Kann digital auch sicher sein, Frau Plattner?
Claudia Plattner warnt vor zu viel Sorglosigkeit in Sachen Cybersicherheit. „Wer jetzt an der Sicherheit spart, der wird es irgendwann bitter bereuen“, erklärt die Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Jedes Unternehmen sei gefordert, sich vor Angriffen zu schützen. Das Risiko, wochenlang den Betrieb einstellen zu müssen oder sogar das gesamte Unternehmen zu verlieren, ist aus Plattners Sicht zu groß.
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Donald Trump vollzieht offenbar einen Kurswechsel. Er droht mit härteren Sanktionen und will die Ukraine mit amerikanischen Waffen unterstützen – bezahlt von den Europäern. Das soll Putin unter Druck setzen und die NATO besänftigen.
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Der Amtssitz des Bundespräsidenten wird saniert, Staatsbankette und Empfänge müssen ausweichen. Frank-Walter Steinmeier zieht vorübergehend vom Schloss Bellevue in einen nüchternen Zweckbau um, der alles andere als repräsentativ ist. Renovierung und Umzug kosten mehrere hundert Millionen Euro.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Hat Wladimir Putin sich vielleicht doch verzockt? Donald Trump hat gestern die Wende in der US-Ukraine-Politik angekündigt. Mehr Waffen sollen geliefert werden, Deutschland soll zahlen. Naja, und die USA wollen sogar harte Sanktionen vorbereiten. Wir sagen Ihnen, was Sie wissen müssen.
Sprecher 3: Die Berliner Politik ist ja sowieso schon ziemlich glanzlos und jetzt muss auch noch das Schloss Bellevue geräumt werden. Wo sollen eigentlich künftig die Staatsbankette stattfinden, wenn Frank-Walter Steinmeier ein schmuckloses Büro in Moabit bezieht?
Sprecher 2: Deutschland will digital werden. Endlich, sagt man. Aber so richtig gut funktioniert das nicht. Das sagt zumindest Claudia Plattner. Sie ist Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Und sie warnt davor, dass sowohl Unternehmen als auch Behörden beim Thema Cybersicherheit ziemlich ahnungslos sind. Helene Bubrowski hat mit ihr gesprochen.
Sprecher 3: Es ist Dienstag, der 15. Juli, Mitte des Sommers. Es fühlt sich noch nicht ganz so an, aber wir sind auf einem guten Weg.
Sprecher 4: We are very unhappy, I am, with Russia. And I'm disappointed in President Putin because I thought we would have had a deal two months ago, but it doesn't seem to get there. So based on that, we're going to be doing secondary tariffs if we don't have a deal in 50 days. It's very simple.
Sprecher 2: I'm very happy with Helena Bobrovsky, but President Trump is very unhappy with Putin. Endlich mal, muss man sagen. Wie lange braucht denn dieser amerikanische Präsident dafür?
Sprecher 3: Was ein Vergleich, Michael, mit dem du in dieses Thema einsteigst. Aber freuen wir uns doch über beides einfach mal. Nein, Spaß beiseite. Es ist interessant, was Trump da gestern verkündet hat. Das Wort unhappy ist vielleicht etwas klein ausgefallen, wenn man an Russland und die Verbrechen denkt, den Angriffskrieg denkt, der nunmehr seit dreieinhalb Jahren tobt. Aber er hat nun gesagt, erstens, es gibt mehr Waffen, wenn auch die Amerikaner die nicht selber bezahlen sollen, soll doch die NATO sie abkaufen und dann an die Ukraine weiterleiten, nämlich Patriot-Systeme. Und dann soll es auch noch Sanktionen gegen Russlands Verbündete geben, wenn nicht binnen 50 Tagen ein Waffenstillstand geschlossen wird.
Sprecher 2: Ja, und das Paket ist besser, als man denken könnte. Denn natürlich haben wir immer schon das Geld hier in Europa gehabt und die Finanzhilfen waren deutlich üppiger ausgestattet. Aber wir hatten nicht die Waffensysteme und die Patriots, die kommen eben aus den USA. Und das ist genau das, was die Ukrainer jetzt gerade gerade... dringend brauchen. Und es sind zwei Männer. Einer Lindsey Graham, der den Druck im Kongress gemacht hat, muss man sagen, für eine härtere Russland-Politik. Und eben Mark Rutte, der ja, man kann sagen, sehr liebedienerische Kommentare in Richtung Trump in den letzten Jahren gesendet hat, aber offenbar wirklich ein Draht zu ihm hat und gestern das gesagt hat.
Sprecher 5: So if I was Vladimir Putin today and hear you speaking about what you were planning to do in 50 days and this announcement, I would reconsider whether I should not take negotiations about Ukraine more seriously than I was doing at the moment, if I was Vladimir Putin.
Sprecher 3: Ja, Rutte wurde scharf kritisiert für seine Äußerung neulich, aber man muss ihm lassen, er hat doch etwas bewegt. Wahrscheinlich auch die 5 Prozent, auf die sich jetzt die meisten NATO-Mitgliedstaaten jedenfalls eingelassen haben. 3,5 plus 1,5, darüber haben wir schon gesprochen. Enorm viel Geld. Das scheint Trump besänftigt zu haben, denn sein Ton gegenüber der NATO ist nun ein ganz anderer. Hören wir uns das mal an.
Sprecher 2: Man hat das Gefühl, Trump wird vernünftiger und sagt Dinge, die einfach nur reasonable sind. Nämlich, es gibt keinen Gewinner bei diesem unglaublichen Krieg. Alleine 100.000 tote russische Soldaten seit Januar. Man hofft, dass vielleicht auch in dem Land, das von Wladimir Putin regiert wird, irgendwo... wann der Aufstand gegen diesen Krieg größer wird.
Sprecher 3: Michael, das bisschen Prunk, das die Berliner Politik zu bieten hat, und es ist ja sehr schlichter preußischer Prunk, ist das Schloss Bellevue am Tiergarten. Dort finden die Staatsbankkette des Bundespräsidenten statt. Dort fahren die Limousinen vor, wenn Staatsgäste kommen. Und das wird in den nächsten fünf Jahren nicht stattfinden können, denn Schloss Bellevue wird komplett saniert und auch das Nebengebäude, das sogenannte Präsidentenei, dieser elliptische Bau, der erst 1995 gebaut wurde, muss ebenfalls kernsaniert werden zu ziemlich monströsen Kosten.
Sprecher 2: Ja genau, wir reden inzwischen von über 500 Millionen Euro, so heißt es zumindest in Regierungskreisen. Und das liegt nicht nur an dieser Kernsanierung des Schlosses, da geht es um neue Leitungen, energetische Sanierung, die Hauptwache wird unter den Boden gelegt, sondern es geht eben auch um dieses Verwaltungsgebäude, was auch alleine schon 200 Millionen Euro kosten soll. Und jetzt hat sich dieser Bundespräsident, unser Staatsoberhaupt, ein neues Bürogebäude, man muss sagen ein ziemlich schmuckloses, neben das Bundeskanzleramt und zwischen den Hauptbahnhof und dem Kanzleramt gesetzt. Und das soll jetzt der erste Platz für Staatsbesuche sein, denn man findet keinen adäquaten repräsentativen Platz mehr für diese Staatsbankette. Schloss Charlottenburg ist gebucht und Schloss Schönhausen ist gebucht. Jetzt muss er in einem Konferenzraum in der sechsten Etage King Charles begrüßen.
Sprecher 3: Ich erinnere mich an die Bilder neulich im Bundeskanzleramt noch mit Olaf Scholz, wo Keir Starmer und Macron waren und man dachte, wie peinlich, dass solche Bilder durch die Welt gehen von diesem schmucklosen Bundeskanzleramt. Und jetzt gibt es noch nicht mal mehr Schloss Bellevue. Also die deutsche Politik ist nicht nur sehr nüchtern, sie sieht auch sehr nüchtern aus. Andererseits in Zeiten, in denen wir alle sparen müssen, trotz der enormen Schulden, erinnern wir nochmal dran, eigentlich müssen wir sparen, eigentlich haben wir kein Geld mehr, ist das gar nicht das allerschlechteste Signal. So könnte man es ja auch sehen.
Sprecher 2: Ja, das stimmt wohl, aber ich finde eine halbe Milliarde Euro für den Umzug eines Bundespräsidenten, der dann am Ende wieder zurückzieht, ist schon eine unglaubliche Summe. Es waren mal alleine für den Neubau in Moabit nur 137 Millionen geplant, das sind jetzt auch schon mehr als 220. Also irgendwie scheint jeder öffentliche Bau dramatisch teurer zu werden, egal wer ihn verantwortet. Darüber muss man irgendwann auch mal nachdenken. Jedenfalls wird schon gewitzelt. Wenn dann irgendwann Ilse Aigner Bundespräsidentin wird, dann könne sie doch als Bayern vielleicht doch die bayerischen Schlösser irgendwie so als Nebenaußenstelle gewinnen für den Bundespräsidenten. Und dann wird es richtig edel bei Staatsbesuchen. Dann muss man dann halt nochmal eben mit dem Hubschrauber ein paar Meter fliegen. Aber dann bist du wenigstens in einem Weltkulturerbe, in dem du begrüßt wirst.
Sprecher 3: Die Bayerische Landesvertretung ist ja auch schon ziemlich prunkvoll. Ich würde sagen, wenn Schloss Bellevue nicht zu haben ist, wahrscheinlich derzeit das glanzvollste Gebäude in Berlin.
Sprecher 2: Wer jetzt an der Sicherheit spart, der wird es irgendwann bitter bereuen. So sagt es Claudia Plattner, die Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Sie ist sozusagen der CTO dieser Bundesrepublik. Und sie spricht von einem heblichen Risiko von Cyberangriffen, sowohl für die deutschen Unternehmen als auch für die Behörden. Und sie mahnt dringend zu Präventionskonzepten. Helene Bubrowski hat mit ihr darüber gesprochen.
Sprecher 3: Schön, dass Sie für uns Zeit haben, Frau Plattner.
Sprecher 6: Sehr, sehr gerne. Freue mich, dass Sie hier sind.
Sprecher 3: Über Digitalisierung wird dieser Tage viel gesprochen, darüber, dass viele Verwaltungsdienstleistungen ja längst digital sein müssten, aber immer noch nicht sind, wie man das beschleunigen kann. Damit beschäftigt sich die neue Bundesregierung und ich frage Sie, ist das nicht auch ein Prozess, den man mit etwas Skepsis verfolgen muss? Müsste oder mit mehr Skepsis, weil in der Digitalisierung auch eine große Gefährdung steckt, oder nicht?
Sprecher 6: Also zunächst mal begegne ich dem Digitalisierungsprozess mit Optimismus und mit Vorfreude. Und das muss ich ganz klar sagen. Also ich freue mich, dass wir jetzt ein Digitalministerium haben, das sich dieser Themen auch annimmt und auch voll verantwortlich für annimmt. Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass Digitalisierung und Cybersicherheit immer ganz fest zusammengehört. Das eine geht nicht ohne das andere. Und umgekehrt übrigens genauso. Wir kriegen die Dinge auch nicht cybersicher, wenn wir nicht entsprechend auf moderne, digitalisierte Technologien sind. setzen und wir werden da unterstützen, so gut es geht. Die Angriffsfläche, die sich durch digitalisierte Prozesse ergibt, ist natürlich eine, die gemanagt werden muss, aber dafür gibt es ja uns.
Sprecher 3: Okay, weil neulich mir ein IT-Fachmann mit Blick auf Krankenhäuser berichtete, dass er doch empfehlen würde, dass man jedenfalls mal die sensiblen Daten alle in Papierform noch aufbewahrt für den Fall von Ransomware-Angriffen, also dass alle Daten verschlüsselt sind, seien Krankenhäuser und natürlich auch andere Institutionen und Unternehmen ansonsten überhaupt nicht handlungsfähig. Wo es dann im Krankenhaus eben um Leben und Tod geht, wo ich dachte, aha, ist die Zukunft also doch vielleicht nicht digital, sondern wenn sie sicher sein will, dann ist sie doch auf Papier?
Sprecher 6: Da hilft ein Backup. So, jetzt wird natürlich jeder sagen, ja, aber Backups kann man ja auch verschließen. Kann man, außer man wählt entsprechende Backup-Technologien neuerer Natur, die es auch in sogenannten Immutable-Versionen gibt. Das heißt, das sind Versionen, die kann man eben halt nicht überschreiben. Das heißt, es muss niemand mehr zu Papier und Bleistift greifen, außer er sie erst möchte, ist wirklich.
Sprecher 3: Sie sagen, Cybersicherheit und Digitalisierung gehören zwingend zusammen. Ich würde sagen, die meisten Menschen glauben, dass Cybersicherheit natürlich wichtig ist, aber die Prozesse doch deutlich verlangsamt. Das stimmt nicht?
Sprecher 6: Also für mich ist der entscheidende Punkt, versucht es mal ohne. Also wenn man sich vorstellt, was passieren kann, wenn man da einfach mal eine ganz nüchterne Risikobetrachtung macht, was es tatsächlich bedeuten kann, wenn ein erfolgreicher Angriff in einem Unternehmen, in einer Behörde, in einer Institution dann wirklich... erfolgt, dann weiß man, das ist mit Geld gar nicht aufzuwiegen. Wenn man es doch versucht, stellt man fest, es ist billiger, sich vorher darum zu kümmern. Ich glaube, jeder ist gut beraten, hier den richtigen Weg zu gehen und einfach dafür zu sorgen, dass die Systeme gut aufgestellt, gut abgesichert, in Ordnung sind. Und das ist am Ende des Tages immer billiger und am Ende des Tages auch immer schneller, als man irgendwann mal sein Geschäft für so und so viele Monate, Wochen unterbrechen muss oder vielleicht auch gar nicht mehr auf die Füße kommt.
Sprecher 3: Das Problem ist wahrscheinlich, dass viele Unternehmen das Risiko nicht auf dem Schirm haben. Ist meine Vermutung. Können Sie das bestätigen?
Sprecher 6: Also wir sehen leider in der Tat, dass zu viele Firmen, Verbraucherinnen und Verbraucher, Institutionen noch zu sorglos mit dem Thema umgehen. Nicht zuletzt ist auch die erste Säule unserer Cyber-Nation-Strategie wirklich das Thema Cybersicherheit auf die Agenda heben und zwar in den Chefinnen- und Chefetagen. Das ist und bleibt nach wie vor eine Aufgabe, ja.
Sprecher 3: Also Sie sehen immer noch Passwörter, Vorname, Punkt, Geburtsdatum und ähnliches. Ist das das größte Problem oder ist es wirklich die Software, an der es fehlt oder die Hardware, die einfach schlecht ist?
Sprecher 6: Ach, wenn es nur eins von diesen ganzen Themen wäre, wäre es einfach. Ich befürchte, es ist die Summe von all dem plus noch viele mehr. Wir haben natürlich User Credentials, also Passwörter, wie Sie es gerade gesagt haben, die eine Rolle spielen. Da kann man auch was gegen tun. Wir könnten uns auch heute Stück für Stück einigen, dass wir auf Passkeys umsteigen. Das wäre eine ganz hervorragende Sache. Dann gibt es vielleicht aber auch noch eine... Schwachstellen, von denen weiß noch gar keiner was, sogenannte Zero Days. Die werden dann ausgenutzt, bis irgendjemand dann auf die Idee kommt zu sagen, oh, da ist ein Problem, hier ist auch noch eine Schwachstelle und die müssen wir uns kümmern. Hierfür müssen wir ein Update bereitstellen, das das Problem behebt. Wir haben alle Arten von Social Engineering, wo Menschen dazu gebracht werden, entweder auf Links zu klicken durch Phishing oder aber Passwörter rauszugeben oder Daten rauszugeben, die dann am Ende des Tages für einen erfolgreichen Angriff eine Rolle spielen. Und wenn es nur ein Problem wäre, dann hätten wir es wahrscheinlich schon längst gelöst.
Sprecher 3: Das BSI, um an dieser Stelle auch mal Aufklärungsarbeit zu leisten, wer von den Hörerinnen und Hörern das noch nicht weiß, ist ja nicht nur für die Regierungsnetze zuständig, sondern auch Ansprechpartner, Berater für Unternehmen, die sich im Bereich Cybersicherheit besser aufstellen wollen.
Sprecher 6: Das ist korrekt. Wir kümmern uns in der Tat sehr intensiv, auch um unsere Firmenkunden, wenn man so will. Also alle Arten von Organisationen, aber auch die Bundesverwaltung. Tatsächlich aber sogar auch um Verbraucherinnen und Verbraucher. Wir haben auch den digitalen Verbraucherschutz bei uns. Und da ist sehr, sehr viel auch Kommunikations- und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Sprecher 3: Frau Plattner, sprechen wir über digitale Souveränität, eines der großen Ziele, die formuliert werden schon seit einigen Jahren von der Bundesregierung. Das war ja... Auch immer auf den europäischen Raum und auch Deutschland bezogen. Aber wir haben ja Amerika irgendwie auch immer mitgedacht als Teil des Westens, der irgendwo eine Wertegemeinschaft ist. Jetzt verändern sich die Dinge in Amerika in ziemlich atemberaubendem Tempo und wir sehen, welche Rolle die Tech-Giganten dort spielen, nämlich nicht unbedingt eine, um es mal vorsichtig zu sagen, die die Demokratie stützt. Müssen wir digitale Souveränität jetzt neu definieren, wirklich europäisch oder sogar national?
Sprecher 6: Wir haben immer schon versucht, entsprechend zu sagen, was müssen wir tun, um digital souverän dahingehend zu sein, dass wir Entscheidungsoptionen haben, dass wir Optionen haben, was wir tun wollen. Und für mich gibt es da drei wesentliche Punkte oder drei Entscheidungsmöglichkeiten. Ich nehme eine Technologie, egal wo sie herkommt, ich baue die ein, ich verwende die out of the box, wie man so schön sagt. Das andere Extrem ist dieses, ich baue einfach alles selber. Das werden wir nicht schaffen. Wir werden es nicht schaffen, Clouds selber zu bauen in Deutschland, in Europa, plus alles im Bereich KI zu machen, Satelliten zu bauen, Betriebssysteme für Handys, für Backends im Internet, für Router, Switches etc. Also die Latte ist sehr, sehr groß. Das werden wir nicht alles schaffen. Wir müssen uns überlegen, was davon können wir selber. Und der Teil in der Mitte ist der Teil, wo ich sage, wie können wir Technologien von außerhalb, Digitalisierungstechnologien von außerhalb für uns nutzbar machen. Aber sie absichern, also quasi veredeln, damit wir uns sicher sind, dass die auch für uns sicher und ein Stück weit auch souverän, vor allen Dingen datensouverän nutzbar sind. Das ist für mich dieser Dreiklang, den wir strategisch aufstellen müssen. Und natürlich ist das BSI vor allen Dingen beim Absichern da.
Sprecher 3: Wir können vieles in Europa nicht, so haben Sie es beschrieben. Da frage ich mich schon, wenn man mal zurückschaut, zum Beispiel, Beispiel auf die Diskussion, die wir hatten um den Mobilfunkstandard 5G. Warum eigentlich Deutschland, das Land der Ingenieure, nicht in der Lage ist, das zu bauen? Es gibt zwei europäische Unternehmen, die das können. Die sitzen beide in Skandinavien. Ansonsten können es die Chinesen und die Amerikaner und die Taiwaner. Aber wie kann es denn sein, dass wir... Das Know-how nicht haben oder haben wir die Leute nicht, die in diese Technologie in Deutschland investieren? Wie kann es sein, dass Deutschland in der Entwicklung eigener Produkte so ins Hintertreffen geraten ist?
Sprecher 6: Also ich bin kein Industriepolitiker und auch kein Wirtschaftspolitiker. Was ich sehen kann, ist, dass wir in der aktuellen Situation jede Menge Möglichkeit haben und auch jede Menge Know-how haben, aber eben halt nicht in der Lage sein werden, in all diesen Technologien jetzt mal eben den Schalter umzulegen und zu sagen, da haben wir jetzt plötzlich deutsche, europäische Player von Weltrang. So, das heißt, für mich ist wichtig, dass wir uns überlegen, in welchen Technologiefeldern, in welchen Teilen der digitalen Wertschöpfungskette, welchen davon wollen wir besetzen? Und da wollen wir richtig gut sein. Welche sind das? Meines Erachtens ist im KI-Bereich noch überhaupt nicht der Zug abgefahren. Da ist noch ganz, ganz viel zu gewinnen. Und es geht vor allen Dingen darum, was machen wir denn dann mit den KI-Möglichkeiten? Da wäre für mich zum Beispiel so ein Thema, wie verbinde ich das mit Maschinenbau, mit Anlagenbau, Feldern, in denen wir klassisch wirklich gut sind. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass wir... Es schaffen den Transfer aus unserem Know-how, das wir haben. Wir haben hervorragendes Know-how im Technologiebereich. Produkte zu übersetzen. Da gehören Finanzierungsthematiken dazu. Da gehört Technologietransfer dazu. Da gehört Venture Capital dazu. Da gehört Risikobereitschaft und Mut. Und ich glaube, denen werden wir uns wieder angewöhnen müssen.
Sprecher 3: Frau Plattner, Sie haben die europäische Cloud schon angesprochen. Wo stehen wir da und wie sehr ist das die Zukunft?
Sprecher 6: Wir haben europäische Player, die viele der Aufgaben, die es im Cloud-Bereich zu erfüllen gibt, auch erfüllen können. Die müssen wir Stück für Stück aufbauen. Und deswegen sage ich immer, wenn man eine Applikation in die Cloud schieben möchte und dafür tut es, ein Angebot, das man hier in Europa auch findet, dann lasst uns das tun. Weil mit jedem Stückchen Umsatz wird dort natürlich auch ein Stück weit wieder Investitionsmasse frei, die dann auch wieder für eine Verbesserung genutzt werden kann.
Sprecher 3: Sie haben über die Angreifer vorhin schon gesprochen, die aus dem Cyberraum kommen und den Unternehmen, den Institutionen, der Regierung. Das Leben schwer machen, großen Schaden anrichten können. Es sind ja ganz unterschiedliche Figuren. Also wir haben es mit ganz normalen Kriminellen zu tun, aber natürlich auch mit vom Ausland gesteuerten Angreifern. Also das Thema ist hybride Kriegsführung. Vielleicht können Sie uns mal so ein kleines Bild zeichnen. Kann man wirklich von einem Krieg im Cyberraum schon sprechen? Für die militärische Bedrohung haben wir Artikel 5 NATO. Inwiefern trifft das eigentlich auf den Cyberraum zu? Wann kommt der Punkt, wo Sie sagen, das hat jetzt einen Grad erreicht, wo man da... dann auch über Hackbacks und ähnliches, also wo wir uns wirklich wehren müssen.
Sprecher 6: Wir vermeiden das Wort. Wir können definitiv aber sagen, dass es sehr viele sehr unfreundliche Handlungen im Cyberraum gibt. Ich glaube, so kann man das durchaus sagen. Wir sind dauerhaft entsprechenden Angriffen ausgesetzt.
Sprecher 3: Russland, China, alles Mögliche.
Sprecher 6: Russland, China, alles Mögliche. Wir haben Russland tatsächlich als die in Anführungsstrichen drängendste Bedrohung durch Ransomware-Angriffe, die sie darstellt. Wir haben aber eben halt China gerne auch eher im Bereich Spionage unterwegs. Wir haben Nordkorea, wir haben Iran. Und übrigens auch je nachdem, wo man sich auf dieser Welt befindet, ist das eine oder das andere ein bisschen ausgeprägter in der direkten Bedrohung. Für uns ist im Moment das Thema Russland sehr, sehr aktuell.
Sprecher 3: Sie können das auch verfolgen, woher die Angriffe kommen. Da haben Sie das Know-how im Haus.
Sprecher 6: Also wir haben definitiv unser Know-how im Haus. Wie funktioniert das? Wir sehen normalerweise an der Art, wie der Angriff durchgeführt wurde, an diesem Modus, an dieser Art der Durchführung, sehen wir normalerweise durchaus ein Muster und können das auch verschiedensten Gruppen zuordnen. Also gerne mal, dass eine bestimmte Software verwendet wurde oder ähnliches. Das ist dann im Besitz von bestimmten Gruppen. Dann haben wir auch ein ganz gutes Bild, wissen ungefähr, wer das ist. Der entscheidende Punkt an der Stelle ist aber immer, das ist was Technisches. Ob man dann jetzt wirklich laut sagt, das war jetzt übrigens das und das Land, die und die Nation, die da dahinter steht oder gar irgendetwas staatlich Gelenktes, das sind Aufgaben, die liegen dann im Zweifel. Zweifelsfall beim Auswärtigen Amt. Das müssen die entscheiden und die müssen auch eine komplette politische Würdigung der ganzen Sache machen. Ist es gerade richtig, das laut zu sagen? Da halten wir uns raus. Was wir aber doch ziemlich genau wissen, ist, wer war es technisch? Wir haben da ein ziemlich gutes Gefühl für.
Sprecher 3: Vielen Dank für Ihre Zeit, Frau Plattner.
Sprecher 6: Mit dem größten Vergnügen. Gerne wieder.
Sprecher 3: Michael, wir müssen über einen Gast am BER sprechen. Und zwar einen kleinen Raben, den die Mitarbeiter Eddie getauft haben. Er hat sich ohne Fahrkarte und auch ohne sonstiges Recht Zugang ins Terminal 1 verschafft und jetzt findet er nicht mehr raus. Der Flughafen will ihm helfen, aber will ihn nicht irgendwie betäuben oder ihm sonst irgendwie wehtun, sondern mit Vertrauen. Das hat der Bär auch bitter nötig nach allem, was gewesen ist. Jetzt wird der Vogel gefüttert und soll in eine kleine Falle gelockt werden, damit er stressfrei nach draußen gebracht wird.
Sprecher 2: Als wohlwollender Kritiker des BER fliege ich von Berlin nach Kanada in wenigen Wochen mit einer neuen Fluglinie, die nur von Berlin aus fliegt. Ich mache das als Unterstützung, denn wir müssen alle ein bisschen lernen, auch vom BER zu fliegen.
Sprecher 3: Tschüss, bis morgen. Wir freuen uns, wenn Sie wieder dabei sind.
Sprecher 7: What goes up? Must come down. Raining inside. But I ain't got wings. Coming down. I'm learning to fly. Around the clouds. But what goes up? Must calm down. I'm letting you fly. I'm letting it fly.