Musk vs Trump - das Duell
Elon Musk hat mit der „America Party“ eine eigene Partei gegründet und fordert Donald Trump heraus. „Heute wird die Amerika-Partei gebildet, um euch eure Freiheit zurückzugeben“, erklärte Musk auf X. Trump reagierte und nennt den Vorstoß lächerlich. Eine Freundschaft der mächtigen Männer geht zu Ende, und die Welt schaut zu.
Die Länder stimmen voraussichtlich am Freitag dem milliardenschweren Wirtschaftspaket zu. Und damit stimmen sie einem Geldsegen zu. Sie sind nicht mehr daran gebunden, Milliarden aus dem neuen Schuldenpaket für zusätzliche Investitionen auszugeben.
Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, warnt vor einem „Strohfeuer“ beim Investitionsprogramm der Bundesregierung. Er fordert Strukturreformen. „Wenn wir hier nicht gegensteuern, sind wir bald wieder genau da, wo wir heute sind – nur mit 850 Milliarden Euro mehr Schulden.“
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Ein super Wahljahr folgt auf das nächste. Wir schauen auf 2026. In Deutschland haben wir Füchslandtagswahlen und in den USA Midterms. Da ist besonders interessant, dass Elon Musk nun mit einer eigenen Partei, nämlich der America Party, antritt und Trump herausfordern will. Zwei Giganten streiten, wer ist mächtiger.
Sprecher 3: Diese Woche geht das Wirtschaftspaket der Bundesregierung vermutlich durch den Bundesrat. Alle schauen auf den 11.7. Die Zustimmung der Länder haben sich Kanzler Merz und Finanzminister Klingbeil ziemlich hart erkämpft und mit ganz schön viel Steuerzahlergeld. Was bringt das Wirtschaftspaket? Geht es endlich aufwärts in dieser wirtschaftlichen Entwicklung? Das fragt Helene gleich Oliver Barter, den Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall.
Sprecher 2: Und zum Abschluss geht es um eine Jahrhundert-Sportlerin, die nicht nur Erfolge feiern kann, sondern auch verlieren kann.
Sprecher 3: Es ist Montag, der 7. Juli, die Woche der Sommerfeste beginnt. Wir sind schon im Modus.
Sprecher 4: Now in the US, Elon Musk has announced he is launching a new party, the American Party, to rival the Republicans in next year's midterm elections. Musk, the world's richest person, taking to his social media site X to say, we live in a one-party system, not a democracy. Today, the America Party is formed to give you back your freedom.
Sprecher 5: So this is Elon Musk's sort of attempt at perhaps testing waters to see what kind of reactions does this give out.
Sprecher 6: I do think it's a threat to the Republicans. Most people out there, whether they're on the right or the left, they don't want to have something handed down to them from a billionaire at the top of the system.
Sprecher 3: Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr. Aus den einstigen First Buddies Elon Musk und Donald Trump sind Verfeindete, möglicherweise sogar Parteikonkurrenten geworden. Denn Elon Musk möchte jetzt eine Partei gründen und gegen Donald Trump antreten.
Sprecher 7: And they confirmed that. A tremendous success with the Republican Party. The Democrats have lost their way, but it's always been a two-party system. And I think starting a third party just adds to confusion. It really seems to have been developed for two parties. Third parties have never worked. So he can have fun with it, but I think it's ridiculous.
Sprecher 4: Ja, irgendwie faszinierend zu sehen, wie sich in Amerika diese zwei Giganten, wie sie miteinander ringen. Die Geschichte geht ja länger zurück.
Sprecher 2: Rück, Musk war ja ursprünglich gar kein Trump-Anhänger, hatte sich ja ganz früher sogar mal für Hillary Clinton Wahlkampf gemacht oder jedenfalls mit ihr offen sympathisiert. Dann ist er ins Trump-Lager gewechselt. Aber schon vor einigen Jahren schrieben manche amerikanischen Kollegen, die das Ganze näher beobachten, man sollte sich da mal nicht so sicher sein, diese Männerfreundschaft steht auf sehr wackeligen Füßen und so ist es jetzt auch gekommen.
Sprecher 3: Ja, und Musk ist am Ende genauso wenig berechenbar wie Trump selbst. Vom Superkritiker zum Megafan, jetzt wieder Kritiker. Er wirft Trump Korruption und Verschwendung vor. Das sind schon harte Worte. Er hat gestern auf Twitter bzw. Ex seiner Plattform die America Party als neue Freiheitspartei bezeichnet und gesagt, heute wird die Amerika Partei gebildet, um euch eure Freiheit zurückzugeben. Also dieselbe Tonalität, die einst Trump wählte, um gegen das Establishment in Washington vorzugehen.
Sprecher 2: Ja, das hat natürlich nicht nur mit diesen Persönlichkeiten zu tun, sondern es geht eben auch schon um Inhaltliches, nämlich genau um die Frage, ob dieser Big Beautiful Bill nicht einfach am Ende zu viele Schulden bedeutet. Wir haben uns ja darüber unterhalten vor wenigen Tagen. Die Schuldenquote der USA ist schon deutlich, deutlich höher als die deutsche. Und auch wir machen uns jetzt ja hier Sorgen angesichts der hunderte Milliarden an Sondervermögen. Aber in Amerika wird jetzt nochmal so viel Geld rausgehauen, dass Musk da zumindest einen Ansatzpunkt hat. Und dazu kommt dann natürlich, klar, persönliche Befindlichkeit, Rache und Geltungssucht und all das.
Sprecher 3: Einer hat es immer schon gesagt, dass die beiden sich zerstreiten werden. Steve Bannon, der erste First Buddy von Donald Trump im ersten Wahlkampf, hat ihn immer schon persönlich angegriffen und gesagt, ich werde dich vernichten. Jetzt hat er rassistisch hinterhergerufen, muss man fast sagen. Nein, Bruder, du bist kein Amerikaner, du bist ein Südafrikaner. Also es geht hoch her und dieses Duell wird wahrscheinlich in den nächsten Monaten auch die amerikanischen Medien dominieren.
Sprecher 2: Und da halten wir uns doch mal drüber, wie die Chancen für diese America Party überhaupt stehen. In Amerika ein klassisches duales System, Republikaner und Demokraten. Tatsächlich hat vor ungefähr 100 Jahren oder sogar mehr als 100 Jahren, nämlich 1912, einmal ein Drittparteikandidat in einem Bundesstaat gewonnen. Also man würde eigentlich niemandem wirklich raten, eine Partei zu gründen. Folge könnte natürlich sein, dass das Trump-Lager, das Mager-Lager geschwächt wird, weil ein paar dann eben doch zu Masken rüber wechseln.
Sprecher 3: Bei CNN äußerte sich Alan Abramowitz, Politikwissenschaftler der Emory University. Das System ist so aufgebaut, ich zitiere, dass es für Dritte nahezu unmöglich ist, erfolgreich zu sein. Denn die beiden, du sagst es, saugen eigentlich alle aus. The winner takes it all. Das Wahlsystem bedeutet eben am Ende, kann in einem Bundesstaat eigentlich immer nur eine Partei gewinnen. Und das war immer eine dieser beiden. Aber natürlich kann eine dritte Partei auch dafür sorgen, dass eine der beiden anderen mehr Chancen hat.
Sprecher 2: Die Demokraten können jetzt darauf hoffen, dass sich das rechte Lager im Land eben aufspaltet. Musk und Trump und sie insofern beim Winner-Takes-It-All-Prinzip dann bessere Chancen haben.
Sprecher 3: Ja, und ein Beispiel dafür gibt es. 1992, damals hatte Bill Clinton gegen George H. Bush gewonnen, den Vater unseres George Bush, wenn ich so sagen darf. Und da hatte der Drittparteikandidat, auch ein Milliardär, Ross Perot, immerhin 19 Prozent der Stimmen bekommen. Er war auch im republikanischen Lager verortet, hatte zwar keine Electoral Vote, hat aber natürlich Stimmen abgezogen von George Bush und somit auch ein wenig Bill Clintons historischen Sieg 1992 möglich gemacht.
Sprecher 2: Wir werden sehen, wie es weitergeht. Jedenfalls interessant, dieser Elon Musk, wo ich nie müde werde, daran zu erinnern, dass es nicht lange her ist, als er begrüßt wurde bei der Einweihung des Tesla-Werks in Grünheide mit Olaf Scholz und Vizekanzler Habeck. Dietmar Woidke war da, der ganz, ganz große Bahnhof für den Mann, der als Visionär gefeiert wurde, als Retter des Klimas durch die E-Mobilität und der jetzt, ja, man kann sagen, dabei ist, Trump von rechts zu überholen. Wir bleiben beim Geld, aber diesmal schauen wir auf Deutschland. Die Länder sind schon jetzt die Gewinner dieser schwarz-roten Koalition, denn sie dürften am Freitag dem Wirtschaftspaket zustimmen und dafür bekommen sie ganz schön viel.
Sprecher 3: Wenn man sich mit Wolfgang Schäuble oder Peer Steinbrück früher unterhalten hat, dann schimpften die Finanzminister im Bund regelmäßig über die Länder. Dieses Mal, muss man sagen, hat das Klingbein nicht geschimpft, sondern die Taschen aufgemacht. Alles, was dort in dieser letzten Bund-Länder-Einigung gemacht wurde, ist historisch. Ländereinnahmeausfälle werden übernommen von 8 Milliarden Euro zusätzlich zu dem Sondervermögen, was ja ohnehin 100 Milliarden betrifft für die Länder. Also Kliniken und Bildung kriegen sie nochmal was obendrauf. Und vor allem werden die Mindereinnahmen der Kommunen durch das Wirtschaftspaket komplett übernommen vom Bund. Das gab es noch nie.
Sprecher 2: Besonders dürften sich die Länder auch über einen anderen Punkt freuen, nämlich das Infrastruktursondervermögen, von dem sie ja auch 100 Milliarden bekommt. Damit dürfen sie absolut machen, was sie wollen. Es ist nicht eine zusätzliche Investition nötig, sondern Sie können das Geld auch für Sport, Kultur, innere Sicherheit oder was Sie sonst wollen, verwenden. Das, muss man wirklich sagen, ist eine Perversion der Idee des Sondervermögens, das eben nicht für irgendwas verwendet werden sollte, sondern eben für gezielte Investitionen, um dieses Land wieder fit zu machen. Und wenn ich daran erinnern darf, die Grünen haben damals gesagt, wir stimmen der Verfassungsänderung nur zu, wenn es zusätzliche... Investitionen sind. Es gab dieses Länderpapier von Mona Neubauer und anderen, die genau das zur Voraussetzung gemacht haben. Schwarz-Rot hat gesagt, okay, machen wir. Und jetzt gab es hinterrücks dieser Einigung, es doch anders zu machen. Jetzt profitieren die Länder davon, werden sich deswegen wahrscheinlich nicht beschweren. Aber man guckt drauf und kann es eigentlich doch wirklich nicht fassen.
Sprecher 3: Während Jens Südekum, der persönliche Beauftragte des Finanzministers im Bund, ein Monitoring anschaffen will, wie wirklich diese Infrastruktur-Milliarden auch ausgegeben werden und er will das genau tracken, ist das im Land offenbar überhaupt nicht notwendig. Es ist natürlich auch eine Wahlkampfhilfe für die regierenden Parteien in den Ländern. Denn die können jetzt munter Wahlgeschenke verteilen vor den anstehenden Landtagswahlen. Wie gesagt, nächstes Jahr haben wir fünf. Es ist wirklich absoluter Wahnsinn, dass sie sowohl Merz und Klingbeil das mitgemacht haben. Am Ende ist es wirklich so, wie wir es eigentlich immer sagen, Helene, wenn das Geld einmal da ist, und zwar Schulden dieses Mal, dann wird es eben auch vom Bund ausgegeben, ob sinnvoll oder nicht. Das war immer schon das Prinzip der Schuldenbremse und deswegen ist es immer eine Gefahr, den Politikern Steuerzahlergeld einfach in die Hand zu geben für nichts und wieder nichts.
Sprecher 2: Das kann es ja aber irgendwie nicht sein. Also bei allen Ökonomen, die dafür plädieren, dass man in dieser Zeit, in der Ausgaben nötig sind, Schulden macht, dem kann man ja auch soweit folgen. Nur dann ist wirklich die Sache, dann muss das Geld auch an der richtigen Stelle eingesetzt werden. Da muss man eben auch die Aufgabenkritik machen. Da muss man sich auch irgendwie anschauen. Ob die Verwendung richtig ist und wo verschwendet wird und all das. Und im Übrigen auch an den anderen Stellen. Also man kann nicht einfach sagen, jetzt haben wir Geld und dann legen wir die Hände in den Schoß und machen nichts mehr. Das ist kein guter Befund, Michael, den wir hier feststellen. Die Metall- und Elektroindustrie ist der Backbone der deutschen Wirtschaft. Vier Millionen Menschen arbeiten in dieser Branche in ganz Deutschland. Aber natürlich ist auch diese Branche betroffen von dem dritten Jahr Rezession, in dem wir uns jetzt befinden. Und die Menschen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Oliver Barter ist Vice President Human Resources in der Bosch Thermotechnik GmbH in Wetzlar und dort verantwortlich für 14.000 Beschäftigte. Und seit 2023 ist er Hauptgeschäftsführer bei Südwestmetall, dem Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg mit 680 Unternehmen und 540.000 Beschäftigten. Ich habe mit ihm über die Lage in Ländle gesprochen und ihn gefragt, ob er eigentlich lieber künftig mit Cem Özdemir oder mit Manuel Hagel zu tun haben möchte. Schön, dass Sie da sind.
Sprecher 8: Danke für die Einladung.
Sprecher 2: Im dritten Jahr der Rezession befinden wir uns jetzt und die neue Bundesregierung hat versprochen, daran etwas zu ändern, die Wirtschaft zu stärken. Sie hat eigentlich den Wirtschaftsaufschwung versprochen und ist ja dafür bereit, auch hohe Schulden aufzunehmen. Wie optimistisch sind Sie, dass das gelingt?
Sprecher 8: Ich bin hin und her gerissen. Das ist ein Thema der Wirtschaftspsychologie jetzt gerade aktuell, weil Maßnahmen ja noch nicht wirken. Und jetzt jetzt. bin ich nicht ganz sicher, ob ich schlecht rede oder gesund beten soll. Denn die Maßnahmen, die wir jetzt erwarten dürfen, sind aus meiner Sicht noch nicht ganz ausreichend. Das sind die ersten Signale. Die Geschäftserwartungen, die sind auch leicht gestiegen seit dem ersten Quartal. Allerdings ist noch nichts Zählbares dabei.
Sprecher 2: Wie groß ist denn der Anteil der Psychologie am Wirtschaftsaufschwung?
Sprecher 8: Unternehmer investieren immer dann, wenn sie Vertrauen haben, dass sich die Dinge für die Investition lohnen und dass man darauf auch bauen kann, im wahrsten Sinne des Wortes. Und da sind die Signale, die wir von der neuen Bundesregierung bekommen, natürlich schon wegweisend. Wenn wir an Steuerentlastung denken, wenn wir an die Abschreibung denken, das sind genau die richtigen Punkte, die wir brauchen. Aber wenn ich sage gesund beten, dann sehe ich auch, dass wir das mit Schulden finanzieren. Während dieser Legislaturperiode nochmal 850 Milliarden. Das sind, wenn wir es uns jetzt von der anderen Seite anschauen, 60 Milliarden Zinslast pro Jahr. Das muss finanziert werden. Und dann macht es aus meiner Sicht nur Sinn, wenn diese Investitionen tatsächlich so verwandt werden, dass sie zum Wirtschaftsaufschwung beitragen.
Sprecher 2: Was ist da für Voraussetzung?
Sprecher 8: Die Voraussetzung ist jetzt eine schnelle Entlastung, dass die Unternehmen wieder investieren können. Das passiert gerade. Aber wenn wir an der Stelle jetzt nicht auch die Strukturreformen angehen, dann haben wir ein Strohfeuer. Das Geld ist dann verbraucht. Und wir sind wieder genau da, wo wir heute waren, nur mit 850 Milliarden Schulden zusätzlich. Das ist nicht gut.
Sprecher 2: Bevor wir über die Strukturreform sprechen, noch eine Nachfrage zum Thema Steuerentlastung. Die Unternehmenssteuer soll reduziert werden, allerdings ja deutlich später, als sich das mancher Unternehmer erhofft hat. Wie sehen Sie das?
Sprecher 8: Das Signal ist richtig und wichtig. Wir haben in Deutschland mit 30 Prozent Körperschaftssteuer eine Steuerhöhe, wo wir weltweit in der Spitze liegen. Es gibt nur ganz wenige Länder, die da drüber liegen. Und mit den angekündigten Reformen werden wir bei ca. 25% rauskommen, wenn denn diese Reformen umgesetzt werden. Angekündigt sind sie leider erst zum Ende der Legislaturperiode. Und in der aktuell volatilen Zeit wissen wir natürlich nicht, was bis dahin passiert.
Sprecher 2: Eben, also Finanzierungsvorbehalt auch da. Wir werden es sehen. Sprechen wir über die Strukturreformen, die ja auch kommen sollen. So jedenfalls hat es die Bundesregierung gesagt, hat aber im ersten Schritt erstmal die Schulden aufgenommen und das andere ja teilweise auch noch offen gelassen. Also wichtigster Punkt, die Lohnnebenkosten, die steigen und steigen und steigen. Arbeit in Deutschland ist sehr teuer, zu teuer.
Sprecher 8: Arbeit in Deutschland ist eindeutig zu teuer. Wir sprechen gar nicht mehr von Lohnnebenkosten, sondern man muss von Lohnzusatzkosten sprechen. Wir liegen jetzt bei 40 Prozent. Kinderlose liegen schon drüber. Und wenn man die Wirtschaftsinstitute fragt, dann steigt das, wenn wir nicht eingreifen, weit über die 50 Prozent. Und dann wird man fragen müssen, ob sich Arbeit noch lohnt für die Beschäftigten, genauso wie für die Unternehmen.
Sprecher 2: Herr Watter, jetzt kommen wir zu dem schwierigen Punkt. Wenn man die Lohnnebenkosten drücken will, muss irgendwer etwas abgeben. Also das System so weiterzuführen mit allem, was derzeit von den Lohnnebenkosten finanziert wird, funktioniert natürlich nicht, wenn sie geringer werden. Deswegen von Ihnen, was ist ein konstruktiver Vorschlag, wie man die Lohnnebenkosten drücken kann?
Sprecher 8: Man wird an vielen Stellschrauben drehen müssen. Welche? Wir müssen bei der Rente anfangen. Wir brauchen eine große Strukturreform der gesetzlichen Rente. Jetzt machen wir aber genau das Gegenteil und erweitern die Mütterrente, was uns nochmal 4 bis 6 Milliarden Euro zusätzlich kosten wird. Und richten eine Arbeitsgruppe ein. Das ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass die Politik immer Rücksicht auf die rentennahen Jahrgänge nimmt, die ja in keinem Fall von solchen Reformen betroffen wären. Sondern wir müssen übergehen zu den Rentenmodellen, die wir in Skandinavien vorfinden, kapitalorientiert. Und wir müssen die Struktur ändern, sodass wir hier zumindest keine Steigung mehr haben. Das Gleiche trifft das Gesundheitswesen. Wir haben das weltweit teuerste vermutlich, aber ganz sicher nicht das beste. Die Stützungen durch die Bundesregierung erfolgen jetzt durch Darlehen in der Hoffnung, dass die Wirtschaft sich erholt und dass die Darlehen von den Kassen zurückgezahlt werden können. Das ist aber sehr, sehr viel Hoffnung.
Sprecher 2: Sie erinnern sich vielleicht an einen Vorschlag der Allianz. Dort hatte der Chef mal vorgeschlagen, dass der erste... Krankheitstag nicht mehr bezahlt wird. Man kann jetzt darüber reden, ob das nicht zu viel Bürokratie schafft und all das, aber der Aufschrei in der Gesellschaft war riesengroß. Alle fanden das die absolute brutale soziale Härte. Sind wir als Gesellschaft, sind unsere Ansprüche zu groß, als dass man da einen Weg finden könnte?
Sprecher 8: Den Tag zu streichen, halte ich für Aktionismus. Zumal wir das ja schon mal hatten, dass ein Karenztag eingeführt worden ist und dann über Tarifverträge das Ganze wieder kompensiert worden ist. Ich glaube nicht, dass wir damit zu einer Lösung kommen.
Sprecher 2: Es geht ja aber auch noch um was anderes, nämlich um eine Art von gemeinsamen Spirit, dass jeder einen Beitrag leisten muss. Wenn Sie jetzt Ihre Arbeitnehmerschaft im Südwesten anschauen, Wie ist Ihr Blick? Sind es Leute, die immer nur Ansprüche stellen und immer mehr wollen, also Stichwort auch Mindestlohn und anderes? Oder sehen Sie auch die Bereitschaft, etwas abzugeben, wenn es dem Großen und Ganzen dient? Denn am Ende können ja Unternehmer alles Mögliche fordern und Verbände und Politiker irgendwas versprechen. Aber am Ende geht es ja nicht ohne die Leute, die bereit sind mitzumachen.
Sprecher 8: Ich möchte nicht der Erzählung folgen, dass Menschen faul sind und fauler sind als andere Menschen in anderen Nationen oder dass die junge Generation keine Lust hat zu arbeiten. Das finde ich ein bisschen arg banal und ein bisschen arg einfach. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass wir ein Narrativ haben, warum jemand anpacken muss und soll. Und vielleicht auch ein bisschen mehr, als das gestern getan hat. Wir sehen das ja in vielen haustarifvertraglichen Regelungen, in vielen betrieblichen Regelungen, wo auch Beschäftigte sich mitbeteiligen, dass das Unternehmen wieder vorankommt. Also im Grundsatz funktioniert das im Kleinen an ganz, ganz vielen Stellen. Und wenn wir hier so eine Aufbruchstimmung erzeugen, glaube ich, kommen wir da auch wieder voran. Und wir müssen auch schauen, wo fehlt denn die Arbeitskraft? Wer heute schon 40 Stunden arbeitet, dem muss ich jetzt nicht noch erklären, dass er nochmal 10 Stunden arbeiten muss. Aber wir brauchen Infrastruktur, um zum Beispiel die Teilzeitquote zu reduzieren, die europaweit am höchsten ist.
Sprecher 2: Ist die AfD eine Bedrohung für den Standort Deutschland?
Sprecher 8: Die AfD ist eine ernstzunehmende Partei rechts der Wand. Für mich kein Gesprächspartner. Das ist aber jetzt eine ganz persönliche Meinung dazu. Was ich aber sehe, ist, dass die AfD, seit wir die neue Bundesregierung haben, an Zuspruch verliert. Und damit, glaube ich, geht die Idee auf, zu sagen, wir begegnen der AfD und dem Rechtsextremismus mit einer guten, klaren Politik. Und hier sehen wir erste Schritte. Und von daher, glaube ich, geht das jetzt in die richtige Richtung.
Sprecher 2: Schauen wir noch kurz auf die Automobilindustrie, die ja in ihrem Verband eine wichtige Rolle spielt. Würden Sie sagen, die deutschen Autobauer haben zu stark auf E-Mobilität gesetzt? Denn wir stellen ja fest, Verbrenner sind doch noch sehr en vogue. Oder haben sie diesen Trend verschlafen? Es gibt ja durchaus... Aus beiden Erzählungen.
Sprecher 8: Wir befinden uns mit der Automobilindustrie in der größten Transformation, an die ich mich erinnern kann. Es ist wahnsinnig schwer, beide Technologien zu bedienen. Auf der einen Seite fordert die Politik durch die Verneinung der Technologieoffenheit, dass alles auf E-Mobilität gesetzt wird. Umgekehrt hat aber die E-Mobilität nicht funktionieren können, weil Ladeinfrastruktur, Stromvolumen, all das nicht zur Verfügung stand. Und der Kunde letztlich die teuren Autos abgelehnt hat. Ich kann nur dann produzieren, wenn ich große Stückzahlen habe. Und damit musste die deutsche Industrie beides bedienen und musste in beide Technologien investieren. Das ist eine doppelte Belastung während der Transformation, die kaum zu schultern ist. Kombiniert mit den hohen Arbeitskosten sind wir damit ganz sicher nicht mehr wettbewerbsfähig.
Sprecher 2: Also Sie würden sagen, der Druck in Richtung E-Mobilität war zu stark von Seiten der Politik?
Sprecher 8: Er war zu stark in Verbindung mit den fehlenden Rahmenbedingungen.
Sprecher 2: Letzte Frage, Herr Bartha. Im kommenden Frühjahr ist Wahl in Baden-Württemberg. Für Sie ist der Ministerpräsident ein wichtiger Gesprächspartner. Cem Özdemir oder Manuel Hagel, wen möchten Sie lieber?
Sprecher 8: Es geht nicht darum, wen wir lieber möchten. Als Südwestmetall und Vertreter der Unternehmer Baden-Württemberg brauchen wir eine wirtschaftsfreundliche Politik, die all das unterstützt, was wir eben auch schon angedeutet haben. ist uns die Ausrichtung wichtig, wirtschaftsfreundlich, verlässlich, dass die Unternehmen wieder starten können und investieren können. Was natürlich nicht geht, das hatte ich aber eben auch gesagt, ist, dass wir mit den rechten Rändern arbeiten. Das kommt für uns nicht in Frage.
Sprecher 2: Können die Grünen im Südwesten auch Wirtschaft?
Sprecher 8: Die Grünen können sicher auch Wirtschaft, ob sie es besser können oder andersrum, das vermag ich nicht zu sagen. Die baden-württembergische Wirtschaft kämpft mit der Transformation, aber sie liegt nicht am Boden. Also von daher bin ich da ganz zuversichtlich, dass wir uns da wieder freischwimmen.
Sprecher 2: Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren, Oliver Barter.
Sprecher 8: Danke.
Sprecher 1: Mick war noch was.
Sprecher 3: Ja, am Wochenende mussten wir lernen, Helene, auch Legenden können verlieren. Isabel Wert verliert tatsächlich beim Reitturnier mit dem Weltgrößten und Wichtigsten in den CHIO in Aachen. Das scheint, als wäre diese Jahrhundert-Sportlerin am Ende ihrer Karriere doch noch besiegt.
Sprecher 9: Isabel muss da schon ein bisschen heute arbeiten. Auch in den Zweierwechsel ist die Wendy echt heiß geworden.
Sprecher 10: Aber trotzdem, dieses Star-Move, das schwert ja ein, der Wechsel. Wo sie ja immer so ein bisschen Probleme schon manchmal hat.
Sprecher 1: Guck mal hier. Ja, also.
Sprecher 2: 14-mal deutsche Meisterin. Jetzt hat sie mal nicht gewonnen und das Ganze aber mit Größe genommen.
Sprecher 3: Ja, Isabel Wert, eine Vorzeigesportlerin. Und man kann gar nicht anders als daran glauben, dass diese 55-jährige Olympionikin natürlich trotzdem 2028 in Los Angeles wieder antreten wird. Und ohnehin, ihre Rekorde bleiben ja für immer.
Sprecher 2: So ist es. Legenden sterben nie. Schön, dass Sie heute dabei waren. Bis morgen 5 Uhr, wenn Sie mögen. Bis dann. Tschüss.
Sprecher 3: Ciao, ciao.
Sprecher 11: When the world is calling out your name. I'm begging you to fight. I can smell the world's love. I can smell five times.