Müssen wir Corona aufarbeiten, Herr Prof. Streeck?
Der Bonner Virologe und CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Streeck hält die Pläne zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie nicht für sinnvoll. „Ich sehe eine Enquete-Kommission ehrlich gesagt skeptisch“, sagt er im Gespräch mit Maximilian Stascheit.
[ab 11:24]
Friedrich Merz hat dem Wohnraummangel den Kampf angesagt. Beim Tag der Bauindustrie hat Merz von einer „der größten sozialen Fragen“ unserer Zeit gesprochen. Die Forderungen der Bauindustrie sind klar und Merz hat versprochen, man „sei fest entschlossen“ Lösungen zu finden.
[ab 01:42]
David Renke, Redaktionsleiter unseres Africa Table, hat Tidjan Thiam, den ehemaligen CEO der Credit Suisse und aktuellen Oppositionsführer der Elfenbeinküste, interviewt. Die beiden sprechen unter anderem darüber, wie sich die Zollpolitik Donald Trumps auf die Länder des afrikanischen Kontinents auswirkt.
[ab 07:34]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Bis 2030 brauchen wir rund 320.000 neue Wohnungen. Pro Jahr versteht sich, um den Bedarf in Deutschland zu decken. Die Wohnungsnot ist nicht nur in Ballungsräumen inzwischen zu einem sozialen Drama geworden. Was genau Friedrich Merz, der neue Kanzler und seine Bauministerin Verena Huberts jetzt planen und was die Bauunternehmen und die Bauwirtschaft dazu sagen, hier gleich bei uns Neues. Die Auswirkungen von Trumps Zoll- und Handelspolitik, sie sind spürbar. Alle Wachstumsprognosen der großen Volkswirtschaften werden nach unten korrigiert. Über die Auswirkungen hier in Europa haben wir schon öfter gesprochen. Aber was macht diese Trump-Politik eigentlich mit den Ländern, denen es eh schon gar nicht so gut geht? David Renke, der Redaktionsleiter unseres Africa Table, hat mit Tijan Tiam gesprochen, dem ehemaligen CEO der Credit Suisse und aktuellen Oppositionsführer der Elfenbeinküste, über die Konsequenzen von Trump für den afrikanischen Kontinent. Wie sinnvoll waren die Corona-Maßnahmen denn nun wirklich? Über diese Frage wird leidenschaftlich seit Jahren diskutiert. Einer, der damals bei vielen Entscheidungen um Rat gefragt wurde, zumindest von der NRW-Landesregierung, ist der Bonner Virologe Henrik Streeck. Mittlerweile ist er selbst in die Politik gegangen und sitzt für die CDU im Bundestag. Maximilian Stascheit, unser Kollege vom Berlin Table, wollte von ihm wissen, wieso es ihn jetzt eigentlich in die Politik zieht. Und warum er eine Corona-Aufarbeitung durch eine Enquete-Kommission skeptisch sieht. Es ist Donnerstag, der 22. Mai. Los geht's.
Sprecher 3: Es ist eine Schlüsselindustrie für die Frage, ob dieses Land, ob diese Volkswirtschaft wieder auf die Beine kommt und ob wir wieder nach vorn kommen. Das gilt gleich in doppelter Hinsicht. Das gilt für den bezahlbaren privaten Wohnraum. Das ist wahrscheinlich eine der größten sozialen Fragen, vor denen wir im Augenblick stehen und wo wir bessere Antworten geben müssen als in der Vergangenheit. Ich will es auf einen ganz einfachen Nenner bringen. Wir bauen in Deutschland zu teuer, zu kompliziert und es dauert alles viel zu lange. Und daran sind wir entschlossen, etwas zu ändern. Wir müssen einfacher bauen, wir müssen seriell bauen. Ich appelliere auch an die Gemeinden, Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Wir brauchen Bauland, baureifes Bauland. Und wir brauchen dann eben auch Genehmigungsverfahren, die schneller gehen. Wir haben leider keine einheitliche Landesbauordnung in Deutschland. Da haben wir 16 verschiedene. Aber wir können da auch vom Bund aus einiges machen. Wir sind entschlossen, das zu tun, das zu fördern und das auf den Weg zu bringen, dass in Deutschland schneller, einfacher, preisgünstiger gebaut wird, sodass sich eine durchschnittlich verdienende Familie in Deutschland im Regelfall auch Wohneigentum leisten kann. Ich finde, da sind wir einfach den Menschen in Deutschland schuldig, dass dieses Angebot weiter gilt. Wer normal verdient in Deutschland, der muss ein normales Wohneigentum erwerben können. Es ist inakzeptabel, dass das in Deutschland, in vielen großen Städten in Deutschland überhaupt nicht passiert.
Sprecher 2: Ein Dach über dem Kopf, die eigene Wohnung, vielleicht sogar ein Haus oder Eigentum, das ist schon lange nicht mehr selbstverständlich und für viele ein echtes Luxusgut geworden. Die wahre soziale Frage, das sagt sogar jetzt der einst doch so wirtschaftsliberale Friedrich Merz, ist eigentlich bezahlbarer Wohnraum. So überraschte es nicht, dass Friedrich Merz in seiner ersten Regierungserklärung vor einer Woche im Bundestag dem Thema Bauen und Wohnen sogar einen Absatz widmete. Und gestern nun sein erster Auftritt als Kanzler bei einem Wirtschaftstag. Und das war die Bauindustrie. 400.000 Wohnungen wollte die Ampelkoalition pro Jahr bauen. Am Ende waren es im vergangenen Jahr nur 215.000 fertiggestellte Einheiten. Es war eines der großen gebrochenen Versprechen dieser Ampel. Wohl auch deshalb nennt Merz keine konkreten Ziele, aber er will inhaltlich einiges tun, damit es wieder aufwärts geht. Und das tut auch Not, denn die Bauinvestitionen, sie machen rund 12 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung aus. Und die Bauwirtschaft, egal wen man fragt, sie dringt wirklich seit Jahren auf den Rückbau von Planungsverfahren, Genehmigungsverfahren, Bürokratie und die verstärkte Ausweitung von Bauflächen. Bauen, bauen, bauen. Das ist zumindest eine Lösung, um das Angebot und damit auch die Preise wieder in den Griff zu kriegen. An Material, Engpässen oder Kapazitätsproblemen liegt es jedenfalls nicht. Das hat uns Peter Hübner, der Chef der Bauindustrie, vor kurzem im Podcast ja bereits gesagt.
Sprecher 4: Nee, das ist kein Thema mehr. Und das, was ich in der... Gerade so in der Corona-Pandemie, die Auswirkungen bezüglich Stahl und Zement, dass die Preise durch die Decke gegangen sind, das ist nicht mehr so. Das ist wirklich, hat sich wieder alles normalisiert. Also das ist mit Sicherheit nicht der Flaschenhals. Der Flaschenhals ist die öffentliche Verwaltung.
Sprecher 2: Nun also Friedrich Merz. Er signalisierte rasche, schnelle Entscheidungen und dass er zum Tag der Bauindustrie gekommen war, war an sich auch ein Zeichen, dass er dieses Thema nicht nur seiner Bauministerin Verena Huberts überlassen will. Schon kommende Woche könnte der Bauturbo ins Kabinett kommen. Der neue Paragraf 264e soll in das Baugesetzbuch eingepflegt werden und schnelleren Wohnungsbau ermöglichen. Bremsende Vorschriften werden damit ausgehebelt, zumindest vorübergehend. Für Projekte mit mehr als sechs Wohnungen, gerade in angespannten Wohnungsmärkten, soll dieses Schnellverfahren gelten. Denn auch da sind sich die Experten inzwischen einig, es muss beim Bauen ja nicht immer die Maximalvariante sein. Auch in einer Wohnung ohne begrüntes Dach oder dreifach gedämmte Fenster lässt es sich natürlich sicher und angemessen leben. Die Länder und Kommunen sind in der Pflicht. Sie müssen das Bauordnungsrecht dringend entschlacken, denn Bauen ist Länder- und Kommunalangelegenheit. Und sie müssen dann natürlich auch gleiche Standards zulassen, damit es für die Wirtschaft attraktiv wird, serielles Bauen auch anzubieten. Hier nochmal Peter Hübner.
Sprecher 4: Das ist ja das, was wir seit Jahrzehnten eigentlich fordern, dass auch die Landesbaugesetzordnungen vereinfacht werden. Denn auch dieses Thema serielle Bauen, die Effekte erzielen sie erst, wenn in allen... Ländern natürlich der gleiche Bautyp auch gebaut werden kann. Also es gibt schon viele Themen, die...
Sprecher 2: Aber diese Zuständigkeit hat die Bundesbauministerin ja nicht. Es ist eine Ländersache, die müssen sich gemeinsam darauf einigen.
Sprecher 4: Der Bund steht hier in der Koordinationspflicht. Die müssen das Ganze koordinieren mit den Ländern.
Sprecher 2: Nachverdichtung ist genauso ein drängendes Thema. In die Höhe muss stärker gebaut werden. Versuchen Sie doch mal ein Dachgeschoss zu nutzen. Hier in Berlin, das ist nicht ganz so einfach. Und warum nicht auch Wohnungen auf Supermarktdächer oder auf Tankstellen? Und natürlich der soziale Wohnungsbau, den Vorgängerin Clara Geiwitz schon massiv angekurbelt hatte, wird wohl noch weiter ausgebaut. Am Ende, das wissen Sie vielleicht als Bauherr, hilft all das wenig, wenn die Zinsen hoch sind. Und da, da ist dann auch die Politik machtlos. Denn die EZB entscheidet über die Zinsen bald wieder im Juni. Und das hat die Politik nicht im Griff. Ein Vehikel, um diese Zinsabhängigkeit zu umgehen, wünscht sich die Wohnungswirtschaft. Und darüber hat Friedrich Merz aus Sicht der Wohnungsindustrie nicht gesprochen. Nämlich neue Finanzierungsinstrumente, die die Sicherheiten des Bundes, zum Beispiel die Garantien und die Haftung, nutzen, aber privates Geld einsammeln könnten für zum Beispiel große Baufonds. Vonovia, das größte Wohnungsunternehmen in Deutschland, ein DAX-Konzern mit rund 330.000 Wohneinheiten, hat mal ausgerechnet, was es eigentlich braucht in diesem Land. 3.500 Milliarden Euro. So hoch ist in Wahrheit der Investitionsstau, um in der Wohnungswirtschaft endlich für Ruhe zu sorgen. Diese Summe lässt sich weder aus einem Haushalt noch aus einem Sondervermögen rausschneiden. Nullwachstum heißt nun die Prognose für Deutschland, so gestern die Wirtschaftsweisen in ihrem Frühjahrsrundachten. Auch die EU-Kommission hatte ja vor einigen Tagen die Wachstumsprognose für die gesamte EU bereits abgesenkt und 0,4 Prozent nach unten korrigiert. Einer der Hauptgründe natürlich Donald Trumps erratische Zollpolitik. Aber wie blicken eigentlich andere Länder auf Trump und das, was er da so tut? Andere Kontinente zum Beispiel. Ein Kontinent, den wir hier viel zu selten besprechen, ist Afrika. Der Redaktionsleiter unseres Afrika-Table, David Renke, wollte deshalb mal von einem Mann wissen, der es wissen muss, wie sich die Politik von Trump auf die Wirtschaftsleistung in Afrika auswirken könnte. Er hat darüber mit dem Ökonom und Oppositionsführer der Elfenbeinküste, Tijan Tiam, gesprochen. Bei uns hier im Podcaststudio hören wir mal rein.
Sprecher 5: Hello, Mr. Thiam.
Sprecher 6: Hello, Mr. Lincoln.
Sprecher 5: Donald Trumps Tariffs have shaken up the global trade system. How concerned are you about the president's policies, especially with regards to Africa?
Sprecher 6: Look, Africa is a huge opportunity. It's a misunderstood opportunity today. But if you look at the size of the continent and its GDP, it's basically like India. No major serious company today has a strategy that doesn't incorporate India. What I preach for is for a normalization of Africa. People look at Africa like any other part. of the world. Part of the world risks, opportunities, you can make money, you can lose money, and just be rational about it.
Sprecher 5: In that regard, especially to Trump, is he still a valuable ally? Or who are you turning to? France? China?
Sprecher 6: We've always been a very open country, and we've always had good relations across the board. Of course, originally with France, because that's... The language we speak and the colonial past, but since then we always had a very open relationship. Our first president was a great admirer of George Washington. He always believed in a kind of open society. For instance, he cancelled visas for all Africans and he really wanted Cote d'Ivoire to be a country of immigration, taking in people. And like myself, my father came from Senegal. Complete illustration of that.
Sprecher 5: So you would say with President Trump and all the geopolitical shift, what role does Africa play?
Sprecher 6: I think you have to take a longer term view than one US presidency. When you look at the time horizon of the problems that Africa has of health and education and rule of law and democracy. I mean, I understand why you ask about Trump, but really, those challenges are met over 10, 15, 20 years. We need to, the reason why we want to come into power is that we think that the health and education situation is very bad. Life expectancy in Cote d'Ivoire is 59 years compared to an average in sub-Saharan Africa of 60. And Cote d'Ivoire is much wealthier than most of Africa. So having such a poor performance with a country that has the potential of Cote d'Ivoire is not good. And we think we need a change.
Sprecher 5: Will you be running for president in Cote d'Ivoire this year?
Sprecher 6: When I'm running, I've been elected president of my party and I've been nominated by my party to run. I know it doesn't sound democratic, but I did get 99.5% support in the party to run for president. But as you know, there is a current dispute with the government over my nationality. I was on the electoral list, which you need to be able to run. And on April 22nd, I was removed from the electoral list.
Sprecher 5: But you plan to run?
Sprecher 6: I intend to run, but right now we need to get a change to that position so that I can actually run legally.
Sprecher 5: Thank you very much.
Sprecher 6: I do.
Sprecher 2: Ausgangssperren, Kontaktverbote, Kontaktbeschränkungen, geschlossene Schulen. Eine gesellschaftliche Polarisierung, wie ich sie zumindest noch nie erlebt habe. Freundeskreise, die sich entzweien, Paare, die sich scheiden lassen. Sozialpsychologische Schäden bei Kindern und Jugendlichen. Ja, die politischen Maßnahmen zur Eindämmung von Corona hatten massive Nebenwirkungen. Auch fünf Jahre nach dem ersten Lockdown gibt es keine echte, erst recht keine nationale Aufarbeitung der Pandemiezeit. Vielleicht stößt das jetzt einer an, der damals als Experte und Berater für die Politik unterwegs war und jetzt selbst Politik gestaltet. Der Bonner Virologe Prof. Henrik Streeck ist bei uns. Er sitzt inzwischen für die CDU im Bundestag. Er ist im Gesundheitsausschuss und hat sich schon während der Pandemie durchaus kritisch zu einzelnen Maßnahmen geäußert. Maximilian Stascheit, unser Gesundheitsexperte aus dem Berlin-Table, hat mit Prof. Streeck gesprochen und wollte von ihm unter anderem natürlich wissen, wieso er eigentlich jetzt in die Politik gegangen ist, wie sein Verhältnis zum damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn ist. Und warum er von einer Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie nicht viel hält.
Sprecher 7: Herr Strick, Sie sind Virologe, Wissenschaftler, Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Bonn, seit kurzem Thriller-Autor und jetzt auch Politiker. Ist es Ihnen in Ihren vorherigen Jobs zu langweilig geworden, nachdem die Corona-Pandemie vorbei war?
Sprecher 8: Ich ticke so, dass ich immer was zu tun haben muss. Ich muss immer eine Aufgabe, eine Rolle haben und darum ist mir vielleicht nicht langweilig, aber ich suche mir schon meine Aufgaben.
Sprecher 7: Sie sind jetzt einfacher Bundestagsabgeordneter. Die Rollen in der Regierung und auch in der Fraktionsführung sind mittlerweile verteilt. Viele hatten Sie auch für höhere Posten gehandelt, Minister, parlamentarischer Staatssekretär. Wie enttäuscht waren Sie, dass dieser Anruf denn von Friedrich Merz nicht kam?
Sprecher 8: Naja, erstmal bin ich im Bundestag und bin einer der 630 Volksvertreter. Das ist schon mal wirklich auch eine Ehre, das sein zu dürfen. Ich glaube, es braucht auch eine gewisse Zeit, sich da erstmal zurechtzufinden in dem Betrieb. Also alleine die Gänge, plötzlich sein eigenes Büro wiederzufinden, das dauert einfach auch ein bisschen. Ich bin jetzt im Gesundheitsausschuss, freue mich, dass ich da reingekommen bin und dass ich mich da einsetzen kann.
Sprecher 7: Ja, noch auch, wenn man auch Lokalzeitungen bei Ihnen aus dem Wahlkreis reinschaut, was vorher vielleicht auch gehandelt, spekuliert worden ist, da haben es ja schon auch in Ihrem Umfeld vielleicht Enttäuschungen gegeben, dass Sie nicht mehr geworden sind als jetzt, als einfacher Abgeordneter.
Sprecher 8: Ja, also da möchte ich jetzt nicht eine Unwahrheit sagen. Ich werde oft darauf angesprochen, warum ich nichts geworden wäre. Ich finde, Bundestagsabgeordneter zu sein, ist schon etwas, was man dann geworden ist. Aber ich höre das natürlich auch. Aber jetzt finde ich, jetzt haben wir eine Regierung und jetzt... Schauen wir mal, wie gut sie läuft. Und ich will mich so stark es geht einsetzen, dass wir auch zum Erfolg kommen.
Sprecher 7: Jetzt heißt die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Wagen, die in der Gesundheitspolitik ein wirklich unbeschriebenes Blatt ist, vorher andere fachliche Schwerpunkte hatte in einem wirklich komplexen Politikfeld. Halten Sie das für eine Gefahr für Sie, jetzt jemanden in das Ministerium zu schicken, der fachlich wirklich nicht versiert ist?
Sprecher 8: Man kann da von zwei Seiten drauf blicken. Auf der einen Seite ja, kann man sagen, sie wird es schwer haben, jetzt die ganzen Fachbegriffe und die kleinen Details im Gesundheitswesen zu verstehen, auch wie das gewachsen ist, wie bestimmte Strukturen funktionieren und was da auch für... Interessengruppen existieren, die da vielleicht auch diametral zueinander stehen, wo man gar nicht versteht, warum sie das eigentlich machen. Auf der anderen Seite ist es vielleicht extrem heilsam, einen Blick von außen zu haben, mehr einen Managerblick drauf zu haben und einen Unternehmerblick, um zu sehen, okay, wie können wir das jetzt anders strukturieren, wie können wir das angehen und dann vielleicht auch harte Entscheidungen zu treffen, die... Einige Interessensgruppen nicht mögen würden, aber dass man trotzdem diese Entscheidung durchboxt, weil man einfach weiß, es ist der richtige Weg. Ich glaube, wir sollten da jetzt erstmal positiv drauf schauen und sagen, das wird etwas sein, was wahrscheinlich dem Gesundheitssystem gut tut. Ich werde sie voll unterstützen dabei, wenn immer sie mich da braucht. Rat oder Tat. Aber ich glaube, wir müssen ihr jetzt erstmal die Zeit geben, wenigstens die 100 Tage, die jeder Regierung zustehen und dass sie zeigen kann, dass sie das dann auch richtig anpackt.
Sprecher 7: In der Fraktion ist Ihr neuer Chef jetzt Jens Spahn. Mit dem hatten Sie während der Pandemie viel zu tun, waren nicht immer einer Meinung. Wie ist Ihr Verhältnis?
Sprecher 8: Ich denke, unser Verhältnis ist gut. Also wir lernen uns jetzt in einer anderen Rolle kennen. Das ist natürlich auch etwas, was für mich neu ist. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis. Ich fand auch in der Corona-Pandemie, dass Jens Spahn eigentlich richtig gehandelt hat. Gerade am Anfang diese sofortigen Reaktionen, auch sofortigen Lockdown zu machen, dort in der allerersten Welle, wo wir nicht wussten, was auf uns zukommt, da hat er in meinen Augen total richtig gehandelt. Dann hatte ich den Eindruck von außen, ich weiß es auch ja nicht, dass das Corona-Management immer mehr ins Kanzleramt gewandert ist, weg eigentlich von der handelnden Person Spahn. Und da wurde es in meinen Augen auch verwässerter. Und im Herbst und Winter hätte ich mir dann 2020 auch ein anderes Management gewünscht.
Sprecher 7: Die neue Koalition hat sich vorgenommen, die Corona-Pandemie in Form einer Enquete-Kommission nochmal aufzuarbeiten. Sie waren in NRW selbst Mitglied einer Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Pandemie. Was erwarten Sie sich davon?
Sprecher 8: Also ich sehe eine Enquete-Kommission ehrlich gesagt skeptisch. Das ist nicht, weil ich keine Aufarbeitung will. Ich habe immer... für eine Aufarbeitung geworben. Aber ich habe eine Enquete-Kommission einfach schon mal miterlebt. Und dass es sehr viel, was geschrieben wird, sehr viel, was produziert wird, aber am Ende nicht wirklich zu einer Veränderung führt. Ich hätte dafür geworben, dass wir zum einen eine wissenschaftliche Großkonferenz haben, dass alle Fachbereiche, die damit zu tun haben, zusammenkommen und dann Best Practices definieren, wie man am besten mit bestimmten Sachverhalten umgeht, auch mit vielleicht bei anderen viralen oder bakteriellen Erkrankungen. Und davon ausgehend, man dann eine Corona-Aufarbeitung gesamtgesellschaftlich hat, dass wir wissen, so müsste es in der Zukunft laufen, aus der Wissenschaft heraus. Und auf der anderen Seite dann eine gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung, vielleicht sogar beim Bundespräsidenten angesiedelt, weil es war ein Bund- und Länderproblem. Und wir dann da in diesen Dialog eintreten. Ich glaube, es muss zweigeteilt sein, dass wir nämlich einmal auch wirklich die Lehren ziehen, wie wir anders handeln oder am besten handeln sollten und auf der anderen Seite gesamtgesellschaftlich die Versöhnung haben.
Sprecher 7: Wenn man versucht, Lehren zu ziehen, Fehler aufzuarbeiten, ist es ja oft am einfachsten und am sinnvollsten, bei sich selbst anzufangen. Welche Fehler, würden Sie sagen, haben Sie möglicherweise selbst während der Pandemie gemacht? Sei es inhaltlich oder auch in Ihrem öffentlichen Auftreten.
Sprecher 8: Ja, also ich finde es immer sehr schwer, da irgendwie von Fehlern zu reden, weil in den jeweiligen Momenten weiß man, warum man wie gehandelt hat oder was man gesagt hat. zwar in dem Moment auch nachvollziehbar. Für mich, glaube ich, würde ich im Nachhinein die Lehre ziehen, dass man sehr viel mehr versuchen sollte, eine interdisziplinäre Kommunikation zu haben und dauerhaft zu haben mit vielen unterschiedlichen Akteuren, als vieles vielleicht im kleinen Kreis oder mit weniger zu machen. Ich glaube, diese Kommunikation ist im Kleinen, aber auch im Großen dann nicht so gut gelaufen. Und da war am Ende jeder beteiligt.
Sprecher 7: Sie haben während der Pandemie sehr stark die Öffentlichkeit gesucht, sind nicht nur in Talkshows aufgetreten, haben auch ihre eigene Studie unterstützen lassen von einer PR-Agentur.
Sprecher 8: Nein, das ist nicht richtig. Die ist nicht unterstützt worden von einer PR-Agentur, aber gut.
Sprecher 7: Sondern?
Sprecher 8: Sie wurde begleitet. Uns wurde über die Schultern geschaut. Im Übrigen, nachdem die Studie gelaufen ist, gab es ja eine Follow-up-Studie noch zur Kappensitzung. Die wurde begleitet, dass wir Fotos haben, dass wir Ähnliches dazu haben, Filmaufnahmen und so weiter.
Sprecher 7: Dadurch ist bei einigen Menschen der Eindruck entstanden, da denkt jemand vor allem... In erster Linie an seine eigene Vermarktung als an die Sache. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?
Sprecher 8: Diese Kritik kommt von Leuten, die sich damit nicht beschäftigt haben, wie es eigentlich, worum es dabei ging. Wir hatten zu dem Zeitpunkt, und das muss man vielleicht sich einmal vor Augen führen, wir hatten zu dem Zeitpunkt pro Tag rund 100 Presseanfragen. Zur Frage, dass wir begleitet werden sollten von RTL, Sat.1, ProSieben, wer auch immer wollte dabei sein. Und wir haben gesagt, nein, das können wir nicht machen. Das können wir auch den Bürgerinnen und Bürgern von Gangelt nicht antun, dass da jetzt die ganzen Kameras hin sind. Darum haben wir gesagt, keine Presse, niemand vor Ort, aber wir machen unser eigenes Material. Und so hat sich das dann entwickelt, dass wir das dann haben begleiten lassen und wo das ganze Material uns gehörte dann.
Sprecher 7: Schauen wir jetzt einmal nach vorne in die tagesaktuelle Gesundheitspolitik. Ich habe oft den Eindruck, auch in der ersten Debatte im Bundestag zur Gesundheitspolitik, wenn es um das Thema geht, da hört man immer sehr viel Problembeschreibung, auch von den Politikern und sehr wenig konkrete Lösungsansätze. Wie nehmen Sie das als neuer Politiker jetzt wahr, der in dieses Feld reinkommt?
Sprecher 8: Ja, also in der ersten Debatte zur Gesundheit war es in der Tat so, dass viel beschrieben wurde, viele Probleme beschrieben wurden, vor allem im Pflegebereich, auch Finanzstabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung, aber keine Lösungen präsentiert wurden. Und das hat einen natürlich, also mich zumindest auch so ein bisschen frustriert und gewundert, wenn dann jetzt aus der Oppositionspartei Stimmen kamen, dass man gesagt hat, das kommt alles viel zu spät, das hätte alles schon gemacht werden sollen und, und, und. Wo ich mich gefragt hatte, die letzten drei Jahre hat eben die Ampel diese Veränderung auch nicht gemacht. Also darum ist... dass es bei sieben Tagen erst im Amt bei der oder einer Woche im Amt bei der neuen Gesundheitsministerin, finde ich das fast ein wenig unfair, mit solchen Zwischenrufen dann zu kommen. Denn gebt ihr erstmal Zeit. Ich glaube, ich bin überzeugt davon, dass sie das sogar sehr gut machen wird.
Sprecher 9: Professor Strick, vielen Dank, dass Sie bei uns waren.
Sprecher 8: Sehr gerne.
Sprecher 2: Sie haben es gehört, Helene ist heute ausnahmsweise nicht dabei. Deswegen meine Frage, Flo, war noch was?
Sprecher 9: Ja, Mick, tatsächlich, ein großes Stück deiner Kindheit, ein kleines Stück meiner Kindheit zieht um. Die Sesamstraße. Sie wird jetzt bald auf Netflix zu sehen sein, Ende des Jahres. Und Schuld ist Donald Trump.
Sprecher 2: Schon wieder Donald Trump. Was hat er mir gemacht mit meiner schönen Sesame Street?
Sprecher 9: Mit der Sesamstraße Gott sei Dank an sich erstmal nichts, die er da unberührt gelassen. Aber er hat die Gelder gestrickt für den freiemfänglichen Sender PBS, der auch die Sesamstraße mitproduziert. Und ohne Geld ist natürlich eine Neuproduktion schwierig. Netflix hat sich gesagt, das können wir so nicht stehen lassen. Also A, muss die Sesamstraße gerettet werden und B, kommen dann neue Kunden zu uns, wenn wir das anbieten. Und so haben sie zweifelig mit einer Klappe geschlagen, Kindheit gerettet, Kunden gewonnen. Alle sind glücklich, außer Donald Trump.
Sprecher 2: Seit 1973 gibt es die Sesamstraße. Wie alt warst du da eigentlich?
Sprecher 9: 1973? Oh, warte, da muss ich rechnen. Da war ich 0 minus 17.
Sprecher 10: 1, 2, 3, 4, 5. Noch mehr.
Sprecher 2: Ja, die Sesamstraße hatte nicht nur so etwas fröhlich, optimistisch, pädagogisch Wertvolles, sondern es waren ja auch erstaunlich viele Stars, zumindest in der amerikanischen Originalversion, immer wieder Gast. In der Sesamstraße und musizierten dann legendäre Gigs. Stevie Wonder 1973, der damals übrigens als 23-jähriger Stevie Wonder fast eine ganze Sendung füllte und eine 6-Minuten-Version von Superstition hinlegte. Und da muss ich doch sagen, stell dir mal vor, so etwas würde aus den Archiven verschwinden. Ganz großes Kinderfernsehen mit ganz großer Musik.
Sprecher 9: Wir sind dann morgen früh ab 5 wieder für Sie da, dann auch wieder mit Helene und neuen spannenden Themen.
Sprecher 2: Ciao, bis dahin.
Sprecher 11: Boy, Stevie, you know, you really play good. You play so good. Do you think you could teach me something?
Sprecher 12: I got something just for you, girl. Oh, yeah? Just for you. Go ahead. It goes like this. Sada-bada-bada-bada-bada-bada-bada-bum.
Sprecher 11: Scab, scab, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da, da,
Sprecher 12: You know what, girl? What? You did it better than me.
Sprecher 11: Stevie Wonder says I did it better than him. I am so proud of myself.