Wird Friedrich Merz ein großer Kanzler, Herr Alexander?
Dauer: 25:50

Wird Friedrich Merz ein großer Kanzler, Herr Alexander?

Die Kritik am Kanzler wird größer – zumindest in der Innenpolitik.

Liegt das nur an schlechter Kommunikation oder ist Merz auf einem Zickzackkurs, der ihm gefährlich wird? Das diskutieren Michael Bröcker und der Bestsellerautor von „Letzte Chance“ und stellvertretende Chefredakteur der Welt, Robin Alexander. Merz sei jemand, der „mit einem klaren Richtungssinn und weniger Kleinteiligkeit“ regiert und damit bewusst mit der Ära Merkel bricht, sagt Alexander.


Martin Keller übernimmt im November die Leitung der Helmholtz-Gemeinschaft und bringt US-Erfahrungen mit nach Deutschland. Im Gespräch erklärt er, wie er die Forschung resilienter, innovationsfreudiger und enger verzahnt mit der Industrie gestalten möchte. Er spürt in Deutschland „wirklich einen Aufbruch“ und sieht darin eine große Chance für Wissenschaft und Standort.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Wird Friedrich Merz ein großer Bundeskanzler oder ein Kanzler der enttäuschten Erwartungen und gebrochenen Versprechen? Die Kritik an ihm, seinen Entscheidungen wird zumindest innenpolitisch größer. Ist das alles nur schlechte Kommunikation oder ist das inhaltlich ein Zickzackkurs, der ihm gefährlich werden könnte? Das diskutiere ich gleich mit dem Bestsellerautor, Politikjournalisten und stellvertretenden Chefredakteur der Welt, Robin Alexander. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die größte Forschungsorganisation Deutschlands. In 18 Einrichtungen suchen derzeit 46.000 Forscherinnen und Forscher und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Lösungen und Technologien von morgen. Im November wird Martin Keller der neue Chef dieser Gesellschaft und Nicola Kurt, die Redaktionsleiterin unseres Research-Table, hat mit ihm über den Forschungsstandort Deutschland gesprochen. Und zum Schluss haben wir noch eine Nachricht für alle Kaffeetrinker unter Ihnen. Ich bin ein Heavy-User davon. Spoiler, es ist eine sehr gute Nachricht. Es ist Independence Day. Nein, nicht der Film ist gemeint, sondern natürlich der Nationalfeiertag der Amerikaner. Es ist Freitag, der 4. Juli. Auf geht's! Dienstwagenprivileg oder doch Wärmepumpenförderung, Jugendhilfe eindampfen oder Subventionen streichen. Die Koalition rang mehrere Stunden um eine Finanzierungsidee für die abgesagte Stromsteuersenkung für Privatleute. Und entschied am Ende... Dass es keine Senkung geben soll. Erstmals hätte also diese Regierung tatsächlich die breite Mitte der Bevölkerung entlasten können. Und was macht sie? Sie bleibt lieber bei den Spezialinteressen der jeweiligen Koalitionspartner. Zum Beispiel die von Markus Söder. Er hat sein Wunschdatum für die Ausweitung der Mütterrente bekommen. 2027 soll es schon losgehen. Die Kindererziehungszeiten für Mütter, deren Kinder vor 92 geboren wurden, sollen damit weiter ausgeweitet und anerkannt werden. Eine 5 Milliarden Euro teure Maßnahme, die sich nach Gerechtigkeit anhört. Wer gönnt den Müttern schon nicht mehr Rente? Aber doch, nicht nur per Gieß kann er auch jene trifft, die es gar nicht brauchen. Sondern am Ende den Kindern schaden wird, deren Mütter jetzt mehr Rente bekommen sollen. Denn konsequenterweise müsste man im System eigentlich diese Maßnahmen mit einem Aufschlag bei den Kinderlosen finanzieren. Aber das traut sich natürlich auch keiner. Und was heißt schon Konsequenz? Viele Spezialinteressen wurden im Koalitionsausschuss mit klaren Voten, klaren Jahresdaten. Und klaren Entscheidungen versehen, doch die große Entlastung für die arbeitende Mitte in diesem Land, von Sozialversicherungsbeiträgen über Steuern bis hin zur Stromsteuersenkung, die traut sich diese Koalition. Leider auch die einstige Arbeiterpartei SPD nicht zu. So musste Schwarz-Rot den ersten kleinen Krisengipfel schon nach nicht mal 60 Tagen absolvieren. Einer, der wie kaum ein anderer die Politik in den Berliner Hinterzimmern analysiert, erforscht und meist auch detailgetreu aufschreibt, ist Robin Alexander. Der Weltvize-Chefredakteur hat schon den letzten Teil der Ära Merkel und die Episode Scholz in Bestsellerbüchern beschrieben. Nun steigt sein Buch Letzte Chance heute an diesem Tag auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegel ein. Wo auch sonst? Also der ideale Anlass, um den Mann mal zu uns hier in unser schnuckeliges Podcaststudio einzuladen. Einen schönen guten Tag. Schön, dass du hier bist. Hallo Robin.

Sprecher 3: Hallo.

Sprecher 2: Robin, du kommst natürlich in einer perfekten Woche, nämlich nach dem Koalitionsausschuss. Und als Deuter der Berliner Koalitionsarithmetik muss ich dich direkt mal fragen, wie bewertest du eigentlich, wie diese beiden Partner miteinander arbeiten? Ich habe das Gefühl, immer wenn Friedrich Merz mit Söder und Klingbeil in irgendeinen Raum geht, kommt Söder als Gewinner raus.

Sprecher 3: Ja, ich sehe das anders als du. Und ich glaube, wenn wir das angucken, was hat der Söder bekommen aus diesem Koalitionsausschuss? Ein Jahr früher die Mütterrente.

Sprecher 2: Fünf Milliarden Euro.

Sprecher 3: Ja, aber diese Idee, dass man zwei Jahre rechnen müsste, bis man wüsste, welche Mutter ein Kind von 1992 geboren hat, das war doch ein mieser Trick.

Sprecher 2: Das schätzt nicht die Bürokraten bei der Deutschen Rentenversicherung.

Sprecher 3: Also ehrlich gesagt, dass sie glauben, dass der Söder darauf reinfällt, das hat doch niemand geglaubt. Was in der Substanz war doch das Interessante, dass wir zum ersten Mal hatten, dass eine Einigung zwischen Kanzler und Vizekanzler versucht wird aufzubrechen. Also Merz und Klingbeil sagen, wir machen das bei der Stromsteuer so. Und dann bericht unionsseitig von Bayern ausgesteuert, wird versucht, das aufzurebbeln. Und alle Journalisten, sogar wir beide, dachten, ah ja, die rebeln das nochmal auf und dann sitzen sie da. Fünfeinhalb Stunden und kommen raus und die alte Regelung gilt.

Sprecher 2: Ich habe auch das Gefühl, Merz und Klingbeil haben einen Draht zueinander gefunden. Wie bewertest du das? Du hast die beiden jetzt auch schon ein paar Monate eng begleitet und gesehen. Sie knüpfen auch ihre eigene Zukunft an das Funktionieren dieses Binnenverhältnisses, weil sie wissen, Merz unter Druck bei seinen ehemaligen Freunden, gerade so Mittelstandsunion und so weiter, Klingbeil ohnehin unter Druck beim Rest der Partei, dass sie nur miteinander können, merkt man das?

Sprecher 3: Ja, und ich glaube, das ist eine Einsicht. Das ist mir so aufgefallen, als ich die ganze Ampelgeschichte nochmal für mein Buch nachgearbeitet habe. In der Ampel hat man ja die Phase, wo die Partner gegeneinander arbeiten. Also die versuchen sich unter Wasser zu drücken, gegenseitig. Und sowas hat ja früher funktioniert. Also man konnte sich ja politisch auf Kosten des Mitbewerbers oder des Koalitionspartners profilieren. Und meine These ist, jetzt funktioniert es nicht mehr. Weil wir diese starken Ränder haben. Also eine schwache SPD gebiert nicht automatisch eine starke Union und umgekehrt, weil die Leute zur AfD oder zur Linkspartei gehen können. Das heißt, die politische Mitte muss stärker als früher miteinander funktionieren. Und ich glaube, dass Merz und Klingbeil das verstanden haben.

Sprecher 2: Die letzte Chance für die politische Mitte hat jetzt Friedrich Merz, quasi als Werbeblock eigentlich für dein Buch, nochmal definiert, indem er gesagt hat, wir müssen über die 30 kommen, die SPD über die 20, wir brauchen diese klare Mehrheit Schwarz-Brot. Siehst du eigentlich eine Chance, dass die SPD das als Junior-Partner schafft, wenn sie eben nicht zum Beispiel die klaren entlastenden Maßnahmen für die Mitte dieser Bevölkerung umsetzt?

Sprecher 3: Ich persönlich glaube, dass es für die SPD in dieser Gesellschaft Potenzial gibt. Weil das Ur-Ding der SPD, der Ur-Movens, ist die Verteilungsfrage. Und die Verteilungsfrage ist mitnichten geklärt. Die Verteilungsfrage stellt sich, weil wir andere Formen des Wirtschaften haben. Denkt man an die KI, weil sich andere Formen der... Marxistisch gesprochen Kapitalakkumulation stellen. Also die SPD bei ihrem seit 175 Jahre alten Thema wird die Konjunktur bekommen. Was die SPD nur machen muss, ist, die SPD ist eine Partei, die die Tassen im Schrank behalten muss, weil die SPD von Leuten gewählt wird, die arbeiten gehen, die mitten im Leben stehen und da muss die SPD liefern und da darf sie sich nicht auf Abwege lenken lassen. Was in der Vergangenheit geschehen ist.

Sprecher 2: Aber genau für die liefert sie doch nicht. Die für zwischen 30.000 und 60.000 Euro im Jahr verdienen und die spüren, dass die Sozialversicherungsbeiträge durch die Decke gehen, dass die Energiekosten am Limit sind, dass das... die Mieten am Limit sind, wo ist die entlastende Idee der Arbeiterpartei SPD auch in diesem Koalitionsausschuss gewesen?

Sprecher 3: Also du hast vollkommen recht, dass die SPD sich auf das konzentrieren muss, was die arbeitende Mitte nennen. Und das sagen die jetzt schon länger mit der arbeitenden Mitte, es stimmt aber trotzdem. Und du hast auch recht, dass es ein Problem gibt mit dem Sozialsystem und dass der Faktor Arbeit verteuert wird. Deshalb wird ja das Interessante, diese schwarz-rote Koalition hat ja... In relevanten Feldern keine Antwort gefunden im Koalitionsvertrag und immer eine Kommission eingesetzt. Und jetzt kann die Kommission ja so sein, die Union bringt Leute in die Kommission, die Reformen wollen und die SPD bringt Verhinderer in diese Kommission. Und dann wird das nichts. Es kann aber auch sein. Dass die SPD auch Reformer bringt. Und dann wird es interessant. Ich meine, die Agenda 2010 war auch aus Kommissionen geboren, die von Sozialdemokraten besetzt wurden. Und da ist noch eine Menge drin.

Sprecher 2: Wir warten auf den Schröder-Moment von Lars Klingbeil, aber fragen dich als jemand, der in der Ampel so tief drin war wie kaum ein Journalist und gleichzeitig Merz gut kennt, mal in Richtung Machttechnik. Ich finde diese Idee hochinteressant, dass jetzt alle über den Außenkanzler reden und man hat ja auch über Olaf Scholz mal, auch in deinen Büchern, gelesen, es gibt diesen drinnen Olaf und den draußen Olaf. Ich habe das Gefühl, jetzt gibt es einen drinnen Merz und einen draußen Merz. Interessiert sich dieser Friedrich Merz tatsächlich nicht für die Innenpolitik, wie es jetzt in Berlin ständig erzählt wird oder sind das nur seine Gegner, die ihm das anlasten wollen?

Sprecher 3: Also das ist ja nicht... nicht für innenpolitisch interessiert, ist zu stark. Was, glaube ich, einen großen Unterschied macht, der sich erst langsam vermittelt, der aber gewaltig ist, ist, es ist ein Unterschied in der Methode zu Scholz und zu Merkel. Wir kommen ja alle aus diesen ewigen Merkel-Jahren und Merkel war die Meisterin der Kleinteiligkeit. Diesen Stil hat Olaf Scholz ja eins zu eins übernommen. Ihn eigentlich noch radikalisiert. Ich meine, denk mal, die verhandeln am Ende, also die Ampel, 200 Stunden Kanzler, Vizekanzler und Finanzminister über einen Haushaltsentwurf, also etwas, was sonst ein Staatssekretär macht, und dann schaffen sie es nicht.

Sprecher 2: Am Ende auch noch drei oder vier Milliarden, wenn man sich das heute anschaut.

Sprecher 3: Also man könnte sagen, die Politik der Kleinteiligkeit, ist an ihr Ende gekommen. Und Merz funktioniert nicht so. Merz funktioniert mit, wo ist das Problem? Naja, da gebe ich die Richtung vor und die Details regeln dann meine Hintersassen. Und das wird uns noch lange beschäftigen.

Sprecher 2: Eine der spannendsten Passagen in deinem Buch ist natürlich die Frage, die viele bürgerliche, liberale Anhänger von Merz immer interessiert. Wie kam es zu dieser Schuldenwende? Du hast es jetzt mehrfach schon erzählt, trotzdem nochmal einmal kurz. Du glaubst, Friedrich Merz, dass diese geopolitisch-tektonischen Verschiebungen und der Auftritt von Selenskyj im Weißen Haus wirklich ihn so sehr innerlich verändert hat, dass er seinen Kompass bei der soliden Finanzpolitik komplett über... Den Haufen geworfen hat?

Sprecher 3: Ja, man hat mir ja vorgeworfen, dass ich mich über meine eigenen Recherchen nicht genug empöre. Ich beschreibe ja in dem... Buch, also Merz begründet ja diese Schuldenwende mit dem Zelensky, wird im Oval Office gedemütigt. Das passiert ja eine Woche nach der Bundestagswahl. Aber schon vor der Bundestagswahl gibt er einen Gutachten in Auftrag bei Udo Di Fabio, darüber schreibe ich ja zuerst, und lässt sich von dem Di Fabio... Rechnlich herleiten, warum kann man etwas im Bundestag mit Zweidrittelmehrheit beschließen, wenn der Bundestag schon abgewählt ist? Und das zielt natürlich schon auf diese Finanzrevolution. Und da sagen die Leute, riesiger Wahlbetrug und so weiter.

Sprecher 2: Man kann auch sagen, vorausschauende Politik.

Sprecher 3: Ja, also ich meine, ich würde das so sagen.

Sprecher 2: Du bist da sehr sanft mit ihm in diesen Sätzen.

Sprecher 3: Nein, ich bin nicht sanft. Ich versuche präzise zu sein und den Menschen gerecht zu werden.

Sprecher 2: Sehr gut. Sehr gut.

Sprecher 3: Also schau, ist Friedrich Merz im Innersten erschüttert dadurch, dass J.D. Vance in München sagt, das Problem sind nicht die Russen und die Chinesen, sondern euer Verhältnis zur Meinungsfreiheit. Er ist erschüttert. Ist Friedrich Merz erschüttert darüber, dass Zelensky so gedemütigt wurde im Overlaufen? Er ist erschüttert. Zweite Frage, nutzt er diese Erschütterung politisch und begründet etwas, was er tun muss? Ja, auch dies. Beides kann parallel wahr sein.

Sprecher 2: Aber er hat ja auch eine Nummer gemacht, die ich bis heute nicht restlos aufgeklärt sehe. Und du bist da näher dran. Nämlich die ominöse Quelle, die Friedrich Merz in den USA hat, die ihm angeblich einflüsterte, dass Donald Trump sich aus der NATO zurückziehen könnte, was dann nie der Fall war und auch von Trump so nie kommuniziert wurde. Diese Quelle wirklich, ist die nicht valide? Glaubst du ihm das, dass das für ihn nochmal einen Umschwung bedeutet hat?

Sprecher 3: Also zwei Fälle. Wir haben erst J.D. Vance bei der Sicherheitskonferenz. Einverstanden. Der überrascht uns ja alle mit dieser absurden Rede. Und Merz überrascht er nicht. Weil Merz macht am Vorabend, mitten in der Nacht, eine Präsidiumsschaltkonferenz und sagt den Leuten da schon, um Gottes Willen, morgen der Wanz in München, es wird krass, der wird und so weiter.

Sprecher 2: Das heißt, die Quelle war vorher schon mal richtig.

Sprecher 3: Jetzt springen wir zu dem 4. März. Am 4. März steht die Einigung mit der SPD über die Finanzrevolution. Also neues großes Sondervermögen für die Infrastruktur plus Bereichsausnahme für Verteidigung von der Schuldenbremse. Und Merz kommt ja aus diesen Schlussverhandlungen und alle denken sich, macht er A oder macht er B? Und tatsächlich macht er A, B, C und alles viel größer, als wir dachten. Und wir sind schon überrascht, aber die Unionsleute sind auch überrascht. Warum hat jeder von Merz jeden Wunsch erfüllt bekommen? Und öffentlich sagt Friedrich Merz damals, whatever it takes. Also er zitiert den berühmten Mario Draghi-Satz in der Euro-Krise. Aber hinter den Kulissen sagt er den Leuten, heute Nacht spricht Donald Trump zum ersten Mal vor dem Kongress und er wird dort sagen, Die USA treten aus der NATO aus. Das sagt er mehreren Unionsleuten, führenden Leuten und er deutet es sogar in einer Fraktionssondersitzung an. Und diese Informationen... Hatte er wieder aus einer Quelle.

Sprecher 2: Aus derselben.

Sprecher 3: Das weiß ich nicht, aber das könnte man vermuten.

Sprecher 2: Jedenfalls passiert es nicht.

Sprecher 3: Ja, aber die Begründung ist, nicht nur Trump sagt, der NATO austritt, was ja schon der Hammer war, sondern in den Gesprächen von März mit den führenden Unionsleuten wird auch thematisiert, es könnte sein, dass Putin das sofort nutzt und eine Aggression gegen das Baltikum startet. Und die baltischen Staaten sind NATO-Länder. Also da steht nicht weniger im Raum als eine Kriegssituation. Und das ist echt dramatisch. Und das ist die Kulisse für diese unionsinterne gigantische Finanzrevolution. Alles anders, als wir vorher im Wahlkampf erzählt haben. Und dass sich das dann nicht materialisiert, also dass Trump das nicht sagt, rationalisiert Merz so, Trump könnte sich ja in letzter Sekunde umentschieden haben. Aber für meine Recherchen habe ich über die Kollegen von Politico in Washington offiziell beim Weißen Haus angefragt. Das Weiße Haus sagt, es gab keinen Entwurf der Rede, in dem das gestanden hätte.

Sprecher 2: Gut, bei Trump weiß man natürlich nie, was er vielleicht in kleinerer Runde gesagt haben könnte. Lassen wir das jetzt mal so da stehen. Eins wird aus meiner Sicht trotzdem klar, März muss künftig mit H geschrieben werden. Mehr Ausgaben, mehr Wünsche werden erfüllt, mehr Geld, mehr Schulden.

Sprecher 3: Aber guck mal, Michael, jetzt sagst du, März muss mit H geschrieben werden wegen mehr Ausgaben. Aber gerade hast du noch kritisiert, dass die Stromsteuer... Ich für Kreti und Kleti.

Sprecher 2: Ja, Mehrausgaben im falschen Bereich.

Sprecher 3: Gesenkt wird. Mehrausgaben im Konsum.

Sprecher 2: Ja, das sehe ich auch so.

Sprecher 3: Nein, ist ja okay, aber es...

Sprecher 2: Die Entlastung der Mitte erfolgt nicht, aber die Mehrausgaben finden dort statt, wo sie konsumtiv sind, wo sie Gießkanne sind, wo sie nicht weitergegeben werden an die Verbraucher. Jetzt war im Koalitionsausschuss sogar Thema Mehrwertsteuer zu senken für die Lebensmittel. Das auch nicht weitergegeben würde. Die Mehrwertsteuer für die Gastronomie würde auch nicht weitergegeben. Die Mehrausgaben sind ja schon da, die sind ja offensichtlich. Die Schulden sind irre, Robin, und sie werden zu Zins- und Tilgungsausgaben führen, die so hoch sein werden wie der Rentenzuschuss. Und dann hast du irgendwann gar keinen Gestaltungsspielraum mehr. Und trotzdem, die wenigen sinnvollen Entlastungsmaßnahmen für die Mitte der Bevölkerung, zu denen trauen sie sich nicht. Das ist meine Kritik.

Sprecher 3: Ich glaube, du hast mich überzeugt, wie du das vorträgst. Das ist ordnungsliberal so sauber, ich bin überzeugt.

Sprecher 2: Pass auf, am Ende deines Buches, sehr interessant, gehst du nochmal auf die Technik ein, da geht es um die Kanzleramtschefs und auch die Rolle, die Wolfgang Schmidt aus deiner Sicht eben nicht ausgefüllt hat, weil er vielleicht zu politisch manchmal auch diese Koalitionsrunden geführt hat. Welche Rolle siehst du gerade bei Thorsten Frei, der jetzt ja sehr kritisiert wurde, weil er offenbar nicht vorher die eigenen Leute, Stichwort Markus Söder, ins Boot geholt hat? Kann Friedrich Merz sich auf seinen Kanzleramtschef nicht verlassen? Hat er die innenpolitische Abstimmung noch nicht im Blick, weil er zu sehr in Brüssel und Washington gedanklich ist?

Sprecher 3: Erstmal ist doch interessant, wir haben bei Scholz diesen Wolfgang Schmidt, diesen Kanzleramtschef, den man sieht, der auf Sommerfeste geht, der in die USA reist, der in entscheidenden Koalitionswochen plötzlich in China ist und Sicherheitsgespräche führt. Und es ist ja kein Geheimnis, dass Friedrich Merz als Oppositionsführer das kritisiert hat.

Sprecher 2: Richtig.

Sprecher 3: Friedrich Merz als Opposition, was macht denn der da, warum kümmert er so? Jetzt hat Friedrich Merz selber einen Kanzleramtschef und statt dass der irgendwie immer im Kanzleramt sitzt und nie rausguckt, hat es ja auch gegeben, denken wir an Thomas de Maizière, Ist der auch unterwegs? Der ist bei Markus Lanz und jetzt kommt der Hammer, da machen die diesen Koalitionsausschuss am Mittwochabend und der Kanzleramtschef nimmt nicht teil. Und als ich das erste Mal gehört habe, dachte ich, das kann nicht sein, das gibt es nicht.

Sprecher 2: Aber darf der nicht auch seinen Wahlkreis... Arbeit pflegen?

Sprecher 3: Ja, aber ehrlich gesagt, Da ist ein Koalitionsausschuss und der Kanzleramtschef, der nicht nur der Notetaker ist, also die Ergebnisse verschriftlicht, sondern der ja der Maschinist der Regierung sein muss, ist auf einem Sparkassen-Event und hält eine Rede. Also ich habe es bis es frei...

Sprecher 2: Sie wirklich vorher terminiert war, muss man sagen. Ja, aber ich habe es bis es frei mir persönlich besteht.

Sprecher 3: Ich habe nicht geglaubt.

Sprecher 2: Kann dieser Kanzler Friedrich Merz ein großer Kanzler werden, trotz dieser offensichtlichen Mentalitäts- und Sozialisierungsunterschiede mit seinem Koalitionspartner und trotz dieser globalen Krise und Konflikte, wo eben Deutschland eine... Geringere Rolle spielt als noch vor 10, 20 Jahren.

Sprecher 3: Die Frage ist völlig offen, weil wir wissen noch gar nicht, welche Herausforderungen die Geschichte für diesen Kanzler bereithält. So wie Olaf Scholz nicht wusste, dass er der Kanzler der Zeitenwende war, der Kanzler der Aufrüstung, so wie Angela Merkel nicht wusste, dass sie... die letzte Runde mit Corona dreht, so wie selbst Helmut Kohl nicht wusste, die Einheit kommt, so wird die Geschichte irgendwas für diesen Mann bereithalten. Und ob der sich bewährt oder nicht, werden wir dann sehen.

Sprecher 2: Vielen Dank, dass du heute bei uns warst, Robin Alexander.

Sprecher 3: Danke für die Einladung.

Sprecher 2: Über 46.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forschen in 18 Einrichtungen in ganz Deutschland für die Helmholtz-Gemeinschaft an den Technologien von morgen. Eine echte Zukunftswerkstatt ist diese Gesellschaft. Und sie ist die größte außeruniversitäre Forschungsorganisation, die natürlich auch mit internationalen Partnern eng vernetzt ist. Nun bekommt die Helmholtz-Gemeinschaft erstmals nach zehn Jahren einen neuen Chef, Martin Keller. Noch ist der promovierte Mikrobiologe Leiter der National Renewable Energy Laboratory in Colorado. Im November übernimmt er dann das Amt des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft von Ottmar Wiesler. Nicola Kurt, unsere Kollegin aus dem Research Table, konnte mit dem designierten Chef über den Wissenschaftsstandort Deutschland und dessen Zukunft schon mal sprechen.

Sprecher 4: Hallo Herr Keller.

Sprecher 5: Hallo Frau Kurtz.

Sprecher 4: Sie sind seit 30 Jahren in den USA gewesen und kehren im November zurück. Erstmal eine ganz profane Frage, wie weit ist denn der Umzug, so nach 30 Jahren?

Sprecher 5: Der Umzug ist in Planung. Also ich sage immer, das Wichtigste ist, und das haben wir gestern passiert, wo wird man denn wohnen? Also wir haben gestern unser Haus unterschrieben und somit praktisch das Leben der Bank überschrieben. Und so diese Rückkehr nach Deutschland. Das war spannend. Das ist vielleicht auch nicht immer so einfach. Da hört man natürlich diese deutsche Bürokratie durchklingen ein bisschen. Hoffentlich kommen die Möbelpacker im September und dann geht der Umzug. Und ab November sind wir dann hier.

Sprecher 4: Welche Erfahrungen wollen Sie mitbringen vom NRL? Zum Beispiel im Innovationsmanagement oder auch bei der Nachhaltigkeit?

Sprecher 5: Also wir sind ein National Laboratory, US Department of Energy in Golden, Colorado, ungefähr 4000 Leute, wo wir, glaube ich, in diesen National Labs neben der Wissenschaft auch wirklich als Applied Laboratory, wie bringt man diese Technologie in die Industrie. Und da muss ich sagen, ist Helmholtz ja auch mit gewissen Instituten wirklich super gut aufgebaut. Diese integrierte Forschung ist nach meiner Meinung weltführend. Und selbst bei uns in den USA haben wir das nicht. Da hat Helmholtz was aufgebaut, was in der Welt einfach wirklich einmalig ist. Und dann die zweite ist, um es ganz einfach zu sagen, und wir sehen das ja auch jetzt ein bisschen in Deutschland, Wissenschaftler gehen hin, wo Action ist. Und in Helmholtz ist wirklich momentan die Action.

Sprecher 4: In Deutschland wird gerade viel über Technologietransfer und auch strategische Forschung gesprochen. Wo würden Sie da Ihre Rolle sehen?

Sprecher 5: Energietransfer ist und die strategische Richtung ist, wo wir in Helmholtz eigentlich wirklich, glaube ich, sehr gut aufgestellt sind. Wir können noch besser werden. Und ich glaube, dass einer der Hauptgründe ist, dass wir unseren Wissenschaftlern, auch irgendwie zeigen müssen, dass die Zusammenarbeit mit Industrie eigentlich auch wirklich sehr, sehr interessant ist. Bei Annual, wir arbeiten mit ungefähr tausend verschiedenen Firmen zusammen, von ganz kleinen Firmen bis zu sehr großen Firmen wie Exxon Shell oder Chevron. Und das macht Spaß. Und da ist, glaube ich, auch in Helmholtz, wie können wir das noch besser, vor allem diese neue Start-up-Kultur. In Deutschland ist man ein bisschen vorsichtig. Man hat Angst, was ist, wenn das jetzt nicht funktioniert, wenn ich dann praktisch gebrannt markt für mein Leben. Ich glaube, wir haben da, können auch von Amerika lernen und zeigen, dass diese Aufbruchstimmung, können wir auch hier in Deutschland haben. Und ich spüre das wirklich ganz, ganz deutlich, dass momentan Deutschland ist ready. Deutschland hat Lust, neu aufzubrechen. Und das finde ich wirklich super spannend.

Sprecher 4: Es ist ja auch so, dass Wissenschaft natürlich nicht im luftleeren Raum stattfindet und im Moment die Welt viele Krisen auch erlebt. Auch mit Blick auf die aktuellen politischen Debatten. Wie nehmen Sie das wahr?

Sprecher 5: Ich sehe das also auch als eine große Chance für Europa und auch für Deutschland. Wenn ich selber persönlich zurückschaue, warum sind wir 1996 nach San Diego gegangen? Mein Professor, wo ich also promoviert habe in Regensburg, war Mitgründer von einer Biotech-Firma und wir haben dann gesagt, oh, da gehen wir hin, weil das ist spannend. Ich spüre in Deutschland so wirklich... ein Aufbruch und somit werden wir auch spannend hier in Deutschland, dass dann Top-Leute nach Deutschland kommen und sagen, hey, wir wollen da mit dabei sein. Ich sage mir, dass alles einfach ist. Wie gesagt, diese Willkommenskultur, wie bauen wir die auf in Deutschland? Da können wir noch besser werden. Aber letztendlich, glaube ich, ist es unsere Chance, diesen neuen Aufbruch auch umzusetzen.

Sprecher 4: In dem Thema neuer Aufbruch wird immer auch darüber nachgedacht, wie können wir jetzt eben mit Blick auf diese ganzen Krisen auch die Forschung hierzulande auch einfach resilienter machen, damit man auch dann den Blick nicht verliert eben auf die wichtigen Aufgaben, die man eigentlich hat. Haben Sie da schon Überlegungen getroffen, gerade im Punkt Forschung resilienter machen?

Sprecher 5: Wo wir vielleicht als Wissenschaftler auch noch besser werden können, dass wir in Kommunikation jedem in Deutschland oder in Europa zeigen, wie die Steuergelder helfen, ein besseres Leben zu erzeugen. Und die Frage, wohin gehen wir als Land? Und da kommt nach meiner Meinung Politik ins Spiel, weil natürlich die Politik, die Regierung setzt auch die großen Ziele. Die Hoffnung ist immer, dass, und dann haben wir vielleicht jetzt in Amerika momentan ein bisschen das Gegenbeispiel, dass diese Ziele vielleicht nicht unbedingt in Verbindung mit der Wissenschaft gesetzt werden. Wenn man als in einer Regierung die Ziele eines Volkes sozusagen in Verbindung mit den Wissenschaftlern setzt, dann ist das eine Synergy, die, glaube ich, ganz wichtig ist. Weil dann kommt dieser Triangle zusammen zwischen der Politik, der Wissenschaft. Und auch jedem Bürger. Und da ist, glaube ich, Helmholtz wirklich ein sehr interessantes Vehikel innerhalb der deutschen Wissenschaft hier, dass man da mit der Politik das gestaltet, wohin die Wissenschaft gehen soll. Und das ist, glaube ich, sehr, sehr wichtig.

Sprecher 6: Herr Keller, vielen Dank für das Gespräch.

Sprecher 7: Flo, war noch was? Mick, good news für dich, für mich, für eigentlich alle Kaffeetrinker. Unser Lieblingsgetränk am Morgen, das macht nicht nur uns wach, sondern auch unsere Zellen. Das haben jetzt zumindest Wissenschaftler der Queen Mary University in London rausgefunden. Also Kaffee. Fördert das Zellwachstum und dadurch soll angeblich kaputte DNA besser repariert werden können. Der Körper soll grundsätzlich einfach besser mit Stress umgehen können. Und so die Volkskrankheiten, Herzinsuffizienz, Diabetes oder auch Demenz, das Risiko, das zu bekommen, soll durch mäßigen Kaffeegenuss, Mick wohlgemerkt, also nicht so wie du, 24 Tassen am Morgen, soll verringert werden. Das ist natürlich mein Problem. Diese 12 Latte Macchiato am Tag, das ist einfach insgesamt zu viel. Vor allem immer auch noch die Milch mit drin. Aber eine gute Nachricht zum Schluss, denn dieser Kaffee ist schon etwas ganz Besonderes. Und wenn er auch noch hilft, Stress zu reduzieren, ist er für gestresste Chefredakteure bei Table wirklich das einzig Wahre. Ja, Mick, manchmal ist weniger einfach mehr. Vielleicht einfach den Espresso oder mal einen Espresso Macchiato nehmen, das hilft.

Sprecher 2: Vielleicht auch schon Stress zu verringern und trotzdem nicht ganz so viel Kaffee zu sich zu nehmen. Wir wünschen ein schönes Wochenende und sind am Sonntag mit einer Sonderfolge, einer ganz besonderen Folge Table Today wieder für Sie da. Wir freuen uns, wenn Sie dann wieder reinhören. Bis dahin. Ciao, ciao.

Sprecher 8: Espresso macchiato.