Ist die SPD bereit für die Zeitenwende, Herr Gabriel?
Dauer: 25:26

Ist die SPD bereit für die Zeitenwende, Herr Gabriel?

Ex-Außenminister Sigmar Gabriel geht mit dem Manifest einiger SPD-Altvorderen ins Gericht.

Er nennt es „historischen Unsinn“, die Entspannungspolitik der 60er und 70er Jahre auf das heutige, „revisionistische“ Russland zu übertragen.

Gabriel verteidigt Israels Angriff auf den Iran. Gleichzeitig kritisiert er Israels Vorgehen in Gaza als Völkerrechtsbruch. Dort finde eine „humanitäre Katastrophe“ statt, die nicht mehr mit dem Kampf gegen die Hamas zu rechtfertigen sei.


Friedrich Merz ist zu seinem ersten G7-Gipfel in Kanada eingetroffen.

Die Ukraine-Krise und der Israel-Iran-Konflikt dominieren die Agenda. Merz hat vor seinem Abflug klar formuliert, welche Positionen er auf dem Gipfel vertreten wird: Iran darf keine Atomwaffen haben, Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung, keine Eskalation – und Diplomatie muss wieder eine Chance bekommen.


Nikola Kuhrt vom Research Table spricht mit Ursula Gather von der Alfred-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung darüber, wie globale Krisen die internationale Forschung bremsen.

Gather betont, wie wichtig es ist, Kanäle zwischen Wissenschaftsinstitutionen offenzuhalten: „Menschen, mit denen Sie wissenschaftlich zusammengearbeitet haben und vielleicht sogar einen Forschungsfortschritt erzielt, mit denen halten Sie ein Leben lang eine friedliche Verbindung.“



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Friedrich Merz landet in diesen Momenten das erste Mal bei einem G7-Gipfel in Kanada. Das Thema natürlich die Ukraine-Krise, aber vor allem jetzt auch der Krieg Israel gegen den Iran. Wir bringen das Neueste hier für Sie in den Podcast und sprechen über all die Krisen, auch mit dem ehemaligen Außenminister Siegmar Gabriel.

Sprecher 3: Sigmar Gabels Meinung, Netanjahu hat mit seinem Erstschlag gegen den Iran recht, aber im Gazastreifen bricht er das Völkerrecht. Und natürlich spricht der dienstälteste Ex-SPD-Chef nach Willy Brandt auch zum Manifest der SPD-Altvorderen und sagt uns, was er davon hält.

Sprecher 2: Die multiplen Krisen erreichen inzwischen auch die Wissenschaft. Gemeinsame Forschungsprojekte werden auf Eis gelegt. Immer weniger geht zusammen über Länder hinweg. Nicola Kurt, die Redaktionsleiterin unseres Research Table, hat mit Ursula Gater, der Vorsitzenden der Alfred Krupp von Bohlen-Halbach-Stiftung, darüber gesprochen, warum es internationale Wissenschaftsprojekte gerade so schwer haben.

Sprecher 3: Und am Ende reden wir noch über die wahrscheinlich längste Party, die Frankreich je hatte. Die Wiedereröffnung von Notre-Dame im Ende des Jahres. Aber die Franzosen feiern den Wiederaufbau der Kathedrale immer noch. Und ich habe es mir am Wochenende mal angeschaut.

Sprecher 2: Montag, der 16. Juni. Helene und ich sind wieder vereint. Es kann also endlich losgehen.

Sprecher 3: Es ist Friedrich Merz, erster G7-Gipfel in Kanada. Nach Alberta fliegt der Kanzler und hat dort ein ziemlich volles Programm mit sehr wichtigen aktuellen Themen.

Sprecher 2: Ja, offiziell geht es um 11 Uhr an diesem Morgen los, kanadischer Ortszeit. Und er trifft natürlich alles, was Rang und Namen hat im Rahmen dieses G7. Unter anderem den Premierminister von Indien, Narendra Modi. Er ist mit dem südafrikanischen und dem brasilianischen Präsidenten verabredet. Aber vor allem geht es natürlich um den Ukraine-Krieg. Zelensky ist eingeladen, soll am Rande der Konferenz auch mit den europäischen Staatschefs und mit Merz zusammentreten. Und darum gab es auch durchaus im Vorfeld Ärger zwischen den USA und den Gastgebern.

Sprecher 3: Ja, die Amerikaner hatten da Bedenken, wollten Zelensky eigentlich nicht dabei haben, hatten sogar damit gedroht, in diesem Fall selbst diesem Treffen fernzubleiben. So kam es dann doch nicht. Die Kanadier haben sich in dieser Frage durchgesetzt, aber in weiteren Punkten könnte es noch Ärger geben, nämlich über die Erklärung, die schon vorbereitet wurde, die Erklärung der G7, wonach die russische Invasion in der Ukraine als illegal bezeichnet wird. Und offensichtlich hat auch die USA mit dieser Formulierung Probleme.

Sprecher 2: Ja, unfassbar, dass selbst so etwas nicht mehr Konsens ist im Rahmen dieser G7-Staaten und Trump will, und so hört man es auch in amerikanischen Medien, eigentlich sogar am liebsten Putin mit am Tisch haben, die G8 soll wieder reagieren. aktiviert werden. Und es gibt überraschende Meldungen, nämlich, dass die Trump-Administration erwägt, die Krim als russisch anzuerkennen. Also keine guten Nachrichten von dieser Front. Aber es gibt ja noch ein anderes wichtiges Thema, nämlich die Iran-Israel-Krise. Und dazu hat sich gestern Bundeskanzler Friedrich Merz vor dem Abflug so geäußert.

Sprecher 4: Mein Ziel wird es sein, dass wir uns im Wesentlichen über vier Punkte verständigen. Erstens, Iran darf keine Nuklearwaffen entwickeln und auch keine besitzen. Zweitens, Israel hat das Recht, seine Existenz und die Sicherheit seiner Bürger zu verteidigen. Das iranische Atomwaffenprogramm ist eine existenzielle Bedrohung für den Staat Israel. Drittens, es darf jetzt keine Ausweitung des Konfliktes geben. Ich will hinzufügen, wir wappnen uns auch in Deutschland für den Fall, dass Iran israelische oder jüdische Ziele in Deutschland ins Visier nehmen sollte. Viertens, es muss auch wieder Raum für Diplomatie eröffnet werden.

Sprecher 2: Die regionalen arabischen Nachbarn halten sich zurück. Keiner hält sich da wirklich auf die Seite des Iran. Syrien ist nicht mehr existent, die ehemaligen iranischen Freunde. Und man hat das Gefühl, und so hat es ja jetzt auch einer der Staatsvertreter gesagt, man will eigentlich gar nicht eskalieren, weil man vielleicht militärisch dazu gar nicht in der Lage ist. Iran hat angekündigt, sobald die israelischen Angriffe aufhören, werde man selbstverständlich sofort auch mit den Reaktionen aufhören.

Sprecher 3: Reaktion ist natürlich eine ganz merkwürdige. Die Umschreibung dessen, was da passiert, nur noch zur Erinnerung, es sind Raketen, die abgeschossen werden und zwar auf Zivilisten mit täglich vielen Toten.

Sprecher 2: Einer, der fest an der Seite Israels steht, ist in diesem Fall jedenfalls Donald Trump. Und Netanyahu macht das geschickt, hat sich gestern bei Fox News im Interview geäußert und gesagt, die Iraner hätten einen Attentat, einen Anschlag auf Donald Trump geplant. Und ob das stimmt oder nicht, die Belege lieferte er nicht mit. Aber das hilft natürlich, dass Trump an seiner Seite ist.

Sprecher 3: Trump steht hier sehr klar an der Seite Israels, hat aber wohl seinerseits verhindern wollen, dass die Sache weiter eskaliert. Und es soll Pläne gegeben haben von Israel, den Religionsführer Khamenei zu töten. Und da soll Trump gesagt haben, nein, so weit bitte dann auch nicht gehen.

Sprecher 2: Also viele Informationen unterwegs, aber ganz gesichert wissen wir es natürlich auch nicht, was da hinter den Kulissen passiert ist. Einer, der jedenfalls Benjamin Netanyahu gut kennt und auch die iranischen Offiziellen kennengelernt hat in seiner Amtszeit, ist Sigmar Gabriel. Damals war er drei Tage im Iran, eine sehr umstrittene Reise. Ich habe ihn auf der Konferenz Neu Denken am vergangenen Wochenende auf Palma de Mallorca getroffen und zur Krise Iran-Israel, aber auch zum Gaza-Konflikt, aber vor allem auch zum Manifest seiner sozialdemokratischen Genossen gefragt, wie es in der Ukraine weitergehen soll.

Sprecher 3: Hallo Volker.

Sprecher 2: Wie sehr ist der Angriff Israels auf den Iran der Anfang eines wirklich größeren Konfliktes oder ist der Iran inzwischen so schwach, weil er keine echten Partner in der Region mehr hat? dass er das eigentlich nur akzeptieren kann, was da passiert.

Sprecher 5: Zumindest kalkuliert Netanyahu darauf. Die Hamas liegt am Boden, die Hezbollah liegt am Boden. Die Nachbarn Israels empfinden bis auf ganz wenige das iranische Atomprogramm als mindestens genauso gefährlich für die regionale Stabilität wie Israel selber. Und der amerikanische Präsident ist offensichtlich unzufrieden mit der Bereitschaft der Mullahs, darauf einzugehen und hat grünes Licht gegeben. Aus Sicht der Israelis ist das sozusagen... Jetzt ein günstiger Moment, die existierenden Atomanlagen zu zerstören, ohne das große Risiko, was es noch vor ein paar Jahren gegeben hätte, dass die gesamte Region am Persischen Golf in Brand gesteckt wird. Man kann nur hoffen, dass die Kalkulation aufgeht.

Sprecher 2: Herr Gabriel, die Rolle der USA interessiert mich noch. Also warum jetzt und inwiefern ist es wichtig, dass die USA öffentlich gemacht hat, wir sind nicht Teil dieser Überlegung, damit das nicht zu einem ganz großen, der Nahosten steht gegen die USA-Konflikt wird?

Sprecher 5: Das Verhalten der USA und gerade der Regierung Trump in dieser Frage ist ein bisschen widersprüchlich. Es hatte das damalige existierende Abkommen JCPOA, wo sozusagen die Idee war, du lässt die Finger von einem Atomprogramm und dafür sind wir bereit, mit dir wieder zu handeln. Das ist ja ein UN-Beschluss. Das hat Trump gekündigt. Auch auf Druck des israelischen Ministerpräsidenten, weil er gesagt hat, es ist unzureichend, da sind die ballistischen Probleme nicht geklärt, da sind sozusagen das Verhalten... des Irans, Proxys zu finanzieren, die dann bewaffnet Israel angreifen, nicht geklärt. Und er ist damals ausgestiegen, gegen den dringenden Rat übrigens aller Europäer. Und dann hat er interessanterweise in der zweiten Amtszeit erneut einen solchen Versuch unternommen, jetzt seit einigen Monaten wieder zu verhandeln. In der ersten Amtszeit waren, also es gibt im Iran eigentlich keine Moderaten, sondern das sind immer Hardliner, aber es war sozusagen ein Teil in der Mehrheit der Regierung, die verhandlungsbereit mit dem Westen waren. Die sind nach dem Ausscheiden von Trump und der USA aus dem JCPOA abgewählt worden. Es sind Hardliner reingewählt worden. Und jetzt gab es wieder eine Wahl, wo eher, ich sage das mit aller Vorsicht, in Anführungsstrichen Moderate, die gesagt haben, wir müssen einen Teil der Sanktionen wegbekommen. Wir sind bereit, mit den USA wieder zu verhandeln. Aber offensichtlich nicht so weit. Dass man wirklich zu einem Durchbruch kam. Wir wissen noch nicht, ob es klug ist, aber jedenfalls eins ist klar. Ein nuklear bewaffneter Iran würde die gesamte Region destabilisieren.

Sprecher 2: Könnte es sogar im Gegenteil zu einer Art Anfang eines Regime-Change in Iran kommen?

Sprecher 5: Da wäre ich vorsichtig. Druck von außen, der nicht auch sozusagen in den bürgerlichen Schichten Widerstand gegen das Mullah-Regime organisiert, der kommt nicht weit. Für einen Aufstand brauchen Sie immer jemanden, der anführt.

Sprecher 2: Das Existenzrecht Israels ist Staatsräson in Deutschland. Im Iran ist es offensichtliche. Staatsräson Israel auslöschen zu müssen. Insofern ist Deutschland sofort an der Seite Israels. Aber wie schwer fällt es im Moment Deutschland insgesamt, Israels mehr Frontenkriegspolitik zu unterstützen?

Sprecher 5: Naja, die eine Front jetzt entsteht ja nur, weil es die anderen eigentlich nicht mehr gibt. Die Hamas ist besiegt, die Hezbollah ist besiegt.

Sprecher 2: Die Hamas ist besiegt, würden Sie sagen?

Sprecher 5: Ja, ich meine, gehen Sie mal nach Gaza. Oder gucken Sie sich die Bilder an. Selbstverständlich sind die Anführer ermordet. Gaza ist längst über den Zeitpunkt hinweg, wo man es rechtfertigen könnte mit dem Kampf gegen Hamas, was in Gaza stattfindet. Und das ist kein Antisemitismus, wenn man das sagt. Das ist eine schlichte Beschreibung. Da wird Kriegsvölkerrecht verletzt. Da werden Menschenrechte verletzt. Da kommen zigtausend Kinder um. Es ist eine humanitäre Katastrophe, die da stattfindet. Ideologisch ist die Hamas nicht besiegt. Eine Idee können sie nur besiegen, wenn sie eine bessere Idee haben. Und die bessere Idee wäre die Zwei-Staaten-Lösung. Die will aber Netanjahu nicht, sondern er will die Westbank annektieren. Völkerrechtswidrig. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie dieses Stück der Erde wirklich zur Ruhe kommen soll. Denn die Kinder der jetzt getöteten Väter und Mütter ist die Terroristengeneration von morgen. Unverbrüchliche Solidarität, Merkels Satz, das gehört zum deutschen Staatsregime. Dieser Satz steht nicht über dem Völkerrecht. Das ist eine Selbstverpflichtung, aber er darf nicht dazu führen, dass Deutschland völkerrechtsübergreifend ist. Handel nicht kommentiert. Und das fand ich richtig, was Merz und Waddepool gesagt haben. Und das ist nicht antisemitisch. Dann wären fast alle Israelis, die jeden Tag da demonstrieren, Antisemiten. Sondern die größte Bewegung gegen diesen Krieg gibt es in Israel. Ich glaube, dass Israel gerade dabei ist, seine letzten Freunde zu verlieren, wenn es so weitermacht. Es ist in vielen Staaten einfach nicht zu erklären, dass sie zigtausend tote Kinder produzieren. Und das Zweite ist, sie müssen ja irgendwie eine Alternative haben. Und die Alternative will er nicht. Die Alternative einer Zwei-Staaten-Lösung.

Sprecher 2: Er will sie wirklich nicht. Sagen Sie auch mal aus Ihren Erfahrungen immer schon.

Sprecher 5: Seit 2018 ist absolut klar. Erstens glaubt er, dass der Rest zu schwach ist. Zweitens weiß er, dass Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain seit vielen Jahren eigentlich Frieden mit Israel haben wollen. Er muss eigentlich keine Angst davor haben, dass diese Staaten ihn tatsächlich bedrohen würden, wenn er das macht. Da gibt es dann eine Revolution in der UN und ein paar Demonstrationen, aber er hält sich für militärisch mächtig genug, das auszuhalten. Er hat ja Leute in der Regierung, die würden wir in Deutschland als Rechtsradikale bezeichnen, als echte Rechtsradikale Extremisten, für die Palästinenser Menschen zweiter Klasse sind. Wir verwechseln das Israel von heute mit dem Israel von vor 30 Jahren. Israel ist in seiner gesamten Gesellschaft nach rechts gewandert. Es gibt praktisch keinen wirklichen starken Peace-Now-Flügel mehr. Leute, die bei uns bei der AfD zum linken Flügel gehören würden, sitzen dort in der Regierung.

Sprecher 2: Gibt es einen Player in dieser Region, Europa ist es offenbar nicht, der diesen Friedensprozess tatsächlich... Irgendwie noch revitalisieren kann, wenn einmal der Gaza-Konflikt beendet ist?

Sprecher 5: Wie immer, wenn es ein Land gibt, das Einfluss hat auf Israel, dann sind es die Vereinigten Staaten. Aber auch da merken wir, der Einfluss ist nicht besonders groß. Denn dass Trump mit Netanyahus Politik nicht einverstanden ist, konnten Sie doch sehen, dass er den Golf bereist hat. Und dann etwas gemacht hat, was kein amerikanischer Präsident jemals vorher gemacht hat. Er hat Israel nicht besucht. Wir müssen die Amerikaner darum bitten, ihr Engagement im Nahen Osten wieder zu erhöhen.

Sprecher 2: Sie haben ja eben gesagt, dass Sie glauben, dass Donald Trump tatsächlich als eine seiner Konstanten wirklich hat, die Kriege egal wo nicht. Zu forcieren.

Sprecher 5: Man kann von Donald Trump halten, was man will, aber er ist hochgradig skeptisch gegenüber Militäreinsätzen. Sie können das nachlesen in seinem ersten Interview, das er mal gegeben hat, wo man ihn zum ersten Mal gefragt hat, sagen Sie mal, was würden Sie eigentlich machen, wenn Sie Präsident würden? Das war 1980, natürlich im Playboy, also wo sonst?

Sprecher 2: Politisch führendes Magazin.

Sprecher 5: Ja, und hat er gesagt, zwei Dinge gesagt, also mehr als zwei Dinge, aber erstens, da würde man dafür sorgen, dass diese ganzen Luxusautos aus Deutschland aus der Fifth Avenue verschwinden. Und dann äußert er dort seine große Skepsis gegenüber Militäransätzen. Er sagt, das ist so nah immer an Nuklearfragen. Sie dürfen nicht verwechseln, was der sagt und was er macht. Fire and Fury gegen Nordkorea. Und dann fliegt er dahin und trifft sich mit ihm. Und ich muss jetzt mal ganz offen sagen, ich bin sonst kein großer Trump-Fan, aber dass da einer sagt, ich gehe persönlich ins Risiko, auch wenn ich sozusagen in meinem Land und von den Diplomaten und wem auch immer Dresche kriege, ich gehe da hin und versuche zu erreichen, dass wir von dem nuklearen Risiko runterkommen. Das ist erstmal aller Ehren wert. Und auch wenn ich nicht gut finde, was er mit Putin bespricht, dass er sich da einmischt, weil Herr Putin wird zu wenig mit Frau von der Leyen bei aller Wertschätzung nicht verhandeln, auch nicht mit Olaf Scholz oder Friedrich Merz oder Macron, so wie er will. Mit dem verhandeln, den er für Augenhöhe hält. Schlimm ist bloß, dass er den Trump an der Nase durch den Ring führt, weil er nach jedem Verhandlungsgespräch die Ukraine noch mehr bombardiert.

Sprecher 2: So ein rustikaler Klartext-Redner, ein bisschen unorthodox, immer auch ein bisschen medienkritisch. Sie müssen sich gut verstanden haben mit Donald Trump.

Sprecher 5: Ja, haben wir.

Sprecher 2: Habe ich mir gedacht. Hey, Gabi. Herr Gabriel, wir müssen, hier comes trouble, heißt dieses Pedal, deswegen müssen wir über die SPD reden. Herr Gabriel, den müssen Sie mir gönnen. Nein, ich...

Sprecher 5: Gucken Sie mal, Herr Bürger, ich kenne Sie so lange, glauben Sie, dass ich nicht darauf gewettet hätte, dass ich...

Sprecher 2: Das Manifest. Ist das ein Frontalangriff auf Lars Klingbeil und seine Politik oder ist das ein sinnvoller Nachhaltigkeitsprozess? Nachdenkenswerter Debattenbeitrag.

Sprecher 5: Das ist schon ein starkes Stück, dass Mitglieder, die ja schon im letzten Bundestag gesessen haben und die der Politik gegenüber der Ukraine, also Waffenlieferungen, Hilfe, immer zugestimmt haben. Aber ich finde erstmal, das ist ein ganz... Ganz komischen Umgang. Vor ein paar Wochen hält man noch die Klappe. Entweder waren es da Opportunisten und jetzt zeigen sie ihre wahre Auffassung. Aber ich will nochmal auf das Inhalt des Papiers. Das ist viel schlimmer. Das Schlimmste, was sie da machen, ist, dass sie die Entspannungspolitik der 60er und 70er Jahre nehmen, die Folie. Auf der das stattgefunden hat und versuchen sie auf die Situation jetzt zu übertragen. Jetzt muss man wissen, dass die Entspannungspolitik damals funktionierte, weil die Sowjetunion eine Status Quo Macht war. Die Sowjetunion wollte die Grenzen erhalten, die sie mit viel Blut im Zweiten Weltkrieg erreicht hatte. Und jetzt machen die folgendes, sie nehmen diese Folie, Und zwar, weil Sozialdemokraten leider nichts lieber machen, als nostalgisch in die Vergangenheit schauen. In die großen Zeiten der deutschen Sozialdemokratie. Und dann packen die die auf eine Situation, wo sie gar keine Status Quo Macht mehr haben, sondern sie haben eine revisionistische Macht. Und dann behauptet dieses Papier, jetzt muss aber endlich mal versucht werden mit Diplomatie, voranzukommen und Friedensverlangen zu machen. Als ob nicht jeden Tag neue Versuche unternommen werden. würden mit Herrn Putin zu diplomatischen Verhandlungen und einem Waffenstillstand zu kommen. Die Antwort von Herrn Putin ist immer die gleiche. Bombardieren der Zivilbevölkerung. Das hat so nichts zu sagen, finde ich in hohem Maße skandalös. Und letzte Bemerkung. Die missverstehen Brandspolitik als Appeasement von Moskau. Bei Brandt betrug der Anteil für Verteidigungsausgaben am Bundeshaushalt 4 Prozent. Ich glaube sogar einmal darüber. 4 Prozent. Denen in 2% schon zu viel. Also militärische Stärke. Und Diplomatie und Verhandlungsfähigkeit sind keine Widersprüche, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Und dieses Papier versucht sich darum zu drücken.

Sprecher 2: Ehrliche Einschätzung.

Sprecher 5: Weil ich mich so darüber ärgere, muss ich noch was sagen.

Sprecher 2: Gerne. Sie sehen, wie Sie hier ausreden dürfen.

Sprecher 5: Das steht ja, selten mal Ihnen. Da steht ja in dem Papier, Im Übrigen sind die europäischen Armeen längst stärker als Russland. Steht da ja wirklich drin. Das sagen Leute, die bis vor einem Jahr verhindert haben, dass die deutsche Bundeswehr auch nur eine einzige bewaffnete Drohne hat. Auch nur eine einzige. Das Mittel, mit dem die Ukraine sich verteidigt. Über das verfügt die deutsche Bundeswehr nicht. Und zwar unter anderem wegen Herrn Mützenich und Herrn Stegner. Jetzt müssen wir diese Kapazitäten erstmal aufbauen. Und die Leute, die das... Sozusagen verhindert haben, sagen, eigentlich haben wir schon genug. Vorne und hinten ist das historischer Unsinn, es ist politisch falsch und es ist ein ziemlich bösartiger Versuch, dem zweiten Mann in der Großen Koalition, zwischen den Beinen zu treten. Das ist schon nicht sehr freundlich.

Sprecher 2: Können Sie mir mal erklären, vielleicht auch anderen Menschen in Deutschland, wie sich ein Ralf Stegner, der, glaube ich, einmal in seinem Leben den Wahlkreis gewonnen hat, so lange in Spitzenämtern bei der SPD halten kann?

Sprecher 5: Wenn ich das erklären könnte, wäre ich selber noch dabei.

Sprecher 2: Herr Gabriel ist froh, dass er nicht mehr in der Politik ist. Ich bin nicht froh, dass Sie nicht mehr in der Politik sind. Einige hier vielleicht auch nicht. Vielen Dank, lieber Herr Gabriel.

Sprecher 5: Damit Sie keine totalen Entzugserscheinungen haben, bin ich heute gekommen.

Sprecher 2: Ich bin froh. Vielen Dank. Vielen Dank, Herr Gabriel.

Sprecher 3: Wissenschaft braucht den Austausch, nicht nur den Austausch unter den Disziplinen, sondern auch den Austausch mit anderen Ländern, mit anderen Wissenschaftscommunities. Wahre Wissenschaft ist international, so kann man es vielleicht sagen. Und das ist schwierig geworden, auch durch die Anzahl der eskalierenden internationalen Konflikte. Wir haben gerade schon darüber gesprochen, Nahost, Ukraine, aber natürlich auch die Unwägbarkeiten von Donald Trump, die es Wissenschaftlern immer schwerer machen, sich auszutauschen.

Sprecher 2: Umso wichtiger ist es, dass sie sich vernetzen, denn Forschung und Forschungsergebnisse können nur im internationalen Austausch im Netzwerk wirklich optimal eingesetzt werden. Jedenfalls, die Redaktionsleiterin unseres Research Table, Nicola Kurt, hat mit Ursula Garter gesprochen. Sie ist die Vorsitzende der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung. Und die beiden haben vor allem darüber geredet, wie man Science Diplomacy vielleicht sogar auch für Friedensinitiativen einsetzen kann.

Sprecher 6: Wir wollen uns heute über Science Diplomacy unterhalten. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Sprecher 7: Ja, vielleicht fange ich mal biografisch an. Ich hatte selber vielleicht das Privileg, so darf ich sagen, Gastprofessuren gehabt zu haben im Ausland, in Yale, in Melbourne, auch in Frankreich und ganz zu Anfang sogar in Indien, in Pune. Und ich habe das als außerordentlich gewinnbringend. für meine persönliche wissenschaftliche Karriere empfunden, aber auch dadurch gelernt, dass wissenschaftlicher Fortschritt eben international ist und letztlich auch internationale Verständigung mit sich bringt und damit vielleicht sogar im Letzten etwas Friedenssicherndes hat.

Sprecher 6: Wie hat sich die Perspektive aber geändert, auch gerade wenn man jetzt auf die heutigen Zeiten guckt, wo das sicherlich nochmal viel wichtiger ist als früher?

Sprecher 7: In meiner Zeit als Rektorin hatten wir tatsächlich einen gemeinsamen Sonderforschungsbereich eingeworben mit der St. Petersburg State University in der Quantenphysik, der sich in der zweiten Phase schon befand, als der Überfall auf die Ukraine geschah und der dann politisch nachvollziehbar ja sofort eingestellt wurde. Insofern diese Erfahrung, dass es ganz wichtig ist, solche Kanäle zu haben. Und sie, wenn möglich, offen zu halten, auch in schwierigen Zeiten. Also, dass Wissenschaftsinstitutionen international ihre Gesprächskanäle offen halten, das finde ich sehr wichtig.

Sprecher 6: Es ist ja auch eine Idee, den globalen Süden stärker einzubinden in die ganzen Science Diplomacy Debatten. Was ist aus Ihrer Sicht erfolgsversprechend? Also welchen Ansatz sollte man hier verfolgen?

Sprecher 7: Natürlich, Internationalität heißt... Alle. Und dazu gehört auch natürlich der globale Süden. Aber ehrlicherweise müssen wir... konzedieren, dass da viel Luft nach oben ist. Und es geht hier sicher auch darum, eine gleichberechtigte Partnerschaft aufzubauen. Ich habe das eben in jungen Jahren selbst erfahren durch eben einen längeren Forschungsaufenthalt in Indien. Die Wissenschaftler in aller Welt begegnen sich auf Augenhöhe. Dass die staatlichen Institutionen nicht immer mit denselben Mitteln ihre eigenen Forschungsziele erreichen können. Das gehört aber auch dazu. Deshalb ist es vielleicht auch wichtig, dass man ohne paternalistisch daran zu gehen, da unterstützt. Und das hat ja ganz früher auch mal so angefangen, als der Zugang zu Zeitschriften ja eigentlich über das gedruckte Exemplar kam, dass die Menschen sich Brieffrins zugeschickt haben. Und heute ist das sicher eine Unterstützung auf andere Weise. Vielleicht Zugang zu verschaffen, überhaupt den Dialog und die Augenhöhe herzustellen.

Sprecher 6: Wenn Sie einem jungen Menschen raten müssten, warum es sich lohnt, in die Wissenschaft zu gehen und sich international zu engagieren, was würden Sie ihm sagen?

Sprecher 7: Internationaler Austausch und das, was wir jetzt Science Diplomacy nennen, ist nicht nur für das persönliche Fortkommen von Bedeutung, da aber mit Sicherheit, weil es den Blick war, Es ist aber auch im letzten, glaube ich, ein Beitrag zum Frieden. Denn Menschen, mit denen sie wissenschaftlich zusammengearbeitet haben und vielleicht sogar einen Forschungsfortschritt erzielt, mit denen halten sie ein Leben lang eine friedliche Verbindung.

Sprecher 3: Vielen Dank, Frau Gatter, für das Gespräch.

Sprecher 2: Helene, da war noch was.

Sprecher 3: Michael, ich komme ja gerade zurück aus Paris. Das ist immer toll und diesmal war es wirklich besonders toll. Und Höhepunkt meines kleinen Trips war der Besuch der Kathedrale Notre-Dame, die ja seit wenigen Monaten erst wieder ihre Türen für Besucher aufgemacht hat. Und jetzt ist sie wirklich erstrahlt im neuen Glanz und ich war sehr beeindruckt. Und, wusstest du es eigentlich, Michael, Nordrhein-Westfalen, vor allem Köln, hat bei der ganzen Sache erheblich mitgeholfen.

Sprecher 2: Ohne die Kölsche Hilfe kann es nirgendwo am Ende gut gehen. Erst recht nicht in der Welt der Gotik. Freut mich sehr, dass die Kölner da mitgeholfen haben. Ich freue mich auch mal wieder hinzufahren. Es ist einfach zu schön, diese Kirche.

Sprecher 3: Die Kölner Dombauhütte, die sich ja mit all diesen Geschichten sehr gut auskennt, die hat geholfen, sechs Fenster zu restaurieren. Also es ist sehr, sehr eindrucksvoll und unbedingt zu empfehlen.

Sprecher 2: Auf nach Paris. Wir bleiben erstmal in Berlin. Morgen Table Today, 5 Uhr wieder hier.

Sprecher 8: S'envole une chanson. Elle est née d'aujourd'hui dans le cœur d'un garçon. Sous le ciel de Paris marchent des amoureux. Leur bonheur se construit sur un air fait pour eux. Et le ciel de Paris a son secret pour lui. Depuis vingt siècles, il était pris de notre île Saint-Louis.

Sprecher 9: Indeed statt Ausreden. In meiner Gaststätte macht jetzt der Koch die Buchhaltung. Mh, Salensalat. Find lieber die richtigen Mitarbeitenden und sichere dir 75 Euro Startguthaben. Auf indeed.com slash Guthaben. Es gelten die AGB.