Retten Sie den deutschen Film, Herr Weimer?
Wolfram Weimer will mehr deutsche Blockbuster in den Kinos sehen.Die Filmförderung wird sofort verdoppelt. „Der deutsche Film hat große Probleme. Wir sind in einer schweren Krise", begründet der Kulturstaatsminister seinen Vorstoß.
Zu viele Filme seien am Publikum vorbei produziert worden - sowohl im Arthausbereich als auch bei publikumswirksamen Produktionen müsse Deutschland Gas geben.
Weimer plant zudem einen „Plattform-Soli" gegen amerikanische Digitalmonopole wie Google.
[13:25]
Johann Wadephul kämpft nach sechs Monaten im Amt noch immer um sein Profil als Außenminister. Friedrich Merz hat die Außenpolitik zur Chefsache gemacht und alle großen Themen - Ukraine-Krieg, Trump-Beziehungen, Europa-Politik - selbst an sich gezogen. „Er ist eher der Kurier des Kanzlers und nicht der Außenminister, der selber prägen kann", analysiert Stefan Braun, Leiter des Berlin.Table, im Gespräch mit Helene Bubrowski.
[01:40]
Die EU-Kommission plant drastische Kürzungen beim Agrarbudget: 20 Prozent weniger Geld, inflationsbereinigt sogar über 30 Prozent. Besonders treffen soll es Programme zur ländlichen Entwicklung - also Geld, dass nicht direkt an Landwirte gezahlt wird.
Julia Dahm von Agrifood.Table berichtet aus Brüssel.
[08:58]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Außenpolitik aus einem Guss, das hat sich der Bundeskanzler Friedrich Merz vorgenommen für seine Regierungszeit und deshalb seinen Vertrauten Johann Wadephul zum Außenminister gemacht. Wie funktioniert das nun in der Praxis und steht Wadephul eigentlich im Schatten des Außenkanzlers Merz? Fragen, die ich gleich mit Stefan Braun, unserem Leiter des Berlin Table, bespreche. Außerdem schauen wir uns an, was Wolfram Weimar eigentlich so treibt, der neue Kulturstaatsminister der Schwarz-Roten Koalition. Kritik an ihm hat es schon in der ersten Stunde gegeben. Kulturschaffende in ganz Deutschland haben den Teufel an die Wand gemalt, weil Wolfram Weimar von Merz auf diesen Posten geholt werden soll. Wir fragen ihn, was er in seinem Amt vorhat. Er ist gleich zu Gast bei uns. 58 Milliarden Euro fließen Jahr für Jahr aus den Töpfen der EU an die Landwirte in Europa. Das soll künftig etwas weniger werden und da sind die Bäuerinnen und Bauern in diesem Land und in anderen europäischen Ländern schon wieder auf der Zinne. Werden sie wieder nach Brüssel fahren und dort laut protestieren? Und was soll das eigentlich, dass Europa so viel Geld an die Landwirtschaft zahlt? Das bespreche ich gleich mit Julia Dahm von unserem Agri-Food. Heute ist Donnerstag, der 31. Juli. Ich freue mich, dass Sie dabei sind. Es sollte ein Neuanfang werden in der Außenpolitik. Nach vier Jahren Annalena Baerbock und der Kritik, die es an ihr gab, wollte die Union die Sache anders angehen. Außenpolitik aus einem Guss, kein Streit mehr zwischen dem Werderschen Markt und dem Kanzleramt. Johann Wadephul sollte diese Wende verkörpern. Und nun gibt es auch an ihm Kritik, unter anderem von dem Historiker Michael Wolfson, der es im Cicero so formuliert hat, nach Baerbock dachte ich, der Tiefpunkt sei erreicht, aber es geht noch schlimmer. Auch die Bild-Zeitung hat den neuen Außenminister auf dem Kicker wegen Äußerungen zu Israel. Was ist eigentlich seine Rolle in der Bundesregierung, wo er doch neben einem Kanzler bzw. Eher unter einem Kanzler arbeitet, der sich selber als Außenkanzler versteht, durch die Welt tourt und die Diplomatie zur Chefsache macht? Darüber rede ich jetzt mit Stefan Braun, dem Redaktionsleiter unseres Berlin Table, der Johann Wadephul seit langem kennt und nun auch schon mehrfach mit ihm unterwegs war. Hallo Stefan, schön, dass du da bist. Hallo Helene. Ja, wie ist das, Johann Wadephul und das Auswärtige Amt? Ist er da eigentlich gut reingekommen? Was sagen die Diplomaten zu dieser Rolle des Außen? Ministers, die so ein bisschen unter dem Kanzler steht, der selber ja Chefdiplomat irgendwo auch ist, oder?
Sprecher 3: Ganz klar, der Kanzler hat in einer krisenhaften Zeit alle Themen, die jetzt gerade wirklich ganz oben auf dem Tisch liegen, ob es die Einheit in Europa ist, ob es der Umgang mit Donald Trump ist, ob es der Krieg in der Ukraine ist, erstmal selber angezogen und hat sich auch erstmal selber darum gekümmert. Das heißt, die Felder sind so präsent, sie sind so präsent gespielt von Merz, dass Wadephul in eine Rolle geraten ist, die man ihm gar nicht vorwerfen kann. Er ist der Interpret, er ist der Erklärer, er reist dann hin, er überbringt die Passion. Das wird er machen, wenn er nach Israel fliegt. Also er ist eher so der Kurier des Kanzlers und ist nicht selber der Außenminister, der an verschiedenen Stellen selber prägen kann. Das macht die Sache für ihn persönlich schwieriger, aber es ist der Situation und der Weltlage geschuldet.
Sprecher 2: Wie ist denn das Verhältnis zwischen Friedrich Merz und Johann Wadephul, der sich ja für diesen Außenminister entschieden hat? Obwohl es noch eine andere Person im Kabinett gibt aus diesem kleinen Land, schließlich Holstein. Und also im Grunde die Personalie Wadephul über den Länderproports gesetzt hat. Also offensichtlich ihn ja wollte, oder? So muss man es doch sagen.
Sprecher 3: Ganz eindeutig, das Vertrauen ist... Das Schlüsselkriterium gewesen, warum Merz Wadiful zum Außenminister gemacht hat. Und ich würde jetzt auch sagen, Bislang hat er nicht alles falsch gemacht und er macht auch nichts anders, sondern er versucht an der Stelle ein bisschen eigenes Profil zu haben. So etwas braucht das Auswärtige Amt immer. Die brauchen nicht nur einen Sekretär, die brauchen einen Minister, damit sie sozusagen ein eigenes Wertegefühl hat. Und dann muss man jetzt... Aktuell sagen, es hätte auch nicht schwerer werden können. Also was jetzt gerade in Israel ist und was gerade ausgerechnet Deutschland auch gegenüber Israel signalisieren will, signalisieren muss, das hat es jahrzehntelang nicht gegeben. Dass er da in einer schwierigen Rolle ist, ist alles andere als überraschend.
Sprecher 2: Ja, absolut nachvollziehbar. Und trotzdem, Stefan, ich komme nochmal zurück auf dieses Diktum Außenpolitik aus einem Guss. Denn man hat doch schon den Eindruck, dass Wadephul und Merz da nicht immer mit einer Stimme sprechen. Also Merz, der zwar auch Kritik an Israel übt und auf die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen hinweist, aber so etwas wie Zwangssolidarität mit Israel, wie Wadephul nicht sagt und glaube ich auch niemals sagen würde, wo es ja jetzt schon erste Kritiker gibt an Wadephul, die sagen, naja, er ist eben doch sehr vom Auswärtigen Amt und dem rot-grünen Sound der Diplomaten geprägt und könne da gar nicht gegen ankommen. Und deswegen ist das die Erklärung für diese Divergenz. Also Frage an dich, siehst du diese Divergenz zwischen Merz und Wadephul? Und zweitens, wenn ja, woher kommt sie?
Sprecher 3: Also erstens, ich glaube, dieses... Wort Zwangssolidarität, da ärgert er sich bis heute selber drüber. Das ist in einer Eile entstanden. Ich glaube, das würde er so nie wieder verwenden. Gleichzeitig muss man einfach bei Badeful wissen, und das ist ja nicht schlecht, sondern gut, er kennt sich seit vielen Jahren insbesondere im Nahen Osten aus. Und das heißt nicht nur Israel, sondern das heißt auch Ägypten, das heißt Golfstaaten, das heißt, er war in Syrien, er war in Saudi-Arabien. Also er hat ein Gespür dafür, dass wir nicht nur sozusagen auf dieser Welt mit Israel leben, sondern dass die arabische Welt natürlich sieht, was in den besetzten Gebieten, also was im Westjordanland passiert, was in Gaza passiert. Und er versucht an der Stelle, glaube ich, vermittelnd oder ausgleichend zu agieren. In der Rolle zwischen Merz und ihm würde ich bislang sagen, so gut wie immer sind die einer Meinung, auch wenn sie zwischendurch mal mit unterschiedlichen Rollen sozusagen agiert haben. März ganz klar gesagt hat, die Israelis machen im Kern bei den Angriffen auf das iranische Atomprogramm das Richtige und sie müssen das machen und sie machen im Prinzip, wie wir ja wissen, mit der Vokabel Drecksarbeit verbunden, sie machen das, was auch uns hilft. Hat er damals gesagt, ich bin unglücklich, dass der Angriff der Amerikaner kam. Er hat gesagt, ich weiß nicht, ob es gut war. Er ist dann nach Genf und das Interessante war, wenige Tage später kam aus dem Kanzleramt die Erklärung, warum an der Stelle Wadifoul anders agierte als der Kanzler. Der Kanzler hat agiert und geredet in dem Moment, als die Bomben geflogen sind oder die Flugzeuge Richtung Iran. Und Badefuhl hat sich positioniert für die Phase, wenn das vorbei ist. Also sozusagen, es gibt die Stunde des Konflikts und es gibt die Stunde der Diplomatie. Ich glaube, dass das hart abgesprochen war zwischen dem Kanzleramt und dem Auswärtigen Amt.
Sprecher 2: Er wird ja manchmal als Sherpa beschrieben und so ähnlich hast du ihn ja auch beschrieben, als Mann, der erstmal vorausreißt, die Dinge für Merz organisiert. Und Merz ist dann derjenige, der kommt und die große Rede hält, der dann vielleicht den internationalen Vertrag abschließt oder sowas. Also Wadephul als einer, der die Bühne bereitet. Ist das etwas, womit sich die stolzen Diplomaten am wärdischen Markt auf Dauer zufrieden geben werden?
Sprecher 3: Nein, das werden sie nicht. Ich glaube, das spürt man jetzt noch nicht so richtig. Das war auch nachvollziehbar, weil das allererste Thema, da bin ich auch mit ihm nach Washington gereist, war natürlich, wie gehen wir jetzt mit Donald Trump um und kriegen wir das hin, dass der völlig unberechenbare Donald Trump vielleicht doch adäquat und einigermaßen anständig mit Deutschland, mit Europa, mit der Zollfrage umgeht. Man hat auf dieser Reise, das waren 36 Stunden in Washington, eben gemerkt, wie glücklich alle schon waren, wenn es nicht noch schlimmer wird. Das war alles eigentlich nur ein atmosphärisches Bemühen. Wenn man sich jetzt fragt, was brauchen oder was wünschen sich Diplomaten auf Dauer, dann würde ich sagen, Die Aufgabe hat er noch vor. sich, Wadelfuhl, muss für sich selbst eigene Themen finden. Ich würde sagen, so schwer ist das nicht, weil Deutschland und Europa neue Verbündete und Partner brauchen, sei es sicherheitspolitisch, sei es wirtschaftspolitisch. Sprich, er muss sich irgendwann um Indien kümmern, er muss sich irgendwann viel intensiver um die afrikanischen großen Staaten kümmern. Ich glaube, dass das kommt. Es muss auch kommen, damit dieses Auswärtige Amt auch mit ihm eine Identität verbindet.
Sprecher 2: So ist es am Ende. Kann ein Minister nicht ohne sein Haus erfolgreich sein? Und ein Haus kann nicht ohne einen Minister erfolgreich sein. Wie das zusammenhängt, Stefan, du hast es beschrieben am Beispiel von Wadephul und dem Auswärtigen Amt. Vielen Dank, dass du bei uns warst.
Sprecher 3: Gerne.
Sprecher 2: Sprechen wir über die Landwirtschaft, genauer gesagt über die Agrarpolitik. Und die wird ja bekanntermaßen in Brüssel gemacht. Und zwar schon seit langem, nämlich seit 1962, also praktisch seit den Anfängen der europäischen Integration. Damals ging es noch darum, das hungernde Nachkriegseuropa mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die GAP, die gemeinsame Agrarpolitik, ist ein Feld, in dem es sehr oft Streit gibt. Kein Mitgliedstaat will zu kurz kommen und die Landwirte, das wissen Sie, haben eine mächtige Lobby in jedem Mitgliedstaat. Und die Summen, die an die Landwirte gehen, die sind wirklich nennenswert. 58 Milliarden Euro fließen Jahr für Jahr aus Brüssel in die europäische Landwirtschaft. Ist das eigentlich sinnvoll? Es gibt schon wieder Streit um den künftigen EU-Haushalt und die Frage, wie viel Geld die Landwirte bekommen. Spoiler, sie sollen weniger bekommen als in der Vergangenheit und regen sich entsprechend auf. Darüber spreche ich jetzt mit Julia Darm von unserem Agri-Food-Table. Hallo Julia.
Sprecher 4: Hallo.
Sprecher 2: Sag mal, wie sehr sind denn die Landwirte von den Kürzungen betroffen?
Sprecher 4: Ja, also die Kommission in ihrem Vorschlag für den zukünftigen mehrjährigen Haushalt der EU schlägt schon deftige Kürzungen vor beim Agrarbudget. Und zwar sollen 20 Prozent weniger als bisher fest reserviert werden für die gemeinsame Agrarpolitik. Inflationsbereinigt sind es über 30 Prozent sogar, wenn man die Inflation... Eingechnet. Das heißt, da kommt schon einiges auf die Landwirte zu. Allerdings muss man auch sehen, die einzelnen Mitgliedstaaten können sich noch entscheiden, das jeweils noch aufzustocken, wenn sie wollen. Und man muss auch sagen, die Kürzungen dürften ganz besonders stark Programme aus der gemeinsamen Agrarpolitik treffen, die gar nicht direkt an Landwirte fließen, sondern die in die ländlichen Räume fließen, in die ländliche Entwicklung. Also zum Beispiel Fördergelder für Gemeindezentren in Dörfern, für die Entwicklung von Tourismusangeboten auf dem Land, solche Sachen.
Sprecher 2: Ist das denn überhaupt sinnvoll, dass die EU so viel Geld für die Agrarsubventionen ausgibt? Ich habe es gesagt, 58 Milliarden Euro, das ist wirklich eine Stange Geld. Ein historisches Relikt eigentlich. Was denkst du darüber?
Sprecher 4: Das stimmt. In gewissem Sinn ist es ein historisches Relikt, weil eben ganz viele Grundpfeiler aus dieser Ursprungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg heute noch bestehen, wo es eben damals darum ging, Lebensmittelknappheit eigentlich zu vermeiden, womit wir heute ja keine Probleme mehr haben. Das heißt, inwieweit es eigentlich so eine reine Einkommensunterstützung für die Landwirtschaft noch braucht, was ursprünglich die Idee war, um die heimische Produktion einfach zu sichern, aufrechtzuerhalten.
Sprecher 2: Auch die Souveränität über die Lebensmittel wahrscheinlich, oder? Die Unabhängigkeit von Importen von Lebensmitteln, darum ging es doch, ne?
Sprecher 4: Genau, inwieweit das heute nur durch Subventionen gesichert werden kann, da gibt es auch unter Experten... unterschiedliche Einschätzungen. Man muss aber auch in den Blick nehmen, dass seitdem auch neue Herausforderungen dazugekommen sind für die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft muss heute krisengesillianter werden, wenn wir an Dürren denken, an Extremwetter, aber auch an Handelskriege, solche Sachen. Und sie muss eben ganz dringend Klima- und Umweltschutz umsetzen. Man denke zum Beispiel an Überdüngung oder an die Artenvielfalt. Das heißt, das sind alles große Herausforderungen, wo wir ja auch als Gesellschaft ein Interesse daran haben, dass das gelingt. Da kann man schon argumentieren, dass es auch öffentliche Unterstützung braucht.
Sprecher 2: Vielen Dank für diese Einschätzung, liebe Julia. Gruß nach Brüssel.
Sprecher 4: Dankeschön. Gruß nach Berlin.
Sprecher 2: Da macht Mert seinen Golfkumpel zum Kulturstaatsminister und dann noch so einen Rechten. So ungefähr kann man den Tenor in dem einen oder anderen Medium zusammenfassen, als die Personalie Wolfram Weimar verkündet wurde. In der Kulturszene gab es Überraschungen bis hin zu Entsetzen über die Person, die da künftig in Sachen Kultur in der Bundesregierung das Sagen haben soll. Es gab sogar eine Petition gegen Weimers Ernennung und es sind ein paar tausend Unterschriften zusammengekommen. Wolfram Weimar ist ein ehemaliger Journalist. Er hat das Politikmagazin Cicero gegründet, war Chefredakteur von Welt und Fokus und dann Verleger in seiner Weimar Media Group. Aber was hat der Mann nun wirklich vor und treffen die Vorurteile, die es gegen ihn gibt, auch wirklich zu? Darüber sprechen wir mit ihm und auch darüber, wie er den deutschen Film voranbringen will, wo die Zukunft der Medien liegt und wie man die Übermacht der Plattformen bekämpfen kann. Stefan Braun hat mit ihm gesprochen.
Sprecher 3: Herzlich willkommen, Herr Weimar, bei Table Today. Schön, dass Sie heute Zeit für uns haben. Erste Frage, retten Sie den deutschen Film?
Sprecher 5: Ja.
Sprecher 3: Wie?
Sprecher 5: Zunächst muss man sagen, der deutsche Film hat große Probleme. Wir sind in einer schweren Krise. Die Produktionslandschaft erleidet Einbrüche und es geht ihr seit Jahren schon schlecht. Und die Dinge sind in den letzten Vierteln noch schlechter geworden, geradezu dramatisch. Deswegen ist schnelles Handeln nötig. Und deswegen haben wir heute im Kabinett den Beschluss gefasst, dass wir die Filmförderung sofort verdoppeln und deutlich erhöhen.
Sprecher 3: Wie haben Sie das gemacht in Zeiten wie diesen, wo es fast kein Geld mehr gibt? Für nichts.
Sprecher 5: Der Ernst der Lage, der ist allen Beteiligten in der Regierung bewusst und den haben wir adressiert. Und dann muss man systematisch mit den Haushältern reden und für seine Sache kämpfen. Und das ist hier zu einem guten Ergebnis gekommen und deswegen freue ich mich natürlich darauf.
Sprecher 3: Geht es denn mehr um den Film, also dass Deutschland wieder im Zweifel mehr Blockbuster produziert? Oder geht es um den Standort, auf dem gedreht wird? Also dass Bilder aus Deutschland in großen Filmen stattfinden?
Sprecher 5: Es geht um beides, weil wir bei beiden schwächeln. Wir brauchen viel mehr Filme, die Publikumserfolge haben. Wir haben auch zu viele Filme produziert, am Publikum vorbei. Aber wir brauchen natürlich auch eine ausgelastete Produktionslandschaft, dass die Kreativen auch wirklich Arbeit haben, dass sie Aufträge haben, dass die Produzenten Chancen haben, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten, dass die Schauspieler und Schauspielerinnen, dass die produzieren können, dass auch die ganzen technischen Dienstleister, die dahinterstehen, übrigens auch viele Softwareunternehmen und dass die in Lohn und Brot kommen und diese kreative Leistung, die da entsteht, auch auf dem neuesten technologischen Standard erfüllen können. Und deswegen ist es wichtig, dass jetzt Aufträge kommen, dass produziert wird. Meine Kollegin aus dem Bauministerium sagt, die Bagger müssen rollen, die Filme müssen rollen. wenn es sie noch gäbe. Also wir müssen einfach Gas geben in der Branche und deswegen ist es heute ein wichtiger Erfolg und es dient dazu.
Sprecher 3: Wenn Sie sagen, es ist auch ein bisschen am Publikum vorbei produziert worden, also Filme gemacht worden, wer entscheidet das? Also an welchem Kriterium machen Sie sowas fest?
Sprecher 5: Naja, es wird ja relativ genau gemessen, wie groß ist ein Publikumserfolg jedes einzelnen Films, also vor allem von den geförderten Filmen, in wie vielen Kinos wird der gezeigt, wie lange wird der gezeigt. Da haben wir in der Vergangenheit sehr viele Filme gefördert, die einfach nur ein sehr kleines Publikum erreicht haben. Ich bin ein großer Freund des Arthouse-Kinos. Das ist auch eine Kulturform, die wir unbedingt fördern, kultivieren und stärken müssen. Gar keine Frage. Aber wir müssen eben darauf achten, dass wir auch das Publikum erreichen, dass wir die Breite der Gesellschaft erreichen. Und davon lebt am Ende eine Filmindustrie auch vom Erfolg im Markt. Die Produzenten sehen das genauso. Und wenn wir jetzt deutlich mehr Geld in den Markt geben, um die Impulse auszulösen, dass wieder mehr produziert werden kann, dann hoffentlich wirkt das auf beiden Seiten, sowohl im Ad-Hoc-Spektrum als auch im Publikum-Spektrum.
Sprecher 3: Jetzt gibt es ein Thema, was das so ein bisschen streift. Selbstverständlich sind Sie für den deutschen Film und auch den Standort in Deutschland zuständig. Gleichzeitig gibt es einen Trend, den wir gerade auf der Welt beobachten, auch in Europa. Also es gibt dieses Stichwort Choose France. Es gibt irgendwie Make America Great Again. Es gibt in Deutschland jetzt, gut gemeint mit Sicherheit, diese Bewegung Made for Germany. Sind Sie da auch mit Kollegen in Frankreich, Großbritannien manchmal im Gespräch und verstehen sich auch als Kulturminister Europas?
Sprecher 5: Absolut. Ich habe ja selber eine sehr europäische Biografie und habe meine Kindheit und Jugend im europäischen Ausland verbracht und habe deswegen auch mit meiner französischen Amtskollegin Frau Dati auch sehr früh begonnen, medienpolitisch in europäischen Dimensionen zu denken. In Wahrheit ist ja die große Herausforderung, dass wir amerikanische Digitalplattformen haben, die sowohl in der Filmwirtschaft, in der Medienwirtschaft als auch insgesamt in der Informationsgesellschaft so dominant geworden sind, dass wir Europäer da eine Antwort drauf finden müssen. Und das schaffen wir nur gemeinsam.
Sprecher 3: An der Stelle denke ich jetzt kurz an die Tatsache, dass der Sohn von Silvio Berlusconi ja überlegt, mit seinem Unternehmen ProSiebenSat.1 zu übernehmen. Sie haben sich da, ich sage mal vorsichtig, ein bisschen skeptisch geäußert. Bis wohin ist es gut, wenn das passieren würde? Und ab wann wäre es schwierig oder schlecht?
Sprecher 5: Naja, wenn europäische Medienplattformen von größerer Dimension entstehen, dann ist das erstmal gut. Wir brauchen auch eine gewisse Marktkraft, Marktgewicht, um gegen die amerikanischen Streamer und gegen die amerikanischen Plattformen anzugehen. In dem Fall bei Losconi ProSieben geht es... Mir um zwei Dinge. Das eine ist, wir müssen garantiert bekommen, dass die Medienfreiheit, dass die journalistische Integrität des Hauses gewahrt bleibt. Und die zweite ist, wir haben natürlich da auch ein großes Standortinteresse. Wir wollen, dass der Standort München eben nicht nur irgendwie bewahrt bleibt, sondern dass er am besten dann auch der Zentralstandort für die neue europäische Medienplattform wird, die rund um ProSieben gebaut werden soll.
Sprecher 3: Jetzt erleben wir gerade noch stärker in Amerika als hier eine Medienwelt, die sich sehr schnell verändert. Es gibt alte klassische Medien, die sehr nachdenklich immer noch nach dem alten Prinzip agieren. Wir erzählen, was ist. Wir machen keine Politik. Es gibt neue, die viel stärker Politik machen. In Amerika dramatisch. Das verändert möglicherweise viel. Wie groß ist Ihre Sorge, dass das sich in Deutschland auch immer stärker durchsetzt? Also politisierte Medien, die nicht mehr erzählen und berichten, sondern unentwegt einordnen, kommentieren, eine Richtung vorgeben und die Spaltung der Gesellschaft verschärfen.
Sprecher 5: Ich teile die Sorge. Ich halte sie auch deswegen für manifest, weil wir jetzt jenseits dieser Politisierungsfrage auch einfach eine Marktkonzentration erleben, die unser Mediensystem auf den Kopf stellt. Wir haben ein schönes, buntes, weites, vielfältig, auch politisch vielfältiges Mediensystem in den vergangenen Jahren gehabt. Das hat auch seinen Beitrag zur demokratischen Kultur geleistet. Durch den Aufstieg der amerikanischen Digital- Monopole wird dieses System im Grunde genommen ruiniert. Fernsehkonzerne können sich gegen die Streamer kaum behaupten, die klassischen Medien gegen die Zentralmacht von Google. Und deswegen habe ich das Thema Google ja auch sehr früh politisch adressiert und habe vorgeschlagen, wir müssen auch steuerpolitisch dort eingreifen mit einem Plattform-Soli. Das hat natürlich den Hintergrund, dass das Monopol marktwirtschaftlich schlecht ist, es ist medienpolitisch schlecht. Es hat aber auch dieses Politisierungselement, was Sie beschreiben, in sich. Wenn Donald Trump auf die Idee kommt, ein Meer umzubenennen, den Golf von Mexiko und den Golf of America, dann geht Google hin und vier Wochen später ist die Weltkartografie bei Google Maps geändert. Das heißt, da hat sich die politische Macht mit dieser Mediensupermacht verheiratet, ohne dass noch irgendjemand Einspruch erheben kann. Und da sehen wir, welche Gefahren da drin stecken. Und deswegen... Adressiere ich dieses Thema zentral.
Sprecher 3: Haben Sie Hoffnung, dass das mit dem Plattform-Soli, haben Sie glaube ich gesagt, dass Sie das hinbekommen?
Sprecher 5: Also die Resonanz im Parlament ist durchweg positiv bei den Parteien in der Mitte. Also sowohl die Union als auch die SPD-Fraktion will das. Ich bin auch zu den Grünen gegangen, die wollen das auch. Und jetzt liegt es an mir, dass ich das ins Gesetzgebungsverfahren einbringe. Es gibt dort eine Grundsatzfrage, gestalten wir das eher als Steuer oder eher als Abgabe? Ich neige dazu, dass eher als Abgabe. Zu konstruieren, weil wir dann auch die Erlöse wieder direkt zurückführen können in den Medienbetrieb und nicht, dass es eine Steuer ist, die dann für alles Mögliche wieder verwandt wird.
Sprecher 2: Herr Weimar, herzlichen Dank. Das Jahr ist schon über die Hälfte rum. Man glaubt es kaum. In fünf Monaten feiern wir schon wieder Silvester. Und da lohnt es sich da einmal kurz hinzuschauen. Denn dieses Silvester wird für einige von Ihnen anders sein als alle anderen oder jedenfalls die der letzten Jahre. Es wird keinen Countdown von Johannes B. Kerner und Andrea Kiewel am Brandenburger Tor geben. Seit 2016 haben die beiden immer irgendetwas moderiert, bevor es dann eher mittelmäßige Musikdarbietungen gab. Und eigentlich konnte man das nur sehr angeheitert überhaupt ertragen. In diesem Jahr haben die Veranstalter die Party abgesagt. Und das liegt daran, dass das Land Berlin kein Geld mehr dafür ausgeben will. Kai Wegner, der regierende Bürgermeister, hat klargemacht, in dieser angespannten Zeit soll man nicht zwischen einer halben Million und einer Million Euro für eine solche Veranstaltung ausgeben. Die Leute, die da hingekommen sind, haben nicht besonders viel gezahlt. Nur 20 Euro kostete das Ticket und der Grund dafür war, dass man auch Familien und Geringverdiener von dieser Party nicht aussteßen wollte. Deshalb war es für das Land Berlin so teuer. Dieses Geld wird nun anders hoffen. dich besser investiert und wir können uns schon mal Gedanken machen, wie wir denn eigentlich den 31. Dezember verbringen. Ich persönlich glaube ja, dass es für jede gute Party eigentlich nicht viel mehr braucht als gute Freunde, gutes Essen und gute Musik. So werde ich es heute Abend übrigens auch handhaben, denn mein Mann hat Geburtstag, den ich hier sehr herzlich grüße und freue mich, dass wir eine gute Zeit haben werden. Die wünsche ich Ihnen auch, liebe Hörerinnen und Hörer. Und wenn Sie möchten, hören wir uns am Freitag wieder, wahrscheinlich ein bisschen übernächtig. Bis dann. Tschüss.
Sprecher 6: Tonight. Gonna have my say.
Sprecher 7: I feel alive. Ecstasy, so... Cause I'm having a good time. Having a good time. And you shouldn't stop leaving through the sky. Like a tiger, defying the laws of gravity. I'm a racing car, passing by like Lady Godiva. I'm gonna go, go, go, there's no stopping me. I'm burning through the sky, 200 degrees, just while they call me Mr. Fahrenheit. I'm traveling at the speed of light. I want to make a supersonic man out of you. Stopping now. I'm having such a good time. I'm having a ball. Don't stop me now. I'm having a good time. Don't stop me now. I'm having a good time. I don't want to stop at all. La, la, la, la, la, la, la, la. Ha, da, da, ha, ha, ha.