Die Noten werden besser - die Schüler auch?
Dauer: 26:28

Die Noten werden besser - die Schüler auch?

Die Zahl der Einser-Abiturienten ist in allen 16 Bundesländern kontinuierlich gestiegen. Vera Kraft vom Bildung.Table berichtet über eine neue Studie, die diese Noteninflation belegt. Die Schulnoten verbessern sich, während die Kompetenzen der Schüler zurückgehen.


Danyal Bayaz, der grüne Finanzminister aus Baden-Württemberg, fordert ein höheres Renteneintrittsalter - wenn auch nicht für alle. Außerdem wird es aus seiner Sicht ohne eine private Säule mit Aktiendepot nicht gehen. Mit Helene Bubrowski spricht Bayaz außerdem über die Lage der Grünen im Bund und in Baden-Württemberg, wo im kommenden Frühjahr gewählt wird. 


Die USA wollen zum weltweit führenden Land für digitale Vermögenswerte werden. Stablecoins sollen den Dollar als Leitwährung weltweit stärken. In einem ersten umfassenden Gesetz haben die USA die Regeln für digitale Coins festgelegt, die 1:1 an den Dollar gekoppelt sind, berichtet Alexander Wiedmann vom CEO.Table.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Der Notendurchschnitt an deutschen Schulen wird besser, insbesondere die Abiturnoten und die Anzahl der Einser-Abiturienten. Aber werden die Schülerinnen und Schüler auch klüger? Eigentlich nicht, eher das Gegenteil. Wie passt das nun alles zusammen? Darüber sprechen wir gleich. Und dann geht es bei uns um den Stablecoin. Auf dem Markt der Währungen spielt sich nämlich eine digitale Revolution ab. Allerdings nur beim Dollar, nicht beim Euro. Wie sich Transaktionen radikal ändern und warum Europa wieder mal nur zuschaut, das erzählt uns gleich Alexander Wiedmann vom CEO Table. Wir müssen uns einmal klar machen, in welcher Situation wir eigentlich sind. Das sagt der grüne Finanzminister von Baden-Württemberg, Daniel Bayers. Und er meint damit, es geht so nicht weiter. Ohne Reformen wird das nichts. Das Gespräch hören Sie gleich bei uns. Willkommen zu Table Today an diesem Freitag. Willkommen im August, mein letzter Tag vor dem Urlaub. Ich freue mich, dass Sie noch einmal dabei sind. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland werden immer klüger. Das jedenfalls könnte man vermuten, wenn man sich ansieht, mit welchen guten Noten sie heute ihre Abschlüsse schaffen. Seit den 70er Jahren hat sich da einiges verändert. Die Schulnoten sind kontinuierlich besser geworden. Das kann man am bundesweiten Durchschnitt der Abinoten sehen. Der war Anfang der 70er Jahre bei 2,9 und hat sich heute wirklich auf 2,1 verbessert. Das war auch in der Tat zu Zeiten, als ich Abitur machte, noch eine richtig gute Note und heute ja offenbar nicht mehr als Durchschnitt. Und besonders auffällig ist, dass sich in den letzten zehn Jahren die Zahl der Einser-Abiturienten verdoppelt hat. Sind Noten noch das, was sie mal waren? Darüber diskutiere ich jetzt mit Vera Kraft, der stellvertretenden Ressortleiterin von unserem Bildungstable. Hallo Vera, schön, dass du da bist.

Sprecher 3: Hallo, ich freue mich auch.

Sprecher 2: Ja, Vera, die Noten werden immer besser. Ist das ein Phänomen in ganz Deutschland oder haben die südlichen Bundesländer, die sich ja immer schon fast darauf eingebildet haben, dass bei ihnen die Noten schlechter sind, das Abitur schwerer, sieht es da anders aus?

Sprecher 3: Es gibt eine aktuelle Studie, die sich das angeguckt hat. Der Bildungsforscher Dieter Domen hat nochmal so die vergangenen 20 Jahre untersucht, wie sich die Noten entwickelt haben. Und es lässt sich schon beobachten, dass diese Entwicklung für gar nicht so gut ist. in Deutschland zu sehen ist, also dass es eine mehr oder weniger kontinuierliche Verbesserung der Abiturnoten gegeben hat. Aber es gibt auch große regionale Unterschiede. Da ist es so, dass zum Beispiel Bayern, du hast ja den Süden angesprochen, eher so im Mittelfeld ist und es eher die ostdeutschen Bundesländer sind, die sehr gute Abiturnoten vergeben. Zum Beispiel 2006, da lag der Anteil an Schülerinnen und Schülern, die mit 1,4 oder besser das Abi gemacht haben, noch überall deutlich unter 10 Prozent in Ländern wie Berlin, Brandenburg oder Sachsen sogar unter 5 Prozent. Und das hat sich dann jetzt eben... Nochmal entwickelt. Einmal mit der Pandemie gab es einen ganz schönen Boost auch nach oben. Also da sind die Abinoten auch nochmal deutlich besser geworden. Thüringen zum Beispiel, was grundsätzlich die besten Abinoten vergibt, da lag der Anteil bei 20 Prozent. Das heißt, jeder fünfte Abiturient hat ein Abi von 1,4 oder besser gehabt. Das ist jetzt so ein bisschen rückläufig wieder, also es ist nicht mehr ganz so stark wie während der Pandemie, aber die Tendenz ist da.

Sprecher 2: Und woran liegt das nun? Geben die Lehrer wirklich einfach bessere Noten? Sind die Standards niedriger? Die Tabellen, die es ja jedenfalls in bestimmten Fächern gibt, wann welche Note vergeben wird? Oder sind die Schüler wirklich fleißiger und haben mehr gelernt und die Eltern ehrgeiziger?

Sprecher 3: Ja, also das Warum ist gar nicht so leicht zu beantworten. Worten. Es ist leider nicht so, dass die bessere Abiturnote im Schnitt bedeutet, dass dann auch im Schnitt alle klüger und kompetenter geworden sind. Da zeigen ja so Leistungsvergleichsstudien leider eher das Gegenteil, dass zum Beispiel die Fähigkeiten in Deutsch und Mathematik eher abnehmen oder abgenommen haben in der letzten Zeit. Was denkbar ist, ist, dass zum Beispiel Schüler ihre Note verbessern durch geschicktes Wählen und Abwählen von Fächern. Also was die Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie auch zeigt, was ich auch ganz interessant finde, ist, dass es auch wirklich eben mit den Bedingungen... Vor Ort zu tun haben könnte. Also zum Beispiel könnte es einen Einfluss haben, wie groß die Bevölkerungsdichte ist oder auch wie hoch der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund ist. Also dort, wo der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund niedriger ist, gibt es den Hinweis darauf, dass die Abiturnoten besser sind. Das ist jetzt aber in der Studie auch noch nicht direkt so belegt, dieser Zusammenhang. Aber wir wissen aus der Bildungsforschung, dass die Schule, das Bildungssystem sich schon auch manchmal schwer tut, die Schüler, die eben andere Bedürfnisse und Bedarfe haben, auch richtig zu fördern und zu fordern.

Sprecher 2: Ja, Vera, du hast jetzt das bestätigt, was ja viele Leute vermuten, nämlich, dass das Bildungsniveau insgesamt runtergeht, dass insgesamt... ein Abiturient in den 70er Jahren mehr wusste, eine breitere Bildung hatte, eine tiefere Bildung vielleicht auch als heute. Kann man das an Dingen festmachen, also an konkreten Messwerten, wo man sagt, heute kann eben nicht mehr jeder Abiturient fehlerfrei schreiben oder ähnliches? Gibt es da Messwerte?

Sprecher 3: Man sieht das eben schon daran, dass eben zum Beispiel bei den Achtklässlern, da steigt der Anteil an denjenigen, die Schwierigkeiten haben, einfache Texte zu verstehen und beim Lesen Schwierigkeiten haben oder auch beim Rechnen. Also wirklich so diese Grundkompetenzen, wo man sagt, die brauche ich für alles, egal. Ob ich danach ins Handwerk gehe oder ob ich dann ins Studium gehe. Das sind so Grundkompetenzen, die ich einfach brauche. Es hat sich ja auch seit den 70er Jahren nicht nur die Abiturnoten verändert, sondern es hat sich ja auch ganz viel an den Lebensbedingungen verändert, aber nicht so viel an den Lernbedingungen. Also müsste die Frage auch sein, wie kann Schule und wie können Prüfungen zeitgemäßer sein, um dann auch wirklich auf die Realität und auch auf die Zukunft vorzubereiten.

Sprecher 2: Vielen Dank, Vera, dass du jetzt zum Start in die Ferien in verschiedenen Bundesländern heute bei uns warst.

Sprecher 3: Danke auch.

Sprecher 2: Die Welt verändert sich rasend schnell. Dieser Satz zeugt davon, dass man selbst schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist und man vielleicht mit dem Fortschritt gar nicht mehr so unbedingt mithalten kann und manche Bereiche nicht durchblickt. Das ist keine neue Erscheinung. Das gab es schon seit wahrscheinlich Jahrtausenden, dass sich die Welt verändert. Und jetzt hat man aber tatsächlich das Gefühl, es geht immer schneller in der Technologie, aber auch auf den Finanzmärkten und auf den zahlreichen Angeboten, die es da neu gibt. Bitcoin, da habe ich noch ungefähr verstanden, was es ist. Aber jetzt gibt es etwas Neues und das nennt sich Stablecoin. Aber vielleicht ist es gar nicht so neu, sondern ich habe es einfach bisher noch nicht kennengelernt. Unsere Kollegen vom CEO-Table jedenfalls, die haben sich intensiv damit beschäftigt, was es mit dem Stablecoin auf sich hat, wofür man die braucht. Und jetzt ist Alexander Wiedmann bei mir hier und will uns das mal erklären. Hallo Alex.

Sprecher 4: Guten Morgen, Helene.

Sprecher 2: So, also in drei Sätzen sag mal, was sind Stablecoins? Ist das was ganz anderes als Bitcoins oder irgendwie eine Weiterentwicklung dessen? Klär mich bitte auf.

Sprecher 4: Stablecoins sind auch digitale Währungen, aber sie sind nicht so volatil. Denn Stablecoins sind an feste, reale Währungen gekoppelt, meist an den US-Dollar. Im Gegensatz zu Kryptowährungen, wie beispielsweise dem Bitcoin, der stark schwankt, ist ein Stablecoin wie USDC oder Oder fetter, fast immer genau ein Dollar wert.

Sprecher 2: Und was habe ich jetzt davon, wenn ich einen Stablecoin kaufe statt einem Bitcoin? Ist es irgendwie sicherer?

Sprecher 4: Du kannst Stablecoins überall auf die Welt schicken, brauchst dazu meist auch gar keine Bank. Und das bedeutet, es ist günstiger als normale Transfers ins Ausland. Es kann als Zahlungsmittel zur Wertaufbewahrung oder für Überweisungen genutzt werden. Gerade in Ländern mit schwacher Währung, etwa in Argentinien oder Nigeria, nutzen Menschen Stablecoins, um ihre Kaufkraft zu schützen und Geld grenzüberschreitend zu senden. Oft schneller und günstiger als über klassische Banken.

Sprecher 2: Die Vereinigten Staaten, die sind jetzt Vorreiter in Sachen Stablecoin geworden. Treiben Sie das gezielt voran?

Sprecher 4: Ja, genau. Und dabei setzen sie nicht auf einen staatlichen digitalen Dollar, der ist sogar verboten, sondern sie wollen privaten Anbietern es ermöglichen, indem sie rechtssichere Rahmenbedingungen schaffen. Und diese Stablecoins sind fast durchweg mit kurzfristigen US-Schuldtiteln gesichert. Das stärkt nicht nur die Rolle des Dollars, sondern schafft auch zusätzliche Nachfrage. Und am Ende ist es ein Instrument, das die Leitwährungsrolle des Dollars zementiert.

Sprecher 2: Interessant, also das Ganze hat einen geopolitischen Aspekt. Insofern höchste Zeit, dass wir nach Europa gucken. Können wir da irgendwie mithalten bei dieser Entwicklung dieser neuen digitalen Währung?

Sprecher 4: Naja, nicht unbedingt. Also Europa hat sich für einen anderen, für einen vorsichtigeren Ansatz entschieden. Sie sitzt mit der Mika vor Ort. auf einen Regulierungsansatz. Und Europa setzt auf den digitalen Euro, also einen staatlichen Stablecoin. Aber der kommt nicht wirklich voran.

Sprecher 2: Warum ist der Stablecoin besser als einer, der von einer Zentralbank ausgegeben wird?

Sprecher 4: Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ein staatlicher oder ein privater Anbieter da besser ist. Vielmehr zeigt dieses Beispiel mal wieder, dass die USA im Finanzsystem einfach offener und innovationsfreudiger ist und damit mit einem Wettbewerb schneller zum Ziel kommen. Der digitale Euro von der EZB kommt frühestens 2029 und wenn Europa hier schläft, kann es gefährlich werden.

Sprecher 2: Ihr macht das als Thema in eurem CEO-Table am Samstag. Also jeder, der da mal reinschauen will und alle Hintergründe zum Thema Stablecoins erfahren will, der soll das doch tun. Alex, wie kriegt man den CEO-Table?

Sprecher 4: Einfach anmelden, table.media.co. Wir haben mit Finanzexperten gesprochen, interessante Fakten und Grafiken recherchiert. Einfach schnell abonnieren.

Sprecher 2: Sehr zu empfehlen auch von meiner Seite. Danke, Alex, dass du hier warst.

Sprecher 4: Danke für die Zeit.

Sprecher 2: Im Schnitt gehen die Deutschen mit 64,4 Jahren in Rente. Das sind die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Und die Zahlen zeigen, wir haben ein echtes Problem, denn das ist zu früh. Das jedenfalls sagen Experten und das sagt auch die Wirtschaftsministerin. Sie hören schon, die Rente lässt uns in dieser Woche nicht los hier bei Table Today. Denn sie wird ja wohl auch zum wichtigsten Reformvorhaben der Bundesregierung nach der Sommerpause werden. Ein möglicherweise heißer Herbst steht uns da bevor. In dieser Woche haben Sie ganz unterschiedliche Positionen dazu gehört. Von Elisabeth Nier, von der Hertie-Stiftung, auch von Professor Bernd Raffelhüschen, der sich vehement für Veränderungen hier eingesetzt hat. Und auch die SPD hat sich geäußert, und zwar in Form von Tim Klüssendorf, dem Generalsekretär, der deutlich gemacht hat, dass die SPD auf gar keinen Fall Kompromissen zustimmen wird, die das Renteneintrittsalter betreffen, jedenfalls die Raufsetzung dieses Alters. Fehlt noch ein Blick auf die Grünen. Der Realo-Flügel jedenfalls hat eine ziemlich klare Meinung. Winfried Quetschmann macht sich stark für eine Anhebung des Renteneintrittsalters. Das hat er gerade in der SZ gesagt. Und auch Daniel Bayers, der Finanzminister in Baden-Württemberg, sieht das so. Er war vor kurzem bei uns zu Gast und sagte, es muss sich dringend etwas ändern. Und zwar nicht nur bei der Rente, sondern insgesamt. Wir haben mit ihm über die Reform gesprochen. Fähigkeit und Reformbedürftigkeit dieses Landes gesprochen, aber nicht nur das, sondern auch über das Innenleben der Grünen im Bund und in ihrem Vorzeigebundesland Baden-Württemberg jedenfalls noch. Im kommenden Frühjahr wird dort gewählt. Hallo Herr Bayers, schön, dass Sie bei uns sind.

Sprecher 5: Danke für die Einladung. Grüß Sie.

Sprecher 2: Wir reden mal erstmal über die Grünen in Berlin, denn die sind ja nicht ganz irrelevant für das, was sie im Land vorhaben. Sie versuchen, das Staatsministerium zu verteidigen. Im nächsten Jahr ist bei Ihnen Wahl und da, denke ich mal, wollen Sie Rückenwind aus Berlin haben. Die Berliner Grünen haben jetzt als Parole ausgegeben, sie wollen wieder grüner werden. Und es wird hier gerätselt, was das eigentlich heißt. Wie verstehen Sie diesen Satz?

Sprecher 5: Naja, für seine Werte, für seine Überzeugung einzustehen, kann nie verkehrt sein. Und ich will ganz ehrlich sagen, wir kommen natürlich aus einer Zeit, wo wir auch als Partei ein bisschen verunsichert sind. Es passieren viele Dinge um uns herum, geopolitisch, wirtschaftlich. Auch die Partei hat keine ganz einfache Zeit. Auch die Transformation von einer Regierungspartei, die mal die Ambition hatte, den nächsten Kanzler zu stellen, zu einer 11 oder 12 Prozent Oppositionspartei, das ist nicht ganz einfach. Wir haben in Baden-Württemberg nächstes Jahr Wahlen. Wir haben 14 Jahre dort mit Winfried Kretschmann, glaube ich, gut regiert, gute Arbeit gemacht. Wir hatten Zeiten, da gab es Rückenwind aus Berlin. Es gab auch Zeiten, da hat der Wind mal ein bisschen von vorne geblasen. Jetzt schauen wir mal, wie es nächstes Jahr läuft. Aber es bleibt was zu tun.

Sprecher 2: Es gibt ja Grüne, die sagen, die Grünen müssen wieder linker werden, denn ansonsten verlieren sie so viel an die Linkspartei. dass sie in Baden-Württemberg sowieso keine Chance hätten, stärkste Kraft zu werden. Die anderen sagen, naja, es gibt die FDP nicht mehr, da gibt es eine Lücke, in die die Grünen stoßen könnten als Bürgerrechtspartei. Herr Bayer, es wird ja nachgesagt, dass Sie die Grünen sowieso als eine Art Öko-FDP umdeuten wollen. Stimmt das?

Sprecher 5: Nein, das würde ich sicherlich von mir weisen. Aber ich würde sagen, dem Gedanken des Liberalismus, der liberalen Demokratie, des Rechtsstaats, der Werte der sozialen Marktwirtschaft kann ich sehr viel abgewinnen. Und ich glaube, dass da auch für uns viel Potenzial drinsteckt. Ich glaube nicht, dass Abarbeiten und im Wettbewerb mit der Linkspartei da für uns Verheißungsvolles drinsteckt. Wir haben in Baden-Württemberg einen Kurs eingeschlagen, wo wir versucht haben, unsere Werte, unsere Überzeugung, vorneweg das Thema Klimaschutz, immer wirtschaftspolitisch mit Marktwirtschaft verbunden weiterzuentwickeln, Unternehmen, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft dabei mitzunehmen. Das ist uns erstaunlich gut gelungen. Baden-Württemberg ist nach wie vor eine der innovativsten Regionen der Welt, sagt eine Studie des Instituts für Wirtschaft nach Massachusetts und Silicon Valley. Und ich glaube, auf diese Punkte weiterhin zu setzen, das ist das, was ich mir vorstelle, damit wir auch in Zukunft erfolgreich sind.

Sprecher 2: Die Grünen haben noch mit den alten Mehrheiten des Bundestages dieses Schuldenpaket mit beschlossen, das Sondervermögen. Wenn Sie sich jetzt anschauen, was Lars Dingbeil so treibt, fühlen Sie sich da eigentlich ziemlich veräppelt manchmal?

Sprecher 5: Zumindest ist einiges eingetroffen, was zu befürchten ist. Sie können die Zusätzlichkeit definieren, sie können Themen verhandeln, sie können Klimatransformationsfonds auf einen Fonds draufschreiben. Am Ende hat natürlich eine Regierung immer die Möglichkeiten, diese Spielräume bis an die Grenze und vielleicht auch ein bisschen darüber hinaus zu nutzen, auszunutzen und auch mal umzuwidmen. Und wir sehen, dass das in einigen Bereichen gerade passiert. Und ich will es mal so zusammenfassen. Das sind schon jede Menge Schulden und nicht so viel Reform-Eifer, den ich gerade spüre. Und das macht mir große Sorgen.

Sprecher 2: Ja, reden wir über den Reform-Eifer, denn einfach nur Schulden machen kann es ja nicht sein, gerade für einen Schwaben. Sind Sie das eigentlich?

Sprecher 5: Ich bin Kurpfälzer, aber die Stuttgarter, da wird man sehr schnell assimiliert und da gibt es keinen drin.

Sprecher 2: Also ein schwäbischer Hausmann vielleicht auch, wie auch immer Sie sich jetzt selber nennen. Jedenfalls müssen wir mal reden über die Frage Reform, Reform-Eifer. Friedrich Merz hat versprochen, dass es auch Reformen gibt. Bislang hat man noch nicht besonders viel davon gehört aus dem BMAS. Also das Arbeitsministerium arbeitet angeblich an Vorschlägen, aber so richtig viel ist noch nicht nach außen gedrungen. Haben Sie das Gefühl, die neue Bundesregierung geht dieses Thema an oder drücken die sich da drum?

Sprecher 5: Ganz einfach gesagt, ich glaube, die drückt sich und die Gelder werden jetzt genutzt, um einfach notwendige Reformen noch ein paar Jahre aufzuschieben. Ich fange mal bei Ihrem Bild der schwäbischen Hausfrau an, über die ja mal viel gesagt, gesprochen, philosophiert wurde. Ich mag das Bild der schwäbischen oder auch gerne badischen Unternehmerin. Die nimmt nämlich ein Christ. Kredit auf bei der Bank, wenn sie wirklich investiert. Jetzt ist sie zur Bank gegangen, hat sich einen Kredit geben lassen, weil sie sagt, ich will das Haus sanieren. Ich will an der Decke was machen und will vielleicht den Garten ein bisschen gestalten. Und dann fällt ihr auf den Weg dann ein zu sagen, eigentlich irgendwie das Bad zu sanieren und ein bisschen Wellnessbereich ausbauen wäre irgendwie auch ganz nett. Dafür hat die Bank ihr aber den Kredit nicht gegeben, um jetzt mal in dieser Metapher zu bleiben. Und das sehen wir gerade. Und deswegen ist mein Appell natürlich jetzt darauf zu sorgen, dass diese Mittel zukunftsorientiert in Infrastruktur, in die Digitalisierung, in übrigens nicht nur Waffen und Beton, um es mal salopp zu sagen, sondern auch Hightech-Themen, also Forschung, Entwicklung und dergleichen zu investieren und gleichzeitig den Druck, für Konsolidierung und Priorisierung aufrechtzuerhalten. Und da kann man notwendige Reformen in den sozialen Sicherungssystemen, nehmen Sie die Rente, nehmen Sie Gesundheit, nehmen Sie Pflege, jetzt nicht einfach nur in Kommissionen outsourcen, in der Hoffnung, da kommt was bei raus. Das kann es nun wirklich nicht sein. Und da ist meine Erwartungshaltung, dass jetzt da einfach auch wirklich eine Reformagenda entsteht, die mutig ist und nach vorne geht.

Sprecher 2: Dann lassen wir uns doch hier an diesem Tisch bei Table Briefings mal konkret werden, Herr Bayers. Rente zum Beispiel. Sie haben einen Vorschlag gemacht, das Rentenalter anzuheben. Was schwebt Ihnen da vor und was bringt das?

Sprecher 5: Ich glaube, erstmal müssen wir uns verinnerlichen, in welcher Situation wir sind. Wir haben eine demografische Entwicklung, die die sozialen Sicherungssysteme und die gesetzliche Rente in den 30er Jahren stark unter Druck setzt. Wir verschlimmern gerade die Probleme. durch Einziehen von neuen roten Linien. Wir kippen die Mütterrente noch oben drauf. Und das muss ja eine junge Generation erstens durch steigende Beiträge, aber dann selbst mit einer Rente, die wahrscheinlich nicht mehr auskömmlich sein wird, irgendwie finanzieren. Ich finde, das ist nicht gerecht, nicht anständig, spricht auch nicht meiner Vorstellung von Nachhaltigkeit und von solider Finanzpolitik. Schaffen wir es? Rechtzeitig Wege einzuleiten, um diesem Problem zu begegnen. Das ist, glaube ich, die Frage, die wir uns stellen müssen. Und das heißt konkret aus meiner Sicht zwei Dinge. Das heißt zum Ersten eine stärkere private Altersvorsorge. Übrigens auch, weil es einfach ein Gewinn ist, wenn mehr Menschen in breiten Bevölkerungsschichten auch am Kapitalmarkt partizipieren. Und zweitens, wir werden uns darauf einstellen, das ist erstmal was Schönes, wir werden alle gemeinsam älter, die Lebenserwartung steigt, dass wir auch länger am Arbeitsmarkt partizipieren. Und ich rede nicht vom Dachdecker und auch nicht vom Fliesenleger. Da geht es vor allem um akademische Berufe, Jobs wie Sie und ich sie beispielsweise. Machen und darüber müssen wir uns einfach unterhalten und die Weichen heute stellen. Das gehört für mich auf jeden Fall mit dazu. Und dann wäre das Finanzpaket auch fair, zu sagen, wir nehmen Kredite in die Hand, um zu investieren, damit künftige Generationen von einer guten Infrastruktur und einem guten Bildungssystem profitiert, aber sie ja auch diese Schulden zurückbezahlen. Und andererseits stellen wir auch die sozialen Sicherungssysteme nachhaltig auf. Das wären zwei Seiten einer Medaille.

Sprecher 2: Meine These wäre, in Deutschland haben wir eine sehr etatistische Grundhaltung. Die Erwartung an den Staat ist, ziemlich groß und die Sorge ist, wenn man jetzt Leistungen zurückfährt, Zumutungen für Bürgerinnen und Bürger erhöht, dass dann der Politikverdruss noch mehr steigt. Wie geht man damit um? Wie kann man so eine Art Mentalitätswende hin zu mehr Eigenverantwortung? Politisch begleiten.

Sprecher 5: Das fängt erstmal mit ganz banaler Kommunikation, Offenheit und Ehrlichkeit an. Nehmen wir mal das Thema Verteidigung. Wir werden jetzt sehr viel in die Verteidigung investieren. Wir werden aufrüsten. Und das Signal, was wir damit ja senden, ist, liebe Bürgerinnen und Bürger, wir meinen das ernst mit militärischen Zeitenwende, aber für euch ändert sich erstmal nichts. Und jeder, der nur kurz darüber nachdenkt, wird merken, das kann ja irgendwie nicht funktionieren. Ich glaube auch zu sagen, das wird am Ende buchstäblich einen Preis haben. Wir müssen das ja irgendwie gegenfinanzieren. Das gehört, glaube ich, mit dazu. Wir brauchen eine ernsthafte Diskussion. Wo hat der Staat Kernaufgaben, wo er liefern muss? In der Bildung, in der Verteidigung, in der Wissenschaft? Und wo gibt es Bereiche, wo wir Menschen auch wieder mehr Eigenverantwortung zumuten können? Da ist, glaube ich, die Anspruchshaltung in den letzten Jahren auch von politischer Seite sehr stark kultiviert worden. Das würde zur Ehrlichkeit mit dazugehören. Aber Sie haben recht, das ist keine einfache Diskussion. Wenn man so ein Thema wie die Rente, wie heute hier anspricht, kann ich Ihnen sagen, da gibt es schöne Fanpost.

Sprecher 2: Großer Schützdom haben Sie bekommen.

Sprecher 5: Naja, ich meine, da gibt es natürlich sofort Gegenwehr aus allen möglichen Ecken. Und ich will es mal auf einen Nenner bringen. In diesem Land ist mir schon eines aufgefallen. Es gibt zwei Dinge. Auch in der ganzen Diskussion über den Bürokratieabbau, der tief in uns drinsteckt. Erste ist absolute Risikominimierung und zweitens das absolute Streben nach Einzelfallgerechtigkeit. Jeder ist für einfache, pragmatische, unbürokratische Regeln, aber jeder hat dann 100 Gründe, warum das bei ihm gerade nicht geht. Ich habe ja den Vorschlag gemacht, längeres Arbeiten für Menschen, die beispielsweise studiert haben, Bachelor- oder Masterabschluss gemacht haben, weil in der Regel, nicht immer, aber in der Regel, dort es eher zumutbar ist als jemand, der mit 17 eine Ausbildung gemacht hat und dann eher auch vielleicht eine körperliche Arbeit über den Lebenszyklus gemacht hat. Dann habe ich natürlich viele, viele Mails bekommen. Da stehen dann so Sachen drin. Ja, aber was ist mit denen, die das auf dem zweiten Bildungsweg gemacht haben? Was ist mit denen, die studiert haben, aber trotzdem irgendwie nochmal umgeschult haben und jetzt was Körperliches machen? Das sind ja alles legitime Fragen. Aber vielleicht gibt es ja bessere Ideen, als die, die Sie gemacht haben. Wir haben immer ganz viele Gründe, warum das eine oder das andere nicht geht. Und deswegen sind wir auch in dieser wirtschaftlichen Lage der Stagnation und des Stillstands. Und da müssen wir dringend rauskommen.

Sprecher 2: Ein eindringlicher Appell von Daniel Bayers, baden-württembergischer Finanzminister. Schön, dass Sie heute bei uns waren.

Sprecher 5: Danke für Ihr Interesse.

Sprecher 2: Als wir uns in der Podcast-Konferenz über Stablecoins unterhalten haben, da kamen wir ins Gespräch darüber, wie schnell dieser ganze Wandel vonstatten geht und was es früher alles mal gab. Und da schweiften wir so ab. Und irgendwann landeten wir bei der Frage, wer von unserem Team sich eigentlich noch an Telefonkarten erinnert. Paulina zum Beispiel, die jetzt gerade die Aufnahme leitet, die ist 2001 geboren und hat in ihrem Leben noch keine Telefonkarte gesehen. Ich dagegen kann mich noch gut daran erinnern, was für ein Fortschritt das war, als man irgendwann keine Münzen mehr brauchte, sondern diese kleine Plastikkarte hatte, die von der Telekom war in leuchtendem Pink und dass man die in die Telefonzellen reinsteckte. Das war Anfang der 80er Jahre, wurde diese Karte entwickelt und ab 1990 gab es das flächendeckend in Deutschland. Und obwohl wir denken, es gibt schon lange keine Telefonkabinen mehr, habe ich jetzt herausgefunden, dass erst Ende 2023 die Telekom den Telefonkartenverkauf komplett eingestellt hat. Tja, Erinnerungen an früher, was da alles so war, mit wem man aus diesen Telefonkabinen telefoniert hat. Morgen fahre ich in den Urlaub an den Ort meiner Kindheit an der Nordsee. Da werde ich gleich immer ein bisschen nostalgisch. Und dann habe ich auch immer gleich wieder die Musik im Ohr, die ich dort als junges Mädchen gehört habe. Und die ich jetzt hier mit ihm teilen möchte. Und damit wünsche ich Ihnen schöne zwei Augustwochen, in denen ich nicht da bin. Sarah Sievert von Berlin Table wird hier nächste Woche übernehmen, zusammen mit Florian Fischer, unserem Head of Podcast. Und eine Woche später ist auch Michael wieder da aus Kanada. Und ich bin mit der August wieder da und freue mich jetzt schon darauf. Macht es gut. Tschüss.

Sprecher 6: Got no reason for coming to me in the rain, running down. And the same voice come to me like it's all slowing down. I was the one to let you know I was just sorry ever after 74, 75 It's not easy. Nothing to say. It's never easy. When I look on your eyes, then I find that I'll define. When I look on your eyes, then I'll do better. I was the one that you know. I was just sorry and never after. 74, 75. Giving me more and I'll define Cause you're really only after 74, 75