Wie mit der Linken umgehen?
Am Freitag wählt der Bundestag drei neue Richter für das höchste Gericht. Wird SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf gewählt, die wegen ihrer früheren Haltung zur Impfpflicht in der Kritik steht? Mit welchen Stimmen? Alle Kandidaten brauchen eine Zweidrittel-Mehrheit im Bundestag. Die Stimmen von Union und SPD reichen damit nicht.
Bildungsministerin Karin Prien hat eine Obergrenze für Kinder mit Migrationshintergrund in Grundschulen ins Gespräch gebracht. Der Leiter des Bildung.Table, Thorsten Denkler, warnt vor pauschalen Quoten. Stattdessen plädiert er für frühe Sprachförderung und individuelle Unterstützung: „Am Ende geht es darum, das Kind aus der individuellen Perspektive anzusehen.“
Erik Podzuweit, CEO von Scalable Capital, sieht große Chancen für den deutschen Kapitalmarkt. Er sagt im Gespräch mit Alex Hofmann vom CEO.Table: „Deutschland ist außerhalb der USA und Chinas ein sehr, sehr guter Markt“ und fordert eine Reform der Altersvorsorge.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Bildungsministerin Karin Prim hält eine Obergrenze für Kinder mit Migrationshintergrund in Grundschulklassen für denkbar. Wir diskutieren mit dem Redaktionsleiter unseres Bildungstable, Thorsten Denkler, darüber, ob das wirklich umsetzbar und hilfreich wäre.
Sprecher 3: Die Dame hat ein Clown gefrühstückt. Herrlich, ich liebe sie dafür. Helene, vielen Dank für diesen ersten Themenüberblick. Jetzt komme ich. Gestern gab es viel leidenschaftliche Kritik von der Opposition im Bundestag für die Schuldenkoalition, wie es einer in der Opposition nannte. Am Freitag dürften dann allerdings Teile dieser Opposition der Bundesregierung folgen, nämlich bei der Wahl von drei Richtern in das höchste Bundesgericht. Was da hinter den Kulissen los ist, wir klären es gleich hier auf.
Sprecher 2: Aktien, ETFs, Fonds und Kryptowährungen können heute so einfach gehandelt werden wie nie zuvor, auch dank Neobrokern wie dem deutschen Fintech-Unternehmen Scalable Capital. Der neue Redaktionsleiter unserer CEO-Table, Alex Hoffmann, hat mit Erek Potzowait, dem Gründer und CEO von Scalable Capital, über die Herausforderungen und Chancen des deutschen und europäischen Kapitalmarkts gesprochen.
Sprecher 3: Es ist Mittwoch, der 9. Juli, ein Table-Feiertag, an dem wir noch auf dringendes besseres Wetter hoffen. Helene, du als Mama, braucht Deutschland eine Migrationsquote in Klassenzimmern, vor allem in der Grundschule? Denn diese Diskussion nimmt gerade Fahrt auf.
Sprecher 2: Da muss man natürlich erstmal klären, was Migrationshintergrund bedeutet. Denn das heißt ja nicht zwingend, dass die Kinder kein Deutsch sprechen. Migrationshintergrund bedeutet ja erstmal nur, dass einer der Eltern nicht in Deutschland geboren wurde. Es kann also auch die österreichische Mutter theoretisch sein. Im Regelfall haben wir es mit einer anderen Situation zu tun. Aber dass Migrationshintergrund zwingend kein Deutsch bedeutet, das ist ein Fehlschluss. Und das ist das eigentliche Problem. Kinder, die in die Schule kommen und die Sprache nicht sprechen.
Sprecher 3: Ja, in der Helene, das sehe ich ja schon mal komplett anders. Da bin ich ja sehr froh drüber, denn die Kinder mit Migrationshintergrund sind nachweislich diejenigen, die auch in den Leistungstests schlechter abschneiden. Und das kann zwingend nur mit geringeren Sprachfähigkeiten, gerade am Anfang in den ersten Jahren zusammenhängen. Seit 20 Jahren sagen das die Schulvergleiche. Die zeigen gerade im Deutschen, also beim jüngsten Grundschulvergleich, haben selbst Schüler aus Einwandererfamilien, die in Deutschland geboren worden sind, im Lesen 60 Leistungspunkte weniger erreicht. Und das ist ein Abstand, den du einfach kaum noch aufholen kannst. Deswegen ist die Debatte mehr Deutsch schon vor der Grundschule eine sehr relevante, wie ich finde.
Sprecher 2: Michael, da bin ich ganz bei dir. Das ist eine absolut relevante Frage. Kita-Pflicht, Lernen schon in der Kita, Deutschkurse in der Kita, dass man weiter... Mittlerweile als in den 80er Jahren, wo man vor der Assimilierung quasi gewarnt hat und sagte, jeder soll doch in seiner eigenen Kultur leben. Nein, Deutsch können ist die Voraussetzung für die Partizipation hier an dem Leben und das ist relevant. Aber wir müssen sehen, es gibt auch Kinder von Deutschen, die keinen Migrationshintergrund haben, die schlicht nicht gut Deutsch sprechen. Auch das ist ein Problem.
Sprecher 3: Ich erinnere mich an Carsten Lindemann, der vor vielen Jahren im Sommer mal gesagt hat, wie wäre es mit Sprachtests vor der Grundschule und notfalls muss ein Kind mal ein Jahr später in die Grundschule gehen. Ein Sturm der Entrüstung gab es, vor allem von SPD und Grüne. Heute ist das aus meiner Sicht eigentlich Konsens.
Sprecher 2: Dieser Tage hatten Karin Prien, die Bildungsministerin, einen Shitstorm geerntet, weil sie eine Quote für Kinder mit Migrationshintergrund für denkbar hielt. So hat sie in einem Interview der Frage jedenfalls nicht widersprochen. Und die Frage ist, wie soll diese Quote eigentlich berechnet werden? Wer soll das eigentlich überprüfen? Geht das rechtlich überhaupt und macht das Sinn? Darüber hat Michael Bröker mit Thorsten Denkler gesprochen, dem Chef unseres Bildungstable.
Sprecher 3: Einen schönen guten Tag. Hallo Thorsten.
Sprecher 4: Hallo Michel.
Sprecher 3: Thorsten, in manchen Grundschulen in Berlin, aber auch in Ruhrgebietsstädten oder in Baden-Württemberg ist die Migrationsquote bei 80, 90 Prozent. Also junge Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn das so ist und oft ja die Sprache Deutsch da jetzt nicht Alltag ist, kann man diesen jungen Menschen dann überhaupt Deutsch, Englisch oder Mathe beibringen?
Sprecher 4: Naja, man kann schon, wenn sich denn alle anstrengen und sich dahinter versammeln, dass Heterogenität erstmal auch was Gutes ist. Es gibt aber in der deutschen Lehrerschaft die Vermutung, dass es unbedingt Homogenität in den Klassen braucht, sonst geht kein Unterricht. Das sagen aber ganz viele Studien. Das ist leider Quatsch. Man kann auch mit Heterogenität guten Unterricht anbieten und darum können auch theoretisch alle Deutsch, Mathematik lernen, wenn man ein gutes Förderprogramm aufbaut und alle Kinder abholt.
Sprecher 3: Aber du antwortest schon auf die zweite Frage, die ich noch gar nicht gestellt habe, Thorsten. Die erste ist doch erstmal Homogenität in der Sprache. Es hat ja niemand etwas gegen verschiedene Kulturen in Klassenzimmern. Es geht darum, können die einem Unterricht folgen, wenn sie gar nicht Deutsch können.
Sprecher 4: Natürlich können sie das nicht. Die Frage ist ja am Ende, wie kann man denen helfen? Und wie früh kann man einsteigen, denen zu helfen? Also gibt es genug Förderangebote für die Kinder? Sind die Lehrer entsprechend ausgebildet? Und da passiert leider nach wie vor zu wenig. Das, was die neue Bundesbildungsministerin Frau Prien zum Beispiel will, ist ja Sprachstandserhebung machen, schon im frühen Kita-Alter, um dann die Kinder auch mit Förderprogrammen dazu zu bringen, so gut Deutsch sprechen zu können, dass sie in der Schule mithalten können. Das passiert aber noch tatsächlich zu wenig und möglich ist das aber nicht. Die meisten Länder beginnen langsam Sprachstandserhebungen zu machen, fangen auch an Förderbedarfe festzustellen. Es gibt auch schon Rückstellungen, wenn Kinder kein Deutsch sprechen können. Am Ende geht es darum, gucken wir uns das Kind aus der individuellen Perspektive an oder sagen wir pauschal, das geht nicht und die müssen alle raus. Und letzteres kann ja nicht. Der Weg sein.
Sprecher 3: Also wäre dann die Debatte um eine Obergrenze eigentlich die falsche Debatte, weil es um individuelle Förderung geht und nicht um pure Quoten, die man irgendwo einzieht?
Sprecher 4: Also diese Frage der Obergrenzen für Migranten, Kinder an Schulen kam ja jetzt auf, weil Frau Prien in einem Interview mit der Welt, ich würde sagen, aufs Glatteis geführt worden ist. Ihr wurde vorgehalten, dass es in Dänemark angeblich solche Obergrenzen gäbe. Die gibt es dort aber gar nicht. Dort gibt es eine Art Quartiersmanagement, um mit bestimmten wenigen Vierteln den Anteil von Migranten auf 50 Prozent zu senken. Das hat aber mit Obergrenzen an Schulen auch nichts zu tun. Und alle Fachleute sagen ja auch, wie soll das denn gehen? Wie soll man den Zugang von Migranten zu Schulen begrenzen, wenn es doch auch in vielen... Passdeutschen Familien und auch, wie Fipri sagt, in vielen biodeutschen Familien Schwierigkeiten mit Sprache, mit Mathematik und allem Möglichen gibt.
Sprecher 3: Das andere ist die kulturelle Frage. Es gab ja den Anlass, darüber zu diskutieren in Berlin, weil muslimische Kinder offenbar einen homosexuellen Lehrer gemobbt haben oder angegriffen haben. Und das führte zu einer Riesendebatte. Wir haben immer wieder auch Berichte über Lehrerinnen, die sich darüber beklagen, dass muslimische Schüler sie nicht mit Respekt behandeln. Wie begegnet man diesem Problem?
Sprecher 4: Also erstmal, ja, das ist so. Es gibt natürlich Schulen, in denen ein türkischer oder ein arabischer kultureller Hintergrund in der Mehrheit auf der Schule ist. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass meine älteren Kinder in Kreuzberg bei der Schule gegangen sind und da war der sogenannte nicht-deutsche Herkunftsanteil der Kinder von der einen. Jahr 50-50, im nächsten Jahr auf 80-20 gewachsen. Und dann bist du mit deutscher Sprache Minderheitenkind auf dem Schulhof, sowohl was Sprache angeht, als auch zum Beispiel, was die Art und Weise von Streitschlichtung angeht. Und das macht keinen Spaß. Da sind auch damals auch viele Kinder von muslimischen Eltern aus der Schule genommen worden, weil das nicht mehr funktioniert hat. Also das ist ein Problem und das muss auch angegangen werden. Es ist allerdings erstmal kein strukturelles Problem, das in allen Klassen, in allen Schulen Berlins ist und in einigen wenigen Schulen. Das wäre eine Frage der Schulaufsichten und der Schulämter, aber auch der Schulverwaltung in Berlin, dagegen zu steuern. Aber schwer. Es gibt ja in Berlin auch eine freie Schulwahl, weitestgehend in den Grundschulen. Wenn man das nicht abschafft wieder und wieder zurückgeht zur Einzugsschule, dann wird es schwer, das umzusetzen.
Sprecher 3: Viel zu tun bleibt jedenfalls in der wichtigsten Institution, die wir in diesem Land haben, nämlich in den Schulen. Alles das nachzulesen im Bildungstable, natürlich. Table.media slash Bildung. Schauen Sie mal rein. Vier Wochen kostenlos testen diesen Newsletter von Thorsten Denkler und seinem Team. Vielen Dank, Thorsten.
Sprecher 4: Danke dir, Michel.
Sprecher 2: Am Freitag ist ein wichtiger Tag für den Bundestag und für das Bundesverfassungsgericht, denn drei neue Richter sollen gewählt werden. Alle drei brauchen eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag. Und es ist wirklich spannend, ob und wie die zustande kommt. Denn wie wir wissen, im neuen Bundestag gibt es von den Parteien der Mitte keine Zweidrittelmehrheit mehr und die ist erforderlich.
Sprecher 3: Die CDU-CSU hat Günther Spinner nominiert, derzeit noch Richter am Bundesarbeitsgericht, gilt als fachlich sehr versierter Arbeitsrechtler und umgänglicher Typ, so war es zumindest unlängst zu lesen. Die SPD hat sich für zwei Professorinnen entschieden, Frauke Brosius-Gerstorf und Ann-Kathrin Kaufhold.
Sprecher 2: Und insbesondere gegen Frauke Brosius-Gersdorf gibt es Einwände aus der Union. Es gibt Kritik, weil das die Potsdamer Juristin immer wieder polarisierende Positionen vertreten hätte. Zum Beispiel plädiert sie für ein liberales Abtreibungsrecht und hatte auch eine ziemlich dezidierte Meinung zur Corona-Impfpflicht. Sie war dafür. Was nun für eine Professorin nicht verboten ist und auch nicht für eine künftige Verfassungsrichterin, aber gerade mit diesen Positionen hat sie Teile der Union gegen sich aufgebracht. Diese Stimmen braucht sie aber, mindestens diese Stimmen, um die nötige Mehrheit zu bekommen.
Sprecher 3: Also ich teile jedenfalls schon mal die Bedenken gegen eine Frau, die eine Impfpflicht gefordert hat, die dann ja möglicherweise Doris König ersetzen könnte, also die Vizepräsidentin. Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und, Helene, korrigiere mich, dann irgendwann theoretisch auch 2030, wenn die Amtszeit von Stefan Habert endet, auch Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts werden könnte, richtig?
Sprecher 2: Da muss ich jetzt erstmal widersprechen. Erstens gibt es eine Einigung mittlerweile, dass sie nicht Vizepräsidentin wird. Das ist jetzt der Weg nach draußen, auch der für die Union gangbar war. Zweitens würde ich wirklich sagen, mit der Impfpflicht. Ich kann jetzt sagen, ich war schon immer gegen eine Impfpflicht und sage das jetzt aber nicht von wegen, habe immer schon gesagt, damit macht man sich bekanntermaßen keine Freunde. Aber ich erinnere daran, Michael, wie große Teile dieses Landes und eine große Mehrheit im Deutschen Bundestag für eine Impfpflicht war. Das waren nicht nur die Ampelparteien, sondern auch Teile der CDU waren klar dafür. Es war damals Konsens. Es gab zahlreiche Leitartikel in großen Zeitungen, die gesagt haben, wir kommen um eine Impfpflicht nicht herum. Ansonsten haben wir zu viele Ungeimpfte. In den Jahren 2021, 2022 war das die breite Mehrheit. Jetzt wollen wir alle oder viele jedenfalls sich daran nicht erinnern. Aber die Wahrheit ist. So haben es damals viele gesehen. Rückblickend sieht man es jetzt anders. Aber dieser Frau das jetzt aufs Brot zu schmieren, weiß ich nicht. Und drittens haben wir auch andere Menschen am Bundesverfassungsgericht, die mal politische Positionen vertreten haben. Schon deswegen, weil sie mal Politiker waren. Ich sage nur den Namen Stefan Habert oder auch Peter Müller, den ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten.
Sprecher 3: Also ich, um das mal hier festzuhalten, war immer stringent, gestringent und klar und werde es mein Leben lang sein gegen eine Impfpflicht, egal für was. Jetzt aber trotzdem nochmal zurück zu dieser Wahl. Und da wird es knifflig, denn die Union, die hat jetzt zugestimmt, da hast du recht. Und sie hat einen kleinen Trick angewandt, dass man jetzt erstmal am Freitagmorgen ihren Kandidaten wählen soll, Herrn Spinner. Und der hat angeblich auch noch zur Unterstützung von der AfD, aber auch bei den Linken, so hat es mir gestern zumindest ein linken Fraktionsmitglied gesagt, gibt es Zustimmung zu diesem Mann, sodass der wahrscheinlich sicher durchgeht. Und die Union will natürlich gucken, geht ihr Kandidat durch, bevor sie sich dann eventuell doch nochmal anders entscheidet. Und bei den Linken und Grünen hat man dann auch noch den Eindruck gewonnen, dass die beiden Sozi-Kandidatinnen durchaus auf Zustimmung stoßen. Insofern wahrscheinlich geht es einfach so durch, oder?
Sprecher 2: Es sieht wohl danach aus, dass das jetzt durchgeht. Und wir haben es aber trotzdem mit einer schwierigen Situation zu tun. Denn eine Zweidrittelmehrheit ist nötig und die wird eben von den Parteien der Mitte nicht mehr gestellt. Das heißt, man braucht die Zustimmung der Linken, weil man auf die AfD nicht angewiesen sein will, auch die Union nicht. Das heißt, die Union muss sich nun wirklich Gedanken machen, was wird aus den Unvereinbarkeitsbeschlüssen. Und wir sehen ziemlich klar, dass was man noch dachte, kurz vor der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags, dass man das verhindern könne, Abstimmung mit der Linken, indem man die Verfassungsänderung noch schnell vorher mit den alten Mehrheiten im alten Bundestag beschlossen hat. Dieses Problem stellt sich jetzt bei der Verfassungsrichterwahl. Es wird sich aber auch bei der Reform der Schuldenbremse, über die ja noch diskutiert werden soll und sicherlich auch noch an vielen anderen Stellen stellen. Das heißt, die Union wird von ihren Unvereinbarkeitsbeschlüssen immer wieder eingeholt.
Sprecher 3: In diesem Fall musste sie zumindest keine echten formalen Gespräche führen. Die Linken haben das wohl jetzt auch nicht mehr wirklich gefordert. Freitag gibt es nochmal eine Fraktionssitzung, am 8. Über der Linkspartei. Aber die werden das so mitgehen ohne formale Gespräche. Aber du hast völlig recht, bei der Schuldenbremsenreform, die ja dieses Jahr noch entschieden werden soll, da wird es am Ende nicht ohne formale Gespräche gehen. Ich bin gespannt, wie die Union da rauskommen will.
Sprecher 2: 8.000 Aktien, mehr als 2.700 ETFs und über 3.800 Fonds können bei dem deutschen Fintech Scalable Capital gehandelt werden. Aktuell verwaltet das Unternehmen ca. 30 Milliarden Euro und die Tendenz steigt. Gerade jüngere Menschen nutzen die App. Um ihr Geld an den Börsen dieser Welt anzulegen. Das ist auch richtig, so sagt jedenfalls Erik Potzowait, der Gründer und CEO von Scalable Capital. Gerade mit Blick auf das Rentensystem müsse der Kapitalmarkt viel stärker in den Fokus gerückt werden. Alex Rufmann, der Redaktionsleiter unseres CEO-Table, hat mit ihm über die Vor- und Nachteile des Standorts Deutschland für Fintech-Unternehmen gesprochen und warum ein Start-up-Gründer sich so vehement für eine Rentenreform einsetzt.
Sprecher 5: Herr Potzowait, herzlich willkommen hier bei Table Briefings im Podcaststudio.
Sprecher 3: Vielen Dank, Herr Hofmann.
Sprecher 5: Herr Potzowait, bei Ihrem Fintech Scalable Capital können Kundinnen und Kunden ihr Geld in Sparpläne anlegen. Aktien, ETFs, Krypto sogar auch. 155. 10 Millionen hat ihr Fintech gerade bekommen. Das ist zwar nicht die größte Startup-Finanzierung in diesem Jahr in Deutschland, dennoch eine beachtliche Summe und vor allem die größte, die sie je bekommen haben. Was macht man mit so viel Geld?
Sprecher 6: Wir legen es erstmal auf die eigene Bilanz, stärken damit sozusagen unsere Bilanz, unser Geschäft und werden das dann in Wachstum investieren, aber auch in mehr Mitarbeiter. Wir gehen ja in weitere Märkte außerhalb Deutschlands und stärken damit das Geschäft. Aber der Großteil des Geldes ist wirklich einfach, um weitere Sicherheit und ein gutes Polster zu haben. Der Kapitalmarkt war jetzt wieder in einer Art und Weise sozusagen gut genug, dass man ein schönes Kapital aufnehmen kann. Das haben wir dann recht opportunistisch genutzt.
Sprecher 5: Viel Wettbewerb, viele Wettbewerber. Wie positioniert man sich da? Trade Republic wirbt ja sehr viel mit Einstiegspreisen für Leute, die zum ersten Mal Geld anlegen. Scalable Capital typischerweise ein bisschen in der Riege oben drüber. Gleichzeitig fallen sie mit sehr aggressiver und auch provokanter Werbung auf. Wie genau sieht die Zielgruppe von Scalable Capital aus?
Sprecher 6: Also wir wollen in der Zukunft natürlich das immer weiter ausweiten und eigentlich jeden erreichen. Aktuell würde ich beschreiben, ist unsere Zielgruppe, wir nennen die so Smart Busy Professionals. Das sind typischerweise Menschen im Altersdurchschnitt Mitte 30, also nicht ganz jung, aber auch noch nicht Private Banking Durchschnittsalter. Die sind auch sozusagen, meistens haben die ein gutes, Bildungsniveau, ein gutes Einkommen, sind noch nicht vermögend. Im englischen Begriff werden die oft als Henrys bezeichnet. High earning, not rich yet. Das ist zumindest in den letzten Jahren, würde ich sagen, so eine Zielkundschaft gewesen. Das wird jetzt immer weiter ausgeweitet. Wir haben ja jetzt auch nicht nur Anlageprodukte, sondern wir bieten auch Zinsen. Also EZB-Zinsen, Konditionen werden weitergereicht. Das vergrößert die Zielkundschaft nochmal deutlich. Wir werden Kinderkarten anbieten und Pensionsprodukte anbieten. Und damit gehen sie dann automatisch noch in viel breitere Kundschaften. Aber die bisherige war schon, wenn man es sozusagen ein bisschen fokussierter betrachtet, waren diese Smart Busy Professionals.
Sprecher 5: Die deutschen Henrys also.
Sprecher 6: Die deutschen Henrys, genau.
Sprecher 5: Herr Porzowait, Sie haben sich in der Vergangenheit immer durchaus positiv über Deutschland als Standort auch für Fintech-Startup wie Ihres ausgesprochen. Jetzt sind Sie im ersten Halbjahr schon von Verbraucherschützern abgemahnt worden, mussten sich Kritik von der BaFin gefallen lassen. Hat das Ihre Meinung geändert?
Sprecher 6: Also Kritik von der BaFin haben wir eigentlich nicht gekriegt. Verbraucherschützer, das hat sich geklärt. Da gab es eine Unterseite, wo wir vergessen hatten, dass der Zins variabel ist. Das haben wir dann korrigiert und das passte dann. Also im Grunde arbeiten wir da sehr, sehr gut mit der BaFin und auch den Verbraucherschützern zusammen.
Sprecher 5: Heißt aber mit den Marktbedingungen generell in Deutschland und auch der Politik sind Sie einverstanden?
Sprecher 6: Ja und nein. Also ich lobe Deutschland dahingehend natürlich immer, dass ich sage, Deutschland ist außerhalb, also wenn ich jetzt ein Start-up gründe, ist... Deutschland außerhalb der USA und außerhalb Chinas. Ein sehr, sehr guter Markt. Ist die größte Volkswirtschaft in Europa und oft reden wir uns ja so klein. Wir sind zwar ein kleines Land, man kann es mit dem Auto von links nach rechts und oben nach unten in einem halben Tag durchfahren. Wir stellen auch nur, was ist es, halbes Prozent der Weltbevölkerung oder vielleicht ein Schnaps mehr. Wir sind aber die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde. Und wir sind auch ein Land, das meiner Meinung nach viel technologieoffener ist, als das oft dargestellt wird. Wir sind auch ein Land, wo wir, das ist ja, wenn Sie ein Unternehmen aufbauen, sehr, sehr wichtig, nicht nur Kunden zu gewinnen, sondern gute Mitarbeiter zu gewinnen, wo sehr viele internationale Talente, gerade in dem technischen Bereich, nach Deutschland kommen wollen mittlerweile. Also als ich das Studium fertig hatte, 2005, 2006, da war es eher so, dass man ins Ausland gegangen ist und nach Amerika oder sonst wohin und nach Asien. Und mittlerweile hat sich das gedreht, ja, Teil vielleicht geopolitisch bedingt, aber Teil auch, weil die Leute Deutschland... Ja cool finden, eine Stadt wie Berlin oder auch München cool finden, man mittlerweile auch englischsprachig hier voll und ganz leben kann und mieten und arbeiten kann und alles. Und von daher ist das Gesamtkonstrukt eigentlich gut. Die Politik kann noch sehr viel besseren Job machen. Also es funktioniert eigentlich nicht wegen der guten Politik, sondern trotz der guten Politik einigermaßen gut. Da habe ich natürlich eine ganze Liste an Ideen und Forderungen, wenn man es mal ganz konkret mal runterbricht für unseren Bereich. Wir brauchen eine Reform des generell des Rentensystems und wir brauchen Insbesondere eine, nochmal ein bisschen spitzer formuliert, eine Riester-Reform. Also wenn der Staat Steuervergünstigungen für private Altersvorsorge gewährt, das gibt es nur für Versicherungsprodukte, Riester-Röhr-Produkte, das sind schlechte Produkte, die sind teuer, die sind intransparent, die haben 20 Jahre keine Rendite gebracht. Und da muss dringend ran. Und da vermisse ich wirklich den Zug zum Tor. Da hört man eigentlich viel zu wenig für ein so, so großes und wichtiges Thema.
Sprecher 5: Was kann und muss Deutschland und vielleicht auch Europa da noch besser machen?
Sprecher 6: Wir müssen diese Phrase fast schon der Entbürokratisierung, die eigentlich seit 20 Jahren genannt wird, das müssen wir wirklich mal ernst nehmen. Also im Finanzbereich ist es besonders drastisch, denn 90 Prozent der Regeln und Vorgaben und Gesetze, die uns betreffen, die kommen ja gar nicht mehr aus Berlin, die kommen aus Europa, die kommen aus Brüssel. Dort ist stark überreguliert worden. Man hat eigentlich eine Regulierungsmaschine geschaffen. Das hat ja Draghi auch in seinem Report beschrieben. Und wir erleben jetzt den Druck von außen, gerade sozusagen aus der westlichen Welt kommt. Und wie gesagt, der Draghi-Report hat es selber gesagt. Dieser Begriff wird auch oft in den Mund genommen. Frau von der Leyen hat selber gesagt, wir müssen entbürokratisieren, uns genauer anschauen, welche Reporting-Verpflichtungen Sinn machen und welche nicht. Aber es muss jetzt halt mal gehandelt werden. Meine Angst ist da auch. Man erwähnt das halt mehrmals in... Podcasts oder in Presseinterviews und damit ist dann eigentlich dereguliert worden. Und man muss an grundsätzliche Sachen ran. Und das ist nationalstaatlich, aber vor allem für den Finanzbereich geht das nicht ohne Europa. Mein Grundwunsch wäre eigentlich, es kommen jetzt mal drei oder vier Jahre gar keine neuen Regeln. Wir haben genügend Regeln. Wir haben auch, wenn man die mal anständig durchsetzen würde, dann ist das ausreichend reguliert. Und man schaut sich wirklich eigentlich an, was kann weg, wie kann man es verschlanken. Also ich höre ja immer wieder die Forderung, wenn man auf so Panelen sitzt, Mensch, wir haben zu wenig Börsengänge und den Unternehmen, denen wird zu wenig Kapital zugeführt. Dann ist, wenn da auch Regulatoren dann sitzen, dann drehe ich mich manchmal dazu und sage, naja, welche Regel, insbesondere europäische Regel, kam denn in den letzten zehn Jahren aus Brüssel, die es mir einfacher macht, ein börsengelistetes Unternehmen zu sein? Und dann schauen sie fast in peinlich berührte Gesichter in so einer Runde. Und das muss sich grundlegend ändern.
Sprecher 5: Jetzt haben Sie darüber gesprochen, die Reglementierung kommt aus Brüssel, aber was kann denn Deutschland tun, um den Kapitalmarkt besser zu stärken?
Sprecher 6: Also Deutschland hat ja die Steuerhoheit, so wie jedes europäische Land, die Steuergesetzgebung, das ist national. Und da haben wir einen gigantisch großen Hebel. Und da könnte die Politik... Also ich mal anschauen, wie das in anderen Ländern läuft, denn dort gibt es neben der sozusagen, ich habe mein Geld schon mit Einkommensteuer bezahlt, belastet bekommen und dann muss ich Miete zahlen und das bisschen, was übrig bleibt, kann ich investieren. Da haben andere Länder sich das angeschaut und geben sozusagen die Möglichkeit, aus Vorsteuergeld zu investieren und für einkommensschwächere Familien gibt es sogar Top-Ups. Und das ist... zu nehmen, das gibt es in Deutschland auch schon, aber das gibt es rein auf der Versicherungsseite, diese sogenannten Riester und Rürup-Produkte. Und da brauchst du eine große Reform, wo ich, mal ganz einfach gesagt, in ein ETF-Depot oder ein breit gestreutes Aktiendepot die gleichen Vorteile genießen kann, die ich heute mit Riester und Rürup genießen kann. Da muss dringend dran. Das lag interessanterweise schon mal auf dem Tisch im November. Altersvorsorgedepot hieß es damals unter der Ampel. Die Ampel fiel dann leider auseinander, aber das muss eigentlich wieder auf den Tisch. Man könnte sogar das Altersvorsorgedepot sich vornehmen und meiner Meinung nach eigentlich wie vorgeschlagen in Gesetzestext gießen. Da muss reingegangen werden.
Sprecher 2: Herr Potzowait, herzlichen Dank.
Sprecher 6: Bitte.
Sprecher 3: Helene, war noch was?
Sprecher 2: Die Politik hat jetzt den Investitionsbooster beschlossen, aber auch die Wirtschaft regt sich und will jetzt selber was auf die Beine stellen und nicht warten, bis die Politik die Dinge regelt. Dutzende deutsche Konzerne haben sich zu einer Investitionsallianz zusammengeschlossen. Es sollen neue Werke gebaut, Anlagen modernisiert und neue Produkte entwickelt werden. Hunderte Milliarden Euro sollen aus der Wirtschaft in den Standort fließen. Es könnte sein, dass das schon eine erste Hebelwirkung ist, die wir sehen, dass öffentliche Geld, das ausgegeben wird, die Schulden, die gemacht würden, setzen offenbar privates Kapital frei. Das wäre jedenfalls mal die positive Lesart dieser Geschichte.
Sprecher 3: Ja, und Lars Klingbeil dürfte sich freuen, der sich selbst ja Investitionsminister nennt. Das ist eine Art inoffizieller Wirtschaftsrat, der sich da gründet. Unter anderem übrigens die Deutsche Bank mit Christian Seewing dabei. Denn das kann genau diese Aufbruchstimmung natürlich erzeugen, die er haben möchte. Mehr Investitionen im Land. Ich bin gespannt, ob es funktioniert. Vielleicht erleben wir doch noch einen Sommer des Aufbruchs in diesem Land. Zu wünschen wäre es uns.
Sprecher 2: Es wäre ganz toll. Lass uns darauf hoffen. Die Grenzenlosigkeit, wie schön oder höchstens der Himmel ist die Grenze, die Weite des Himmels. Und kommen Sie gut durch den Tag und bis Donnerstag. Tschüss.
Sprecher 3: Tschüss.
Sprecher 7: After realizing I'm the master of enterprise and I ain't have to be in school by 10, I then began to encounter with my counterpart to how to burn the block apart. Break it down into sections. Drugs by Z selection. Some use pipes, others use injections. Syringe sold separately. Frank the deputy. Quick to grab my Smith& Wesson like my dick was missing. To protect my position, my corner, my layer. While we out here, say the hustlers pray up. If the game shakes me or breaks me, I hope it makes me a better man. Take a better stand. Put money in my mom's hand. Get my daughter this college plan so she don't need no man. Stay far from timid. Only make moves when your heart's in it. And live to pray sky's the limit. Motherfucker. See you chumps on top.
Sprecher 8: Do you keep on? Just keep on pressing on. Sky is the limit. You're moving on. Can I watch you? No, baby.