Demokratieunterricht in der Kita - wie soll das gehen, Frau Niejahr?
Dauer: 25:56

Demokratieunterricht in der Kita - wie soll das gehen, Frau Niejahr?

Elisabeth Niejahr, Geschäftsführerin der Hertie-Stiftung, fordert politische Bildung schon im Kindesalter. „Was man in jungen Jahren lernt, bleibt hängen“, sagt sie. „So wie man Kindern andere Dinge beibringt, kann man ihnen auch Respekt und Mehrheitsentscheidungen vermitteln.“ Dazu braucht es aus ihrer Sicht auch Weiterbildungsangebote für Erzieherinnen und Erzieher.


Union und SPD haben im Koalitionsausschuss am Abend keine Stromsteuer-Entlastung für private Haushalte beschlossen. Damit bleibt es dabei, dass – anders als im Koalitionsvertrag angekündigt – zunächst nur Betriebe entlastet werden.


In Großbritannien steht Premierminister Keir Starmer unter Druck. Er musste seine Sozialkürzungen zurücknehmen, weil die eigene Partei rebelliert. ARD-Korrespondentin Annette Dittert sagt im Gespräch mit Michael Bröcker: „Starmer hat die eigene Basis in eine Rebellion getrieben, die sich gewaschen hat. Seine Autorität hier im Land und in seiner eigenen Partei ist komplett ruiniert.“


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Transkript

Sprecher 1: Table Today. Democracy Spezial. In Kooperation mit der Hertie Stiftung.

Sprecher 2: Die Handys mussten draußen bleiben. Verschwiegenheit war das oberste Gebot, denn es ging gestern Abend im Koalitionsausschuss wieder einmal zunächst um Stilfragen und um die Kommunikation in eigener Sache. Dann wurde aber auch noch über die Rente, die Stromsteuer und das Bürgergeld gesprochen. Wir sagen Ihnen, was Sie wissen müssen. Es braut sich was zusammen im Mutterland der Demokratie in England. Die konservativen Tories ohnehin schon am Boden, aber jetzt auch der sozialdemokratische Premier Starmer mit einem handfesten Problem. Seine eigenen Leute gehen ihm von der Fahne. Die Demonstrationen im Volk gegen seine Sozialpolitik werden größer. Und am Ende gewinnt, wie so oft in Europa, ein Rechtspopulist. Das fragen wir Annette Ditter, die Institution der ARD in England, muss man fast sagen. Seit 2008 ist sie da. Ich war in London bei ihr auf dem Hausboot. Politische Bildung ist wichtig, gerade jetzt, wenn die Radikalisierung und der Frust über die demokratischen Systeme zunimmt. Auch Kinder müssen deshalb so früh wie möglich an die Vorteile der Demokratie herangebracht werden. Wie das in Kitas aussehen könnte, das haben Helene Bobrowski und Elisabeth Nier, die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, in dieser Sonderfolge unseres Demokratie-Spezials diskutiert. Es ist Donnerstag, der 3. Juli. Heute kommt die Abkühlung zumindest bei den Temperaturen. Fast fünf Stunden tagten gestern Abend die Spitzen von Union und SPD und es ging erstmal um mal wieder Stil- und Kommunikationsfragen. Die Handys mussten draußen bleiben, Vertraulichkeit sollte gewahrt bleiben und es ging mal wieder darum, wer hat welche Kommunikation zum verpatzten Stromsteuerbeschluss irgendwie doch nicht hinbekommen. Friedrich Merz gab sich selbstkritisch, so heißt es laut Teilnehmern, er hätte Markus Söder, den CSU-Chef, rechtzeitig informieren sollen. Der wusste nichts von der geplanten Stromsteuer, nicht Absenkung und machte direkt mal Ärger. Also alle hatten sich dann doch irgendwann wieder lieb und man... Beschluss überraschendes, nämlich dass man nichts beschließen werde bei der Stromsteuer. Es bleibt bei dem ursprünglichen Beschluss, wenn sich finanzielle Spielräume ergeben, dann will man auch nochmal an die Stromsteuer ran. Augen zu und durch, lautete die Devise. Es gehe jetzt zunächst mal um die Wirtschaft, um die Arbeitsplätze. Das war das Motto von SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil in dem Koalitionsausschuss. 600.000 Unternehmen, vor allem der lokal produzierenden Betriebe, wie es im Abschlusspapier der Koalition heißt, sollen profitieren von der Senkung der Netzentgelte. Auch die Gasspeicherumlage, die wird eingestellt. Insgesamt 10 Milliarden Euro für die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Wirtschaft. Aber der private Stromkunde, der bleibt eben doch bei der höheren Stromsteuer hängen. Das wären immerhin rund 200 Euro gewesen für eine vierköpfige Familie. Genau das also. Was eigentlich die SPD immer wollte, nämlich den kleinen Mann oder die kleine Frau zu entlasten, das kommt jetzt erstmal nicht. Die Wirtschaft hat Vorrang. Ob es überhaupt also jemals zu diesen Spielräumen kommen wird, man weiß es nicht. Die Gegenfinanzierungsvorschläge, die durchaus diskutiert wurden, umweltschädliche Subventionen, Kürzungen im Sozialbereich, da konnte sich die Runde gestern Abend auf nichts einigen. Eine große Mehrheit findet diese Korrelation jedenfalls immer dann, wenn es um Mehrausgaben geht. Denn die große Rentenreform, die tatsächlich so angekündigt wird in dem Papier, ist vor allem ein Ausgabenprogramm. Betriebsrentner sollen gestärkt werden, die Mütterrente ausgeweitet, die Haltelinie beim Rentenniveau. Wir hatten das ja hier schon. Keine einzige Maßnahme, um Beitragssteigerungen zu dämpfen. Ob das gut geht? Prinzip Hoffnung beim Wirtschaftswachstum. Und der Kanzler muss aufpassen, dass er nicht in den nächsten Monaten und Jahren zu einem CDU-Kanzler wird, der vor allem Geld ausgegeben hat. Die März-Koalition als Mehrausgabenregierung. So stellt es sich zumindest jetzt noch dar.

Sprecher 3: He said that he would take the difficult decisions, but isn't the reality that he is too weak to get anything done?

Sprecher 4: Mr Speaker, I'll tell them what they did to the welfare system. They broke it. And it's the same as the NHS. What did they do? They broke it. Same as the economy. What did they do? They broke it. They broke everything that they touched. And now she describes the broken system that we are trying to fix.

Sprecher 2: Keir Starmer, der sozialdemokratische Premier und inzwischen durchaus auch Vertraute von Bundeskanzler Friedrich Merz, muss um sein Amt fürchten. Denn in der Labour-Partei herrscht Aufruhr. Diese Woche konnte Starmer eine sehr wichtige Sozialreform, die ihn eigentlich Milliardeneinsparungen bringen sollte, nur durchs Parlament bringen, indem er eigentlich auf alles verzichtet hatte, was er ursprünglich mal vorhatte. Immer noch 46 Members of Parliament hatten im Haus gegen ihn gestimmt, obwohl Starmer, wie gesagt, eigentlich schon die relevantesten und wichtigsten Passagen aus dem Gesetz gekürzt hatte. Ein Aufstand, wie es ihn noch nie gegeben hat, schreibt die BBC auf ihrer Website. Was ist da los? Ich war diese Tage in London eigentlich, um mit Medien-Startups zu diskutieren und mit Journalisten über die Zukunft unserer Branche. Aber die politische Lage in London, die war natürlich auch immer Thema. Deswegen habe ich spontan Annette Dittard besucht. Sie ist nicht nur eine ausgezeichnete Dokumentarfilmerin und Korrespondentin in London, sondern auch seit 2008 so etwas wie das britische Gewissen der ARD. Diese Woche hat sie auch noch die britische Staatsbürgerschaft bekommen. Also wenn uns einer England erklären kann, dann diese Frau. Ich habe sie in Little Venice auf ihrem Schiffchen besucht. Einen schönen guten Tag, liebe Annette Dittat.

Sprecher 5: Guten Tag.

Sprecher 2: Erstmal herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt Britin.

Sprecher 5: Ja, seit gestern. Wie ist das denn passiert? Das hatte ich schon lange vor, weil ich ja hier in diesem wunderbaren Land gerne bleiben möchte. Ich habe zwar diesen sogenannten Settled Status als EU-Bürgerin nach dem Brexit bekommen, das heißt, du hast Aufenthaltsrecht, Unbegrenzt und Arbeitsrecht, aber man weiß ja in diesen Zeiten nie, ob das nicht dann irgendwann wieder verschwindet. Und ich habe mir dann gedacht, so als richtige Britin mit Pass kann man mich hier so leicht nicht rausschmeißen. Und deswegen wollte ich das gar machen. Aber auch für mein eigenes Lebensgefühl, weil ich fühle mich hier wirklich zu Hause mittlerweile. Und da möchte ich auch wählen und auch irgendwie wirklich dazugehören. Und das hat man halt doch eher das Gefühl, wenn man Britin ist und einen Pass hat.

Sprecher 2: Aber jetzt hast du auch auf den König geschworen.

Sprecher 5: Ja, das ging nicht anders.

Sprecher 2: Geht das als echte Demokratin?

Sprecher 5: Ja, also es geht schon. Es geht vor allem nicht anders und nicht ohne. Man konnte sich aussuchen, ob man auf Gott und den König schwört oder nur auf den König. Eine dritte Option gab es nicht. Also insofern habe ich es dann gemacht. Ich habe persönlich damit kein großes Problem, weil ich diesen König gar nicht so schlecht finde. Auch für die Demokratie gerade gar nicht so schlecht finde, auch wenn das ein Widerspruch scheint.

Sprecher 2: Er ist deutlich politischer als seine Frau.

Sprecher 5: Er ist deutlich politischer als seine Mutter. auf gute Weise, also im Grunde wie ein klassischer Wertkonservativer, gibt er wirklich, glaube ich, eine gewisse Stabilität dem Land. Man kann grundsätzlich die Monarchie als System und dieser ganze Föderalismus, der hier auch dadurch noch weiter herrscht, ablehnen. Und ich finde das auch grundsätzlich nicht. Sehr demokratisch, wie dieses Land hier aufgestellt ist. Das ist aber eine lange Geschichte für einen anderen Podcast. So wie es im Moment ist, ist er eher ein guter Einfluss auf das Land.

Sprecher 2: Aber trotzdem, bevor wir zur Regierung und zur aktuellen Politik kommen, wie viel Macht hat der König politisch?

Sprecher 5: Das britische Königshaus hat viel mehr Macht hinter den Kulissen, als man das in Deutschland so glaubt. Das ist eben nicht diese Soap Opera. Zum einen muss der Premierminister einmal die Woche zur Audienz zum König. Wow, ein wöchentlicher Fix. Ja, ein wöchentlicher Fix und da werden die nicht nur über das Wetter reden. Da wird der Einfluss nehmen. Der hat ja schon als Prince of Wales vorher immer wieder Einfluss genommen. Der hat ja auch schon vorher als Prince of Wales immer wieder auf Ökologie, Klimawandel hingewiesen. Das ist ein großes Thema und da hält er auch weiter dran fest. Macht das aber natürlich als König sehr viel indirekter. Aber er hat eben auch Möglichkeiten. Also es gab zum Beispiel in der Zeit als Liz Truss Premierministerin war, in diesen berühmten chaotischen sechs Wochen oder vier Wochen, Da hat die dem verboten, dem König, auf die Kopf zu fahren, auf die Klimakonferenz. Ich glaube, das war damals in Kairo oder in Ägypten. Und da kann er dann nichts machen. Da hat er dann aber am nächsten Tag einfach, oder in der nächsten Woche, oder jedenfalls mehr oder weniger, Er hat zeitgleich zur Klimakonferenz einen riesigen Empfang im Buckingham Palace organisiert. Und da musste dann auch die Regierung kommen und da kamen dann die ganzen Umweltaktivisten. Also der kann Zeichen setzen und so ein Empfang im Buckingham Palace, der bewirkt schon etwas. Da wurde dann auch darüber berichtet. Also der kann sehr indirekt Macht ausüben und das tut er auch.

Sprecher 2: Aber er kann nicht Gesetze stoppen oder doch einbringen lassen durch größeren öffentlichen Druck?

Sprecher 5: Das wird er nicht tun, da wird er sich von fern halten, was das britische Königshaus aber kann. Und das wissen auch ganz wenige. Und Gesetze, die ihre eigenen Besitztümer, und das sind ja viele, betreffen, die müssen ihm oder damals auch der Queen vorher vorgelegt werden. Und das dürfen die ändern, wenn es um ihr eigenes Land oder ihre eigenen Schlösser geht, ohne dass das Parlament dann noch groß was darüber zu sagen hat. Also das finde ich schon hochproblematisch.

Sprecher 2: Manche Traditionen bleiben eben in diesem Land. Das ist ja auch die Mutter der Demokratie, das Mutterland der Demokratie. Und du hast es schon angesprochen, so richtig stabil ist das alles gerade nicht. Wir erleben Konservative, die Tories, die vor dem Zerfall sind, keine Führungsfigur mehr haben, nach desaströsen Auftritten im Amt. Und jetzt aber auch der Labour-Chef, der 46 Abgeordnete im Parlament gegen sich hat, weil er bei Behindertenhilfe kürzt als sozialdemokratischer Regierungschef. Was ist da los?

Sprecher 5: Da ist los, dass Labour vor einem Jahr ja mit einer unglaublich großen Mehrheit ins Amt gekommen ist. Also er hat irgendwie eine Mehrheit von 165 Abgeordneten, 403 von 650. Also eine Supermajority im Grunde, absolute Mehrheit, wo er eigentlich machen kann, was er will. Das hat er auch am Anfang getan. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, dass Giesdamer erklärt hat, man würde jetzt die Winter Fuel Allowance streichen. Das ist diese sozusagen, wie sagt man das? Heizkostenhilfe. Heizkostenhilfe im Winter. Für Rentnerinnen und Rentner. Für Rentnerinnen und Rentner, weil kein Geld mehr da sei. Und das war etwas, was ihm nicht nur seine Wählerschaft, sondern auch insgesamt die eigenen Abgeordneten unglaublich übel genommen haben. Und das hat schon damals für unglaubliche Unruhe gesorgt und hat auch dafür gesorgt, dass die Popularitätswerte dieser Labour-Regierung eigentlich schon nach drei Monaten im Amt in den Keller gesackt sind. Und das hat er dann aber einfach so weitergemacht, weil er gesagt hat, ich habe so eine große Mehrheit, da kann ich eine Rebellion locker aushalten. Und jetzt kam eben dieses große Paket, wo sie gesagt haben, wir werden jetzt bei der Behindertenhilfe, auch noch bei anderen, das ist ein komplizierteres Paket, aber es geht auf jeden Fall um Sozialhilfen. Massive Kürzungen, die die Tories sich nie getraut hätten, die Konservativen. Und die natürlich bei einer Partei, die man mit sozialer Gerechtigkeit verbindet, ein absolutes Unverständnis hervorgerufen hat.

Sprecher 2: Massive Demonstrationen.

Sprecher 5: Massive Demonstrationen. Und da haben jetzt eben die eigenen Abgeordneten aber so massiv rebelliert, dass er nicht nur letzte Woche das Ding halb zurückgenommen hat, sondern im Grunde das ganze Gesetz zurückgezogen hat.

Sprecher 2: Warum muss er so viel sparen? Warum macht er nicht den März-Move als Sozialdemokrat und geht in die Verschuldung?

Sprecher 5: Weil er das nicht kann. Haushalt übernommen hat nach den Tories, der so desaströs war, wie sie es selber gar nicht erwartet hatten. Das glaube ich der Labour-Regierung auch. Also die waren wirklich schockiert, als sie dann in die Zahlen und in die Bücher geguckt haben. Und deswegen können die nicht höhere Schulden aufnehmen, weil dann kann das passieren, was mit Liz Truss passiert ist, dass die Märkte komplett durchdrehen. Da hätte er einfach sagen müssen, wir müssen die Steuern erhöhen, tut uns leid. Das hatte er aber in der Wahl versprochen, dass er das nicht machen würde. Und dann haben die versucht, das irgendwie hinzubiegen und haben dann eben die Fehler gemacht, dass sie gesagt haben, okay, dann kürzen wir halt bei den Sozialhilfen, die sowieso komplett aus dem Ruder sind. Und haben nicht wirklich darüber nachgedacht, dass sie damit die eigene Basis und die eigenen Abgeordneten in eine Rebellion treiben, die sich gewaschen hat. Und nach gestern ist damals Autorität hier im Land und in seiner eigenen Partei und auch in der Fraktion komplett ruiniert. Ich weiß gar nicht, wie das jetzt weitergehen soll.

Sprecher 2: Eine schwache Linke, eine schwache Rechte und in Umfragen eine Reformpartei mit Nigel Farage an der Spitze, der erstmals vorne liegt. Ist inzwischen in Großbritannien vorstellbar, dass dieser Mann Premierminister werden könnte?

Sprecher 5: Ja, würde ich sagen. Also vor allem, wenn die Tories sich nicht berappeln, also die CDU der Briten sozusagen, also die konservative Partei, die seit den desaströsen Brexit-Regierungen, das endete ja dann mit Liz Truss, die fast die gesamte Wirtschaft in die Luft gejagt hat, komplett jeden Kurs und jede Akzeptanz verloren haben. Die sind regelrecht implodiert bei den Wahlen vor einem Jahr. Also es ist durchaus denkbar, dass Reform, also das ist sozusagen die rechtspopulistische Partei von Farage, dass die die nächste Wahl gewinnen werden oder aber gemeinsam mit dem Rest der Tories irgendeine Art von Koalition bilden werden.

Sprecher 2: Wie schlimm ist der denn? Ist diese Partei vergleichbar mit der Radikalität der AfD?

Sprecher 5: Nein, also das ist sie nicht. Also Farage ist eigentlich einer, der will den rechten Rand mitnehmen, der will aber auch in der Mitte abgraben. Also der gibt sich auch immer als ein sozusagen... Volksnah, aber als Konservative. Also zum Beispiel die engen Verbindungen zu Trump, die hat er überhaupt nicht mehr erwähnt in den letzten Monaten, denn Trump ist hier überhaupt nicht beliebt. Den finden die Briten grauenhaft. Farage, der ja immer am Anfang, als das noch nicht so war, als noch nicht klar war, wie destruktiv Trump sein wird, damit geprotzt hat geradezu. Der hat das seit Monaten nicht mehr erwähnt, weil er eben weiß, dass er diese konservative Mitte, die von den Tories so enttäuscht ist, dass er die eigentlich mitnehmen will. Und ich könnte mir schon vorstellen, dass immer mehr Tories anfangen zu verarscht überzulaufen. Weil diese alte Tory-Partei einfach zerrüttet.

Sprecher 2: Also existenzielle Frage für die Tories. Letzte Frage, Friedrich Merz. Der Bundeskanzler hat sich sehr um ein enges Verhältnis zu Keir Starmer bemüht in den ersten Tagen durch die Reisen, aber immer auch durch das Anbinden an die Formate, die Friedrich Merz initiiert hat. Wie schaut Keir Starmer und die britische Regierung auf Friedrich Merz?

Sprecher 5: Die schauen mit ein bisschen Neid dahin, dass Merz eben einfach diese Unmengen an Schulden aufnehmen können. Die sind vor allem sehr daran interessiert, dass das gut geht, die Labour-Partei hier, dass das März da wirklich auch Deutschland vor allem eine stabilisierende und bindende Kraft in Europa wird. Weil ein Star, der war ja Remainer, der wollte den Brexit ja nie. Also diese Regierung, die will eigentlich zurück in die EU. Die wissen im Moment noch nicht, wie sie es anstellen sollen. Aber dafür brauchen die natürlich auch eine starke EU, die auch attraktiv ist. Abgesehen davon, dass generell nicht so ein großes Interesse hier an Deutschland und Europa herrscht in den Medien, sondern man mehr nach Amerika guckt, herrscht hier überwiegend ein großes Interesse daran, dass dieses Experiment mit Merz und Klingbeil gut geht in Deutschland.

Sprecher 2: Vielen Dank, Annette Ditter.

Sprecher 5: Bitteschön.

Sprecher 2: Ab wann sollten Kinder etwas über die Demokratie lernen? Am besten so früh wie möglich, damit die Demokratiefeinde erst gar keine Chance haben, Einfluss zu nehmen. Wie kann man schon in Kitas also damit beginnen, die Kinder spielerisch die Vorteile der Demokratie aufzuzeigen, ohne dass es zu einer Zwangserziehung wird? Genau das wollte Helene Bubrowski von Elisabeth Nier wissen, der Geschäftsführerin der gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Sprecher 6: Heute ist wieder Demokratie spezial und schön, dass du bei uns bist. Hallo Elisabeth.

Sprecher 7: Hallo liebe Helene.

Sprecher 6: Ist das aus deiner Sicht eine sinnvolle Zusammenlegung, dass jetzt Familie und Bildung in einer Hand ist oder ist das nicht vielleicht eine Überforderung, weil das ja doch zwei sehr wichtige, sehr große Bereiche sind, die jeweils viel Aufmerksamkeit verdienen?

Sprecher 7: Da sehe ich viele Chancen, denn zum Beispiel diejenigen, die politische Bildung seit Jahren schon machen, diagnostizieren häufig, dass man eigentlich für Kitas oder für Grundschulen aus ganz unterschiedlichen Gründen mehr tun könnte. Zum einen, weil einfach kleinere Kinder oder jüngere Schüler mehr Zeit in der Schule und in der Kita verbringen als früher. Das hat was mit Berufstätigkeit von Eltern zu tun. Und Bildungsforscher wissen, dass es eine besonders hohe sogenannte Bildungsrendite bei jüngeren Kindern gibt. Also sprich, was man in jungen Jahren lernt, davon hat man das ganze Leben was, das bleibt hängen. Ja, und deswegen sind viele der Meinung, dass man diese... Bereich ausbauen sollte.

Sprecher 6: Die Vorgängerregierung hatte das Thema ja auch schon angesprochen, insbesondere Nancy Faeser, die Innenministerin, die dafür enorm viel Kritik bekommen hat. Die Sorge vor staatlicher Indoktrination etwa wurde geäußert. Und jetzt setzt ausgerechnet eine konservativ angeführte Regierung dieses Vorhaben um. Wie kam es zu diesem Sinnungswandel?

Sprecher 7: Also die Diskussion um Nancy Faeser und die Empörung darüber, dass sie gesagt hat, politische Bildung kann auch schon bei Kita-Kindern stattfinden. Ich glaube, da ist viel falsch verstanden worden. Leute haben an die DDR gedacht oder sogar an die NS-Zeit. Und ich glaube, es gibt in Deutschland einen ausgeprägten Wunsch, dass Kinder nicht indoktriniert werden sollen und dass Schule und Kitas nicht instrumentalisiert werden sollen. Alles verständlich, alles richtig. Die Frage ist nur, ob das so eine gute Leitlinie ist bei der Frage, wie wir Kita-Erziehung heutzutage gestalten. Was Bildungsforscher meinen, ist, dass sie sagen, bestimmte Verhaltensweisen kann man auch schon mit kleinen Kindern trainieren. Also bei der Frage, wie gestalten wir einen Raum, heißt jetzt eine Kita-Gruppe Zebras oder Nashörner und wird die Wand rot oder grün, das können auch Vierjährige oder Fünfjährige schon mitentscheiden und die können per Handzeichen sagen, wie sie ihre Zeit verbringen wollen, ob sie nachmittags drinnen oder draußen spielen wollen. Und das sind so Sachen, mit denen man Demokratie auch irgendwie ganz früh lernen kann. Und ich glaube, so wie man Kindern andere Dinge beibringt, irgendwie mit Messer und Gabel zu... Essen kann man ihnen eben auch in der Kita Respekt vor Leuten, die anders aussehen oder eine andere Religion haben und so sehr frühzeitig und spielerisch auch vermitteln. Und ich glaube, das war gemeint.

Sprecher 6: Jetzt nochmal, das ist genau die Frage, wie geht das eigentlich konkret, den Demokratie vermitteln? Und dann hat man vor seinen Augen ein drei- oder vierjähriges Kind. So ganz einfach ist das nicht. Aber es geht tatsächlich, wie du sagst, vor allem um das Spiel, vor allem um das Mitentscheiden in diesen, ja, sagen wir mal, kleineren Zusammenhängen. Oder geht es auch um abstraktes Verständnis von Gerechtigkeit und anderen Dingen?

Sprecher 7: Das geht ineinander über. Also warum ich eben diesen Vergleich mit Messer und Gabel gewählt habe, ist, weil meine kleine Tochter tatsächlich, als sie in Berlin in die Kita kam, da besonders gute Tischmanieren erlernt hat, um die ich mich natürlich zu Hause auch bemüht habe. Aber das haben die einfach in der Kita besonders gut gemacht, dass sie denen beigebracht haben, dass sie nach dem Essen ihren Teller auf einen bestimmten Stapel stellen und die Gabeln wegbringen und so weiter. Und so ist das mit Themen wie Toleranz oder Dinge abzustimmen oder auch in einem sehr frühen Alter kann man auch schon sowas wie Frustrationstoleranz erlernen. Also ja zu üben, dass wenn in einer Gruppe acht Leute das eine wollen und zwei das andere wollen, dass man mit den Zweien, die sich nicht durchsetzen, zwar gut umgeht, dass man das aber eben auch manchmal aushalten muss, dass es sowas wie eine Mehrheitsentscheidung gibt. Wenn man solche Dinge mit pädagogischem Geschick angeht, kann sozusagen spielerisches Lernen, Lernen von, ich sage mal, Demokratietechniken in einem sehr weiten Sinne, auch langsam ineinander übergehen in sowas Erklärendes, Didaktisches, was vielleicht auch ein bisschen abstrakter ist, dass man denen dann irgendwann sagt, so und wenn ihr in die Schule kommt, dann wählt ihr einen Klassensprecher und das ist so ähnlich wie, wenn auch bei der Bundestagswahl gewählt wird, das ist nämlich geheim und man gibt einen Zettel ab. Ich höre immer von Bildungsforschern, dass da in den letzten zehn Jahren unheimlich viele Veröffentlichungen gekommen sind, gerade für den Bereich und ich glaube, da kann man eine Menge nutzen.

Sprecher 6: Was braucht es denn dafür, dass das gelingt? Also reicht da die klassische Kindergärtnerausbildung von drei Jahren aus? Oder müssen wir dann dazu übergehen, auch Politikwissenschaftler an den Kitas zu beschäftigen, um es jetzt mal etwas zu überspitzen? Wie siehst du das? Was ist erforderlich, damit dieser Wissenstransfer, diese Erfahrung mit Demokratie auch im kleinen Kindalter schon gelingen kann?

Sprecher 7: Langfristig brauchen wir eine andere oder eine bessere Ausbildung für Erzieher und Erzieherinnen. In vielen anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass es ein Beruf für Akademiker ist. Damit ändert man ja keine Situation von heute auf morgen. Und ich glaube, im Moment braucht man einfach auch sehr gute Weiterbildungsangebote. Für diejenigen Erzieher und Erzieherinnen, die im Moment in Kitas sind oder auch Grundschullehrer, die einfach ihr Wissen ausbauen wollen. Ich glaube, es fehlt so ein bisschen an der Bereitschaft oder auch an den Ressourcen und Kapazitäten von Kommunen. die ja oder anderen Trägern von Kitas dieses Thema auch aktiv voranzutreiben. Denn es gibt ja überall auch Personalmangel und Engpässe und so weiter. Und schon den einen oder anderen, der sagt, oh Gott, was sollen wir denn jetzt auch noch alles machen? Manchmal gibt es natürlich auch eine fehlende politische Bereitschaft. Da darf man sich auch keine Illusionen machen. Also man braucht kurz- und langfristige politische Maßnahmen und das sollte gut ineinander greifen. Und das ist was, was die neue Regierung sich, glaube ich, auch vornimmt. Ich habe Karin Prien jedenfalls auch bei einem Kongress, den die Hertie-Stiftung gemacht hat zum Thema Schule und Demokratie, so verstanden, dass ihr das ein Anliegen ist, da eine sogenannte Bildungskette zu denken. Und weil du sagst, jetzt gibt es eine CDU-Ministerin, die weitermachen soll, ein bisschen mit dem, was Nancy Faeser auch angesprochen hat. Ich erinnere mich halt auch noch gut an die Zeit von Ursula von der Leyen im Familienministerium, die ja nun auch ein CDU-Parteibuch hatte, die aber auch sehr aktiv bei dem ganzen Thema frühkindliche Bildung war. Insofern ist das auch für die Union kein ganz neues Thema.

Sprecher 6: Wie geht man denn damit um, dass nicht alle Kinder von Eltern erzogen werden, die auch fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehen? Natürlich darf auch eine staatliche Institution nicht Kinder wegnehmen, weil sie zu Hause in Anführungszeichen das Falsche mitbekommen. Also das ist ja schon ein schwieriger Konflikt, wenn man den Auftrag Demokratieerziehung... Ernst nimmt und gleichzeitig das Elternrecht, oder?

Sprecher 7: In der Tat, die Möglichkeiten sind beschränkt, aber ich glaube, dass gute Lehrer eben auch eine sehr segende reiche Wirkung haben können. Also wir haben bei den Schulthemen, die die Hertie-Stiftung macht, zum Beispiel bei diesem großen Projekt Jugend debattiert, zum Beispiel schon erlebt, dass sich Schüler, die aus einem sehr problematischen Elternhaus kamen, da auch ein bisschen gelöst haben, weil sie über Jugend debattiert eine sehr für die Demokratie engagierte Community kennengelernt haben, darin aufgegangen sind. Und dann andere Vorstellungen und Werte entwickelt haben. Das gibt es durchaus auch.

Sprecher 6: Ein schwieriger Konflikt, der natürlich nur im Einzelfall gelöst werden kann. Die Schule, die, wie du sagst, und die Schule und die Kitas, die Bildungseinrichtungen, die natürlich mehr Ressourcen brauchen. Und da ist natürlich jetzt die neue Bundesregierung gefragt, die ihren Haushalt gerade aufstellt, welche Priorität Bildung hat, kann man auch am Ende immer sehr gut an diesen Fragen der Finanzierung erkennen. Elisabeth, danke, dass wir dieses Thema heute gemeinsam beleuchtet haben. Schön, dass du da warst.

Sprecher 7: Ja, danke. Tschüss.

Sprecher 2: Flo, war noch was?

Sprecher 8: Ja, Mick, es gibt eine Art Revolution im Energiemarkt, wenn man das so möchte. Windturbinen könnten demnächst sehr angesagt sein und auch sehr verbreitet. Denn es gibt ein Start-up in den USA, Aeromine heißt das. Und das hat eine kleine Windturbine entwickelt für normale Häuserdächer, also so Flachdächer. Das Pendant sozusagen zur Solaranlage. Und das sieht auch nicht aus, wie man sich jetzt so ein Windrad vorstellt, so groß und sperrig und wie so eine große Windmühle, sondern eher wie so ein Schornsteinkasten. Und das soll, zumindest in den ersten Versuchen, sogar 50 Prozent mehr Strom erzeugen als eine vergleichbare Solaranlage.

Sprecher 2: Sehr gut, die Autarkie in unseren Häusern, sie wird irgendwann Realität. Ich muss allerdings jetzt spontan an Karlsson vom Dach denken. Kennst du den noch? Der Mann mit seinem Rotor hinten auf dem Rücken, der einfach aus dem Zimmer fliegen konnte. Für mich eine der schönsten Kindergeschichten. Ich wollte immer Karlsson sein, der einfach aus dem Zimmer irgendwo hinfliegt und Abenteuer erlebt. Aber gut, jetzt also die Rotoren, die Mini-Windräder auf den Häusern. Gute Idee.

Sprecher 8: Ja, also man sieht auch in der Stromerzeugung weht ein Wind der Veränderung durch die Technologie. Sehr, sehr spannend auf jeden Fall.

Sprecher 2: Freitag, 4. Juli sind wir um 5 Uhr wieder an dieser Stelle für Sie da. Table Today.

Sprecher 9: Change.