Kann Klingbeil die SPD wieder hinter sich vereinen?
Lars Klingbeil stellt sich auf dem Bundesparteitag seiner Wiederwahl. Doch innerhalb der SPD gibt es Unzufriedenheit mit Klingbeil.
Viele SPD-Mitglieder sind nicht einverstanden mit dem Weg, den er eingeschlagen hat. Siehaben nicht vergessen, dass er sich zum neuen starken Mann in der SPD erklärt hat – obwohl auch er für das Wahlergebnis verantwortlich war. Horand Knaup analysiert die Lage der SPD im Gespräch mit Helene Bubrowski.
Markus Haas, CEO von Telefónica Deutschland, erklärt im Gespräch mit Corinna Visser die langsamen Fortschritte beim Netzausbau. „Bislang hat noch keiner mit Glasfaser Geld verdient“, sagt er.
Haas setzt auch auf das neue Digitalministerium: „Man hat alles zusammengezogen, was bisher an Digitalinitiativen in der Bundesregierung gelaufen ist. Man hat ein klares Mandat gegeben und auch einen Fachmann aus der Wirtschaft geholt, der anders an die Dinge rangeht. Wir müssen mutig sein, wir müssen radikal sein bei einzelnen Themen.“
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Der Frust in der SPD ist groß geworden. Von der Euphorie nach den Koalitionsverhandlungen ist nicht mehr viel übrig. Schafft Lars Klingbeil es auf dem Parteitag, die Partei wieder hinter sich zu vereinen? Das ist jedenfalls sein großes Vorhaben für diese nächsten Tage. Wir diskutieren darüber mit dem SPD-Korrespondenten von Berlin Table, Horan Knopp. Funklöcher und zu langsames Internet sind in Deutschland leider immer noch normal. In einer immer digital werdenden Welt ist das natürlich ein riesiges Problem. Wann endlich schließen wir die Funklöcher und geben jedem Zugang zu Glasfaser-Internet? Das will Corinna Fisser, unsere Kollegin vom Europe Table, vom CEO von Telefonica Deutschland, Markus Haas, wissen. Es ist schwül warm in Berlin, es ist Freitag, der 27. Juni und wir freuen uns, dass Sie auch heute wieder dabei sind. Heute startet der dreitägige Bundesparteitag der SPD in Berlin. Gestern habe ich mir in Charlottenburg schon mal das Parteigelände angeschaut und habe hunderte von roten Fahnen gesehen, die dort im Wind flattern. Ein bisschen stürmisch könnte es auch werden für Lars Klingbeil, den neuen und alten Parteivorsitzenden. Er stellt sich der Wiederwahl und die Frage ist, wird der Frust sich entladen? Der Frust in der Partei, der von Tag zu Tag größer wird. Jetzt gab es noch das Manifest der Partei Linken, die durchaus russlandfreundliche Töne angeschlagen hatten. Alles nicht einfach für den Mann, der kurz nach der Bundestagswahl trotz des schlechten Ergebnisses alle Zügel an sich gerissen hat. Bröckelt nun wirklich seine Macht oder ist das alles halb so wild? Darüber spreche ich mit unserem SPD-Korrespondenten vom Berlin-Table Horan Knaup. Hallo Horan, schön, dass du bei uns bist.
Sprecher 3: Hallo Helene.
Sprecher 2: Ja, sag mal, Lars Klingbeil hat beim letzten Mal 85,6 Prozent bekommen, als er erst mal zum Parteivorsitzenden gewählt wurde. Was wäre für ihn jetzt ein annehmbares Ergebnis?
Sprecher 3: Ich glaube, alles, was sich über 80 Prozent bewegt, damit kann er sehr zufrieden sein, könnte er sehr zufrieden sein. Ich habe ein bisschen Zweifel, ob er das schafft, weil die Unruhe in der Partei, auch die Nervosität vor dem Parteitag, Die ist doch nicht unbeträchtlich.
Sprecher 2: Hurand, wir erinnern uns einmal kurz gemeinsam an den Wahlabend, das historisch schlechteste Ergebnis für die SPD. ihrer Geschichte. Und trotzdem trat Lars Klingbeil vor die Kameras und Mikrofone und hatte die Chuzpe zu sagen, natürlich bleibe ich Parteivorsitzender, ich greife außerdem kurz drauf nach dem Fraktionsvorsitz und gehe voran. Und man hatte den Eindruck, die SPD läuft eigentlich hinterher. Und jetzt gibt es doch Widerstand. Wieso eigentlich?
Sprecher 3: Naja, er hat es etwas diplomatischer verpackt an jenem Abend und auch in den Tagen danach, als du das gerade beschrieben hast.
Sprecher 4: Dieses Ergebnis wird Umbrüche erfordern in der SPD, dass wir uns organisatorisch anders aufstellen, dass wir uns programmatisch anders aufstellen und ja auch, dass wir uns personell anders aufstellen. Ich sage hier mit absoluter Klarheit, der Generationswechsel in der SPD muss eingeleitet werden.
Sprecher 3: Erstens, es gibt niemanden, der ihm diesen Job und auch die Position des starken Mannes in der SPD streitig macht. Es gibt keinen Konkurrenten. Oder keine Konkurrentin. Ganz anders als vor zwei, drei Jahrzehnten, als sich da Rudolf Scharping und Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine gestritten haben, wer denn welche Rolle da ausfüllt. Also davon sind wir Lichtjahre entfernt und davon profitiert natürlich Lars Klingbeil. Was in der Partei natürlich aufstößt seit diesem Wahlabend, er ruft sich zum starken Mann aus und die Co-Chefin Saskia Esken fällt sozusagen ins Bergfreie, hat jetzt noch einen Ausschussvorsitz im Bundestag. Und wird. freundlich verabschiedet, aber auch nicht mehr. Das ist doch eine gewisse Diskrepanz, weil beide Verantwortung tragen für dieses Parteiergebnis.
Sprecher 2: Also ist ein Teil des Frustüberlass, klingt bei Solidarität für Saskia Esken?
Sprecher 3: Ja, das Verhältnis der Partei zu Saskia Esken ist sehr ambivalent. Das ist vielleicht was für einen Therapeuten. Kaum eine Frau in der SPD, mit Ansätzen vielleicht Andrea Nahles, aber kaum eine ist mit so viel... Ja, auch Häme, Missachtung, Häme bedacht worden in den letzten Monaten, auch rund um die Wahl. Und trotzdem fällt vielen Genossen, Genossinnen auch auf, eben dass der eine sich nach oben durchschwingt und die andere ins Bodenlose fällt. Und mit diesem, wie soll man sagen, Mismatch, da hadern doch einige.
Sprecher 2: Zumal in einer Zeit, in der im Koalitionsausschuss nur eine einzige Frau sitzt. Das war bisher Saskia Esken. Künftig wird es Bärbel Baas sein, die mit ziemlicher Sicherheit zur Parteivorsitzenden gewählt werden wird. Ist sie eine, die Lars Klingbeil da helfen kann und den Unmut in der Partei ein bisschen abfangen kann?
Sprecher 3: Mutmaßlich ja, über die Rollenverteilung. Das muss man sich nochmal anschauen. Sie wird mit aller Wahrscheinlichkeit ein deutlich besseres Ergebnis einfahren als er, weil sie ein bisschen so, im Moment zumindest, der Liebling der Partei ist. Sie hat den Job der Bundestagspräsidentin gut und fehlerlos absolviert. Sprache, sie hat eine Biografie, die sehr sozialdemokratisch ist. Und solange sie sich keine Fehler erlaubt, werden ihr die Herzen der Partei zufliegen. Da bin ich relativ sicher.
Sprecher 2: Eine Frau, die jedenfalls einen schnellen Aufstieg geschafft hat, wenn man mal denkt, dass vor vier Jahren, als sie Parlamentspräsidentin wurde, die allermeisten sie noch gar nicht kannten. Horan, wir müssen über die Fachthemen sprechen, über die in der Partei gestritten wird. Da geht es einerseits um die Russland-Politik. Das Manifest von Ralf Stegner und Rolf Mützenich hat ordentlich Unmut entfacht. Kann Lars Klingbeil das in den Griff bekommen und die Zeitenwende weiter durchsetzen, die er der Partei ja verordnet hat? Also ein neues Verhältnis zu Russland.
Sprecher 3: Ich glaube ja, mutmaßlich oder er könnte dieses Manifest sogar nutzen, quasi als Startrampe, um seine eigene Position darzustellen. Hat aber auch mit der Schwäche des Papiers zu tun, das an einigen Stellen, in einigen Passagen doch eher unglücklich formuliert war. Gleichzeitig die Grundaussage, nicht nur auf Rüstung setzen, nicht diskussionslos die 5% nachvollziehen, die Donald Trump vorgibt. Auch im Gespräch bleiben nach Möglichkeit mit dem Kreml, wo und wann immer es geht. Das ist ja eine Haltung, die ist in der SPD vielleicht nicht mehrheitsfähig, aber beträchtliche Teile der Partei haben da doch einige Sympathien dafür, auch wenn sie dieses Papier nicht unterschrieben haben. Die Balance hinzubekommen, das wird die Kunst sein, die Herausforderung sein für Lars Klingbeil. Aber ich glaube, das wird er schaffen.
Sprecher 2: Kurze Nachfrage dazu, Horand. Ist nicht Ralf Stegner aus taktischen Gründen auch ganz hilfreich für Lars Klingbeil, weil er eben dafür sorgt, dass dieser friedensliebende Flügel der SPD bei der Stange bleibt?
Sprecher 3: Ja, natürlich, diesen Flügel gab es erstens immer. Zweitens hat man an diesem Manifest gemerkt, dass dieser Flügel keinen wirklichen Kopf mehr hat. Sonst wäre das Manifest sicher besser ausgefallen. Ich würde Ralf Stegner und Rolf Mützenich als im Grunde Ausgeschiedene aus der ersten Linie nicht dazuzählen. Es gab ja an die 100 Unterzeichner, die meisten waren über 65. Aber eine echte Führungsfigur, eine Leitperson gibt es auf der Linken in der SPD nicht mehr, nachdem Matthias Miersch und Tim Klüssendorf quasi ins Establishment aufgestiegen sind. Insofern ist Ralf Stegner nicht unnützlich für Lars Klingbeil, hast du recht.
Sprecher 2: Weil er eben für Ruhe sorgt, ihm aber nicht gefährlich wird.
Sprecher 3: Ja, gefährlich kann er überhaupt nicht werden. Er sorgt ein bisschen für Unruhe, aber das ist eine Unruhe. Erstens gehört die Position, wenn auch unglücklich formuliert, wie gesagt, zur SPD dazu. Und das ist eine Unruhe, die kann der Parteichef gut unter Kontrolle halten.
Sprecher 2: Sprechen wir mal über den Mindestlohn. Da soll es jetzt heute noch eine Entscheidung geben der Kommission, ob die 15 Euro eingeführt werden. Wenn nicht, dann ist der Druck aus der SPD doch ziemlich stark. das über ein Gesetz zu lösen. Das will aber die CDU nicht. Wie wird Lars Klingbeil da vermitteln?
Sprecher 3: Nach Stand der Dinge bleibt der Vorschlag der Kommission deutlich unter 15 Euro. Wird das Thema auf dem Parteitag sein? Ob da gleich der Ruf nach Gesetz kommt, bin ich nicht ganz so sicher. Vielleicht sagt die Kommission auch, wir haben uns nicht geeinigt, wir vertagen uns auf kommende Woche. Auch das wird Thema sein. Also das finde ich schwierig zu prognostizieren. Gesetzliche Regelung kommt. Natürlich wird der Vorschlag kommen und es wird Debatten darum geben, aber ob das auf Anhieb mehrheitsfähig ist, also in der Situation des Augenblicks quasi, da bin ich mir nicht ganz sicher.
Sprecher 2: Horand, wie ist es mit der Wehrpflicht? Da gibt es ja vorsichtige Andeutungen von Boris Pistorius und anderen, dass man vielleicht doch mit der Freiwilligkeit nicht weit genug kommt. Die Jusos sind schon mal präemptiv auf der Zinne und sagen auf gar keinen Fall mit uns. Wie wird Lars Klingbeil da vermitteln?
Sprecher 3: Im Prinzip ist er auf der Seite von Boris Pistorius, der sich bisher eher in Andeutung ergangen hat. Und in der Tat sind nicht nur die Josus, auch andere tun sich da schwer, in Richtung Wehrpflicht wieder zu marschieren. Halte ich für offen, wie das ausgeht auf dem Parteitag, aber es wird mutmaßlich einer der kontroversen Punkte werden und dass es da Anträge gibt, damit ist zu rechnen.
Sprecher 2: Horan für die SPD bleibt ja auch bei... diesen kleineren Konflikten ein großes Problem, nämlich was ist die Rolle der Partei, der Sozialdemokraten im Parteiengefüge, bei den ja abnehmenden Zustimmungswerten, bei der schwindenden Mitgliederzahl. Ist da die Arbeit am neuen Grundsatzprogramm, die jetzt anfangen soll, ist das der richtige Weg oder muss Lars Klingbeil da? Mehr tun, um diese künftige Rolle zu definieren, wenn es sie denn überhaupt gibt. Das ist ja auch die Frage.
Sprecher 3: Das ist ein Kernproblem der Sozialdemokratie im Grunde seit Jahren. Wer sind wir eigentlich noch als Partei, als Volkspartei, wenn es denn noch eine Volkspartei ist? Wofür stehen wir? Unklarheit in den letzten Jahren hat sich da entwickelt an den Wahlständen oder in den Infotischen, in den Fußgängerzonen. Die Sozialdemokraten können teilweise nur noch schwer argumentieren, für was diese Partei eigentlich steht. Und da muss eine Klarheit her. Die Debatte um das Grundsatzprogramm am Ende selbst soll dazu einen Beitrag leisten, muss dazu einen Beitrag leisten. Wenn die SPD aus ihrem Loch rauskommen will, dann muss sie sich zügig auf diesen Weg begeben.
Sprecher 2: Wir sind gespannt, Horan, was der Parteitag bringen wird und freuen uns, wenn du uns nochmal darüber berichten wirst. Alles Gute, bis dahin, tschüss.
Sprecher 3: Danke, ciao.
Sprecher 2: Von einem flächendeckenden Mobilfunknetz sind wir noch ziemlich weit entfernt. Das habe ich gestern wieder auf einer Zugfahrt gemerkt in das schöne Schloss Genshagen im Süden von Berlin. Auf dem Weg arbeiten geht leider nicht. Auch auf den Autobahnen ist es nicht viel besser. Auch hier gibt es große Lücken, manchmal aber auch sogar mitten in Großstädten. Ein schnellerer Glasfaseranschluss ist in vielen Wohngebieten eher Luxus als Normalität. Woran liegt das, dass wir immer noch hinterherhinken und wie sollen diese Funklöcher geschlossen werden? Darüber hat Corinna Fisser, unsere Kollegin vom Europe Table, mit Markus Haas, dem CEO von Telefonica Deutschland, einem der vier großen Netzbetreiber im Land, diskutiert.
Sprecher 5: Hallo Herr Haas, wie schön, dass Sie da sind.
Sprecher 6: Hallo Frau Fisser, grüß Sie.
Sprecher 5: Welches Funkloch ärgert Sie am meisten?
Sprecher 6: Natürlich das nächste, aber zum Glück sind das nicht mehr so viele. Wir sind heute bei 97 Prozent Bevölkerungsabdeckung 5G. Das heißt, wir sind auf Nummer drei in der EU. Und wie Sie wissen, streben wir ja bis 2028 volle Flächenabdeckung in Deutschland an. Damit sind wir Europameister, was die Netzabdeckung angeht.
Sprecher 5: Woran ist denn das Projekt Gigabit für alle und überall bisher gescheitert?
Sprecher 6: Man muss sich Ziele setzen, wo ich heute schon weiß, das kann ich schaffen. Im Mobilfunk werden wir das schaffen bis 2030. Das geht ja noch auf die Vorgängerregierung zurück. Die aktuellen Ziele, was die... den Glasfaserausbau angeht, ich glaube, da gibt es unterschiedliche Ursachen. Das eine ist, es gibt im Moment noch nicht die Nachfrage nach Glasfaser von Verbraucherseite, die man sich eigentlich wünschen würde, um die neuen Netze auch zu füllen und damit auch Geld zu verdienen. Ich stelle mal die These in den Raum, bislang hat noch keiner, der in Glasfaser in Deutschland investiert hat, eine Euro verdient. Weil natürlich große Anfangsinvestitionen da sind. Wir haben einen hohen Leerstand der Glasfasernetze und die Akzeptanz nach Glasfaser ist noch nicht so groß. Obwohl es die Zukunftstechnologie ist und jeder irgendwann einen Glasfaseranschluss haben wird.
Sprecher 5: Das klingt nach einem Marketingproblem.
Sprecher 6: Ja, ich schaue immer ganz gern nach Spanien, in das Land unseres Mutterkonzerns Telefonica. Und da sehen wir natürlich, dass Telefonica direkt noch im vollen Kupferbestand, also wann alle Kunden noch auf 16 Mbit pro Sekunde in Glas investiert hat. Und das heißt natürlich, der Quantensprung an Qualität und Leistung von einem 16 Mbit Anschluss dann auf 1 Gigabit oder auf 500 Mbit war natürlich gigantisch. In Deutschland gab es den Zwischenschritt mit VDSL, der eine stabile und gute Versorgung bringt. Aber die Frage, wofür brauche ich denn jetzt Glasfaser wirklich als Familienhaushalt oder als Singlehaushalt, die ist natürlich schwerer zu beantworten, als wenn ich vorher komplett auf Kupfer war. Und insofern, glaube ich, haben wir noch einen Weg zu gehen an Aufklärung, auch an Möglichkeiten, die Glas bietet und auch an Anwendungen, die wir anbieten müssen. damit auch wirklich alle Privatkunden überzeugt sind, ich brauche jetzt einen Glasfaseranschluss.
Sprecher 5: Dass Herr Wildberger, der Digitalminister, gesagt hat, er möchte gerne einen langsamen Ausstieg aus dem Kupfernetz, ist das dann ein Problem?
Sprecher 6: Ich denke, es ist schon richtig, eine Technologie nicht gegen den Willen der Kunden und Kundinnen einzuführen. Und in Spanien hat man auch erst nach über zehn Jahren angefangen, Kupfer abzuschalten. Das hatte man aber Penetrationsraten jenseits der 80 Prozent. Das heißt, 80 Prozent der Haushalte waren an FTTH oder Fiber to the Home angeschlossen und hatten Glas verfügbar. Da sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Wir sind jetzt bei ungefähr 15 Prozent auf der Strecke. Und dann, glaube ich, für die restlichen Haushalte ein Angebot zu machen, um dann wirklich Kupfer abzuschalten, war der richtige Weg. Das heißt, wir haben noch einen langen Weg vor uns. Einerseits das Angebot zu haben, dass alle auch Glasfaser haben können und zum anderen natürlich dann auch überzeugen, dass ich eine möglichst hohe Auslastung der Netze habe, um dann in eine Abschaltung von Kupfer zu gehen.
Sprecher 5: Dieses neue Digitalministerium, wird das denn die Wende bringen jetzt auf dem Weg, Deutschland digital nach vorne zu bringen?
Sprecher 6: Die Rahmenbedingungen sind gut. Erstens, weil der neue Minister sich zu 100 Prozent um Digitalisierung kümmern kann und nicht mit anderen Themen, Verkehr, Bahn oder Maut oder solchen Themen belastet ist. Und weil der Setup, glaube ich, auch sehr konsequent ist. Man hat alles zusammengezogen, was bisher an Digitalinitiativen in der Welt ist. Bundesregierung gelaufen ist. Man hat ein klares Mandat gegeben und hat auch einen Fachmann aus der Wirtschaft geholt, der anders an die Dinge rangeht. Wir müssen mutig sein, wir müssen radikal sein bei einzelnen Themen. Man wird nicht alles parallel fahren können und die ersten Schritte waren zumindest schon sehr vielversprechend.
Sprecher 5: Wo muss man denn jetzt mutig und radikal sein?
Sprecher 6: Also ich glaube, erstmal die richtigen Prioritäten zu setzen und zum anderen natürlich auch sehen, dass ich dann die Ressourcen abfordere und mir auch das Backing einhole, in dem Fall vom Bundeskanzler, um auch Dinge jenseits des Föderalismus umsetzen zu können, jenseits von Ministeriumsgrenzen umsetzen zu können. Es ist ja nicht so, dass wir arm werden. Wir investieren ja viel in Digitalisierung in Deutschland, aber halt oft in einzelne Insellösungen, in Lösungen, die nicht skalieren oder in Lösungen, die einfach keine Akzeptanz haben, weil sie nicht gut gemacht sind oder einfach nicht funktionieren. Man darf ja auch nicht vergessen, die Digitalisierung ist ja auch weitergegangen. Heute eine Digitalisierung oder eine Cloud-Lösung einzuführen ist leichter als vor fünf Jahren. Also auch der technologische Fortschritt jetzt beim Thema Deutschland-Stack zum Beispiel oder bei EU-ID hilft natürlich, weil man aus den Fehlern von anderen lernen kann. Aber klar ist, die Erwartungshaltung ist groß, dass wir wirklich den Anspruch, den wir als Deutschland auch zu Recht haben müssen, an digitale Lösungen in der Verwaltung, in der Bürokratie, dass die endlich gehen. Also ich wünsche mir auch wirklich, dass ich meinen nächsten Personalausweis komplett digital beantragen kann auf mein Handy.
Sprecher 5: Ich versuche es nochmal. Sie haben von Prioritäten gesprochen. Kann man das irgendwie sagen, was jetzt als... Erstes passieren muss, damit die Grundlage geschaffen wird, dass wir insgesamt so einen Schwung aufnehmen im Grunde.
Sprecher 6: Also erstens, glaube ich, muss es für jeden Bürger und jede Bürgerin fühlbar sein, dass was passiert. Also die EU-ID ist mit Sicherheit ein guter Start, da jetzt schnell zu sein, dass sie auch schnell auf dem Ausweis ist, weil damit jeder sieht, hey, es tut sich was. In anderen Ländern hat man einen nationalen Stack eingeführt. Das heißt, jeder Bürger und jede Bürgerin konnte auch Daten speichern in einer Landescloud oder in Deutschland heißt das jetzt Deutschland-Stack. Und die Infrastruktur, ich glaube, hier konsequent weitergehen. Also das heißt, 5G wollen wir Spitzenreiter in Europa werden und Glasfaser zu schauen, wie wir wirklich Schritt für Schritt die Menschen davon überzeugen. Und die Herausforderung ist jetzt auch wirklich, jeden zu motivieren und zu sagen, Mensch, ich will dieses Glas in mein Haus legen. Das ist in Deutschland leider ein bisschen aufwendiger, weil es nicht die Leerrohre gibt wie in anderen Ländern. Aber letztendlich auch Lust zu machen auf Glasfaser, das können nicht nur die Unternehmen leisten, das kann nicht nur der Staat leisten. Es muss auch wirklich ein Pull da sein, wie wir neudeutsch sagen. Das heißt, die Menschen müssen auch richtig Lust haben und Glasfaser wollen.
Sprecher 5: Ich wollte das unbedingt und deswegen habe ich auch tatsächlich anderthalb Jahre dafür gekämpft, dass ich es bekomme. Aber gut, jetzt habe ich es. Und mein Mann sagt immer, er merkt den Unterschied nicht. Herr Wildberger, eine seiner ersten Aktionen war die Änderung des Telekommunikationsgesetzes und den Glasfaser- und Mobilfunkausbau als überragendes öffentliches Interesse einzustufen. Was wird das bringen?
Sprecher 6: fehlen noch ungefähr 4% Fläche in Deutschland. Und das sind dann genau die Kreisstraßen, wo ein Wald durchführt und wo es dann zu einem weißen Fleck führen kann. All diese Gebiete wollen wir und müssen wir auch abdecken. Wir haben uns als nationale Netzbetreiber dazu verpflichtet. Das Gesetz wird dazu bringen, dass ich wirklich auch in Naturschutzgebieten, wenn ich ein Master bauen muss, um zu versorgen, auch bauen kann. Heute sind diese Standorte nicht privilegiert. Wenn ich einen Antrag stelle, wird der meistens abgelehnt und der Rechtsweg ist meistens aussichtslos. Das heißt, um wirklich die Flächendeckung, die wir alle wollen, zu erreichen, fehlen uns eben noch einige Standorte. Und insofern ist es wichtig, dass wir hier auch das Signal senden, Deutschland will überall Mobilfunk haben. Und um das Ziel zu erreichen, müssen wir eben auch in Naturschutzgebiete gehen.
Sprecher 5: Wenn Sie jetzt ein bisschen mal in die Zukunft gucken, was kommt denn da aus dem Bereich oder im Bereich Mobilfunk auf uns zu?
Sprecher 6: Es wird rund um Mobilfunk und auch durch die Möglichkeiten, die die eSIM bietet, also die elektronische SIM-Karte bieten wird, viel einfacher werden Dinge miteinander zu vernetzen. Also unsere Vision ist, dass sich jeder sozusagen im Netz sein eigenes Netz bauen kann und sozusagen in einer App per Finger alle seine Geräte vernetzen kann über eSIM-Funktionalitäten und dann entscheiden kann, wie viel Bandbreite, wie viel Geschwindigkeit brauche ich für dieses Gerät, für einen Sensor am Fahrrad wahrscheinlich ein bisschen weniger Bandbreite als für einen 4K-Fernseher zu Hause. Das heißt, dass Konnektivität nicht mehr so müde ist. Sie ist heute noch sehr, teilweise wenn ich überall eine Plastik-SIM-Karte einbauen muss, dann muss ich den PIN deaktivieren, damit ich mein Rasenmäher fahren kann. Also all diese Dinge, Konnektivität wird einfacher werden. Das hört sich sehr, sehr simpel an, aber es ist eine große Herausforderung, das so einfach zu gestalten, dass mir auch Spaß macht, alle meine Geräte miteinander zu vernetzen, vom Koffer bis zum Fahrrad bis zum, was weiß ich, meinem Ferienhaus. Das ist noch ein langer Weg. Der zweite Punkt wird natürlich sein, die Anforderungen an die Netze. Wir nutzen heute, was 5G kann, noch gar nicht aus. 5G bietet eine Latenz von unter einer Millisekunde. Braucht heute so gut kein Mensch, weil die Industrienetze noch nicht so schnell ausgebaut wurden, wie es ursprünglich angedacht war. Wir haben hier 100 Megahertz deutschlandweites Spektrum, da blutet mir auch wirklich das Herz, allokiert auf die Industrien.
Sprecher 2: Und sie nutzen es nicht.
Sprecher 6: Es gibt eine dreistellige Anzahl an Unternehmen, die Feldversuche machen. Ich glaube, da gibt es auch einen Handlungsauftrag an die Regierung zu überlegen, wie kann ich die Frequenzen besser nutzen und wie kann ich Industrien besser und einfacher, also Stichwort Network Slicing, auf Basis von bestehenden Infrastrukturen an 5G ranführen. Weil die komplett mobile, vernetzte Fabrik, so wie man sie sich in Animationsfilmen vorstellt, da gibt es noch nicht so viele. Da liegt aber viel Potenzial an Effizienzen, an Sicherheit, an auch Anwendungsmöglichkeiten für KI, die ich dann benötigen würde. Da wird Mobilfunk eine ganz wesentliche Rolle spielen. Und 6G, klar, die ersten Feldversuche mit 6G bringen 10 Gigabit pro Sekunde. Das ist jetzt noch gar nicht so relevant. Es wird erstmal wichtig sein, Potenzial von 5G auszuschöpfen, weil wir da eigentlich im Privatkundenbereich weiter vorne dabei sind, aber im Industriebereich eigentlich das Potenzial heute kaum ausschöpfen.
Sprecher 5: Herr Haas, ganz herzlichen Dank. Vielleicht sprechen wir uns bald wieder und gucken mal, was alles erreicht wurde.
Sprecher 6: Prima, sehr gerne.
Sprecher 7: Helena, war sonst noch was?
Sprecher 2: Flo, wir müssen über KI sprechen.
Sprecher 7: Böse Technik.
Sprecher 2: Ja, so, da bist nicht nur alleine du da, sondern 91 Prozent der Deutschen wünschen sich eine Kennzeichnungspflicht. Sie haben Angst, dass sie KI-generierte Inhalte nicht sofort erkennen. Also, da schwingt ein bisschen mit die deutsche Zukunftsangst oder man kann vielleicht sagen, die deutsche Fortschrittsangst. Was man nicht kontrollieren kann, das findet man unheimlich.
Sprecher 7: Aber immerhin hat eine Umfrage jetzt der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften auch gezeigt, so ganz so ängstlich sind die Deutschen dann doch nicht. Immerhin fast jeder Zweite nutzt KI zumindest ab und zu mal auch im privaten Bereich. Also so die gewisse Skepsis baut sich nach und nach ab.
Sprecher 2: Naja, das ist ja eine große Widersprüchlichkeit, die wir auch in anderen Bereichen sehen. Beim Datenschutz, die Leute haben alle abstrakt totale Angst um ihre Daten und gleichzeitig stellen sie alles freiwillig auf alle möglichen Social Media und sonstigen Plattformen. So ganz kriegt man es nicht zusammen, aber in der Tat kenne ich auch etliche. Geschichten von Leuten, die sich wirklich mit Chat-GBT schon richtig unterhalten. Eine Freundin von mir mit einem kleinen Baby stellte nun alle möglichen medizinischen Fragen von Windel, Dermatitis bis sonst was, Koliken an Chat-GBT und kriegt wirklich gute Antworten. Also Wohl-Niveau vom Kinderarzt, so war jedenfalls ihre Einschätzung. Und ein anderer Freund, der immer mal wieder mit dunklen Gedanken zu kämpfen hat, sagt auch, Chat-GBT ist ein richtig guter Zuhörer und gibt auch ganz gute Hinweise, wie es einem besser geht. Also ist es schon interessant, wie die private Nutzung sich verbreitet. Für mich kann ich das so nicht bestätigen. Ich rede viel lieber doch mit Menschen. Zwei Menschen haben wir auch morgen hier im Podcast. Zwei Brüder, nämlich die Brüder Schmieder, Gordon Schmieder aus Rheinland-Pfalz und Patrick Schmieder, den neuen Bundesverkehrsminister, die sich mit Michael unterhalten. Wenn Sie Lust haben, hören Sie Samstag rein. Ansonsten sind wir natürlich auch am Montag wieder um 5 Uhr für Sie da und wünschen Ihnen jetzt ein schönes Wochenende. Es wird wieder sonnig und warm und viele gute Gespräche, hoffentlich auch mit Menschen. Bis dahin, tschüss.
Sprecher 8: Don't put your blame on me. I'm only human after all. I'm only human after all. Don't put the blame on me. Don't put the blame on me. I'm only human. I do what I can. I'm just a man. I do what I can. Don't put the blame on me. Don't put your blame on me.