Wie Harvard Trump trotzen will
Donald Trump vs. Harvard – der Kulturkampf in den USA, bei dem ausländische Studierende die Leidtragenden sind. Unser USA-Korrespondent Tim Gabel analysiert die Hintergründe: Ist es ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit? Warum hat Eliteunis im Visier?
Die ersten Gesetze der neuen Bundesregierung stehen zur Beschlussfassung an. Am Mittwoch sollen die ersten Entwürfe auf den Weg gebracht werden. Der Berlin.Table hat recherchiert, was auf der Tagesordnung stehen wird.
Der Männerüberschuss bei Schwarz-Rot ist extrem. Im Koalitionsausschuss ist überhaupt nur eine Frau vertreten. Ähnlich sieht es bei Staatssekretärsposten aus. Vertraut Friedrich Merz den Frauen nicht?
Europas größte Digitalkonferenz, die re:publica, beginnt. Michael Bröcker spricht mit dem Mitgründer und CEO Andreas Gebhard über die Entwicklung des Festivals und die Highlights. Dazu gehört unter anderem auch ein Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Harvard versus Donald Trump. So heißt der neue Kulturkampf in den USA und die Verlierer sind schon jetzt die ausländischen Studierenden. Unser Kollege aus dem Research Table, Tim Gabel, ist in den USA und erklärt uns die Hintergründe.
Sprecher 3: Am Mittwoch endlich sollen die ersten Gesetze dieser neuen Bundesregierung im Kabinett beschlossen werden. Ist das jetzt der große Aufbruch oder nur kleine Veränderungen? Unsere Kollegin Sarah Sievert aus dem Berlin Table kennt die Tagesordnung und wir sagen Ihnen gleich mal, mit welchen Projekten Schwarzbrot starten will.
Sprecher 2: Am Mittwoch trifft sich auch das erste Mal der Koalitionsausschuss. Und in diesem Ausschuss aus elf Personen sitzt nur eine einzige Frau. Und auch im Kanzleramt, im Finanzministerium, in der Fraktionsführung, in den Landesverbänden von Schwarz und Rot dominieren die Männer. Und wir fragen uns, wo sind eigentlich die Frauen und was sagt eigentlich die Frauenunion dazu?
Sprecher 3: Ab heute kommen in der Station Berlin tausende Netzaktivisten, Blogger, Kreative, Künstler, Medienschaffende, Geschäftsleute und Unternehmer auf Europas größter Digitalkonferenz der Republika zusammen. Wir sprechen mit dem CEO und Gründer, Mitgründer Andreas Gebhardt über die Entwicklung dieses Festivals.
Sprecher 2: Schön, dass Sie dabei sind an diesem Montag, den 26. Mai. Was ist da los in den USA? Donald Trump geht jetzt auch gegen die Harvard University vor und hat tatsächlich dieser Spitzenuniversität untersagt, internationale Studenten aufzunehmen. Dabei ist doch diese Universität gerade auch bei deutschen Studenten so beliebt. Ich kenne etliche Juristen, die dort ihren Master gemacht haben und das, so sieht es aus, soll künftig nicht mehr möglich sein.
Sprecher 3: Ja, es fing an mit Streichungen von Fördergeldern. Jetzt ist es ein Einschreibeverbot für ausländische Studierende. Allein 520 ungefähr aus Deutschland. Ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit. Helene, wie reagiert Harvard?
Sprecher 2: Ja, Harvard hat Klage eingereicht schon am vergangenen Freitag und jetzt eine einstweilige Verfügung erwirkt. Ein Gericht hat das Einschreibeverbot vorerst ausgesetzt. Wie das Ganze ausgeht, wissen wir noch nicht. Eine große Rechtsunsicherheit besteht, denn wir befinden uns ja hier in einem Eilverfahren.
Sprecher 3: Ja, wir hören mal rein, was die Studenten selber sagen. Ein schwedischer Harvard-Student war hier bei MSNBC Leo Gerden sein Name.
Sprecher 4: Er ist uns jetzt als Pokerchips in einem Kampf zwischen der Weißen Haus und Harvard. Und wirklich, ich denke, es ist einfach dehumanisierend. Ich bin hier, weil ich die USA liebe, weil ich die Werte, die dieses Land steht, liebe.
Sprecher 2: Ja, so fühlen sich die Studenten in Amerika dieser Tage als Pokerchip zwischen dem Weißen Haus und Harvard. Und dabei betont ja Leo Gerden, wie... sehr er die USA eigentlich liebt. Eigentlich genau das, was Donald Trump hören will. Hören wir doch mal, was er dazu sagt. Er hat sich kürzlich im Oval Office zu diesem Vorgang geäußert.
Sprecher 5: Billions of dollars has been paid to Harvard. How ridiculous is that? Billions. Harvard's going to have to change its ways.
Sprecher 6: Why do you not want the best and brightest from around the world to come to Harvard?
Sprecher 5: I do. I do. But a lot of the people need remedial math. Did you see that? Where the students can't add two and two and they go to Harvard. How do they get into Harvard? Why are they there? And then you see those same people picketing and screaming at the United States and screaming at, you know, they're anti-Semitic or they're something. We don't want troublemakers here.
Sprecher 3: Ja, die Frage an Trump ist ja eindeutig. Warum will er nicht die klügsten Köpfe der Welt anziehen? Und irgendwie antwortete der da sehr dubios, dass die studentische Entwicklung und die Lehre in Harvard nicht mehr gut genug sei, dass da irgendwie jeder hin dürfte. Und außerdem, so ist immer wieder aus der Trump-Administration zu hören, gäbe es ja umfassende Steuerrabatte für die Universität und das sei ja ungerecht.
Sprecher 2: Das Ganze wollen wir jetzt nochmal vertiefen mit Tim Gabel, unserem Kollegen vom Research Table, der für einige Monate in Washington ist und für uns sehr genau verfolgt, wie Trump die Universitäten angeht, wie die Wissenschaftsfreiheit dort drüben bedroht ist und was das eigentlich für uns bedeutet. Hallo Tim.
Sprecher 3: Hallo Helena.
Sprecher 2: So Tim, also ein Kulturkampf zwischen der Harvard University und der Trump-Regierung. Sag uns mal, wie geht das jetzt nach der einstweiligen Verfügung weiter?
Sprecher 7: Jetzt ist das erstmal nur ein Sieg auf Zeit, denn die juristische Frage, ob die Anordnung jetzt temporär ausgesetzt wird, die könnte bis vor den Supreme Court gehen. Und da hat Harvard eigentlich auch ganz gute Chancen, da sind sich viele Experten einig. Das könnte eben eine Verhandlung von mehreren Monaten sein. Damit ist die Unsicherheit natürlich groß, was mit den Studierenden passiert. Und ein gewisser Schaden dürfte da schon entstanden sein.
Sprecher 2: Was ist denn dran an den Vorwürfen der Regierung gegen die Harvard University? Oder ist da überhaupt irgendwas dran?
Sprecher 7: Also aus meiner Einschätzung geht es der Regierung eigentlich darum, hier so eine Art Blame Game zu spielen. Also der Hintergrund ist, dass Harvard ja die Auflage bekommen hat, Akte zu machen. Über Verfehlungen oder auch straffällig gewordene ausländische Studierende herauszugeben. Dem ist man sogar nachgekommen zum Teil. Das hat dem Heimatschutzministerium aber nicht gereicht. Und die Regierung wirft der Elite-Universität jetzt vor, jüdisches Leben auf dem Campus nicht genug zu schützen oder mit der chinesischen Staatspartei zusammenzuarbeiten. Das geht so weit, dass in dem Brief an Harvard die Rede davon ist, dass Harvard eine paramilitärische Einheit der kommunistischen Partei unterstützt, die einen Genozid an den Uiguren verübt. Da schütteln auch die Experten hier nur mit dem Kopf. Das perfide Prinzip ist, dass da Dinge aufgegriffen werden, die tatsächlich problematisch sind. Also es gibt bei den pro-palästinensischen Protesten, an den Unis hier antisemitische Vorfälle. Und ja, es gelingt auch China immer wieder, Verbindungen über die Akademiker für die Militärforschung zu nutzen. Aber das sind eben Herausforderungen, vor der, glaube ich, jede freiheitliche Demokratie steht und die Trump hier ausnutzt, um eben seine Ideologie durchzusetzen.
Sprecher 2: Ja, das kennen wir, dieses Muster von Populisten, dass es irgendeinen wahren Kern gibt und der dann ausgeschlachtet wird. Wie viel, lieber Tim, ist denn dran an meiner Mutmaßung, dass das Ausdruck ist von einer insgesamt anti-elitären Grundhaltung gegen die sogenannten Globalisten, die Globalisierungsgewinner, die Elite der Amerikaner, zu der Trump zwar einerseits auch gehört, gegen die er aber andererseits auch wettert und insbesondere seine Wählerinnen und Wähler natürlich wettern.
Sprecher 7: Ja, also da ist, glaube ich, viel dran. Ich hatte die Gelegenheit, hier in Washington mit Thomas Zimmer zu sprechen. Der ist hier Historiker und Gastprofessor und beschäftigt sich eben intensiv mit dem Thema. Und der hat mir auch gesagt, also es geht der Trump-Regierung vor allem darum, die ideologische Überzeugung durchzusetzen. Und genau wie du sagst, die Elite-Universitäten gelten eben so ein bisschen für die Trumpisten als Machtzentren einer linken globalistischen Elite. Das lässt sich eben gut populistisch nutzen, weil Trumps Kernwähler natürlich eben auch prozentual eher seltener die Gelegenheit haben, an solche Elite-Unis zu kommen. Viel umfassender versucht man hier so eine Art der Säuberung und auch so ein bisschen den inneren Feind zu bekämpfen. Man kann sich ja vorstellen, die Unis wie Harvard haben relativ viel Geld. Und die Idee ist, wenn man sozusagen die in die Knie zwingt, dann hat man in der Fläche eigentlich leichtes Spiel.
Sprecher 2: Wie ist es denn umgekehrt für den Forschungsstandort Deutschland? Wird es jetzt für uns leichter sein, exzellente Wissenschaftler aus Amerika vielleicht zu uns zu locken? Es gab ja schon Versuche, ihr habt im Research Table darüber berichtet, von Anwerbung von amerikanischen Wissenschaftlern.
Sprecher 7: Ich glaube, das ist ein bisschen zweischneidiges Schwert. Einerseits kann man, glaube ich, nicht von einem großen Exodus ausgehen. Es gibt erste Analysen hier von Fachzeitschriften, die sagen, ja, es gibt Ideen von amerikanischen Wissenschaftlern, sich wegzubewerben und sich umzuschauen. Aber das ist eben auch eine Geldfrage. Ein US-Professor bekommt hier eben relativ viel Geld und das kann sich Europa nur in Ansätzen sozusagen leisten. Ich glaube, was man schon sieht, auch an dem Harvard-Fall, an dem aktuellen, ist, dass man gerade beim wissenschaftlichen Nachwuchs davon ausgehen kann, dass sich da Wanderungsbewegungen abzeichnen. Auch Studierende aus dem Ausland, gar nicht mal so aus den USA, die sich überlegen könnten, nach Europa und Deutschland aufzumachen, anstatt eben in die USA. Nur dafür muss man eben hier in Europa und in Deutschland auch so ein bisschen seine Hausaufgaben machen und für gute Arbeitsbedingungen sorgen und das Wissenschaftssystem eben so ordentlich ausstatten. dass das dann eben auch in Frage kommt, die Leute hier aufzunehmen.
Sprecher 2: Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, alles Weitere können Sie vertieft noch im Research Table lesen. Tim Gabel hält Sie, wenn Sie möchten, da regelmäßig auf dem Laufenden über das, was in Amerika passiert, was Trump für die Wissenschaftslandschaft bedeutet und auch was das für uns in Europa bedeutet. Vielen Dank, dass du heute bei uns warst, lieber Tim.
Sprecher 7: Danke auch.
Sprecher 3: Keine drei Monate nach der Wahl stand die neue schwarz-rote Koalition fest. Und jetzt an diesem Mittwoch sollen endlich die ersten Gesetze ins Kabinett gehen und dort auch verabschiedet werden. Und unsere Kollegin Sarah Sievert hat gestern Abend im Berlin-Table bereits die Tagesordnung veröffentlicht. Schauen wir doch mal rein, ob da was Relevantes dabei ist. Besonders umtriebig ist der neue Innenminister Alexander Dobrindt, der ja nicht nur die Grenzkontrollen verschärft hat und Zurückweisungen angeordnet hat, sondern jetzt auch die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär geschützte Flüchtlinge. Das waren bisher 1000 pro Monat, die die Ampel noch zugelassen hat. Jetzt wird diese Zahl auf Null heruntergefahren.
Sprecher 2: Das ist politisch durchaus umstritten, ob das richtig oder falsch ist. Der Familiennachzug war schon mal ausgesetzt worden und war dann wieder aufgenommen worden, nachdem man gedacht hat, es hilft schon auch für die Integration, wenn man die Familie mitnimmt und verhindert vielleicht auch eine Radikalisierung. Aber jetzt, und das ist sicherlich ein Teil der sogenannten 180-Grad-Wende in der Migrationspolitik, soll es so sein. Anderer Fall, wo die Regierung liefern will, ist beim Thema Bauen. Da ist die neue Ministerin Verena Huberts aktiv geworden und will den sogenannten Bauturbo einlegen. Der soll diesmal nicht garantieren, dass es 400.000 neue Wohnungen gibt, sondern soll das Bauen gesetzlich erleichtern. Die Hürden sollen gesenkt werden, gerade für große Bauprojekte. Mal sehen, wie sich das dann auswirken wird.
Sprecher 3: Ja, ein weiteres sozialdemokratisches Kernprojekt ist sicherlich die Mietpreisbremse, die Ende des Jahres auslaufen würde und jetzt um zwei Jahre verlängert wird aus dem Justizministerium. Und eine kleine Änderung, aber auch schon von der Ampel angelegt, ist die Änderung des Telekommunikationsgesetzes. Es soll ein überragendes öffentliches Interesse sein, dass die Netze in diesem Land ausgebaut werden. Sicherlich überfällig hat er auch schon die Ampel vor.
Sprecher 2: Am heutigen Montag wird die Staatssekretärsrunde die Tagesordnung noch endgültig festzurren. Derzeit sieht es danach aus, dass der Strompreis nicht dabei ist, also eine deutliche Entlastung für die Unternehmen. Dann wird das aber bald kommen, denn da ist die Regierung ja durchaus entschieden, auch etwas zu tun.
Sprecher 3: Da gibt es noch ein paar kleinere Verordnungen und Durchführungsgesetze, die lassen wir jetzt mal beiseite. Ein Problem ist allerdings schon bei der Koalition aufgetreten und dürfte im Koalitionsausschuss am Mittwochabend dann auch nochmal Thema werden, Helene, nämlich die doch sehr männerlästige Regierungsspitze. Im Koalitionsausschuss elf Mitglieder und nur eine einzige Frau.
Sprecher 2: Ja, nicht nur im Koalitionsausschuss sieht es ja so aus, sondern auch insgesamt, wenn man mal vom Kabinett absieht, das ist ja doch eigentlich überraschend weiblich. ist, gibt es dann in der zweiten Reihe in den Ministerien, in den Fraktionen und so weiter überall im Grunde fast nur Männer. Das Ganze ist dann auch Thema geworden in der Bundespressekonferenz, wo der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille dann durchaus in Erklärungsnot war, als er gefragt wurde, ob denn die neue Regierung eigentlich kein Vertrauen zu Frauen hätte.
Sprecher 8: Davon gehe ich nicht aus. Er hat selber eine, er hat mehrere Töchter, der Bundeskanzler. Arbeitet gut und gerne mit Frauen zusammen.
Sprecher 3: Und das, was die Verteidiger dieser fehlenden Frauen in den Führungsämtern da bei X posten, ist teilweise noch hanebüchener, so als sei das eine reine Entscheidung nach Kompetenz gewesen. Es gäbe einfach schlicht keine kompetenten Frauen und man müsse so umgehen. Also wer so argumentiert, der schaufelt sich das eigene Grab. Also ich glaube, da wird einiges passieren. Und die neue Chefin der Frauenunion, Nina Waken, Gesundheitsministerin, wird deutlich offensiver auftreten wollen. So kann man ihre Rede am vergangenen Wochenende beim Delegiertentag der Frauenunion auch verstehen. Die werden da offensiver werden müssen, denn sonst ändert sich nichts.
Sprecher 2: Karin Prien hat sich jedenfalls schon geäußert. Sie hat gesagt, die Positionen, die mit der Durchsetzung von Macht verbunden sind, sind nach wie vor auch in der CDU, in Partei und Funktionen fast ausschließlich von Männern besetzt. Also da klingt schon von den Spitzenfrauen auch Kritik an. Aber Michael, ich bin ganz bei dir am Ende. Es ist doch wirklich überraschend, dass nach dieser ersten Aufregung, die schon einige Monate zurückliegt, über das Bild von... Sechs Männern waren es, glaube ich, die an einem Tisch saßen von CDU und CSU, wo zunächst keine einzige Frau dabei war. Dass man da sagte, Entschuldigung, ist das jetzt im Jahr 2024 euer Ernst? Und aus der CDU eigentlich nicht viel kam, außer Friedrich Merz hat ja schließlich Frau und Kinder oder Frau und Töchter. Ist es dann doch überraschend, dass man da nicht dann vielleicht doch nochmal ein paar Frauen angesprochen hat, die es ja durchaus gibt. Und am Ende würde ich sagen, Frauenförderung endet nicht damit, dass man Frauen zu Ministerinnen macht, sondern geht auch auf die Ebenen dahinter, wo die Macht organisiert wird, nämlich auf Ebene der Staatssekretäre, Abteilungsleiter, aber natürlich auch wichtigen Posten in den Fraktionen.
Sprecher 3: Ja, und Bärbel Baas, die künftig einzige Frau im Koalitionsausschuss, wenn sie dann Saskia Esken dort endgültig ablöst, sie hat intern schon angekündigt, dass eine Wahlrechtsreform, die die Koalition ja vereinbart hat, dass die nur in dem Sinne passieren darf, dass es paritätische Listenaufstellungen bei den Parteien geben soll. Das scheint offenbar schon die interne rote Linie für die Frauen in der schwarz-roten Koalition zu sein. Und da kann man nur sagen, nachvollziehbar.
Sprecher 2: Es scheint aber derzeit doch in der Großen Koalition die Meinung vorzuherrschen, wir haben gerade andere Probleme als die Frauen. Wir haben eine Wirtschaftskrise, wir haben internationale Kriege und so weiter. So ungefähr, da könne man sich um dieses Thema nicht auch noch kümmern. So ist es dann eben, Michael, und das ist doch traurig, dass das Frauenthema am Ende doch auf der Ebene von Gedöns bleibt. Heute startet sie und geht bis Mittwoch die größte Digitalkonferenz in Berlin, die Republika. Mehr als 30.000 Besucher werden erwartet und über 1.000 Speaker. Das Motto der diesjährigen Republika ist Generation XYZ. Das Ziel ist also ein generationsübergreifender Schulterschluss für eine friedliche digitale Gesellschaft. Wir haben mit dem Mann gesprochen, der seit Tag 1 dabei war. Andreas Geppert, einer der Gründer, der heute bei uns ist und uns einen kleinen Einblick gibt in die Anfänge der Republika. Und er sagt auch im Gespräch mit Michael, welche Highlights es in diesem Jahr gibt.
Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, Andreas Gebhardt.
Sprecher 9: Grüße dich.
Sprecher 3: 2007 begann die Republika, die im vergangenen Jahr Rekorde gebrochen hat mit 30.000 Zuschauern, 1.000 Speakern. Aber 2007 sah das alles noch ganz anders aus, oder?
Sprecher 9: Ja, damals ging das los und wir waren in einer kleinen Location in Berlin-Mitte und haben gehofft, dass 200, 300 Leute kommen. Am Ende waren es über 700 und er hat uns natürlich mega motiviert, weiterzumachen. Aber erinnere dich an die Zeit, da gab es gerade mal ein paar Tage das iPhone. Twitter gab es noch nicht. Heute sind wir immer noch da. Wahnsinn.
Sprecher 3: Ja, dieses Mal ist es wieder wahrscheinlich ein Rekord. Wie viele Zuschauer erwartet ihr?
Sprecher 9: Das wird ausverkauft sein, die Show. Das sind halt über 30.000 Besuche. An drei Tagen. An drei Tagen, genau. Ja, ist so ein bisschen... Eine Mischung aus Schaulaufen und Hoffnungsort. Also Leute kommen dahin, weil sie in der dystopischen Realität nach Halt suchen, nach Leuten, die Impulse setzen für die Zukunft. Auf der einen Seite, auf der anderen Seite zeigen Leute ihre coolen Projekte, ihre... Meinungen, ihre Positionierung in der digitalen Welt. So ist es halt echt eine ganz bunte Show, dass es gar nicht so auf die schiere Masse ankommt, sondern jeder Einzelne, der da hinkommt, hat so sein eigenes, ich sag immer Business, so seinen eigenen geschäftlichen Grund. Das können auch Studierende sein, die halt eben wirklich sich aufschnauen wollen. Das können Unternehmenslenkerinnen sein und mehr als die Hälfte Frauen. Das ist voll cool.
Sprecher 3: Wie viel Inszenierung, wie viel Show, wie viel Marketing ist inzwischen so eine Großveranstaltung und wie viel Urversion ist noch enthalten, nämlich die Digitalisierung als etwas Positives zu begreifen und bekannter zu machen?
Sprecher 9: Ich glaube, wir machen es uns da immer nicht einfach. Wir versuchen also eine Show zu machen, auf die wir auch selber gehen würden. Das ist also schon so eine Messlatte, die man ja erstmal auch überspringen muss, weil man ist ja selber ja immer besonders kritisch, wenn man Dinge tut und das versuchen wir jedes Jahr wieder, uns selber zu überzeugen, dass es ein cooles Event werden muss. Und das kann halt nicht von der Stange sein. Also das heißt, man kann nicht immer wieder das Gleiche machen, sondern wir haben jedes Jahr ein inhaltliches Motto, wir haben jedes Jahr ein anderes Design. Wir machen also jedes Jahr was, was noch nie da gewesen ist. Und das verknüpft mit einer extrem nachhaltigen Veranstaltungsorganisation. Das heißt, es ist uns sehr wichtig, auch in diesem Bereich zu schauen, dass wir Vorreiterinnen sind. Also dass wir nicht nur die spannendsten und wichtigsten Themen abbilden, die in den nächsten 12, 18 Monaten wirklich auf der Agenda sind, sondern... Wir sind halt selber in der tollen Lage, dass wir es nicht halt nur deswegen machen, um der Sache willen, sondern weil wir ein Zeitgeistdokument sind, ein Abbild der digitalen Gesellschaft und das ist halt immer unik, Jahr für Jahr.
Sprecher 3: Lass uns mal über dieses Jahr reden. Generation XYZ heißt euer Motto. Ist das so ein bisschen die verhohne Pieplung der Gen-Z-Debatte oder was steckt dahinter?
Sprecher 9: Ein Motto dient bei uns immer einerseits einer Zeitgeisteinordnung, also eben zu sagen, was wird gerade debattiert. Von daher hast du sicherlich recht, das ist eine verhohne Pieplung, würde ich jetzt vielleicht nicht sagen, aber eben eine Aufnahme. Aber ein tieferer Sinn steckt natürlich da auch drin, weil so Menschen wie wir in einem gewissen Alter oder noch ältere haben natürlich einen anderen Zugang zu der digitalen Gesellschaft. Als es ganz Junge haben. Und da können halt Themen ganz unterschiedlich diskutiert werden, da werden andere Tools genutzt und das ist so ein bisschen der rote Faden für dieses Jahr. Aber das bedeutet nicht, dass es alleinig nur um dieses Thema geht. Wir nutzen immer so einen Aufhänger, also ein Motto und das bildet sich ungefähr in 10% der Sessions ab maximal. Also 90% gehen um die Zeitgeistdebatten. Bei uns ist es halt eine sehr... Dynamische Atmosphäre. Leute beschreiben das halt, als Hoffnungsort, aber eben auch als Energizer, so zum Aufladen. Man kommt halt wohin und das sind alles Leute, die haben Bock, die digitale Welt voranzubringen und im Positiven. Und das ist leider in diesen Zeiten besonders wichtig.
Sprecher 3: Wie sehr muss so eine Veranstaltung ausstrahlen in die eben nicht typischen Milieus? Also natürlich würden Kritiker sagen, das ist eine linke Digital-Bubble-Truppe, die da zusammenkommt. Jedes Jahr immer die gleichen.
Sprecher 9: Sind die, die nicht da gewesen sind bisher, die das halt sagen würden, weil es eben überhaupt nicht stimmt. Also es ist halt weder links noch eine Bubble. Wir verstehen uns als Plattform für die digitale Gesellschaft insgesamt. Wir laden da jeden ein, vorbeizukommen, der sich an unsere Spielregeln hält. Und die Spielregeln sind einfach, das ist unsere Verfassung. Und Code of Conduct, das heißt, es ist ein Safe Space und alle Leute müssen sich sicher fühlen. Das heißt, Sexisten und andere Arschlöcher haben bei uns halt nichts zu suchen. Und wer sich an diese Regeln hält, kann gerne kommen. Das ist für mich nicht links, sondern das ist für mich ganz normal alles Zusammenleben.
Sprecher 3: Anständige Mitte-Logik, würde ich sagen.
Sprecher 9: Würde ich auch so sehen. Und wir sind da sehr, sehr interessiert daran, die Debatten zu suchen. Und da bin ich jetzt sehr dankbar, dass wir halt auch eine Rechtsaußenpartei klar definiert haben als rechtsradikal. Da müssen wir nämlich jetzt nicht mehr drum eiern im Sinne von, die müssen doch auch kommen. Weil nein, die passen eindeutig nicht in den Code of Conduct. Deswegen bleiben die schön draußen. Das macht es vielleicht auch Konservativen einfacher, die Abgrenzung bei uns zu finden und vorbeizukommen. Also ihr seid alle herzlich eingeladen. Wenn ihr denn noch ein Ticket bekommt, weil es läuft ja schon die Show.
Sprecher 3: Das ihr weise ich natürlich zurück. Ich war ja schon vor vielen Jahren auf der Bühne und bin da. Kein Konservativer, sondern ein Mitte-Anständiger. Aber ich habe dich doch nicht gemeint. Natürlich nicht, Andreas. Nein, aber überraschend ein bisschen ist schon einer der Stargäste dieses Jahr bei euch, den man zumindest dort jetzt nicht vermutet hätte, nämlich Friedrich Merz.
Sprecher 9: Ja, richtig. Also ich finde es gut, man sollte sich immer aufschlauen und eine Offenheit, eine politische, finde ich einfach klasse. Ich bin gespannt, wie das Publikum es annimmt. Wir sind dafür bekannt, dass wir auch kontroverse Persönlichkeiten respektvoll behandeln und aufnehmen. Ich erinnere da nur an die Debatte vor vielen Jahren mit dem damaligen Innenminister de Maizière, wo wir dafür gesorgt haben, dass es halt eine saubere Gesprächsdebatte war. Und die Eltern erinnern sich, da gab es ja so Piratenpartei noch und die haben in der ersten Reihe demonstriert und wurden halt vom restlichen Publikum einfach zurechtgewiesen und quasi runtergebut. Das heißt, es ist da heute keine halbe Minute, dann haben die halt schön die Schnauze gehalten, wenn ich das so salopp sagen darf. Und das Gespräch konnte sauber beginnen, auch wenn der Großteil im Saal nicht mit den... Vorratsdatenspeicherung, Themen des Innenministers, d'accord gewesen ist. Aber so ist es halt eine coole Sache, wenn Leute bei uns halt in der Form vorbeikommen.
Sprecher 3: Andreas, zum Abschluss, was sind deine Highlights? Worauf freust du dich besonders? Was ist anders oder neu mal auf den Bühnen bei euch?
Sprecher 9: Naja, wir haben beispielsweise die zum ersten Mal die Digitalkommissarin, Frau Wirkonen aus Finnland da. Also das ist ein Highlight, weil die in Deutschland... noch nie gesprochen hat. Wir haben aber auch mit der Keynote von Björn Ommer wirklich einen der Koryphäen zum Thema KI. Also das ist sicherlich ja eines der Top-Themen. Da werden wir nächstes Jahr nochmal anders drüber reden. Wir haben wirklich die heißesten News über, wie ist der Stand der Debatten halt eigentlich da im Moment. Deswegen haben wir auch den Diebel-Gründer, den Jaroslav Korilowski da. Also was deutsche KI- bzw. Deutsche Technologie-Highlights halt angeht. Weil wir wollen schon dieses Jahr gucken, dass wir auch deutsche IT-Digital-Champions zeigen und animieren, dass noch mehr Wirtschaftsvertreterinnen bei uns auf die Veranstaltung kommen. Und deswegen gibt es auch eine eigene Wirtschaftsbühne dieses Jahr zum ersten Mal. Und wir wollen gucken, dass die Republika da noch mehr wahrgenommen wird. Also eben, wir werden nicht konservativer, weil mehr Konservative kommen sollen. Wir werden nicht rein businessorientiert, weil mehr Wirtschaftsleute kommen sollen. Wir sind der Ort für die digitale Gesellschaft insgesamt. Und das ist ein Ansatz, der uns alle angeht. Und deswegen sind alle eingeladen, vorbeizukommen. Unsere Dokumentation auch sich zu betrachten. Also wir haben alle Videos online und ja, ich bin total scharf auf unsere aktuelle Show.
Sprecher 3: Wir freuen uns sehr auf das Festival für die digitale Gesellschaft. Mit Table Today werden wir selbstverständlich vor Ort sein und mal schauen, wen wir so vor das Mikrofon bekommen. Andreas, danke für diese Freude auf dein Festival.
Sprecher 9: Danke, Michael. Schön, dass ich hier sein konnte.
Sprecher 3: Helene, war noch was?
Sprecher 2: Ja, Michael, wir müssen noch einmal über Hamburg reden. Zu jedem Podcast bekommen wir ja nette Zuschriften. Manchmal Lob, manchmal Kritik, manchmal Verbesserungsvorschläge oder auch Ergänzungen. Und so war es jetzt zu unserem Podcast über die Olympia-Bewerbung. Da schrieb mir doch jemand aus Hamburg, dass das ja alles ganz nett sei, dass wir so sehr oder ich so sehr geworben hätte für den Austragungsort Hamburg und dass ich aber da nur den Fußball- und das Volksparkstadion erwähnt hätte. Aber in Paris, und so heißt es dann in der Nachricht, sei doch eine deutsche Golfspielerin diejenige gewesen, die eine Silbermedaille gewonnen habe und sie komme aus dem Hamburger Golfclub Falkenstein, der schönste Platz Deutschlands und auch ein perfekter Club zum Feiern. Das wollen wir nachtragen und an die Golferinnen und Golfer in diesem Land denken und sie auch darum bitten, uns doch gerne auch zu schreiben, was ihnen vielleicht in diesem Podcast fehlt, was sie sich noch wünschen oder auch wo wir mal einen Fehler gemacht haben. Denn Michael, uns beiden ist ja die Fehlerkultur doch sehr wichtig, oder?
Sprecher 3: Schreiben Sie es uns gerne kritisch oder loben. Podcast at table.media oder einfach in die Shownotes gehen, kommentieren, liken. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.
Sprecher 2: Und wir entschuldigen uns jetzt schon mal an dieser Stelle für die Fehler der Vergangenheit und für die Fehler der Zukunft und freuen uns, wenn Sie am Dienstag wieder dabei sind. Bis dahin. Tschüss.
Sprecher 3: Ciao, ciao.