Merz meets Trump - Wie der Kanzler den Präsidenten umgarnen will
Friedrich Merz trifft heute US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus – der erste direkte Austausch zwischen dem Bundeskanzler und dem amerikanischen Amtskollegen. Merz und sein Team haben intensiv nach den richtigen Gesprächseinstiegen gesucht, die Gemeinsamkeiten betonen. So will Merz wohl auch eine Initiative gegen Deepfakes im Netz ansprechen, die von Melania Trump ins Leben gerufen worden sein soll. Michael Bröcker und Helene Bubrowski über den bisher größten außenpolitischen Balanceakt des Bundeskanzlers.
Im Gespräch mit Claudia Neu, Professorin für Soziologie ländlicher Räume und Vorsitzende des Sachverständigenrats Ländliche Entwicklung, wird deutlich, wie stark sich viele Menschen auf dem Land vom Staat im Stich gelassen fühlen. Jahrzehntelanger Abbau öffentlicher Infrastruktur habe eine tiefe Entfremdung zur Folge: „Die Erwartung an einen funktionierenden Staat ist in Deutschland sehr stark – im ländlichen Raum erleben die Menschen aber vielleicht viel intensiver, dass der Staat sich von ihnen verabschiedet hat“, sagt Neu.
Alexander von zur Mühlen, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, sieht Deutschland wieder als attraktiven Standort für Investoren. Kapitalmarktteilnehmer loben das 500-Milliarden-Paket und werten die Reformbereitschaft der Bundesregierung als klares positives Signal. „Heute, im Juni 2025, schauen wir auf eine andere Welt – Deutschland liefert sich selber eine Opportunität“, sagt von zur Mühlen über das wachsende Vertrauen internationaler Anleger. Jetzt aber müssen Reformen folgen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die Themen sind identifiziert. Ukraine, Zölle und vielleicht auch der Iran. Der 30-Stunden-Trip von Friedrich Merz nach Washington an diesem Donnerstag. Er könnte der erste Lackmustest für seine außenpolitische Kompetenz werden. Wir nennen die letzten Vorbereitungen.
Sprecher 3: Und wir schauen nicht nur nach Washington, sondern auch in die ländlichen Räume. Seit zehn Jahren zieht es mehr Menschen von den Städten aufs Land als umgekehrt. Und trotzdem hält sich hartnäckig das Bild vom abgehängten ländlichen Raum. Ist das nur ein Vorurteil oder tut die Politik wirklich zu wenig für ländliche Räume? Das hat unser Kollege vom Berlin-Table Horand Knaup mit Claudia Neu, der Vorsitzenden des Sachverständigenrats Ländliche Entwicklung, diskutiert.
Sprecher 2: Am Mittwoch hat das Kabinett den Investitionsbooster verabschiedet, der die deutsche Wirtschaft voranbringen soll. Aber was sagen eigentlich die Investoren, vor allen Dingen die aus dem Ausland dazu? Das weiß einer ganz bestimmt, Deutsche Bankvorstand Alexander von Zumühlen. Er ist gleich bei uns am runden Tisch.
Sprecher 3: Es ist der amerikanischste aller Donnerstage, nicht der 4th of July, sondern der 5th of June. Heute ist es soweit, März trifft Donald Trump. Ein Treffen, das für Europa und für Deutschland sehr wichtig ist.
Sprecher 2: Eine Stunde ist angesetzt im Weißen Haus und dann gibt es wohl auch die berühmte Szenerie in diesem kleinen Raum im Oval Office, wo auch die Medien zugelassen werden. Und dann wird man sehen, ob Friedrich Merz und Donald Trump diesen einen wichtigen persönlichen Draht gefunden haben oder ob es da hakelig wird.
Sprecher 3: Immerhin kann Friedrich Merz gut Englisch. Das war ja nicht bei allen Kanzlern der Vergangenheit so. Also da sollte eine Verständigung auch ohne Dolmetscher möglich sein. Schwieriger sind die Themen, über die sie reden wollen. Das wird Verteidigung sein, so viel ist klar. Auch außenpolitisch wird man sprechen, das ist dann schon weniger klar, denn bei Trump weiß man in der Ukraine-Frage nie ganz genau, wo er eigentlich steht.
Sprecher 2: Drei Dossiers nimmt er mit auf den Weg nach Washington DC, auf dem Acht-Stunden-Flug nach Washington. Es ist natürlich der Zollkonflikt, darüber haben wir hier schon gesprochen. Es geht um die Ukraine und die Verteidigungsausgaben und es gibt ein Dossier zum Iran. Das könnte ja ein gemeinsames Feld für die USA und für Deutschland sein, das Vorgehen dort gegen das Land, das Israel auslöschen will.
Sprecher 3: Ja, es ist schon sehr stark geprägt, die Vorbereitung hier in Berlin von der Suche nach Gemeinsamkeiten, von Wegen, wie man Donald Trump ja in die Reihe des Westens wieder eingliedern kann, aus der er ja zuweilen ausscherrt. Man versucht ja diese Strategie des Umschmeichelns mit dem Präsidenten. Ich bin da immer so. So hin und her gerissen, weil ich denke, einerseits ist das taktisch wahrscheinlich der richtige Weg und andererseits denke ich, Mann, es ist der deutsche Bundeskanzler, der da hinfährt, die viertstärkste Wirtschaftsnation der Welt überhaupt. Und wir überlegen uns jetzt, wie man ihn umschmeichelt und behandelt ja damit auch Trump fast wie so ein cholerisches Kleinkind. Also irgendwo denkt man ja auch, im Grunde sollten doch zwei erwachsene Männer da miteinander verhandeln, zwei Männer, die zwei wichtige Staaten anführen.
Sprecher 2: Ja, aber ich habe das Gefühl, das Thema ist inzwischen schon in den Brunnen gefallen. Immerhin sucht wirklich diesen Punkt, wo er Trump, ja, ich hätte fast gesagt, gefügig machen kann. Da geht es um den Take-it-down-Act, ein Gesetz, mit dem es strafbar sein soll, sexualisierte Bilder und Deepfakes einer anderen Person im Netz zu verbreiten. Eine Initiative angeblich von Melania Trump und eine, wo man sagen könnte, Mensch, da habt ihr was gemacht in den USA, was wir auch in Europa gut finden. Also Merz will unbedingt etwas finden, wo er Trump loben kann, eine gemeinsame Basis schaffen, Demut umschmeicheln. Das passt ja alles gar nicht zu Friedrich Merz, aber es scheint die Strategie im Kanzleramt zu sein. Denn eine Eskalation bringt am Ende einfach keine Ergebnisse.
Sprecher 3: Wie das funktioniert, das müssen wir uns dann nochmal aus der Nähe anschauen. Trotzdem empfehle ich doch sehr, sich nicht zu verzwergen, sich nicht kleiner zu machen, als man ist. Denn am Ende verstehen Typen wie Trump ja dann doch auch nur die Sprache der Stärke. Also zu sagen, Entschuldigung, wir sind eine wichtige Wirtschaftsmacht, wir sind eure Partner. Wir legen uns nicht vor euch in den Staub.
Sprecher 2: Ja, selbstbewusst, ohne überheblich zu sein, das muss er natürlich hinkriegen. Und immerhin hat er eines gemacht. was er früher nicht so wirklich konnte, nämlich zuzuhören denjenigen, die Trump besser kennen oder schon kennengelernt haben. Er hat mit Mark Rutte wohl intensiv gesprochen, mit Georgia Meloni, die beiden sehr guten Rat zu Trump haben, aber auch sich mit Jens Spahn beraten, der ein sehr gutes Verhältnis zu Trumps Berater, Freund, weiß man nicht, früheren deutschen Botschafter Richard Grenell pflegt. Und aus all diesem entwickelt sich dann ein Puzzle, wo man Trump auf seine Seite ziehen könnte. Ländliche Regionen, zum Beispiel wo ich herkomme, aus der Sackeifel, wie wir sagen würden im Rheinland. Das ist zwischen Bonn und der Rheinland-Pfälzischen Grenze Meckenheim, das nennt man Sackeifel. Jedenfalls diese wunderbaren ländlichen Räume in Deutschland, sie sind Räume des Zuzugs mittelständischer Wirtschaftskraft, niedriger Arbeitslosigkeit und hohen Engagement. So heißt es schon in einem Bericht von Cem Özdemir, dem früheren Landwirtschaftsminister.
Sprecher 3: Und gleichzeitig hören wir immer wieder, dass es gerade im ländlichen Raum so eine große Unzufriedenheit gibt. Die Wahlergebnisse für die AfD sind übermäßig hoch, natürlich gerade im ländlichen ostdeutschen Raum. Die Menschen fühlen sich abgehängt, der Bus fährt nicht, die Bahn sowieso nicht. Wie bringt man das nun eigentlich zusammen?
Sprecher 2: Ja, und werden diese ländlichen Regionen vielleicht von der Politik zu stiefmütterlich behandelt? Das wollte Horan Knob, unser Kollege vom Berlin-Table, von Claudia Neu wissen. Sie ist Professorin für Soziologie ländlicher Räume an den Universitäten Göttingen und Kassel und Vorsitzende des Sachverständigenrats Ländliche Entwicklung.
Sprecher 4: Frau Neu, Sie beschäftigen sich mit ländlichen Räumen. Die gab es. Immer. Aber wohl dort noch nie so ausgeprägt ein Gefühl des Abgehängtseins. Woher kommt dieses Gefühl?
Sprecher 5: Das ist nicht ganz neu, dass eben Rückständigkeit ein Thema ist. Aber wie gesagt, dieser Begriff des Abgehängtseins ist natürlich sehr griffig und geht wahrscheinlich mit der Erfahrung einher, dass für viele Menschen... In vor allem peripheren ländlichen Räumen in den vergangenen 20, 30, vielleicht auch 40 Jahren, im Westen wahrscheinlich schon 50 Jahre, erlebt wird, wie die Lebensinfrastruktur, also der öffentliche Personennahverkehr, Ärztemangel, Einkaufsmöglichkeiten, Apotheken, all das, was man eigentlich für ein gutes Leben braucht, verschwindet.
Sprecher 4: Auf dem Land hat man gelegentlich schon das Gefühl, über was streitet ihr da eigentlich in Berlin? Ein paar Beispiele, Gendersprache. Cannabis, Deutschland-Ticket. Die Menschen auf dem Land haben, ich generalisiere jetzt ein bisschen, haben das Gefühl, damit habe ich eigentlich nichts zu tun. Deutschland-Ticket, ich brauche mein Auto hier, Gendersprache, hä? Und so weiter. Trägt das auch dazu bei, zu dieser Kluft?
Sprecher 5: Also ich würde grundsätzlich nicht von ländlichen Mentalitäten sprechen. Aber dieser Diskurs läuft auf jeden Fall, dass Menschen... Immer wieder davon berichten, dass ihre Lebenswelt mit der in Berlin nichts zu tun hat und dass eben sie ja letztlich, wie sie gesagt haben, auf das Auto angewiesen sind und der Bus nicht fährt, der Arzt nicht kommt. Also ihre tägliche Realität sich anders abspielt als eben mit einem gut funktionierenden ÖPNV in Berlin. Dabei wird... natürlich vernachlässigt, dass auch in Berlin Arzttermine nur noch sehr schwer zu bekommen sind.
Sprecher 4: Welche Erwartungen haben die Menschen an den Staat noch?
Sprecher 5: Ich glaube, in Deutschland gibt es in Ost wie West eine sehr starke Erwartung an einen Leistungsstaat, der eben dafür Sorge zu tragen hat, dass... Eine funktionierende Daseinsvorsorge da ist. Und diese Daseinsvorsorge umfasst sowohl Bildung als auch Gesundheit, Brücken, die Deutsche Bahn. Und wir sehen ja schon, dass es da große Unzufriedenheit gibt. Nicht erst seitdem Brücken zusammenkrachen und Bahnen nur noch sehr unregelmäßig fahren. Also die Erwartungen an einen funktionierenden Staat ist in Deutschland sehr stark. Und da würde ich jetzt gar keinen Unterschied zwischen Stadt und Land machen. Im ländlichen Raum erleben die Menschen aber vielleicht viel intensiver, dass der Staat sich irgendwie von ihnen verabschiedet hat.
Sprecher 4: Und was heißt das für Ihr Verhältnis zum Staat?
Sprecher 5: Vielleicht darf ich da kurz aus meiner eigenen Forschung berichten. Ich bin überwiegend in auch peripheren ländlichen Räumen Ost wie West unterwegs, Nord wie Süd. Und es zeigte sich zu Beginn meiner, sagen wir, wissenschaftlichen Karriere, gab es dieses Narrativ des Verlustes eigentlich nicht. Also da war wahrscheinlich noch alles getragen von der Wiedervereinigung und den Hoffnungen, die sich dann dort ergeben würden. Und das hat sich für viele Menschen aber nicht realisiert, die Hoffnung.
Sprecher 4: Jetzt sprechen Sie über den Osten.
Sprecher 5: Ja, jetzt gleich komme ich auch zum Westen, also im Osten. Und ich würde sagen, so seit gut... 10 bis 15 Jahren taucht diese Verlustnarrative auf, die vor allem infrastrukturelle Verlustnarrative sind. Also diese Art von dauernder Abwärtsspirale, die ein bisschen entkoppelt ist von der wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Regionen. Ich komme noch kurz auf den Westen. Wenn man das historisch betrachtet, dann sind im Westen auf jeden Fall in den 60er, 70er und teilweise auch noch in den 80er Jahren natürlich massive Infrastrukturinvestitionen in den ländlichen Raum geflossen. Und da haben viele Menschen natürlich plötzlich Zugang zu gymnasialen Leistungen, also zu höheren Bildungsabschlüssen. Ganze Generationen konnten plötzlich an die Universität, weil es das BAföG gab. Es sind kleine Kliniken, auch Geburtskliniken entstanden. Wir sehen das in Ostfriesland. Also dass tatsächlich die Errungenschaften, die... In der Zeit vorher vor allem Menschen in den Städten zugute gekommen sind, dann auch in den ländlichen Raum ausgerollt worden sind. Und das erleben die Menschen natürlich jetzt, dass das doch zurückgefahren. Geburtskliniken in Ostfriesland, ein großes Thema, dass teilweise Berufsschulen nicht mehr, auch wegen des demografischen Wandels, aufrechterhalten werden können, dass die Infrastruktur abgebaut wird.
Sprecher 6: Und da setzt dann die AfD auf.
Sprecher 5: Ja, ich glaube auch, dass es da ein gegenseitiges Hochschaukeln gibt. Seitdem die AfD da ist, werden natürlich diese Ängste, die sich dahinter verbergen, Verlustängste, Ängste vor Migration, Ängste. Diffusester Art aufgegriffen und werden durch die AfD natürlich kanalisiert. Gleichzeitig versteht es die AfD aber ganz groß. diese Ängste auch in Worte zu fassen. Wir denken jetzt einfach nur mal an die Windräder der Schande. Sie prägen eigene Worte, an die wiederum andere Erzählungen der Menschen anknüpfen können. Also spielt sich das gegenseitig und schaukelt sich letztlich auch hoch. Also ich glaube, es gibt einen Zusammenhang zwischen diesen Verlustnarrativen, dem Aufkommen der AfD und umgekehrt.
Sprecher 2: Die deutsche Wirtschaft braucht dringend eine Starthilfe, das wissen wir nun. Und Union und SPD, sie haben ihre ersten Gesetze auch in Richtung Wirtschaft orientiert. Der Investitionsbooster ist durchs Kabinett gegangen, die Senkung der Körperschaftssteuer ab 2028. Und jetzt ist die große Frage springend. Die Wirtschaft springen die Investoren wirklich an. Hilft so etwas? Kann man die Stimmung drehen mit wenigen Gesetzen? Immerhin der oberste aller Staatsbanker, nämlich der KfW-Chef Stefan Windels, hat vor einigen Tagen gesagt, das Interesse in Deutschland zu investieren sei massiv gestiegen in den vergangenen Wochen. Und ähnlich argumentiert auch Alexander von zur Mühlen. Der Ökonom sitzt im Vorstand der Deutschen Bank und ist dort verantwortlich für eigentlich alles außer den USA. Die Regionen Asien, Pazifik, Europa, Nahosten, Afrika und natürlich Deutschland. Wenn einer also weiß, wie ausländische Investoren auf diesen Standort schauen, dann ist es Herr von zur Mühlen. Einen schönen guten Tag, Herr von zur Mühlen.
Sprecher 7: Freue mich, hier zu sein.
Sprecher 2: Sind Sie ein Heavy-Podcast-User?
Sprecher 7: Ich beginne, einer zu werden.
Sprecher 2: Was hören Sie?
Sprecher 7: Sie.
Sprecher 2: Das beginnt ja schon mal wunderbar, dieses Gespräch. In diesem Donnerstag, lieber Herr von Zumühlen, fährt Friedrich Merz erstmal zu Donald Trump und irgendwie scheint nicht nur die politische Welt darauf zu schauen, was dabei herumkommen könnte beim Thema Freihandel, Zölle. Gibt es eigentlich eine Handelswelt, eine wachstumsorientierte Welt ohne die Amerikaner?
Sprecher 7: Ich will da nicht so schwarz-weiß denkend sein und bin auch optimistisch, dass die Vereinigten Staaten zurück an den Tisch kommen werden. Das haben wir die letzten Wochen durchaus schon gezeigt, dass das Zollnarrativ nicht ganz so digital ist, wie sich das Anfang April mal anließ. Ich glaube, die Vereinigten Staaten haben auch insbesondere aufgrund der Abhängigkeit, die sie in verschiedenen Industrien haben und auch aufgrund des sehr hohen Konsumtionsverhaltens, sehr hohen Bedarf an Gütern und Zufuhr von Produkten und Vorprodukten aus aller Welt, die vonnöten ist. Und am Ende, wie wir alle wissen, den unmittelbaren Zollaufschlag zahlt erst einmal der amerikanische Importeur, nicht der Exporteur. Deswegen sollte man noch optimistisch, aber gleichzeitig nicht naiv sein, dass die Zolldrohgebärde der Vereinigten Staaten nicht verschwinden wird, absehbar, weil es ist ein wichtiges Element natürlich in diesen ganzen individuellen Verhandlungen, die sie mit Nationen rund um die Welt führen wird in den kommenden Monaten. Aber am Ende wird auch die Realität, insbesondere die wirtschaftliche Realität, sich die USA ein Stück weit zurück an den Tisch tragen.
Sprecher 2: Aber für ein Exportland wie unseres ist natürlich der Handel entscheidend. Auch Wachstumstreiber. Gibt es Regionen auf der Welt, und Sie sind ja im Deutsche Bankfonds schon so ziemlich zuständig für alles, außer die USA, wenn man da mal reinschaut in Ihr Portfolio. Gibt es Regionen, die das ersetzen könnten, strategisch in den nächsten Jahren, was uns bei den USA theoretisch wegfallen könnte?
Sprecher 7: Ich glaube, wir haben zwei wesentliche Faktoren. Das eine ist, wenn wir mal auf Schwellenländer rund um den Globus schauen, die natürlich ein überproportionales Wirtschaftswachstum für die kommenden Jahre anheimstellen, dass wir sowieso einen größeren Anteil von Export auch in solche Länder sehen werden, wohingegen der Handel innerhalb der, nennen wir es kurz, westlichen Welt relativ betrachtet einen kleineren Anteil darstellen wird. Gibt es ein 1 zu 1 Substitut in diesem digitalen Fall, wie Sie es beschreiben für die USA? Nein, gibt es so natürlich nicht. Aber das ist ein Grund mehr, weswegen wir in Deutschland und weiter gesprochen auch für Europa sicherlich gut daran tun, uns mehr auf diese neue, sich neu entwickelnden Handelskorridore zu setzen. Exemplarisch auch Aktivitäten wie Südostasien, genauso wie Richtung Mittleren Osten. Das Handelsaufkommen in diesem Teil der Welt wird stärker wachsen als irgendein anderer Korridor in den kommenden fünf Jahren. Und es wird eine Herausforderung sein, für die Unternehmen dort zu partizipieren. Deswegen werden Aktivitäten nicht nur in Europa, sondern auch aus Europa heraus sicherlich tunlichst beäugen sollten.
Sprecher 2: Wie blicken die Investoren auf Europa derzeit?
Sprecher 7: Ganz spannende Frage. Ich bin ja auch viel unterwegs und bevor wir über Europa sprechen, vielleicht kurz über Deutschland, weil hier haben wir eine ganz enorme Diskrepanz. zwischen der Innenwahrnehmung und der Außenwahrnehmung. In Deutschland, wir wissen ja immer, wir sind ja selber ein bisschen vorsichtig, man kann auch sagen jammernd hinsichtlich unserer eigenen Perspektiven. Das, was in Deutschland die letzten Monate passiert ist, also Stichwort, NATO-Kommitierung rund um Verteidigung, das 500-Milliarden-Paket, Lockerung der Schuldenbremse und jetzt sicherlich auch das, was sich anlässt im Hinblick auf weitere Reformpakete. Das wird von außen und internationalen Kapitalmarktteilnehmern als wirklich ganz großer Schritt gesehen und verstanden. Lassen Sie mich das anders formulieren. Vor zwölf Monaten haben wir ganz viele internationale Investoren gehabt, die gesagt haben, Europa ist uninvestierbar. Uninvestable. Heute, Juni 2025, schauen wir auf eine andere Welt. Europa, Deutschland kommt auf den Quark, liefert sich selber sozusagen eine Opportunität, mit Kapitalinduktion wirklich einen Anreiz zu schaffen, Industrien, nicht nur die Verteidigung, wirklich positiv zu unterlegen, Infrastruktur, Investitionen und so weiter. Und internationale Kapitalmarktteilnehmer sagen, kann ich da partizipieren?
Sprecher 2: Spüren Sie innerhalb von wenigen Monaten, dass da Gelder plötzlich nach Deutschland fließen, Sie Anfragen bekommen?
Sprecher 7: Die Anfragen sind da und die Gelder...
Sprecher 2: Können Sie es beziffern eigentlich?
Sprecher 7: Also es ist schwer, das zu beziffern, aber Sie können das reflektieren. Schauen Sie auf den deutschen Aktienindex, der ein Rekordniveau letzte Woche erreicht hat. Genauso können Sie es reflektieren auch in der Währung. Euro stark gegenüber dem Dollar angestiegen. Und genauso auch die Nachfrage nach europäischen und konkret deutschen Staatsanleihen. In einer normalen volkswirtschaftlichen Betrachtung, wenn ein Staat sagt, ich drucke jetzt 500 Milliarden Euro inkrementell, ist das erstmal nicht gut, um Investoren hinterm Ofen vorzulocken.
Sprecher 8: Und bei uns haben die Ratingagenturen sogar gesagt, gut so.
Sprecher 7: Und bei uns sagt S&P, Richtiger Schritt. Es unterstützt sogar die Bonität Deutschlands, weil es einfach mehr auf wirtschaftlichen Vortrieb sich selber trimmt. Weil es überfällig war, würden Sie sagen? Weil es ehrlich überfällig war und das ist auch das, weswegen ich sage, das Ausland schaut sehr viel positiver auf das, was in Deutschland im Augenblick passiert, weil es sagt, Jetzt passiert wirklich was. Die Deutschen haben einen Ruf, mal zu Recht und mal zu Unrecht. Aber die Perspektive ist immer noch, wenn die Deutschen was machen, dann machen sie es richtig. Und vielleicht hat es zu lange gedauert, jetzt passiert da etwas und deswegen ist dieser Fragengeblick, kann ich da partizipieren. Es ist nur Schritt 1 und Schritt 2 muss jetzt sehr, sehr nah, wenn ich sage sehr, sehr nah, in den kommenden Monaten folgen. Also Strukturreformen. Denn wir brauchen auch privates Kapital. Dass nur Vater Staat sozusagen in Vorlage geht, ist eine Initialzündung. Aber am Ende des Tages müssen Sie die Unternehmer überzeugen, dass die... Ihre Aktivitäten in Deutschland, in Europa ausbauen, dass sie investieren, dass sie positiver gegenüber wirtschaftlicher Entwicklung werden. Und eben nicht vor zwölf Monaten hatten wir noch eine Diskussion rund um Deindustrialisierung und dergleichen mehr. Dass wir jetzt genau das Umgekehrte sehen. Dafür müssen aber ein paar Rahmenbedingungen noch adressiert werden. Und deswegen sagen wir, was sind die nächsten Monate? Auch ganz, ganz wichtig für die Regierung Merz, diese Schritte nachzufolgen, damit das Geld, was jetzt sozusagen geparkt ist, beziehungsweise von internationalen Investoren betrachtet wird, um potenziell nach Europa und nach Deutschland zu gehen. Um das wirklich zu investieren, um es wirklich reinfließen zu lassen, brauchen wir diese nächsten Schritte. Und dann werden wir auch ein stimulierendes Element über die 500 Milliarden Pakete hinaus sehen können.
Sprecher 2: Bringen die Investitionsabschreibungen und die angekündigten Körperschaftssteuersenkungen den Booster, den Klingbeil und Merz versprechen?
Sprecher 7: Alleine isoliert nicht, aber ja, sie sind positiv. Sie unterstreichen natürlich den unternehmerischen Aspekt zu sagen, ich investiere und nehme jetzt eine langfristige Wette.
Sprecher 2: Zum Abschluss noch die Europafrage. Ursula von der Leyen hat Anfang dieser Woche den Karlspreis bekommen und Europa als vielleicht den großen Comeback-Kontinent bezeichnet, der all diesen Verwerfungen gewinnen kann. Ist da was dran, dass dieses Window of Opportunity so groß ist wie nie zuvor, die europäische Wirtschaftsgemeinschaft, als das wir mal gegründet wurden, jetzt zu vollenden?
Sprecher 7: Ich glaube, die Opportunität ist wirklich groß. Das ist aus zwei Faktoren. Das eine ist sozusagen der endogene Faktor, wenn wir jetzt wirklich unseren Akt zusammenkriegen und in Europa das tun, was wir gerade in Deutschland sozusagen in dieser ersten Phase durchaus sehen. Der zweite wichtige Faktor ist natürlich auch das, was in den USA passiert. Man darf nicht vergessen, dass natürlich durch diese ganze Unruhe, die der Kapitalmarkt da draußen verspürt und die unternehmerische Unsicherheit, die dort lanciert wird, insbesondere diese Betrachtung nach dem neuen sicheren Hafen ausgeht. Und wenn Europa eine wirtschaftsbejahendere... Sage trifft, dann wird Europa profitieren, dann können wir diese Renaissance Europas sehen. Aber genau das, was ich gerade zu Deutschland gesagt habe, dass nächste Schritte folgen müssen, das gleiche gilt auch für Europa. Komplettierung des Binnenmarktes, wir reden darüber seit über 20 Jahren, es muss halt auch passieren, da reden wir auch von Reformen. Das, was wir aus Europa sehen, lässt sich gut an. Man schaut auf den Draghi-Report dieser Tage. Das ist wie das Unterschreiben der Mitgliedschaft im Fitnessclub in der ersten Januarwoche. Hochmotiviert, gutes Commitment. Aber ob wirklich was dabei rauskommt, das würden wir erst im Jahresablauf sehen. Und ich glaube, genau deswegen ist es wichtig, dass wir jetzt Wettbewerbsfähigkeit nicht nur als Schlagwort benutzen, sondern dass wir da Taten folgen lassen. Insofern ist Europa da noch ein Schritt hinter dem, was Deutschland eigentlich in den letzten Wochen schon begonnen hat.
Sprecher 2: Und ist die Deutsche Bank so optimistisch, dass sie aus dem Tal der Stagnation uns herauskommen sieht ab 2026 in ihren Prognosen?
Sprecher 7: Wir sind da durchaus positiv wieder. Wir haben natürlich so viele große Faktoren, die um uns herum einfach nicht ignoriert werden können. Stichwort USA, Zollkonflikt und dergleichen mehr. Wenn wir mal isoliert die 500 Milliarden Pakete und die Lockerung der Schuldenbremse sehen, sehen wir und wir sind am oberen Ende sicherlich in dessen, was Analysten sagen. Wir sehen 1,5, 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland in 2026. Das ist schon mal merklich mehr als das, was wir die letzten Jahre gesehen haben. Aber das ist sozusagen auch nur die Initialzündung wieder das echte wichtige Element ist, dass wir die Unternehmer und das private Risikokapital gewinnen können. müssen wir noch überzeugen und deswegen ist diese zweite Phase von Schritten, Stichwort Reformen und so weiter, so wichtig. Und dann haben wir durchaus für 26 und darüber hinaus, einiges davon wird natürlich Vorlauf benötigen, durchaus das Potenzial.
Sprecher 2: Mit diesem optimistischen Ausblick sollten wir es bewenden. Vielen Dank, lieber Herr von Zermühlen und bis zum nächsten Mal.
Sprecher 7: Ich danke sehr.
Sprecher 3: Michael, du Amerikaner der Herzen. War noch was.
Sprecher 2: In der Stadt meines Herzens, nämlich Cologne, war gestern Ausnahmezustand. So etwas hat es noch nie gegeben. Über 20.000 Menschen mussten evakuiert werden. Das gesamte RTL-Studio dort mit tausenden Mitarbeitern, weil wieder einmal drei Weltkriegsbomben irgendwo noch im Boden lungerten.
Sprecher 3: Ich habe ja auch gute Freunde in Köln, die fast ausschließlich Juristen sind, weil ich sie aus dem Studium kenne. Und sie sind heute alle in Berlin zum Anwaltstag und gucken auch mit Sorge auf das, was in ihrer Stadt da passiert. Also ganz schön. Irre, was da los war, als die Bomben bei den Bauarbeiten an der Deutzer Werft gefunden wurden.
Sprecher 2: Und wie das in Köln so ist, wenn jemand Hilfe braucht, dann sind vor allem die Brauereien sofort da. Die haben dann schon um 10 Uhr aufgemacht für alle, die einen Platz zum Verweilen benötigen. Jedenfalls, es ist alles gut gegangen. Köln, das geliebte Köln, ist keine Gefahrenzone mehr.
Sprecher 3: Tschüss.
Sprecher 9: Danger zone. Danger zone. Danger zone. I'm gonna take it right. Danger zone. I'm gonna take it right in. Change is on.