Der deutsch-polnische Grenzstreit
Dauer: 20:32

Der deutsch-polnische Grenzstreit

Friedrich Merz wollte die Beziehungen zu Polen verbessern, doch einseitige deutsche Grenzkontrollen haben die polnische Seite verärgert, die jetzt ihrerseits kontrolliert. 

Der polnische Journalist Bartosz Wieliński erklärt die Grenzkontrollen mit der innenpolitischen Situation in Polen: „Die antideutsche Propaganda der PiS hat wirklich unglaublichen Ausmaß erreicht“. Er sieht die historische Last weiter als den Grund für Misstrauen: „Die Narben sind noch zu sehen in Polen und es wird noch lange dauern, bis sie verschwinden.“


Nicht einmal die Hälfte der Leistungen in der öffentlichen Verwaltung sind digitalisiert, Digitalminister Karsten Wildberger soll nun Tempo machen. Staatssekretär Philipp Amthor kündigt an: „Wir wollen und wir müssen Tempo aufnehmen“. Im September soll die Digitalisierungsstrategie auf der Kabinettsklausur in Meseberg präsentiert werden.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Friedrich Merz wollte das Verhältnis zu Polen verbessern, das unter Olaf Scholz doch sehr angespannt war. Doch die einseitigen Grenzkontrollen haben Donald Tusk verstimmt und jetzt antwortet der Nacht seinerseits mit Kontrollen. Wir sprechen mit dem Vize-Chefredakteur der Gazeta wie Borja, Bartosz Wilinski.

Sprecher 3: Erst 245 von 575 Bürgerdienstleistungen sind digitalisiert. Digitalminister Carsten Wildberger soll nun endlich Tempo machen beim Umbau des Staates, beim effizienten Umbau des Staates. Und er bekommt von Kanzler Merz nach unseren Informationen nach der Sommerpause dafür sogar eine eigene Bühne, nämlich die Tagesordnung auf der Kabinettsklausur in Meseberg. Helene hat aber gestern schon mal mit dem Staatsmodernisierungsstaatssekretär Philipp Amthor darüber gesprochen, was da eigentlich geplant ist.

Sprecher 2: Und zum Abschluss geht es in den Sommer hinein. Unsere persönliche Hitliste der politischen Sommerfeste in Berlin von Michael und mir.

Sprecher 3: Es ist ein kühler Dienstag, der 8. Juli.

Sprecher 2: Michael, wir reden über Polen, unsere Freundschaft zu Polen, das Weimarer Dreieck, da wollte Friedrich Merz ansetzen, aber nicht nur nach Frankreich gucken, sondern eben auch in den Osten gucken. Da gibt es ja noch einiges aufzuarbeiten, ein schwieriges Verhältnis, natürlich historisch sehr belastet, aber er wollte Deutschland in die Mitte rücken und mit beiden Nachbarn arbeiten und was ist jetzt?

Sprecher 3: Für mich das Vermächtnis von Hans-Dietrich Genscher, der dieses Weimarer Dreieck 1991 quasi begründet hat mit dem deutsch-polnischen Vertrag. Und ich bin ja der Meinung, Helene, man müsste wirklich auf Augenhöhe gehen und auch in eine Äquidistanz zu diesen beiden Partnern. Wir haben den Polen mindestens so viel angetan wie den Franzosen und die sind so etwas wie der Wachstumstreiber im Osten. Sie sind auch Sprachrohr für die kleineren osteuropäischen Länder. Aber all das ist gerade ein bisschen schwierig geworden, denn unsere einseitigen Grenzkontrollen, schönen Gruß an Herrn Dobrin, die gefallen den Polen gerade gar nicht.

Sprecher 2: Ja, natürlich ist es mit den Polen auch immer etwas schwierig gewesen. Jedenfalls mal seit die rechtsnationale PiS-Partei dort an der Macht ist. Mit einerseits natürlich den Repräsentanten Kaczynski, aber jetzt auch mit dem neuen Präsidenten Nawrotski. Das ist schon auch eine sehr antideutsche Stimmung, die wir da aus Polen zu hören bekommen. Auch jenseits der Grenzkontrollen. Aber die Polen suchen natürlich auch die Dinge, die mit den Deutschen schwierig sind. Und deswegen ist es gar nicht so leicht für eine Regierung, die mit Polen zusammenarbeiten will, immer wieder Ansatz. Punkte für eine Kooperation zu finden. Aber ja, Streitthema ist jetzt die Migration.

Sprecher 3: 52 Grenzübergänge werden jetzt von beiden Seiten aus kontrolliert. Also eigene polnische Grenzer stehen da jetzt wieder neben den deutschen Grenzern wie früher. Keine schönen Aussichten für natürlich die Pendler, für Touristen, aber auch vor allem natürlich für die Unternehmen, die zwischen Polen und Deutschland hin und her müssen. Mal schauen, wie lange das gut geht. Was ist da los? Das wollten wir von dem Vize-Chefredakteur der Gazeta Wibocza wissen, Bartosz Wilinski. Wir haben ihn gestern erreicht. Einen schönen guten Tag. Hallo Bartosz.

Sprecher 4: Ja, hallo, guten Tag.

Sprecher 3: Zunächst mal als Einschätzung, wie würdest du das deutsch-polnische Verhältnis gerade beschreiben?

Sprecher 4: Problematisch, würde ich sagen. Wie immer. Also nichts Neues an der Oder.

Sprecher 3: Aber die aktuellen Grenzkontrollen der polnischen Beamten an 52 Grenzübergängen, ist das jetzt eine Retourkutsche gegenüber den deutschen Grenzkontrollen oder ist das wirklich eine Maßnahme, um Schlepper ausfindig zu machen?

Sprecher 4: Beide Antworten sind korrekt, aber es gibt noch eine dritte Antwort. Das ist durch polnische Innenpolitik verursacht, weil in Polen versucht jetzt die Opposition, die Regierung da heftig anzugreifen mit einem Vorwurf, die Deutschen lassen unkontrolliert Migranten nach Polen. Durch die polnische Regierung nimmt keine Gegenmaßnahmen, weil die polnische Regierung eine Agentur der Deutschen ist, Volk und Deutsche spüren und so weiter. So ein Quatsch erzählt jetzt Kaczynski und seine Partei. Und um es zu bewiesen, dass die Grenzkontrolle streng ist und dass die Regierung die Sache ernst nimmt, hat der Ministerpräsident Donald Tusk die Grenzkontrollen befohlen. Das betrifft nicht nur die Grenze mit Deutschland, sondern auch die Grenze mit Litauen. Und an der Grenze mit Litauen wurde die erste Schleppe verhaftet.

Sprecher 3: Ah ja, okay. Nochmal zurück zum deutsch-polnischen Verhältnis. Kanzler Merz hat ja versucht, eng mit Donald Tusk zusammenzuarbeiten, hat aber dann eben seinen Innenminister kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Polen diese einseitigen Grenzkontrollen zugelassen. Waren die wirklich eine Ursache für die Wahl des rechtskonservativen Präsidenten?

Sprecher 4: Nein, ich glaube nicht. Es gab mehrere Fehler, die begangen wurden vom Wahlkampfteam von Rafał Szafkowski. Ich wäre wirklich froh, wenn die Deutschen in diesem konkreten Fall Schuld zu tragen hätten. Aber das ist nicht so. Aber es muss auch ganz deutlich gesagt werden, es ist auch Polens Schuld. Weil als Bischregierter lassen die polnischen Grenzbeamte alle, die nach Polen gelangen. Es wurde geduldet, dass die Migranten über Polen nach Deutschland gehen, tausendfach. Und davon wussten die polnischen Behörden, die PiS-Regierung davon wusste und machte nächste Wege.

Sprecher 3: Trotzdem ist ja erstaunlich, dass Donald Tusk im Wahlkampf auch keine Termine mit März machen wollte oder in Deutschland. Kann man mit Deutschland Kritik und Deutschland Skepsis in Polen Wahlen gewinnen?

Sprecher 4: Ja, gewinnen nicht, aber kann man mit Deutschland Freundschaft, da die Wahlen verlieren. Und das ist auch ja bewiesen, der Donald Tusk war die erste Opfer vor einer russischen Spaltung. Musskampagne in 2005. Es ist ihm nicht gelungen, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen, weil sein Großvater frankfurterweise im deutschen Wehrmacht einberufen wurde während des Zweiten Weltkrieges. Er starb als sein Großvater im Konzentrationslager Stutthof. Und dann wurde er an die Front geschickt als Kanonenbruder im deutschen Uniform. Und das reichte für viele polnische, sogenannten Patrioten, den Donald Trump als Deutsche zu bestempeln. Und das funktioniert bis heute. Die antideutsche Propaganda der PiS hat wirklich unglaubliche Ausmaße erreicht. Also das ist wirklich zu kurz, was diese Leute erzählen. Wenn man mit den PiS-Leuten heimlich unter die Augen spricht, sie loben zum Beispiel Angela Merkel als die beste Betreuerin der kleineren Staaten in der EU, als die wahre Europäerin. Aber in der Öffentlichkeit, die Befürchtung Angela Merkel als Verräterin Europas und russischer Agentin, also Deutschland war es in Kohlen furchtbar als in anderen politischen Mitteln, also effektiv.

Sprecher 3: Warum verfängt das immer noch so? Warum verfängt das bei den Leuten?

Sprecher 4: So, ich bin gesticht.

Sprecher 3: Immer noch.

Sprecher 4: Die Deutschen haben die Polen überfallen. Immer noch. 6 Millionen Polen ermordet, Holocaust, Zerstörung der Warschau. Die Namen sind noch zu sehen in Polen und es wird noch lange dauern, bis die Namen verschwinden. Ja, 30 Jahre durch Warschau zu spazieren und all diese Orte, wo die Deutschen jemanden ermordet hatten oder jemanden. Dutzende Menschen hier, Dutzende Menschen dort, 100 bombardiert, 200 erschossen. In Deutschland gibt es diese Stolpersteine an der Straße, wo irgendwo die Juden oder andere auch für das Ernährungsleben in Polen, macht es keinen Sinn, die Stolpersteine einzurichten, weil das zu viele. Und hingekommen sind oder ermordet wurden.

Sprecher 3: Die historische Schuld der Deutschen ist eindeutig und wir von unserer Seite sollten alles tun, um diese Aussöhnung jeden Tag aufs Neue hinzubekommen. Vielen Dank für diese Einschätzung aus Polen. Das war Bartosz Wiedinski, Journalist von unserer Kolleginnen und Kollegen der Gazeta Wiborcza. Vielen Dank für diese Eindrücke.

Sprecher 4: Ja, bitte, gut, danke.

Sprecher 2: Deutschland soll endlich digital werden. Das jedenfalls ist der Vorsatz der schwarz-roten Bundesregierung. Ein eigenes Ministerium gibt es dazu. Also erstmal wird Bürokratie aufgebaut, um Bürokratie abzubauen. So ist der Witz, der über dieses Haus erzählt wird. Aber ein bisschen Wahrheit ist doch wohl auch dran. Tatsächlich ist das Haus noch im Aufbau, ist also noch ganz schön mit sich selbst beschäftigt, hat aber sehr, sehr viel Arbeit vor der Brust. Denn von den 570 Bürgerleistungen, die der Staat anbietet, sind erst ungefähr ein Drittel digitalisiert. Dabei sollte das Ganze doch schon 2022 fertig sein. Wenn das in dem Tempo weitergeht, dann sind wir bei dem 100-Prozent-Ziel erst im Jahr 2040. Also in Deutschland, so ist unsere Erfahrung, gehen die Dinge langsam und schnell geht es nur da, wo Bürokratie aufgebaut wird. Also Stichwort Lieferketten, Sorgfaltspflichtengesetz und anderes. Philipp Amthor war gestern bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und hat seine Ideen präsentiert für einen modernen Staat, für einen digitalen Staat. Wie soll das eigentlich alles funktionieren? Ich habe mit ihm am Rande der Veranstaltung gesprochen. Einen schönen guten Tag, Herr Amthor. Schönen guten Tag, hallo. Sie sollen im September, so ist zu hören, in Schloss Meseberg Ihre Pläne vorstellen für die Digitalisierung und Entbürokratisierung dieses Landes von 5. die dort auf dem Tisch liegen, ist die Rede. Verraten Sie uns doch mal mindestens zwei an dieser Stelle.

Sprecher 5: Ach, Sie machen es mir aber auch nicht leicht. Ich würde sagen, wenn es eine schafft, hier Regierungsgeheimnisse zu entlocken, dann werden Sie es. Aber ich muss doch sagen, da liegt noch der Mantel des Geheimen und des Abstimmens drüber. Die Tagesordnung für Meseberg ist noch nicht klar und wir stimmen uns da auch noch ab. Wichtig ist aber, Meseberg ist erstens immer gute Atmosphäre für wichtige und wegweisende Beschlüsse für die Bundesregierung. Aber ganz unabhängig davon haben wir unsere Pläne, das steht ja auch im Koalitionsvertrag, die Modernisierungsagenda für Deutschland vorzulegen. Wesentliche Punkte ergeben sich aus dem Koalitionsvertrag. Das betrifft die Frage Behördeneffizienz. Personal, anderes mehr. Bleiben Sie gespannt. Meseberg wird spannend, danach wird spannend, unser Ministerium liefert.

Sprecher 2: So leicht lasse ich Sie jetzt aber nicht von der Angel, Herr Amthor, sondern konfrontiere Sie damit, dass eigentlich schon Ende 2022 die Verwaltungsdienstleistungen digital sein sollten. Und jetzt haben wir den deprimierenden Stand, dass nur ein Drittel davon digital verfügbar ist. Und wenn das in dem Tempo weitergeht, dann dauert es bis 2040. Verraten Sie uns, wie soll das beschleunigt werden, dass das Online-Zugangsgesetz, das schon in Kraft ist, endlich Wirkung entfaltet?

Sprecher 5: Ich könnte mir jetzt zunächst einen schlanken Fuß machen und darauf hinweisen.

Sprecher 2: Sollten Sie nicht tun?

Sprecher 5: Das mache ich auch nicht. Ich will nur trotzdem unterbringen, dass der Bund seine Verpflichtungen für die Digitalisierung schon... erfüllt hat. Also die Verwaltungsleistungen des Bundes, die sogenannten OZG-Leistungen, die sind umgesetzt. Aber, und deswegen sagte ich, ich könnte mir einen schlanken Fuß machen, mache es aber nicht. Natürlich ist die große Aufgabe der föderalen Verwaltungsdigitalisierung eine riesen Herausforderung, die sehr viel lebensnah ja auch ist in den Verwaltungsleistungen als manche Bundesleistungen. Deswegen hat das auch eine Top-Priorität für unser Ministerium, auch für Bundesminister Carsten Wildberger. Und da haben wir jetzt auch ausgegeben, dass wir mehr Tempo machen wollen für die Bündelung auch. Denn das muss aus meiner Sicht zentral sein, dass wir es schaffen, dass diejenigen die gute Lösungen haben, die dann auch auszurollen für andere. Und Bündelung heißt übrigens nicht immer nur Bündelung beim Bund und der Bund erledigt alles für alle, sondern das kann auch Bündelung bei einzelnen Bundesländern bedeuten. Wichtig ist, wir wollen und wir müssen Tempo aufnehmen und diese Zahlen irgendwo bis 2040, das ist nicht unser Zeithorizont. Wir wollen mehr Tempo aufnehmen.

Sprecher 2: Glauben Sie denn in puncto Bündelung ernsthaft, dass Markus Söder jemals bereit wäre, ein IT-Tool, das in Schleswig-Holstein entwickelt wurde, anzuwenden?

Sprecher 5: Also ich würde jedenfalls sagen, im ganzen Bereich Staatsmodernisierung und Verwaltungsdigitalisierung ist Bayern sehr, sehr vorbildlich. Und wenn da andere auch gute Lösungen entwickeln, habe ich auch Bayern immer als diskussionsoffen genommen. Aber ich sage es mal so, wenn alle so ein Tempo an den Tag legen würden bei Staatsmodernisierungs- und Bürokratierückbau-Dingen, wie das die bayerischen Kollegen machen, dann wären wir auch einen guten Schritt weiter.

Sprecher 2: Herr Amthor, Sie fordern zu Recht einen Pragmatismus ein, dass man auch man nochmal zusammenarbeitet zwischen den Ländern. Jetzt haben wir das Problem auch im Bund, dass immer noch die Minister und Ministerinnen untereinander darum zerren, wer eigentlich welche Zuständigkeit bekommt, insbesondere bei ihrem Haus, das ja neu aufgebaut wird. Ist jetzt die Rede davon, dass das IT-Zentrum des Bundes doch jetzt im BMF bleibt, obwohl es eigentlich in ihr Haus rüber wechseln sollte oder auch nicht? Ein elendes Gezerre von außen betrachtet, guckt man sich das an und denkt, wollte diese Regierung nicht schnell zur Sache kommen und sich nicht mit sich selber beschäftigen? Was sagt das über diese Regierung?

Sprecher 5: Also von Gezerre und großen Feindseligkeiten, wie wir sie ja auch in den letzten Jahren in manchen Regierungen erlebt haben, sind wir Gott sei Dank weit weg. Wir sind in der Tat in harten Verhandlungen um Verwaltungsvereinbarungen. Da gibt es auch durchaus unterschiedliche Interessen, mal der einzelnen Ressorts. Aber ich sehe schon das gemeinsame Interesse aller Beteiligten, dass wir das umsetzen, was wir uns im Koalitionsvertrag vorgenommen haben. Und da haben Sie es richtig angesprochen. Das werden wir natürlich nicht erreichen, wenn wir uns nur mit uns selbst und Ressortstreitigkeiten beschäftigen, sondern dafür müssen jetzt Entscheidungen getroffen werden. Aber ich will auch mal sagen, es gibt keinen Grund für Kritik an den Zeitabläufen jetzt, denn wir sind gerade mal 70 Tage jetzt im Amt in der neuen Bundesregierung und dafür sehr, sehr, sehr weit, auch mit dem Aufbau dieses Ministeriums. Und ich sehe, dass wir da auch sehr breite und gute Unterstützung aus den anderen Häusern erfahren. Und das muss auch so sein, denn Bürokratie, Rückbau und Digitalisierung, die gehen nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Und dafür machen wir richtig Tempo.

Sprecher 2: Bleibt das ITZ-Bund beim BMF? Oder kommt es zu Ihnen?

Sprecher 5: Es gibt da zum Organisationsanlass des Bundeskanzlers eine sehr klare Formulierung und die gilt auch für uns.

Sprecher 2: Das muss auch noch Lars Klingbeil und seine Leute so sehen. Herr Amthor, Sie wollen einen Personalabbau von 2% pro Jahr schaffen, insgesamt 8% in dieser Legislaturperiode. Nun sollen in diesem Jahr aber nur 0,5% erreicht werden nach den bisherigen Plänen. Wie wollen Sie das bis zum Ende der Zeit schaffen?

Sprecher 5: Wir haben da eine klare, denkbare Rechenzerlegung vorgenommen. Wenn es jetzt 0,5 Prozent sein sollen dieses Jahr in der Personaleinsparung, dann verbleiben drei weitere Jahre. 2,5 Prozent wäre dann die jeweils pro Jahresscheibe richtige Zahl. Dann hätte man in vier Jahren, so wie wir es im Koalitionsvertrag vereinbart haben, 8 Prozent Personaleinsparung. Ich sage aber, wir müssen alle daran arbeiten, diese Ziele möglichst auch schneller, zügiger zu erreichen. Und da werden wir auch im eigenen Haus sicherlich Vorbild auch sein für andere Ministerien. Das ist jedenfalls unser Anspruch.

Sprecher 2: Herr Amter, eins hat diese Tagung heute wieder mal ergeben. Das größte Problem aus Sicht der Unternehmen ist die Bürokratie. Ein schneller Bürokratieabbau wird gefordert. Da sind sich auch immer alle einig. Aber wie es konkret geht, das ist dann die umstrittene Frage. Und jetzt ganz konkret bei mir. Das Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz sollte abgeschafft werden nach den Plänen des Koalitionsvertrages. Wann werden Sie das ja sehr einfache Gesetz erlassen, wo einfach drinsteht, das Gesetz wird abgeschafft? Wann kommt es ins Kabinett?

Sprecher 5: Im Koalitionsvertrag steht ja, dass wir dazu ein Sofortprogramm auf den Weg bringen. Weg bringen sofort ist eine Zeiteinheit, die in unterschiedlichen Häusern manchmal unterschiedlich interpretiert wird. Aber wir haben hier natürlich klar die Situation, dass wir im Wort stehen. Wir haben selbst nicht die Federführung für dieses Vorhaben. Die liegt beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Und ich gehe davon aus, dass die auch Verbündete sind im Bürokratierückbau für uns und dass wir dieses Thema zügig auch adressieren.

Sprecher 2: Zügig heißt unter uns Juristen ohne schuldhaftes Zögern. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren, Herr Amthor.

Sprecher 5: Vielen Dank.

Sprecher 2: Michael, wo feierst du diese Woche?

Sprecher 3: Überall, Helene, wir brauchen sehr viel Stehvermögen, denn das ist die letzte politische Woche im Bundestag, aber auch die Woche aller Sommerfeste. Gestern ging es los mit dem Barbecue bei der Atlantikbrücke, heute Abend Auswärtiges Amt, Hessenfest, morgen Stallwächterparty, Wahlkreis.

Sprecher 2: Übermorgen Donnerstag, Stallwächterparty.

Sprecher 3: Donnerstag, Freitag, Samstag, was weiß ich. Und natürlich Table Sommerfest, das Sommerfest für unsere KundInnen und Kunden. Und restlos ausverkauft natürlich.

Sprecher 2: 1300 Leute werden hier sein. Und Helene Bobrowski. Es wird schon ordentlich geräumt, können wir sagen.

Sprecher 3: Ja, es ist auch jetzt laut im Hintergrund.

Sprecher 2: Ich wollte gerade sagen, wenn Sie Geräusche hören, dann liegt es daran, dass hier Tische geschoben werden und jedes kleine Eckchen noch versucht wird, Platz zu machen. Für die vielen Leute, die sich angekündigt haben. Und am Donnerstag endet dieser Reigen mit der Stallwächterparty in Baden-Württemberg, also in der Landesvertretung Baden-Württemberg. Habe ich auch als Knaller in Erinnerung und dann reicht es aber auch, Michael.

Sprecher 3: Ich bin dann auch fertig. Aber sag mal, deine drei Do's und Don'ts für politische Sommerfeste und das eigene Verhalten?

Sprecher 2: Ich nehme es mir jedes Mal vor und scheitere fast jedes Mal, nämlich irgendwann einfach mal gehen. Also am besten um Mitternacht oder sagen wir mal vor ein Uhr zu gehen. Meistens bleibe ich dann doch einfach hängen.

Sprecher 3: Hast du auch so kleine fiese Gesten ausgemacht mit Freunden, wie man dich von langweiligen Gesprächspartnern wegholt?

Sprecher 2: Zwinker, zwinker.

Sprecher 3: So ähnlich, genau. Das wäre sehr wichtig. Da hinten, da wollte ich noch. Mensch, gut, dass du mich fragst.

Sprecher 2: Ich muss auch wirklich sagen, ich kann...

Sprecher 3: Weil sonst, wenn du dich einmal verquatscht mit dem Falschen, kommst du ja nicht mehr raus.

Sprecher 2: Ja, also wenn man sich verquatscht, dann spricht das ja immerhin für ein gutes Gespräch. Aber schlimm sind ja, also was ich finde übrigens ein Don't an alle Hörerinnen und Hörer, ist Sommerfeste nicht zu nutzen, als ich habe nochmal einen Vorschlag, den ich jetzt mit Ihnen besprechen möchte. Ich möchte einen Kommentar schreiben. Ich möchte irgendwas, also Sie sollten folgendes Thema setzen und dann zu einem 25-minütigen Vortrag ansetzen. Man kann gerne ein Thema platzieren, aber man hat einfach nicht den Nerv. Und übrigens, das erzählten auch Ministerinnen und Minister, die kürzlich hier im Podcast waren, die sagen so, das Schlimmste sind Lobbyisten, die beim Sommerfest das, was sie immer schon gesagt haben, dann nochmal wirklich in Extenso und in Länge erzählen. Und dann sagen die Minister irgendwie, ich bin einfach überhaupt gar nicht mehr aufnahmefähig. Das geht sowieso hier rein daraus. Aber es kostet wahnsinnig viel Kraft und Nerven. Und was mir auch noch nicht so richtig gelingt, da bitte ich mal um Tipps, wie man aus so einem Gespräch höflich rauskommt, was man dann eigentlich sagt, ich drehe nochmal eine Runde, ist ja so der Klassiker.

Sprecher 3: Nein, Toilette, ich muss echt jetzt dringend mal auf Toilette. Zu viel Kaffee, zu viel Kölsch. Nein, du musst einfach am Ende sagen, tut mir leid, ich kenne Ihre Themen, wir melden uns und danke, tschüss. Also wir müssen jetzt auch nicht den Job der Minister machen, aber der Hinweis an die Lobbyisten ist schon sehr gut.

Sprecher 2: Aber für uns ist es ja auch so, uns werden ja auch jede Menge Themen angeboten, was ich Ihnen immer schon mal sagen wollte. Einfach, man soll doch im Sommerfest auch...

Sprecher 3: Ein bisschen Smalltalk-Fähigkeit zeigen.

Sprecher 2: Ja, also ich finde, man kann auch mal inhaltlich sprechen. Und es gibt ja auch immer mal wieder überraschend dann sehr, sehr gute Gespräche. Da freue ich mich auch, wo man wirklich Dinge lernt und erfährt. Mit so ein bisschen sozialer Intelligenz merkt man ja, ob der Gesprächspartner sich auf ein Gespräch einlässt oder nicht.

Sprecher 3: Und wir jedenfalls feiern auch, nämlich anderthalb Jahre Chefredaktion Michael Bröker und Helene Bubrowski. Es wird eine achtminütige, naja, eigentlich sind es ja achtstündige Eloge auf Helene Bubrowski von mir geben. Also seien Sie gegen 19 Uhr da, falls Sie ein Ticket erworben haben. Und wenn nicht, jetzt kommt der Werbeblock. Gehen Sie auf table.media, schauen Sie sich mal unsere exzellenten Fachbriefings an, werden Sie Kunde, dann werden Sie eindeutig und automatisch eingeladen im nächsten Jahr. Dann brauchen Sie auch nicht, wie in den letzten Tagen geschehen, irgendwelche Battle-WhatsApps schreiben, um unbedingt noch auf die Liste zu kommen, wie es einige Kolleginnen und Kollegen gemacht haben, die uns selbstverständlich nie zu ihren Veranstaltungen einladen.

Sprecher 2: Okay, Michael Bröker, da liegen auch die Nerven blank. Sie sehen, es ist Zeit, dass es ruhiger wird. Aber diese Woche schaffen wir noch gemeinsam. Und dann hoch die Tassen.