Der erste Besuch im Weißen Haus
Dauer: 23:12

Der erste Besuch im Weißen Haus

Friedrich Merz reist zum ersten Mal als Kanzler ins Weiße Haus.

Es wird am Donnerstag ein Treffen mit Donald Trump geben, anschließend ein gemeinsames Mittagessen, bevor die beiden vor die Presse treten.

Die Themen, bei denen Merz den richtigen Ton treffen muss, liegen auf der Hand: der Krieg in der Ukraine, die israelischen Angriffe im Gazastreifen und natürlich die von Donald Trump angedrohten Zölle.

Im Gespräch mit Michael Bröcker beschreibt die ARD-Studioleiterin in Washington, Gudrun Engel, wie in den USA auf den Merz-Besuch geblickt wird.


Schon im kommenden Monat sollen erste Entlastungen für die deutsche Wirtschaft wirksam werden – darunter die neue Abschreibungsregeln für Investitionen und höhere steuerliche Vorteile für Elektro-Dienstwagen.

Diese Maßnahmen führen jedoch auch zu Steuerausfällen, nicht nur beim Bund, sondern auch bei Ländern und Kommunen.

Und die verweisen auf eine möglicherweise entscheidende Passage im schwarz-roten Koalitionsvertrag und sagen: Das Geld wollen wir vom Bund zurück.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Endlich ist er da, der wohl wichtigste Termin in den ersten 100 Tagen für Friedrich Merz. Er darf am Donnerstag endlich zu Donald Trump in die USA ins Weiße Haus. Und dafür lässt er sogar das auch nicht ganz unwichtige Treffen mit den Ministerpräsidenten sausen. Wir sagen, was er in D.C. Vorhat und wie auch die Länderchefs reagieren.

Sprecher 3: Über dem Ganzen schwebt natürlich auch die Angst, dass es am Ende Friedrich Merz so gehen könnte wie Selenskyj. Das wird natürlich in Berlin dementiert. Aber über all das, was in Washington vorbereitet wird, sprechen wir mit der ARD-Studioleiterin in Washington, Gudrun Eng. Lars Klingbeil will die Wirtschaft ankurbeln und Unternehmen entlasten. Aber noch bevor das Gesetz überhaupt zur Abstimmung steht, gibt es schon wieder Ärger. Und zwar wegen der Finanzierung, denn die Länder und Kommunen müssen schon 2026 2,8 Milliarden Euro davon stemmen und finden das alles andere als lustig.

Sprecher 2: Es geht also mal wieder ums Geld und ums große Ganze sowieso hier bei uns an diesem Montag, den 2. Juni.

Sprecher 4: We are reading from the same paper. We have a very broad common understanding on what's going on on the international level with regard to Ukraine, with regard to the Middle East. And we are cooperating very closely together with the administration and Washington and hope to secure peace at all these conflict zones I just spoke about.

Sprecher 5: All right, German Foreign Minister Johann Wadephul, thank you so much for your time, sir. Appreciate it.

Sprecher 4: My pleasure.

Sprecher 3: Das war Außenminister Wadephul im amerikanischen Fernsehen. Er hat die Bühne bereitet für Friedrich Mertz. Die Amerikaner müssen wahrscheinlich noch lernen, diesen Namen auszusprechen, wenn sie denn überhaupt schon wissen, wer der Mann ist.

Sprecher 2: Genau, also manch einer denkt wahrscheinlich immer noch, es ist Angela Merkel. Vielleicht hat auch einer schon mal den Namen von Olaf Scholz gehört. Aber jedenfalls, es ist sein erster Auftritt. Der ehemalige Chef der Atlantikbrücke war so oft in den USA. Aber diese Reise ist wirklich wichtig. Mittwochabend geht es hier in Berlin los. Donnerstag dann das wichtige Treffen im Oval Office.

Sprecher 3: Und was erwartet ihn da eigentlich? Da ist natürlich das Umfeld von Friedrich Merz jetzt schon ganz schön aufgeregt. Denn das wissen wir ja, dass wir eigentlich über den amerikanischen Präsidenten immer nicht wissen, in welcher Tagesform er gerade ist, mit wem er gerade zuletzt gesprochen hat, ob er die Europäer als Partner ansieht oder doch eher als Feinde. Feinde, weil sie... ein anderes Verständnis von Meinungsfreiheit haben, weil sie die Amerikaner abziehen mit ihren Exportüberschüssen und so weiter. Abgesehen von allen politischen und auch wirtschaftlichen Themen, die da auf der Agenda stehen, geht es schon sehr um die Frage, mit welcher Geste begrüßt Donald Trump seinen deutschen Kollegen.

Sprecher 2: Ja, und wie immer gilt auch wie bei den normalen menschlichen Beziehungen außerhalb von Regierungschefsebene, es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Also es entscheidet sich alles am Anfang, ob dieser Donald Trump diesen Mann da mag oder nicht. So heißt es zumindest immer wieder. Angela Merkel hat das ja akribisch vorbereitet und sich sogar die TV-Show von Donald Trump damals angeschaut, The Apprentice, bevor sie hingereist ist und Biografien gelesen. Vielleicht kann man bei diesem Donald Trump sich aber auch einfach gar nicht vorbereiten, sondern man muss einfach so sein, wie man ist.

Sprecher 3: Ja, Angela Merkel hat ja tatsächlich alles versucht. Sie hat ihn schon auch umgarnt, hat auf die deutsche Familiengeschichte von Donald Trump angespielt. Andererseits war sie auch ostentativ genervt, hat mit den Augen gerollt bei den Pressekonferenzen. Also es gab alles und am Ende hatte Angela Merkel auch mit einem unberechenbaren Trump zu tun, der allerdings in seiner ersten Amtszeit, so scheint es, doch nicht ganz so gefährlich für die Europäer war wie heute.

Sprecher 2: Für Smalltalk bleibt jedenfalls nicht viel Zeit, denn die Themen sind groß. Es geht natürlich um die Unterstützung für die Ukraine vor dem wichtigen NATO-Gipfel im Juni, aber auch um die Zölle, die uns in der deutschen Wirtschaft sehr, sehr schaden könnten. Wie jüngst ein Szenario des Weltwirtschaftsökonomen Gabel Felbermayr mal ausgerechnet hat, gerade Die Pharma-, Automobil- und Maschinenbauindustrie würden massiv leiden, wenn es tatsächlich zu einer Art 25% Pauschalzoll auf Güter aus der EU käme. Also wir würden mindestens noch einmal ein dickes Minus in unseren Wirtschaftsleistungen verkraften müssen. Also das muss er verhindern. Das ist die wichtigste Auftrag.

Sprecher 3: Ja, Donald Trump immerhin hat ja die geplanten 50-prozentigen Zölle auf EU-Importe verschoben und zwar auf Anfang Juli, auf den 9. Juli genauer gesagt. Diese Entscheidung hat er nach einem Gespräch mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen getroffen. Die Vereinbarung war, dass man jetzt nochmal verhandelt und da kommt Friedrich Merz ins Spiel, denn der wird ganz sicher mit Trump über diese Frage sprechen.

Sprecher 2: Besonders hilfreich war es sicherlich nicht, dass sein Kulturstaatsminister Wolfgang Weimar jetzt mit einer Art Digitalsteuer für amerikanische Tech-Konzerne gedroht hat. Aber das wird dann Friedrich Merz auch irgendwie lösen müssen.

Sprecher 3: Wobei diese Idee von Wolfram Weimar ja auch nicht nur verkehrt ist, denn wir müssen mal sehen, was für eine Wertschöpfung amerikanische Tech-Giganten in Europa und auch in Deutschland machen und wie wenig Steuern sie bezahlen.

Sprecher 2: Der Ton macht die Musik vielleicht die richtige Idee zum falschen Zeitpunkt. Jedenfalls hat Friedrich Merz ordentlich was im Gepäck, wenn er losfliegt. Jemand, der schon vor Ort ist, ist Gudrun Engel, die ARD-Studioleiterin in Washington DC. Sie war oft genug im Oval Office oder im Press Briefing Room und erzählt uns jetzt mal, wie die Amerikaner eigentlich auf die Reise von Friedrich Merz gucken. Einen schönen guten Tag, hallo Gudrun.

Sprecher 3: Hallo, guten Morgen.

Sprecher 2: Gudrun am Donnerstag. Nach endlich der Termin für Friedrich Merz im Weißen Haus. Interessiert das eigentlich einen in der amerikanischen Administration oder in den Medien?

Sprecher 6: Also in der Administration sicherlich, weil es natürlich eine Menge Vorbereitung und Arbeit und Briefing und so weiter ist. Die normalen Amerikaner haben davon noch nichts mitgekriegt. Mein Tipp wäre, oh, der deutsche Kanzler, wieso, wieso Kanzler, das ist doch Merkel. Das haben, glaube ich, noch gar nicht alle so richtig mitgeschnitten. Scholz haben wir, glaube ich, ausgelassen zwischendurch. Also in der Wahrnehmung der Amerikanerinnen und Amerikaner spielt es nicht so eine Rolle. Ich prophezeie mal, dass die Nachrichtenmedien das auf jeden Fall aufgreifen werden, weil so ein Staatsbesuch im Weißen Haus ja immer ein Hingucker ist in letzter Zeit.

Sprecher 2: Es gab ja nur eine ganz dürre Mitteilung vom Weißen Haus, dass er überhaupt kommt. Gibt es irgendeine Art Erwartungshaltung aus dem Weißen Haus für diese Reise?

Sprecher 6: Also im Weißen Haus ist es ja eher so, dass man sich wahrscheinlich gedacht hat, ach ja, der will kommen, ja gucken wir mal, wo haben wir denn eine Lücke im Kalender? Ganz deutlich gesagt. Auf deutscher Seite habe ich mit Diplomaten und Beratern gesprochen und da gab es eine heiße Diskussion, was denn ein guter Zeitpunkt wäre für so einen Besuch. Also einige haben gesagt, naja, er muss auf jeden Fall noch vor dem G7 kommen, damit er ihn mal one-on-one getroffen hat, bevor dann alle aufeinandertreffen in Kanada. Und andere haben gesagt, ja, vielleicht doch lieber noch warten und nochmal ein bisschen an der Strategie feilen, weil man ja in der Vergangenheit gesehen hat, so ein Besuch im Weißen Haus kann halt auch sehr schnell sehr schief gehen.

Sprecher 2: Ja, aber aus der Merz-Administration, wenn ich es mal so sage, hier in Berlin hört man, es sollte auf jeden Fall ein Treffen, auch wegen... der gewünschten Augenhöhe mit dem wichtigsten Staats- und Regierungschefs in Europa sein, vor dem G7-Gipfel und vor allem vor dem NATO-Gipfel. Gibt es denn inhaltliche Erwartungen, die Donald Trump an Friedrich Merz haben wird?

Sprecher 6: Naja, also im Moment dreht sich für Donald Trump ehrlicherweise nicht so sehr viel um die NATO. Der hat seine Zusage zum NATO-Gipfel, dass er wirklich kommt, auch noch nicht 100 Prozent gegeben. Also das heißt, es wäre sicherlich ein guter Move von Friedrich Merz, ihn nochmal darauf hinzuweisen, dass man ihn da dabei haben will. Er wird ja gerne gebeten und eingeladen. Und ansonsten dreht sich hier natürlich im Moment alles eher um die Zölle. Und da ist der Blick auf Europa und auch auf Deutschland im Besonderen kein besonders positiver.

Sprecher 2: Donald Trump fühlt sich von Europa ausgenutzt und ausgeplündert. Ist diese Schärfe auch wirklich Teil seiner Strategie oder muss man bei der Rhetorik bei Donald Trump immer ein bisschen was abschneiden?

Sprecher 6: Naja, er redet ja einfach tatsächlich wirklich so, wie er es gerade denkt und fühlt. Und er hat auch gesagt, Europa habe die Vereinigten Staaten vergewaltigt. Also das ist schon scharfer Tobak, gerade auf diplomatischem Parkett, dass er da immer raushaut. Und Deutschland hat er einfach besonders, ich sag mal, auf dem Knie. weil er die ganzen deutschen Automarken mittlerweile ziemlich gut über die Lippen kriegt. Also es gibt kein Briefing zum Zollstreit mit Europa, wo er dann nicht allgemein sagt, naja, den Franzosen geht es um Lebensmittel. Also er gibt immer Gruppen bei Ländern an, aber bei Deutschland sind es immer die Autos und er nennt immer Mercedes, BMW und Volkswagen. Das ist ihm einfach ein Dorn im Auge. Und deswegen hat er Deutschland halt auch so ein bisschen sich ausgeguckt als Oberfeindbild.

Sprecher 2: In der deutschen Bundesregierung wird ja immer wieder auch zirkuliert, dass man einen Deal finden werde, dass es selbstverständlich an Zollverhandlungen am Ende auch eine Lösung finden, die vielleicht für beide Seiten weniger Zölle möglich machen. Ist sowas vorstellbar, so eine Art neues TTIP 2.0?

Sprecher 6: Ganz ehrlich, ich gebe bei diesen ganzen Zollgeschichten überhaupt keine Prognosen mehr. Ich habe jetzt insgesamt in der Berichterstattung, glaube ich, zehnmal Zölle angekündigt. Viermal wurden die wieder einkassiert, bevor sie überhaupt in Kraft getreten sind. Zweimal wurden sie wieder ausgesetzt. Also es ist so ein Tohuwabohu, dass man nicht mehr richtig durchblickt. Also ich maße mir nicht mehr an, das 100 Prozent zu durchschauen, ehrlich gesagt.

Sprecher 2: Spannend wird ja auch sein, wie er mit Friedrich Merz umgeht. Jetzt hat man zwei Regierungschefs oder Staatschefs erlebt, die im Weißen Haus wirklich gedemütigt wurden. Südafrika und natürlich Ukraines Präsident Zelensky gibt es. Eine Technik, eine Taktik, eine Strategie, wie man so etwas auf offener und dann eben auch öffentlicher... der Bühne vermeiden kann?

Sprecher 6: Ach, ich glaube, wir haben ganz gute Beispiele gesehen bei Macron und auch bei Libby Netanyahu und bei dem neuen kanadischen Regierungschef, die da so einen Mittelweg gewählt haben. Also bei Zelensky haben wir ja gesehen, da ist es einfach gekippt in dem Moment, wo der gesagt hat, so nehmen wir einen Moment mal, also jetzt sage ich euch mal, wie es aussieht. Und bei dem Südafrikaner, da war ich dabei, das hat wirklich Schmerzen verursacht, da dabei zu sein, weil man die ganze Zeit dachte, wie sehr willst du denn hier noch lächeln, während du hier rechts und links ständig eine reingeballert kriegst. Also ich glaube... Es macht Sinn, so einen Mittelweg zu wählen. Also man muss sich auf keinen Fall komplett anbiedern, aber man sollte trotzdem wissen, klar, worauf Donald Trump gepolt ist, was so seine Buzzwords sind, worauf er auf jeden Fall anspringt. Und man braucht natürlich einen klaren Plan, was soll am Ende dieses Treffens bei rauskommen.

Sprecher 2: Du bist öfters im Weißen Haus oder im Press Briefing Room. Gibt es eigentlich eine klare Verabredung, ob und wenn ja, wie lange Medienvertreter zugelassen sind bei diesem Treffen der beiden dann im Weißen Haus?

Sprecher 6: Also bei Joe Biden war das klar geregelt. Da gab es klare Spielregeln. War klar, wenn das Treffen losgeht, wird die Mediengruppe reingeführt. Das Oval Office ist ziemlich winzig, ehrlich gesagt. Das sieht immer groß aus, ist aber sehr klein. Dann stapeln wir uns da rein. Und dann gab es am Anfang immer so ein Biden hat einen Sprechzettel, der andere Staatsgast in der Regel auch. Dann gab es von Biden so ein Statement und dann wurden wir freundlich rausgebeten. Das hat in der Regel... Fünf bis zehn Minuten gedauert, dann... war das vorbei. Was Donald Trump da jetzt macht, dass der gar keine Statements macht und dann gehen wieder alle, sondern dass das direkt zu so einer Pressekonferenz ausartet, dass da jeder alles fragen darf, dass das zum Teil eineinhalb, zwei Stunden geht und dass es dann eben in so Vorführeffekte führt, wie jetzt bei Ramaphosa. Das ist komplett neu und das ist für uns auch noch nicht so richtig zu deuten. Es kann jedes Mal anders sein. Deswegen gibt es dahinter jetzt noch nicht genau erkennbar ein Schema.

Sprecher 2: Entscheidet Donald Trump das spontan?

Sprecher 6: Ich habe das Gefühl, das tut er. Also wenn er das Gefühl hat, es gefällt ihm gerade, sich selber reden zu hören, dann redet er einfach weiter. Und er nutzt das ja auch ganz oft, um gar nicht zwingend auf den Staatsgast einzugehen, sondern um nochmal zu erzählen, welche Errungenschaften er gerade wieder für sein Land erreicht hat und was er gerade bei Make America Great Again wieder alles geleistet hat. Manchmal hat man das Gefühl, es ist sehr von seiner Laune abhängig. Wenn er gut gelaunt ist, dann hält er noch ein Schwätzchen. Und das tut er ja übrigens überall. Das gilt nicht nur für diese Pressebriefings im Weißen Haus oder diese Treffen im Oval Office. Also was man ihm lassen muss, er redet viel, viel häufiger mit der Presse, als sein Vorgänger das getan hat, weil er das auch gerne mal macht, wenn er gerade spontan ins Flugzeug steigt oder aus dem Hubschrauber kommt. Wenn er das Gefühl hat, er hat was zu sagen, dann nutzt er die Bühne.

Sprecher 2: Bei Staats- und Regierungschefs ist es wahrscheinlich wie bei allen Menschen, die sich kennenlernen. Entweder stimmt die persönliche Chemie oder eben nicht. Angela Merkel hatte sich akribisch vorbereitet, hatte sogar die Show von Donald Trump, The Apprentice, geguckt und Biografien gelesen. Bei Friedrich Merz weiß man das nicht so genau. Aber immer wieder ist ja zu hören, dass er auch versuchen wird, auf seine deutschen Wurzeln einzugehen. Seine Großeltern Friedrich Trump und Elisabeth Christ kommen aus Deutschland ursprünglich, aus Kaltstadt in Rheinland-Pfalz. Spielt so etwas eine Rolle? Kann man ihn bei den Wurzeln packen oder ist das vertane Liebesmüh?

Sprecher 6: Also zunächst mal glaube ich, was schon mal ein gutes Zeichen ist, ist, dass Friedrich Merz im Blair House übernachten darf, wenn er kommt. Das ist besser, als wenn er sich selber irgendwie ein Hotel suchen müsste. Dann ist noch die Frage, wie kommt er von Blair House ins Weiße Haus? Also das ist auf der anderen Straßenseite. Merkel ist damals zu Fuß gegangen. Die hat gesagt, ja, ich steige doch jetzt hier nicht in ein Auto und fahre 20 Meter darüber, mache mal Platz, mache das Tor auf, ich komme jetzt mal. Das hat man damals sehr positiv wahrgenommen. Also die Frage ist schon mal, wie tritt Friedrich Merz auf? Also wie viel Bohai macht er oder kommt er da einfach mal vorbei? Und dann, ob er mit den deutschen Wurzeln punkten kann, tja, das ist wirklich eine gute Frage. Ich habe da auch drüber nachgedacht. Aber tatsächlich ist es so, dass Donald Trump ja mit seiner Familie und auch mit seiner Geschichte und mit dem schwierigen Verhältnis zu seinem Vater sehr hadert und auch darauf nicht mehr so sehr zurückgeführt werden will. Deswegen weiß ich nicht, ob das klappen kann. Ich denke, da geht es eher darum, irgendwie Deutschland als großen Partner darzustellen.

Sprecher 2: Eins ist sicher, auch bei den mächtigen Chefs und Staats- und Regierungschefs dieser Welt kommt es auf kleine Details und Gesten an. Vielen Dank, Gudrun Engel, für diese Insight. Und wir sehen uns hoffentlich am Donnerstag in Washington.

Sprecher 3: Sehr gerne.

Sprecher 2: Der Gesetzentwurf, der die Wirtschaft endlich wieder ankommen soll, er liegt jetzt vor, ein Referentenentwurf von Lars Klingbeil und vier Sofortmaßnahmen will der SPD-Chef sofort.

Sprecher 3: Eine der wichtigsten, der Investitionsbooster, das sollen Abschreibungen sein von 30 Prozent für alle beweglichen Wirtschaftsgüter, also eine deutliche Ausweitung der Abschreibungsmöglichkeiten gegenüber dem Status quo. Und das soll ab dem 1.7. Schon in Kraft treten und bis zum Juli 2028 gelten.

Sprecher 2: Ja, und interessant auch für die Unternehmen mit großen Dienstwagenflotten. Der Steuerrabatt für E-Autos wird deutlich angehoben. Und es gibt natürlich dann, wenn diese Investitionsbooster-Abschreibungen auslaufen, also ab 2028, dann auch die von den Unternehmen herbeigesehnte Abseckung der Körperschaftssteuer auf 10% schrittweise in jedem Jahr ein Prozentpunkt weniger.

Sprecher 3: Wobei sich da die Wirtschaft und die Wirtschaftsverbände deutlich mehr erwünscht hätten, dass man im Jahr 2026 bereits anfängt und nicht erst im Jahr 2028, was ja schon das Ende der Legislaturperiode ist oder jedenfalls gegen das Ende der Legislaturperiode geht, wenn wir ehrlich sind. Da konnte sich die CDU aber nicht durchsetzen. Die SPD wollte das Geld vorerst für andere Dinge ausgeben.

Sprecher 2: Ja, für die einen ist es zu wenig, für die anderen ist es schon zu viel, nämlich zum Beispiel für die Länder. Denn die müssen natürlich mit in die Tasche greifen. Die Steuerausfälle, sie betreffen immer. Bund, Länder und Gemeinden. Und nur mal eine Zahl, schon im kommenden Jahr, also 2026, wo diese Maßnahmen erstmals im Gesamtjahr wirksam werden, müssten die Länder und die Gemeinden auf 2,8 Milliarden Euro verzichten. Und das wächst dann auf bis hin zu knapp 9 Milliarden Euro im Jahr 2029 nur für Länder und Gemeinden an Steuerausfällen.

Sprecher 3: Die sind verschnupft und da hilft es natürlich auch nicht, dass Friedrich Merz am Donnerstag bei der ersten MPK seiner Kanzlerschaft nicht dabei ist, sondern in Amerika. Ich sage mal, es gibt schlechtere Gründe, nicht zu einer MPK zu kommen. Und trotzdem hatte sich ja Friedrich Merz vorgenommen, das Verhältnis zu den Ländern zu verbessern, das ja unter Olaf Scholz sehr gelitten hatte. Die Länder hatten Scholz als arrogant wahrgenommen, als desinteressiert an den Länderinteressen. Und zwar auf die A-Seite, also auf die SPD. Ministerpräsidenten beschwerten sich ziemlich offen, obwohl Olaf Scholz selbst mal Hamburger Bürgermeister ist. Aber diese Zeit ist vorbei, das sollte sich nicht wiederholen. Und das ist natürlich kein idealer Start, wenn man die Länder dann am Donnerstag alleine lässt.

Sprecher 2: Ja, und ich erinnere mich an einen Auftritt von Friedrich Merz beim NRW-Parteitag der CDU, wo er ganz klar gesagt hat, mit mir wird es das nicht mehr geben, dass im Bund immer irgendwas bestellt wird und die Länder bezahlen. Und so ist dieses wunderbare Wort Veranlassungskonnexität in den Koalitionsvertrag gekommen. Und diese kleine Passage in Zeile 3623, das kennen die Länderchefs alle in- und auswendig, verweisen sie jetzt. Denn dort wird mehr oder weniger klar gesagt, Wenn wir etwas beschließen im Bund, das euch auch Geld kostet, dann übernehmen wir das oder kompensieren das. Und das ist ja Wahnsinn eigentlich, weil alle Maßnahmen, die irgendwie mit Kosten für die Länder zu tun haben, dass die dann ausgeglichen werden vom Bund an anderer Stelle, das kann ich mir nicht vorstellen.

Sprecher 3: Jetzt sehen wir ja auch, dass es offensichtlich so auch nicht sein wird. Da ist also ein Konflikt vorprogrammiert. Die Haltung des Bundes ist da aber auch ziemlich klar. Die sagen, wir haben doch von dem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro ein Fünftel, nämlich 100 Milliarden Euro für euch Länder rausverhandelt. Der bayerische Ministerpräsident Söder hat neulich in der Pressekonferenz nach dem Koalitionsausschuss nochmal gesagt, niemand hat mehr für die Länder getan. Ich wiederhole, niemand hat mehr für die Länder getan als diese Bundesregierung. Ich kenne viele Bundesregierungen. Und diese ist ganz toll. Also da schert Söder etwas aus und singt nicht im Chor mit den anderen Ministerpräsidenten. Mal sehen, wie lange das so bleiben wird.

Sprecher 2: Ja, das ist eigentlich die gute politische Strategie, die möglichen Feinde sich schon sofort einzusacken. Söder hat ja nun mal mitverhandelt zentral. Auch Manuela Schwesig war im wichtigen Gremium. Michael Kretschmer war im wichtigen Gremium dieses Koalitionsvertrages. Und damit sind diese Ministerpräsidenten natürlich auch ein bisschen in der Haftung für das, was sie da beschlossen haben.

Sprecher 3: Immer wer es aufgeschrieben hat, wer es mitverhandelt, der muss dann auch politisch dafür gerade stehen und das womöglich auch verteidigen. Das wird nicht ganz einfach, denn was diese Veranlassungskonnexität bedeutet, genau darüber wird jetzt gestritten. So ist es halt mit diesen Begriffen, die nicht so fort. ganz klar sind, die man vielleicht auch gewählt hat, gerade weil sie nicht so ganz klar sind, weil man dann eine Verhandlung schnell beenden kann und das dicke Ende kommt dann eben in der Realität. Also jetzt, naja, Bund und Länder müssen sich darüber einigen. Hilfreich dabei ist vielleicht, dass sich alle in einer Frage einig sind, nämlich dass es einen Investitionsbooster in Deutschland braucht, dass wir nach drei Jahren der Rezession so wie bisher nicht einfach weitermachen können. Mick war sonst noch was.

Sprecher 2: Eine gute Nachricht mal zum Schluss, Helene. Der wahre Wachstumstreiber ist natürlich selbstverständlich und wer wüsste das besser als du, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und da gibt es eine interessante Studie aus dem US-Bundesstaat New Mexico. Dort ist nämlich seit drei Jahren die Kinderbetreuung komplett kostenlos. Also kann man sich einfach seine Nanny quasi herbeirufen, wenn man dringend doch nochmal arbeiten muss. Und prompt wächst dort die Wirtschaft, die Armut ist spürbar zurückgegangen. 200.000 Kinder wurden aus der Armut befreit, berichtet zumindest The Guardian.

Sprecher 3: Kostenlos kann es ja nicht sein, weil diese Nannys ja von irgendwem bezahlt werden müssen. Also das ist dann der Staat.

Sprecher 2: Genauso ist es kostenlos für uns Menschen, Arbeitnehmer, Beschäftigte.

Sprecher 3: Also eine total gute Idee. In Berlin ist ja auch, das möchte ich an dieser Stelle auch nochmal daran erinnern, an alle Nicht-Berliner, die uns hören, ist ja auch eine ziemlich gute Kita-Betreuung komplett. kostenfrei, beziehungsweise 23 kleine Euros zahlt man im Monat. Und jedenfalls, ich habe durchweg gute Erfahrungen damit gemacht und finde das schon auch etwas, wofür man einfach mal Danke sagen kann.

Sprecher 2: Zu produktiven Papas und produktiven Mamas gehört es eben auch mal, dass man uns die Kinder mal wegnimmt.

Sprecher 3: Ja, so ist es, Michael, so schön. Es ist jetzt gerade so ein verlängertes Wochenende mit den Kindern zu verbringen. Ist man doch auch sehr gerne Mama, wenn die Kinder mal nicht da sind. Yeah, mama.

Sprecher 7: Oh, I'll submit and I'll reminisce Cause through the drama I can always depend on my mama And when it seems that I'm hopeless You say the words that can get me back in focus When I was sick as a little kid To keep me happy there's no limit to the things you did And all my childhood memories. I'm full of all the sweet things you did for me. And even though I act crazy, I gotta thank the Lord that you made me. There are no words that can express how I feel. You never kept a secret, always stayed real. And I appreciate how you raised me. And all the extra love that you gave me. I wish I could take the pain away. If you can make it through the night, there's a brighter day. Everything will be all right if you hold on. It's a struggle every day, gotta roll on. And there's no way I could pay you back. But my plan is to show you that I understand. You all appreciate it.

Sprecher 8: Don't want to know we're not the same.

Sprecher 7: Dear mama.

Sprecher 9: You are the shit. To knowing that this is you. Dear mama.

Sprecher 10: Handel und Zölle sind das neue Top-Thema für die Spitzen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für Sie gibt es jetzt unseren neuen Trade Table. Mit dem Trade Table haben Sie Zugang zu allen Analysen und Nachrichten aller Table Briefings Redaktionen. Rund um die Themen Handel, Zölle, Gegenzölle und Rohstoffe. Von Amerika bis Europa, von China bis Afrika. Mehr Informationen und einen weiterführenden Link finden Sie in der Folgenbeschreibung.