Gibt es das BSW noch, Frau Wagenknecht?
Dauer: 25:26

Gibt es das BSW noch, Frau Wagenknecht?

Das BSW gibt nicht auf. Parteichefin Sahra Wagenknecht sieht Wahlfehler, bereitet eine Namensänderung vor und grenzt sich von der Linken und der AfD ab. „Unsere Wähler sind die, denen es sozial nicht gut geht“, sagt sie. Die AfD stehe der CDU inhaltlich viel näher als dem BSW. Die AfD sei durch die Brandmauer der CDU erst stark geworden.


Eine neue Studie offenbart die strukturellen Schwächen der Grünen in der Ampelzeit. Trotz Robert Habecks Vizekanzlerschaft fehlte es der Partei an einem klaren Machtzentrum – und am Willen zur Hierarchie. Michael Bröcker und Helene Bubrowski diskutieren, wie die Doppelspitzen-Logik den Weg zu einer strategischen Neuausrichtung der Grünen blockiert.


Nach einem Besuch nahe der Front warnt NRW-Minister Nathanael Leminski vor einer russischen Sommeroffensive. Im Interview spricht er über die Erwartungshaltung der Ukrainer an Deutschland. Eine Taurus-Lieferung scheint nicht ausgeschlossen, hat aus seiner Sicht aber keine Priorität.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Die Grünen sind immer noch auf der Suche nach Antworten. Warum haben sie bei der Wahl so schlecht abgeschnitten und welchen Kurs soll diese Partei in Zukunft eigentlich einschlagen? Dazu gibt es jetzt eine Studie, die uns exklusiv vorliegt. Wir sagen Ihnen, was drinsteht.

Sprecher 3: Es vergeht kein Tag, an dem Putin die Ukraine nicht bombardiert. Seit der Aktion Spinnennetz, der sehr erfolgreichen Aktion der Ukrainer, sind die Angriffe noch härter geworden. Was macht das mit der Moral der ukrainischen Truppen und wie kann Deutschland jetzt helfen? Das haben wir mit Natalia Leminski gesprochen, der nordrhein-westfälische Minister für Internationales, der gerade ziemlich nah an der Front in der Ukraine war und sich ein Bild von der Lage gemacht hat.

Sprecher 2: Am Ende fehlten dem BSW nur 9.500 Stimmen, um in den Bundestag einzuziehen. Nachdem das jetzt nun nicht geklappt hat, ist es still geworden. Um den ehemaligen Shootingstar der deutschen Politik, Leonard Schulz, unser Kollege vom Berlin Table, hat mit der Gründerin und Parteivorsitzenden Sarah Wagenknecht darüber gesprochen, wie es eigentlich jetzt beim BSW weitergeht.

Sprecher 3: Es ist Mittwoch, der 11. Juni. In Österreich ist die Trauer noch groß. Und wir stehen natürlich an der Seite unserer österreichischen Freunde.

Sprecher 4: Ich will für mich sagen, das war exakt der Wahlkampf, vor dem ich geträumt habe, den ich führen wollte, den wir führen wollten. Und ich bin stolz darauf, was wir geschafft haben, dass wir uns rausgekämpft haben. Vielen, vielen Dank an alle Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer. Danke an die Partei, an die Bundesgeschäftsstelle.

Sprecher 3: Für die Grünen war das Wahlergebnis bei der Bundestagswahl enttäuschend. Sie wollten das Kanzleramt erobern, landeten dann bei 11,6 Prozent der Stimmen. Das war weniger als 2021, nämlich sogar ganze drei Prozent weniger. Und dabei war eigentlich 2021 schon ein enttäuschendes Ergebnis für die Grünen. Und jetzt machen sie sich dran, mal zu gucken, woran hat es eigentlich gelegen.

Sprecher 2: Ja, und bevor Robert Habeck den Studenten an der Elite-Uni Berkeley erklärt, wie Politik funktioniert, sollte er vielleicht mal seinen Mitgliedern erzählen, was da schiefgelaufen ist und in die Böll-Stiftungsstudie gucken, die ihr exklusiv für Table ausgewertet habt, Jelena.

Sprecher 3: Sie wird heute vorgestellt. Wir durften schon mal vorab reinschauen. Es geht um eine Analyse der Schwachstellen der Partei in der Ampelzeit insgesamt. Und eine der Kernaussagen ist, dass es trotz der Vizekanzlerschaft von Robert Habeck eben kein echtes Machtzentrum gibt, sondern zu viele Runden, nämlich die Sechserrunde, die Partei, die Fraktion, die Länder, die Regierung. Alle haben mit allen geredet und niemand wusste und übrigens auch die Koalitionspartner nicht so genau, wer gibt. hier eigentlich den Kurs vor.

Sprecher 2: Aber Helene, ist es vorstellbar, dass die Grünen mal ihre doppelten, doppelspitzen Strukturen wirklich beseitigen für so eine klare hierarchische Struktur?

Sprecher 3: Das Interessante bei den Grünen ist ja, dass auf Parteitagen die umkämpftesten Fragen sind immer die der inneren Verfasstheit, also die Satzungsfragen. Wenn ein Quorum ein bisschen erhöht werden soll für irgendwelche Änderungsanträge, dann ist der Aufschrei in der Partei so groß und zwar größer, als wenn es um programmatische Verschiebungen geht in der Sozialpolitik oder etwa in der Friedenspolitik. Das ist so und ich finde, das ist überfällig, dass die Grünen hier einen Schritt machen. Denn, wenn wir uns erinnern, diese Regeln, insbesondere diese Doppelspitzen und diese Sechser und Achter und sonst was Runden, stammen aus einer Zeit, die die Grünen längst hinter sich gelassen haben, aus der Zeit der Grünen als Antiparteienpartei, wo man Regeln geschaffen hat, um Macht zu begrenzen, weil man Macht mit großem Misstrauen begegnet ist. Und das passt natürlich überhaupt nicht zu dem machtpolitischen Anspruch, den die Grünen heute erheben, nämlich den Anspruch, der sie ja, die Hoffnung haben sie ja nicht aufgegeben, irgendwann doch wieder in die Regierung, vielleicht sogar ins Kanzleramt tragen soll.

Sprecher 2: Aus meiner Sicht ist ja ein Punkt in dieser Böll-Studie viel relevanter, der da auch aufgezeichnet wurde, nämlich, dass dieser Flügelkampf am Ende nie wirklich aufgelöst wurde. Die Realos, die Linken, ist es jetzt nur eine Partei der bürgerlichen Mitte, wie sie es Habeck eigentlich immer haben wollte, oder ist es doch einfach eine linke Partei und dann müsste man halt auch wirklich dezidiert linke Politik machen, wie zum Beispiel bei der Linkspartei.

Sprecher 3: Da spricht... Du hast natürlich die zentrale Frage an, mit der die Grünen jetzt immer noch ringen und zwar noch mehr als zuvor in der Oppositionszeit eingeklemmt zwischen AfD und Linkspartei. Wohin gehen die Grünen programmatisch hoch umstritten? Die einen sagen, wir machen die reine Klimapartei, denn Schwarz-Rot spielt das Thema nicht. Die anderen sagen, wir können nicht weiter dabei zusehen, wie die Linkspartei uns Wähler wegnimmt. Wir müssen wieder linker werden. Und die Dritten sagen, nein, wir müssen in die Lücke stoßen, die die FDP hinterlassen hat, also eine moderne Bürgerrechtspartei werden. Wohin die Reise geht, ist noch völlig unklar. Und die Frage ist auch, wer führt die Partei eigentlich in welche Richtung?

Sprecher 2: Es war ein kurzer Augenblick der Hoffnung, den die Ukrainerinnen und Ukrainer nach der spektakulären Geheimdienstoperation Spinnennetz hatten. Putin und seine Luftwaffe wurde im eigenen Land empfindlich getroffen, aber die Reaktion, man konnte es ahnen, fiel brutal aus. Seitdem überzieht Putin und seine Truppen die Ukraine mit noch mehr Drohnen und Raketenangriffen.

Sprecher 3: Unerbittlich geht der Kampf weiter in der Ukraine. Es wird immer schlimmer. Das ganze Gerede von Verhandlungen durch den russischen Machthaber ist natürlich reine Show. Und jetzt haben die Ukrainer Angst, dass es eine Sommeroffensive geben wird der Russen, die ja jetzt schon Landgewinne, wenn auch nicht im hohen Umfang, aber trotzdem Landgewinne verzeichnen können. Und die Frage ist, wie geht es den Menschen eigentlich, wie geht es den Soldaten und was fordern die von Deutschland, was wollen die vom Westen? Wir sind jetzt verbunden mit Nathanael Leminski, dem Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, der auch Minister in seinem Bundesland ist für Internationales und er ist jetzt auf dem Rückweg aus der Ukraine. Herr Leminski, Sie waren 100 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Was haben Sie da gesehen? Können Sie beurteilen, wie die Moral der Ukrainer ist? Haben die jetzt Angst vor einer Racheaktion nach der ja sehr erfolgreichen Spinnennetzaktion?

Sprecher 5: Die Moral der Ukrainer ist auch unweit der Grenze ungebrochen hoch, aber die Lage ist bedrückend. Sie haben es dort zu tun. mit Luftalarm, nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag. Das gehört zur Lebensrealität der Menschen in der Ukraine und vor allen Dingen im Osten des Landes. Aber die Entschlossenheit ist ungebrochen, auch im vierten Kriegsjahr. Und umso stärker sind natürlich auch die Erwartungen an die Europäer, weil man sich daran erinnert, dass die Gegnerschaft mit Russland ihren Anfang auf dem Maidan genommen hat, als sich die Ukraine Europa zugewandt hat. Und je enttäuschender das Miteinander mit den USA ist, desto größer werden die Hoffnungen nach Europa, insbesondere nach Deutschland, hier dafür zu sorgen, dass das Völkerrecht verteidigt wird, dass die Demokratie verteidigt wird, dass die Freiheit Europas letztlich verteidigt wird.

Sprecher 3: Ja, dass die Freiheit Europas verteidigt wird, das ist genau der Punkt. Aber was muss Deutschland denn da tun? Ja, gerade die CDU, der sie ja angehören hat, im Wahlkampf auf Bundesebene sehr lautstark den Taurus gefordert. Jetzt spricht kaum einer mehr drüber, jedenfalls nicht öffentlich. Warum eigentlich nicht? Soll denn der Taurus geliefert werden?

Sprecher 5: Die Zufriedenheit der ukrainischen Regierung mit der neuen Bundesregierung ist jedenfalls sehr hoch. So ist mir das begegnet, sowohl im Gespräch mit dem Außenminister als auch mit dem Minister für strategische Industrien, der sich um die Rüstungsproduktion zu kümmern hat. Man weiß sehr zu schätzen, dass der Bundeskanzler zugesagt hat, neben den 100 Millionen in diesem Jahr für die Entwicklung von Langstreckendrohnen, auch in den nächsten drei Jahren verlässlich jeweils 100 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das scheint nicht nur mir, sondern auch den Ukrainern die deutlich nachhaltigere Lösung, eine Produktion in der Ukraine sicherzustellen für Langstreckendrohnen, damit man dem russischen Terror etwas entgegenzusetzen hat.

Sprecher 3: Trotzdem nochmal die Frage, was ist mit dem Taurus?

Sprecher 5: Der Taurus war ein Thema im Wahlkampf. Er ist es jetzt nicht mehr in der gleichen Weise. Es ist aber gleichzeitig nicht ausgeschlossen, dass es zu einer Lieferung kommt. Ich finde es aber wichtig, dass wir bei der Frage der richtigen Bewaffnung der Ukraine uns nicht auf ein System beschränken. Der Wahlkampf ist vorbei und eine richtige Kriegführung beginnt damit, alle Handlungsoptionen auf dem Tisch zu lassen. Und deswegen finde ich es richtig, dass die Bundesregierung an der Stelle sich auch nicht auf ein Waffensystem beschränken lässt.

Sprecher 3: Ja, verstehe ich. Aber habe ich Sie jetzt auch so richtig verstanden, dass Sie sagen, der Taurus war eigentlich ein Wahlkampfmanöver?

Sprecher 5: Nein, ich habe Friedrich Merz gehört, der die Begrenzung herausgenommen hat aus der Kommunikation und der sich anders als die vorangegangene Bundesregierung deutlich bekannt hat zur Entwicklung von Langstreckenwaffen für die Ukrainer, die von Deutschland alleine in diesem Ausmaß unterstützt werden. Den Ukrainern ist es offenkundig deutlich lieber, diese Unterstützung zu erhalten, als eine ellenlange Diskussion über den Einsatz von Taurus und damit fremder Waffen.

Sprecher 3: Vielen Dank, Herr Leminski, und eine sichere Fahrt nach Hause zurück.

Sprecher 5: Dankeschön.

Sprecher 6: Ich muss sagen, ich habe einen fantastischen Wahlkampf erlebt. Wir hatten tolle Veranstaltungen und ich weiß, wie viele Unterstützer, wie viele Mitglieder bei ISIS-Kälte an den Infoständen gestanden haben. Und ich muss sagen, nochmal ganz, ganz...

Sprecher 2: Vor einem Jahr lag das BSW, Sie erinnern sich vielleicht, das Bündnis Sarah Wagenknecht bei 10% in den nationalen Umfragen. Es war der Rekordwert für diese junge Partei und die Ampel war kurz vor ihrem Ende. Der Einzug in den Bundestag erschien zum Greifen nah für die ehemalige linken Politikerin und ihre kleine Partei. Bei der Neuwahl dann im Februar kam es allerdings anders. Dem BSW fehlten ca. 9.500 Stimmen für den Einzug in den Bundestag. Stattdessen freute sich die Ex-Partei von Sarah Wagenknecht, die Linke, über das überraschend hohe Ergebnis von 8,8%. Eine Niederlage, die das BSW bis heute nicht wirklich akzeptieren will. Und Sarah Wagenknecht glaubt bis heute, dass eine Neuauszählung die Partei über die 5%-Hürde bringen würde. Dass es dazu allerdings kommt, ist unwahrscheinlich. Wie geht es dieser Frau und dieser Partei eigentlich? Was hat sie vor? Leonard Schulz, unser Kollege vom Berlin Table, hat mit ihr gesprochen.

Sprecher 7: Nach dem letzten Jahr, wo Sie ja wirklich einen rasanten Aufstieg mit dem BSW hingelegt haben, hat es bei der Bundestagswahl wirklich denkbar knapp nicht gereicht zu dem Einzug. Was passiert jetzt? Möchten Sie die Partei nun doch vielleicht auflösen?

Sprecher 6: Nein, also dass man eine Partei deshalb auflöst, weil man nicht in den Bundestag eingeht. gezogen ist beim ersten Wahlantritt, wenn das die Regel wäre, gäbe es in Deutschland so gut wie keine Parteien, weil es gab bisher noch keine neu gegründete Partei, die es beim ersten Mal geschafft hat. Bei uns ist es sogar eine relativ offene Frage, weil es gab ziemliche Unregelmäßigkeiten. Wir haben ja auch ein Wahlprüfungsverfahren laufen. Nach aller statistischen Wahrscheinlichkeit haben wir tatsächlich mehr als die 9500 Stimmen, die uns offiziell fehlen. Und ich finde schon befremdlich, wie bisher mit unserem Wahleinspruch umgegangen wird. Also der Bundestag hat ja noch nicht mal diesen entsprechenden Ausschuss installiert.

Sprecher 7: Wie kommen Sie darauf, dass es diese statistische Wahrscheinlichkeit gibt, dass da falsch ausgezählt wurde?

Sprecher 6: Es gibt systematische Zählfehler im Promillebereich bei den Auszählungen bei der Bundestagswahl. Das ist auch bekannt, in besonderer Weise bei Parteien, die weit unten auf dem Wahlzettel stehen. Es gab zum Beispiel eine ganze Reihe von Wahlbezirken, da haben wir auffällig wenige Stimmen, also 0 oder 1 und sehr, sehr kleine Parteien, die normalerweise im Nullkomma-Bereich rangieren, haben sehr viele Stimmen. Es gab einige Wahlbezirke, wo das dann auf dem Weg vom vorläufigen zum Endergebnis nochmal kontrolliert wurde. Und da hat sich überall herausgestellt, dass die Stimmen falsch zugeordnet waren. Also der Stapel von Bündnis Deutschland, das waren eigentlich unsere Stimmen. Das Problem ist, dass es nur sehr, sehr wenige Wahlbezirke gab, wo man es überhaupt überprüft hat. Man hat es in den meisten Fällen nicht überprüft. Und wir haben ja... als einzige Partei tatsächlich auch vom vorläufigen zum Endergebnis über 4000 Stimmen nochmal dazu gerechnet bekommen. Also das zeigt ja, dass beim Zählverfahren Fehler stattfinden. Also diese 4000 Stimmen sind halt vorher ja nicht gezählt worden. Aber da muss man eben immer sagen, die meisten Wahlbezirke wurden nicht überprüft. Wir haben eidesstattliche Versicherungen von Menschen, die gesagt haben, in unserem Dorf alleine unsere Familie hat ihnen fünf Stimmen gegeben. Offiziell sind aber nur drei Stimmen irgendwie, also es gibt ja inzwischen die Veröffentlichung der Wahllokale, es gibt da angeblich nur drei Stimmen im ganzen Dorf für das BSB. Oder es gibt auch Wahlhelfer, die uns gesagt haben, ja in ihrem Wahllokal wurden zum Beispiel BSB-Wahlzettel, wo nur eine Stimme vergeben war, weil wir haben ja meistens nur mit der Zweitstimme waren wir wählbar, weil wir keine Direktkandidaten haben. Die wurden als ungültig gewertet, was sie natürlich nicht sind. Und das sind eine ganze Reihe von Fehlern, wo es auch aus dem Bundeswahlbüro ja durchaus die Äußerung gab. Also die Chance besteht, dass das BSW tatsächlich mehr als diese 9500 Stimmen mehr hat, wenn man genau hinschauen würde. Es gab auch Nachzählungen in den Wahllokalen, die nicht so auffällig waren, wo wir auch dazu gewonnen haben, einfach weil nochmal nachgeschaut wurde. Also das Wahlverfahren in Deutschland ist natürlich fehleranfällig, weil Menschen Fehler machen, nicht weil es eine böse Absicht gibt. Und umso mehr müsste... eigentlich jeder Demokrat ein Interesse daran haben, dass man das nochmal genau anschaut und dass man wirklich hier eine korrekte Neuauszählung macht. Und wir werden da auch dranbleiben, dass das passiert.

Sprecher 7: Wie nutzen Sie denn die Zeit, wo Sie zumindest jetzt nicht im Bundestag sind, um sich neu aufzustellen? Ich habe gehört, es wird ein Jugendverband gegründet. Es war auch mal im Gespräch, dass Sie Ihren Namen ändern. Was sind jetzt die größten Neuerungen, die in diesen Wochen vorbereitet wurden?

Sprecher 6: Ja, das sind alles die Dinge, auf die wir uns jetzt konzentrieren. Also wir haben ja auch unverändert sehr viele Menschen, die Mitglied werden wollen. Dann gibt es junge Menschen im BSW, die jetzt einen Jugendverband gründen werden im Juli. Wir gründen inzwischen auch thematische Arbeitsgruppen. Auch das haben wir ja vorher nicht geschafft, also zu unterschiedlichen Themen. Ja, auch Expertenräte, aber eben auch Leute, die innerhalb der Partei sind, haben einen Arbeitskreis Corona, wir haben einen Arbeitskreis Gesundheitspolitik, Sozialpolitik wird es jetzt bald geben, Medienpolitik. Weil natürlich zu Recht ja auch gesagt wurde, ja, das BSW hat natürlich bisher nur ein sehr, sehr schmales Programm. Das ist ja unser Gründungsmanifest, das umreißt das Grundprofil, aber das ist eben nicht sehr detailliert. Und in diesem Jahr wird auch der Name geändert auf dem Parteitag im November. Das wird dann Ende des Jahres zwar natürlich nach wie vor BSW heißen, aber dann eben nicht mehr nach mir persönlich einfach, also nicht, weil ich nicht mehr dabei bin, sondern weil es natürlich immer... eine Übergangslösung war, dass wir also nach mir, nach meinem Namen die Partei benannt haben. Das haben wir auch immer so gesagt.

Sprecher 7: Und haben Sie schon ein paar Favoriten für den neuen Namen?

Sprecher 6: Ich habe ein paar persönliche Favoriten, aber es wäre jetzt auch wirklich, würde ja die Diskussion abwürgen, wenn ich jetzt sage, ich will unbedingt diesen Namen, sondern es gibt wirklich viele spannende Vorschläge und eigentlich wird es eher schwierig sein, sich am Ende zu entscheiden. Das wird am Ende der Parteitag dann natürlich auch machen.

Sprecher 7: Lassen Sie uns doch nochmal auf Ihre Ex-Partei schauen, die Linke. Das war ja wirklich eine ironische Wendung des Schicksals, dass gerade die Linke dann nochmal ganz kurz vor der Bundestagswahl so einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat. Wie sehen Sie das? Hat die Linke es da eigentlich noch besser geschafft, Themen wie Mietenpolitik konsequent zu besetzen, was dann am Ende doch wichtiger war als die Friedenspolitik für die Wählerinnen und Wähler? Oder woran lag es Ihrer Meinung nach?

Sprecher 6: Naja, zum einen hatte die Linke wirklich starke Unterstützung. Man hat das ja medial gesehen. Das ist ja auch teilweise gesagt worden, dass man eben wollte, dass die Linke reinkommt und nicht wir. Aber wir konkurrieren im Grunde nicht um das gleiche Wählerklientel. Also die Linke hat Dinge gemacht, die wir früher angemahnt haben, nämlich soziale Themen. Aber vom Gesamtprofil ist die Linke eine Partei, die vor allem davon profitiert, dass die Grünen so weit runter sind, weil sie in diesem Klientel, also in den eher großstädtischen, akademischen, jungen Milieu, weil sie dort vor allem ihre starken Ergebnisse hat. Das ist ein... etwas anderes Klientel oder sind völlig andere Wähler als die, die wir erreichen.

Sprecher 7: Welche sind Ihre?

Sprecher 6: Ja, unsere Wähler sind natürlich die Menschen, denen es sozial eher nicht so gut geht, die eher keine akademischen Abschlüsse haben. Bei uns ist auch interessant, dass wir Stadt und Land relativ gleich verteilt sind, auch bei den Altersgruppen übrigens. Also wir haben da nicht irgendwie einen besonderen Peak bei den Jungen, auch nicht bei den Alten, sondern eigentlich eher bei den mittleren Jahrgängen. Wir hatten ja im letzten Sommer sehr gute Umfrageergebnisse, auch als wir diese starken Wahlergebnisse hatten, weil wir mit einem bestimmten Profil angetreten waren. Dieses Profil hat natürlich im Herbst gelitten, auch unter den, vor allem unter den Auseinandersetzungen auch in Thüringen um die Regierungsbildung. Und wir haben vor allem an die AfD verloren.

Sprecher 7: Jetzt sind Sie aber ja eigentlich neu angetreten, auch um der AfD glaubhaft Stimmen wegzunehmen. Und Sie sagen, das hat jetzt auch unter anderem daran gelegen, dass Sie mitregieren in Thüringen. Ist das denn der Kern dieses Mitregieren, den Sie haben in Ihrem Streit mit Katja Wolf?

Sprecher 6: Es geht nicht darum, ob man regiert. Wenn man eine Partei ist, die Gesellschaft verändern möchte, Politik verändern möchte, wird man irgendwann auch regieren und regieren wollen. Sondern es geht darum, wie man regiert. Aber wir müssen deutlicher machen, auch bei Themen, die vielfach ja nicht unbedingt Geld kosten, aber für die Menschen was verändern, in der Bildungspolitik, in den Lehrplänen zum Beispiel. Also es geht um die Corona-Aufarbeitung, es geht um... Amnestie von Menschen, denen damals auch Unrecht widerfahren ist. Es geht um eine andere plurale Medienpolitik. Meinungsvielfalt, Meinungspluralismus ist für uns ein ganz wichtiges Thema, ist in Deutschland eins, was immer mehr unter die Räder gerät. Man muss sich landespolitisch wirklich auch profilieren, wenn man in einer Regierung ist. Und wenn der Eindruck entsteht, wir sind da einfach nur das dritte Rad am Wagen und in Thüringen natürlich noch die spezielle Schwierigkeit ist, dass die Landesregierung mit drei Parteien noch nicht mal eine Mehrheit hat, sondern dann immer noch die Linke braucht und sich auch meines Erachtens, ist das ein Fehler, sich nur an die Linke gekettet hat, statt auch mit wechselnden Mehrheiten zu regieren, kommt dann eben zum Beispiel auch bei der Migrationspolitik am Ende nicht das raus, was viele Wählerinnen und Wähler wollten. Und dann sind sie enttäuscht und einen Teil davon verliert man an die AfD. Wir hatten am Anfang nicht wenige Wähler, auch immer noch, die zwischen uns und AfD schwanken. Also deswegen haben wir ja so an die AfD verloren, weil wir diese Wähler vorher erreicht haben. Und ich finde, dass wir sie auch wieder erreichen können, weil die AfD ist keine Friedenspartei, auch wenn sie sich dieses Image gerne gibt. Sie ist für Aufrüstung. Sie ist auch keine Partei für die sogenannten kleinen Leute, weil sie will im sozialen Bereich noch stärker kürzen als Friedrich Merz. Aber die AfD hat das Glück, das muss man wirklich so sagen, die Brandmauer rettet sie, weil sie nie in die Lage kommt, irgendwo etwas mit in... entscheiden zu müssen und dadurch kann sie sich eben als lupenreine Protestpartei weiter profilieren und wird auch weiter stark werden, wenn dieser Fehler nicht überdacht wird.

Sprecher 7: Das heißt, Sie würden im Prinzip dafür plädieren, dass man in Turing, es hätte so regeln sollen, dass man auch mit der AfD zusammen Mehrheiten gewinnt.

Sprecher 6: Eine Minderheitenregierung oder eine PAD-Regierung muss sich Mehrheiten suchen.

Sprecher 7: Also selbst mit der AfD?

Sprecher 6: Ja, die CDU in Thüringen hatte überhaupt keine Skrupel, als noch Bodo Ramelow regierte, mit der AfD Mehrheiten zu suchen. Also heutzutage ist das immer so ein Riesenaufregerthema. Das war damals so. Die haben mehrfach mit der AfD, also sie haben mehrfach Anträge eingebracht und in einigen Fällen hat die AfD diesen Anträgen zugestimmt. Und wenn man Anträge als Regierung einbringt und die AfD stimmt zu, dann weiß ich nicht, warum das der große Skandal ist. Also objektiv ist es so, dass die CDU mit der AfD mehr Übereinstimmungen hat als zum Beispiel mit uns und erst recht als mit den Grünen. Diese Brandmauer-Debatte ist völlig irrational, weil man tut so, als schadet man der AfD damit. Faktisch ist es so, dass die AfD hinter der Brandmauer immer stärker geworden ist und die CDU eigentlich das historische Versäumnis hat, dass sie nicht zu einer Zeit mit der AfD sogar koaliert hat, als die AfD noch eine relativ... Konservative Professorenpartei war, mit der man durchaus sogar hätte in eine Regierung. gehen können. Und irgendwann wird es gar nicht mehr die Lage geben, dass die CDU die Frage sich stellen muss, ob sie mit der AfD regiert, weil die AfD immer weiter an der CDU in den Ländern zumindest vorbeizieht. Und auch im Bund ist das ja nicht mehr ausgeschlossen.

Sprecher 7: Frau Wackenecht, vielen Dank für das Gespräch.

Sprecher 6: Sehr gerne.

Sprecher 3: Michael, du auf dem Sprungmann nach Mallorca, bevor du abfliegst, war noch was.

Sprecher 2: Wir müssen noch einmal über einen Ort reden, in dem ich so gerne mit der Familie bin, nämlich Karls Erdbeerhöfe. Kennst du die?

Sprecher 3: Ja, wobei ich da wirklich bisher noch nicht war, weil mir Leute erzählten, dass es da gar keine Erdbeerpflückfelder gibt, anders als ich dachte, was ich als Kind besonders gerne gemacht habe, sondern irgendwelche schrecklichen Rummel, Kirmes, weiß ich nicht was. Und da denke ich dann nur, es ist voll und laut.

Sprecher 2: Siehst du, und ich als wirklich offizieller Vertreter der Kirmes- und Rummelkultur in Deutschland finde sowas großartig. Da hat einer mal Erdbeeren verkauft und sich gedacht, als kleines, sympathisches Familienunternehmen, wir machen mehr daraus für die Kinder und hat ein bisschen Freizeitpark drumherum gebaut, aber alles immer noch schön und klein und sympathisch. Aber jetzt natürlich auch ein bisschen Merchandising. Na klar, so läuft das dann. Aber jetzt ist herausgekommen, dass man ihm, diesen netten Menschen vom Karls Erdbeerhof, 63.000 Kaffeetassen geklaut hat. Alleine im vergangenen Jahr. Die Kosten im Souvenir. Ich habe übrigens 2,50 Euro. Finde ich wirklich nicht in Ordnung.

Sprecher 3: Michael, vielleicht ist das irgendwo der Preis des Kapitalismus, der Kommerzialisierung. Ich weiß, so darf man das nicht sagen, aber im Garten meiner Mutter, wo es herrliche Walderdbeeren gibt, ist sowas schlicht nicht zu befürchten.

Sprecher 2: Und dann haben sie auch noch so einen netten Spruch unter dieser Tasse geschrieben. Nämlich, man soll sie doch bitte in den Restaurants nutzen, denn, und so steht es unten drunter, diese Tasse hat magische Kräfte. Stehle sie und dein Küchenschrank wird zur Bad Vibes Zone. Kaffee schmeckt dann aus keiner Tasse mehr. Kaufe sie und dein Schrank wird zur Oase des guten Geschmacks. Deine Wahl. Das ist doch nett.

Sprecher 3: Das finde ich wiederum echt nur Ironie der Geschichte, dass die Leute wahrscheinlich das erst lesen, wenn sie zu Hause ankommen und sich dann wirklich ärgern. Denn der Aberglaube ist ja auch in diesem hochrationalen Deutschland doch verbreitet. Ich würde mich wirklich sehr, sehr schlecht fühlen, wenn ich einer dieser Tassenräuber wäre. Und weil das jetzt gerade so anklang, ich verurteile das natürlich auf das Schärfste. Und insofern geschieht den Leuten recht, wenn der Kaffee ihnen dann nicht mehr schmeckt.

Sprecher 2: Und liebe Kriminelle da draußen, das ist eben nicht Schlafinertum und Kleinkriminalität. Das ist Diebstahl, geht gar nicht. Wir sind jedenfalls morgen ganz legal wieder um 5 Uhr für Sie da. Table today.

Sprecher 3: Tschüss.