberen 10% zahlen bereits mehr als die Hälfte des Einkommensteueraufkommens. Von daher ist es eben eine Frage, ob man das will.

Sprecher 3: Ja, ist klar, dass das eine Frage der Gerechtigkeit und der politischen Priorisierung ist. Aber ich frage mich, ob es dadurch vielleicht am Ende dann doch zu einer Steuersenkung kommen könnte, die gerade der Mittelstand, die Mittelschichten ja dramatisch benötigen, wenn auch die Union, auch die Kritiker in irgendeiner Form entgegenkommen könnten. Und da gibt es die Reichensteuer, die bei einem Grenzsteuersatz von 45 Prozent und bei Vermögen von über 280.000 Euro im Jahr, glaube ich, erst... eingreift. Gibt es eine Möglichkeit, sehr hohe vermögende Einkommensmillionäre zu besteuern, ohne dass man gleichzeitig die Firmen in Mitleidenschaft zieht?

Sprecher 6: Man kann den reichen Steuersatz natürlich erhöhen. Der ist jetzt bei 45 Prozent, da kommt der Soli noch on top. Man kann das auch höher schrauben. Dann muss man sich nur überlegen, was machen die Menschen dann, die den Steuersatz zahlen sollen. Der eine oder andere wird sagen, okay, zahle ich eben. Etwas mehr tut mir nicht weh. Andere werden sagen, naja, vielleicht versuche ich, das Geld woanders sozusagen erscheinen zu lassen. Vielleicht wandere ich auch aus diesem Land aus. Die Reflexe mögen unterschiedlich sein. Man muss sich aber auch klar machen, wir reden da über eine relativ kleine Gruppe von Menschen, die dann von diesem reichen Steuersatz betroffen wären oder betroffen sind eben auch, den sie ja heute bezahlen. Und wenn man den erhöht, führt das dazu, dass man ein, zwei, drei Milliarden Euro mehr in der Kasse hat. Aber das reicht noch längst nicht, um die vielen Menschen mit normalen Einkommen irgendwo zu entlasten. Und das ist eigentlich das Problem, das Kernproblem dieser ganzen Geschichte. Wenn man darüber redet, die Reichen stärker zu belasten oder die Gutverdienenden stärker zu belasten, redet man über eine kleine Gruppe, die dann eine Entlastung der ganz, ganz großen Gruppe finanzieren soll. Und das geht am Ende nicht auf.

Sprecher 3: Ja, also das heißt, das ist ein Argument, dass der Aufwand es eigentlich nicht trägt. Und das zweite Argument, und da gibt es Studien zu, frage ich Sie, dass wirklich diese Fluchtbewegung dieser Spitzenverdiener dann auch bei einer Erhöhung um ein oder zwei Prozentpunkte es die wirklich geben würde?

Sprecher 6: Wenn wir über eine Erhöhung von ein oder zwei Prozentpunkten reden, wird das sicherlich... nicht der Fall sein. Wir haben in Frankreich zum Beispiel gesehen, was passiert, wenn man so einen Steuersatz deutlich höher schraubt, Richtung 70, 80 Prozent. Und dann können sich schon eher so Abwanderungstendenzen ergeben. Aber ich glaube, darum geht es hier auch der SPD an der Stelle gar nicht. Es geht nicht darum, solche Steuersätze zu erreichen. Man kann eben leicht erhöhen, klar. Aber es hat eben noch eine andere Komponente. Nicht nur die Privatpersonen werden davon betroffen, sondern auch die Unternehmen. Denn wir haben in der Mehrzahl Unternehmen, die als Personengesellschaft organisiert sind und dahinter stehen eben auch Menschen, die nach dem Einkommenssteuerrecht besteuert werden. Und die müssten dann, wenn das Unternehmen gut läuft, eben auch den höheren Steuersatz bezahlen. Und das wiederum würde diese Unternehmen dabei begrenzen, zu investieren, Löhne der Angestellten zu erhöhen. Von daher ist es schon möglich, dass es negative ökonomische Folgen dieser höheren Steuersätze geben könnte.

Sprecher 3: Es gibt auch steuerrechtlich oder verfassungsrechtlich keine Möglichkeit, Privatpersonen, vermögende Privatpersonen zu besteuern, ohne dass sich das inhaltbar geführte Unternehmen, das ja auch dem persönlichen Einkommensteuersatz unterliegt, dass das getroffen wird?

Sprecher 6: Wir bräuchten eine einheitliche Betriebssteuer. Wir bräuchten praktisch ein Unternehmenssteuerrecht und ein Einkommenssteuerrecht dann eben für Privathaushalte. Und wenn wir das trennen würden, ganz konsequent trennen würden, wenn wir sagen würden, zum Beispiel, jede Personengesellschaft müsste sich als Kapitalgesellschaft besteuern lassen, dann wäre das möglich. Aber in der jetzigen Form sehe ich dafür keine Möglichkeit.

Sprecher 3: Ja, verstehe. Was wäre mit der Erbschaftssteuer? Ein anderes Thema, was gerade bei den Linken und auch bei der SPD, den Grünen immer wieder thematisiert wird. Man könnte ja sagen, als ordnungspolitisch denkender Mensch, Erben sind leistungslose Einkommen. Da gibt es junge Leute, die mitten im Arbeitsmarkt eigentlich stehen können, die haben ein hohes Vermögen geerbt. Warum soll man da nicht größer zugreifen? Das ist jetzt kein Arbeitseinkommen.

Sprecher 6: Das ist aus meiner Sicht ein absolut gerechtfertigter Punkt. Das Problem ist auch hier die Betriebsebene. Denn das Gros der Vermögen liegt in den Betrieben, liegt in den Familienunternehmen. Und die werden dann eben vererbt. Das Vermögen wird vererbt. Und wenn man dann eine Steuerzahlung möchte als Staat und Geld dort rauszieht, dann steht dieses Geld zumindest nicht mehr zur Verfügung, um zu investieren, um Löhne zu zahlen oder eben Arbeitsplätze zu schaffen. Das heißt nicht, dass das Unternehmen sofort pleite geht, aber die Möglichkeiten, die Ressourcen dieses Unternehmens werden beeinträchtigt. Trotzdem kann man das eben machen, aber es bleibt ökonomisch nicht folgenlos.

Sprecher 3: Dann zum Abschluss, Herr Henze, wie würde denn eine Steuerreform aussehen, die Ihre Zustimmung finden würde, die ökonomisch sinnvoll wirkt, draußen zu Effekten auch in der Wirtschaft führt und trotzdem finanzierbar wäre?

Sprecher 6: Zunächst ist die Steuerbelastung in Deutschland insgesamt eher hoch als niedrig. Und sie ist in den vergangenen Jahren auch eher gewachsen als gesunken. Von daher spricht beides dafür, die Steuern eher zu senken als zu erhöhen. Und auf der einen Seite betrifft das die Unternehmen, die als Kapitalgesellschaft, aber auch als Personengesellschaft in Deutschland höhere Steuern bezahlen als in den meisten anderen Ländern. Und auf der anderen Seite betrifft das eben auch viele Normalverdiener, die schon Richtung Spitzensteuersatz unterwegs sind. und dementsprechend auch stark belastet werden. Die Sozialabgaben kommen noch hinzu. Und an beiden Stellschrauben müsste eigentlich die Politik ansetzen, um auf der einen Seite die Anreize für Investitionen zu erhöhen, die eben die Unternehmen tätigen, und auf der anderen Seite die Anreize für Arbeiten zu erhöhen, die eben dann von Normalverdienern oder von den privaten Haushalten eben entsprechend angeboten werden müssten. Und beides wäre lohnend, ranzugehen. Aber klar, es stellt sich die Finanzierungsfrage. Ja, und da... Denke ich wieder an den Haushalt, an die Haushaltslücke. Da denke ich aber auch daran, dass die Bundesregierung es bisher versäumt hat, an Einsparungen zu denken, an Ausgaben heranzugehen und zu überlegen, wie man eben auch soziale Sicherungssysteme nachhaltig aufstellen kann und hier eben Reformen angeht.

Sprecher 3: Substantielle Vorschläge nicht nur für den Finanzminister. Vielen Dank, lieber Herr Henze, für diese Einschätzung und schöne Grüße nach Köln.

Sprecher 6: Sehr gerne. Tschüss.

Sprecher 2: Mick war noch was.

Sprecher 3: Tolle Idee aus der amerikanischen Gastronomie, weil dort ja auch diese Abnehmspritze so populär geworden ist. Wo, wenn nicht in den USA, muss man sagen. Gut, machen diese Gastronomien und Restaurants jetzt folgendes. Sie bieten für diese Menschen extra kleinere Portionen an, Mini-Portionen. Wahrscheinlich würde man sagen, hier in Deutschland normale Portionen. Jedenfalls interessante Idee aus der Gastronomie in den USA, fand ich.

Sprecher 2: Ja, aber ich frage mich zum einen, woran merkt man, dass jemand die Abnehmspritze nimmt?

Sprecher 3: Vielleicht von einem Ausweis zeigen oder so.

Sprecher 2: Vielleicht. Die andere Frage ist, ob man nicht einfach auch ohne Abnehmspritze etwas weniger essen könnte. Wäre auch eine Idee. Etwas weniger essen, etwas mehr Sport machen, etwas mehr Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit. Die Linie kommt doch nicht mehr zu ganz einfachen Vorschlägen.

Sprecher 3: Ja, das ist viel zu simpel.

Sprecher 2: Wir reden heute über Eigenverantwortung in diesem Podcast. Sich selbst am Riemen reißen und weniger essen. Aber am Ende geht es doch darum, dass wir auch zum Ende der Badesaison völlig unabhängig davon alle aufstehen wollen und morgens zufrieden in den Spiegel gucken wollen, oder? Ein bisschen Eitelkeit tut den Menschen gut. Nicht übertrieben, aber ein bisschen.

Sprecher 3: Bis morgen, Freitag, Table Today, 5 Uhr, ganz ohne Eitelkeit.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.