Kümmert sich jemand um den Klimaschutz, Herr Flasbarth?
Dauer: 25:37

Kümmert sich jemand um den Klimaschutz, Herr Flasbarth?

„Es lohnt sich, für jedes 0,1 Grad weniger Erwärmung zu kämpfen“, sagt Jochen Flasbarth. Er ist zurück im Bundesumweltministerium – und will dort den Klimaschutz wieder auf Kurs bringen. Der Staatssekretär spricht über Deutschlands internationale Führungsrolle, das Klimaschutzgesetz und seine Sorge vor einer Debatte, die in Fatalismus umschlägt.


Ein Landwirt aus Peru klagt gegen RWE – und scheitert vor dem Oberlandesgericht Hamm. Doch obwohl er verloren hat: Das Gericht sieht eine grundsätzliche Verantwortung großer CO₂-Emittenten. Klima-Aktivisten sprechen von einem „Meilenstein“ und halten weitere ähnliche Klagen nun für möglich.


In Polen steht eine Richtungswahl an: Wer wird neuer Präsident – der liberale Rafał Trzaskowski oder der nationalkonservative Karol Nawrocki? Wie wird das Ergebnis die deutsch-polnischen Beziehungen beeinflussen? Warum wäre ein Wahlsieg Nawrockis ein Rückschritt für Europa?



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Es war ein Kampf David gegen Goliath, ein peruanischer Bauer gegen RWE. Warum er gegen diesen riesigen Konzern vor Gericht zieht und wie das Urteil ausgefallen ist, das bespreche ich mit unserer Kollegin vom Climate Table, Alexander Endres. Am Sonntag wählen die Polen einen neuen Präsidenten. Es kommt zur Stichwahl zwischen dem liberalen Rafał Szafskowski und dem nationalkonservativen Karol Nawrotski. Gemeinsam mit unserem Kollegen Daniel Fraß von Berlin Table gucken wir auf die politische Agenda der beiden Kandidaten und sagen Ihnen, warum das Wahlergebnis für Deutschland so wichtig ist. Und nochmal zurück zum Klimaschutz, ein Thema, das eigentlich kein Gewinnerthema mehr ist und trotzdem natürlich wichtig bleibt. Wir haben mit Jochen Flassbart gesprochen, einer der erfahrensten und dienstältesten Staatssekretäre. Er wird in der nächsten Legislaturperiode wieder im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit arbeiten. Was er in den nächsten vier Jahren alles erreichen will, das sagt er gleich bei uns. Heute ist Freitag, der 30. Mai. Michael ist auf seinem Boot und sendet herzliche Grüße und wir freuen uns mit ihm. Können große Unternehmen wegen ihres CO2-Ausstoßes zur Verantwortung gezogen werden? Diese Frage hatte das Oberlandesgericht Hamm auf den Tisch. Es geht um Saul Luciano Yuya, ein Landwirt aus Peru, der gegen RWE geklagt hat. Und er argumentiert, weil RWE durch seinen hohen CO2-Ausstoß seinen Beitrag zum Klimawandel leistet, soll der Konzern auch für die Folgen zahlen. Konkret geht es um sein Haus. Das steht nämlich am Fuße der Anden in der Stadt Huaras. Und weil die Gletscher schmelzen, steigt die Überschwemmungsgefahr. RWE sollte deswegen dazu verpflichtet werden, für Schutzmaßnahmen zu zahlen. So jedenfalls wollte es Juya. Doch, so hat es das ORG Hamm entschieden, RWE muss nicht zahlen. Dieser Rechtsstreit läuft schon seit 2015 und in dieser Woche gab es nun ein rechtskräftiges Urteil. Meine Kollegin Alexandra Endres vom Climate Table beobachtet seit 2015, also seit zehn Jahren, diesen Rechtsstreit und ist jetzt bei mir und darüber freue ich mich sehr. Hallo Alexandra.

Sprecher 3: Hallo Helene.

Sprecher 2: Also, die Reaktionen sind ja durchaus unterschiedlich. German Watch sagt, ein Meilenstein für die Klimagerechtigkeit und der Center for International Environmental Law spricht von einer neuen Ära für die Klimarechenschaftspflichten. Das leuchtet auf den allerersten Blick erstmal nicht ein, weil der Bauer, Julia, den Rechtsstreit ja verloren hat. Klär uns auf.

Sprecher 3: Ja, das klingt natürlich erstmal... tatsächlich sehr widersprüchlich. RWE muss nicht zahlen, das hat das OLG entschieden, das ist auch rechtskräftig, also daran ist nicht mehr zu rütteln in diesem Fall. Es ist aber auch so, dass das Gericht zugleich gesagt hat, grundsätzlich, also unabhängig von den örtlichen Gegebenheiten, die jetzt in diesem Fall eben zum Urteil führten, dass RWE nicht zahlen muss, unabhängig von diesen Gegebenheiten können große CO2-Emittenten ganz grundsätzlich verpflichtet sein, Verantwortung zu übernehmen für die Folgen ihrer Emissionen. Also, wenn ein Eigentum von jemandem beeinträchtigt wird durch den Klimawandel und wenn man tatsächlich diese Beeinträchtigung oder eine Gefahr der Beeinträchtigung nachweisen könnte, dann könnte es sein, dass RWE oder ein anderer Konzern, der Kohle, Öl oder Gas verbrennt, für die Beseitigung dieser Gefahr oder für Schäden, die schon entstanden sind, zahlen muss. Das hat das OLG ziemlich eindeutig in sein Urteil reingeschrieben. Und deshalb sind die Unterstützer der Klage und Klimaanwälte, Klimaanwältinnen auch so euphorisch.

Sprecher 2: Tatsächlich ist die Klage in diesem Fall gescheitert, weil man sagte, so wahrscheinlich ist es gar nicht, dass dieser Gletscher schmilzt und zu Überschwemmungen führt. Aber wenn dem so wäre, so ist dem Urteil zu entnehmen, dann hätte der Bauer Juja eben doch Anspruch auf Schadensersatz haben können. RWE hält jetzt entgegen und sagt, wir haben uns doch immer an das Recht gehalten, das weisen sie auch nach, dass sie gar nicht übertrieben viel emittiert haben. Und sagen, es kann doch nicht sein, dass wir uns an das Recht halten und dann trotzdem schadensersatzpflichtig sind. Ist da nicht auch was dran?

Sprecher 3: Naja, also ich würde unterscheiden. Sie haben sich an das geltende Recht gehalten. Das heißt, Sie haben sozusagen die Auflagen befolgt, die Sie hatten. Sie haben die Genehmigung, die Sie für Ihre Kohle, die Sie verbrannt haben, um Strom zu erzeugen wiederum, die haben Sie berücksichtigt. Sie haben dieses Recht nicht überschritten. Aber trotzdem ist der Anteil an Emissionen von RWE insgesamt an den weltweiten Emissionen relativ hoch. Also nach allem, was ich jetzt gelesen und gehört habe aus der Verhandlung, haben die Richter ziemlich eindeutig gesagt, es kann sein, dass ihr euch ans Recht gehalten habt, aber hier geht es um Schadensersatzansprüche, um mögliche Ansprüche einer Privatperson. Und man kann jetzt irgendwie von dieser Privatperson nicht verlangen, dass sie die nicht geltend macht. Das ist einfach eine unterschiedliche Rechtsbeziehung sozusagen. Und das ist also aus Sicht des OLG jedenfalls, war das nicht relevant.

Sprecher 2: Wenn man das jetzt zu Ende denkt und sagt, dem Grunde nach besteht ein Anspruch, wenn denn der Schaden nachweisbar ist, dann bedeutet das ja, dass eigentlich alle Klimageschädigten dieser Welt, also auch Bewohner von untergehenden Inseln, alle, die am Fuße irgendwelcher Gletscher wohnen, alle, die in Regionen wohnen, wo es so heiß werden wird, dass man da nicht mehr wohnen kann, dass die gegen die großen Emittenten, also gegen die großen Unternehmen vorgehen können. Wie siehst du das politisch? Ist da nicht die Masseninsolvenz vorprogrammiert?

Sprecher 3: Also ich glaube, politisch würde die Klimagerechtigkeitsbewegung natürlich sagen, genau das ist der Sinn von solchen Klagen. Weil es ja schon so ist, dass die Hauptemissionen in den reichen, in den wohlhabenden Industriestaaten entstehen und eben Menschen im globalen Süden unverhältnismäßig stark die Folgen tragen müssen. Und dann ist das, was dieses Urteil da eben beschreibt, eine Möglichkeit, wenn es schon politisch keine Lösung gibt oder wenn das politisch zu langsam vorankommt, der weltweite Klimaschutz, wenn die Emissionen zu langsam sinken oder immer noch steigen global, denn das tun sie ja, dann muss man sich eben juristisch irgendwie zu helfen, wissen oder helfen können. Und genau diesen Weg scheint es diese Klimaklage zu eröffnen. Man kann dann auch fragen, naja, aber das ist doch ein Riesengeschäftsrisiko für die fossilen Konzerne. Dagegen kann man natürlich auch die unglaublich hohen Gewinne halten, die in den vergangenen Jahren gerade und eben auch in den vergangenen Jahrzehnten gemacht haben, obwohl sie über die Schädlichkeit ihres Geschäfts wussten. Und insofern glaube ich, dass das Argument nur bedingt zieht. Und das könnte ein Hebel sein, um auch die Geschäftspolitiken und auch die Finanzmärkte, die Bewertung dieser Unternehmen an den Finanzmärkten nochmal ein bisschen zu verschieben. Vielleicht hilft das dem Klimaschutz dann ja doch ein Stück weiter.

Sprecher 2: Also der Gang vor das Gericht als politisches Druckmittel, so hast du es beschrieben. Alexander, du beschäftigst dich ja schon seit langer Zeit. Mit Klimaklagen verschiedener Art. Welche politische Wirkung haben diese Klagen? Ist das irgendwie messbar? Ist das zu beobachten?

Sprecher 3: Also ich glaube, dass es schwer ist, das zu messen, weil es gibt ja auch eine Gegenbewegung. Es gibt Klagen, die scheitern. Aus meiner Sicht ist es so, dass jede dieser Klagen, die gewonnen wird, ein weiterer Baustein ist, in so einer Art Puzzle, das man zusammensetzt und irgendwann können diese Klagen gegenseitig sich ergänzen und Fortschritte ermöglichen. Es ist jetzt aber nicht so, dass die Welt durch Klimaklagen gerettet wird. So würde ich das nicht sehen. Aber sie sind wichtig für den Klimaschutz, das würde ich schon sagen.

Sprecher 2: Vielen Dank für deine Einschätzung, liebe Alexandra.

Sprecher 3: Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Hat mich sehr gefreut.

Sprecher 2: Am Sonntag wird in Polen ein neuer Präsident gewählt. Der amtierende André Duda darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten. Vor zwei Wochen war der erste Wahlgang. Da konnte sich keiner der Kandidaten mit absoluter Mehrheit durchsetzen. Deswegen gibt es jetzt eine Stichwahl zwischen den beiden mit den meisten Stimmen. Der eine ist Rafał Czaskowski. Der hatte im ersten Wahlgang die meisten Stimmen. Er kam auf 31 Prozent. Der Warschauer Bürgermeister gehört zur liberal-konservativen Bürgerkoalition von Regierungschef Donald Tusk. Sein Konkurrent ist Karol Nawrotski. Er kam auf knapp 30 Prozent, ist zwar parteilos, aber gilt als nationalkonservativ, ist also eher auf dem Pisskurs. Nach jüngsten Umfragen liegen die beiden Kopf an Kopf. Es ist für uns nicht möglich vorherzusagen, wer am Sonntag gewinnt. Aber was die Wahl für Deutschland bedeutet, was das eine Szenario und das andere für die Bundesregierung und Friedrich Merz bedeutet, darüber spreche ich jetzt mit Damir Fraas, unserem Kollegen von Berlin Table, der sich schon lange für Polen interessiert. Hallo, schön, dass du da bist, Damir.

Sprecher 4: Hallo, Herr Legos.

Sprecher 2: Dani, ich kann mich nicht erinnern, dass Präsidentenwahlen in Polen sonst so viel Aufmerksamkeit hervorgerufen haben wie dieses Mal. Warum ist gerade diese Wahl so wichtig, auch für uns Deutsche?

Sprecher 4: Wenn sich der, nennen wir mal, der liberale Kandidat Rassau-Szastowski durchsetzt, dann wird es... für die Bundesregierung sehr viel einfacher werden, mit Polen zusammenzuarbeiten. Wenn sich dagegen Karol Nawrotski durchsetzt, dann wird es durchaus Probleme geben.

Sprecher 2: Und sicherlich auch für die Regierung Tusk wird es schwierig sein, weil der Präsident in Polen ja schon das eine oder andere blockieren kann. Also Polen wäre damit insgesamt ein schwierigerer Partner, oder?

Sprecher 4: Absolut. Bei einem Sieg Nawrotskis ist eine EU-kritische Haltung Polens zu erwarten, weil der Präsident eben die Reformagenda von Tusk zum Teil blockieren kann. Bei einem Präsidenten Tschaskowski wird es auch nicht spannungsfrei sein, aber es wird deutlich einfacher werden. Weil er schon im Wahlkampf gesagt hat, ich möchte natürlich mit Deutschland konstruktiv zusammenarbeiten.

Sprecher 2: Ja, während Nowitzki die polnische Forderung nach Reparationszahlungen wiederholt hat, er hat explizit von einem Kampf gesprochen bezogen auf Deutschland. Also da haben wir in der Tat nicht viel Gutes zu erwarten. Es gibt ja ein Spannungsverhältnis zwischen Deutschland und Polen, das wir derzeit beobachten. War vielleicht auch Olaf Scholz nicht ganz unschuldig dran, dass sich die Polen oft nicht gesehen fühlten. Was ist da deine Prognose, wie sich das in Zukunft entwickeln wird? Macht da der Ausgang der Präsidentenwahl einen großen Unterschied?

Sprecher 4: Ich glaube schon. Also ich glaube, bei einem Wahlsieg Tschaskowskis werden Warschau und Berlin ihn halten. über die Probleme sprechen, in konstruktiver Weise, als da sind die Migration, also Migranten, die von Belarus durch Polen Richtung Deutschland kommen und an der deutsch-polnischen Grenze zurückgewiesen werden. Das ist ein Problem für die Polen. Die Rüstungsfrage wird einfacher werden. Also die gemeinsame Zusammenarbeit auf militärischem Gebiet wird sicher einfacher werden. Und was auch einfacher wird, ist sozusagen sich ohne populistische Zwischentöne über das geschichtliche Problem zu unterhalten, über das sich Polen und Deutschland seit Jahrzehnten auseinandersetzen.

Sprecher 2: Was erwarten die Polen denn eigentlich von Friedrich Merz, jetzt mal unabhängig von der Präsidentenwahl? Wie schauen die Polen auf das, was er bisher gemacht hat? Ich meine, in der Migrationspolitik ist das ja für die Polen nicht ganz einfach, um es vorsichtig zu sagen, die Zurückweisung an der Grenze. Darüber haben sie sich ja schon ziemlich geärgert, auch die Regierung Tusk.

Sprecher 4: Die Tatsache, dass Tusk und Merz aus derselben der konservativen europäischen Parteienfamilie stammen, das macht sozusagen einen Dialog einfacher. Es ist auch in Polen mit großer Genugtuung aufgenommen worden, dass Merz bei seinem Besuch in Warschau auf den Bau eines Gedenkortes für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs, die Opfer der Nazis in Berlin hingewiesen hat. Also diese Probleme. werden bleiben, aber sie werden leichter zwischen März und Tusk zu lösen sein, als das der Fall war, als Olaf Scholz noch Kanzler war.

Sprecher 2: Sprechen wir noch kurz über das Thema Sicherheit und Verteidigung, also die Frage Ukraine-Unterstützung, NATO-Ziele. Meinst du, da ziehen Polen und Deutschland jetzt an einem Strang? Meinst du, da sind die Polen zufrieden mit dem, welchen Beitrag Deutschland leistet? Denn die Polen, um das nochmal zu sagen, leisten ja jedenfalls prozentual von ihrem BIP einen deutlich größeren als die Deutschen.

Sprecher 4: Ich glaube, dass sich der Groll der Polen legen wird, weil die deutsche Seite, glaube ich, in den letzten Wochen ihre Unterstützung für die Ukraine unmissverständlich klar gemacht hat und es für Polen gar nicht so sehr darauf ankommt, ob jetzt da ein Zehntelprozent mehr oder weniger vom BIP geleistet wird. Den Polen könnte vielmehr ein Problem drohen, wenn Nowitzki Präsident würde. Dessen Unterstützungshaltung gegenüber der Ukraine ist deutlich schwächer ausgeprägt als die von Schaskowski.

Sprecher 2: Vielen Dank für diese Einschätzung, lieber Damian.

Sprecher 4: Herzlichen Dank, dir Helene.

Sprecher 2: Wir erinnern uns, als Friedrich Merz das Sondierungspapier der Schwarz-Roten Koalition vorgestellt hat, kam das Wort Klimaschutz überhaupt nicht vor. Erst auf Nachfrage erklärte er, dass man natürlich auch zu den Klimazielen, Aber wir halten fest, Klimaschutz ist derzeit nicht der heiße Scheiß, um mal ein Wort von Katrin Böring-Eckardt hier zu zitieren. Einer aber gilt als der Garant dafür, dass der Klimaschutz in der neuen Koalition nicht ganz unter die Räder kommt. Es ist Jochen Flassbart. Der sich schon lange und intensiv mit Klima- und Umweltschutz beschäftigt hat. Er war 2013 bis 2021 Staatssekretär im Bundesumweltministerium, ist dann zur Ampelzeit ins BMZ gewechselt und jetzt wieder zurück im Umweltministerium. Bernhard Pötter, der Redaktionsleiter unseres Climate Table, hat mit Jochen Flassbart darüber gesprochen, was das Ministerium von Carsten Schneider in den nächsten vier Jahren erreichen möchte.

Sprecher 5: Wie fühlt man sich denn so ganz alleine als Klimaschützer in dieser Regierung?

Sprecher 6: Ich bin nicht ganz alleine als Klimaschützer. Die gesamte Bundesregierung hat sich den Klimaschutzzielen bekannt. Der Bundesminister Schneider hat deutlich gemacht, dass es seine größte Priorität ist, dass wir im Klimaschutz vorankommen und dass wir den Klimaschutz vor allem auch wieder zu einem Thema machen, das in der Gesellschaft mehr Zuspruch hat, als es zuletzt war.

Sprecher 5: Sie sagen es, Ihre Regierung hat sich zu den Zielen bekannt, aber es fehlen noch die Maßnahmen. Kommen die noch?

Sprecher 6: Es ist jedenfalls wichtig, die Ziele festgehalten zu haben. Und das sind ja auch nicht Programmziele, sondern es sind gesetzliche Ziele. Sie verpflichten also die gesamte Bundesregierung. Und wichtig ist 2045 Klimaneutralität. Das bedeutet eine Menge. an Entscheidungen jetzt in den nächsten Jahren, denn 2045 ist um die Ecke.

Sprecher 5: Das Klimaschutzgesetz gilt, ist aber in der letzten Legislatur verwässert worden. Könnte man sich vorstellen, dass es wieder verschärft wird in dieser Legislatur?

Sprecher 6: Also ich hätte diese Maßnahmen als Umweltministerium nicht vorgeschlagen in der letzten Legislaturperiode, aber sie sind ja zu vereinbart. Das Wichtigere ist, man kann mit dem Klimaschutzgesetz wunderbar auch nationale Klimapolitik jetzt machen. Deshalb konzentrieren wir uns hier darauf, das Klimaschutzprogramm 2025 innerhalb der Bundesregierung zu besprechen und dann zu verabschieden im Kabinett. Das wird die Maßnahmen enthalten, die erforderlich sind, um die Ziele 2030, 40 und 45 einzuhalten.

Sprecher 5: In dieser Regierung sind sehr viele neue Menschen, die sich einarbeiten müssen. Sie sind einer der ganz wenigen, der zwar jetzt auch im neuen Posten ist, aber alles mehr oder weniger schon mal gesehen und gemacht hat hier. Wie gehen Sie zurück in dieses Amt, aus dem Sie eigentlich kommen? Mit dem Blick vor allem auf die Internationale.

Sprecher 6: Also ich bin ja immer gerne hier gewesen und bin vor dreieinhalb Jahren auch mit wirklich einem traurigen Gefühl hier weggegangen, weil ich es gerne gemacht habe. Ich habe in den letzten dreieinhalb Jahren die internationale Entwicklungspolitik für Deutschland mitgestalten dürfen, mit vielen Schnittmengen. Ich habe viel dabei dazugelernt, auch noch mal noch mehr dazugelernt, die Perspektive des globalen Südens. Fühle mich insofern bereichert, bin gerne wieder hier. Aber ehrlich gesagt auch gerne im Altenhaus geblieben, also in den letzten dreieinhalb Jahren.

Sprecher 5: Sie ersetzen jetzt offiziell Jennifer Morgan, die letzten dreieinhalb Jahre die deutsche Klimagesandte war. Diese Stelle gibt es nicht mehr, beziehungsweise ist hier ins Umweltministerium gewandelt. Was wird anders bei Ihnen? Was machen Sie anders?

Sprecher 6: Also ich habe das ja in dieser Aufgabe acht Jahre lang vorher gemacht. Und das hat natürlich eine Veränderung erlebt aus dem Auswärtigen Amt heraus. Und Jennifer Morgan hat dreieinhalb Jahre einer wirklich... Erstklassige internationale Klimapolitik für Deutschland gestaltet. Sie hat eine Menge Hochachtung, sie hat viel Gutes für Deutschland und international getan. Das wird natürlich eine Kraftanstrengung sein, da anzuknüpfen, aber jeder konnte, glaube ich, beobachten. Im BMZ war ich ja sozusagen sehr in einem sehr verwandten Bereich. Wir waren auf den Klimakonferenzen zusammen und ich glaube nicht, dass irgendjemand irgendwelche Differenzen zwischen Schneider von Borgen und mir gesehen hat. Also insofern werden wir gemeinsam mit den Teams, das aus dem AA, das hier und das aus dem BMWK, das ja jetzt BMW heißt und die Klimapartnerschaften, das alles wird hier zusammengeführt und dann sind wir, glaube ich, gut aufgestellt.

Sprecher 5: Deutschland beansprucht ja im globalen Klimaschutz eine Führungsrolle. Wie wird man diese Führungsrolle sehen jetzt im nächsten halben Jahr auf dem Weg zur nächsten Klimakonferenz in Brasilien, in Bilem?

Sprecher 6: Also ich glaube, dass viel an Kredit aufgebaut worden ist. In den letzten dreieinhalb Jahren, aber auch in den...

Sprecher 5: An politischen Kredit.

Sprecher 6: An politischen Kredit, ja. Deutschland war zu jeder Regierungszeit, auch als das Klimaministerium konservativ regiert war, bei Angela Merkel, später bei Norbert Redken und Peter Altmaier, hat immer einfach einen sehr guten Ruf gehabt. Deutschland stand nie bockbeinig bei den internationalen Klimaverhandlungen da. Wir waren immer Treiber zu jeder Zeit und das hat uns eine Menge Respekt gebracht und eine Menge Vorschusslob werden, auch für die nächste Zeit. Aber das muss man natürlich einlösen, das ist schon wahr. Und deshalb gehen wir hier auch mit einer Menge Demut an diese Aufgabe ran. Die Welt ist komplexer geworden, die Amerikaner sind zum zweiten Mal rausgegangen. Es wird also viel Anstrengung kosten, trotzdem zu einer Beschleunigung des Klimaschutzes international zu kommen, weil das, was wir bisher machen, nicht zu einer 1,5 Grad Welt führt, nicht mal zu einer 2 Grad Welt und das müssen wir aber erreichen.

Sprecher 5: Vor zehn Jahren haben wir das Pariser Abkommen verhandelt, das heißt, Sie haben es verhandelt, ganz zentral. Wir haben jetzt den 10. Jahrestag, wir haben aber die 1,5 Grad mehr oder weniger erreicht, die Amerikaner sind raus. Sind Sie frustriert, was das angeht?

Sprecher 6: Frustriert ist mir echt genetisch fremd. Ich sehe, dass wir noch eine Menge zu tun haben, will aber auch sagen, dass wir in Paris die 1,5 Grad eigentlich nur als Disclaimer hatten, um den kleinen Inselstaaten zu signalisieren, vor allem denen, dass wir sie nicht alleine lassen. Eigentlich waren wir damals im Gedanken bei einem. Ein 2-Grad-Ziel. Das hat sich dann geändert, als der Special Report des IPCC vorlag. Und inzwischen wissen wir, dass man alle Anstrengungen unternehmen muss, um bei 1,5 Grad zu landen, es da zu begrenzen oder jedenfalls dann im Laufe des Jahrhunderts wieder zu erreichen. Es ist nie ausgeschlossen worden im wissenschaftlichen Diskurs, dass wir eine gewisse Zeit mal auch drüber gehen. Das alles ist nicht wünschenswert. Aber ich habe Sorge vor einer Debatte, die heißt, jetzt kriegen wir die 1,5 Grad, werden immer schwerer zu kriegen. Das hat ja alles gar keinen Sinn mehr. So einen Fatalismus müssen wir verhindern und es lohnt sich, für jedes 0,1 Grad weniger Erwärmung zu kämpfen. Das habe ich gerade in den letzten dreieinhalb Jahren im anderen Ministerium gesehen.

Sprecher 5: Sie sagen, wir müssen alles tun, um das zu verhindern. Tun wir alles?

Sprecher 6: Wir tun nicht alles als Staatengemeinschaft. Deshalb ist ja...

Sprecher 5: Für Deutschland alles?

Sprecher 6: Wir sind Teil ja des gesamten Geschehens. Und mein Lieblingswort im Pariser Abkommen ist mucho, gemeinsam. Das wird immer wichtiger, wie wir beispielsweise die Dekarbonisierung von Industrien vorantreiben, wie wir das so machen, dass wir trotzdem faire Wettbewerbsbedingungen halten. Da spielen die Themen wie Grenzausgleichsmechanismus, CBEM eine Rolle. Auch da hat sich mein Blick in den letzten Jahren geschärft, wie das bei anderen ankommt. Also nein, wir tun alle nicht genug. Dazu gehört auch Deutschland. Deutschland kann sich sehen lassen. Wir haben mit die ambitioniertesten Klimaschutzziele auf der ganzen Welt und in den Industriestaaten unserer Gewichtsklasse ohnehin. Das ist ja kein Verliererthema, sondern damit machen wir unsere Volkswirtschaft robust für die klimaneutrale Weltwirtschaft. Aber es ist in den letzten Jahren auch in der Gesellschaft ein Stück weit, Glauben daran verloren gegangen, dass das so ist. Das werfe ich überhaupt niemandem vor. Als ich hier vor dreieinhalb Jahren weggegangen bin, ist Regierung vor allem kritisiert worden, dass sie zu wenig für den Klimaschutz tut. Inzwischen sind die Töne lauter geworden, die sagen, ihr macht viel zu viel für den Klimaschutz. Carsten Schneider hat angekündigt, dass das sein Hauptaugenmerk sein wird, dass wir in der Gesellschaft wieder mehr Zuspruch bekommen. Rechtspopulisten nutzen Verunsicherung aus. Das schadet der Klimapolitik, das schadet Deutschland insgesamt und das schadet dem Klima.

Sprecher 2: Herr Flassmann, vielen Dank.

Sprecher 6: Gerne.

Sprecher 2: Florian, an diesem Freitag drehen wir die Dinge mal um. Schön, dass du da bist. Und jetzt frage ich dich, war noch was?

Sprecher 7: Tatsächlich, ja, gestern am Feiertag hat sich nochmal gezeigt, man soll nicht alles glauben, was im Internet steht, beziehungsweise was Google einem erzählt. Es gab ein massives Problem bei dem Dienst von Google Maps. Da wurde einfach mal bei so ziemlich allen Autobahnen in Nordrhein-Westfalen und im Rhein-Main-Gebiet da rund um Frankfurt angezeigt, dass die Autobahnen gesperrt sind. Und viele nutzen ja Google Maps auch so als Navi und da war natürlich die Verwirrung riesengroß.

Sprecher 2: Ja, man sollte sich auf diese Karten nicht zu sehr verlassen, vor allem wenn man so wie ich im Kartenlesen sowieso nicht besonders gut ist. Ich habe ja neben einer Rechts-Links-Schwäche auch eine Schwäche in der räumlichen Vorstellung. Das heißt, wenn ich auf der Karte sehe, wo der Punkt sich bewegt, Und das nicht genau in der Richtung ist, in der ich fahre, weiß ich nie so ganz genau, in welche Richtung ich jetzt eigentlich abbiegen soll. Also mir sind diese ganzen Geräte sowieso etwas suspekt.

Sprecher 7: Ich fand es halt nur ganz interessant, weil natürlich nirgendwo anders von diesen Sperrungen überhaupt gesprochen wurde. Also es zeigt sich, selbst beim Autofahren gelten journalistische Prinzipien und man sollte die zwei Quellen ab und zu mal zurate ziehen, damit man sich nicht auf Falschmeldungen verlässt.

Sprecher 2: Wobei Michael Brücker und ich auch mal zusammengestrandet sind, als wir auf dem Weg waren in die Uckermarkt zu einem Offside-Leitungsrunde von Table Briefings und wir auch. ehrlich gesagt, nicht ganz aufklären konnten im Nachhinein, ob wir das Navi falsch gelesen haben, ob wir irgendwas falsch eingegeben haben. Jedenfalls landeten wir plötzlich auf irgendwelchen Feldwegen und so weiter und die anderen haben auf uns gewartet. Also Flo, man muss leider sagen, auch zwei Journalisten, Also mit vier Augen können irren, wenn sie auf dem Weg sind.

Sprecher 7: Vielleicht muss man auch einfach zu diesen ganzen Navigationsgeräten ab und zu einfach mal sagen, Klappe halten und einfach fahren.

Sprecher 2: Wir freuen uns, wenn Sie am Montag wieder dabei sind. Bis dahin. Tschüss.

Sprecher 8: Now shut up and drive.

Sprecher 1: Shut up and drive.