Zeitenwende in der Israel-Politik?
Die Israel-Kehrtwende des Bundeskanzlers sorgt für Unverständnis innerhalb der Union. CSU-Außenpolitiker Stephan Mayer sagt im Gespräch mit Michael Bröcker: „Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich war von der Entscheidung des Kanzlers schon etwas überrascht." Andere Maßnahmen als ein teilweiser Exportstopp wären zielführender gewesen, findet Mayer.
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In Israel ist „die Verwunderung ist sehr, sehr groß", sagt die ehemalige Sprecherin des israelischen Verteidigungsministers Gantz, Melody Sucharewitz. Das sei nicht der Friedrich Merz wie Israel ihn bisher kannte.
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In Alaska könnte sich das Schicksal der Ukraine entscheiden - beim ersten Trump-Putin-Treffen seit Kriegsbeginn. Trump hat schon klargemacht, dass es auch darum gehen werde, dass die Ukraine auf Gebiete verzichtet. Wall Street Journal-Korrespondent Bojan Pancevski erklärt die neue Dynamik: „Putin zeigt Schwäche", denn er sei von seinen Maximalforderungen abgerückt. Es könne durchaus ein Vorschlag für einen Diktatfrieden herauskommen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Guten Morgen zusammen und willkommen bei Table Today. Ich bin's wieder, Michael Bröker und zurück aus dem Urlaub. Aber nicht ohne ein Dankeschön zu sagen an die exzellente Podcast-Vertretung Sarah Sievert, die das hier mit Flo Fischer wirklich wunderbar gemacht hat. Vielen Dank also dafür. Wir müssen heute natürlich über die vermeintliche Zeitenwende des CDU-Kanzlers Friedrich Merz in der Israel-Frage reden, die in der pro-israelischen Community und in weiten Teilen der Union Entsetzen ausgelöst hat, aber in der SPD viel Zustimmung bekommt. Was ist da los? Die israelische Sicht dazu kommt heute von Melody Sucha-Revitz aus Tel Aviv. Sie ist die ehemalige Sprecherin des früheren Verteidigungsministers Benny Gantz. Kommt es am Freitag in Alaska zu einem Friedensgipfel in der Ukraine-Frage oder wird es doch nur ein Deal zulasten der Ukraine, wenn Donald Trump und Wladimir Putin erstmals seit vielen, vielen Jahren, zumindest erstmals seit Kriegsbeginn, wieder persönlich aufeinandertreffen? Die EU hat schon ein warnendes Statement dazu veröffentlicht. Wir reden mit dem Wall Street Journal-Korrespondenten Bojan Panszewski. Und zum Abschluss ein Blick auf das Land, in dem ich gerade zwei Wochen verbracht habe und manche als das bessere Amerika bezeichnen, Kanada. Es ist Montag, der 11. August, legen wir los.
Sprecher 3: Eine von mir geführte Bundesregierung wird auch unsere Beziehungen zu Israel festigen. Ich werde das faktische Exportembargo der amtierenden Bundesregierung umgehend beenden. Künftig wird gelten, was Israel zur Ausübung seines Selbstverteidigungsrechts benötigt, wird Israel auch bekommen. Der Begriff Staatsräson wird sich wieder an Taten und nicht nur an Worten messen. Es muss wieder unmissverständlich klar sein, Deutschland steht nicht zwischen den Stühlen, sondern Deutschland steht fest an der Seite Israels. Daran wird es zukünftig keinerlei Zweifel geben.
Sprecher 2: Keinerlei Zweifel, wirklich? Nach der ziemlich einsamen Entscheidung des Kanzlers vom vergangenen Freitag, bestimmte Rüstungsexporte, nicht Waffen generell, aber bestimmte Rüstungsexporte an Israel nicht mehr zu liefern, haben viele Israel-Freunde in der Union Zweifel an ihrem Kanzler. Man könnte auch sagen, die Partei ist in Aufruhr und damit die Sommerpause jäh beendet. Zwar hat Friedrich Merz mit seiner Entscheidung nicht die deutsche Staatsräson wie mancher Ungt, also Israels Existenzrecht zu verteidigen, komplett beerdigt, aber ein bemerkenswerter Vorgang ist das Ganze natürlich schon. Denn der Waffenstopp ist mehr als Symbolpolitik. Merz hatte diese Option zwar immer wieder in der vergangenen Woche auch angedeutet, aber die Entscheidung am Freitag dann doch sehr einsam, ohne Rücksprache, durchgezogen. Nur Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil wurden kurz zuvor... informiert. Wie wir hören, waren Alexander Dobin und Thorsten Frei zum Beispiel in den Tagen davor immer gegen diese Option gewesen und hatten lieber Sanktionen gegen einige der rechtsextremen Minister im Kabinett Netanyahu angedacht. Markus Söder, Jens Spahn, einige Außenpolitiker, sie waren gar nicht erst einbezogen. Die Union in den neuesten Umfragen auf nur noch 27 Prozent geschrumpft, sieht eine Traditionslinie gebrochen. Impulsiv und falsch sei das, kommentierte gestern ein Unionsregierungsmitglied. Das hätte sich selbst Merkel nie getraut, sagte ein Außenpolitiker. Beide wollten sich damit lieber nicht zitieren lassen. Immerhin, der CSU-Außenpolitiker Stefan Mayer stellte sich gestern am Telefon und begründet die Entscheidung von Friedrich Merz zu. Und schönen guten Tag, Herr Mayer.
Sprecher 4: Guten Tag, grüß Gott.
Sprecher 2: Herr Mayer, wie überrascht waren Sie von der Israel-Kehrt-Wende des Kanzlers?
Sprecher 4: Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich war von der Entscheidung des Kanzlers, zumindest einen partiellen Waffenexportstopp nach Israel zu verhängen, insbesondere in Bezug auf Waffen, die möglicherweise im Gazastreifen zum Einsatz kommen, schon etwas überraten.
Sprecher 2: Herr Mayer, legt der Kanzler mit dieser Entscheidung die Axt an eine der Traditionslinien der christdemokratischen Parteien?
Sprecher 4: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Ich bin auch sehr froh, dass sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch der Kanzleramtsminister Thorsten Frei deutlich gemacht haben, dass es keine grundlegende Änderung in der Israel-Politik der Bundesregierung geben wird. Es gibt eine unterschiedliche Sichtweise, was die Auswirkung dieser Entscheidung im Hinblick auf die Waffenexporte anbelangt. Ich glaube, dass wir den entscheidenden Zielen, die wir gemeinsam ja haben, und da gibt es ja überhaupt keinen Dissens zwischen den Außenpolitikern der CDU, CSU und der Bundesregierung, dass wir die humanitäre Situation im Gazastreifen schnellstmöglich deutlich verbessern wollen, dass wir alles dafür tun wollen, dass die noch verbliebenen Geiseln in den Händen der Hamas möglichst schnell freikommen und dass die Terrororganisation Hamas zerschlagen wird. Ich glaube, dass man diesen drei Zielen nicht dadurch Rechnung trägt, indem man ein partielles Exportverbot für Waffenlieferungen nach Israel sich auferlegt. Ich glaube, dass andere Maßnahmen da deutlich zielführender wären.
Sprecher 2: Es wurde berichtet, dass unter anderem Alexander Dobrindt Sanktionen gegen einige dieser rechtsextremen Minister im Kabinett Netanjahu favorisiert hätte. Hätten Sie sich das auch gewünscht?
Sprecher 4: Ich glaube, dass es Friedrich Merz wichtig war, jetzt im Nachgang zu dieser Entscheidung des Sicherheitskabinetts in Israel am letzten Donnerstagabend ein Signal zu setzen. Das kann ich emotional, sage ich ganz deutlich, sehr gut nachvollziehen und verstehen. Auch ich finde die humanitäre Situation im Gazastreifen unerträglich. Ich glaube nur, dass man weder mit Einreiseverboten für bestimmte Minister noch mit partiellen Waffen... Waffenlieferverboten oder Exportmoratorien man diesen entscheidenden Zielen Rechnung trägt.
Sprecher 2: Zum Abschluss noch, Herr Mayer, zum Wiederholen. Mahle hat im März eine emotionale Entscheidung getroffen, eine ziemlich einsame, ohne vorher das intensiv mit der Partei zu diskutieren. Wünschten Sie sich da eine andere Kommunikation im Vorfeld?
Sprecher 4: Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass derartige Entscheidungen am besten im Miteinander, im Konsens getroffen werden, auch im Sinne aller Beteiligten. Letzten Endes stürzt dies dann ja auch die Glaubwürdigkeit einer derartigen Entscheidung und vor allem auch die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb der Debatte dann auch nicht zu vielen Widersprüchen kommt. Und vor dem Hintergrund, glaube ich, können alle Beteiligten aus dieser Debatte oder aus diesem Sachverhalt jetzt auch Rückschlüsse ziehen und bestimmte Dinge auch in Zukunft besser machen.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Mayer, für diese Einschätzung und dass Sie sich an diesem Tag unseren Fragen gestellt haben. Vielen Dank.
Sprecher 4: Bitteschön, Herr Böker. Alles Gute.
Sprecher 2: Fakt ist, Merz hat seine Position zu Israel in vergangenen Wochen schrittweise verändert. Die emotional gefärbten Berichte natürlich aus Gaza haben ihm zugesetzt. Das Vorgehen Netanyahus, es hält ja nicht nur Friedrich Merz schon länger für nicht mehr gerechtfertigt. Die Wahrheit dürfte aber auch sein, der Druck der SPD, die nach dieser gescheiterten Richterwahl ein Zeichen des Entgegenkommens von ihrem Koalitionspartner erwartet, könnte eine Rolle gespielt haben. Diese Koalition, das ist offensichtlich, sucht auch 100 Tage nach ihrem Beginn noch. Ihren Kern, ihr Vertrauensfundament. Und Merz, das ist offensichtlich, will diese Koalition und muss sie auch halten, wenn er nicht als Kurzzeitkanzler à la Kiesinger in die Geschichte eingehen will. So groß der Unmut in der Union ist, so verständlich sind allerdings Reaktionen in anderen Teilen der Gesellschaft. Auch in Israel wird ja gegen die Regierungspolitik Netanyahus demonstriert. Israels Militär schafft es bisher nicht, das Dilemma aufzulösen, einerseits Hilfe zu organisieren für die Bevölkerung und gleichzeitig den ja berechtigten Kampf gegen die Hamas zu führen. Denn wahr ist ja, begonnen hat alles, man muss es immer wieder sagen, mit dem beispiellosen Massaker der Hamas gegen Zivilisten und tausende Juden am 7. Oktober 2023. Die Terrororganisation, die ja über Jahrzehnte immerhin von einem Großteil dieses palästinensischen Volkes geduldet und finanziell unterstützt aus dem Iran und Katar wirken konnte, ist der Aggressor in diesem Konflikt. Die Hamas hält immer noch 50 Geiseln in ihrer Hand und Netanyahu, auch viele israelische Politiker und Militärs, sagen durchaus ernst zu nehmen, die Waffen hätten längst schweigen können, wenn diese Geiseln zurückgebracht würden. Aber daran hat die Hamas eben kein Interesse. Die Geiseln sind ihr Faustpfand, ihre militärische Strategie war stets die schiere Brutalität und der Missbrauch von Zivilisten. Denn auch, dass Hilfsgüter abgezweigt werden und die eigene Bevölkerung terrorisiert wird, ist nachweislich im Gaza. Fallen. Eine seriöse Quelle für Informationen kann diese Hamas daher auch für uns nicht dienen. Merz könnte sich also zusätzlich zur Kritik an Netanyahu auch allmählich mal der Frage zuwenden, welcher Druck etwa von arabischen Bruderstaaten, Stichwort Katar, ausgeübt werden könnte, damit die Hamas die Geiseln endlich freilassen. Müsste nicht die Hamas erst entwaffnet werden, bevor man Israel weniger Waffen liefert? Wie sind die Reaktionen eigentlich zur März-Kertwende in Israel? Das wollte ich von Melody Sucharewitz wissen, der ehemaligen Sprecherin des Knesset-Mitglieds und früheren Verteidigungsministers Benny Gantz. Einen schönen guten Tag, hallo Melody.
Sprecher 5: Hallo Michael.
Sprecher 2: Die Zeitenwende von Friedrich Merz in der Israel-Politik ist offensichtlich. Wie wird diese Entscheidung, das Waffenembargo in Israel, aufgenommen?
Sprecher 5: Klar, mit großer Überraschung, mit Verwunderung, aber auch mit einer Frage, was ist da los? Was ist da passiert, dass es nicht der Friedrich Merz, den Israel und vielleicht auch die ganze Welt kannte in der Vergangenheit, auch nicht als Kanzlerkandidat? Und die Hoffnungen an ihn, an seine Haltung, an seinem strategischen Verständnis, wie komplex und schwierig die Situation ist und wie schwer es ist, sich gegen eine Terrororganisation, eine dschihadistische zu verteidigen, das hatte man erwartet. Und wie gesagt, die Verwunderung ist sehr, sehr groß.
Sprecher 2: Die Union stand immer und steht immer fest an der Seite Israels, aber die Kritik an der israelischen Regierung und an dem Vorgehen in Gaza ist in den letzten Wochen auch beim Außenminister immer größer geworden. Aber auch in Israel gibt es ja Kritik an dem Vorgehen. Kann man verstehen, was Netanyahu da jetzt eigentlich für ein Ziel verfolgt?
Sprecher 5: Für Israel ist ja die Entscheidung am 7. Oktober gefallen. Die Hamas darf im Gazastreifen nicht fortbestehen. Also legt sie entweder die Waffen nieder, kapituliert und gibt unsere Geiseln zurück oder sie wird militärisch vernichtet. Da das mit dem Waffenstillstandsabkommen und einem freiwilligen Niederlegen der Waffen seitens Hamas leider nicht funktioniert, bleiben nicht mehr viele Alternativen. Und weil Dschihadisten eben nicht so ticken wie wir oder wie die Schweiz am Verhandlungstisch, muss man hier einen immensen Druck aufbauen, von dem man sich gewünscht hätte, dass er vielleicht auch aus Europa kommt. Dass zum Beispiel dieser Tsunami an Druck, an Vorwurfshaltung, die Israel abbekommen hat, in diesem hässlichen Krieg, vielleicht ein Teil davon sich auf die Hamas gerichtet hätte und die Hamas und man vielleicht auch die Türkei dazu gebracht hätte, sämtliche Finanzierungskanäle abzunabeln, wenn man vielleicht stärkeren Druck auf Katar ausgeübt hätte, die Hamas zu zwingen, zu kapitulieren und die Geiseln freizulassen, wäre es vielleicht nicht so weit gekommen.
Sprecher 2: Die Kritik Europas und des Westens ist ja nicht an der militärischen Strategie, die Hamas zu vernichten, sondern dass es dieser machtvollen Demokratie und diesem großen Militär nicht gelingt, parallel eine ausreichende Hilfsinfrastruktur für die Bevölkerung im Gaza aufrechtzuerhalten. Warum ist nicht beides möglich?
Sprecher 5: Das ist eine sehr spannende und auch eine wirklich gute Frage, weil es dazu wahnsinnig viel Fehl und auch Disinformation im Umlauf gibt. Es fließt an purer Quantität eine ausreichende Menge an Hilfsgütern in den Gazastreifen. Was davon von der Hamas abgezwackt wird, wie viel davon in den Taschen der Hamas-Führer und in ihren Bäuchen landet, das kann Israel nicht kontrollieren. Es gibt jetzt vier Zugangspunkte und es gab bis vor wenigen Tagen noch über 900 Lastwegen mit Hilfsgütern auf der palästinensischen Seite, die von den UNO-Institutionen einfach nicht abgeholt wurden, weil sie diesen GHF, diesen amerikanischen Alternativmechanismus boykottieren, sagen sie, nee, dann eben gar nicht. Und erst dann, als man medial darauf aufmerksam gemacht hat und gesagt hat, hey Leute, aber hier stehen doch hunderte Anlasswegen, da ist auch Babynahrung, da sind auch Medikamente drinnen, bringt es doch bitte zu den Menschen. Erst dann haben sie sich bewegt und haben angefangen, das auch zu tun. Das heißt, es gibt keine Intention, irgendetwas zu limitieren, was im Endeffekt an die Zivilisten kommt. Stoppen muss man dieses Verbrechen der Hamas, dass sie die Hilfsgüter abzwackt, zu horrenden Preisen an Schwarzmärkten verkauft und wirklich damit ein Verbrechen an den eigenen Menschen, an den palästinensischen Zivilisten vergeht.
Sprecher 2: Ich verstehe nicht, wenn doch zwei Drittel des Gazastreifens von Israel... israelischen Soldaten kontrolliert wird, also auch die Lieferungen, die Patrouillen entlang dieser Lieferungen israelischen Soldaten sind, warum kommen diese Hilfsmittel nicht an?
Sprecher 5: Die Verbreitung der Hilfsmittel liegt nicht in der Hand der Armee, der IDF. Die Verbreitung selber ist in der Hand des JF, dieses Alternativmechanismus, diesem amerikanischen, und der UNO. Die Palästinenser würden die Sachen nicht annehmen, wenn sie von den Händen von israelischen Soldaten kämen, unter anderem, weil die Hamas sie zwei Minuten später abschießen würde.
Sprecher 2: Noch eine letzte Frage, Melodine. Zwei Jahre, du hast es gesagt, dauert dieser Krieg im Gaza jetzt schon an und es sind immer noch rund 50 Geisel, darunter auch deutsche Staatsangehörige, in der Hand der Hamas. Muss man da nicht auch eingestehen als Netanjahu, dass diese militärische Strategie bisher nicht funktioniert hat?
Sprecher 5: Die Militärstrategie ist immer parallel begleitet mit diplomatischen Bemühungen. Aber da sind wir wieder bei diesem Thema. Wir haben es eben nicht mit der Schweiz zu tun. Wir haben es mit blutrünstigen, dschihadistischen Terroristen zu tun, die übrigens auch nicht bei Israel Halt machen wollen, die selber unseren Geiseln, die mittlerweile frei sind, gesagt haben, Germany is next, als sie gehört haben, dass sie deutsche Staatsbürgerschaft haben. Mit denen zu verhandeln ist nicht leicht und es funktioniert nur, wenn parallel dazu ein großer militärischer Druck aufgebaut wird.
Sprecher 2: Vielen Dank für diese klaren Positionen, die israelische Sichtweise auf diesen scheinbar unendlichen Konflikt. Vielen Dank, Melody, für dieses Gespräch.
Sprecher 5: Danke dir, Michael.
Sprecher 2: Ausgerechnet Alaska, in dem nördlichsten US-Bundesstaat, der einst Russland gehörte und den die USA 1867 dem Zaren für einen Spottpreis von ein paar Millionen Euro abkauften, will Trump diese Woche Freitag Putin treffen. Es wäre das erste Mal seit dem brutalen Angriff auf die Ukraine, dass ein US-Präsident den russischen Kriegstreiber trifft. Allerdings bisher zumindest noch ohne Volodymyr Zelensky, auf jeden Fall aber ohne die Europäer. Ein Gewinner steht damit schon vorher fest, natürlich. Wladimir Putin, denn das ist es, was er wollte, auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten. Eine Aufwertung des Kriegstreibers und natürlich ein Risiko für die Ukraine, denn Trump hat ja immer wieder schon mal angekündigt, dass es um einen Tausch von Gebieten gehen könnte bei diesem Friedensplan. Gebiete, die Russland überhaupt nicht gehören und die sie völkerrechtsfriedlich und kriegerisch sich angeeignet haben.
Sprecher 6: Well, you're looking at territory that's been fought over for three and a half years with, you know, a lot of Russians have died, a lot of Ukrainians have died. So we're looking at that, but we're actually looking to get some back. And some swapping. It's complicated. It's actually nothing easy. It's very complicated. But we're going to get some back. We're going to get some switched. There'll be some swapping of territory.
Sprecher 2: Europa wirkt damit seiner Erklärung vom Wochenende fast mitleidsvoll und flehend. Wir halten weiterhin an einem Grundsatz fest, so heißt es in der Erklärung, dass internationale Grenzen nicht mit Gewalt verändert werden dürfen. Naja, was also nun? Einer, der sich sehr gut auskennt mit diesem Komplex, sowohl bei Donald Trump in seiner Administration gut vernetzt ist, als auch die Ukraine gut kennt, ist Bojan Panschewski, Europakorrespondent des Wall Street Journal. Er war der erste Journalist, der konkrete Recherchen zur Sabotage der Nord Stream Pipeline veröffentlicht hat und zuletzt mit J.D. Vance in Gespräch war. Deswegen meine erste Frage an ihn. Natürlich ist das jetzt nun ein Zeichen, das Putin einlenkt und der Druck auf Putin so groß geworden ist. Oder ist das der Vorbote eines Diktatfriedens?
Sprecher 7: Also, dass das Treffen zustande kommt jetzt und dass Putin jetzt plötzlich so ein Angebot gemacht hat an Steve Witkoff, den speziellen Gesandten von Donald Trump, ist hundertprozentig eine Reaktion auf den Druck von Donald Trump eben. Der mit Strafzöllen gegen russische Handelspartner gedroht hat, der Indien mit Strafzöllen belegt hat. Die Reaktion von Putin war, dass er plötzlich Witkow zu sich eingeladen hat, Steve Witkow und einen... Angebot gemacht hat. In diesem Angebot hat er seine eigene rote Linie überschritten. Die rote Linie bisher war, dass alle vier umstrittenen Regionen in Ukraine, wo Krieg geführt wird, also Luhansk, Donetsk, Saporizhia und Kherson, einfach zu Russland gehören. Und Schluss, da ist gar nichts zu verhandeln. Jetzt hat sich das aber verändert. Jetzt heißt er, Donetsk will er absolut für sich reklamieren. In den anderen Regionen könnte er sich vorstellen, einfach die Kontaktlinie einzufrieren. Also das ist schon auch ein Zugeständnis. Also Putin zeigt Schwäche. Nun, was aus dem Treffen rauskommt, es kann sehr wohl ein Vorschlag für ein Diktatfrieden, wie es schön auf Deutsch heißt, rauskommen. Das ist total möglich. Also Putin hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er mit Trump relativ gut umgehen kann in solchen Gesprächen. Aber der Trump ist ja auch nicht doof. Die Europäer haben jetzt am Samstag eine gemeinsame rote Linie aufgebaut, eine gemeinsame Position zusammen mit Ukraine. Die haben das auch dem Trump kommuniziert. Finnische Präsident Alexander Stubb hat nach dem Treffen der Europäer und der Ukrainer mit den Amis den Trump angerufen, hat ihm das alles vorgetragen, ganz kurz und bündig. Also insofern müssen wir abwarten und sehen, was da rauskommt.
Sprecher 2: Natürlich wollte ich von ihm auch noch wissen, welche Rolle die EU überhaupt noch spielt.
Sprecher 7: Die EU als solche spielt gar keine Rolle, aber europäische Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Und eben auch Finnland, komischerweise, spielen schon eine sehr wichtige Rolle in dem ganzen Prozess. Deutschland, Frankreich und Großbritannien, weil die ja die größten Länder sind, mit denen Trump sich austauschen will. Und Finnland eben, weil der Alexander Stubb, der... Staatspräsident von Finnland, ein exzellenter Golfspieler ist. Der hat den Trump besucht in Mar-a-Lago auf Florida. Die haben zusammen ein Golfturnier gewonnen und seitdem sind sie sehr gut befreundet. Und der Stubb wird zu jedem Gespräch eingeladen, zu jedem Treffen eingeladen, zu jedem Telefonat eingeladen. Also da ist jetzt Finnland auch eine Supermacht, eine diplomatische Supermacht in Europa. Die haben schon was zu melden. Der ist empfänglich für die Argumente von Friedrich Merz, von Alexander Stubb eben, von der gesamteuropäischen Diplomatie. Dass es zu einem Deal kommt über den Köpfen der Europäer, ist sehr unwahrscheinlich, weil letztendlich muss Europa diesen Frieden garantieren. Europa wird ja auch zahlen müssen für den Wiederaufbau und Zelensky wird natürlich... Jegliche Vereinbarung selber unterschreiben müssen. Und wenn der das nicht macht, dann gibt es keinen Deal.
Sprecher 2: Und zu guter Letzt verlangt der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky vor allem eine Sicherheitsgarantie. Wie könnte die aussehen, Bojan?
Sprecher 7: Die Sicherheitsgarantien sind ein wesentliches Teil jeder möglichen Vereinbarung. Und das ist wahrscheinlich auch das schwierigste Teil überhaupt für Ukraine und für manche Unterstützer der Ukraine. Das könnte nur in der Form einer NATO-Mitgliedschaft kommen. Für Donald Trump ist das fast ausgeschlossen, glaube ich, hat er mehrmals betont. Werden wir natürlich sehen, der ist ja auch in der Lage, die Meinung zu wechseln und zwar sehr rasch und plötzlich und unerwartet. Es ist kaum anzunehmen, dass eine NATO-Mitgliedschaft akzeptabel wäre für die Vereinigten Staaten. Also das heißt, da wird man... Sich schlau machen und irgendwelche andere Art von Unterstützung für Ukraine zusprechen müssen. Jedenfalls die eine Möglichkeit ist, dass die Vereinigten Staaten sich verpflichten, unbegrenzte Waffen in die Ukraine zu exportieren, so wie die das mit Israel machen. Und dann wird aber eben Europa dafür zahlen müssen und vor allem Deutschland. Also deine Zuhörer, lieber Michael, werden sich sicher als Steuerzahler freuen, dass es kommt auf sie eine große Aufgabe zu, so oder so.
Sprecher 1: Mick, war noch was?
Sprecher 2: Ja, Flo, wir müssen natürlich kurz über Kanada sprechen, wo ich zwei wunderbare Wochen verbracht habe und was manche ja auch in Feuilletons in Deutschland und Europa als das bessere Amerika bezeichnen. So heißt es jedenfalls immer wieder oft. Schüleraustauschorganisationen orientieren sich um. Handelsabkommen werden von der deutschen Wirtschaft verlangt mit Kanada, nicht mit den USA. Und Ende August, so hört man, soll Premierminister Mark Carney endlich Deutschland besuchen. Es geht um Energiefragen, um eine neue Energiepartnerschaft. Denn was wenige wissen, Kanada ist der viertgrößte Öl- und Gasproduzent der Welt. Der weltweit größte Exporteur von Rohaluminium. Aber bisher... Vollkommen abhängig vom Handelspartner USA. An das Nachbarland liefert Kanada bisher 97 Prozent seiner Energie. Aber mit diesem Trump kann auch Kanada nicht viel anfangen. Zumal der amerikanische Präsident kurz nach seiner Amtseinführung gesagt hat, er wolle gerne Kanada zum 51. Bundesstaat machen. Und jetzt heißt es hier in Kanada Elbows up. Das ist zwar eigentlich ein Hockey-Terminus in diesem so hockeyverliebten Land, aber es steht vor allem für eine robuste Verteidigung und soll jetzt so eine Art offizielle Staatsphilosophie werden. Für Europa kann diese Neuorientierung Kanadas weg vom langjährigen Partner USA eigentlich ganz gut sein. Wenn sie erstmal gegangen sind und bei uns angedockt haben, dann bleibt es so. Bleiben Sie ja vielleicht auch bei uns. In diesem Sinne, ich freue mich auf morgen. Table Today, 5 Uhr am Dienstag. Bis dahin. Ciao, ciao.
Sprecher 8: Need a time on my own. Days feel like years when I'm
Sprecher 9: When you walk away, I count the steps that you take. Do you see how much I need you right now? When you're gone, the pieces of my heart are missing you. When you're gone, the face I came to know is missing too. When you're gone, the words I need to hear to always get me through the day. And make it okay. I miss you.