Was bringt die High-Tech-Agenda, Frau Bär?
Zukunftsministerin Dorothee Bär will Hightech und Raumfahrt nach vorn bringen. Sie will zum Besipiel eine Teststrecke für den Hyperloop und sagt: „Wenn ich nicht anfange, wird es halt nie kommen.“ Die Forschung in Deutschland insgesamt soll gestärkt werden, wenn es nach Bär geht. Mit dem „1000-Köpfe-Plus“-Programm soll Deutschland zum Magnet für internationale Forscher werden – vor allem für jene, die unter der Trump-Administration in den USA die Freiheit der Wissenschaft bedroht sehen.
Karol Nawrocki gewinnt knapp die Stichwahl zum polnischen Präsidenten und steht für EU-Skepsis und innenpolitische Blockade. Unser Polen-Korrespondent Andrzej Rybak erklärt, warum der Wahlausgang ein Misstrauensvotum gegen Donald Tusk ist.
Die Sozialdemokraten wollen sich ein neues Grundsatzprogramm geben. In einer ersten Analyse zum Wahlausgang räumt die SPD-Führung ein, ein Kommunikationsproblem zu haben: Sie spricht nicht die Sprache, die viele potenzielle Wählerinnen und Wähler verstehen. Helene Bubrowski und Michael Bröcker sprechen darüber, wie viel Abrechnung mit Olaf Scholz in dem Leitantrag steckt.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Karol Nawrotski ist neuer polnischer Präsident. Der rechtskonservative und EU-kritische Politiker hat die Stichwahl hautdünn gewonnen. Wir sprechen mit unserem Polen-Korrespondenten Andrzej Ryback über die Konsequenzen dieser Wahl.
Sprecher 3: Die SPD will sich neu erfinden und anders in der Öffentlichkeit auftreten. Weniger PR-Floskeln, mehr echte Lebensrealität. So heißt es im Leitantrag und den bohren wir hier mal auf.
Sprecher 2: Nichts weniger als das Zukunftsministerium dieser Bundesregierung will Dorothee Bär anführen. Sie macht aus dem Forschungsministerium auch ein Raumfahrtministerium. Und wir wollten von der Diplom-Politologin natürlich bei ihrem Besuch hier bei Table Today wissen, wie sie eigentlich mit dieser Wissenschafts-Community klarkommt, was der Hyperloop ist und wann der Krebs besiegt wird.
Sprecher 3: Wir schauen also in die Zukunft, jedenfalls mal in die Zukunft dieses Dienstages, der 3. Juni. 50,89 Prozent der Stimmen hat der rechtskonservative Karol Nawrotski bei der Stichwahl zum polnischen Präsidenten am Ende bekommen. Es war wirklich dünn. Am Abend sah es ja noch so aus, als habe doch Czaskowski gewonnen. Der liberale Kandidat. Am Abend drehte sich dann aber noch das Blatt. Und nun wissen wir... Nowrotski wird dieses Land anführen.
Sprecher 2: Jetzt also doch der Europakritiker und Antitusk, der als Kandidat für die Pisspartei ins Rennen ging. Was heißt das denn eigentlich jetzt genau für Europa? Was konkret kann dieser Präsident verhindern, was uns vielleicht wichtig wäre? Dafür sprechen wir jetzt mal mit unserem Polen-Korrespondenten des Europe Table, Andrzej Rybak. Hallo Andrzej.
Sprecher 4: Hallo, guten Tag.
Sprecher 2: Mit einer wirklich hauchdünnen Knappmehrt hat Karol Nawrotski jetzt gewonnen. Was heißt das zunächst einmal für Donald Tusk?
Sprecher 4: Das ist eine rote Karte für die Regierung von Donald Tusk. Er hat viele seiner Wahlversprechen von Herbst 2023 nicht gehalten. Viele seiner Wähler haben sich abgewandt.
Sprecher 2: Also das heißt, es ist nicht nur die Spaltung der polnischen Gesellschaft generell zwischen Mitte links und Mitte rechts, sondern es ist auch der Unmut über die Regierung Tusk?
Sprecher 4: Das ist auf jeden Fall Unmut über die Regierung Tusk, die Koalition, der Streit, die Unfähigkeit, also wichtige Reformen durchzusetzen. Zum Teil natürlich, weil sie von dem bisherigen... Präsidenten Andrzej Duda blockiert worden sind. Aber es gab natürlich auch andere Möglichkeiten. Das heißt also, die Regierung hat nicht effizient gearbeitet. 15 Monate ist sie schon an der Macht und die Polen haben sich viel mehr davon versprochen.
Sprecher 2: Welche Macht hat dieser neue Präsident jetzt? Welche zentralen europapolitischen Beschlüsse von Tusk könnte Nawroski verhindern?
Sprecher 4: Zum Glück hat der Präsident nicht zu große Macht, also er hat nicht zu viele Befügnisse. Er ist der Oberbefehlshaber der polnischen Streitkräfte, aber das ist in Friedenszeiten eher formell. In der Außenpolitik kann er selbst nicht sehr viel gestalten, aber er kann natürlich sehr viel blockieren. Das ist die Gefahr, dass jetzt der Nawroski im Prinzip alle Reformvorhaben der Regierung blockieren wird und es wird einfach die nächsten zwei Jahre bis zu den nächsten Parlamentswahlen Stillstand herrschen.
Sprecher 2: Gibt es denn auch in Bezug auf das Weimarer Dreieck Dinge, die dieser Präsident wirklich ganz anders sieht? Oder woher kommt der Frust gegenüber der EU oder auch Deutschland?
Sprecher 4: Das ist traditionelles Merkmal der PiS. Er ist zwar kein PiS-Mitglied, aber er steht der PiS sehr nah. Die PiS glaubt, dass gerade Berlin in der EU die führende Rolle spielt und traut diesem Bündnis, diesem Konto. Es drückt nicht sehr. Auf jeden Fall. Glaubt Nowrotski, dass jede weitere Integration innerhalb der EU schädlich für Polen ist, dass Polen also auf keinen Fall mehr Souveränität nach Brüssel abgeben darf?
Sprecher 2: Sehen das die Mehrheit der Polen denn wirklich genauso, dass Europa für sie nicht Zukunft ist, sondern eher eine Gefahr?
Sprecher 4: Die Polen sind eigentlich sehr europafreundlich, aber die sind tatsächlich frustriert, dass viele der Reformen nicht vorankommen. Und deswegen wählen sie gerne die Opposition. Oder sie suchen sich eine dritte Kraft. Denn bei diesen Wahlen waren das rechtsextreme Parteien, die noch weiter rechts sind als die PiS. Und die haben im ersten Wahlgang sehr viele Stimmen bekommen, 21 Prozent. Und diese Stimmen sind in der Stichwahl an Nowrotski gegangen.
Sprecher 2: Vielen Dank, André, für diese ersten Einschätzungen. Wir lesen gerne und hören wieder von dir.
Sprecher 4: Danke sehr.
Sprecher 2: Helene, dieser Leitantrag hätte auch von dir kommen können. Veränderung beginnt mit uns. Zuhören ist das neue Motto der SPD.
Sprecher 3: Das ist jedenfalls mal ein starker Vorsatz, würde ich sagen. Und überfällig. Ich finde es immer gut, wenn man der Wahrheit ins Gesicht sieht. Und die Wahrheit lautet eben nicht, anders als Lars Klingbeil zuweilen suggeriert, die SPD ist erstarkt mit einem starken Parteiführer und starken Ministern. Sondern die SPD hat die Wahl krachend verloren.
Sprecher 2: Ja, und da ist dann die Selbstkritik zumindest in einem Satz wirklich deutlich zu erkennen. Es sind enttäuschte Erwartungen eben auch an die Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit der abgewählten Bundesregierung gewesen, die, und so heißt es, weder kommunikativ noch politisch den Puls der Zeit getroffen hat. Das ist auch eine Abrechnung mit Olaf Scholz von Lars Klingbeil.
Sprecher 3: Absolut, wobei da natürlich auch die Frage an Lars Klingmeier geht, warum hat er denn nicht, obwohl er es wollte, den Kanzlerkandidaten noch ein halbes Jahr vor der Wahl ausgetauscht. Die Karten lagen ja auf dem Tisch und am Ende hatte er nicht den Mut, das durchzuziehen. Eine der Fragen, denen sich die SPD hoffentlich jetzt auch stellt. Das muss man nicht öffentlich diskutieren, aber intern schon.
Sprecher 2: Einiges ist schon sehr interessant. Also man versucht, eine neue Sprache zu finden, als sei alles immer nur eine Frage der Kommunikation. Sicherlich ist das richtig, Politik ist immer zur Hälfte Kommunikation, aber Inhalte der SPD werden da leider gar nicht hinterfragt in diesem Leitantrag. Na gut, immerhin, man will jetzt weniger PR-Sprache. Man soll die Lebenswelten besser abbilden. Man soll einfach so sprechen, wie es die Leute vielleicht auch verstehen. Das ist zumindest das Ansinnen von Lars Klingbeil.
Sprecher 3: Das ist die Idee von Ricarda Lang, die sie ja in ihrer Abschiedsrede als Parteivorsitzende gehalten hat. Man sollte als Politiker einfach keine Interviews geben, die man selbst nicht versteht. Dann verstehen sie wahrscheinlich auch nicht die Menschen. Kommunikation löst kein programmatisches Problem. Aber wo man natürlich schon aufpassen muss, ist, dass nicht die Sprache zur Betonsprache wird, dass die Leute einfach nicht mehr wissen, wovon da gesprochen wird, sondern dass man ein bisschen nicht nur Authentizität, sondern auch eine Nähe aufbaut, auch durch Sprache. Das finde ich sehr wichtig. Und das jedenfalls ist ja ziemlich klar, ist Olaf Scholz wirklich nicht gelungen.
Sprecher 2: Der schöne Satz aus dem Leitantrag, Politik beginnt mit dem Wort und das Wort prägt das Bild, das Menschen von uns haben, das ist sicherlich richtig. Man hat diesen Olaf Scholz schlicht und selten verstanden und insofern muss man diesen Leitantrag immer wieder auch echt als Abrechnung mit Olaf Scholz lesen. Sorry to say.
Sprecher 3: Ja, die SPD will sich jetzt ein neues Grundsatzprogramm geben bis 2027. Das soll ein partizipativer Prozess sein. Das heißt, man will sicherlich die Parteimitglieder, die ja auch immer weniger werden, zu Wort kommen lassen. Vielleicht auch andere Stakeholder der Gesellschaft sich wieder dahin arbeiten, was ja der Anspruch der SPD ist, nämlich Volkspartei zu sein. Partei für die Breite der Bevölkerung, vom Professoren bis zum Arbeiter. Und gerade in der Arbeiterschaft hat die SPD ja verloren. Ich glaube, bei der Europawahl waren es noch... 6% der Arbeiter, die SPD gewählt haben.
Sprecher 2: Deswegen mein Rat, wenn ich mir das erlauben darf, an die SPD, mehr Peter Glotzwagen, der ehemalige Bundesgeschäftsführer, einer der klügsten Sozialdemokraten, er mahnte die SPD einst nicht zum Betriebsrat der Nation zu verkommen, sondern auch gelegentlich die Perspektive des Vorstands einzunehmen. Und das finde ich einen wunderbaren Satz.
Sprecher 3: Von mir auch noch ein kleines Lob zum Schluss, denn ich finde, dass die SPD sich der eigenen Aufarbeitung schon immer wieder gestellt hat. Nach dem Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine war es Lars Klingbeil, der der Partei ein neues außenpolitisches Programm verordnet hat. Und auch jetzt, dass die SPD sich dieser Frage stellt, ist schon richtig. Die Grünen, das werde ich nie vergessen, haben das 2021 sich auch vorgenommen, nicht durchgezogen. Und jetzt haben sie die Quittung bei der letzten Bundestagswahl dafür bekommen.
Sprecher 2: Deutschland soll das Technologie- und Forschungsland Nummer eins auf der Welt werden. Das hat sich die neue Zukunftsministerin Dorothee Bär zur Aufgabe gemacht. Der Transfer von Forschung zu Unternehmen und zur Wirtschaft soll einfacher und schneller werden. Eine Hightech-Agenda hat sie angekündigt, damit KI und klimafreundliche Mobilität in diesem Land erforscht wird. Und so etwas wie der Superzug, der Hyperloop, soll erstmals in Deutschland getestet werden. Natürlich will sie auch die medizinische Forschung ausbauen und so weiter und so weiter. Schön, dass Sie heute bei uns sind. Einen schönen guten Tag, Frau Ministerin Bär.
Sprecher 5: Hallo Herr Brücker.
Sprecher 2: Stimmt der Eindruck, dass Sie dieses Ministerium wirklich wollten?
Sprecher 5: Ja, ich finde die Themen großartig. Ich bin extrem dankbar, dass ich in dem Haus sein darf. Und jetzt auch nach knapp vier Wochen muss ich sagen, mit der Analyse von außen, wie großartig dieses Haus ist und wie toll auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, hatte ich echt recht.
Sprecher 2: Ein Zukunftsministerium wollen Sie sein und Sie haben die Kürzel, das Label BMF U-Tour sich ausgedacht. Was macht denn Ihr Ministerium zum Zukunftsministerium?
Sprecher 5: Also erstens mal hat unser Haus nur positiv besetzte Themen und ich würde mal sagen, wenn man es neben Futur oder Future oder Zukunft dann auch runterbrechen würde, würde ich schon sagen, dass wir die Themen haben, die das Leben der Menschen einfach verbessern. Ob das jetzt in der Klimaforschung ist, ob das in der Gesundheitsforschung ist, aber auch natürlich so relevante Punkte, die jetzt neu dazugekommen sind, wie der Raumfahrtbereich, hat ja auch eine große Sicherheit. Das ist politische Relevanz. Also ist es eigentlich von allen Lebenswissenschaften, haben wir auch im Haus, betrifft es das tägliche Leben von uns allen.
Sprecher 2: Ich erinnere mich an einen Zukunftsminister, der hieß Jürgen Rüttgers, den gab es auch schon mal. Deswegen die Frage, was machen Sie wirklich in der Priorität anders als Ihre Vorgängerinnen oder Vorgänger?
Sprecher 5: Zum einen arbeiten wir nicht nur dran, sondern sprechen auch drüber, damit die Bürgerinnen und Bürger auch wissen, das ist mir auch immer persönlich wichtig, wo geht ihr Steuergeld eigentlich hin?
Sprecher 2: Also Sie wollen sichtbarer sein als andere?
Sprecher 5: Ich will auf einen Fall sichtbarer sein, aber auf der anderen Seite finde ich das Thema Wissenschaftskommunikation auch wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger auch ein Vertrauen wieder oder noch verstärkter in die Wissenschaft auch haben und haben werden. Wir haben ja immer stärker werdende Kräfte, die auch Wissenschaft leugnen, die sitzen auch im Deutschen Bundestag. Und wenn ich nur mal ein Beispiel aus der letzten Periode hernehme, da habe ich mal eine Rede gehalten auch zu einem... Gender Data Gap, das bedeutet, dass eben auch bei der Frauengesundheit viel, viel weniger Frauengesundheitsdaten da sind. Dass auch zum Beispiel, wenn Medikamente erforscht, entwickelt werden, wird es immer auf dem männlichen Körper ausgerichtet. Und da kommen halt Zwischenrufe von der AfD, dass das totaler Humbug ist und dass es das gar nicht gibt, so ein Gender Data Gap. Und deswegen ist es mir auch wichtig zu sagen, wir können der Wissenschaft vertrauen, wir müssen ihr auch vertrauen. Wir haben es während Corona gemerkt, was es bedeutet, wenn Wissenschaft und wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet werden. Und wenn ich jetzt sehe, und das macht mir besonders große Sorge, wie ein Gesundheitsminister in den USA, also nicht nur irgendwelche Studien, Studien erfindet oder Zahlen erfindet, die es eigentlich überhaupt nicht gibt, sondern noch schlimmer, das hat mich jetzt zu Ostern wirklich richtig fertig gemacht, wenn er dann ganz bewusst in einen verseuchten Fluss steigt, noch dazu mit Minderjährigen, mit seinen Enkelkindern, um zu sagen, alles nicht so schlimm und man braucht nicht auf die Wissenschaft zu hören, dann dürfen wir in Deutschland erst gar nicht so weit kommen.
Sprecher 2: Es war mal einer Ihrer früheren Kabinettskollegen hier, Sie waren ja schon mal im Kabinett, der hat gesagt, wir besiegen den Krebs in 20 Jahren. Würden Sie sich dem anschließen?
Sprecher 5: Das ist auf jeden Fall eine steile These. Ich würde sagen, es wäre wünschenswert, wenn wir es schaffen würden, den Krebs zu besiegen. Zu sagen, in dem und dem Jahr haben wir alles besiegt, das weiß ich nicht. Aber es hilft auf jeden Fall schon mal, da viel Geld auch reinzugeben. Aber man braucht natürlich, damit Forschung auch zur Anwendung kommen kann, eine Überzeugung, dass es auch wirklich funktioniert.
Sprecher 2: Ihre Hauptaufgabe wird ja sein, Technologie, Innovation, Forschung auch richtig zu bewerten und das Steuerzahlergeld in die richtigen Anwendungsgebiete zu geben. Jetzt starten Sie eine Hightech-Agenda. Sagen Sie uns doch mal, wo sind die Technologien in diesem Land, die wir bisher unterschätzt haben, wo wir zu wenig Schadenwerfer und vielleicht auch zu wenig Fördergeld drin hatten?
Sprecher 5: Also unter die Hightech-Agenda fallen alle Schlüsseltechnologien. Und was ist das Entscheidende? Das Entscheidende ist meines Erachtens auch neben dem ganzen Gesundheitsbereich, das ist natürlich das Hauptgebiet, aber es geht natürlich weiter. Es geht um Fusionsforschung beispielsweise, es geht um die Luft- und Raumfahrtindustrie. Ich bin dankbar, dass man jetzt das Wort Raumfahrt zum einen auch im Titel des Ministeriums hat, aber dass man auch erkannt hat, dass es neben der Zivilisation, Nutzung auch künftig möglich sein muss, dass es auch eine Nutzung geben kann, die für unsere Verteidigungspolitik, für unsere Sicherheitspolitik eine ganz, ganz große Rolle spielt. Da müssen wir auch ein bisschen die Naivität ablegen und auch was Satellitenkommunikation betrifft, bei diesen großen Anstrengungen, die nicht nur von den USA und von der Privatindustrie passieren, sondern die auch von Russland, von China kommen, brauchen wir auch eine andere Resilienz, eine ganz andere Stärke, nicht nur von Deutschland aus, sondern auch mit unseren europäischen Nachbarn. Und ich glaube, dieses Aufgewachtsein, das hat schon stattgefunden, aber das steht und fällt natürlich auch immer mit Budgetdiskussionen, völlig klar.
Sprecher 2: Mit wie viel Geld ist die Hightech-Agenda zum Beispiel hinterlegt?
Sprecher 5: Das hört sich jetzt schön an, aber es ist schon auch ein Liquid Document. Ja, da soll natürlich auch jetzt nichts für vier Jahre festgelegt werden, weil die Forschung halt auch einfach schneller ist. Aber wir sind ja kurz davor, kurz vor den Haushaltsverhandlungen und Herr Brücker, Sie erfahren es natürlich als Erster.
Sprecher 2: Wunderbar, das wollte ich hören. Sie haben ein Programm gestartet, ein Tausend-Köpfe-Programm, wo Sie internationale Forscher, Wissenschaftler zu uns locken wollen. Wie funktioniert das konkret und was sind eigentlich die Hauptkriterien, was uns attraktiv macht als Land der Forscher?
Sprecher 5: Also ich würde es als Tausend-Köpfe-Plus-Programm bezeichnen, weil ich glaube, es können auch mehr als Tausend-Köpfe sein. Und da geht es ja nicht nur um die etabliertesten Professorinnen und Professoren, da geht es auch um Postdocs beispielsweise. Ich möchte aber, und das habe ich jetzt auch mal als Auftrag gegeben, ob man das Programm noch erweitern kann, dass man auch es auf Studentinnen und Studenten erweitern kann. Wir sind Stand jetzt, das ist zweitattraktiv. Die zweitattraktivste Destination nach den Vereinigten Staaten. Und durch die Diskussionen, die wir jetzt haben, in Anführungszeichen dank der Trump-Administration.
Sprecher 2: Ist das spürbar? Kommen wirklich schon Top-Forscher aus den USA hier an einer Uni oder ist es erst nur Absichtserklärungen?
Sprecher 5: Ja, Absichtserklärungen, aber was schon spürbar ist, ist nicht nur diejenigen aus den USA, die zu uns kommen wollen, sondern auch von anderen Ländern. China, Indien, die normalerweise vielleicht lieber in die USA gegangen wären, die aber sagen, naja, da sind wir nicht willkommen, beziehungsweise neben Gehältern, die natürlich immer eine Rolle spielen, spielt ja auch eine gewisse Ausstattung eine Rolle. Da können wir sicherlich auch noch besser werden, was die Ausstattung unserer Hochschulen betrifft. Aber wo wir einfach... Finde ich, weltweit spitze sind. In Deutschland, aber auch in Europa ist eben das Thema Wissenschaftsfreiheit. Habe ich auch gemerkt beim Rat in Brüssel, auch das Commitment meiner Kolleginnen und Kollegen, ob das jetzt Frankreich war, ob das meine Kolleginnen aus Österreich war, ob das die nordischen Länder waren, da merkt man schon sehr deutlich, dass wir die Letzten sind, die noch auch eine absolute Wissenschaftsfreiheit garantieren. Und das ist ehrlicherweise auch etwas, was mich sehr schmerzt, wenn man sich die USA anschaut, dass es in so kurzer Zeit so weit hat kommen können. Ist schon bemerkenswert, wie viel Politik da auch kaputt machen kann.
Sprecher 2: Ist Tausendköpfe plus ein Jahresprogramm oder für vier Jahre angedacht?
Sprecher 5: Das ist jetzt im Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode. Aber nochmal, die Tausenden sind nicht festgelegt. Das können natürlich auch... immer mehr sein, aber wir müssen auch die besten Rahmenbedingungen dann einfach bieten. Ist auch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Häuser. Es darf natürlich auch nicht so sein, dass es so lange dauert, dass eine Visa-Vergabe stattfindet. Und was aber auch noch ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, Mag ein weicher Faktor sein, ist es für mich aber gar nicht. Also wir müssen natürlich auch attraktiv für die Ehepartner oder für die Partner sein, die dann auch mitkommen oder für ganze Familien, dass wir auch internationale Schulen dann zur Verfügung haben. Die Sprache Englisch dann an den Universitäten. Zu wissen, wo komme ich unter, wo können meine Kinder in die Schule gehen und hat der Ehepartner oder der Partner auch was davon. Das sind halt das, was wir dann auch bieten müssen als Deutschland.
Sprecher 2: Den Wechsel erleichtern. Sie sind ja bekannt, weil Sie ja schon mal früher Forschungsministerin waren, nämlich als Digitalstaatsministerin für visionäre Projekte, wo man aber nicht weiß, ob es da mal zu einem Nutzen kommt. Stichwort Flugtaxi. Sie wollen wahrscheinlich gar nicht mehr darüber reden, oder?
Sprecher 5: Doch, klar. Ich hatte ja recht.
Sprecher 2: Haben Sie da recht. Und bei dem zweiten, was ich im Koalitionsvertrag entdeckt habe, was ähnlich ist, ist ja der Hyperloop. Vergleichbar, visionär, wird irgendwann kommen, aber keiner weiß genau wann.
Sprecher 5: Na, die Flugtaxis sind ja schon da, halt leider nicht in Deutschland.
Sprecher 2: Auch weil Bayern nicht finanzieren wollte, glaube ich, eine bayerische Lufttaxi-Anbieter.
Sprecher 5: Nee, weil das Bundeswirtschaftsministerium unter einem grünen Wirtschaftsminister die Bürgschaft nicht genehmigt hat. Und das sowohl am Bundeswirtschaftsminister der Grünen, ich wollte jetzt gar keine anderen Parteien bashen, aber jetzt fordern sie mich heraus, weil die es nicht auf die Reihe bekommen haben und ein grüner Haushälter auch einjet eingelegt hat.
Sprecher 2: War das nicht eine Kofinanzierung, wenn Bayern es macht?
Sprecher 5: Wir hätten es aber gemacht. Nee, wir hätten es gemacht. Da gab es auch schon vom bayerischen Kabinett eine Zusage. Sei es drum, vergossene Milch, großer Fehler, wirklich große Fehlentscheidung. Und wenn man sich dann Northvolt anschaut, wo dann die Milliarden versenkt wurden, ist es schon eine sehr spannende, doppelte Fehlentscheidung gewesen. Aber gut, Haken dahinter. Also Flugtaxis ja, nicht bei uns, aber die Technologie ist grundsätzlich eine richtige. Und bei Hyperloop geht es einfach um eine Referenzstrecke. Ich habe ja vier Jahre auch im Verkehrsministerium arbeiten dürfen und deswegen fasziniert mich Mobilität immer. Und vor allem, was ist das Wichtigste bei Mobilität?
Sprecher 2: Schnell ankommen, pünktlich.
Sprecher 5: Die Zeit, genau, natürlich. Danke, dass ich Ihre Frage richtig beantworten konnte. Also Zeit ist der wichtigste Faktor.
Sprecher 2: Was ist denn die Referenzstrecke? München, Berlin?
Sprecher 5: Ach Gott, ob die so lange werden wird, das glaube ich noch nicht mal. Ich sage mal so, also was ja wichtig ist, dass man überhaupt mal anfängt, es in einem größeren Bereich zu planen. Ich fand es wichtig, dass gleich im Koalitionsvertrag das auch so deutlich drinsteht, damit da auch ein gewisser Druck entsteht, dann auch sowas umsetzen zu müssen.
Sprecher 2: Also Sie wollen eine echte Strecke innerhalb der nächsten vier Jahre?
Sprecher 5: Wir wollen eine echte Strecke. Die Frage ist nur, ob das dann eine Teststrecke ist oder ob es tatsächlich eine ist, die schon in den Realbetrieb geht. Aber ich glaube, es wäre schon mal ein Riesenerfolg, wenn man mal so eine Teststrecke hätte, die man dann auch skalieren kann. Faktisch ist in drei Jahren schon wieder Wahlkampf irgendwie und das ist eine sehr, sehr kurze Zeit. Und wir müssen einfach jetzt Grundlagen schaffen, auf denen dann auch die nachfolgenden Regierungen aufbauen können. Nur wenn ich nicht anfange, wird es halt nie kommen. Und deswegen ist mal lieber eine kurze Strecke, die auch funktioniert, an der man mal Erprobungen starten kann. Wir haben übrigens auch was geschaffen damals, Alexander Dobr. Brenda und ich im Verkehrsministerium, was weltweit immer noch genutzt wird, was aber etwas in Vergessenheit geraten ist. Wir haben das digitale Testfeld auf der A9, also auch fürs autonome Fahren. Da wird auch weltweit auf unserer deutschen Autobahn getestet. Und das sind alles so Anwendungen, die stattfinden, die aber ein bisschen auch unter den Radar geraten sind und die ich auch wieder etwas sichtbarer machen möchte.
Sprecher 2: Können Sie denn innerhalb von vier Jahren auch was Sichtbares als Erfolg vorweisen beim Thema Raumfahrt?
Sprecher 5: Können wir da was Sichtbares vorweisen? Ich glaube, es ist schon wichtig, wenn wir es schaffen, auch nach 50 Jahren, wir hatten jetzt gerade 50 Jahre ESA, wenn man sich die ESA auch anschaut, wenn man sagt, wo können da Prozesse schneller werden, wo kann man da vielleicht auch nochmal an Strukturen rangehen. Ich weiß, das ist immer wahnsinnig schwer. Wenn das so viele Mitgliedstaaten sind, die daran beteiligt sind, also dass man da nochmal versucht, auch ein bisschen neben Geld eine größere Agilität auch auf die Reihe zu bekommen, um auch gute Köpfe zu bekommen. Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen putzig an, aber ich finde es... Würde auch zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mir ist aufgefallen, in Kindergärten und in Schulen, dass ganz, ganz viele kleine Kinder mit so NASA-Merch rumlaufen und die haben so NASA-Schlafanzüge und NASA-Shirts. Aber so ESA rennt irgendwie gar niemand rum. Und wenn wir es dann schaffen, die Begeisterung für die Raumfahrt so zu wecken, dass jemand auch mal zur ESA will oder auch mal Raumfahrt studieren möchte, Raumfahrttechnik studieren möchte, das wäre auch schon ein ganz, ganz großer Erfolg, wenn da die Zahlen nach... nach oben gehen würden. Und wenn die Begeisterung, die ich in einem Kindergarten und in der Grundschule für Astronauten an den Tag lege, wenn die sich mal bis ins Studium hinein durchzieht.
Sprecher 2: Fangen Sie doch mal bei Ihrem Ministerpräsidenten an, der Star Wars trägt und nicht...
Sprecher 5: Der hat eine ESA-Jacke. Der hat eine ESA-Jacke. Der hat eine ESA-Jacke und hat die auch am Freitag nochmal zum Jubiläum. Selbstverständlich angezogen. Aber ich habe mir auch eine bestellt. Ich habe gesagt, das kann ja wohl nicht sein. Bislang habe ich sie nur mit KI erstellt.
Sprecher 2: Wir haben mit der Wissenschaftsfreiheit und den Hochschulen angefangen. Wir hören damit auch auf. Haben wir ein Problem? Gibt es Antisemitismus an deutschen Hochschulen?
Sprecher 5: Ja, klar gibt es Antisemitismus an deutschen Hochschulen. Ich habe das sehr eng begleitet.
Sprecher 2: Das ist ein wachsendes Problem.
Sprecher 5: Auch aus dem Kulturbereich raus. Und das ist auf jeden Fall eins, was dringend eine Daueraufgabe ist, wo wir uns nie damit abfinden dürfen. Niemals. Wir brauchen eine Sicherheit für unsere jüdischen Studentinnen und Studenten auch an unseren Hochschulen.
Sprecher 2: Haben die die heute? Würden Sie diesen Satz sagen?
Sprecher 5: Nein, das würde ich nicht sagen, weil ich auch im engen Austausch bin, auch mit der jüdischen Community und auch mit Herrn Schuster.
Sprecher 2: Was können Sie denn tun außer Appelle?
Sprecher 5: Alleine, dass man es anerkennt, dass es so ist, ist schon mal mehr als zu manch anderer Zeit der Fall gewesen ist. Dass man auch wirklich es sieht, dass man auch solche... Antisemitischen Äußerungen nicht duldet an den Hochschulen. Und dass man auch jüdischen Studentinnen und Studenten sagt, wir möchten uns auch wirklich, wenn ihr uns das auch meldet, wenn wir wissen, wo die Vorfälle sind, wie sie stattfinden, dass man dann auch dagegen vorgehen kann. Das habe ich schon vor einigen Jahren, als ich auch zum Europäischen Kongress habe sprechen dürfen. Und das ist bestimmt schon sieben, acht Jahre her, waren so aus ganz Europa Jüdinnen und Juden da. Und es war zum Zeitpunkt, wo es diese Vorfälle in der Massivität noch gar nicht gab. Und ich habe damals die Frage gestellt, wer von euch hat sich denn schon mal vorstellen können, aus Deutschland auszuwandern oder wegzuziehen? Und kein einziger hatte sich das noch nicht vorstellen können, weil sie gefragt haben, ist es schlechter geworden? Ja, es ist schlechter geworden. Ich bin dankbar, dass wir es auch in der letzten Periode als CDU-CSU-Bundestag-Fraktion nochmal so deutlich auch in den Mittelpunkt unserer Arbeit gestellt haben. Und das ist etwas, was ich als Kulturpolitikerin von der Documenta beginnend über die Berlinale auch immer mit begleitet habe. Und an den Hochschulen spielt das eine ganz große Rolle, aber Sie haben recht. Es muss natürlich Konsequenzen haben und man muss auch während den Anfängen sehr schnell einschreiten, wenn da die falschen Sätze skandiert werden.
Sprecher 2: Vielen Dank, Frau Bär, für diese klare Haltung und den Einblick in die vielfältige Agenda des Zukunftsministeriums. Vielen Dank.
Sprecher 5: Sehr gerne.
Sprecher 2: Helene, war noch was?
Sprecher 3: Michael, ich wohne ja seit einigen Wochen, wie manche wissen, auf einer Baustelle. Und deswegen interessiere ich mich wie nie zuvor für alles rund ums Bauen, für Baustoffe, für das, was Verena Huberts gesagt hat, nämlich für Tempo, Talente und Technologie. Deswegen komme ich heute auf das Thema Superholz. Weißt du, was das ist?
Sprecher 2: Nein, aber es hat wahrscheinlich mit Holz zu tun.
Sprecher 3: Ja, es hat mit Holz zu tun. Jetzt haben Forscher einen Prozess entwickelt, bei dem normales Holz erst in einer Laugenmischung gekocht und anschließend gepresst wird. Dadurch wird das Holz deutlich fester, aber trotzdem biegsam und auch nässe. Das ist das Interessante, soll diesem Holz überhaupt nichts ausmachen. Ist das vielleicht der Stahl der Zukunft? Könnte sein.
Sprecher 2: Wir freuen uns jedenfalls über mehr Holz, denn Holz ist ein wunderschöner Stoff. Und damit sind wir doch eigentlich am Ende dieses Podcasts auch bei Woodstock angelangt.
Sprecher 3: Bis morgen, 5 Uhr. Wir freuen uns, wenn Sie dann wieder dabei sind. Tschüss.
Sprecher 6: You know the way it's supposed to be. On the show and let us be.
Sprecher 1: It's a fair win.
Sprecher 7: Going warm out of the south on my shoulder. Guess I'll set a course and go.