Warum setzt sich die CSU immer mehr durch, Herr Holetschek?
Dauer: 25:00

Warum setzt sich die CSU immer mehr durch, Herr Holetschek?

Von der Mütterrente bis zur Migrationspolitik und Raumfahrtprogrammen - die CSU setzt ihre Themen durch in der Bundesregierung. Helene Bubrowski fragt den CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, warum die Bayern den Takt in der Koalition vorgeben. 


Die wichtigsten Unternehmenschefs Deutschlands sind heute gemeinsam im Kanzleramt. Es ist Investitionsgipfel mit dem Titel "Made for Germany". Deutsche Bank, Siemens und andere große und mittelständische Unternehmen wollen hunderte Milliarden investieren - so das Versprechen. Die große Frage: Sind das wirklich neue Investitionen oder nur umgelabelte Projekte? 


In der US-Politik jagt ein Verschwörungsmythos den nächsten. Erst steht Donald Trump unter Druck seiner eigenen Anhänger wegen des Epstein-Falls. Seine Hardcore-Follower fühlen sich betrogen und rebellieren. Und plötzlich schlagen sich die ersten MAGA-Influencer doch wieder auf die Seite ihres Präsidenten - und das liegt am Wall Street Journal und Rupert Murdoch.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Made for Germany, so heißt der große Investitionsgipfel heute im Kanzleramt. CEOs unter anderem von der Deutschen Bank und von Siemens, aber auch von mittelständischen Unternehmen, treffen sich mit dem Bundeskanzler und sind bereit, Milliarden auszugeben. Passiert da wirklich Großes oder ist das nur PR? Dazu gleich mehr. Außerdem blicken wir in die USA, Trump, Epstein und die Mager-Revolte, wie Verschwörungsmythen dort gerade alles aufmischen. Dann sprechen wir noch mit Klaus Holiczek, dem CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, über die Frage, wie die CSU es eigentlich geschafft hat, in Deutschland den Takt vorzugeben, warum sie bei jeder Krise der Koalition die Gewinnerin ist. Heute ist Montag, der 21. Juli. Ich freue mich, dass Sie dabei sind und ich hoffe, dass Sie mich hier verstehen können.

Sprecher 3: Wir führen hier wirklich gerade ein Sommerinterview. Frau Weidel sagt gerne mal, dass sie was nicht verstanden hat, aber in diesem Fall gibt es sicher Gründe, dass man das sagt, weil es unglaublich laut auch wirklich ist. Ich verteidige gerade, dass sie wirklich nichts machen.

Sprecher 4: Aber was soll das? Warum sagen Sie das? Ich würde mich sehr gerne mit Ihnen unterhalten. Und das Problem dabei ist, bei dieser Kulisse habe ich Probleme, Sie zu verstehen.

Sprecher 5: Es fehlt uns nicht an Kapital. Es fehlt uns an den vernünftigen Instrumenten, dieses Kapital so zu mobilisieren, dass es einem gemeinsamen Zweck unseres Landes zugutekommt. Und andere Länder haben es gezeigt, dass es geht. Zeigen wir es auch, dass es in Deutschland geht, ohne noch mehr Schulden, ohne noch mehr Lasten für die junge Generation. Am besten sind diese Mittel eingesetzt, wenn wir damit eine Hebelwirkung erzielen, mindestens im Verhältnis 1 zu 5, besser im Verhältnis 1 zu 10, für private Investitionen in Deutschland. Und deswegen sprechen wir hier nicht nur über Ausgaben, sondern wir sprechen hier über neue Strukturen, über neue Finanzierungsmöglichkeiten, über neue Hilfsmöglichkeiten für die Unternehmen, damit wirklich private Investitionen in Deutschland möglich sein können.

Sprecher 2: Friedrich Merz hat schon im Wahlkampf deutlich gemacht, dass er nicht glaubt, dass der Staat die Wirtschaft retten kann. Nein, die Wirtschaft muss selber dafür sorgen, dass Deutschland wieder in Schwung kommt. So ist auch der Investitionsbooster zu verstehen, eine Art Hilfe zur Selbsthilfe erst gerade beschlossen worden. Die Bundesregierung hat gigantische Schulden aufgenommen, aber, so hat es Friedrich Merz auch verschiedentlich gesagt, sie sollen vor allem privates Geld hebeln. Und nun scheint es so, als ob Deutschlands Top-Manager auch dazu bereit sind, Milliarden auszugeben. Heute kommen sie zu Friedrich Merz ins Kanzleramt zum Investitionsgipfel. dem schönen Titel Made for Germany. Alex Hofmann, der Redaktionsleiter unserer CEO-Table, guckt da ganz genau hin und hat im Vorfeld schon einiges rausgefunden. Jetzt ist er hier bei mir. Hallo Alex.

Sprecher 6: Hallo.

Sprecher 2: So, also Friedrich Merz muss da jetzt gar nicht als Bittsteller auftreten, wie es aussieht, sondern offenbar wollen die CEOs dieser großen Unternehmen ganz freiwillig die Taschen aufmachen und Geld ausgeben. Diese Initiative Made for Germany, so heißt es, ist von den Unternehmen selbst ausgegangen. Stimmt das?

Sprecher 6: Genau, es sind über 30 Unternehmen dabei, nach allem, was wir gehört haben, von DAX-Konzernen bis mittelständischen Betrieben. Zu den Initiatoren gehören unter anderem Roland Busch von Siemens, Christian Seewing von der Deutschen Bank, Matthias Döpfner soll im Hintergrund da auch mitgespielt haben. Firmennamen wie BMW, Mercedes, RWE, SAP, Rheinmetall oder Volkswagen sind auch gefallen. Auch Investoren wie KKR oder sogar BlackRock, wo Merz ja auch Aufsichtsratschef war, sind mit dabei.

Sprecher 2: Und sag mal, wie konkret wollen die denn da heute werden? Gibt es schon Zahlen, von denen du gehört hast?

Sprecher 6: Also, es gibt Berichte, dass derzeit schon so um die 300 Milliarden Euro da versprochen worden sein sollen. Uns gegenüber haben Insider von mehreren hundert Milliarden gesprochen. Das Ganze ist natürlich im Fluss. Die Frage, die große Frage, die sich jetzt stellt, ist natürlich, wie viele dieser Investitionen sind tatsächlich neue Investitionen oder waren die zum großen Teil sowieso schon geplant?

Sprecher 2: Ja, das ist ja absolut der entscheidende Punkt. Wird da jetzt irgendetwas einfach umgelabelt? Ist das Ganze am Ende eine Mogelpackung? Man kann auch sagen, ein wirklich cleverer PR-Trick oder ein echter Aufbruch? Wie schätzt du das ein?

Sprecher 6: Das ist genau die große Frage. Hoffentlich wird es da weitere Informationen zu geben, dass da auch ein gewisses PR-Element dahinter steckt. Ich glaube, das kann man auf jeden Fall sagen. Es geht sehr stark darum, dass Großunternehmen profitieren würden. Wir haben dazu auch mit Lars Feld vom Walter-Eugen-Institut gesprochen. Der hält die konjunkturellen Effekte einer solchen Initiative erstmal für überschaubar und glaubt vor allem auch, dass der Mittelstand da wahrscheinlich eine geringere Rolle spielen wird.

Sprecher 2: Nun heißt es ja gemeinhin, Wirtschaft sei zu 50% Psychologie. Alex, sag mal, hat sich denn da was geändert in der Wirtschaft? Und zwar einerseits faktisch, kann man jetzt wirklich sagen, dass der beschlossene Investitionsbooster und die anderen Weichenstellungen wirklich dazu geführt haben, dass der Wirtschaftsstandort... Attraktiver ist oder ist es wirklich eher dieses Gefühl, jetzt regiert wieder die CDU, die ist wirtschaftsfreundlicher und im Sinne einer self-fulfilling prophecy wird dann die Stimmung besser und damit auch die Wirtschaftslage.

Sprecher 6: Ich glaube, am Ende ein bisschen von beidem. Wir sehen ja global auch so eine Entwicklung, dass viel nationaler wieder gedacht wird, insbesondere auch in den USA. Wir setzen ja viele Trends, was die Wirtschaft angeht, dass wieder mehr nationaler produziert wird. Was wir aber auch sehen, ist, dass das Investoreninteresse hinsichtlich Deutschland deutlich wieder steigt. Internationale Investoren schauen sich Deutschland mit viel, viel mehr Interesse jetzt an. In manchen Bereichen merkt man schon, zum Beispiel im Venture Capital Bereich, dass viel von internationalen Investoren nach Deutschland fließt. Und das gibt dem Land gerade schon so ein Momentum. Wir haben auch mit Insidern gesprochen, die sich im Rahmen dieser Initiative da gut auskennen und die sagen auch, Die Initiative, die gibt es eigentlich schon seit einer ganzen Weile, aber es sollte der richtige Moment abgewartet werden und der ist ganz offensichtlich jetzt.

Sprecher 2: Also kann man wirklich sagen, dass die Unternehmen vor der Wahl, vor der Bundestagswahl, andere Pläne hatten, andere Investitionspläne als jetzt nach der Wahl? Also ist es wirklich so, dass dieses Momentum, wie du sagst, dazu geführt hat, dass sie jetzt sagen, na gut, dann investieren wir mal. Weil nur dann könnte ja schwarz-rot sich das auch auf die Fahnen schreiben, selber Auslöser dieser Wende zu sein.

Sprecher 6: Also, dass jetzt nach der Wahl komplett andere Umstände und damit auch ein komplett anderer Investitionshintergrund besteht, das glaube ich nicht. Viele der Investitionen sind schon länger geplant, gerade so große Investitionen, die werden ja nicht von heute auf morgen geplant. Aber es hat sich natürlich das Investitionsumfeld auch im Land so ein bisschen verändert. Wir haben sehr viele Zusagen vom Staat, dann eben auch in gewissen Bereichen deutlich mehr. Zu investieren, also quasi so vorauszugehen. Da hängt natürlich halt auch immer noch ein ordentlicher Hat einen Schwanz dran, wo dann die private Wirtschaft sich engagieren kann.

Sprecher 2: Wohin soll das Geld denn jetzt konkret fließen? Weiß man darüber schon was? Geht es um Digitalisierung, Infrastruktur, am Ende vielleicht sogar Klimaschutz?

Sprecher 6: Da müssen wir den Tag abwarten, gucken, was heute Mittag angekündigt wird. Ich glaube, man kann schon davon ausgehen, dass in die genannten Bereiche sicherlich Geld fließen wird, weil das ja eben auch gute Geschäftsgelegenheiten für die Unternehmen sind, für die Konzerne. Das ist ja auch wieder verbunden mit der Frage, sind das jetzt neue Investitionen oder sind das im Prinzip geplante Investitionen, die man jetzt nochmal so ein bisschen an einer Stelle nochmal ein bisschen gesondert darstellen will.

Sprecher 2: Darüber werden wir heute im Laufe des Tages hoffentlich noch mehr erfahren, wenn die CEOs bei Friedrich Merz im Kanzleramt waren. Und vor allem, weil dann einer von ihnen, nämlich Christian Seewing, der CEO der Deutschen Bank, hier bei uns beim Table Today ist und dann von Alex Wiedmann, dem anderen Alex in unserem CEO-Table, interviewt wird. Das Gespräch können Sie dann am Dienstag hören. Vielen Dank für heute, Alex, dass du bei uns warst.

Sprecher 6: Sehr gerne.

Sprecher 2: Wir reden ja hier in Deutschland ganz schön viel über Donald Trump und die USA. Wir fragen uns regelmäßig, ob sein Versprechen von heute übermorgen noch viel wert ist. Und da geht es immer um Zölle, um die Ukraine und um die Unterstützung im Kampf gegen Russland. In Amerika interessieren sich die Leute gar nicht mehr so sehr für diese Themen. Ein anderes Thema ist in den Schlagzeilen und bringt die Mager-Trump-Anhänger gegen ihren eigenen Heilsbringer auf die Palme. Das Thema in Talkshows und Nachrichtenkanälen heißt der Jeffrey Epstein-Fall. Innenpolitisch steht Donald Trump ganz schön unter Druck.

Sprecher 7: It is a blockbuster story that has heads here in Washington spinning. The White House facing more questions over the Jeffrey Epstein case.

Sprecher 3: They're engaging in a cover-up.

Sprecher 8: Donald Trump's administration is facing a full rebellion from the MAGA faith film. Release the Epstein files, am I right? I feel like we're at a dangerous point now. They're stupid people. Donald Trump accused of a cover-up over the Epstein files. Could this consume his presidency? When we look back on the history of populism in America, we are going to look back on the MAGA movement as the biggest scam in American history. And the liberals were right. The MAGA supporters were had. They were. Now, all of a sudden, we're just supposed to accept the case closed, no list, end of story? Kind of lends to the theory that there's more to the story.

Sprecher 2: Jeffrey Epstein ist ein bekannter Financier. Er war angeklagt, weil er über Jahre... hinweg junge Mädchen missbraucht und vergewaltigt haben soll. Sogar einen Sexhandelsring soll er betrieben haben. In einer Gefängniszelle brachte er sich 2019 ums Leben. Und Trump-Hardcore-Follower hatten jahrelang an eine geheime Kundenliste geglaubt, an eine groß angelegte Vertuschung zum Schutz mächtiger Persönlichkeiten, die irgendwie in dieses schmutzige Sexgeschäft involviert seien. Es war sogar die These, dass Epstein sich nicht umgebracht hat, sondern ermordet worden sein soll. Und Trump selbst hatte diese Theorien im Wahlkampf befeuert. Nun hat das Justizministerium unmissverständlich klargemacht, es gab keine mysteriöse Kundenliste. Epstein starb durch einen Suizid. Für die Magerbasis war das ein ziemlicher Zusammenbruch. Trump hat erst versucht, seine aufgebrachten Anhänger zu beruhigen, dann hat er sie aber doch als Schwächlinge beschimpft und erklärt, dass er ihre Unterstützung nicht bräuchte. Donald Trump, eigentlich war er doch der Mann, der verstanden hat, die Basis zu mobilisieren, so zu sprechen, dass die Leute hören, was sie hören wollen. Und nun bringt er seine eigenen Anhänger gegen sich auf. Am Donnerstag nun eine neue Wende. Da brachte das Wall Street Journal einen Bericht über einen angeblichen Brief Trumps an Epstein und zwar aus dem Jahr 2003. Er soll schlüpfrige Andeutungen enthalten und, so heißt es Donald Trump, soll eine nackte Frau gezeichnet haben. Man kann im Internet... Internet ein paar Skizzen angucken. Und Trump bestreitet, dass er jemals eine nackte Frau gezeichnet hat. Seine Reaktion war eine komplette Eskalation. Er hat das Wall Street Journal verklagt und Rupert Murdoch auch noch und zwar wegen Verleumdung. Was noch kurioser ist, ist, dass der Bericht des Wall Street Journal nun dazu geführt hat, dass diese mager Anhänger sich wieder auf die Seite Trumps geschlagen haben. Denn für sie ist Rupert Murdoch und das Wall Street Journal vor allem Ausdruck vom Deep State. Und wenn Donald Trump sich mit dem Deep State streitet, dann sind sie auf jeden Fall auf Trumps Seite. So sieht es auch Steve Bannon, der magere Mann Trumps, der ersten Stunde.

Sprecher 9: Frankly, the Murdochs concocted something last night and thought it'd be a kill shot on President Trump. And lo and behold, it's the exact opposite because President Trump is now on offense. President Trump is best when it's attack, attack, attack. This is the deep state. This is the ruling class in America.

Sprecher 2: Das ist wirklich nicht schön, das alles mit anzusehen. Eine Verschwörungserzählung jagt die nächste. Es ist alles eigentlich ziemlicher Bullshit, der durch die Zeitungen und durch die Talkshows gejagt wird. Um ernsthafte Politik geht es dabei überhaupt nicht. Und deswegen sage ich am Ende dieses kuriosen Ausflugs in die amerikanische Innenpolitik. Wir dürfen eigentlich dankbar sein, dass es in Deutschland so langweilig ist. Jedenfalls noch. Und damit sind wir bei unserem Gast, der alles andere als langweilig ist. Er ist ein Mann, der vom Bürgermeister einer Kurstadt, nämlich Bad Wurreshofen im Unterallgäu, bis zum bayerischen Gesundheitsminister schon fast alles gemacht hat, was man in Bayern machen kann. Und jetzt führt er die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag. Es ist Klaus Hulecek. Und mit ihm möchte ich darüber reden, wie die CSU es geschafft hat, so erfolgreich im Bund zu werden, obwohl sie doch am Ende nur, wie es böse Zungen sagen, eine Regionalpartei ist. Wie schön, dass Sie bei uns sind. Hallo, Herr Hulicek.

Sprecher 10: Ja, grüß Gott.

Sprecher 2: Sagen Sie mal, die CSU, ist das eigentlich die wahre Kanzlerpartei? Da streiten sich SPD und CDU über die Stromsteuer und die CSU setzt sich durch mit der Mütterrente.

Sprecher 10: Ich glaube, das eine kann man nicht gegen das andere ausspielen, aber ich denke, wir sind gemeinsam jetzt in einer Verantwortung und CDU und CSU tragen die auch gemeinsam und Geschlossenheit ist ein hohes Gut. Und ich glaube, das machen auch beide spitzendeutlich, Friedrich Merz und Markus Söder. Und das kann eigentlich für das Land nur gut sein.

Sprecher 2: Weißt du so? Wie ist denn das Verhältnis von Markus Söder zu Friedrich Merz? Wie würden Sie es beschreiben?

Sprecher 10: Ich finde, dass es sehr gut ist. Ich glaube, dass die viel miteinander sprechen. Und dass es wichtig ist, dass man da noch eine gemeinsame Meinung vertritt, eine gemeinsame Haltung, weil die Leute wollen jetzt keinen Streit. Streit hat man lang genug, Uneinigkeit. Und jetzt, glaube ich, ist es schon wichtig, dass man auch Orientierung, und Haltung vermittelt in schwierigen Zeiten.

Sprecher 2: In der CDU haben ja manche das Gefühl, dass eben in Wahrheit aus Bayern vorgegeben wird, wie die Geschicke in diesem Land nun laufen. Würden Sie dem widersprechen?

Sprecher 10: Ist das so?

Sprecher 2: Ja.

Sprecher 10: Ich nehme das nicht wahr.

Sprecher 2: Ein Beispiel Mütterrente, was ja nicht...

Sprecher 10: Aber Mütterrente ist doch was ganz Wichtiges. Ich komme jetzt gerade aus einer Diskussion mit Frau Bentele von einem großen Sozialverband, die ausdrücklich das begrüßt. Das ist eine Gerechtigkeitsfrage. Es geht auch nicht nur um ganz plakative Themen, sondern es geht auch mal wieder um die Grundwerte und Respekt vor den Leistungen der Mütter. Finde ich, ist etwas, was dem Land gut tut und das ist eine Haltung und das kann man nur begrüßen.

Sprecher 2: Ist aber natürlich ein wahnsinnig teures Projekt, nur eine kleine Gruppe profitiert davon. Warum ist das der richtige Weg? Sollte man nicht was anderes für die Frauenförderung tun?

Sprecher 10: Das eine schließt das andere nicht aus. Wir haben noch viele Aufgaben, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, viele Themen, die da sind. Und ich glaube, wenn man mal das beobachtet und sieht, dann ist es einfach schon für viele nicht nur eine Wertschätzung, sondern für manche, die wirklich wenig haben, auch nochmal ein bisschen mehr. Und deswegen finde ich das wichtig, so ein Signal auch zu setzen.

Sprecher 2: Aber ist nicht ein bisschen mehr gerade das Problem unserer Zeit, dass alle Menschen gerne ein bisschen mehr möchten, in Wahrheit aber eigentlich die meisten Menschen ein bisschen weniger kriegen dürften, wenn wir uns die Lage in unserem Haushalt anschauen, wenn wir nicht dauerhaft alles über diese wahnsinnigen Schulden finanzieren wollen. Ist das nicht die Botschaft, die eigentlich die Politik senden müsste? Es tut mir leid, wir können uns das... nicht mehr leisten.

Sprecher 10: Aber die Botschaft müssen wir ja auch senden in der Frage, dass wir reformfähig sein müssen. Wir brauchen jetzt Reformen, auch des Sozialstaats im Kern. Wir müssen den Sozialstaat wieder zurückführen auf das, für was er da ist, bedürftigen Menschen zu helfen, weg von einer Lieferando-Mentalität, der Bürger bestellt, der Staat zahlt. Ändert aber nichts daran, dass bei der Mütterrente eine Gerechtigkeitslücke da ist, die man schließen muss.

Sprecher 2: Naja, es gibt überall Gerechtigkeitslücken, die so empfunden werden oder die es tatsächlich gibt.

Sprecher 10: Aber schauen Sie, Gerechtigkeit führt am Ende zu Spaltung und führt dazu, dass Radikalisierung eintritt. Wenn die Menschen sich ungerecht behandelt fühlen, dann stärkt es die Ränder und nicht die Mitte. Deswegen bin ich schon dafür, dass man abwägt. Natürlich muss man das tun, aber wir müssen auch die Reformen anstoßen, die notwendig sind.

Sprecher 2: Ein, zwei Vorschläge für Reformen, wo man wirklich was einsparen kann.

Sprecher 10: Das Bürgergeld ist ein Thema, das wir reformieren müssen.

Sprecher 2: Ist auch ein Gerechtigkeitsthema.

Sprecher 10: Das ist ein Gerechtigkeitsthema auch in der Frage zu denen, die jeden Tag draußen sind, die das Land am Laufen halten, die arbeiten in der Frage Abstand, Lohnabstand und dieser Dinge. Ich bin dafür, dass wir den Menschen helfen, die Hilfe bedürfen. Dabei bleibt es auch. Der Sozialstaat ist ein wichtiges Element. Auch in meiner Partei ist das S ja mit drin und auch das C. Deswegen werden Sie mir immer jemand haben, der das wirklich als starker Verfechter nach vorne bringt. Aber es ist einfach an dieser Stelle eine Unwucht und die müssen wir abbauen.

Sprecher 2: Kommen wir mal zur Migrationspolitik, Herr Hulicek. Da gab es jetzt eine Entscheidung vom Verwaltungsgericht Berlin, die das gesagt hat, was viele schon geahnt haben. Nämlich so einfach ist es mit dem Europarecht nicht. Es geht um Zurückweisungen an der Grenze, die jedenfalls ohne weitere Begründung in diesem einen Fall nicht mehr gemacht werden dürfen. Die Bundesregierung hat jetzt gesagt, sie will das trotzdem erstmal fortsetzen. Finden Sie das richtig?

Sprecher 10: Ja, begrüße das ausdrücklich.

Sprecher 2: Warum?

Sprecher 10: Weil ich glaube, dass genau jetzt dort der Politikwechsel und Richtungswechsel deutlich wird. Und ich begrüße ausdrücklich, dass Friedrich Merz und Dobrindt da Linie halten. Und wir merken ja auch, die Zahlen gehen zurück. Sie sind vorher schon ein Stück weit zurückgegangen. Sie gehen weiter zurück. Wir sind nicht mehr Zielland Nummer eins inzwischen, sondern dritter Stelle. Wir haben bestimmte Dinge auch abgeschafft, die den Anspruch auch gegeben haben, dass man eher nach Deutschland kommen will. Und deswegen begrüße ich das ausdrücklich, dass bei der Migration, das war eines der zentralen Themen, dass wir dort auch liefern und tatsächlich diesen Politikwechsel eingeleitet haben.

Sprecher 2: Aber ist die CSU nicht nach ihrem Selbstverständnis auch die Partei der Rechtsstaatlichkeit?

Sprecher 10: Wir wollen auch den Rechtsstaat nicht aushebeln. Da würden Sie jetzt das Urteil, glaube ich, missinterpretieren. Wenn Sie heute fragen, Zurückweisungen, sind die möglich oder nicht, dann gibt es renommierte Verfassungsrechtler, nicht zuletzt Papier, die sagen, das ist möglich, wenn man eine Überforderung hat und eine Notlage im eigenen Land. Und diese Überforderung, das kann ich Ihnen sagen, ich komme aus ländlichen Räumen, die spüren sie dort draußen. Die ist jetzt übrigens immer noch da, weil die Zahlen sich ja noch gar nicht so auswirken, dass sich das alles auflöst. Also von daher glaube ich, ich bin selber Jurist, es gibt viele Meinungen und das ist sicher eine, die man gut vertreten kann.

Sprecher 2: Was machen Sie denn in puncto Erwartungsmanagement? Also, Sie haben versprochen, eine 180-Grad-Wende in der Migrationspolitik. In Wahrheit gehen die Dinge nur sehr langsam.

Sprecher 10: Ich glaube, es wird doch sehr deutlich, dass wir jetzt genau das andere tun, was vorher die Ampel eben nicht gemacht hat. Wir sind konsequent, wir haben Grenzkontrollen, wir haben Zurückweisung. Wir schaffen zum Beispiel das Recht auf den Anwalt ab, wenn sowieso klar ist, dass man ausreisen muss. Wir haben das Thema Bezahlkarte, wir haben die Anreizsysteme zurückgefahren. Das sind doch Signalwerke.

Sprecher 2: Bezahlkarte kam von der Ampel.

Sprecher 10: Bezahlkarte hat Bayern als erstes Bundesland eingeführt und andere kommen jetzt hinterher. Also das würde ich jetzt dem Faktencheck gerne unterziehen. Also da habe ich jetzt eine andere Meinung, wer die Bezahlkarte tatsächlich... Aber es geht ja nicht um Urheberschaft, es geht um das, was damit erreicht worden ist.

Sprecher 2: Wir kommen wieder zurück zum Einfluss der CSU in Berlin zum Ende unseres Gesprächs. Und da möchte ich mit Ihnen zusammen, Herr Hulicek, auf Schloss Bellevue schauen. Ist es Zeit für eine Frau aus Bayern?

Sprecher 10: Erstmal muss man sagen, die nächste Bundespräsidentenwahl ist, glaube ich, 27. Dazwischen sind andere Landtagswahlen noch gesetzt. Sie sprechen ja Ilse Aigner an, nehme ich an. Diese ausgezeichnete Landtagspräsidentin, die ich sehr schätze, die ich schon lange kenne. Aber ich würde es jetzt ehrlich gesagt zu verfrüht halten, jetzt schon eine Fokussierung auf die Frage der Bundespräsidentenwahl zu führen und auch Kandidaten zu zerreden oder gegeneinander aufzurechnen. Ich glaube, das muss man zu gegebener Zeit entscheiden. Und die CSU ist immer gut. einen Kandidaten zu stellen oder eine Kandidatin.

Sprecher 2: Es gibt ja jetzt ganz gewiefte Analysten, die sich schon eingebracht haben, die gesagt haben, Markus Söder kann eigentlich gar nicht so ein großes Interesse daran haben, sie dahin zu schicken, weil wir dann ja schon eine CSU-Frau in Berlin hätten und damit wären seine Ambitionen dann doch irgendwann in das Kanzleramt anzugreifen. Schwächer, weil man sagt, ein bisschen CSU können wir vielleicht in Berlin vertragen, aber auch nicht zu viel.

Sprecher 10: Also ich glaube, dass Markus Söder mit seiner Rolle im Moment sehr, sehr zufrieden ist. Im Moment. Wir sind ja beide, wir wissen ja beide, dass wir auch mal Tage haben, wo wir was anderes wollen. Sie auch, oder?

Sprecher 2: Ich bin wirklich rundum glücklich und zufrieden.

Sprecher 10: Immer, ständig. Auch die nächsten fünf Jahre. Wenn ich mit Ihnen eine Podcast-Studio... Ja, das glaube ich schon, aber das ist ja eine Momentaufnahme. Im Moment.

Sprecher 2: Ja, ja, im Moment.

Sprecher 10: Also von daher, um es jetzt ernsthaft nochmal zu bringen, ich glaube, wir haben einen ausgezeichneten, starken Ministerpräsidenten. Das meine ich wirklich so. Der Einfluss ist gestiegen. Sie haben es am Anfang unseres Gesprächs ja gesagt. Ich nehme das ja auch wahr. Dass wenn man heute über uns spricht, das heißt, er sitzt ja in Berlin auch an maßgeblicher Stelle und der Koalitionsausschuss...

Sprecher 2: Er hat ja gesagt, ich bin Teil der Regierung, hat er ja so gesagt.

Sprecher 10: Und der Koalitionsausschuss ist ja da, ich glaube nicht, dass er gezittert hat, aber der Koalitionsausschuss ist ja da tatsächlich ein wichtiges Gremium und von daher glaube ich, Ist er gestärkt? Wir wollen gemeinsam Bayern voranbringen und ich glaube, diese Aufgabe hat er sich jetzt auch ins Zentrum gestellt.

Sprecher 2: Also über das Kanzleramt möchten Sie auch nicht sprechen?

Sprecher 10: Wir haben doch jetzt einen Bundeskanzler, der übrigens aus meiner Sicht eine sehr gute Figur ist.

Sprecher 2: Gut, ich merke, Herr Holicek, ich komme da bei Ihnen nicht weiter, aber vielen Dank, dass Sie heute hier waren und sich den anderen Fragen zumindest offen gestellt haben.

Sprecher 10: Sehr gerne, ich habe mich auch der letzten Frage offen gestellt.

Sprecher 2: Na gut, dann lassen wir das so stehen. Die Raumfahrt scheint das große Thema unserer Zeit zu sein. Wir haben jetzt sogar ein Bundesministerium mit der Raumfahrt im Titel, das Haus nämlich von Dorothee Bär. Und auch die Bundesländer sind ganz aktiv bei dem Thema. In Nordrhein-Westfalen gab es kürzlich eine Space Tech NRW Raumfahrtkonferenz, wo Hendrik Wüst selbst teilgenommen hat. Und auch Bayern sieht sich bei dem Thema ganz vorne. Und auch andere Länder wollen mitziehen. Es ist ein echter Wettbewerb, auch international. Man denkt fast daran an den Wettlauf um die Mondlandung 1969. Dieses politische Gerangel, der internationale Wettbewerb und der Stand der Forschung ist wichtig für Politik, aber natürlich auch für Wirtschaft. Und deswegen hat sich Table Briefings vorgenommen, dass wir uns das nochmal viel genauer anschauen. Und wir haben ein Space Table gegründet, ein neues journalistisches Angebot, das wir exklusiv haben für unsere Table Briefings Lizenznehmer. Sie können sich auf der Website das aber auch anschauen unter table.media. Und nun dürfen Sie sich nochmal kurz auf den Mond träumen an diesem Montagmorgen. Aber kommen Sie bitte auch. ganz schnell wieder zurück. Wir brauchen Sie hier. Und damit verabschiede ich mich für heute und freue mich, wenn Sie morgen wieder dabei sind. Tschüss.

Sprecher 11: To justify all the hurt inside. Guess she knows from the smiles and the look in their eyes. Everyone's got a theory about the bitter one. They're saying, well, I've never loved her much. And daddy never keeps in touch. That's why she shies away from human affection. But somewhere in a private place, she packs back for outer space. And now she's waiting for the right kind of pilot to come.

Sprecher 12: She's saying, I will fly to the moon and back if you'll be, if you'll be my baby. I've got a ticket for a world where we all belong. So would you be my baby?