Passen Union und SPD wirklich zusammen, Herr Frei?
Dauer: 26:37

Passen Union und SPD wirklich zusammen, Herr Frei?

Kanzleramtschef Thorsten Frei räumt im Gespräch mit Michael Bröcker ein, dass seine Abwesenheit beim Koalitionsausschuss ein Fehler war: „Das ist nicht gut gelaufen. Rückblickend ist es offensichtlich nicht die richtige Entscheidung gewesen“, sagt er über seine Abwesenheit bei dem wichtigen Treffen der Koalitionäre.

Im Haushalt 2026 sei eine Kürzung der Personalkosten um zwei Prozent fest vorgesehen. „Wir werden nicht nur neue Ausgaben machen können, wir werden an anderen Stellen Kürzungen vornehmen“, erklärt er. Frei wirbt für eine unaufgeregte Bewertung der Regierungsarbeit: „Es läuft menschlich-persönlich und politisch hervorragend. Wir arbeiten gut zusammen.“


Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Russland wegen Völkerrechtsverstößen und der Verantwortung für den MH17-Absturz. Donald Trump kritisiert den russischen Präsidenten scharf und behauptet, er habe ihm einst mit der Bombardierung Moskaus gedroht. 

Wie groß ist der Druck auf Putin inzwischen?



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Es wird ungemütlicher für Wladimir Putin, noch ungemütlicher. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Russland wegen Völkerrechtsverstößen und Donald Trump scheint auch die Geduld zu verlieren. Was das für den Krieg in der Ukraine bedeutet, gleich bei uns.

Sprecher 3: Wir sprechen außerdem mit dem Kanzleramtschef Thorsten Frei über die, ja was, fehlende Koordinierung dieser Regierungsarbeit oder ist alles von uns Medien nur kritischer beschrieben worden, als es in Wahrheit ist? Wir haben ihn gestern im Bundeskanzleramt besucht.

Sprecher 2: Und zum Schluss haben wir noch einen kleinen Einblick von unserem Sommerfest für Sie. Das Fazit, die Stimmung im politischen Berlin ist gut, auch ohne Sonnenstrahlen.

Sprecher 3: Besser jedenfalls als die geopolitische Lage. Es ist Donnerstag, der 10. Juli. Herzlich willkommen bei Table Today.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 2: Der Europäische Gerichtshof hat Russland verurteilt. Donald Trump sieht den Mann in Kreml immer kritischer. Aber das scheint ihn offenbar nicht zu sehr zu irritieren, jedenfalls an seiner Kriegsführung nichts zu ändern. In der Nacht zum Mittwoch startete er den schwersten Angriff auf die Ukraine seit Kriegsbeginn. Über 740 Drohnen und Raketen wurden auf die Ukraine abgefeuert.

Sprecher 3: Ja, und die Dramatik auch bei den europäischen Partnern der Ukraine, die ist vorhanden. Friedrich Merz will auf der Ukraine-Konferenz in Rom offenbar Angebote machen. Konkreter wurde ja nicht, wie die Luftverteidigung der Ukraine jetzt gestärkt werden kann. Gestern hat uns das Außenminister Johann Wadephul bei uns auf dem Sommerfest bestätigt. Da werde es einen neuen Vorstoß geben. Man darf gespannt sein. Und die Hoffnung in der Bundesregierung ist natürlich, Helene, dass Donald Trump vielleicht doch endlich wirklich an Bord ist und diesem Land beiseite steht.

Sprecher 2: Ja, das ist die Hoffnung des Westens. Ob und wie lange Donald Trump mit an Bord ist, das weiß man leider nie so genau. Und wieder mal haben wir es da mit Völkerrechtsverstößen zu tun. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in anderen Fällen nun auch so festgestellt und hat außerdem Russland für den Absturz des Fluges MH17 verantwortlich gemacht. Das haben wir schon immer geahnt. Jetzt ist es auch richterlich bestätigt.

Sprecher 3: Ja, und der Papst hat sich eingeschaltet. Das zeigt die Dramatik der Lage. Leo XIV. Hat in einem Gespräch mit Zelensky seine Vermittlungsbereitschaft bekräftigt. Er sei bereit, mit Ukraine und russischen Vertretern zu sprechen im Vatikan. Zelensky habe... Dies durchaus positiv bewertet, heißt es in italienischen Medienberichten. Und es gebe die dringende Notwendigkeit, zitieren diese Medien den Papst, eines gerechten und dauerhaften Friedens. Den Worten des Papstes ist natürlich wenig hinzuzufügen.

Sprecher 2: Mal sehen, welchen Eindruck Sie auf Donald Trump machen. Der hat am Dienstag gesagt, wir bekommen von Putin eine Menge Mist erzählt. Er sei enttäuscht von seinem Verhalten. Er war schon öfter enttäuscht, dann hat er ihn aber auch in den höchsten Tönen gelobt. Es geht hin und her. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Bericht von CNN. Dass im Jahr 2024 Donald Trump Spendern erzählt habe, dass er Putin gedroht habe, und zwar schon vor vielen Jahren, nämlich in seiner ersten Amtszeit, also vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Und damals soll er gesagt haben, wenn du in die Ukraine einmarschierst, bombardiere ich Moskau in Grund und Boden. Bekanntermaßen hat sich Putin davon nicht abschrecken lassen. Trump würde jetzt sagen, auch weil nicht er im Weißen Haus war, sondern Joe Biden. Aber die Frage ist, was bedeutet diese Drohung eigentlich heute? Ist das vielleicht ein Teil von strategischer Ambiguität, der da an den Tag liegt, das Maximum androhen, um Putin zum Einlenken zu bewegen?

Sprecher 3: Ja, bei Trump weiß man nie, ob er jetzt wirklich seine Meinung zu diesem schlimmen Diktator im Kreml geändert hat.

Sprecher 5: Oder ob es wieder nur ein Bluff ist. Wir werden es sehen.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 3: Vom Oberbürgermeister im wunderschönen Donaueschingen bis hin zum Chef des Bundeskanzleramts und dem zentralen Koordinator der Bundesregierung. Die Karriere des Thorsten Frei ist eine ganz besondere. Der Jurist mit dem charmanten Lächeln und dieser moderaten Art ist einer der wichtigsten Minister im Kabinett Merz. Und er soll das schaffen, was viele für unmöglich halten, nämlich die unterschiedlichen Interessen, Persönlichkeiten und Charaktere in dieser Bundesregierung zusammenzuhalten. Bei der Stromsteuer, das muss man sagen, ist ihm das nicht so ganz gut gelungen. Er war allerdings beim Koalitionsausschuss auch nicht da. Er hatte einen Termin im Wahlkreis. Auch das führte zu Kritik. Da dachten wir uns, mit diesem Mann müssen wir mal wieder reden. Thorsten Frei, also bei uns hier im Podcast-Interview. Gestern haben wir ihn kurz vor unserem Sommerfest im Bundeskanzleramt besucht. Einen schönen guten Tag, Herr Minister Frey.

Sprecher 6: Schönen guten Tag, Herr Bröker.

Sprecher 3: Herr Frey, was würden Sie sagen im Inneren dieser Koalition, wie stabil ist sie?

Sprecher 6: Die Koalition ist sehr stabil. Das haben wir an ganz vielen unterschiedlichen Stellen gesehen. Wir arbeiten gut zusammen. Das gilt auch, soweit ich das wahrnehmen kann, für das menschlich Persönliche unter den Kolleginnen und Kollegen. Und vor allen Dingen haben wir in den letzten Wochen enorm viel geschafft. Nicht nur, dass wir im Kabinett den Haushalt 25... verabschiedet haben. Wir stehen kurz vor der Verabschiedung des 26er Haushaltes. Wir haben im Bereich der Steuerpolitik, des Investitionsboosters viel gemacht. Wir haben im Bereich der Entbürokratisierung vieles gemacht, wenn man etwa an die Aufhebung der Verpflichtung für die Stoffstrombilanz denkt oder vieles andere mehr. Und wir haben sieben oder acht Gesetze bereits im Bereich der Migrationspolitik auf den Weg gebracht. Also diese Regierung arbeitet das, was sie sich im Koalitionsvertrag vorgenommen hat, wirklich ab.

Sprecher 3: Man hat das Gefühl, es gibt so eine Art Nicht-Angriffspakt. Die CDU beschwert sich nicht groß über die linke SPD-Richterkandidatin. Die SPD lässt es sein, Jens Spahn über alle Maßen zu attackieren. Gibt es so eine Art unausgesprochenen Nicht-Angriffspakt in dieser Koalition, um Vertrauen zu bilden? Weil die unterschiedlichen Interessen sind offensichtlich bei manchen Themen.

Sprecher 6: Natürlich sind die Interessen unterschiedlich und es sind unterschiedliche Parteien, die gemeinsam eine Regierung bilden. Aber der Kompromiss hat eben auch einen Wert und vor allen Dingen die klare Erkenntnis, dass nur auf der Basis eines Kompromisses eine solche Regierung erfolgreich sein kann. Und wir versuchen uns nicht beim kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, sondern so zu agieren, dass wir die Verpflichtungen aus dem Koalitionsvertrag umsetzen, dass jeder Koalitionspartner das Gefühl hat, seine Punkte in dieser Koalition auch machen zu können. Und darüber hinaus eben nicht zu einem Nullsummenspiel zu kommen, sondern in der Addition zu einer echten Verbesserung bei uns im Land führen. Das gilt im Hinblick auf die Funktionsfähigkeit des Staates. Das gilt im Hinblick auf die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Damit in Folge auch ein Herausfinden aus der Stagnation, die uns jetzt drei Jahre gefangen hält als Land. Also das folgt schon einer inneren Logik und ich würde mal sagen, keine Koalition wird dauerhaft funktionieren, wenn ein Partner sich versucht, auf Kosten des anderen zu profilieren.

Sprecher 3: Aber ein bisschen hat man das Gefühl, ein kleiner Partner gewinnt im Moment am meisten. Das ist die CSU, wenn man sich die inhaltlichen Beschlüsse anschaut, Gastrosteuer, Mütterrente, bekommt die CSU immer wieder ihre Spezialinteressen mit einem klaren Ja versehen, mit einer klaren Entlastung, während die allgemeinen entlastenden Schritte wie zum Beispiel Stromsteuer oder auch vielleicht entlastende Maßnahmen in der Steuer- und Abgabenpolitik für die gesamte Breite verschoben werden. Tut Ihnen das als CDU-Abgeordneter, der sich sehr für die Wirtschaftswende im Wahlkampf eingesetzt hat, nicht weh?

Sprecher 6: Nein, das, was Sie beschrieben haben, nicht. Dass die Mütter, die ihre Kinder vor 1992 geboren haben, gleich behandelt werden wie die Mütter, die nach 1992 geboren werden. Um das richtig und fair zu finden, glaube ich, muss man nicht CSU-Mitglied sein, sondern das kann auch ich so empfinden. Und der Zweiter Punkt ist, ich glaube schon, dass wir Entlastungen für alle hinkriegen. Wir sprechen eben zu wenig drüber. Und dazu gehört beispielsweise im Bereich der Strom- und Energiepreise, dass wir die Netzentgelte im Volumen von 6,5 Milliarden etwa halbieren. Davon profitieren alle Menschen, alle Betriebe in Deutschland. Das Gleiche gilt, wenn man Gasbezieher ist, für die Gasspeicherumlage, die wir nicht mehr erheben. Das sind 3,4 Milliarden Euro. Zusammengerechnet bedeutet es, dass wir alle Energie- und Stromkunden in Deutschland um etwa 10 Milliarden Euro entlasten. Und das Einzige, worüber wir jetzt sprechen, das ist die Stromsteuer. Das ist wichtig genug. Ich will das überhaupt nicht in Abrede stellen. Und bedauerlicherweise ist die Haushaltslage so, dass wir in einem ersten Schritt jetzt nicht alle Verbraucher entlasten können. Und ich finde es absolut schlüssig zu sagen, dann unterstützen wir zunächst einmal diejenigen, die als produzierendes Gewerbe im internationalen Wettbewerb stehen. Natürlich müssen wir immer wieder auch Kompromisse eingehen. Und natürlich werden wir nicht immer alles zu 100 Prozent erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Aber dann muss man klug abwägen, wie man den maximalen Nutzen fürs Land erreichen kann. Und klug ist es dann in einer Koalition, nicht nur über das zu sprechen, was jetzt nicht sofort zu 100 Prozent geklappt hat, sondern auch über die, die... Dinge, die wir gut hingekriegt haben.

Sprecher 3: Aber Herr Frey, dann einen konstruktiven Vorschlag aus meiner Richtung. Vielleicht müssen Sie weniger versprechen, dann könnten Sie danach auch mehr über das reden oder kommunizieren, was tatsächlich passiert ist. Wenn die Stromsteuersenkung nicht für alle Privathaushalte überall in jedem Papier dieser Koalition gestanden hätte, dann könnte man jetzt auch über die 10 Milliarden Euro Entlastung reden.

Sprecher 6: Sie haben recht. Vielleicht haben wir auch nicht klar genug kommuniziert, dass die Dinge, die wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben, teilweise mit einem Wir werden unterlegt, tatsächlich vereinbart sind und andere Dinge mit einem Wir wollen apostrophiert eben auch unter der Maßgabe stehen, dass wir es uns auch tatsächlich leisten können. Wir werden nicht nur neue Ausgaben machen können, sondern wir werden das vor allen Dingen auch damit finanzieren müssen, dass wir an anderen Stellen Kürzungen vornehmen, konsolidieren, wieder eine bessere Balance zwischen konsumtiven und investiven Ausgaben im Haushalt schaffen. Und damit wollen wir mit den Haushalten 25 und 26 beginnen.

Sprecher 3: Wo ist denn eine erste finanziell spürbare Maßnahme, wo Sie als Kanzler und Chef sagen, da hat diese Koalition einen beträchtlichen Betrag mal an Ausgaben eingespart?

Sprecher 6: Also das, was wir schon in diesem aktuellen Haushaltsplan umgesetzt haben, ist die Reduzierung der Personalkosten im Bereich der Regierung und der nachgeordneten Behörden. 0,5 Prozent. In diesem Jahr 0,5 Prozent. Da muss man einfach realistisch sein. Wir starten jetzt und die Maßnahmen, die wir heute ergreifen, die werden nicht sofort wirksam sein. Wir werden aber in den drei Folgejahren um 2 Prozent die Personalkosten senken und im Bundestagswahljahr 29 nochmal um 1,5 Prozent.

Sprecher 3: Glauben Sie wirklich, dass das leistbar ist? Je später Ihr schmerzhafte Entscheidungen doch verschiebt, desto schwieriger wird es in Wahlkämpfen, doch die durchzuhalten.

Sprecher 6: Wir treffen doch die Entscheidungen jetzt. Die Auswirkungen mögen etwas später sein, aber nicht am Ende der Legislaturperiode, sondern gleich schon am Anfang.

Sprecher 3: Also im 2026er Haushalt steht dann schon eine 2,0-prozentige Abseckung.

Sprecher 6: Da stehen 2,0 Prozent drin, ja, ganz genau.

Sprecher 3: Und erhalten Sie das, was Lars Klingbeil in dem Sozialstaat, Stichwort Bürgergeld, jetzt als Einsparung reingeschrieben hat für... Das Machbare oder ist das nur der erste Schritt?

Sprecher 6: Was wir jetzt in den Haushaltsplan schreiben, ist das eine. Wenn der Bundesfinanzminister da eher eine konservative Zahl zugrunde legt, dann mag das etwas mit einer verlässlichen und vielleicht sogar konservativen Haushaltsplanung zu tun haben. Das Entscheidende ist, was wir im gesetzlichen Rahmen in der zweiten Jahreshälfte machen. Also was verändern wir wirklich am Bürgergeld? Und da haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir es abschaffen und durch eine Grundsicherung ersetzen möchten, mit anderen Zumutbarkeitsregeln, mit einem Vermittlungsvorrang und vielem anderen mehr. Und wenn wir das gesetzgeberisch umsetzen, dann kann man auch sehen, dass diese Maßnahmen zu geringeren Ausgaben führen werden.

Sprecher 3: Ihre Rolle wurde auch kritisiert im Zusammenhang mit der Stromsteuersenkung, weil Sie bei diesem entscheidenden Koalitionsausschuss nicht da waren und einen Wahlkreistermin angenommen haben, anstatt hier im Koalitionsausschuss vielleicht die Dinge zusammenzuhalten. War das notwendig und richtig? Dass sie da in ihrem Wahlkreis waren, anstatt hier die Dinge zusammenzuhalten.

Sprecher 6: Also rückblickend war es ganz offensichtlich nicht die richtige Entscheidung. Aber es ist eine ganz schwierige Entscheidung für mich gewesen. Es war ein Termin, der lange feststand, bevor ich überhaupt Teil dieser Regierung wurde. Und es war auch nicht irgendein Termin, sondern es war eben so, dass wenn ich die Rede dort halten würde, dann kann der Termin stattfinden und andernfalls hätte er komplett abgesagt werden müssen. Das ist alles nicht der Punkt. Tatsächlich ist es so, dass es durchaus die Erwartung gab, dass wir uns zu einer Arbeitssitzung des Koalitionsausschusses treffen. Das hat sich dann in wenigen Tagen sozusagen unmittelbar davor anhand des Themas Stromsteuer anders entwickelt. Und mit Sicherheit hätte ich dann auch die... Wenige Tage vorher zu treffende Entscheidung brutal anders treffen. Heute ist es so, dass ich sicher sagen kann, dass ich zwischen Sonntagabend und Freitagabend ohnehin keine Termine außerhalb Berlins machen kann und auch nicht machen werde. Und insofern ist es ein Thema, das sich unzweifelhaft nicht wiederholen wird.

Sprecher 3: Ich bin überrascht, Herr Frey, das heißt, Sie haben Samstag frei?

Sprecher 6: Nein, ich habe samstags nicht frei. Ich bin auch Abgeordneter und am Samstag nehme ich dann meine Mandatspflichten wahr. Und damit das Ganze nicht übel endet, wäre es wichtig, einen Tag die Woche jedenfalls auch zeitweise bei der Familie vorbeizuschauen.

Sprecher 3: Der sei Ihnen auf jeden Fall gegönnt, Herr Frey, noch einmal zum Thema Koordinierung. War es ein Fehler oder Ihr persönlicher Fehler? Den CSU-Vorsitz und bayerischen Ministerpräsidenten nicht rechtzeitig informiert zu haben, über diese neue Entscheidung, die Stromsteuer eben nicht für alle abzusenken?

Sprecher 6: Also ich kann jetzt über Details des inneren Gefüges nichts sagen und ich möchte das auch nicht sagen, weil das im Grunde genommen dann auch Entscheidungs- und Kommunikationsstrukturen offenlegen würde. Das ist weder nötig noch angezeigt.

Sprecher 3: Aber werden Sie was verändern? Gibt es ein Learning aus dieser unterschiedlichen Kommunikation beim Thema Stromsteuer?

Sprecher 6: Natürlich gibt es ein Learning und das setzen wir auch sofort um. Im Übrigen, das ist jetzt nicht das erste Learning in den vergangenen neun Wochen, sondern natürlich haben wir an vielen Stellen gerade... auch was die Geschmeidigkeit der Zusammenarbeit anbelangt, permanent nachgesteuert und das verbessert. Aus meiner Sicht läuft es auch hervorragend und zwar menschlich, persönlich genauso wie politisch. Bei der Stromsteuer ist es nicht gut gelaufen, das muss man eindeutig sagen. Das kann man ein Stück weit auch mit Strukturen erklären, die wir inzwischen angepasst haben. Und insofern spricht viel dafür, dass das in Zukunft so nicht mehr passieren wird. Und ich will das auch ganz offen sagen, also zu glauben, dass man alles wegorganisieren könnte, was es an politischen Herausforderungen gibt, das ist ein treuherziger Trugschluss. Und davor kann ich nur warnen. Also wir werden natürlich immer wieder auch an Punkte kommen, wo wir es einfach auch mit tiefgreifenden politischen Konflikten zu tun haben.

Sprecher 3: Ist auch normal. Wie definieren Sie denn Ihre Rolle? Es gibt ja unterschiedliche Modelle, wenn man Ihre Vorgänger anschaut. Ein Thomas de Maizière, der sehr als Innenminister wirkte und intern versuchte, alle Konflikte möglichst früh vorauszuerahnen. Oder ein Peter Altmaier, der auch draußen die Politik der Koalition auch vermittelt hat. Wo sehen Sie sich?

Sprecher 6: Also ich habe mir jetzt nicht ein bestimmtes Bild von mir selbst gemacht, sondern ich versuche mein Amt so natürlich wie möglich zu führen. Und das hat natürlich Schwerpunkte und Schwerpunktthemen sind unzweifelhaft die Koordinierung der Regierung. Natürlich versuche ich nach Kräften. Und so gut ich das kann, Konflikte so früh wie möglich zu lösen, sodass sie sie nach Möglichkeit gar nicht erst mitbekommen. Das gelingt häufig und es gelingt manchmal nicht. Das muss man ganz offen zugestehen. Manchmal liegt dann der Fehler bei mir. Das muss man auch zugestehen. Und manchmal liegt er nicht bei mir. Darüber hinaus bin ich der Koordinator für die Nachrichtendienste. Ich habe als Bundesminister hier im Kanzleramt die unmittelbare Zuständigkeit für die Aufsicht über den Bundesnachrichtendienst. Das sind Dinge, die jede Woche natürlich auch einen entsprechenden Zeitaufwand erfordern und auch mit viel... Aufmerksamkeit betrieben werden müssen, gerade in den veränderten Zeiten, die wir haben. Das sind meine Schwerpunkttätigkeiten und dazu gehört aus meiner Sicht schon auch, dass man Regierungspolitik erklärt und natürlich das setzt auch sehr viel Kommunikation nach innen vor allen Dingen voraus, natürlich auch versucht, die einzelnen Teile dieser Koalition zusammenzuhalten.

Sprecher 3: Zum Abschluss, Herr Frey, die Kabinettsklausur nach der Sommerpause. Ist das Therapiesitzung oder wird da eine inhaltliche Offensive gestartet?

Sprecher 6: Also Deutschland ist in einer Situation, wir könnten uns gar keine Regierung leisten, die glaubt, sie müsste gemeinsam in Gruppentherapie gehen. Und es ist auch überhaupt nicht notwendig. Diese Regierung ist extrem leistungsstark. Sie ist extrem leistungswillig und zwar egal, wo Sie hingucken. Und deswegen können Sie sicher sein, dass wenn sich das Kabinett trifft, egal ob im Kanzleramt oder sonst irgendwo, egal ob kürzer oder länger, wir werden uns mit den Herausforderungen des Landes beschäftigen.

Sprecher 7: Wir sind gespannt. Vielen Dank, Herr Minister.

Sprecher 6: Sehr gerne, Herr Brücker.

Sprecher 3: Helene, war noch was?

Sprecher 2: Michael, wir müssen ins Bett.

Sprecher 3: Dringend. Es war ein anstrengendes, langes, aber auch wunderbares Sommerfest. Die Stimmung bei unserem Sommerfest ist deutlich besser als die im Parlament.

Sprecher 2: Das muss ich auch sagen. Hier haben die Leute es geschafft, mal ein bisschen Schärfe rauszunehmen, ein bisschen Freundlichkeit, sommerliche Leichtigkeit an den Tag zu legen, auch wenn es nicht ganz so heiß gewesen ist, sondern eher kühl fast war. Aber die Stimmung nicht.

Sprecher 3: Wir hatten jedenfalls die Hälfte des Bundeskabinetts da und vor allem, was mich immer wieder freut, ein sehr parteiübergreifendes Publikum hier und viele Leute aus Thinktanks, Medien, Politik, Wirtschaft und Kultur. Es war ein rundes Fest, jetzt sind wir fertig, aber unseren Zuhörern und Zuhörern, die jetzt nicht dabei sein konnten, weil sie vielleicht noch kein Lizenznehmer bei Table Briefings sind, das kann natürlich nicht sein. Sollte das aber sein, werden wir Ihnen wenigstens hier jetzt ein klein Best-of mit ein paar Stimmen aus unserer Gästeschar präsentieren.

Sprecher 2: Dietmar Barth, schön, dass Sie da sind.

Sprecher 8: Ja, sehr gerne.

Sprecher 2: Sind Sie eigentlich auf solchen Feiern wie hier gerne oder ist das für Sie in Wahrheit eine Pflicht, die Sie machen müssen oder meinen machen zu müssen?

Sprecher 8: Nein, inzwischen bin ich da gerne. Das war mal anders, als ich noch Fraktionschef war. Da war das sozusagen... Verpflichtung, man muss überall hingehen, weil wir waren ja als Linke auch ein bisschen Outlaws. Jetzt ist das etwas anders und ich gehe zu der einen oder anderen Veranstaltung durchaus gern hin und genieße das auch, dass ich mit Leuten reden kann, dass man so ein bisschen den Körper spazieren trägt und keine Verantwortung hat.

Sprecher 2: Den Körper spazieren trägt, was für eine schöne Formulierung. Sind Sie eigentlich als Oppositionspolitiker auch ein bisschen erschöpft nach diesem Jahr und freuen sich auf den Sommer? Oder ist es auf den Oppositionsbänken so, dass man sagt, eigentlich kann man auch jetzt einfach alles, was man nicht erledigt hat, im Sommer machen oder etwa ein Buch schreiben? Was sind Ihre Pläne?

Sprecher 8: Das Problem ist, ich habe ja mich entschieden, wieder Haushaltspolitiker zu sein. Und das heißt in der Übersetzung, es gibt mitten in der Sommerpause eine Haushaltsausschusssitzung, zwei Tage. Deshalb muss ich im Sommer aus meiner norddeutschen Heimat hin und wieder nach Berlin kommen. Ich werde, wenn hier endlich Ferien sind, dann doch genießen, in den Norden zu fahren, hin und wieder nach Berlin kommen. Das wird nicht ganz einfach mit der Angetrauten, aber da muss sie auch durch.

Sprecher 9: Mit wem würden Sie denn heute am liebsten noch ein Bier zusammen trinken?

Sprecher 10: Also ich wäre mal ganz gespannt, ob meine Wahlkreiskollegin Heidi Reicheneck hier kommt und dann trinke ich mit der ein schönes, kühles Bierchen.

Sprecher 9: Also das bedeutet, Sie würden auch mit Abgeordneten der Linken hier heute ein Bier trinken?

Sprecher 10: Ja, jedenfalls spreche ich mit denen. Das heißt ja nicht, dass wir politisch zusammenarbeiten, aber im Gespräch kann man immer sein.

Sprecher 9: Verstehe, verstehe.

Sprecher 2: Herr Banatschak, auf unserer Party sind ziemlich viele Grüne. Als wir vorhin gefragt haben, wo sind die Grünen, als wir über Doppelspitzen sprechen, Wollen gegen sehr, sehr viele Hände hoch. Haben Sie eigentlich nichts zu tun in der Opposition?

Sprecher 11: Ganz im Gegenteil. Wir haben viel zu tun, weil diese Regierung uns so viele Aufgaben überantwortet. Ich meine, hätten Sie sich vorstellen können, dass wir mal das ordnungspolitische Gewissen dieser Bundesrepublik sind?

Sprecher 2: Hätte ich mir wirklich nicht vorstellen können.

Sprecher 11: Ja, ich auch nicht. Aber ich meine, es ist ja schon, es hat ja eine gewisse Ironie fast, dass über Jahre hinweg Friedrich Merz erzählt hat, auf gar keinen Fall darf die Schuldenbremse gelockert werden, weil sonst kommen Rote und Grüne und geben das Geld für Steuergeschenke oder Wahlgeschenke aus. Und siehe da, guckt man einmal nicht hin, passiert das Gegenteil. Ich finde die Kreativität und Akribie, mit der Lars Klingbeil jedes Schlupfloch sucht und findet, um das Geld nicht für Investitionen, nicht für Klimaschutz auszugeben, auch interessant. Wir haben der Regierung die Chance gegeben, gut zu regieren. Wir haben ihr die Chance gegeben, die Investitionsdefizite aufzuholen, die Bahnen zu sanieren und anderes zu tun. Aber wenn die Regierung diese Optionen nicht wahrnimmt, dann muss man die Regierung dafür verantwortlich machen.

Sprecher 12: Mit wem würden Sie denn gerne mal ein Glas Wein trinken heute Abend?

Sprecher 13: Also natürlich wie immer mit Helene Bogrowski und Mick Bröker. Die sind einfach nett, das macht Spaß. Aber wenn ich mir was Neues aussuchen dürfte und Friedrich Merz da wäre, würde ich mit ihm ein Glas Wein trinken.

Sprecher 12: Und warum?

Sprecher 13: Er ist der Kanzler und ich glaube, wir haben viel vor uns. Und ich glaube, es gibt ein paar Themen, wo wir sogar Überschneidungen haben. Es gibt aber auch ein paar Themen, wo ich glaube, dass er Chancen liegen lässt. Und da würde ich gerne mal mit ihm konstruktiv drüber reden.

Sprecher 3: Zwei echte Weisen, nämlich eine echte Wirtschaftsweise und eine Bildungsweise. Nämlich die Bildungsministerin Karen Prien und Veronika Grimm, die Wirtschaftsweise. Schönen guten Abend, hallo.

Sprecher 14: Hallo.

Sprecher 3: Zwei Fragen an Sie. Nein, wir machen keine Politik. Frau Prien, worauf freuen Sie sich in der Sommerpause wirklich?

Sprecher 14: Also wenn jetzt die Parlamentsphase zu Ende ist, dann freue ich mich darauf, mit meinen Leuten im Ministerium nochmal eine Klausurtagung zu machen, damit wir dann wirklich, wenn wir wiederkommen aus der Sommerpause, voll arbeitsfähig sind.

Sprecher 3: Sie holen die aus der Sommerpause zurück für die Klausur?

Sprecher 14: Nee, wir bleiben jetzt erstmal so lange hier, bis wir richtig fit sind. Da ruhen wir uns ein bisschen aus und dann machen wir alle... Bisschen Urlaub. Ich fahre nach Frankreich, packe mir ganz viele Bücher ein.

Sprecher 3: Frau Grimm, was liest eigentlich so eine Spitzenökonomin wie Sie? Auch einfach mal einen Roman oder muss es irgendwie ein Sachbuch von irgendeinem internationalen Ökonomen sein?

Sprecher 15: Ja, ich lese schon auch mal Romane, aber vor allen Dingen lese ich ganz viel zur internationalen Politik. Ich reise auch relativ viel in Regionen, wo es politisch interessant wird und mittlerweile auch mit meiner Familie.

Sprecher 3: Einfache Ja- und Nein-Frage an Sie beide. Kann Europa ein Comeback schaffen? Wirtschaftspolitisch, international?

Sprecher 14: Ich glaube, wir haben jetzt Riesenchancen. Wenn wir sie richtig nutzen, dann kann das für uns auch die aktuelle Entwicklung auch in den USA eine große Chance sein.

Sprecher 3: Das war die Bildungsministerin und die Frau Grimm sagt was?

Sprecher 15: Ich glaube, es braucht eine extreme Kraftanstrengung, um technologisch mithalten zu können. In den USA und auch in China findet gerade eine technologische Entwicklung im Hightech-Bereich statt, der wir uns stellen müssen, um auch mitzukommen. Und das wird bedeuten, dass wir schon konsequente Reformen brauchen, vor allem bei der Regulierung, Forschung und Entwicklung, Bildung. Absolut. Total wichtig und auch das richtige Mindset, um da eben auch mitzuhalten und Schritt zu halten und Europa fit zu machen.

Sprecher 3: Ein kleiner Werbeblock. Warum sind Sie heute Abend hier, Frau Grimm?

Sprecher 15: Weil hier so viele interessante Menschen sind, weil es immer viel zu essen und zu trinken gibt und weil die Gastgeber so fantastisch sind.

Sprecher 2: Weil ich gelernt habe, dass es der entspannteste Abend ist, den es überhaupt in Berlin gibt vor der Sommerpause.

Sprecher 3: Vielen Dank, dass Sie heute da waren.

Sprecher 2: Danke, gerne.

Sprecher 3: Das war eine kleine O-Ton-Show von unserem Sommerfest. Helene und ich haben mindestens noch zwei Sommerfeste diese Woche. Eins beruflich, eins halb privat, Helene. Und wir müssen hoffen, dass die Sonne rauskommt. Ansonsten, bei Helenes Gemüt kann man nur sagen, wir feiern auch im Regen.

Sprecher 2: Ja, ob Regen, ob Sonne, ist ja egal. Das Einzige, was ich gestern Abend vermisst habe, ist, dass wir nicht so schön getanzt haben wie im Winter. Aber das wünsche ich mir jetzt schon, Michael, von dir für unser Neujahrsempfang, dass wir wieder mal zusammen tanzen.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.